Zwei Tage, um aufzublühen

Menschen zum Aufblühen zu bringen ist das zentrale Anliegen der Positiven Psychologie. Zwei Tage Positive Psychologie in Berlin: das war mein Wochenendprogramm am 12. und 13. Juli. Große Namen und interessante Themen ließen sich der Kongressankündigung entnehmen – und bereits froh gestimmt machte ich mich auf den Weg.

„Unsere Kongresse sind institutsübergreifende Veranstaltungen. Martin Seligman war bereits zweimal in Deutschland, doch dass er nun zusammen mit anderen Größen der (Positiven) Psychologie zu sehen ist, ist wirklich etwas Besonderes. Wir möchten mit diesen Kongressen dazu beitragen, dass die Positive Psychologie im deutschsprachigen Raum einem breiten Publikum bekannt wird.“ – Das sagte Daniela Blickhan in einem Interview, das ich im Februar 2014 mit ihr führte. Das war noch vor den drei Kongressen zur Positiven Psychologie in Rosenheim, Graz und Berlin. Inzwischen kann man sagen: Alle drei Veranstaltungen sind mit äußerst guter Resonanz und großem Erfolg vonstattengegangen.

Die Liste der Referenten für den Berliner Kongress war wirklich beeindruckend, u.a. Joachim Bauer, Mihály Csikszentmihály, Gunther Schmidt, Mathias Varga von Kibéd und Martin Seligman. Wen wunderte es da, dass es im Audimax der Freien Universität kaum freie Plätze gab. „Update on Positive Psychology“ lautete das Kongress-Thema und die Positive Psychologie wurde an diesem Wochenende aus verschiedensten Perspektiven beleuchtet.

Doch bevor am Samstagnachmittag Mihaly Csikszentmihály über „Neues vom Flow“ sprechen konnte, erhielt das Auditorium zunächst einen Ausblick in die Zukunft. Judith Mangelsdorf, Vorsitzende der Ausbildungskommission des Dachverbandes Positive Psychologie, berichtete über ein Stipendiaten-Programm. Studierende waren im Vorfeld des Kongresses aufgefordert worden, Beiträge zur Positiven Psychologie einzureichen. Ein filmischer Beitrag hatte die Ausbildungskommission so sehr beeindruckt, dass man sich entschlossen hatte, ihn vor Csikszentmihálys Vortrag zu zeigen, ging es in dem Film doch auch um das Thema Flow. Und so erlebte der inzwischen 80-jährige Mihaly Csikszentmihály auf der Bühne mit, wie eine junge Frau seine wesentlichen Erkenntnisse filmisch aufbereitet hatte.

Für den späteren Nachmittag hatte Organisator Philip Streit dem Publikum

Martin Seligman

noch eine Überraschung in Aussicht gestellt, die dann so aussah, dass der eigentlich erst am Sonntag erwartete Martin Selgiman die Bühne betrat, um ein Gespräch mit Mihaly Csikszentmihály zu führen. Vor 15 Jahren hatten beide die Positive Psychologie begründet – und nun wollten sie in einem lockeren Gespräch ergründen, wie es um ihren Ansatz bestellt ist. In diesem Gespräch zeigten sich erstaunlich Differenzen. Während einer – Seligman – den Zustand der Menschheit als besser denn je bezeichnete, war sein Gegenüber nicht ganz so überzeugt. Seligman sah ein wesentliches Problem darin, dass die Kreativität junger Forscher erheblich beeinträchtigt würde, indem man sie wieder und wieder dazu auffordere, ihre Ergebnisse zu replizieren. Mihaly Csikszentmihály hingegen sprach sich durchaus für gesicherte Forschungsergebnisse aus – auch wenn das mehrmaliges Replizieren beinhalte.

Nun hat es fast den Eindruck, als würde Mihaly Csikszentmihály sich gegen Kreativität aussprechen, was aber so ganz nicht stimmen kann. Neben Flow ist Kreativität sein zweites großes Forschungsgebiet und für diese Arbeit wurde er während des Kongresses mit einem Preis ausgezeichnet. Die Deutsche Gesellschaft für Kreativität e.V. verlieh ihm den CREO 2014. Diese Preisverleihung war jedoch für mich der Tiefpunkt in dem ansonsten sehr anregenden uns inspirierenden Kongressprogramm. Keine Spur von Kreativität in der Laudatio! Ganz im Gegenteil. Der Laudator hatte wohl den Ehrgeiz, die Forschungsergebnisse vieler, vieler Jahre in einer Rede zusammenzufassen. Und mag ihm das rein sachlich auch gelungen sein: Für die Zuhörenden war es eine Qual.

Inzwischen etwas weniger glücklich gestimmt machte ich mich auf den Weg ins Foyer – und traf einen sehr glücklichen Menschen an: Uwe Böhm freute sich über den großen Andrang an seinem Büchertisch.

„Wenn dir das Leben Zitronen schenkt, mach Limonade daraus!“ – Das Interview mit Sigrun Kurz

In der kommenden Woche (ab dem 21.07.2014) erscheint bei uns ein Buch über Selbsthypnose für krebskranke Menschen: „Verborgene Kräfte wecken“. Die Autorin, Dr. Sigrun Kurz, hat dieses Buch nicht nur als Psychotherapeutin, sondern auch als Betroffene geschrieben. Im Interview berichtet sie uns von ihren Erfahrungen mit Hypnose und darüber, wie eine Krankheit den Blick auf die Welt verändert.

Liebe Frau Kurz, Sie sind Psychologische Psychotherapeutin in eigener Praxis. Zu Ihrem Arbeitsschwerpunkt gehört die Behandlung von Menschen mit schweren körperlichen oder chronischen Erkrankungen. Welche Erfahrungen haben Sie in diesem Kontext mit dem Einsatz von Hypnose gemacht?

Bei körperlichen oder chronischen Erkrankungen können wir auf sehr gute Weise von der Hypnose profitieren, denn diese Heilmethode wirkt nicht nur auf der seelischen Ebene sondern unterstützt stets auch den Körper. Eine Hypnose stärkt immer das Immunsystem und senkt die Stresshormone, also eine Förderung der Gesundheit. Hinzu kommt, dass eine Hypnosebehandlung für die Betroffenen sehr angenehm ist und als hilfreiche und fürsorgliche Zuwendung erlebt wird.

In Ihrem Buch „Verborgene Kräfte wecken“ richten Sie sich speziell an krebskranke Menschen, die mit Selbsthypnose den Heilungsverlauf unterstützen wollen. Was das Buch besonders persönlich macht, ist, dass Sie nicht nur als Psychologin, sondern auch als ehemals selbst Betroffene – gewissermaßen auf einer Augenhöhe – an Ihre Leser schreiben. Hat Ihre Erkrankung den Anstoß zu diesem Buch gegeben?

Ja, das war schon lange ein Wunsch von mir: all das hilfreiche Wissen und meine Erfahrungen weiterzugeben. Als dann Patientinnen mich um Hypnosetexte zur Anleitung baten, wurde dieser Wunsch konkret und ich begann, das Buch zu schreiben.

In einem Gespräch erwähnten Sie einmal, dass die Hypnoseanleitungen aus dem Buch letztendlich für jeden Menschen, auch für gesunde, eine Kraftquelle darstellen können. Welche Rolle spielt Hypnose für Sie persönlich heute, nach Ihrer Genesung, in Ihrem Alltag?

Eine ganze Reihe der Hypnosetexte aus meinem Buch kann tatsächlich für jeden Menschen hilfreich sein – auch für Gesunde. Stärkung der Lebenskraft, Ermutigung und Zuversicht können wir alle immer wieder gebrauchen. Ich selbst benutze Hypnose im Alltag sehr oft, manchmal für kleine oder größere Unpässlichkeiten, manchmal für die Erholung und oft einfach zur Stärkung.

Wenn Sie Ihre persönlichen und beruflichen Erfahrungen zusammennehmen: Was verändert sich durch eine Krebserkrankung?

Eine Krebserkrankung erinnert uns immer an die Begrenztheit unseres Lebens und unserer Möglichkeiten. Dadurch relativiert sich in unseren Werten so einiges. Die Bedeutungen verschieben sich. Was ist wirklich wichtig für mich, für mein Leben? Wir lernen, den Wert des Alltags und des Lebens selbst mehr zu schätzen. Durch eine schwere Erkrankung wie Krebs ist das vorher Selbstverständliche plötzlich wertvoll.

Im Buch gehen Sie absolut ehrlich, realistisch, aber auch Mut machend mit dem Thema Krebs um. Was sollen Ihre Leser vor allem mitnehmen? Was ist Ihnen wichtig zum Ausdruck zu bringen?

Das Wichtigste ist meiner Erfahrung nach zu lernen, auch mit schweren Dingen umzugehen, das Leben zu leben mit seinen Einschränkungen, aber auch all seinen Möglichkeiten. Auch wenn wir nicht wissen, was kommen wird. Aber: Wer weiß das schon? So wird der Augenblick, das Jetzt, das Heute, wichtiger. Erkrankungen sind oft mit einer Fixierung im Negativen verbunden. Mit meinem Buch möchte ich Wege zeigen, um aus dieser Problemtrance herauszukommen. Und es tut einfach gut, wenn wir merken, dass wir selbst mithilfe unserer Vorstellungskraft und unserer Phantasie etwas verändern können.

Krebs ist natürlich ein sehr persönliches und sicher auch Angst besetztes Thema, mit dem jeder anders umgeht. Aber was würden Sie sich für die öffentliche Diskussion/den öffentlichen Umgang damit wünschen?

Ich wünsche mir, dass das Thema Krebs in der Öffentlichkeit noch viel selbstverständlicher vorkommen dürfte, ohne Panik und ohne Sensationslust. Es wäre gut, wenn es noch weniger Tabus zu dieser Krankheit gäbe, einer Krankheit, die so viele Menschen bekommen. Dann würden sich viele Betroffene weniger einsam fühlen müssen.

Ich habe Sie während der Arbeit an diesem Buch als eine sehr selbstbewusste, energiegeladene und auch humorvolle Frau kennengelernt. Verraten Sie uns, wie Sie – einmal abgesehen von Hypnose – Ihre Batterien wieder auftanken und Zuversicht bewahren? Haben Sie eine Art Wohlfühlrezept?

Ich bemühe mich um eine möglichst ausgewogene Balance von Aktivität und Entspannung, passend zu meinen persönlichen Erfordernissen. Aber ich muss zugeben, dass mir das natürlich nicht immer gelingt. Besonders wichtig ist für mich, immer wieder meine Aufmerksamkeit auf das Positive, auf die Möglichkeiten zu lenken, statt über Einschränkungen und das Negative zu grübeln. Es gibt ein Sprichwort, das ich als Leitsatz sehr hilfreich finde: Wenn dir das Leben Zitronen schenkt, mach Limonade daraus. Also: Nutze das, was da ist, und lebe damit – so gut es nur geht.

Liebe Frau Kurz, vielen Dank für das Interview. Ich bin sicher, dass das Buch vielen Betroffenen eine Hilfe sein wird.

WM-Fieber bei Junfermann

Jetzt geht sie los, die Fußball-WM – und in jedem Prospekt, in jeder Fernsehwerbung, überall wo es nur geht, sehen wir Brasilien und Fußball. Alle normalen Lebensmittel, die wir bislang gegessen und getrunken haben, tragen jetzt den Zusatz „WM“: WM-Bier, WM-Bratwurst, WM-Chips … Sogar die Zoos funktionieren ihre Gürteltiere zu WM-Orakeln um, da das in Brasilien beheimatete Kugelgürteltier das WM-Maskottchen ist und sich bei Gefahr wie ein kleiner Ball zusammenrollt. Besser könnte es doch nicht passen!

Kein Wunder, dass uns im Verlag auch ein bisschen das WM-Fieber gepackt hat! Nein, noch haben wir keine schwarz-rot-goldenen Deutschland-Devotionalien in den Büros und unser Frühstücksbrot wird wohl auch nicht zum „WM-Brot“. Aber der Spielplan und unsere traditionelle Tippliste hängen schon:

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Hierbei machen ausnahmslos alle Kolleginnen und Kollegen mit, auch diejenigen, die mit Fußball gar nichts am Hut haben. Unsere Tippliste ist eine liebgewordene Verlagstradition und es ist auch völlig egal, wer die meiste Ahnung hat. Am Ende zählt ohnehin nur das Tipperglück …

Bemerkenswert auch die Deko bei unserem heutigen Verlagsfrühstück:

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Auf www.junfermann.de verlosen wir zum WM drei Buchpakete rund um das Thema „Mentales Selbstcoaching“!

 

Tilman Niemeyer im Interview

Am 23. Mai erscheint das Buch „Kleiner Psychotherapieführer“ von Tilman Niemeyer im Handel. Der Autor, Heilpraktiker für Psychotherapie und angehender Hakomi-Körperpsychotherapeut, erläutert hier wichtige Aspekte, die bei dem Gedanken, eine Psychotherapie aufzunehmen, betrachtet werden sollten. Schließlich kann die Aufnahme einer Therapie viele Fragen aufwerfen, wie etwa: An wen soll ich mich wenden? Welche Methode passt zu mir? Übernimmt die Krankenkasse die Kosten? Was erwartet mich in einer Therapie?

Bevor Tilman Niemeyer aber solche und ähnliche Fragen in seinem Buch beantwortet, haben wir ihn gebeten, erst einmal Antworten auf die folgenden Fragen zu geben und uns einen kleinen Einblick hinter die Kulissen seines Schreibens zu gewähren…

 

Lieber Herr Niemeyer, verraten Sie uns, wann Ihr letzter Glücksmoment war und worin er bestand?

Das war, als ich jetzt eben die erste Frage gelesen habe. – Es ist, ich gestehe, mein erstes Interview und ich war sehr neugierig. Auf eine Frage zu stoßen, die ich mir so nicht gestellt hätte und deren Antwort ich also vorher selbst nicht kannte, das war: ein Moment des Glücks.

Sie wundern sich vielleicht über die Frage. Aber wenn das Leben nicht so richtig zu gelingen scheint und man sich psychisch ausgelaugt fühlt, fragt man sich auch unweigerlich, wie man das Glück in sein Leben zurückholen kann. Eckhard von Hirschhausen vertritt ja die Ansicht, dass man Glück lernen kann. Was meinen Sie?

Ich neige zu einem Ja. Vielleicht nicht unbedingt Glück, aber Zufriedenheit. Und: die Voraussetzung dafür, Glück überhaupt empfinden zu können; man kann Unglücklichsein verlernen. Das geht, davon bin ich überzeugt.

In wenigen Tagen erscheint Ihr Buch „Kleiner Psychotherapieführer. Praktischer Wegweiser zur geeigneten Therapie“. Welche Rückmeldungen erhoffen Sie sich?

Ich hoffe, dass der eine oder andere das Buch nützlich findet und dass darin die Informationen zu finden sind, die er oder sie sich davon versprochen hat.
Ich kann nicht hoffen, gar keine Fehler gemacht zu haben; aber ich hoffe, dass ich keine gravierenden Fehler gemacht habe.
Und glücklich wäre ich, wenn mir irgendwann jemand sagt, das Buch habe ihm persönlich geholfen.

Sie haben sich da kein ganz einfaches Thema ausgesucht. Was genau hat Sie zum Schreiben des Buches animiert?

Zum einen war das die Feststellung, wie wenig oftmals sogar Fachleute über andere als die eigene Methode wissen. (Woher sollen dann also Klienten etwas über die Unterschiede zwischen den Methoden wissen?)
Zum anderen war es das Empfinden, wie viel Glück ich hatte, die für mich „richtige“ Methode und die „richtige“ Therapeutin gefunden zu haben. Dieses Glück wünsche ich anderen, die in derselben Lage sind, in der ich damals war, auch.

Ihr Buch verfolgt das anspruchsvolle Ziel, Menschen mit psychischen Problemen auf der Suche nach der geeigneten Therapie zu begleiten und sie zu unterstützen. Trotzdem ist es nicht „bierernst“ geschrieben, sondern eher unterhaltsam, teilweise auch augenzwinkernd. Wie wichtig ist Ihnen Humor – trotz oder vor allem bei psychischen Problemen?

Gerade da! Wissen Sie, Humor ist eine ernsthafte Sache …

Haben Sie auf Ihrem Weg durch den Psychotherapiedschungel auch die eine oder andere lustige „Geschichte“ erlebt?

Ehrlich gesagt: eher viele traurige.
Aber ich habe beglückende Begegnungen gehabt, mit Menschen, deren Bekanntschaft eine Bereicherung für mich ist.

In Ihrem Buch zitieren Sie das indische Sprichwort „Das Leben hat immer Recht“. Was genau bedeutet das für Sie?

Ich habe in meinem Leben oft „gekämpft“, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Zu lernen, dass sich auf diese Weise nicht alles erreichen lässt, ja, dass gerade im zwischenmenschlichen Bereich vieles auf diese Weise gar nicht zu erreichen ist – das hat ebenso eine frustrierende, wie eine entlastende Seite. Ich denke, es ist vor allem diese Einsicht, die ich persönlich mit diesem Spruch verbinde.

Zum Abschluss möchte ich Sie noch bitten, ganz kurz und spontan folgende Sätze zu vervollständigen:

Besonders dankbar bin ich im Moment für…

meine Berufswahl.

Die beste Entscheidung in meinem Leben war…

        geboren zu werden.

Wenn ich die Welt der Psychotherapie nach meinen Vorstellungen ändern könnte, dann würde ich…

        erst mal viele verschiedene Menschen, die teilweise sehr unterschiedliche Vorstellungen zu haben scheinen, an einen Tisch und ins Gespräch bringen wollen.

Die wichtigste Erkenntnis, zu der ich gelangt bin bei dem Versuch, einen Überblick über den Therapiedschungel zu bekommen, ist…

        dass die Ziele verschiedener Methoden, so sehr sie sich in ihrem Vorgehen unterscheiden mögen, einander dann doch wieder sehr nah sind: Es geht um den Menschen.

Vielen Dank für das Interview, Herr Niemeyer!

Ich danke Ihnen.

Resilienz – das Schlimme mit dem Guten heilen

Elisabeth war, als ich sie vor über zehn Jahren in einer Beratungseinrichtung kennenlernte, 61 Jahre alt und befand sich damals am gefühlten Tiefpunkt ihres Lebens. Als Kind misshandelt worden, setzte sich die Gewalt durch ihren Mann in ihrer ersten Ehe fort und Elisabeths Leben zog wie ein schlechter Traum all die Jahre an ihr vorbei. Nachdem ihr Mann nach Jahren der Alkoholabhängigkeit gestorben war, brachen die Wunden der älteren und jüngeren Vergangenheit in ihr auf und der Schmerz schien zunächst größer zu sein als ihre Kraft. Nach einem glücklicherweise erfolglosen Suizidversuch und einem daran anschließenden Klinikaufenthalt begann Elisabeth eine Therapie zu machen und sich nach mehr als sechs Jahrzehnten für sich selbst und das Leben zu öffnen.

Als Elisabeth und ich uns kennenlernten, war ich eine junge Frau von 26 Jahren. Ich weiß noch genau, wie traurig ich lange Zeit darüber gewesen war, keine wirkliche Kindheit und Jugend gehabt zu haben. Dennoch konnte ich mich mit der Vorstellung trösten, auch nach der Aufarbeitung meiner Vergangenheit sehr wahrscheinlich noch den größten Teil meines Lebens vor mir zu haben. Wie aber musste sich jemand fühlen, der wie Elisabeth den größeren Teil seiner Lebenszeit bereits hinter sich hatte und diese Zeit alles andere als glücklich gewesen war?

Ich war sehr überrascht über ihre Reaktion auf meine vorsichtige Frage, ob es nicht vielleicht besser für sie gewesen wäre, wenn all der Schmerz nicht hochgekommen wäre.

„Nein! Im Gegenteil! Ich bin so froh darüber. Nun kann ich endlich anfangen zu leben.“ Mit 61 Jahren anfangen zu leben.

Zwei Jahre später erfüllte sich Elisabeth ihren Lebenstraum. Sie verkaufte alles, was sie besaß und kaufte sich ein kleines Haus an der Nordsee. „Weißt du, in der Stadt hatte ich immer das Gefühl zu ersticken. Hier an der See bekomme ich endlich wieder Luft!“

Einige Zeit darauf bekam ich einen Brief von der Nordsee mit einem Foto von Elisabeth, wie sie vor ihrem neuen Haus stand. Sie war kaum wieder zu erkennen – so sehr strahlte sie.

Nach zwei weiteren Jahren bekam ich wieder Post von ihr. Es war eine Einladung – zu Elisabeths Hochzeit! Auf einer Wattwanderung hatte sie die Liebe ihres Lebens kennengelernt. Mit 64! Ich folgte ihrer Einladung – und kann mich nicht entsinnen, je zuvor eine so schöne und so glückliche Braut gesehen zu haben.

Elisabeths Geschichte hatte mich damals tief berührt und mir großen Mut gemacht, auch an meine eigene Heilung zu glauben.

Jahre später, im Zusammenhang mit den Recherchearbeiten für mein Resilienzbuch, hatte ich Elisabeth befragt. Was war es bei ihr gewesen, das sie wieder zurück ins Leben geholt hatte? Sie erzählte mir, dass sie während des Klinikaufenthalts nach ihrem Suizidversuch immer wieder ein bestimmtes Bild gemalt hatte: von einem Haus am Meer. Eine Ärztin in der Klinik und auch andere Patientinnen hatten sie daraufhin auf ihr Bild angesprochen und immer wenn Elisabeth anfing, von dem Haus am Meer zu erzählen, spürte sie in sich so etwas wie ein Aufglimmen von Hoffnung, ein Gefühl von neuem Lebensmut. In vielen Gesprächen und Übungen mit ihrer späteren Therapeutin begann Elisabeth zu verstehen, dass es an ihr lag, ob sich der Traum vom Haus am Meer erfüllen würde oder nicht. Sie lernte, was es heißt, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und wollte alles loslassen, was sie von „ihrem Haus am Meer“ trennte. Also sah sie ihrer Vergangenheit ins Auge: den Schlägen in ihrer Kindheit, den Übergriffen ihres Onkels und dem Horror ihrer ersten Ehe.

„Das war wirklich eine harte Zeit. Ich habe so viel geweint. Und wenn ich dachte, ich schaffe es nicht, dann habe ich das Bild hervorgeholt – von meinem Haus am Meer. Von meinem neuen Leben. Im Grunde vom Leben überhaupt.“

Ohne sich dessen bewusst zu sein, ist Elisabeth auf ihre Art dem Konzept der Resilienz gefolgt: Sie verband sich mit einer Zukunftsvision, die in ihr ein Gefühl des Friedens und des Glücks auslöste und setzte mithilfe ihrer Therapeutin alles daran, dieses Glück wahr werden und die Vergangenheit loszulassen. Sie war kein Opfer mehr; sie war eine Frau, die ihren Weg ging.

Resilienz zu üben bedeutet nicht nur, unsere Seele zu stärken; es bedeutet gleichzeitig auch, dem Leben entgegenzugehen; dem Leben zu vertrauen lernen. Ganz gleich, wie alt wir sind, woher wir kommen und was wir erlebt haben. Vor dem Leben mitsamt seinen Krisen sind wir alle gleich. Ich glaube ganz fest daran, dass wir lernen können dem Leben zu vertrauen. Dass in jedem von uns sozusagen „ein ganz persönliches Haus am Meer“ schlummert. Dass es immer Hoffnung gibt und dass wir das Schlimme mit dem Guten heilen können.

Elisabeth sagte in dem Zusammenhang zu mir: „Ich bin so froh darüber, dass ich jetzt hier bin. Jeder Tag in meinem neuen Leben kommt mir vor wie ein ganzer Monat des Glücks und jeder Monat zählt für ein ganzes Jahr. Wenn man mich am Ende meines Lebens danach fragen sollte, so kann ich sagen, dass ich in viel stärkerem Maße glücklich in meinem Leben war als ich traurig gewesen bin.“

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Fabienne Berg hat Sprach- und Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt außeruniversitäre Erwachsenenbildung studiert. Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Traumabewältigung befasst sie sich vor allem mit den Auswirkungen seelischer Verletzungen sowie mit den Zusammenhängen von Heilung und Selbstfindung. Besonders liegt ihr am Herzen, andere Menschen für ihre individuellen Entwicklungsmöglichkeiten zu sensibilisieren und sie auf ihrem Heilungsweg zu unterstützen und zu stärken.

Bei Junfermann sind ihre Bücher Mut, Kraft und Liebe wünsche ich dir  (2012) und Übungsbuch Resilienz (2014) erschienen.

 

Feuerkind – Wasserkind: ein Video-Interview mit Stephen Cowan

Stephen Cowan

Stephen Cowan, ein amerikanischer Kinderarzt, hat mithilfe der Chinesischen Medizin einen neuen Ansatz im Umgang mit ADHS entwickelt. Sein Buch „Feuerkind – Wasserkind“ erscheint Ende Mai 2014 bei Junfermann. Wir zeigen Ihnen im Folgenden eine Reihe von Videos, in denen der Autor Fragen zu seinem Buch beantwortet. Die deutsche Übersetzung finden Sie jeweils als Text vor dem Video-Clip.


Wieso haben Sie dieses Buch geschrieben?
Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich mit dem Gesundheitssystem unzufrieden war. Statt genauer hinzusehen, warum in unserer Kultur Kinder nicht aufmerksam sind, werden einfach Rezepte aufgrund von Symptomen ausgestellt. Mir sind bei genauerer Betrachtung sehr viele sehr praktikable Lösungen eingefallen, um Kindern ganz individuell zu helfen, ihre besten Charakterzüge hervorzubringen.

Wer sollte dieses Buch lesen?
Jeder, der mit einem Kind mit Aufmerksamkeitsproblemen arbeitet oder ein solches Kind hat. Wenn Sie ein Elternteil, Lehrer oder Arzt sind und mit Kindern arbeiten, die Probleme haben aufmerksam zu sein: Dieses Buch wurde speziell dafür geschrieben, Ihnen praktische Alltagslösungen für das Problem des Kindes zu liefern.

Was heißt „Aufmerksamkeitsdefizit“?
Wir sind dafür gemacht, aufmerksam zu sein. Das ist es, was unser Nervensystem tut. Tatsächlich ist alles was wir sind dafür da, aufmerksam zu sein. Buddha sagte: „Dem weisen Mann gilt Aufmerksamkeit als sein größtes Juwel.“ Aufmerksamkeit ist eine von den Qualitäten, die wir veredeln und trainieren können; das weiß man seit tausenden von Jahren. In unserer Gesellschaft geschieht jedoch Folgendes: Die Dinge denen wir Aufmerksamkeit schenken, werden zu den Dingen, von denen wir abgelenkt werden. Und das vergessen wir häufig. Lassen Sie mich das erklären: Die Dinge, die ein Kind anziehend findet, sagen wir Bewegung, ein Kind liebt Bewegung …
Nun, wenn es keine Bewegung auf der Welt gäbe, dann würde ein Kind genau dadurch abgelenkt. Die kleinste Sache, die sich bewegt, müsste das Kind anschauen. Das gleiche gilt für ein Kind, das über Bilder oder Karten lernt oder über reden oder darüber, dass es den Kontext versteht oder den Ablauf. Wenn sie sich unsicher fühlen, werden all diese verschiedenen Arten, die Menschen stimulieren, die mit ihrer Begabung zu tun haben, mit ihren Stärken und Talenten, zu den Dingen, von denen sie abgelenkt werden.

Wieso ist ADHS in den USA zu einer „Epidemie“ geworden?
In unserer Kultur ist ADHS aus vielen Gründen zu einer Epidemie geworden. Es ist nicht bloß das chemische Ungleichgewicht im Gehirn eines Kindes. Kinder werden entweder überstimuliert oder viel zu wenig stimuliert. In unseren Schulen finden sich eine Form von Vereinheitlichung und eine Fließband-Mentalität, durch die die unterschiedlichen Temperamente von Kindern nicht gut unterstützt werden. Die Lehrer stehen dabei unter großem Druck, den wiederum die Kinder aufnehmen. Kinder lernen auf sehr unterschiedliche Arten, die nicht berücksichtigt werden. Durch ihr Wachstum ergeben sich Ungleichgewichte in der Ernährung. Es gibt also viele, viele Gründe, die ich in dem Buch „Feuerkind – Wasserkind“ aufgreife. Eltern können sich auf diese Weise angesprochen fühlen, all die kleinen Puzzleteile zusammenzufügen, um schließlich im Großen und Ganzen zu verstehen, wieso ADHS in unserer Gesellschaft eine solche Epidemie ist.

Inwiefern ist Ihr Verständnis des ADHS einzigartig?
Es ist sehr wichtig, dass ich ADHS als Symptom und nicht als Krankheit ansehe. Nun fragen Sie möglicherweise: „Was bedeutet das?“ Nun, wenn wir Symptome behandeln, geht es jemandem für kurze Zeit besser; auf lange Sicht ist aber die Behandlung von Symptomen schlechte Medizin. Wir sollten die Wurzel des Problems kennen. Was ich mittlerweile in Bezug auf ADHS verstanden habe ist, dass es ein Schrei um Hilfe ist. Jedes Symptom, zum Beispiel Fieber, ist es ein Schrei nach Hilfe, wie ein Alarmsignal: „Etwas stimmt in meiner Umgebung nicht“, aber nicht: „Etwas stimmt mit mir nicht“. Und es ist enorm wichtig, das zu verstehen, dass nämlich Kinder keinen Defekt oder Mangel haben, es ist nichts falsch an ihnen. Sie bitten lediglich um Hilfe. Und das ist es, wofür Symptome stehen. Und so haben wir auf der einen Seite großartige Charakterzüge, die sich immer dann zeigen, wenn die Kinder sich in einer sicheren Situation befinden, wenn sie sich sicher fühlen, wenn sie sich in ihrer Umgebung wohlfühlen. Und auf der anderen Seite, wenn die Kinder unsicher sind, wenn ihre Charakterstärken nicht mit ihrer Umgebung harmonieren, sehen Sie die ADHS-Symptome.

Was bietet dieses Buch, was andere Bücher nicht bieten?
Einzigartig an dem Buch ist, wie ich meine langjährigen Studien der Chinesischen Medizin eingebaut habe. In der Chinesischen Medizin kommt ein viel natürlicheres, ganzheitliches System zu Tragen, um ein Kind in dem Kontext zu verstehen, in dem seine individuellen Charakterstärken und Vorzüge zur vollen Entfaltung gelangen. Nicht zu erwarten, dass sie alle gleich sind; nicht zu erwarten, dass jedes Kind den gleichen Dingen auf die gleiche Art und Weise Aufmerksamkeit schenkt. Indem wir ihre Unterschiede anerkennen, können wir alle Kinder dazu befähigen, großartig zu sein.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Chinesischer Medizin und ADHS?
Ich habe mich bemüht einen anderen Weg zu finden, um ADHS zu verstehen. Mit der Chinesischen Medizin habe ich ein neues und zugleich sehr altes System gefunden, das allen Kindern mit ADHS helfen kann. Chinesische Medizin ist ein ganzheitliches System, das jedes menschliche Wesen als ganzheitlichen Teil seines Umfeldes versteht. Und ich habe herausgefunden, dass dieses System sehr praktikable Lösungen für Kinder anbietet. Und Eltern gewinnen ein Verständnis ihrer Kinder, in dem physisches Erscheinung und Verhalten sowie Ernährungsweise, Umgebung und die Art aufmerksam zu sein integriert sind. Und wenn man ein Kind ganzheitlich versteht, ist es um einiges leichter, einfache Lösungen zu finden, die sich als beruhigend für Probleme erweisen.

Was bedeutet der Titel „Feuerkind – Wasserkind“?
Der Titel meines Buches hat mit den fünf verschiedenen adaptiven Stilen von Kindern zu tun. Wenn man versteht, wer das Kind ist, ist es viel einfacher einen Behandlungsplan individuell abzustimmen. Da haben wir zum Beispiel das Feuer-Kind. Es ist ein spaßliebendes, charismatisches Kind, das, wenn es sich in sicher fühlt,  jeder gern hat. Fühlt es sich aber unsicher ist, gerät es außer Kontrolle, zeigt sich überstimuliert, bricht auf dramatische Weise zusammen. Das Holz-Kind ist, wenn es sicher ist, der Anführer, der Wegbereiter, der Unternehmer, der weiß, dass er es auf seine ganz eigene Art und Weise tun muss. Aber wenn es unsicher ist, wird es hyperaktiv und aggressiv. Das Erde-Kind ist ein natürlicher Friedenstifter, der es liebt, wenn alle miteinander klarkommen, aber wenn es unsicher ist, ist es leicht verwirrt. Das Metall-Kind liebt, wenn es sicher ist, Präzision und Ordnung und sieht die Schönheit im Detail. Aber wenn es unsicher ist, verliert es sich in Details und sieht das große Ganze nicht mehr. Und dann gibt es das Wasser-Kind, welches, wenn es sicher ist, ein großes Vorstellungsvermögen hat, viel Kreativität und tiefe Gedankengänge. Wenn es unsicher wird, verliert es sich in seinen eigenen Gedanken und verliert den Kontakt zum Rest der Welt.
Für alle diese Kinder gilt: Wenn wir ihnen eine sichere Basis schaffen, können ihre Vorzüge zum tragen kommen, ihre Aufmerksamkeit ändert sich; und wenn sie dann unsicher werden, können wir verstehen, dass ADHS ein Symptom oder ein Hilferuf ist; dass diese Kinder nicht aufmerksam sein können, weil sie unsicher sind.

Was nimmt man von diesem Buch mit?
Die Botschaft, die man aus diesem Buch mitnehmen kann, ist: Wir sollten unsere Verschiedenheit annehmen, denn sie ermöglicht es uns, dass wir nützlich für die Gesellschaft sein können. Und wenn es lernt seine Emotionen zu regulieren, seine Stärken zu erkennen und zu nutzen, wenn es lernt, sein großes Herz in die Welt zu bringen, kann jedes Kind zu einem Menschen werden, den wir alle lieben und schätzen.

Welttag des Buches 2014: Wir verschenken Lesefreude

Im Jahr 2013 beteiligten sich 1000 Blogs an der Aktion „Blogger schenken Lesefreude“. Mehr als 1000 Lieblingsbücher wurden also an Leserinnen und Leser verschenkt. In diesem Jahr soll die Tausender-Marke geknackt werden. An uns soll es nicht scheitern, denn wir sind dabei – und verschenken Lesefreude, sprich: eines unserer Lieblingsbücher.

Was ist eigentlich nötig, damit ein Buch entstehen kann, das Lesefreude bereitet? Viele Faktoren ließen sich hier aufzählen: Zeit zum Schreiben; Ausdauer, ein Manuskript auch zu beenden; einen Verlag, der das Buch mach will; der ganze Herstellungsprozess, angefangen beim Lektorat bis hin zum Druck; eine begeisterte Buchhändlerin, die das Buch empfiehlt … Aber fehlt da nicht etwas? Braucht man nicht ganz am Anfang überhaupt eine Idee? Einen kreativen Impuls, damit überhaupt ein Manuskript entstehen kann?

Und wo nimmt man ihn her, diesen Geistesblitz? „Herr, schmeiß Hirn vom Himmel“, hörte ich zum ersten Mal in den 1980er-Jahren. Aber ob es damit funktioniert? – Besser nicht auf eine solch ungewisse Methode setzen. Wir haben etwas Vielversprechenderes für Sie: „Brainstorming for One“ von Petra Hennrich ist unser Buchtipp für alle diejenigen, die ihrer Kreativität auf die Sprünge helfen wollen. Es macht nicht nur Freude, in diesem Buch zu blättern, altbekannte Kreativitätstechniken wiederzuentdecken und neue kennenzulernen. Nein, am besten fängt man gleich an und probiert etwas aus. Und vielleicht steht am Ende des Prozesses ein neues Buchmanuskript, das wiederum Lesefreude schenken kann. – Es muss aber nicht unbedingt ein neues Buch sein: Ein neuer Stuhl z.B. kann genauso dabei herauskommen wie ein innovatives Marketingkonzept.

Sind Sie neugierig geworden? Möchten Sie dieses Buch von uns am 23. April geschenkt bekommen? Dann ist es ja gut, denn jetzt erfahren Sie, wie das vonstatten gehen kann:

 

Das also sollte ihr neues Zuhause sein? Bei dem Gedanken …

Schauen Sie sich die beiden Bild-Text-Kombinationen an. Wählen Sie eine aus und lassen Sie sich inspirieren. Vervollständigen Sie bitte den unvollständigen Satz (wenn Sie mögen, schreiben Sie auch gerne mehr) und posten Ihr Ergebnis hier im Blog. Unter allen, die sich beteiligt haben, verlosen wir am 28. April drei Exemplare von „Brainstorming for One“.

Der Käfer flog bedrohlich schnell auf ihn zu. Bald schon würde er …

 

 

 

 

 

 

 

Und wir hoffen, dass das Buch allen, die es bekommen, viel Lesefreude bescheren wird. Und wer weiß, was dann passiert: Freude wird ja bekanntlich durchs Teilen noch größer.

Mehr Informationen zur Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ gibt es hier.

Guck mal, was da blüht!

Büropflanzen sind ein Thema für sich. Von lieblos behandeltem Grünzeug ist oft die Rede. Dabei verbringen wir doch eigentlich mehr Zeit im Büro als zu Hause – und entsprechend gut sollte es unseren Pflanzen dort gehen. Wie sieht es bei Junfermann aus? Das wollte ich wissen und habe einen kleinen Rundgang durch den Verlag gemacht.

Auch bei uns gibt es den Klassiker überhaupt, die Grünlilie. Sie ist pflegeleicht, nimmt es nicht übel, wenn man häufiger mal das Gießen vergisst und wuchert vor sich hin.

Ein auch sehr anspruchsloses Gewächs ist der Drachenbaum. Dieses Exemplar bekam ich vor über 20 Jahren von meiner Schwester. Er wurde einige Male umgetopft und zu lang geratene Triebe habe ich einfach abgeschnitten und mit in den Topf gesteckt. Als „Gesellschafterin“ habe ich noch einen Grünlilienableger in den Topf gesetzt – und alle leben sie glücklich und zufrieden und wachsen und gedeihen.

Der Geldbaum, auch ein eher robustes Gewächs: Er liefert fleißig Ableger, aber leider kein Geld. Schade eigentlich.

Etwas empfindlicher ist schon der Flaschenbaum. Er braucht Licht – und darf es nicht zu kalt haben. Als vor ein paar Jahren im Winter mal bei starkem Frost die Heizung ausgefallen war, wäre er fast eingegangen. Doch kaum wurde es wieder wärmer, zeigten sich kleine grüne Stellen am Stamm – und seither wächst er ungebremst.

Was aber ist das für ein Gewächs? Es sieht aus, als wollten diese Kallanchoe-Pflanzen einen neuen Wachstumsrekord aufstellen. Außerdem blühen sie – zum zweiten Mal. Alle, die schon mal versucht haben, ein Kallanchoe erneut zum Blühen zu bringen, wissen: Nach der ersten Blüte hat man fast immer nur noch eine Grünpflanze. Blüten? Fehlanzeige. Aber nicht hier. Dieses Kallanchoe zeigt wirklich, was in ihm steckt.

Wie wäre es mal mit einem Blick nach draußen? Schließlich haben wir einen kleinen Grünstreifen vor den Fenstern, wo auch Blumen wachsen könnten. Die Betonung liegt auf „könnten“, denn es gibt einen Hausmeister, der gnadenlos alles abmäht, egal ob Gras oder Blüte. Eine Narzisse immerhin ist seiner Rasenmäher-Attacke entkommen. Ich hoffe, sie kann in Frieden verblühen.

Um Blüten zu sehen, muss ich nur ein Büro weitergehen. Die Kollegin pflegt mit Hingabe ihre Orchideen und wird mit einem Traum in Rosa belohnt.

Und auch so können Büropflanzen aussehen. Das Exemplar rechts braucht nur etwas Licht – und schon pendelt die Blüte eifrig hin und her und sie winkt mit den Blättern. Und über das Exemplar links hatte einst Joachim Ringelnatz so schön gedichtet:

Du alter Stachelkaks,

Du bist kein Bohnerwachs,

Kein Gewächs, das die Liebe sich pflückt,

Sondern du bist nur ein bisschen verrückt.

Panta rhei – Hilarion Petzold zum 70. Geburtstag

Wie kommt es, dass ein in früheren Zeiten für Regionalia und religiöse Bücher bekannter Verlag eine psychologische Reihe herausbringt? Dass die Geschichte des Junfermann Verlages in den 1970er-Jahren diese Entwicklung nahm, ist nicht zuletzt einem Mann zu verdanken, der in diesen Tagen seinen 70. Geburtstag feiert: Prof. Dr. Dr. Dr. Hilarion Petzold. Leben und Werk einer der „Leitfiguren der Psychotherapie“ (so bezeichnete ihn einst die ZEIT) kann ich an dieser Stelle nicht annähernd kompetent würdigen; das muss ich anderen überlassen. Weil aber der Verlag ohne sein Dazutun kaum das wäre, was er heute ist, möchte ich seinen 70. Geburtstag zum Anlass nehmen, um einen kleinen Rückblick zu wagen.

Meine erste „Begegnung“ mit Hilarion Petzold hatte ich in meiner Zeit als Buchhändlerin, in den 1980er-Jahren. Für einen Vertreterbesuch arbeitete ich diverse Verlags-Vorschauen durch, u.a. auch die von Junfermann. Und eines ließ sich hier nicht übersehen: Es gab einen Autor, der mehr oder weniger das ganze Verlagsprogramm auszufüllen schien – und der hieß Hilarion Petzold. „Die neuen Körpertherapien“ „Leiblichkeit“, „Wege zum Menschen“ – das waren einige der Titel, die ich dort vorfand. Später habe ich immer mal wieder gehört, der Junfermann Verlag gehöre Hilarion Petzold. Es handelte sich dabei natürlich nur um Gerüchte; wie diese entstehen konnten, war mir jedoch durchaus einsichtig.

Im September 1993 wechselte ich die Seiten, vom Buchhandel in den Verlag. Ich arbeitete jetzt für Junfermann und hatte plötzlich ganz direkt mit Hilarion Petzold zu tun. Zum einen war ich für die Zeitschrift „Integrative Therapie (IT)“ zuständig, von ihm begründet und herausgegeben. Die IT hatte damals ziemlich viele langjährige Abonnenten, was sehr erfreulich war. Zum Thema Erscheinungsweise hieß es allerding: „Die Zeitschrift erscheint in vier Ausgaben pro Jahrgang, in unregelmäßiger Folge.“ In diesen Satz versuchten wir zu fassen, dass Heft 3 des Jahrgangs 1995 durchaus im Mai 1996 erscheinen konnte – nicht immer zur Freude der Abonnenten. Und warum? Weil alles ständig im Fluss ist, würde ich heute sagen. Weil der Herausgeber der Zeitschrift immer bestrebt war, neue Erkenntnisse noch in seine eigenen Aufsätze einzuarbeiten, bzw. großen Wert darauf legte, bestimmte Arbeiten in eine bestimmte Ausgabe hineinzunehmen, auch wenn das das Erscheinen des Heftes um Monate verzögern konnte.

In der Buchproduktion war natürlich das dreibändige Werk „Integrative Therapie“ ein echter Meilenstein. Es erschien 1994 in der ersten Auflage, erweitert und überarbeitet dann 2004. Ebenfalls 1994 erschien zum 20-jährigen Bestehen des Fritz-Perls-Instituts das zweibändige Werk „Integration & Kreation“. Unterstützt durch eine Grafikerin reiste mit Prof. Petzold eine mehrköpfige Delegation aus Düsseldorf nach Paderborn, um die Herstellung dieses komplexen Werkes zu besprechen. Damals schickte man noch keine PDF-Dateien hin und her; damals machten wir teilweise noch Klebeumbrüche.

Weil eben alles im Fluss ist, hat sich nicht nur die Herstellung von Büchern, sondern auch das Programm des Junfermann Verlages in den letzten 20 Jahren erheblich verändert. Von Hilarion Petzold findet man nach wie vor das dreibändige Werk – das ist geblieben. Die Zeitschrift IT hat eine gute neue Heimat beim Krammer Verlag in Österreich gefunden. Sie erscheint dort als Publikation der Donau-Universität Krens, wo die Integrative Therapie gelehrt wird. Und es erscheinen auch immer wieder neue Petzold-Bücher, zu Themen wie „Identität“, „Wege aus der Arbeitslosigkeit“ oder „Hochaltrigkeit“ – inzwischen allerdings in anderen Verlagen..

Wir wünschen dem Jubilar weiterhin viel Schaffenskraft für die nächsten Jahre – und alles nur erdenklich Gute. Auch wenn sich unsere Wege inzwischen – ganz fließend – getrennt haben: Wir wissen, was wir ihm zu verdanken haben.

Kalenderblatt

Junfermann beim Trainer-Kongress in Berlin

Irgendwann im letzten Jahr entdeckten wir eine Anzeige: „Trainer-Kongress in Berlin“. Von dieser Veranstaltung hatten wir vorher noch nie gehört, also googelten wir und stellten fest: Interessant. Hier geht es um Themen, die auch in unseren Büchern behandelt werden. Und es werden 700 Teilnehmer erwartet. Diesen Kongress wollten wir kennenlernen – und so buchten wir beim Veranstalter Gert Schilling einen Büchertisch und einen Infostand für unsere Zeitschrift Kommunikation & Seminar.

Am 13. März ging es los nach Berlin. Auf der Hinfahrt erlebten wir etwas Kurioses: Nach einer Kaffeepause wollten wir gern wieder auf die Autobahn auffahren. Das ging zunächst mal nicht. Stau. So weit, so gut. Aber solch einen netten Auslöser für einen Stau hat man doch selten! Wir haben ein bisschen gewartet, bis die riesige Schafherde gemütlich an uns vorübergezockelt war und dann konnten wir staufrei unsere Berlinfahrt fortsetzen.

Am Veranstaltungsort Café Moskau in Berlin (übrigens ein Gebäude mit einer sehr lesenswerten Historie) wurden wir von Gert Schilling und seinem Team überaus herzlich empfangen und konnten unseren Büchertisch aufbauen. Wir teilten uns den Ausstellungsstand mit den Kollegen von Neuland und lernten so übrigens während des Kongresses nebenbei noch Tricks fürs Visualisieren am Flipchart…

Am Freitag begann dann der Kongress mit einer Eröffnungsveranstaltung und danach ging es unmittelbar mit Seminaren und Workshops weiter, die mit ihrer starken Praxisausrichtung wertvolle Impulse für die Arbeit der Trainer darstellten.

Ob Marketing-Masterplan, Comiczeichnen für Trainer, Die Macht von Stimme und Körpersprache, Jonglieren für Trainer, Wirkungsvoll präsentieren mit Laptop und Beamer oder Social Media Workout – in allen Seminaren stand der Praxistransfer ganz oben auf der Agenda.

Besonders beeindruckend war die Leistung der Teilnehmer des Workshops „Think big – Die Kunst, große Gruppen mit großen Aufgaben zu bewegen…“.
Unter der Anleitung von Laszlo von Vaszary bauten sie draußen in einem Innenhof dreidimensionale Konstruktionen aus Bambussstangen, die an den Schnittpunkten mit Gummibändern fixiert wurden. Alle diese kleinen Konstruktionen wurden dann am Ende im Liegen zu einem großen Turm zusammengesetzt, der dann noch mit Fahnen und Bändern geschmückt und gemeinsam aufgestellt wurde. Der Turm war mehrere Meter hoch (er überragte das Dach des Anbaus am Café Moskau locker), wirkte sehr filigran und war dennoch stabil (wir konnten einem kleinen Rütteltest nicht widerstehen…).

Was lehrt uns das? Projektmanagement, Teamwork, Kommunikation, Konfliktmanagement, Zukunftsarbeit, emotionale Anker und das Erfolgserlebnis, gemeinsam eine große Aufgabe gestemmt zu haben – das alles können die größeren Teamübungen mit Leichtigkeit transportieren und garantieren dabei jede Menge Spaß für alle Beteiligten.

Im Atrium bewegte Hans Heß ebenfalls seine Seminareilnehmer. Einfache Outdoor-Übungen, bei denen es um körperliche Erfahrungen ging und die Zusammenspiel, Kommunikation und Vertrauen in der Gruppe zum Thema hatten, waren ein Vergnügen für Teilnehmer und Zuschauer. Sich mit verbundenen Augen von anderen führen lassen, körperliches Kräftemessen, sich fallen lassen und darauf vertrauen, dass der Trainingspartner einen auffängt – all das sorgte für Aha-Effekte und Abwechslung im Kongressgeschehen.

Die Atmosphäre auf dem Trainer-Kongress war professionell, aber alles andere als businessmäßig-kühl. Überall entspannen sich angeregte Unterhaltungen, es wurde an Büchertischen und Ausstellungsständen gestöbert. Die freundlichen Hostessen des Veranstalterteams waren wie gute Geister um das Wohl der Teilnehmer und Aussteller bemüht. Besonders schön war die „Motivier-Bar“, wo man sich alkoholfreie Cocktails mit so kreativen Namen wie „Quirlige Weiterbildnerin“ oder „Vernaschter Coach“ abholen konnte.

Viele Teilnehmer nahmen sich bei uns Probehefte von Kommunikation & Seminar mit, blätterten in Junfermann-Büchern und suchten das Gespräch mit uns.

Dann war plötzlich ein lautes Trompeten zu hören. Hatten sich ein paar Fußballfans mit Vuvuzelas ins Café Moskau verirrt? Nein – es waren die Seminarteilnehmer von „Führen durch Orchestrieren mit der Bigbandmethod®“. Bei Sandra Weckert erlebten sie Teamarbeit musikalisch am eigenen Körper. Anfangs waren die Töne noch etwas schief, am Ende des Workshops hatte die Gruppe dann ihr Zusammenspiel gefunden und die Grundzüge des empathischen, situativen und gehirngerechten Führens gelernt.

Der Freitagabend stand dann ganz im Zeichen des Get-Together mit einem abwechslungsreichen Networking-Programm mit Tangoworkshop, Kamingespräch, Business-Speed-Dating und und und … dazu ein leckeres Angrillen mit Fleisch, vegetarischen Gerichten und Salaten.

Am Samstag wiederholte sich das komplette Kongress-Programm noch einmal. Wer also zwei Tage da war, dem entging (fast) nichts. Und wer nur einen Tag Zeit hatte, konnte seine Lieblingsseminare wählen. Insgesamt waren rund 700 Teilnehmer auf dem Trainer-Kongress.

Fazit: Es war eine abwechslungsreiche, kreative und extrem gut organisierte Veranstaltung und ein Gewinn für Referenten, Teilnehmer und Aussteller. Wir kommen im nächsten Jahr gerne wieder mit dem Junfermann-Programm nach Berlin ins Café Moskau!

Hier noch ein paar Eindrücke vom Kongress: