„Haben Sie es auch originalverpackt?“ – Brauchen Bücher Plastikfolien?

Um meine oben gestellt Frage gleich selbst zu beantworten: Nein, Bücher brauchen keine Folie. Auch ohne Plastikumhüllung sind sie vollständig, kein bisschen Inhalt geht verloren, wenn ein Buch nicht eingeschweißt ist. Es bekommt vielleicht ein paar Macken, weist einige Gebrauchsspuren auf …

Und genau hier liegt der Hase wohl im Pfeffer: Wir sind es gewöhnt, makellose Waren vorzufinden: Äpfel ohne Flecken, gerade gewachsene Möhren und Bücher mit unversehrtem Schutzumschlag. Moment – was für ein Umschlag? Ja, der Schutzumschlag war ursprünglich dafür gedacht, den empfindlichen Einband zu schützen. Er war meistens ganz schlicht, also mehr eine Art prähistorische Plastikfolie und gar nicht so sehr Bestandteil des Buches.

Doch wann hat man eigentlich angefangen, einen Schutz um den Schutzumschlag zu legen? Hier kenne ich kein genaues Datum, vermute aber mal, dass in den 1970er-Jahren passiert sein muss, mit der zunehmenden Verbreitung von Plastikverpackungen. Seit dieser Zeit kaufe ich selbst aktiv Bücher und kenne von Anfang an die Folien.

In den 1980er-Jahren wurden viele Menschen umweltbewusster. Für Bücher ohne Folie hat es aber nicht gereicht. Ich arbeitete damals als Buchhändlerin und alle Kunden wollten Plastik. „Haben Sie dieses Buch auch originalverpackt?“ lautete eine Frage, die mich durch meinen Arbeitstag begleitete. Ich erinnere mich aber auch, dass es damals bereits Verlage gab, die dem Plastikwahn den Kampf ansagten und auf die Folie verzichteten. Da hatten sie die Rechnung aber ohne die Kunden gemacht, die eisern nach eingeschweißten Büchern verlangten. Die „nackten“ Bücher entwickelten sich zu Ladenhütern, ebenso wie ihre im Laden selbst ausgepackten Brüder und Schwestern. Und was tut man als Buchhandlung, um es König Kunde rechtzumachen? Richtig, man legt sich ein Einschweißgerät zu …

In den 1990er-Jahren kam dann die Verpackungsverordnung, die für mehr Recycling und geringere Müllmengen sorgen sollte. Wie die Geschichte ausgegangen ist, wissen wir alle, oder? Die Menge der Verpackungen wurde keineswegs verringert, gelbe Säcke aus Deutschland waren bald in aller Welt zu finden und auf den Ozeanen wurden erste künstliche Inseln gesichtet.

Dass es nicht so weitergehen kann, haben inzwischen hoffentlich viele Menschen begriffen, wird doch immer deutlicher, wohin unser unkritischer Plastikkonsum führen wird. Schon jetzt belastet Mikroplastik unser Wasser und auch unsere Luft. Und da sich Kunststoffe kaum zersetzen, sind andere Langzeitfolgen vorprogrammiert.

Im Moment gibt es tatsächlich etwas wie eine Anti-Plastik-Stimmung. Erstmals sind Verlage, die ihre Bücher nicht in Folie einschweißen, keine belächelten Sonderlinge mehr. Liest man die Meldungen in der Branchenpresse, dann ist Nicht-Einschweißen auf dem besten Weg, zum Mainstream zu werden. Und weil man nicht grundsätzlich gegen jeden Strom schwimmen muss, verzichtet auch Junfermann ab sofort bei allen neu gedruckten Büchern auf die Folie. Mit Büchern, die kleine Macken haben, können wir wohl ganz gut leben. Mit von Plastik verseuchten Meeren wohl eher nicht.

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