Der Kraftraum mit der Doppelnull

Wortmann-LetzteZuflucht_Cover.inddLetzte Zuflucht Firmenklo – unter diesem Titel bot uns Konstanze Wortmann vor einiger Zeit ein neues Manuskript an. „Das ist nicht Ihr Ernst! So einen Titel kann man dem Buch doch nicht geben!“ entfuhr es mir. Was zunächst so kurios daherkam, erwies sich aber bei näherer Betrachtung als ein ganz ernsthaftes Thema. Viele Menschen arbeiten in Großraumbüros, in Industriehallen oder an anderen Orten, an denen es turbulent zugeht und wo auch immer viele andere Menschen sind.

Doch genau in diesem menschlichen Getümmel kann es leicht mal krachen und es kann einem alles zu viel werden. Wo ist dann die nächste Tür, die man hinter sich zuziehen kann, um einmal ganz alleine zu sein und sich wieder „einzukriegen“?

 

Wo ist die nächste Tür, die man hinter sich zuziehen kann?
Vielleicht gibt es eine Kantine? Aber da ist man meistens nicht allein. Vielleicht kann man kurz mal rausgehen, auf den Parkplatz oder eine andere Stelle auf dem Betriebsgelände? Doch die Wahrscheinlichkeit, hier niemanden anzutreffen, ist auch eher gering. Außerdem könnten andere aus dem Fenster schauen und sich fragen: „Was macht der da?“ Oder: „Warum arbeitet sie nicht?“

Es gibt keine Krisenräume. Also wohin dann? Ein Ort hat tatsächlich eine Tür, die man hinter sich abschließen kann: das Firmenklo. Und genau dahin, so Konstanze Wortmann, flüchten sich viele Beschäftigte. In ihrem Buch finden sich zahlreiche Übungen, die helfen, die Balance zurückzugewinnen. Und sie funktionieren teilweise sehr diskret und benötigen nicht viel Raum. Zur Not könnte man sie also auch im „Kraftraum mit der Doppelnull‘“ ausführen – auf der Firmentoilette.

Schreiben Sie uns Ihre Geschichten!
Sie habe von Seminarteilnehmern absolut positive Rückmeldungen erhalten, berichtete mir Konstanze Wortmann. Und ganz spontan hätten Menschen ihre Firmenklo-Geschichten erzählt. Nun ist sicher nicht alles für die Öffentlichkeit bestimmt, was auf einer als Krisenrückzugsort genutzten Toilette passiert. Aber es wird sicher ganz witzige, erzählenswerte und auch Mut machende Geschichten geben. Und wir würden uns freuen, wenn Sie diese mit uns teilen möchten.

Es gibt auch etwas zu gewinnen: Am 16. Juli verlosen wir unter allen, die mitgemacht haben, insgesamt drei Junfermann-Bücher. Den Titel dürfen sich die Gewinnerinnen und Gewinner aussuchen. Vielleicht fällt Ihre Wahl ja auf Letzte Zuflucht Firmenklo?

Gewaltfreie Kommunikation und Macht – ein Interview mit Petra Quast

Rosenberg_Macht_X.inddMacht – lange schon war dieses Thema nicht mehr so aktuell wie heute. Da gibt es einmal diejenigen, die sich ohnmächtig fühlen, resigniert haben und sich zurückziehen, denn gegen die Macht von „denen da“ kommt man einfach nicht an. Oder es gibt diejenigen, die als „Wutbürger“ endlich einmal zeigen wollen, dass sie durchaus über Macht verfügen. Auch erleben wir immer wieder, dass Politiker scheinbar gar nicht die Mächtigen im Land sind, denn überall versuchen Lobbyisten die Interessen von Unternehmen oder anderen einflussreichen Organisationen nach vorne zu bringen.

Wir erleben Macht aber auch in Gestalt von Politkern, die sich dominant zeigen, die Konflikte anheizen und teilweise über Waffenarsenale gebieten. Aus Machtdemonstrationen könnten nur allzu leicht heiße Kriege werden, mit verheerenden Folgen für die ganze Menschheit. Für manche sind diese Politiker der Typ starker Mann, der endlich mit „dem Saustall“ aufräumt und ihnen zu ihrem Recht verhilft, zu mehr Macht und mehr Einfluss. Und dann wieder erleben wir eine schwindende Wahlbeteiligung. „Alle macht geht vom Volke aus“ (Artikel 20 des Grundgesetztes der Bundesrepublik Deutschland). Aber sein Kreuzchen auf dem Zettel zu machen scheint nicht die Form von Macht zu sein, die ganz viele Menschen heute ausüben möchten.

Das sind die Dinge, die mir zum Thema Macht spontan durch den Kopf gehen, eine Auflistung, die sich endlos fortsetzen ließe. Es gibt zahllose Vorstellungen darüber, was Macht eigentlich ist – und würde man zehn Menschen fragen, bekäme man wohl zehn verschiedene Antworten. Auch Marshall Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, hat sich mit dem Thema Macht beschäftigt. Und wie passend: Vor mir liegt sein Buch „Gewaltfreie Kommunikation und Macht“. In der italienischen Originalausgabe kam es bereits 2004 auf den Markt. Es ist also nicht wirklich ein ganz neues Buch, aber eines, das wohl immer aktuell sein wird und momentan gerade sehr stark den Nerv der Zeit trifft.

Das Buch würde es in deutscher Übersetzung nicht geben, hätte sich nicht Petra Quast dafür engagiert. Sie lebt seit vielen Jahren in Italien und ist dort eine von drei zertifizierten Trainer/inne/n für Gewaltfreie Kommunikation. Sie hat uns nicht nur auf das Buch aufmerksam gemacht, sondern es auch aus dem Italienischen ins Deutsche übersetzt. Mit ihr möchte ich mich darüber unterhalten, was für sie das Besondere an diesem Buch ist und was sie selbst zum Thema Macht zu sagen hat. Sie erwähnte einmal, die inzwischen verstorbene GFK-Trainerin Vilma Costetti habe sie einst auf ein Buch von Carl Rogers aufmerksam gemacht, dessen Titel ins Deutsche übersetzt „Persönliche Macht“ lauten würde. Die erste Ebene der Macht, so Petra Quast, sei die persönliche Macht; das habe sie besonders aus diesem Buch gelernt.

 

HC: Sie arbeiten als GFK-Trainerin in Italien und deshalb auch schon lange mit der italienischen Ausgabe von „Gewaltfreie Kommunikation und Macht“. Was schätzen Sie besonders an diesem Buch?

PQ: Zusammen mit dem Basisbuch begleitet es mich, seit ich die GFK kenne und hat mir besonders dabei geholfen, einige Schlüsselkonzepte der Gewaltfreien Kommunikation besser zu durchdringen, wie zum Beispiel das Thema Feindbilder oder bedingungslose Liebe. Außerdem gefällt mir die sehr direkte und lebendige Form. Jedes Mal, wenn ich einen Blick hinein werfe, inspiriert mich was ich lese stets aufs Neue, auch noch nach zwölf Jahren GFK. Ich mag das Zusammenspiel der verschiedenen Ebenen, vom Persönlichen bis zum Politischen, die in den Kapiteln angesprochen werden.

HC: Immer mal wieder machen Sie die Erfahrung mit Kollegen oder Teilnehmern in Seminaren, dass es da noch ein Rosenberg-Buch gibt, das diese nicht kennen. Mögen Sie dazu etwas erzählen?

PQ: Ich beschäftige mich seit 2005 mit der GFK und habe sie in Italien kennengelernt. Erst 2013 habe ich zum ersten Mal an einem Seminar in einem anderen Land teilgenommen und zwar in Deutschland. Und erst da habe ich gemerkt: es gibt italienisches Material, das nicht in deutscher Übersetzung verfügbar ist. Das fand ich wirklich sehr schade. Mehrere Teilnehmer haben mich nach der englischen oder wenigstens spanischen Ausgabe gefragt, aber auch die gab und gibt es nicht.

HC: Vor gut einem Jahr hatten wir den ersten Kontakt. Was genau hat Sie bewogen, gerade dann das Projekt anzugehen? Das Buch gibt es ja schon länger … Lag es vielleicht daran, dass das Thema Macht gerade so aktuell ist wie schon länger nicht mehr?

PQ: Nein, nicht direkt. Den Plan hatte ich schon spätestens seit 2013, nach der Teilnahme an dem Seminar in Deutschland. Aber dann kamen viele andere Dinge dazwischen und vor einem Jahr war für mich eben genau der richtige Zeitpunkt gekommen. Ich hatte Lust und Energie und den Mut, den ersten Schritt zu machen. Ich komme aus einem ziemlich politischen Elternhaus und glaube, das Thema Macht ist immer und überall aktuell.

HC: Wenn man das Wort Macht hört, denkt man – gerade heutzutage – immer an Politik. Aber die GFK verengt den Blick anscheinend nicht auf das eine Thema …

PQ: Das war auch für mich ein Lernprozess und am Anfang überraschend, denn auch für mich war Macht ein vor allem politisches Thema. Mir meiner persönlichen Macht bewusst zu werden, dabei haben mir die GFK, dieses Buch und natürlich der Austausch mit Vilma Costetti sehr geholfen. Ich würde daher heute sagen: Macht spielt in jedem Bereich eine wichtige Rolle. Egal ob in der Familie, am Arbeitsplatz oder in der Politik, die Frage ist für mich immer: Wie können wir aufeinander Einfluss nehmen und uns gleichzeitig gegenseitig respektieren?

HC: Im Buch gibt es überraschenderweise auch ein Kapitel über Gesundheit. Was hat denn Macht mit Gesundheit zu tun?

PQ: Mehr als man glaubt. Wir haben in jedem Augenblick die Macht und die Möglichkeit, etwas für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit zu tun; es reicht beispielsweise schon, dass wir uns selbst und anderen auf eine bestimmte Weise zuhören. Gehört zu werden tut einfach gut, nicht nur auf der emotionalen und psychischen Ebene, auch auf der körperlichen.

HC: Wie ich schon sagte, ist politische Macht gerade jetzt ein sehr aktuelles Thema. Überall tauchen Politiker auf, die sich sehr machthungrig zeigen und sich dominant geben. Hat die GFK z.B. eine Antwort auf / eine Haltung zu Donald Trump oder Kim Jong Un?

PQ: Diese Frage führt mich zum Thema Feindbilder. Wenn ich denke, jemand sei machthungrig oder gäbe sich dominant, spreche ich von mir und nicht vom anderen. Mir sind dann wahrscheinlich gerade Teilnahme und Respekt wichtig. Spüren Sie den Unterschied? Auf diese Weise bin ich in Kontakt mit meiner persönlichen Macht und kann von dort aus auf den anderen zugehen. Wenn ich allerdings Urteile über ihn oder sie im Kopf habe, selbst wenn ich sie nicht ausspreche, verliere ich an Macht und es kommt höchstwahrscheinlich zu einem Streit oder Schlagabtausch oder ich resigniere innerlich, weil ich glaube eh nichts tun zu können. Was aktuell in der Weltpolitik geschieht, ist meiner Meinung nach das Ergebnis eines seit Jahrtausenden währenden Abgeschnitten-Seins von den eigenen Bedürfnissen und einem Denken in Kategorien von richtig oder falsch, gut oder böse, schwarz oder weiß – und zwar auf allen Ebenen. Wir können oft nicht anders, weil wir es so gelernt haben. Die GFK hat mir und vielen anderen Menschen geholfen, sich der eigenen Wahlmöglichkeiten bewusst zu werden und von dort aus zu handeln. Und das ist auch in der Politik möglich.

HC: Zum Abschluss vielleicht noch etwas zur Historie dieses Buches bzw. zur GFK in Italien …

PQ: Das Buch ist nach einem Seminar mit Marshall Rosenberg entstanden, das 2002/2003 in Italien stattgefunden hat. Es gab einen Tonmitschnitt, aus dem Vilma Costetti eine Buchform schuf. Eine erste Ausgabe wurde 2004 veröffentlicht und dann 2010 überarbeitet. Vilma Costetti hat Marshall Rosenberg bei all seinen italienischen Seminaren und Konferenzen begleitet und bis zu ihrem Tod im Jahre 2013 selbst Seminare und Workshops in ganz Italien abgehalten, auch zum Thema Macht. Und sie hat mit ihrer Verlagsarbeit einen wertvollen und zeitlosen Beitrag für die Verbreitung der GFK geleistet, der auch mich in meiner heutigen Arbeit als eine von drei CNVC zertifizierten GFK-Trainern in Italien und Teil eines wachsenden Netzwerks weiterhin sehr unterstützt.

Stille-Post-Transaktionen: Buchpräsentation auf der World Conference for Transactional Analysis

JechtKauka-Spielerisch_FINAL.inddVom 27. bis zum 29. Juli 2017 kamen in der TU Berlin 900 Transaktionsanalytiker*innen aus aller Welt zusammen. In Vorträgen und Workshops wurde das sehr aktuelle Tagungsthema „Boundaries – a place … to meet … to develop … to define identity” behandelt.

Rechtzeitig zu diesem Kongress war unser Buch „Spielerisch arbeiten“ von Gudrun Jecht und Elke Kauka fertig geworden, und so lag es nahe, diesen Band den zahlreich in Berlin versammelten Fachkolleg*innen vorzustellen.

Am Freitag, dem 28.7. – nach einem langen Kongresstag und vor einem weiter entfernt stattfindenden Festabend – fand sich eine erfreulich große Gruppe in dem uns zugewiesenen Hörsaal ein. Die an dem Buch Beteiligten mussten sofort erste Exemplare signieren und sich zu Gruppenfotos zusammenfinden. Neben Elke Kauka und Gudrun Jecht waren von den deutschen Autorinnen noch Eva Bräuning und Ulrike Thiersch-Jung anwesend, von der italienischen Autorenschaft war Stefano Morena gekommen – und er hatte eine ganze italienische TA-Delegation

Von links nach rechts: Stefano Morena, Elke Kauka, Eva Bräuning, Gudrun Jecht, Ulrike Thiersch-Jung

Von links nach rechts: Stefano Morena, Elke Kauka, Eva Bräuning, Gudrun Jecht, Ulrike Thiersch-Jung

mitgebracht.

Und dann begann die eigentliche Buchpräsentation, in der erstmals öffentlich in TA-Kreisen die neu entdeckte Stille-Post-Transaktion demonstriert wurde. Und das ging so:

Elke Kauka berichtete humorvoll, wie die Idee zu dem Buch entstanden war und wie dieses Buch-Baby auf die Welt gebracht wurde. Nach wenigen Sätzen hielt sie inne, der Blick ging zu Gudrun Jecht und diese übersetzte das vorher Gesagte ins Englische. Neben Gudrun Jecht stand der Dolmetscher der italienischen Delegation, der aus dem Englischen ins Italienische übersetzte.

Elke Kauka berichtete über ihr Zusammentreffen mit italienischen Kolleginnen und Kollegen und wie daraus die Idee dieser länderübergreifenden Kooperation entstanden sei. – Pause – Pause – Pause – und ein Blick zu Gudrun Jecht, die anscheinend ganz vertieft in das Berichtete ihren Übersetzungseinsatz verpasst hatte. Doch es gelang ihr, den Faden

Die Stille-Post-Transaktion: Vom Deutschen ins Englische ins Italienische (von rechts nach links)

Die Stille-Post-Transaktion: vom Deutschen ins Englische ins Italienische (von rechts nach links)

aufzunehmen und ihrem italienischen Nebenmann eine englische Vorlage zu liefern.

So verging die Zeit wie im Flug und am Ende wurden noch mehr Bücher signiert und weitere Fotos gemacht. Unbeantwortet blieb allerdings die Frage, ob am (italienischen) Ende tatsächlich das rauskam, was am (deutschen) Anfang in die Transaktionskette hineingegeben worden war. Die Stille-Post-Transaktion könnte also für den einen oder die andere zu einem interessanten Forschungsgebiet werden …

Für Nina

von Fabienne Berg

Demnächst erscheint Fabienne Bergs neues Buch Nahrung für Körper und Seele. Magersucht überwinden bei Junfermann. Die Autorin hat hierfür einige von Magersucht betroffene Menschen Berg-Nahrung_FINAL.inddbefragt und ihre Geschichten in ihr Buch aufgenommen. Dazu gehörte auch Nina, mit der es nach Abschluss der Arbeiten an dem Buch zu einer berührenden Begegnung kam.

Aaah, es ist März! Die kalte und dunkle Jahreszeit ist endlich vorüber. Die Tage werden länger und es wird vorsichtig wärmer. Die Menschen halten sich zunehmend im Freien auf und sehnen sich danach, bald wieder schöne dünne Kleidung tragen zu können: luftige T-Shirts, die kurze Hose, das bunte Kleid – und mit Perspektive auf den Sommer den schicken Bikini vom letzen Jahr. Doch Moment! Ob der nach den üppigen Weihnachtsfeiertagen und nach diesem langen Winter überhaupt noch passt? Falls nicht, hilft da nur Folgendes: sich entspannen, sich darüber freuen, dass man es sich im Winter hat gut gehen lassen – und im Sommer bei Bedarf einen neuen kaufen! Vielleicht fragen Sie sich jetzt, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe, Ihnen das zu empfehlen, raten doch sämtliche Frauenzeitschriften im Moment ganz anderes. Die Überschriften sind eindeutig: „20 Pfund weniger bis Ostern“, „Blitz-Diät“, „Ananas-Diät“, „Schlank mit Trennkost“ und und und … Zwar sind wir gerade in der Fastenzeit, aber diese Überschriften haben meiner Ansicht nach wenig mit religiösem Fasten oder Heilfasten zu tun.

Die große Mehrheit der Frauen in Deutschland und zunehmend auch der jungen Mädchen kennt sich mit Diäten aus; das ist keine ganz neue Erkenntnis. Doch wozu dient ihnen dieses Wissen eigentlich? Natürlich, um abzunehmen, ist doch klar! Wirklich? Die meisten dieser diätfreudigen Frauen und Mädchen haben keinerlei gewichtsbedingte Krankheiten, die aus medizinischer Sicht eine Diät erforderlich machen würden. Warum also dann überhaupt abnehmen? Glauben sie etwa, sie seien nicht schön, so wie sie sind? Geht es um den Sieg über die Figur und den blöden Bikini vom letzten Jahr? Oder doch um etwas ganz anderes? Eine Diät bindet – vom Geld ganz zu schweigen – viel Zeit und Energie. Für die eigentlichen Themen im Leben bliebe dann nicht mehr viel und so könnte man sich mit einer Diät wunderbar davon ablenken kann …

Unter gewissen Umständen kann eine Diät sogar gefährlich werden. Bei nicht wenigen an Magersucht erkrankten Frauen und Mädchen standen nämlich solche Abnehmbemühungen am Beginn ihrer Krankheit. In diesem Zusammenhang möchte ich eine Begebenheit mit Ihnen teilen, die mich sehr berührt und bewegt hat.

Vor ein paar Wochen bekam ich folgende SMS: „Hallo liebe Fabienne, wie geht es dir? Ich bin demnächst bei dir in der Nähe. Hast du vielleicht Zeit und Lust auf ein Treffen? LG Nina“

Nina. Ich hatte lange nichts mehr von ihr gehört. Kennengelernt hatten wir uns im Herbst 2014. Sie war zu der Zeit stationär in Behandlung, denn Nina war akut an Magersucht erkrankt. Die Krankheit hatte kaum etwas von ihr übrig gelassen. Sie war noch ein Schatten ihrer selbst, ein Häufchen Elend, nur Haut und Knochen. Verzweifelt, mutlos, traurig. Wir haben viel miteinander gesprochen. Über ihr Leben, ihre Eltern, den tragischen Tod ihrer Mutter, ihren hartherzigen Vater, dem sie nie irgendetwas hatte recht machen können und über ihren Beruf, der sie unglücklich gemacht und emotional ausgehöhlt hatte.

Ich schrieb ihr zurück: „Liebe Nina, schön von dir zu hören! Klar, können wir uns treffen. Wann und wo würde es dir denn passen? LG Fabienne“

Als Nina einige Tage später in das Café trat, in dem wir uns verabredet hatten, hätte ich sie fast nicht wiedererkannt, so unbeschreiblich war ihre Veränderung. Aus dem kaum 40 kg ‚schweren’ Häufchen Elend war wieder eine wunderschöne Frau mit ganz normaler Figur geworden. Das Haar voll und lockig, mit glänzenden grünen Augen und einer warmen und festen Umarmung. Im ersten Moment war ich so sprachlos, dass wir beide lachen mussten.

Und wieder gab es sehr viel zu erzählen. Ninas Vater, ihr Gewicht und der Job bei der Bank waren allerdings kein Thema mehr. Stattdessen berichtete Nina freudestrahlend, dass sie eine private Umschulung zur Fotografin gemacht habe und demnächst eine Fotoreise nach Kanada machen würde. Die einzigartigen Momente des Lebens zu erkennen und festzuhalten, mache ihr unglaubliche Freude. Zwar verdiene sie nicht annähernd so viel wie damals bei der Bank, aber es funktioniere und sie sei damit tausendmal glücklicher.

Nach ihrer stationären Therapie war Nina noch eine ganze Zeit ambulant in Behandlung gewesen. In dieser Zeit war ihr sehr viel klar geworden.

„Ich verstand, wie ich jahrelang an mir selbst vorbei gelebt habe. Und auch wie hart ich zu mir selbst gewesen bin. Ich habe alles entbehrt, wonach ich mich im Grunde mein ganzes Leben sehnte: Liebe, Zuwendung, Freude, sich angenommen fühlen. Und dann hörte ich auch noch auf zu essen. Ich gab mir nichts mehr. Ich war mir nichts wert. Doch damit ist nun zum Glück Schluss! Ich habe wieder angefangen zu essen und die Dinge zu tun, die mich mit Freude und Wärme erfüllen. Und das fühlt sich so unglaublich richtig und gut an. Es ist, als hätte ich endlich angefangen zu leben.“

Das von ihr zu hören, und vor allem Nina so gesund und fröhlich zu erleben, hat mich tief berührt und riesig für sie gefreut. Als ‚Wiedersehensgeschenk’ hatte sie mir ein Fotobuch mitgebracht mit einer Auswahl ihrer Lieblingsaufnahmen.

„Und wann erscheint dein neues Buch?“, fragte mich Nina.

Eine berechtigte Frage. Immerhin hatte ich Nina für das Buch interviewen dürfen.

„Jetzt bald im Frühling. Passend zu unserem Wiedersehen. Denn den Frühling hast du ja mitgebracht“, war meine Antwort.

Sich selbst mit dem zu nähren, was uns als Mensch langfristig gesund und glücklich macht, scheint mir wichtiger zu sein, als die Frage, ob die Kleidung vom letzten Sommer noch passt. Und was die eigene Attraktivität anbelangt, um die sich anscheinend so viele Frauen sorgen, so darf ich Ihnen verraten: Nicht die Bikinigröße ist ausschlaggebend. Ich weiß nicht, ob es ihr selbst wirklich aufgefallen war, mir aber schon: Als Nina mit ihrer neuen lebensbejahenden Ausstrahlung das Café betrat, drehte nicht nur ich mich um.

 

Berlin im November 2016: DGPPN-Kongress und eine Buchpremiere mit Liv Larsson

Teil 1: DGPPN-Kongress

Ende November ist seit ein paar Jahren für uns DGPPN-Zeit. Als Verlag gehören wir zu den Ausstellern p1010754auf „Europas größtem Fachkongress auf dem Gebiet der psychischen Gesundheit“. Laut Veranstalter (DGPPN steht für „Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde“) kamen in der Zeit vom 23.-26. November 2016 mehr als 9000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Citycube Berlin und nahmen an mehr als 600 Veranstaltungen teil.

Einen kleinen Ausschnitt des wissenschaftlichen Programms kann ich wieder in diesem Jahr erleben. Themen wie „Schuld, Psyche und Gehirn“, „Transgenerationale Effekte von mütterlichen Belastungen“ und „Behandlungskontinuität – auf die Beziehung kommt es an“ stehen auf meiner Liste. Außerdem besuche ich ein Symposium zum Thema „Lifestyle, Körperkult, Superfoods“, in dem u.a. die Auswirkungen der Sendung „Germanys next Topmodel“ auf die meist jugendlichen Zuschauerinnen untersucht werden. Die Mager-Models haben Einfluss auf junge Frauen mit Magersucht – das zumindest ergab eines Untersuchung, die Referentin Maya Götz präsentiert.

 

Teil 2: Buchpremiere „Dankbarkeit, Wertschätzung und Glück“

Am Freitagnachmittag lasse ich dann den Kongresstrubel hinter mir, wünsche den Kolleginnen am Larsson-Dankbarkeit_Cover.qxp_CoverVerlagsstand weiterhin gute Verkäufe und mache mich auf den Weg zu meinem ersten persönlichen Treffen mit unserer Autorin Liv Larsson. In Zusammenarbeit mit der deutschen GFK-Trainerin Annett Zupke führt sie schon seit einigen Jahren Workshops in Berlin durch. Kürzlich ist bei Junfermann ihr neues Buch erschienen: „Dankbarkeit, Wertschätzung und Glück“. Liv hatte sich diesmal eine Buchpremiere gewünscht, vorzugsweise in Berlin. Diesem Wunsch kamen wir gerne nach, haben wir doch mit Britta Gansebohm (Salonkultur) inzwischen eine Partnerin in Berlin, mit der wir solche Veranstaltungen gut realisieren können.

Bereits im Vorfeld der Buchpremiere zeichnete sich ab: Der Laden wird voll, der Name Liv Larsson scheint in Berlin zu ziehen. Und so bildet sich recht schnell eine Schlange von Menschen, die Einlass in den Veranstaltungsraum der Z-Bar begehren. Währenddessen laufen noch allerletzte Absprachen zwischen Autorin und Übersetzerin Julia Föll. Liv Larsson möchte nicht nur aus ihrem neuen Buch vorlesen und etwas über Dankbarkeit erzählen; sie möchte auch, dass sich das Publikum beteiligt, in Form von kleinen Übungen. Ob das aber angesichts der räumlichen Enge überhaupt möglich sein wird? Und: Wird sich ein Berliner Publikum zum Mitmachen motivieren lassen? – Fragen über Fragen.

Doch dann haben alle ihre Plätze eingenommen und nach der Begrüßung durch Britta Gansebohm erhält Liv das Wort. Sie spricht Englisch und Julia Föll sorgt dafür, dass diejenigen, die nicht ganz so heimisch in dieser Sprache sind, auch folgen können. Später berichtet sie, sie habe zum ersten Mal vor Publikum übersetzt. Eine wirklich geglückte Premiere, muss ich sagen, die viel zum Gelingen des Abends beigetragen hat.

Julia Föll und Liv Larsson

Julia Föll und Liv Larsson

Passt es überhaupt, angesichts der Lage auf dem Planeten, angesichts zunehmender Bedrohung und sich zuspitzender politischer Verhältnisse, sich mit einem Thema wie Dankbarkeit zu beschäftigen? Sollte man nicht vielmehr die Welt verändern? So leitet Liv Larsson ihr Thema ein. „Frag dich nicht, was die Welt braucht. Frag, was dich lebendig macht, und dann tu es. Denn die Welt braucht Menschen, die zum Leben erwacht sind.“ In diesem Zitat von Howard Thurman kommt sehr schön zum Ausdruck, dass es überhaupt kein Gegensatz sein muss: Beschäftigung mit sich selbst – Beschäftigung mit „äußeren Angelegenheiten.

Weiter geht es mit der Lesung von Abschnitten aus dem Buch („Wollt ihr noch mehr hören?“ Publikum: „Ja!“) und auch Erfahrungsberichten rund um die Themen Dankbarkeit und Wertschätzung. Und immer wieder ermuntert Liv zu Fragen, denn sie ist neugierig, möchte wissen, welche Erfahrungen andere mit dem Thema machen, welche Gedanken sie umtreiben. Und das Publikum lässt sich nicht lange bitten. Viele Fragen, die gestellt werden, sind ziemlich komplex und verraten eine bereits tiefere Beschäftigung mit dem Thema. Schnell vergeht so die Zeit, doch auch nach Abschluss des „offiziellen“ Teils des Abends gibt es noch Möglichkeiten zum Gespräch. Außerdem signiert Liv Bücher.

Bleibt zum Abschluss noch die Frage: Hat das Publikum mitgemacht? Als Liv dazu auffordert, wir p1010763mögen uns doch bitte unserem Nachbarn, unserer Nachbarin zuwenden und uns über etwas austauschen, über das wir froh sind, dass wir es getan haben, füllt bald ein Stimmengewirr den Raum. Ganz offensichtlich lässt sich also auch ein Berliner Lesungspublikum sich zum Mitmachen animieren.

Wie wir unsere Bücher aus der Psychiatrie holten …

„Für dich ist ein Paket in der LWL-Klinik abgegeben worden. Man sagte mir, es sei recht schwer.“ Mit dieser Nachricht überraschte mich heute meine Kollegin.

In der Psychiatrie also, die vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe betrieben wird (dafür steht „LWL“), ist eine Lieferung für uns gelandet? Etwa eingeliefert worden? Der Paketdienstfahrer habe sich vertan, sagt meine Kollegin. Und statt ihn zurückzuschicken, hat man in der Klinik das Paket angenommen und uns benachrichtigt.

Zum Glück liegt die Klinik gleich um die Ecke und so nehmen wir die willkommene Gelegenheit für einen kleinen Spaziergang wahr. Weil das Paket schwer sein soll, nehmen wir lieber eine Sackkarre mit. Wir finden das Gebäude, in dem die Lieferung auf uns wartet und jemand, der wie ein Hausmeister aussieht, weist uns den Weg. Auf dem Korridor finden sich diverse Pakete, darunter eins mit einem Zettel versehen: „Wird abgeholt.“ Es ist tatsächlich unser Paket. „Das ist doch gar nicht so schwer“, meint meine Kollegin. Aber auf Dauer könnten die Arme doch etwas länger werden und so packen wir es auf die Sackkarre.

Der Absender ist eine der Druckereien, mit denen wir arbeiten – und so habe ich schon eine Vermutung, was drin sein könnte. Im Verlag angekommen packe ich sofort aus – und finde meine Vermutung bestätigt. Es sind unsere Novembernovitäten, und zwar die Belegexemplare für den Verlag! Wie gut, dass die Klinik gleich um die Ecke liegt, denke ich mir. Was hätte den Büchern nicht alles in der Psychiatrie passieren können, hätten sie länger dort bleiben müssen. Schon eine ziemlich verrückte Geschichte!

 

Und diese beiden Bücher haben wir aus der Psychiatrie „befreit“:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neurolinguistisches Coaching“ und „Kluge Köpfe, krumme Wege?“

Ab dem 20. November sind sie überall im Handel erhältlich.

Sommerzeit – Winterzeit: Wie wirkt sich die Zeitumstellung auf unseren Schlaf aus? Ein Interview mit Konstanze Wortmann

Über den Sinn der alljährlichen Zeitumstellung – im Frühjahr eine Stunde vor, im Herbst eine Stunde zurück – wird viel gestritten. Ursprünglich zum Zweck der Energieeinsparung eingeführt, mehren sich die Stimmen, die negative gesundheitliche Auswirkungen dieser Maßnahme befürchten.
Im Folgenden kurzen Interview nimmt die Schlafexpertin Konstanze Wortmann Stellung zum Thema Sommerzeit – Winterzeit.

 

In der Nacht von Samstag auf Sonntag konnten wir unsere Uhren eine Stunde zurückstellen. Eine Stunde mehr Schlaf also in dieser Nacht. Was sagen Sie als Schlafexpertin dazu?

Erst einmal habe ich Mitgefühl mit den Menschen, die in dieser Nacht arbeiten und dadurch in der Regel eine Stunde länger ihren Dienst tun. Menschen in den Krankenhäusern, Zugbegleiter, Polizistinnen und Polizisten, Menschen in der Fertigung.
Von Samstag auf Sonntag eine Stunde mehr Schlaf hört sich sehr komfortabel an. Dies verstärkt jedoch eigentlich nur den Sonntag-Montag-Jetlag. Generell wird die Nacht von Sonntag auf Montag hinsichtlich ihrer Schlafqualität als schlechter bewertet. Man ist noch relativ gut ausgeschlafen vom Wochenende, geht früh ins Bett um am Montag wieder fit zu sein. Doch während des Einschlafens türmt sich die Arbeitswoche vor dem geistigen Auge auf – und der Schlaf will nicht kommen. Von dieser schlechten Nacht gerädert, beginnt man montags seinen Arbeitsalltag.
Deshalb wird m.E. die Zeitumstellung zusätzlich als belastend wahrgenommen.

 

Die eine Stunde im Frühjahr, die uns bei der Umstellung auf die Sommerzeit „geklaut“ wird, empfinden viele Menschen als schlimm. Dabei ist es doch nur eine Stunde. Welche Auswirkungen hat das auf unseren Organismus?

Unsere „innere Uhr“ folgt immer den gleichen natürlichen Gesetzen. Organisch soll diese innere Uhr im suprachiasmatischen Nucleus verortet sein. Das ist ein kleines Bündel von Zellen im Gehirn, in der Nähe der Sehnervenkreuzung. Neue Erkenntnisse sprechen dafür, dass die innere Uhr in jeder Körperzelle „informiert“ ist. Zudem wird sie beeinflusst durch das Licht, soziale Gewohnheiten und unsere Mahlzeiten.
Unser Organismus ist recht flexibel und anpassungsfähig. Die Zeitumstellung irritiert ihn kurz in seiner natürlichen Rhythmik, dann aber setzen sich die natürlichen Vorgänge wieder durch – solange es bei dieser einen Stunde bleibt. Problematisch ist daran, dass der Alltag uns häufig nicht die Möglichkeit gibt diesen Anpassungsprozess zu unterstützen. Und das ist es, was dann eigentlich als schlimm empfunden wird.
Und grundsätzlich git: Ein Leben gegen unsere innere Uhr, bzw. die Ignoranz dieses inneren Taktgebers, macht auf die Dauer krank.

Merken Sie die Zeitumstellung auch in Ihrer Arbeit in der Schlafschule?

Nein, die Zeitumstellung ist für unsere Schlafschüler nicht das Problem. Sie leiden vorwiegend unter den Grübeleien während der Wachliegezeiten in der Nacht. Deshalb werden sie auch darin ermuntert, das Bett sofort zu verlassen, falls sie wachliegen und grübeln. Damit soll der Organismus das Grübeln in der Horizontalen wieder verlernen.

 

Gibt es überhaupt irgendeinen guten Grund für die Zeitumstellung?
Da fällt mir persönlich nur das gemütliche Zusammensein mit Freunden im Sommer zu später Stunde auf der Terrasse ein, wenn es noch lange hell ist.

Konstanze Wortmann

Konstanze Wortmann, fachliche Leitung der Schlafschule-Unna, Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin, Kinesiologin, Hypnotherapeutin, niedergelassen in eigener Praxis, Sounder Sleep System-Senior Teacher, Dozentin in der kollegialen Fortbildung und Erwachsenenbildung im Gesundheitsbereich sowie in der betrieblichen Gesundheitsförderung.
Im September 2015 erschien bei Junfermann ihr Buch Wege in den erholsamen Schlaf.

Herzlichen Glückwunsch, Marshall Rosenberg!

Heute, am 6.10.2014, wird unser Autor Marshall Rosenberg 80 Jahre alt. Wir, das ganze Verlagsteam, gratulieren ihm ganz herzlich zu seinem Ehrentag. Feiern ist ja ein nicht ganz unwichtiges Element in der Gewaltfreien Kommunikation. Wir feiern Marshalls runden Geburtstag mit einem ganz besonderen Buch, in dem viele GFK-Trainerinnen und -Trainer zu Wort kommen und darüber berichten, auf welches Weise die Gewaltfreie Kommunikation ihr Leben bereichert hat.

 

Happy Birthday Marshall! – Alles Gute zum 80. Geburtstag wünscht das Junfermann-Team

Doch wir möchten auch den Jubilar selbst zu Wort kommen lassen, natürlich begleitet von Wolf und Giraffe 🙂

 

Übrigens: Einen Auszug aus dem Geburtstagbuch für Marshall Rosenberg können Sie hier lesen.

Und: Wenn Sie Marshall Rosenberg zum Geburtstag gratulieren möchten, dann tun Sie es doch hier und jetzt. Wir leiten die guten Wünsche gerne weiter.

„Morgen wird alles besser sein“ – Resilienz und positive Traumafolgen

Von Fabienne Berg
Jede Medaille hat zwei Seiten. Auch ein Trauma. Natürlich gibt es massive Folgestörungen, unter denen Betroffene lange, manchmal ihr ganzes Leben zu leiden haben. Doch selbst die schrecklichsten Erfahrungen können positive Wendungen im Leben bewirken. Wie das möglich ist, möchte ich zunächst mithilfe einer Geschichte zeigen. Es würde mich freuen, wenn meine anschließenden Gedanken zur Idee des posttraumatischen Wachstums Sie anregen würden, sich mit mir darüber auszutauschen.

 

Peters Geschichte

Peter war bereits schwer krank, als ich zum ersten Mal bei ihm und seiner Familie zum Kaffee eingeladen war. Die Diagnose: Knochenkrebs im Endstadium. Ein Todesurteil. Trotzdem saß Peter aufrecht in seinem Krankenbett und sang fröhliche Lieder. Wir saßen um das Bett herum, aßen selbstgebackenen Kuchen und sangen mit. Einige Monate später erlag Peter im Alter von 86 Jahren seinem Leiden. Auf seiner Beerdigung sangen wir Peters Lieblingslieder. Das war sein Wunsch gewesen. Wir sollten nicht weinen, sondern ihn in glücklicher Erinnerung behalten.

Auch vor seiner schlimmen Erkrankung im hohen Alter war Peters Leben mehr als nur einmal von Grenzsituationen und Todesnähe geprägt gewesen. Wie so viele musste er als junger Mann in den Krieg ziehen und für Nazi-Deutschland kämpfen. Einen Krieg, gegen den Peter bereits in seinen politischen Anfängen einen tiefen Widerwillen verspürte. Sein damaliger Arbeitgeber, eine große staatliche Bank, drängte Peter mehrfach, der NSDAP beizutreten. Peter lehnte ab. Kurze Zeit darauf wurde er zum Wehrdienst eingezogen und nach nur vierwöchiger Ausbildung dem Pionier-Panzer-Bataillon 40 zugeordnet, das an Feldzügen in Holland, Belgien, Frankreich, Polen und an der Schlacht von Stalingrad beteiligt war. Seine Frau und seine kleine Tochter blieben zurück.

 

Stalingrad

Der im August 1942 begonnene Angriff auf Stalingrad führte auf beiden Seiten zu hohen Verlusten. In einer Gegenoffensive der Roten Armee im November 1942 wurden die 6. Armee und Teile der 4. Panzerarmee eingekesselt und weitgehend von jedweder Versorgung abgeschnitten. Hitler befahl mehrfach, Ausbruchsversuche zu unterlassen und die Stellung zu halten. Die meisten von Peters Kameraden, die nicht durch „Feindeshand“ ums Leben kamen, starben an Kälte, Mangelernährung und Krankheiten, die sich unter den Soldaten rasch verbreiteten. Ende Januar 1943 wurden Kapitulationsverhandlungen mit der Roten Armee aufgenommen und die wenigen Überlebenden des Panzer-Bataillons 40 wurden dem Zug der sowjetischen Kriegsgefangenen zugeführt, der Peter endlos erschien. Nahezu 100 000 deutsche Soldaten gingen bei Stalingrad in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Ungefähr 6000 überlebten diese; einer von ihnen war Peter.

Was Peter während des Krieges und in der daran anschließenden Gefangenschaft an Grausamkeiten und Unmenschlichkeit erleben und mit ansehen musste, lässt sich kaum in Worte fassen. Erst nach seiner Pensionierung war er in der Lage, vorsichtig und sehr allgemein darüber zu sprechen. Über den Krieg selbst, über die ständige Angst vor Gewalt und Tod und die Sorge und die Sehnsucht nach der Familie und dem Frieden.

 

Kriegsgefangenschaft

Eine Begebenheit, die sich während seiner Zeit in sowjetischer Gefangenschaft ereignete, war Peter jedoch in ganz besonderer Erinnerung geblieben.

Wie viele Kriegsgefangenen musste Peter im Steinbruch arbeiten. Die Arbeit war hart, die Versorgung vollkommen unzureichend. Auch hier sah er viele Menschen sterben. An Hunger, Erschöpfung, Selbstmord und Krankheiten. Auf die Frage, wie lange die Gefangenschaft andauern würde, wurde Peter und seinen Mitgefangenen lediglich mitgeteilt, dass sie „so lange gefangen bleiben müssten, bis sie alles wieder aufgebaut hätten, was die Faschisten zerstört hatten“.

Ab und zu eilten sowjetische Frauen am Steinbruch vorbei. Meist bepackt, mit gesenktem Blick und von eigenen Sorgen geplagt. An einem besonders kalten Tag blieb jedoch eine von ihnen am Steinbruch stehen. Sie hatte Mitleid mit den Zwangsarbeitern und steckte Peter und einem Mitgefangenen ein Stück Brot zu. Dabei sagte sie: „Morgen wird alles besser sein“ und eilte weiter. An diesen Satz klammerte sich Peter fortan jeden Tag. Fünf Jahre lang sprach er ihn mehrfach zu sich selbst und versuchte auch den anderen Mitgefangenen Hoffnung zu vermitteln, indem er versicherte, dass bald alles besser würde.

Irgendwann war tatsächlich „morgen“ und Peters Name wurde auf die Liste der Heimkehrer gesetzt.

 

Heimkehr

Als Peter 1948 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, war er schwer krank, vollkommen entkräftet. Und er fühlte sich fremd – seiner Frau gegenüber, seiner Tochter und seiner Heimatstadt, die zu großen Teilen zerstört war.

An großartige ärztliche Versorgung oder gar Psychotherapie war damals nicht zu denken. Nach nur sechs Monaten wurde Peter von einem Amtsarzt gesundgeschrieben und sollte sich bei seinem früheren Arbeitgeber zurückmelden: bei jener Bank, die ihn damals so sehr gedrängt hatte, der Partei beizutreten. In der Geschäftsleitung saßen noch dieselben Männer wie vor dem Krieg: einflussreiche Nazi-Bonzen in feinen Anzügen, die den Krieg nur vom Hörensagen kannten. Höhnisch erklärten sie Peter, dass die letzte freie Stelle an ein ehemaliges Parteimitglied vergeben worden und für ihn „leider“ kein Platz mehr frei sei.

Als Peter uns diese Erinnerung erzählte, fügte er hinzu: „Ich war schockiert und fassungslos. Gleichzeitig fiel es mir wie Schuppen von den Augen und mir wurde klar: So läuft das System. Ich war froh über diese Klarheit, denn so wusste ich, dass ich einen ganz anderen Weg gehen muss.“

 

Engagierter Pädagoge

Den ging er. Konsequent. Von einem Nachbarn hatte Peter gehört, dass händeringend Lehrer gesucht würden, da sehr viele im Krieg gefallen oder nicht mehr arbeitsfähig waren. So kam es, dass Peter sich als Hilfslehrer meldete und an verschiedenen Schulen in ganz unterschiedlichen Fächern eingesetzt wurde.

Das Zusammensein mit den Kindern bereitete ihm große Freude und Peter empfand seine Arbeit als ausgesprochen sinnvoll. Einige Zeit später nahm Peter neben dem Schuldienst ein Studium auf. Er wurde „richtiger“ Lehrer und bildete sich später zum Sonderschulpädagogen weiter. Die Verfolgung geistig und körperlich beeinträchtigter Menschen unter Hitler hatte sich tief in sein Gedächtnis eingegraben und ihn lange Zeit nicht losgelassen. Also machte er sich auf, beeinträchtigte Kinder und Jugendliche aus ihrer Isolation heraus in die Schulen zu holen. 1963 wurde er Rektor einer Sonderschule und 1976 mit dem Verdienstorden der BRD für die besondere Förderung von Lernbehinderten ausgezeichnet. Für seine Schüler und deren Eltern war Peter während seiner gesamten Dienstzeit der „liebe Direktor“. Beim Schulamt aber war er „gefürchtet“, da er sich auch entgegen jedweder Sparpolitik hartnäckig stets für die Interessen der Schüler und seine Schulpolitik eingesetzt hatte.

 

Was bedeutet Peters Geschichte?

Ich kenne Peters Familie nun schon seit vielen Jahren. Ihn selbst habe ich nur kurz gekannt. Bei jeder Begegnung erlebte ich ihn als einen ausgesprochen offenen, herzlichen und toleranten Menschen, der immer ein nettes Wort und ein offenes Ohr für alle Menschen in seinem Umfeld hatte.

Seine Geschichte hatte mich beeindruckt und fasziniert, schon lange bevor ich mich mit dem Thema Resilienz auseinanderzusetzen begann. Dieser Mann hatte es nicht nur geschafft, den Krieg und die Gefangenschaft zu überstehen, sondern hatte, um mit Kästner zu sprechen, aus den Steinen, die ihm in den Weg gelegt worden, etwas Schönes gebaut.

Wie war ihm das gelungen? War Peter eine jener Ausnahmepersönlichkeiten, die über weitaus mehr Willensstärke und Durchhaltevermögen verfügen als die meisten von uns? Oder ist seine Geschichte im Kern vielleicht gar nicht so selten?

 

Posttraumatisches Wachstum

In der Psychologie gibt es einen Begriff für diese Art der positiven Traumafolge: posttraumatisches Wachstum. Häufig wird er als eine Art Gegenstück zu den posttraumatischen Belastungsstörungen „gehandelt“. Mit posttraumatischem Wachstum beschreibt man die Folgen eines möglichen positiven inneren Transformatiosprozesses, den traumatisierte Menschen im Zuge der Beschäftigung mit ihrem Trauma durchlaufen und aus dem sie am Ende als gestärkt und gereift hervorgehen. Eine schöne Vorstellung.

Trotzdem wird dem posttraumatischen Wachstum bei weitem nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie den posttraumatischen Störungen. Ich habe mal stichprobenartig nachgefragt: Von 17 Traumabetroffenen, die ich angeschrieben hatte, kannten 17 den Begriff der Belastungsstörungen, aber nur eine wusste etwas mit posttraumatischem Wachstum anzufangen. Schade, wie ich finde.

Und ich frage mich: Wissen vielleicht andere Menschen, die ich nicht direkt befragen konnte, etwas über Wachstum als Traumafolge? Sind Sie mit dem Konzept vertraut? Was meinen Sie dazu?

 

Was mir geholfen hätte

Ich kann nur für mich sprechen, aber mir hätte es damals große Hoffnung und Mut gemacht, wenn mir jemand gesagt hätte, dass es nicht nur Belastungsstörungen, sondern vielleicht auch positive Folgen geben kann. Auch wenn ich darunter zu leiden hätte, nicht so belastbar wie andere Menschen meines Alters zu sein: Später könnte ich mir dennoch meiner Stärken und Prioritäten bewusst werden und würde vielleicht so einen Weg finden, trotz verringerter Belastbarkeit glücklich und berufstätig zu sein.

Bestimmt hätte ich mich auch sehr darüber gefreut, nicht nur etwas über sehr wahrscheinliche Schwierigkeiten zu hören, künftig Vertrauen aufzubauen. Es hätte mir geholfen, um die Möglichkeit zu wissen, langsamer an Beziehungen und Freundschaften heranzugehen und so auf behutsame Weise sehr enge und langjährige Verbindungen einzugehen.

Und ganz sicher wäre es mir im Gedächtnis geblieben, wenn ich gehört hätte, dass ich möglicherweise den kleinen Dingen im Leben und dem Leben selbst in mit einem ganz intensiven Gefühl der Dankbarkeit und Wertschätzung begegnen würde. Durch meine Heilung war mir schließlich das Leben zurückgegeben worden.

Was hätte Ihnen geholfen? Was hätten Sie sich an meiner Stelle gewünscht?

 

Beide Seiten der Medaille sehen

All diese Aspekte können Ausdruck posttraumatischen Wachstums sein. Und selbst wenn nicht alle Punkte auf jeden gleichermaßen zutreffen mögen und auch wenn es daneben Belastungsstörungen gib: Ich finde, es sollten beide Seiten der Medaille, beide Formen möglicher Traumafolgen Beachtung finden. Hoffnung ist ein kostbares Gut. Gerade in Situationen, die schwierig sind und in denen mit raschen positiven Ergebnissen nicht zu rechnen ist. Hätte Peter damals keine Hoffnung mehr in sich gespürt, so hätte er die schlimmste Zeit in seinem Leben nicht überlebt. Weder hätte er eine Sonderschule geleitet und Freude und Sinn darin gefunden, noch hätte er seine Tochter und seine Enkeltöchter aufwachsen sehen und nach 1948 ein ein glückliches Leben führen können.

 

Unsere Seele zu nähren und ihr Hoffnung zu schenken, gerade dann, wenn sie es am nötigsten braucht – nichts anderes ist Resilienz zu üben. Wir verleugnen das Dunkel nicht, aber wir glauben trotzdem an das Licht. Und auch wenn es uns manchmal sehr lange so vorkommt, dass die Dunkelheit größer ist als das Licht, so kann es uns helfen darauf zu vertrauen, dass mit jeder noch so kleinen positiven Entscheidung für unser Leben das Licht immer heller und größer wird und selbst aus der schwärzesten Nacht ein neuer Tag entsteht.

Ein neuer Tag – das ist morgen. Und morgen kann alles schon besser sein.

 

Ich würde mich sehr freuen, weitere Geschichten und Erfahrungen zu hören. Mögen Sie mir etwas mitteilen, vielleicht auch Gedanken zum Thema positive Traumafolgen?

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Fabienne Berg hat Sprach- und Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt außeruniversitäre Erwachsenenbildung studiert. Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Traumabewältigung befasst sie sich vor allem mit den Auswirkungen seelischer Verletzungen sowie mit den Zusammenhängen von Heilung und Selbstfindung. Besonders liegt ihr am Herzen, andere Menschen für ihre individuellen Entwicklungsmöglichkeiten zu sensibilisieren und sie auf ihrem Heilungsweg zu unterstützen und zu stärken.

Bei Junfermann sind ihre Bücher Mut, Kraft und Liebe wünsche ich dir  (2012) und Übungsbuch Resilienz (2014) erschienen.

Resilienz – das Schlimme mit dem Guten heilen

Elisabeth war, als ich sie vor über zehn Jahren in einer Beratungseinrichtung kennenlernte, 61 Jahre alt und befand sich damals am gefühlten Tiefpunkt ihres Lebens. Als Kind misshandelt worden, setzte sich die Gewalt durch ihren Mann in ihrer ersten Ehe fort und Elisabeths Leben zog wie ein schlechter Traum all die Jahre an ihr vorbei. Nachdem ihr Mann nach Jahren der Alkoholabhängigkeit gestorben war, brachen die Wunden der älteren und jüngeren Vergangenheit in ihr auf und der Schmerz schien zunächst größer zu sein als ihre Kraft. Nach einem glücklicherweise erfolglosen Suizidversuch und einem daran anschließenden Klinikaufenthalt begann Elisabeth eine Therapie zu machen und sich nach mehr als sechs Jahrzehnten für sich selbst und das Leben zu öffnen.

Als Elisabeth und ich uns kennenlernten, war ich eine junge Frau von 26 Jahren. Ich weiß noch genau, wie traurig ich lange Zeit darüber gewesen war, keine wirkliche Kindheit und Jugend gehabt zu haben. Dennoch konnte ich mich mit der Vorstellung trösten, auch nach der Aufarbeitung meiner Vergangenheit sehr wahrscheinlich noch den größten Teil meines Lebens vor mir zu haben. Wie aber musste sich jemand fühlen, der wie Elisabeth den größeren Teil seiner Lebenszeit bereits hinter sich hatte und diese Zeit alles andere als glücklich gewesen war?

Ich war sehr überrascht über ihre Reaktion auf meine vorsichtige Frage, ob es nicht vielleicht besser für sie gewesen wäre, wenn all der Schmerz nicht hochgekommen wäre.

„Nein! Im Gegenteil! Ich bin so froh darüber. Nun kann ich endlich anfangen zu leben.“ Mit 61 Jahren anfangen zu leben.

Zwei Jahre später erfüllte sich Elisabeth ihren Lebenstraum. Sie verkaufte alles, was sie besaß und kaufte sich ein kleines Haus an der Nordsee. „Weißt du, in der Stadt hatte ich immer das Gefühl zu ersticken. Hier an der See bekomme ich endlich wieder Luft!“

Einige Zeit darauf bekam ich einen Brief von der Nordsee mit einem Foto von Elisabeth, wie sie vor ihrem neuen Haus stand. Sie war kaum wieder zu erkennen – so sehr strahlte sie.

Nach zwei weiteren Jahren bekam ich wieder Post von ihr. Es war eine Einladung – zu Elisabeths Hochzeit! Auf einer Wattwanderung hatte sie die Liebe ihres Lebens kennengelernt. Mit 64! Ich folgte ihrer Einladung – und kann mich nicht entsinnen, je zuvor eine so schöne und so glückliche Braut gesehen zu haben.

Elisabeths Geschichte hatte mich damals tief berührt und mir großen Mut gemacht, auch an meine eigene Heilung zu glauben.

Jahre später, im Zusammenhang mit den Recherchearbeiten für mein Resilienzbuch, hatte ich Elisabeth befragt. Was war es bei ihr gewesen, das sie wieder zurück ins Leben geholt hatte? Sie erzählte mir, dass sie während des Klinikaufenthalts nach ihrem Suizidversuch immer wieder ein bestimmtes Bild gemalt hatte: von einem Haus am Meer. Eine Ärztin in der Klinik und auch andere Patientinnen hatten sie daraufhin auf ihr Bild angesprochen und immer wenn Elisabeth anfing, von dem Haus am Meer zu erzählen, spürte sie in sich so etwas wie ein Aufglimmen von Hoffnung, ein Gefühl von neuem Lebensmut. In vielen Gesprächen und Übungen mit ihrer späteren Therapeutin begann Elisabeth zu verstehen, dass es an ihr lag, ob sich der Traum vom Haus am Meer erfüllen würde oder nicht. Sie lernte, was es heißt, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und wollte alles loslassen, was sie von „ihrem Haus am Meer“ trennte. Also sah sie ihrer Vergangenheit ins Auge: den Schlägen in ihrer Kindheit, den Übergriffen ihres Onkels und dem Horror ihrer ersten Ehe.

„Das war wirklich eine harte Zeit. Ich habe so viel geweint. Und wenn ich dachte, ich schaffe es nicht, dann habe ich das Bild hervorgeholt – von meinem Haus am Meer. Von meinem neuen Leben. Im Grunde vom Leben überhaupt.“

Ohne sich dessen bewusst zu sein, ist Elisabeth auf ihre Art dem Konzept der Resilienz gefolgt: Sie verband sich mit einer Zukunftsvision, die in ihr ein Gefühl des Friedens und des Glücks auslöste und setzte mithilfe ihrer Therapeutin alles daran, dieses Glück wahr werden und die Vergangenheit loszulassen. Sie war kein Opfer mehr; sie war eine Frau, die ihren Weg ging.

Resilienz zu üben bedeutet nicht nur, unsere Seele zu stärken; es bedeutet gleichzeitig auch, dem Leben entgegenzugehen; dem Leben zu vertrauen lernen. Ganz gleich, wie alt wir sind, woher wir kommen und was wir erlebt haben. Vor dem Leben mitsamt seinen Krisen sind wir alle gleich. Ich glaube ganz fest daran, dass wir lernen können dem Leben zu vertrauen. Dass in jedem von uns sozusagen „ein ganz persönliches Haus am Meer“ schlummert. Dass es immer Hoffnung gibt und dass wir das Schlimme mit dem Guten heilen können.

Elisabeth sagte in dem Zusammenhang zu mir: „Ich bin so froh darüber, dass ich jetzt hier bin. Jeder Tag in meinem neuen Leben kommt mir vor wie ein ganzer Monat des Glücks und jeder Monat zählt für ein ganzes Jahr. Wenn man mich am Ende meines Lebens danach fragen sollte, so kann ich sagen, dass ich in viel stärkerem Maße glücklich in meinem Leben war als ich traurig gewesen bin.“

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Fabienne Berg hat Sprach- und Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt außeruniversitäre Erwachsenenbildung studiert. Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Traumabewältigung befasst sie sich vor allem mit den Auswirkungen seelischer Verletzungen sowie mit den Zusammenhängen von Heilung und Selbstfindung. Besonders liegt ihr am Herzen, andere Menschen für ihre individuellen Entwicklungsmöglichkeiten zu sensibilisieren und sie auf ihrem Heilungsweg zu unterstützen und zu stärken.

Bei Junfermann sind ihre Bücher Mut, Kraft und Liebe wünsche ich dir  (2012) und Übungsbuch Resilienz (2014) erschienen.