Junfermann – der Verlag mit dem Aal

Womit erreicht man auf YouTube die meisten Zugriffszahlen? Mit Katzenvideos natürlich, mit „Cat Content“. Tiere berühren, wecken positive Emotionen und schaffen Sympathie. Alles gute Gründe, sich als Verlag zu überlegen, ob nicht ein Tier im Logo etwas Erstrebenswertes sein könnte

Zugegeben: Die Idee ist nicht ganz neu, denn es gibt da z.B. einen Verlag, der sich seit vielen Jahren mit einem Insekt schmückt. Aber muss man das Rad immer wieder neu erfinden? Also welches Tier sollten wir als Junfermann Verlag wählen? Possierliche kleine Kätzchen? So niedlich diese sind – passen würden sie kaum. Dann vielleicht doch eher „Der Verlag mit dem Käfer“? – Ach nein, Insekten haben wir ja schon, das wäre zu nah an …

Nach viele Gesprächen und reiflicher Überlegung hatten wir schließlich die Idee: Junfermann – der Verlag mit dem Aal! Was zunächst etwas absurd klingen mag – mit dem Aal! – erweist sich bei näherem Hinsehen aber als durchaus schlüssig und passend.

Der Aal ist eine ziemlich alte Tiergattung – und auch wir als Verlag haben schon einige Jahre auf dem Buckel (Gründungsjahr: 1659).

Der Aal ist flexibel und anpassungsfähig. So unterscheidet man zwischen Spitzkopf- und Breitkopfaal, aber diese zwei verschiedenen Arten sind keineswegs genetisch vorbestimmt, sondern sie entwickeln sich nach dem jeweiligen Nahrungsangebot. Auch der Junfermann Verlag hat im Lauf seiner Geschichte so manche Wandlung mitgemacht. Die ersten Psychologie-Titel erschienen erst in den 1970er-Jahren, davor war das Programm eher von religiöser und von Regionalliteratur geprägt.

Aale vollbringen ganz erstaunliche Dinge: Die Laichplätze des europäischen Flussaals liegen in der ca. 4000 km entfernten Sargassosee. Um dort hinzugelangen, scheuen die Tiere kein Hindernis. Wenn zwischen zwei Flussläufen ein Stück des Weges über Land zurückzulegen ist, dann verlassen die Aale ihr angestammtes Element und schlängeln sich durch feuchte Wiesen. Eine solche Leistungsfähigkeit und Zielorientierung finden wir einfach vorbildlich! Auch das Beschreiten unkonventioneller Wege – über feuchte Wiesen – findet unsere vollste Sympathie.

Bleibt anzumerken, dass der Aal als Gattung noch so manches unerforschte Geheimnis birgt. Auch das ist ein Zug, der uns anspricht und uns in der Überzeugung bestärkt, künftig im unsere Bücher im Zeichen des Aals zu publizieren. Ab dem Herbst diesen Jahres starten wir – und es gibt schon erste Entwürfe für ein Icon, das dem Logo hinzugefügt wird. Und natürlich wird auch unsere Herbstvorschau unser neues „Wappentier“ ganz groß herausbringen:Cover_Aal

30 Jahre Gewaltfreie Kommunikation in Deutschland

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Marshall B. Rosenberg

Am 26. April 1986 kam Marshall Rosenberg erstmals zu einem Seminar nach München. 30 Jahre später finden wir eine „blühende GFK-Landschaft“ im deutschsprachigen Raum vor. Es gibt viele Trainerinnen und Trainer und auch GFK-Übungsgruppen. In Deutschland gibt es seit 2010 den Fachverband Gewaltfreie Kommunikation, der mit seiner Arbeit zur Verbreitung der GFK beitragen möchte.

Damit dieses Jubiläum würdig gefeiert wird, wurde der April 2016 zum GFK-Monat erklärt. Diese Initiative soll dazu beitragen, dass die Gewaltfreie Kommunikation auf verschiedensten Ebenen (noch) bekannter gemacht und tiefer verankert wird.

 

Flankiert wird der GFK-Monat von zwei Kongressen im deutschsprachigen Raum:

Der erste Kongress findet am 1. und 2. April 2016 in Darmstadt statt und wird veranstaltet vom DACH e.V. Das Thema lautet: Wir schaffen eine neue Welt – Gewaltfreie Kommunikation als Kraft für den sozialen Wandel
Weitere Informationen gibt es hier.

Zum Abschluss des GFK-Monats findet vom 29. Aprils bis zum 1. Mai 2016 ein Kongress in Bonn statt, unter dem Motto „Create & Change“
Weitere Informationen gibt es hier.

Unter http://www.gfkmonat.de/ gibt es außerdem laufend aktualisierte Infos zu allen weiteren Veranstaltungen und Aktionen.

Auch bei Junfermann haben wir ein wenig zur Verbreitung der Gewaltfreien Kommunikation im deutschsprachigen Raum beigetragen. 2001 erschien die erste Auflage von Marshall Rosenbergs Grundlagenwerk „Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens“. Passend zum Jubiläum wird dieses Basiswerk im Herbst 2016 in überarbeiteter Neuauflage erscheinen, genauso wie die Übungsbücher von Ingrid Holler und Lucy Leu.

Denn es war kein Raum in der Herberge

Von Fabienne Berg

Überall leuchten und blinken weiße und bunte Lichtlein. In den Innenstädten riecht es verlockend nach gebrannten Mandeln und Glühwein. Bepackt mit Tüten und Geschenkpapier schieben sich die Menschen von Geschäft zu Geschäft. Straßenmusikanten streiten um die besten Plätze. Der Handel hat Hochkonjunktur – die Taschendiebe auch. Unverkennbar: Es weihnachtet wieder. Wie schön!

Wir feiern Weihnachten in Gedenken an die Geburt Jesu Christi. Und dessen Geschichte beginnt mit einer schwangeren Frau, die sich zusammen mit ihrem Mann aufmacht auf eine gefährliche Reise mit ungewissem Ausgang.

Die Geschichte von Maria und Josef kennt hierzulande fast jedes Kind. Wir hören sie jedes Jahr um diese Zeit und der einen oder dem anderen von Ihnen klingen vielleicht bei dem Gedanken an die Weihnachtsgeschichte folgende Worte aus dem Lukasevangelium in den Ohren: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.“

Nun ist der IS in Syrien. Und ein jeder läuft. Aber nicht in seine Stadt, sondern um sein Leben. Tausende Frauen, Männer und Kinder sind auf der Flucht. Nicht selten sind unter den Frauen auch Schwangere, die – wie damals Maria – nicht wissen, ob sie und ihre ungeborenen Kinder die Reise gesund überstehen werden. Und trotzdem machen auch sie sich auf den Weg.

Maria und Josef brauchten damals dringend einen Platz zum Schlafen. Die Wehen hatten bei Maria bereits eingesetzt. Immer wieder fragten sie nach einem Quartier. Der Zimmermann und seine Frau. Arme Leute. Erschöpft und sorgenvoll. Die Antwort auf ihre Bitte war jedoch immer die gleiche: Nicht hier! Nicht bei uns! Wir haben keinen Platz!

Statt ersehnter Hilfe ernteten die beiden Argwohn und Ablehnung.

Auch das kommt uns irgendwie bekannt vor, wenn wir an unsere heutige Zeit denken. Die Angst vor dem Fremden scheint ein Ur-Programm in uns zu sein. Die Bereitschaft zur Aggression leider auch. Während die meisten von uns die Kerzen am Adventskranz anzünden, brennen in so manchen Köpfen Hass und Zerstörungswut. Häuser brennen nieder im Krieg – und so manche Flüchtlingsunterkunft bei uns auch.

Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, wenn er alles verlässt, was ihm wichtig war? Hoffen wir, dass wir und unsere Kinder niemals in diese Lage kommen und vor allem, dass die Kriegsherde in unserer Welt irgendwann erlöschen.

Die Weihnachtsgeschichte, die wir alle so schön und besinnlich finden, ist aber – wie wir wissen – lediglich der Beginn einer Erzählung, die uns Hoffnung, Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe lehren soll. Es ist nicht wirklich notwendig, an Jesus zu glauben, um das, wofür er steht, zu verstehen und vielleicht sogar ein Stück weit praktisch zu leben.

Ein nettes Wort für unseren Nächsten, ein offenes Ohr für die Nöte anderer, etwas gelebte Toleranz und ein mutiger Umgang mit unseren Ängsten und Vorbehalten – das kann schon ein Anfang sein.

Weihnachten endet nicht am 26. Dezember.

Weihnachten kann jeden Tag sein. In jedem Augenblick.

Ich weiß nicht mehr genau, wo ich folgenden Ausspruch gelesen habe, aber hier passt er hin:

„Heben wir uns unsere Prinzipien für die wenigen Momente im Leben auf, in denen es wirklich auf Prinzipien ankommt. Für den Rest genügt ein wenig Barmherzigkeit.“

 

In diesem Sinne wünsche ich dem gesamten Junfermann-Team, allen Leserinnen und Lesern und auch den anderen Autorinnen und Autoren fröhliche und friedliche Feiertage und alles Gute und Schöne für das neue Jahr!

Wie wir unsere Bücher aus der Psychiatrie holten …

„Für dich ist ein Paket in der LWL-Klinik abgegeben worden. Man sagte mir, es sei recht schwer.“ Mit dieser Nachricht überraschte mich heute meine Kollegin.

In der Psychiatrie also, die vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe betrieben wird (dafür steht „LWL“), ist eine Lieferung für uns gelandet? Etwa eingeliefert worden? Der Paketdienstfahrer habe sich vertan, sagt meine Kollegin. Und statt ihn zurückzuschicken, hat man in der Klinik das Paket angenommen und uns benachrichtigt.

Zum Glück liegt die Klinik gleich um die Ecke und so nehmen wir die willkommene Gelegenheit für einen kleinen Spaziergang wahr. Weil das Paket schwer sein soll, nehmen wir lieber eine Sackkarre mit. Wir finden das Gebäude, in dem die Lieferung auf uns wartet und jemand, der wie ein Hausmeister aussieht, weist uns den Weg. Auf dem Korridor finden sich diverse Pakete, darunter eins mit einem Zettel versehen: „Wird abgeholt.“ Es ist tatsächlich unser Paket. „Das ist doch gar nicht so schwer“, meint meine Kollegin. Aber auf Dauer könnten die Arme doch etwas länger werden und so packen wir es auf die Sackkarre.

Der Absender ist eine der Druckereien, mit denen wir arbeiten – und so habe ich schon eine Vermutung, was drin sein könnte. Im Verlag angekommen packe ich sofort aus – und finde meine Vermutung bestätigt. Es sind unsere Novembernovitäten, und zwar die Belegexemplare für den Verlag! Wie gut, dass die Klinik gleich um die Ecke liegt, denke ich mir. Was hätte den Büchern nicht alles in der Psychiatrie passieren können, hätten sie länger dort bleiben müssen. Schon eine ziemlich verrückte Geschichte!

 

Und diese beiden Bücher haben wir aus der Psychiatrie „befreit“:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neurolinguistisches Coaching“ und „Kluge Köpfe, krumme Wege?“

Ab dem 20. November sind sie überall im Handel erhältlich.

Frankfurter Buchmesse 2015: The same procedure as every year?

Gibt es eigentlich noch irgendetwas Berichtenswertes von der Frankfurter Buchmesse, über das wir nicht hier im Blog schon viele Male geschrieben hätten? – Wir waren dort, hatten viele Gespräche, Autorinnen und Autoren haben uns am Stand besucht …

Etwas in diesem Jahr war schon anders, denn die diesjährige Messe wurde uns als eine Messe der kurzen Wege angekündigt. Die etwas weiter draußen liegende Halle 8 war nicht belegt und die dort traditionell ausstellenden fremdsprachigen Verlage waren erstmals in den Hallen 4 und 6 untergebracht worden. Und für mich, die früher viele Termine in Halle 8 hatte, waren die Wege tatsächlich etwas kürzer. Allerdings: Hatte ich früher alle Kontaktpersonen unter einem Dach, so musste ich nun zwischen den Hallen 4 und 6 pendeln.

Junfermann-Messestand 2015

Doch wie gefiel es den Austellern selbst? Neugierig fragte ich meine Gesprächspartnerinnen und -partner. Ziemlich gut gefiel es den Kolleginnen von Taylor & Francis. Als viel belebter empfand es Kathy Kuehl von Guilford. Und Dorothy Smyk von New Harbinger meinte, mehr im Herzen der Messe gelandet zu sein. Sie vermisse allerdings den – wenn auch geringen – Einfall von Tageslicht aus Halle 8.

Durch die Neu- und Umverteilung der Standplätze waren auch viele deutsche Verlage nicht mehr an der gewohnten Stelle zu finden. Blind drauf zulaufen, wie in den zurückliegenden Jahren, war nicht mehr, auch nicht für alte Messehäsinnen wie mich.

Gastland Indonesien

Neu ist in jedem Jahr auch der Gastlandauftritt. In diesem Jahr wurde uns Indonesien vorgestellt, mit seinen mehr als 12.000 großen und kleinen Inseln. Hätten Sie auf Anhieb indonesische Autorinnen oder Autoren nennen können, vor oder nach der Buchmesse? – Mehr Gewürze, mehr Tourismus, Natur und traditionelles Schattenspiel, weniger Literatur: Das ist mein Fazit nach dem Besuch der Indonesienpräsentation.

Doch natürlich gab es – wie in jedem Jahr – viele Gespräche, darunter auch sehr

Monika Köster und Antje Abram

interessante. Am Freitag besuchten uns viele Autorinnen und Autoren: Antje Abram war da, Horst Lempart, Michael Huppertz und Fabienne Berg. Den kürzesten Weg hatte Christine Rost; sie kam mit dem Fahrrad. Und erstmals lernten wir Doris Klappenbach persönlich kennen, nachdem wir seit 10 Jahren mit ihr zusammenarbeiten. Auch aus etwas Altem können also manchmal neue Impulse hervorgehen, kann vielleicht Neues entstehen.

Horst Lempart freut sich über sein Buch am Messestand

Der Erfahrbare Atem: 50 Jahre Ilse-Middendorf-Institut Berlin

1965 – also vor 50 Jahren – wurde in Berlin das Ilse-Middendorf-Institut für den Erfahrbaren Atem gegründet. Prof. Ilse Middendorf (1910-2009) bildete dort fortan Atemtherapeutinnen und -therapeuten in der von ihr begründeten Schule des Erfahrbaren Atems aus. 1971 erhielt sie zudem eine Professur an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Berlin, in der sie Schauspielschüler im Atem unterrichtete. 1986 begann sie mit Seminaren und Ausbildungskursen in den USA, was 1991 in die Gründung eines US-Instituts in Berkeley mündete.

1985 – vor 30 Jahren also – erschien die Erstauflage von Ilse Middendorfs Klassiker „Der Erfahrbare Atem“ bei Junfermann. Dieses Grundlagenwerk ist nach wie vor aktuell und wird in der Ausbildung von Atemtherapeutinnen eingesetzt.

Ich bin Ilse Middendorf leider nie persönlich begegnet; unser Kontakt beschränkte sich auf Telefon und E-Mail. Was mich an ihrer aber immer sehr fasziniert hat, war ihre Wachheit und Vitalität bis ins hohe Alter. Für mich war sie damit der lebende Beweis für die Wirksamkeit ihrer Methode.

Und betrachtet man einmal die beiden Jubiläumsdaten – 1965 und 1985 –, und führt man sich dann vor Augen, dass Ilse Middendorf bei der Gründung ihres Instituts 55 Jahre alt war und das sie mit 75 Jahren ihr Buch veröffentlichte: Wo für andere vielleicht Ruhestand angesagt ist, startete diese Frau noch einmal richtig durch.

Das für ihre Arbeit Wesentliche hatte Ilse Middendorf in ihrem „Atemgedicht“ zusammengefasst, aus dem nun ein kleiner Ausschnitt folgt.

Du möchtest Dich
Deinem Atem zuwenden:
Atmen sollte Gesundheit bringen
heißt es –
mehr Frische – mehr Leistung
mehr … mehr …

So setze Dich zu mir
und lausche.

Das erste ist
warten können –
auf den Atem, der in mich einfließt.
Und ihn begleiten,
wenn er mich verlässt
und als Kraft
in der Welt in Erscheinung tritt –
im Klang, im Wort, im Werk.
In der Ruhe nach dem Ausatmen
bin ich geborgen
in dem, was mich geschaffen hat.

Atembewegung –
Urbewegung des Lebens,
Ausdruck dessen,
was ich werden kann.

Jede Zelle schwingt im Anruf
der Bewegung,
in Muskeln-Knochen-Organen
und setzt sich fort
in alle Sinne,
in meine Gestalt und das,
was Gestalt werden will –
kann – möchte – sollte.

Werde ich durchlässig?
Was ist das?
Bin ich wie ein Schwamm?
Nein.
Ich vermag meinen Atem zuzulassen,
dass er mich schwingend bewegt.
Aber ich und mein Selbst
sind der Inhalt dieser Bewegungen.
Ich lebe, ich atme –
ich werde gewahr,
welch großes Reich
ich das meine nenne.
Eine Welt bin ich,
wenn ich
zum bewussten Sein
erwache – langsam,
denn ich muss tragen können,
was mir geschenkt wird.

 

Die Leitung des Ilse-Middendorf-Instituts ist schon vor vielen Jahren an die nächste Generation übergeben worden. 1982 gründete Helge Langguth, Ilse Middendorfs Sohn, ein zweites Institut in Beerfelden und seit 1988 hat er die Gesamtleitung für beide Institute.

Wir gratulieren ganz herzlich zum 50-Jährigen, und wünschen viel Freude bei den Jubiläumsveranstaltungen. Auf die nächsten 50 Jahre!

Informationen zu den Instituten in Deutschland

Informationen zum Institut in den USA

Mit der „bösen“ Hand? – Zum Tag der Linkshänder

„Na, welches ist das schöne Händchen?“ Diese Frage hat mich durch meine Kindheit begleitet. Wenn ich meine Hände heute vor mich auf den Tisch lege und betrachte: Ist die eine wirklich schöner als die andere? Es gibt schon ein paar Unterschiede: mehr oder weniger Altersflecken, Venen treten bei einer Hand deutlicher hervor, links ist ein Fingernagel abgebrochen … Aber machen diese kleinen Unterschiede eine Hand schöner bzw. hässlicher?

Doch nicht nur Schönheitsunterschiede gab es, ich hatte anscheinend auch eine „böse“ und eine „liebe“ Hand. Und weil ganz oft mit der Wurst nach der Speckseite geworfen wird: Die schöne Hand war gleichzeitig die liebe. Dummerweise hatte ich als Kind eine törichte Präferenz für die böse (und damit wohl auch die hässliche) Hand: Ich bin Linkshänderin.

Heute, wo es sogar einen „Tag der Linkshänder“ gibt, scheint eine Vorliebe für die „böse Hand“ vollkommen in Ordnung. In meiner Kindheit in den 1960er-Jahren sah man das jedoch noch ganz anders. Ständige Ermahnungen, nicht immer ganz sanft ausgeführte Klapse auf die linke Hand (warum auch nicht, sie war ja schließlich böse!) – damit bin ich aufgewachsen.

Dann kam der Tag der Einschulung. Wir sollten unsere Lehrerin begrüßen und ihr die Hand geben. Alles war so fremd und aufregend – und ganz spontan gab ich ihr … die linke Hand. Alle hatten es gesehen – wie peinlich! „Gibt das Kind der Lehrerin die linke Hand!“ Für den Gesprächsstoff in der Familie zumindest war gesorgt.

Schreiben war dann auch so ein Thema. Eine strafende große Hand näherte sich regelmäßig meiner kleinen „bösen“ Hand und nahm ihr den Griffel weg.

Vielleicht war es mein Glück, dass meine Linkshändigkeit nicht ganz so stark ausgeprägt war, sodass ich mit der rechten Hand schließlich das Schreiben lernte. Alles andere – einen Ball werfen, im Topf rühren, nach etwas greifen – überlasse ich nach wie vor gerne meiner linken Hand. Und sie ist mir überhaupt nicht böse und erledigt wunschgemäß alles diese Aufgaben. Vielleicht ist das Ergebnis nicht immer ganz so schön. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrer „Händigkeit“ (egal ob links oder rechts) gemacht? Vielleicht sind Sie gar „Beidhänder“? Ich würde mich freuen, an dieser Stelle darüber zu lesen.

Es wäre so schön gewesen … Warum konnte der Junfermann-Kongress 2015 nicht stattfinden?

Was haben Sie am 20. März 2015 gemacht? Und was an den beiden darauffolgenden Tagen? Ich habe ein nettes, ruhiges Wochenende verlebt und kann mich an keine besonderen Vorkommnisse erinnern. Dabei hätte es ganz anders sein sollen, denn für das Wochenende vom 20.-22. März 2015 war ein Junfermann-Kongress in Düsseldorf geplant und ich hatte mich eigentlich auf sehr ereignisreiche Tage gefreut, mit vielen Begegnungen und Gesprächen.

Leider mussten wir im Februar feststellen, dass trotz vieler Werbemaßnahmen und Getrommel an allen Ecken und Enden bei weitem nicht genügend Anmeldungen eingegangen waren. Schweren Herzens entschieden wir uns dafür, die Veranstaltung abzusagen.

Aber warum musste es dazu kommen? So richtig verstehen wir es selbst noch nicht. Und deshalb wünschen wir uns an dieser Stelle einen Austausch mit Ihnen und hoffen, dass wir uns am Ende zwei Fragen besser beantworte können:

  1. Warum musste der Kongress scheitern?
  2. Was müssen wir in Zukunft tun, um wieder in die Erfolgsspur zu kommen?

Bevor ich selbst Erklärungsansätze für das Scheitern anbiete, möchte ich zunächst etwas zu dem sagen, was wir geplant hatten und warum.

Was war geplant?
Junfermann-Kongresse gibt es in loser Folge seit 1995. Alle paar Jahre brachten wir gut zwei Dutzend Autoren, etwa 200 Teilnehmer und das Verlagsteam für ein Wochenende in einem Hotel zusammen. Es gab Workshops und Vorträge, die jeweils das aktuelle Spektrum unseres Verlagsprogramms widerspiegelten. Es gab viele Begegnungen, Büchertische, manchmal Musik zum Mitmachen, manchmal auch Köperübungen – und immer auch etwas Abendunterhaltung und viel Spaß.

Diese „bunte Mischung“ hat über viele Jahre gut funktioniert. Und: Nach dem Kongress war fast immer vor dem Kongress, denn viele Teilnehmer fragten: „Wann kann ich mich für den nächsten anmelden?“ Wir haben allerdings immer ein paar Jahre Luft gelassen, denn wir sind ein kleines Team und solche großen Veranstaltungen absorbieren schon einige Kräfte. Außerdem sollten Kongresse mehr ein Sahnehäubchen und nicht so sehr Routine sein. Die für 2015 geplante Veranstaltung wäre Junfermann-Kongress Nr. 5 gewesen. Im Schnitt also alle vier Jahre einer.

Wenn man die fünfte Veranstaltung vorbereitet und plant, denkt man eigentlich, dass man weiß, was man tut. Wir hatten den vierten Kongress im Jahr 2012 kritisch analysiert, um es im Jahr 2015 (noch) besser zu machen. Als Problemzone hatte sich damals in erster Linie das Hotel erwiesen und deshalb waren wir bei der Auswahl des Veranstaltungsortes diesmal besonders kritisch. Aber das Prinzip, Workshops und Vorträge aus unserem Programm anzubieten, mit Autorinnen und Autoren als Referenten, hatte sich u.E. bewährt – und daran wollten wir weiter festhalten.

Doch warum mussten wir den Kongress trotzdem absagen? – Es folgen einige Erklärungsversuche:

  • Das Kongress-Programm war ein Querschnitt durch unser Verlagsprogramm. Wäre ein konkreteres Thema wichtig gewesen bzw. hätten wir eine klarer definierte thematische Klammer anbieten müssen?
  • Der Kongress war von Freitag bis Sonntag geplant. Ist ein ganzes Wochenende zu lang? Wäre es gut gewesen, die Teilnahme an einzelnen Tagen zu ermöglichen?
  • Ein Junfermann-Kongress ist keine zertifizierte Weiterbildung, für die es Punkt o.Ä. gibt. Besteht heutzutage kein so großes Interesse mehr, Veranstaltungen zu besuchen, die ganz allgemein inspirieren? Muss auch immer ein konkreter Nutzen damit verbunden sein (also z.B. Weiterbildungspunkte)?
  • Rächt es sich, dass wir nur ein Gelegenheitsveranstalter sind? Gibt es seit 2012 Entwicklungen, die uns entgangen sind, weil wir halt nicht regelmäßig Veranstaltungen durchführen?

 

Aber vielleicht gibt es noch ganz andere Gründe, die wir nicht einmal ansatzweise vermuten. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich mit uns austauschen könnten. Darüber, warum aus Ihrer Sicht vielleicht das Kongress-Programm nicht ansprechend ist (Das Programm, das geplant war, finden Sie hier.) Darüber, welche Art der Veranstaltung Sie sich von uns wünschen würden. Was also müsste passieren, damit Sie Lust bekommen, sich zu einem Junfermann-Kongress anzumelden? – Wir freuen uns auf Ihre Anregungen!

Das ganze Universum – in einem Zitat

Zitate inspirieren – zum Nachdenken, zum Selbstformulieren und zum Handeln. Es gibt Menschen, die richtige Zitatensammlungen haben und darin zu jeder Gelegenheit etwas Passendes finden.

Anja Palitza und Olaf Hartke gehören zu diesen Menschen, denen Zitate sehr viel bedeuten. „Es gibt Situationen, in denen sind wenige Worte wie ein ganzes Universum. Dann kann ein bestimmtes Zitat das ganze Spektrum unseres emotionalen oder geistigen Erlebens widerspiegeln.“ Mit diesen Sätzen leiten sie ihr Buch „Heute gewaltfrei“ ein, in dem sie für jeden Tag des Jahres ein Zitat anbieten. Und als Anregung für die Leserinnen und Leser äußern Anja Palitza und Olaf Hartke außerdem ihre Gedanken zu jedem Zitat.

Haben Sie ein Lieblingszitat?
Wie sieht es bei Ihnen aus, liebe Leserin, lieber Leser? Haben Sie vielleicht ein Zitat, das für Sie schon lange ganz wichtig ist? Haben Sie es an einer bestimmten Stelle platziert? Tragen Sie es vielleicht in Ihrer Geldbörse bei sich oder hängt es an einem Ort, an dem Sie häufiger im Verlauf des Tages vorbeikommen?

Aber vielleicht ist es bei Ihnen nicht ein bestimmtes Zitat. Möglicherweise haben sie eine Lieblingsautorin, deren Gedanken Sie besonders inspirieren und von der Sie unterschiedliche Zitate „bewahren“ oder sich zu bestimmten Gelegenheiten zu Gemüte führen?

Oder fühlen Sie sich einer bestimmten Philosophie oder Geisteshaltung sehr stark verbunden und schätzen Sie deshalb einige Aussprüche aus diesem Kontext ganz besonders?

Vielleicht mussten Sie auch eine schwere Lebenskrise durchmachen – und es gab da einen Ausspruch, der Ihnen in dieser Situation geholfen hat …

Teilen Sie Ihr Lieblingszitat mit uns …
Was auch immer es bei Ihnen ist: Wir wüssten gern Ihr Lieblingszitat – sei es nun das liebste Zitat aller Zeiten oder Ihr aktueller Favorit. Und wenn Sie mögen, können Sie uns gerne auch ein paar Gedanken dazu mitteilen, was Ihnen dieses Zitat bedeutet, was es bei Ihnen bewirkt (hat). Oder auch dazu, wo Sie Ihr ganz besonderes Zitat verwahren – oder wie es zu Ihnen gekommen ist.

… und gewinnen Sie mit etwas Glück ein Buch!
Das sollen Sie natürlich nicht umsonst tun! Wer bis zum Welttag des Buches, also bis zum 23. April 2015, hier etwas zum Thema Zitate postet, kann ein Exemplar von „Heute gewaltfrei“ von Anja Palitza und Olaf Hartke gewinnen. Am 24. April verlosen wir nämlich unter allen, die sich an unserer diesjährigen Welttag-Blogger-Aktion beteiligen 5 Exemplare dieser ganz besonderen Zitatensammlung. Wir hoffen, dass wir damit zu Ihrer ganz persönlichen Lesefreude beitragen.

Marshall Rosenberg (1934-2015)

„Weil ich glaube, dass die Freude am einfühlsamen Geben und Nehmen unserem natürlichen Wesen entspricht, beschäftige ich mich schon viele Jahre mit zwei Fragen: Was geschieht, wenn wir die Verbindung zu unserer einfühlsamen Natur verlieren und uns schließlich gewalttätig und ausbeuterisch verhalten? Und umgekehrt, was macht es machen Menschen möglich, selbst unter schwierigsten Bedingungen mit ihrem einfühlsamen Wesen in Kontakt zu bleiben?“ – Marshall B. Rosenberg

 

Die beiden oben zitierten Fragen beschäftigten Marshall Rosenberg sein Leben lang. Sie sind die grundlegenden Fragen der Gewaltfreien Kommunikation, seines Lebenswerks. Über Jahrzehnte hat er Menschen in aller Welt inspiriert. Er hat sie berührt und motiviert, die Gewaltfreie Kommunikation zu erlernen und weiterzugeben. Und wenn es auch nach wie vor (viel zu) viele Konflikte in aller Welt gibt: Marshall Rosenberg gehörte zu den Menschen, die etwas bewegt haben – und immer noch bewegen.

Am 7. Februar 2015 ist Marshall Rosenberg im Alter von 80 Jahren gestorben. So traurig und bestürzend diese Nachricht ist: Ganz friedlich und im Kreis seiner Familie sei er gestorben, kann man in einer Erklärung von Dominic Barter (Center for Nonviolent Communication) lesen. Weiter heißt es bei Barter: Er wisse nicht, wie man die Wirkung dieses Mannes beschreiben solle. Und: Leben und Werk waren bei Marshall Rosenberg in Balance – und diese Balance habe außergewöhnliche Kräfte freigesetzt.

Bei aller Trauer: Marshall Rosenberg lebt weiter, in seinem Werk, in den Veränderungsprozessen, die er bei so vielen Menschen angestoßen hat. Und nicht zuletzt in seinen Büchern. Wir sind stolz, sein deutscher Verlag und damit an der Weitergabe und Verbreitung seiner Ideen beteiligt zu sein.

Möglichkeiten, seine Trauer auszudrücken und Erinnerungen zu teilen
Die Nachricht vom Tod Marshall Rosenbergs hat sich sehr schnell über verschiedene soziale Netzwerke verbreitet. Es wurden vom CNVC virtuelle Räume geschaffen, in denen Menschen zusammenkommen und sich austauschen können. U.a. hat die XING-Gruppe zur Gewaltfreien Kommunikation sich für ihre Mitglieder als Forum zum Austausch angeboten. Und wir möchten ebenfalls anbieten, an dieser Stelle Erinnerungen an Marshall Rosenberg und Gefühle zu seinem Tod mit uns zu teilen.

Hier folgt noch ein Tribute-Video für Marshall Rosenberg, eines von so vielen: