DGPPN

Von der Therapie zur Prävention: der DGPPN-Kongress 2013

Ein Programm von 400 Seiten, prall gefüllt mit Vorträgen, Symposien und Diskussionsveranstaltungen; eine Themenpalette, die von „Anforderungen und Möglichkeiten psychotherapeutischer Behandlung“ über „Molekulare Mechanismen von Gen-Umwelt-Interaktionen“ bis hin zu „Humor in der Psychiatrie“ reicht: Der alljährlich in Berlin stattfindende DGPPN-Kongress ist eine Veranstaltung der Superlative. Noch ein paar Zahlen gefällig? „10.032 Besucher nahmen am DGPPN Kongress 2013 teil. 710 wissenschaftliche Sitzungen, 1971 Referenten, Vorsitzende und Posterautoren, 92 Fortbildungsveranstaltungen mit 1493 Teilnehmern, Gäste aus 54 Ländern“ (Quelle: www.dgppn.de).

 

Was macht ein Pharma-Konzern?
Neben dem Veranstaltungsprogramm gibt es auch einen Ausstellungsbereich, wo Verlage – z.B. Junfermann oder Klett-Cotta – ihre thematisch passenden Bücher präsentieren oder verkaufen. Doch auch die Pharmaindustrie ist nicht zu übersehen: riesige Stände, die Behandlungsmöglichkeiten für Depression oder ADHS propagieren. Und kaum ein Pharmastand ohne Kaffee-Bar. Wenn doch, werden Waffeln gebacken oder Würstchen verteilt. Wer vorher noch nie etwas von der pharmazeutischen Industrie gehört hat, könnte auf dieser Veranstaltung ein durchaus schiefes Bild gewinnen. Was macht ein Pharma-Konzern? Er schenkt Kaffee aus …

 

Enges Gedränge in den Gängen
Die Menschenmassen verlieren sich auch im weitläufigen Berliner Kongresszentrum nicht. Immer wieder kommt es zu Engpässen und in Veranstaltungen geht man besser überpünktlich. Sonst nämlich findet man sich in einer dicken Traube von Menschen, die allesamt versuchen, irgendwie doch noch in den völlig überfüllten Saal zu drängen. Vielleicht aber sind diejenigen, die draußen bleiben müssen, die glücklicheren? Einmal ist es mir nämlich gelungen, mich noch in einen Vortrag zum Thema PTBS-Behandlung hinein zu drängeln, den ich stehend anhören durfte. Immerhin: Umfallen war aufgrund der vielen Menschen um mich herum nicht möglich.

 

Ein Tannenbaum aus Luftballons: auch ein Beitrag zum Thema Humor

Die Veranstaltungen
Beeindruckend fand ich einen Vortrag des norwegischen Psychiaters Ulrik Frederik Malt: „What can psychiatry contribute to the understanding of extreme violence“. Malt war einer der Gutachter im Breivik-Prozess gewesen und so war der Utoya-Attentäter auch sein am häufigsten angeführtes Beispiel. Als berührend empfand ich einen Beitrag in einem Symposium zu Kunsttherapie, wo ein Therapeut berichtete, wie es einer Patientin mit Locked-in-Syndrom schließlich gelangt, sich über Bilder mitzuteilen. Eva-Lotte Brakemeier schließlich schaffte es, das durchaus ernste Thema „schwierige Therapiesituationen“ mit einer Prise Humor zu würzen. In einem Video mit einer nachgestellten Szene aus einer realen Therapie-Situation lieferte sie eine interessante Variante zum Thema Hildegard, sagen Sie jetzt nichts: „Herr Schneider, Sie sagen jetzt bereits seit 15 Minuten nichts.“ Und sehr humorvoll endete auch mein persönliches Kongressprogramm: mit Manfred Lützs Vortrag „Bluff – eine heitere Psychologie falscher Welten.“ Nach vielen eher schweren Symposien eine Portion Lachen für den Nachhauseweg.

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