Corona-Tagebuch, Teil 2: Trübe Aussichten?

Der Blick aus dem Fenster bietet heute einen bedeckten Himmel, kein Sonnenstrahl weit und breit. Immerhin fällt es uns dann leichter, nicht rauszugehen, höre ich im Radio auf dem Weg zur Arbeit. Noch dürfen wir rausgehen, auch wenn wir es nicht mehr sollen. Und es ist schon so viel gekommen, das vor wenigen Tagen völlig unvorstellbar schien. Deshalb kann man wohl davon ausgehen, dass eine Ausganssperre nicht mehr lange auf sich warten lässt. Schöne Aussichten, nicht wahr?

Legt man eine weite Strecke mit dem Flugzeug zurück, dann heißt es ja: Der Körper ist angekommen, die Seele braucht ein paar Tage. Das gilt wohl nicht nur für Reisen. Wenn sich unser Leben binnen kürzester Zeit so grundlegend ändert, dann haben wir die Tatsachen auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist da aber unsere Seele, die die Maßnahmen von vor drei Tagen noch gar nicht verarbeitet hat und jetzt ständig mit neuen Gegebenheiten konfrontiert wird. Sie kommt einfach nicht nach. Wir kommen einfach nicht nach.

Das wurde mir gestern im Gespräch mit einer befreundeten Buchhändlerin sehr deutlich. Ich rief sie an, um zu fragen, ob der Laden denn jetzt dicht sei. Die Buchhandlung muss bis auf Weiteres geschlossen bleiben. Sie bietet ihren Kundinnen und Kunden jetzt an, dass sie online Bücher bei ihr bestellen können und sie liefert sie ihnen mit dem Fahrrad nach Hause. Aber was wird aus diesem Plan B, wenn sie sich nicht mehr draußen bewegen darf? Sie wird Kurzarbeit für ihre Mitarbeiterinnen beantragen und ist entschlossen, eine Weile durchzuhalten. Aber wie lange dauert diese Weile?

Immerhin: Ein großer Online-Händler hat verkündet, dass ihm der Versand von Gebrauchsgütern momentan wichtiger ist als der Versand von Büchern. Wenn dort gilt: Toilettenpapier statt Bücher – dann haben vielleicht die stationären Buchhandlungen hier kurzfristig eine ganz gute Lücke …

Doch es gibt auch Erfreuliches zu berichten: Die Autobahnen sind so leer wie lange schon nicht mehr, der Weg zur Arbeit ist deutlich entspannter. Wir bekommen haufenweise aufmunternde und unterstützende Mails – und die tun wirklich gut. Unsere Autorin Fabienne Berg zum Beispiel hat angekündigt, dass sie uns besuchen will, wenn „das alles hier“ vorbei ist. Und dann bringt sie Kuchen mit. Das sind doch wirklich erfreuliche Aussichten!

1 Antwort
  1. Fabienne Berg
    Fabienne Berg sagte:

    Ja, liebe Heike,
    das machen wir. Denn wenn eines klar wird in dieser Zeit, dann dass all unsere Online-Aktivitäten den persönlichen Kontakt niemals ersetzen können. Ja, Homeoffice & Co. sind eine echte Hilfe, gerade jetzt, damit nicht alles zusammenbricht. Es sollte meines Erachtens aber mit Vorsicht betrachtet werden, nun ausschließlich in diese Richtung zu denken. Viele meiner Kollegen und auch die Schulen wollen sich jetzt umstellen. Online-Unterricht, das ist das Wort der Stunde! Am besten nur noch so. Das halte ich für gefährlich. Na, klar, funktioniert das irgendwie, aber die Zukunft kann doch nicht sein, dass alles – dass wir irgendwie funktionieren…? Manchmal macht es Sinn. Ja. Hoffentlich selten wird es so eine Ausnahmesituation wie jetzt wieder geben. Und dann macht es auch Sinn. Aber die Digitalisierung zu glorifizieren, greift für mein Empfinden zu kurz. Wir haben mehr als das in der letzten Zeit verschlafen und kaputt gespart. Politisch, im Gesundheitssystem und gesellschaftlich. Nun müssen wir uns damit auseinander setzen, jetzt und vor allem dann, wenn wir uns wieder zusammensetzen dürfen. Hoffen wir alle, dass wir jetzt und Zukunft verantwortungsbewusst, kreativ, menschlich und klug handeln. Es werden noch Tausende Menschen sterben und Corona wird nicht in ein paar Wochen vorbei sein, es wird uns das ganze Jahr über begleiten. Ich bete für die Angehörigen der Opfer und für die Vergessenen an den Grenzen, denen momentan keiner mehr hilft. Und ich bete für uns alle, dass wir emotional klarkommen mit der Situation jetzt und mit den Folgen, die wir noch nicht kennen. Ich bin sicher, jeder kann jetzt etwas lernen. Für sein eigenes Leben und für unser Miteinander in der Zukunft.
    Ich freue mich auf den Kuchen mit euch, Heike! Bis bald, passt auf euch auf!
    Fabienne

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