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Psychische Verletzungen behandeln und emotionale Widerstandsfähigkeit verbessern

Die sieben Angewohnheiten emotional gesunder Menschen

Von Guy Winch

Die meisten von uns achten sehr auf ihre Gesundheit und behandeln Angriffe auf ihr körperliches Wohlergehen unverzüglich. Wir ziehen uns warm an, wenn wir eine Erkältung vermuten, behandeln Kratzer und Wunden mit antibakterieller Salbe und Pflastern, und wir halten uns von Wundschorf fern, damit Verletzungen in Ruhe heilen können. Obwohl wir uns psychische Wunden genauso oft zuziehen wie körperliche, sind wir in dieser Hinsicht deutlich weniger proaktiv. Wir schützen unser psychisches Wohlergehen in geringerem Maße als unser körperliches. Indem Sie sich die folgenden sieben Angewohnheiten aneignen und häufig auftretende psychische Verletzungen sofort „behandeln“, unterstützen Sie Ihre mentale Gesundheit und verbessern Ihre emotionale Widerstandsfähigkeit.

  1. Nach einer Niederlage die Kontrolle zurückgewinnen: Niederlagen verzerren unsere Wahrnehmung, was dazu führt, dass unsere Ziele außer Reichweite und unsere Fähigkeiten unzulänglich erscheinen. Wenn wir das Gefühl haben, unseren Erfolg kaum beeinflussen zu können, verlieren wir unsere Motivation. Gewöhnen Sie sich an, diese automatische irreführende Reaktion zu ignorieren, und machen Sie stattdessen eine Liste mit all den Faktoren, die Sie auf dem Weg zu Ihrem Ziel kontrollieren können (z. B. Arbeitseinsatz, Vorbereitung, Planung, verschiedene Herangehensweisen, die Sie hätten wählen können, usw.). Denken Sie dann darüber nach, wie Sie jeden dieser Faktoren verbessern können. Auf diese Weise beugen Sie nicht nur negativen Sinnestäuschungen vor, sondern erhöhen außerdem Ihre Chancen auf zukünftigen Erfolg.
  2. Den Sinn in Verlust und Trauma sehen: Menschen, die sich von Verlust oder Trauma emotional nicht unterkriegen lassen und erfolgreich weiterleben, unterscheiden sich in einem wesentlichen Aspekt von anderen: Sie sind in der Lage, ihrer Erfahrung einen Sinn abzugewinnen. Dieser Prozess nimmt Zeit in Anspruch, genauso wie das Trauern und das sich Anpassen an eine neue Realität. Sie werden Ihr Leben und die Menschen darin jedoch neu zu schätzen lernen, wenn Sie sich daran gewöhnen, nicht nur das Verlorene zu sehen, sondern auch zu erkennen, was Sie gewonnen haben. Sie werden wichtige Entscheidungen treffen und Wert, Sinn und Bedeutung finden können, wo Ihnen dies zuvor unmöglich erschien.
  3. Den Drang zu grübeln unterdrücken: Wenn wir über beunruhigende Ereignisse grübeln, gewinnen wir selten Einsicht in diese. Stattdessen spulen wir in unserem Kopf beunruhigende oder ärgerliche Szenarien immer wieder ab, was unseren Drang zu grübeln nur noch verstärkt. Dadurch fühlen wir uns schlechter. Gewöhnen Sie sich daran, den Teufelskreis des Grübelns sofort zu unterbrechen – wie verlockend er auch erscheinen mag. Dies gelingt am besten, indem Sie sich mit einer Tätigkeit ablenken, die Ihre volle Konzentration in Anspruch nimmt – z. B. mit einer Runde Sudoku, indem Sie versuchen, sich an die genaue Reihenfolge aller S-Bahn-Stationen auf Ihrem Heimweg zu erinnern, oder eine fesselnde TV-Sendung anschauen.
  4. Selbstwertgefühl stärken: Unser Selbstwertgefühl schwankt für gewöhnlich, was dazu führt, dass wir uns an einigen Tagen besser als an anderen fühlen. Viele Menschen sind jedoch sehr selbstkritisch, wenn sie sich schlecht fühlen, d. h., sie greifen ihr eigenes Selbstwertgefühl an, obwohl es bereits am Boden liegt. Um Ihre psychische Gesundheit zu verbessern, sollten Sie Ihr Selbstwertgefühl als „emotionales Immunsystem“ betrachten, das es zu stärken gilt, wenn es angeschlagen ist. Der beste Weg, ein verletztes Selbstwertgefühl zu „heilen“, besteht darin, Mitgefühl mit sich selbst zu haben. Wenn Sie also einmal wieder selbstkritische Gedanken hegen, überlegen Sie sich, was Sie in einer ähnlichen Situation zu einem guten Freund sagen würden. Schreiben Sie eine E-Mail, in der Sie Mitgefühl und Unterstützung ausdrücken. Lesen Sie diese E-Mail dann, als hätte jemand anders sie Ihnen geschickt.
  5. Das Selbstwertgefühl nach Zurückweisung stärken: Zurückweisungen sind so schmerzhaft, dass wir die Schuld oft bei uns selbst suchen, um unsere emotionalen Schmerzen zu verstehen. Wir glauben, dass wir sehr schwach/erbärmlich/ein Verlierer/wertlos/zerbrechlich/nicht liebenswert/… sein müssen, um uns so verletzt fühlen zu können. Zurückweisung schmerzt nicht deshalb, weil etwas mit uns nicht stimmt, sondern aufgrund der Funktionsweise unseres Gehirns. Die beste Möglichkeit, emotionalen Schmerz zu lindern und das Selbstwertgefühl wieder aufzubauen, besteht darin, eigene Aspekte und Qualitäten zu bestärken, die Sie wertschätzen (z. B. Loyalität, Mitgefühl, Kreativität oder eine gute Arbeitseinstellung). Legen Sie eine Liste solcher Eigenschaften an, wählen Sie ein oder zwei Aspekte aus und erklären Sie kurz schriftlich, warum Ihnen diese Qualitäten wichtig sind.
  6. Einsamkeit durch Identifizieren von selbstschadenden Verhaltensweisen bekämpfen: Chronische Einsamkeit tritt sehr viel häufiger auf, als wir annehmen, und hat katastrophale Auswirkungen auf unser emotionales und körperliches Wohlergehen. Wenn wir uns einsam fühlen, versuchen wir oft, das Risiko weiterer Zurückweisungen zu minimieren, indem wir uns unbewusst selbstschadend verhalten und die Möglichkeit sabotieren, neue Kontakte zu knüpfen und alte zu stärken. Der beste Weg Einsamkeit zu bekämpfen, besteht darin, sich anzugewöhnen, selbstschadende Verhaltensweisen zu identifizieren und herauszufordern. Legen Sie eine Liste der Ausreden an, mit denen Sie bisher vermieden haben, in sozialen Situationen die Initiative zu ergreifen (z. B. Ich kenne niemanden bei dem Fest, warum sollte ich also gehen? Die rufen mich nie an, warum sollte ich es dann bei ihnen versuchen? Sie sind wahrscheinlich zu beschäftigt, um sich mit mir zu treffen. Ich kann mich doch nicht einfach selbst einem Unbekannten bei einer Party vorstellen.). Listen Sie nun die Menschen auf, in deren Gesellschaft Sie sich in der Vergangenheit wohlgefühlt haben (durchsuchen Sie Telefon-, E-Mail- und Facebook-Kontakte), und nehmen Sie jeden Tag mit einer oder zwei Personen Kontakt auf, um sich zu verabreden. Wiederholen Sie dies, bis Ihr Kalender voll ist. Fordern Sie sich dazu heraus, nicht auf die Ausreden von Ihrer Liste zurückzugreifen, wenn Sie sich unwohl fühlen.
  7. Beschädigte Beziehungen reparieren, um überhöhte Schuldgefühle abzulegen: Überhöhte Schuldgefühle entstehen, wenn unsere Handlungen oder Untätigkeit eine andere Person (häufig eine enge Freundin oder einen nahen Verwandten) verletzt haben und diese Person uns dafür nicht vergeben hat. Dies ist hauptsächlich auf unzulängliche Entschuldigungen zurückzuführen und nicht auf die Unfähigkeit der anderen Person, ihren Schmerz zu verarbeiten. Die entscheidende Eigenschaft einer wirkungsvollen Entschuldigung – etwas, das wir häufig vergessen – ist Empathie. Um die Vergebung einer anderen Person zu erhalten, müssen Sie es sich zur Aufgabe machen, stets eine wirkungsvolle Entschuldigung vorzubringen, wenn Sie etwas falsch gemacht haben. Dabei ist es wichtig, der Person das Gefühl zu geben, dass Sie vollkommen verstehen, was sie empfindet und welche Auswirkungen Ihr Verhalten auf sie hatte. Durch den Ausdruck angemessener Empathie erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Gegenüber Ihre Entschuldigung als aufrichtig empfindet und Ihnen wirklich vergibt. Ihre Schuldgefühle werden kurz darauf verschwinden.

(Übersetzt von Julia Welling)

Winch_Guy Über den Autor

Guy Winch, Ph.D., ist Psychotherapeut in eigener Praxis in New York und Mitglied der American Psychological Association. Von seinen Büchern ist „Emotionale Erste Hilfe“ das erfolgreichste. Es wurde in 20 Sprachen übersetzt.

(Die englische Version des Blogbeitrags ist hier zu finden.)

 

 

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