Hörbeitrag zu Michael Argyls Standardwerk zur nonverbalen Kommunikation (Radio AFK Max)

Sprache ist ein mächtiges Instrument

Michael Argyles Standardwerk Körpersprache und Kommunikation ist eine breit angelegte Darstellung der nonverbalen Kommunikation, ihrer Phänomene und ihrer Bedeutungen. Der Autor beschreibt, wie nonverbale Mitteilungen in den verschiedensten gesellschaftlichen und kulturellen Bereichen eine wesentliche Rolle spielen. Dabei werden nicht nur die körpersprachlichen Zeichen selbst behandelt, die meist nicht bewusst wahrgenommen werden, sondern auch Möglichkeiten der praktischen Anwendung in Pädagogik, Therapie und Berufsausbildung aufgezeigt.

Das Buch liegt bei Junfermann in einer neuen Übersetzung vor und wendet sich an psychologische Fachleute und all jene interessierten Leser, die bewusster mit nonverbaler Kommunikation umgehen wollen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sven Grillenberger berichtet in einem Beitrag auf Radio AFK Max, dem Nürnberger Aus- und Fortbildungskanal, was für ein mächtiges Instrument Sprache sein kann und wie sehr das Werk von Michael Argyle ihm bei seiner Arbeit hilft:

 

„Wir sind aufeinander angewiesen, bedürfen immer wieder der Hilfe anderer“

Traumatherapie-Basics anhand des RebiT-Ansatzes

Der Wunsch nach Unterstützung und Orientierung sowohl bei angehenden als auch bei fortgeschrittenen Traumatherapeuten ist groß. Die spezifischen Bedürfnisse der Klienten und die besonderen Erfordernisse im Therapieprozess machen die Traumatherapie zu einer anspruchsvollen Aufgabe. Dr. Alice Romanus-Ludewig, Ärztliche Psychotherapeutin aus Hannover, vermittelt in ihren Fachseminaren alles Wesentliche über Trauma, Traumatisierungsfolgen und Grundlagen von traumatherapeutischer Behandlung nach dem sogenannten RebiT-Ansatz. Jetzt hat sie diese Inhalte in einem Buch zusammengefasst.

Liebe Frau Romanus-Ludewig, worum geht es in Ihrem Buch?

In meinem Buch geht es um die resilienz- und bindungsorientierte Traumatherapie, kurz: RebiT. Dieser Therapieansatz zeichnet sich dadurch aus, dass er – auf der Grundlage der allgemein anerkannten Richtlinien für Traumatherapie – besonders praxistauglich gestaltet ist. Er bietet eine klare Struktur, wie man als Therapeut konkret vorgeht. Natürlich bleibt Raum für die Individualität des Praktizierenden und des Klienten. Hat man ein festes Grundgerüst wird es aber leichter, alles Weitere variabel zu halten, ohne den Überblick zu verlieren. Das ist auch für den Klienten wichtig.

Entstanden ist dieser Ansatz aus dem Wunsch und der Notwendigkeit heraus, an der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis Umsetzungshilfen zur Verfügung zu stellen. Das Buch bietet also Antworten auf die Fragen, welche Übungen unverzichtbar und essentiell sind. Was sind die „Basics“ (ich nenne sie die „Big Five“) und wozu dienen sie? Und noch detaillierter: Wenn ich eine bestimmte Übung durchführe – wie gehe ich da Schritt für Schritt vor? Besonders bei der Traumadurcharbeitung ist es sehr hilfreich, anhand eines Beispiels mit Erläuterungen einmal den genauen Ablauf zu verinnerlichen. Dabei wird deutlich, worauf es ankommt, was der Kern des Prozesses ist, und auch, welche „Fallstricke“ es zu meiden gilt.

 

Für wen wird dieses Buch interessant sein?

Für alle Therapeuten – ob angehende, fortgeschrittene oder erfahrene –, die sich für Traumatherapie interessieren. Insbesondere für diejenigen, die schon einmal eine Traumatherapie-Weiterbildung gemacht haben oder diese anvisieren. Sie alle finden in diesem Buch einen guten Überblick über die Traumatherapie-Basics anhand des RebiT-Ansatzes.

Aus meiner Arbeit mit Klienten weiß ich, dass auch viele Traumbetroffene händeringend nach Informationen über Trauma, Traumatisierung und Hilfsmöglichkeiten suchen. Gerade weil nicht ausreichend viele Therapieplätze vorhanden sind, suchen viele Wege, sich selbst zu helfen. So werden sicher auch viele Klienten dieses Buch lesen, und ich glaube, dass für sie ebenfalls viele wertvolle Informationen zu finden sind. Sie gewinnen einen Eindruck davon, wie Traumatherapie aussehen kann und was sie erwartet.

Sowohl Therapeuten als auch Betroffenen bietet dieses Buch den Vorteil, dass es „gespickt“ ist mit Beispielen von Klienten und Klientinnen. Dabei habe ich natürlich solche Beispiele ausgewählt, die möglichst nicht „triggern“, aber trotzdem das Entscheidende deutlich machen.

 

Was enthält das Werk?

Sollte ich auf diese Frage so knapp wie möglich antworten, würde ich sagen: Das Buch enthält einen recht komprimierten Abriss der Theorie zu Trauma, Traumafolgstörungen und Traumaphysiologie sowie die Beschreibung der drei Traumatherapiephasen (Stabilisierungsphase, Phase der Traumakonfrontation und Phase der Trauer und Neuorientierung). Bei der Beschreibung der Traumatherapiephasen geht das Buch darauf ein, wie diese Phasen auf der Grundlage des RebiT-Ansatzes aufgebaut sind, welche Grundelemente sie enthalten und wie sie in der Praxis konkret gestaltet werden können. Außerdem enthält das Buch Abbildungen, Tabellen, Fallbeispiele und Übungen, um die Theorie so anschaulich wie möglich zu machen.

Zusätzlich wird sichtbar gemacht, dass einige Elemente aus der Traumatherapie auch für nichttraumafokussierte Therapien äußerst hilfreich sein können. Dies verwundert nicht, denn es gibt natürlich auch Überschneidungen zwischen dem Erleben von Traumabetroffenen und dem Erleben von Klienten mit anderen Diagnosen, wie z.B. Depressionen oder Burnout, oder mit Beziehungskonflikten.

 

Wie ist das Buch aufgebaut?

Das Buch beginnt, nachdem die Entstehung des RebiT-Ansatzes beleuchtet wurde, mit dem Theorieabriss. Darauf folgt der Praxisteil, der sich mit dem Aufbau und Ablauf der verschiedenen Traumatherapiephasen befasst. Hier steht das ganz konkrete Vorgehen im Mittelpunkt sowie viele Praxisbeispiele. Wer schon länger versucht, sein traumatherapeutisches Wissen in die Praxis umzusetzen, und dabei auf typische Schwierigkeiten stößt, erhält hier Hilfestellung.

In einem letzten Teil geht es noch über die Traumatherapie hinaus. Hier können Leser Ideen sammeln, wie sich einzelne traumatherapeutische Elemente auch sehr gewinnbringend für die allgemeine Psychotherapie anwenden lassen. Dies ist auch deshalb interessant, weil sich traumatherapeutische Prozesse oft aus „normalen“ Psychotherapien entwickeln oder nach Durchlaufen der traumatherapiespezifischen Phasen wieder einmünden in allgemeine psychotherapeutische Prozesse. Einige Gedanken und Modelle – z. B. das BEHAVE-Modell – sind ganz allgemein für Veränderungsprozesse anwendbar und hilfreich.

 

Können Sie das an einem Beispiel, etwa an dem BEHAVE-Modell, konkretisieren?

Veränderung macht lebendig und viele Krisen können nur durch die Bereitschaft zur Veränderung bewältigt werden. Eine Psychotherapie zu machen bedeutet, sich dieser Notwendigkeit zu stellen. Das kostet Energie, weil es in unserer menschlichen Natur liegt, am Gewohnten festzuhalten. Um diesen oft auch anstrengenden und herausfordernden Prozess der Veränderung zu bestehen, braucht es manchmal Unterstützung. Bei der Begleitung zahlreicher Veränderungsprozesse von Klienten habe ich festgestellt, dass es immer wieder ganz typische Phasen sind, die durchlaufen werden. Hilfreich kann daher zum Beispiel sein, für sich zu bestimmen, an welcher Stelle im Veränderungsprozess man steht.

Die unterschiedlichen Phasen habe ich im sogenannten BEHAVE-Modell beschrieben:

B – Benennen des Problems

E – Erkennen des Problems

H – Handlungsoptionen neu kreieren

A – Ausprobieren der Handlungsoptionen

V – Verinnerlichen durch Üben

E – Erfolg erkennen, würdigen und genießen, freiwerdende Energie für neue Ziele nutzen

Jede Phase hat ihre ganz besonderen Herausforderungen und es können phasentypische Blockaden auftreten. In der ersten Phase (Benennen des Problems) besteht die Herausforderung darin, möglichst präzise das Problem bzw. den Kern des Problems zu benennen. In der zweiten Phase (Erkennen des Problems) empfinden Klienten oft eine „Verschlimmerung“, weil sie plötzlich entdecken, dass das Problem möglicherweise in mehreren Lebensbereichen auftritt, und ihnen jetzt erst die Dimension und die unterschiedlichen „Gesichter“ des Problems deutlich werden.

Die dritte und vierte Phase des Veränderungsprozesses sind einerseits sehr kreativ, aber auch anstrengend, weil es darum geht, sich neue Verhaltensweisen innerlich vorzustellen, aber diese dann auch ganz konkret im Alltag auszuprobieren. Hier gilt das Prinzip Trial and Error (Versuch und Irrtum): ausprobieren und dann prüfen, ob die gewählte Strategie funktioniert oder nicht. Funktioniert sie, ist Phase fünf dran (Verinnerlichen durch Üben), funktioniert sie nicht, geht es zurück zu Phase drei und neue Handlungsoptionen müssen kreiert werden.

Phase drei und vier sind das Herzstück des Veränderungsprozesses. Die Gefahr ist, in dieser Phase aufzugeben, zum Beispiel weil die erste Veränderungsvariante nicht funktionierte. In einer Psychotherapie ist hier der Therapeut gefragt, Mut zu machen und zu stärken. Menschen, die zwar nicht in einer Therapie sind, aber an ihrer persönlichen Weiterentwicklung arbeiten, müssen sich hier selbst Mut machen.

Ist dann eine funktionierende Lösung gefunden worden, kann es weitergehen mit der fünften Phase, Verinnerlichen durch Üben. Diese Phase des Verinnerlichens kann sehr lange, teilweise Jahre dauern und endet damit, dass das neue Verhalten „in Fleisch und Blut übergegangen“ ist. Auch hier geben manche den Veränderungsprozess vorzeitig auf, weil sie irritiert sind davon, dass das neue Verhalten selbst nach einer ganzen Weile des Übens noch als anstrengend empfunden wird und nach wie vor ein Widerstand vorhanden ist. Dabei ist das gar nicht verwunderlich: Eingeschliffene Verhaltensweisen sind durch Nervenverschaltungen „im Gehirn eingegraben“. Daher braucht Veränderung ganz einfach Zeit, bis neue Verschaltungen aufgebaut sind.

Wenn der Energieaufwand weniger wird, das neue Verhalten also immer öfter „von alleine“ geschieht und irgendwann zumindest teilweise zur „zweiten Natur“ geworden ist, befindet man sich am Ende des Prozesses. Jetzt ist das Feiern des Erfolges ebenso wichtig wie die Anstrengung während des Prozesses. Nur wenn der Veränderungsprozess so bewusst wahrgenommen und gewürdigt wird, stellt er ein enormes Wachstumspotenzial dar. Ein Gelingen steigert das Selbstwertgefühl und setzt so viel Energie frei, dass oft der nächste Veränderungsprozess in Angriff genommen wird.

Worauf ist bei Ihrem Buch zu achten?

Wie schon erwähnt, soll das Buch bzw. der RebiT-Ansatz beides vermitteln: Die Essenzen, die die traumatherapeutische Grundhaltung ausmacht, also die Fokussierung auf Resilienz und Bindung, sowie die Struktur, das Grundgerüst einer Traumatherapie. Ich würde hier von einer Balance sprechen, die bedeutsam ist. Ohne die traumatherapeutische Grundhaltung, welche die Ressourcen des Klienten im Blick hat und eine vertrauensvolle Beziehung als Voraussetzung erkennt, kann keine Bewältigung des Traumas stattfinden. Da helfen weder Techniken noch Struktur!

Doch ohne sinnvolle Struktur und professionelles Vorgehen hilft auch keine noch so resilienz- und bindungsorientierte Grundhaltung. Beides lässt sich nicht gegeneinander ausspielen. Ich wäre sehr zufrieden, wenn das Buch zu dieser Einsicht beitragen könnte.

 

Wie lautet Ihre Botschaft?

„Habt Mut und macht euch daran, Traumatherapie zu lernen und zu üben, es lohnt sich!“ So ähnlich könnte meine Botschaft auf den Punkt gebracht werden. Das klingt banal, aber Tatsache ist, dass so viel traumatherapeutisches Wissen in den Köpfen von Psychotherapeuten ungenutzt bleibt. Das ist angesichts der zahlreichen, bisher nur unzureichend therapeutisch versorgten Traumabetroffenen sehr schade!

Hoffentlich klingt in dem Buch auch durch, dass Traumatherapie für beide Seiten sehr lohnend ist. Dass wir Fachleute durch das empathische Teilhaben an der Erfahrungswelt traumatisierter Menschen erheblichen Belastungen ausgesetzt sind, ist nicht zu leugnen. Doch die Last dieser Menschen ein Stück mitzutragen und zur Bewältigung beizutragen, empfinde ich als eine zutiefst sinnvolle Aufgabe. Sie erinnert mich in heilsamer Weise auch immer wieder an meine eigene Vulnerabilität und die von uns Menschen allgemein. Wir sind aufeinander angewiesen und bedürfen immer wieder der Hilfe anderer, wenn wir uns weiterentwickeln möchten. Ich bin allen Menschen dankbar, die ich bisher begleiten durfte, durch jeden Einzelnen habe auch ich sehr viel gelernt und mich weiterentwickelt.

 

  Über die Autorin

In ihrer Praxis für Psychotherapie, Traumatherapie und Weiterbildung in Hannover behandelt Alice Romanus-Ludewig Einzelpersonen nach dem tiefenpsychologisch fundiertem Therapieansatz. Im dreiteiligen Traumatherapieseminar werden zudem wesentliche Inhalte über Trauma, Traumatisierungsfolgen und Grundlagen von traumatherapeutischer Behandlung an Fachpersonen vermittelt. Das Seminar richtet sich an Therapeuten und Berater, die mit traumatisierten Menschen arbeiten. Grundlage des Seminars ist der RebiT-Ansatz.

Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Im Junfermann Verlag erscheint am 24. Mai Ihr Buch Resilienz- und bindungsorientierte Traumatherapie (RebiT). Ein Handbuch.

Ein Stück weiter in Richtung „widerstandsfähig“ kommen

Mit der Sprungkraft eines Kängurus

Von Melanie Hausler

 „Wie geht’s dir?“, frage ich meinen Kollegen bei einem zufälligen Treffen auf dem Flur. Er antwortet: „Gestresst, wie immer“, zwinkert mir zu und eilt schnellen Schrittes, die Kaffeetasse in der Hand, davon.

So oder so ähnlich laufen täglich unzählige Gespräche ab. Teilweise schwingt zwar noch ein gewisser Humor mit, in der Aussage ist es aber doch bedenklich. Gestresst zu sein ist normal geworden. „Stress“ hat sich als gesellschaftlich äußerst akzeptierter Zustand etabliert. Gestresste Menschen werden häufig als wichtig, erfolgreich oder zumindest sehr fleißig angesehen. In Smalltalks mit Kollegen, Nachbarn und Freunden dreht es sich meist um aktuelle Stressoren, und selbst nach Feierabend fällt es immer mehr Menschen schwer, herunterzufahren und zu entspannen.

Wir alle kennen das Gefühl des Gestresstseins. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie müssten in fünf Minuten unvorbereitet einen Vortrag halten. Wie würden Sie reagieren? Vermutlich würden Ihre Hände kühl und schweißig, das Herz schlüge schneller, die Atmung wäre flacher und beschleunigt und Sie nähmen eine erhöhte Anspannung der Muskulatur wahr. Kein sehr angenehmer Zustand!

Bleiben diese Stresszeiten zeitlich begrenzt, schaden sie uns nicht. Problematisch wird es aber vor allem dann, wenn wir uns ständig gestresst fühlen und zwischen den Stressereignissen kaum Zeit finden, unser System wieder in einen Entspannungszustand zu bringen. Zudem häufen sich nicht selten Stressoren aus verschiedenen Lebensbereichen: im Beruf, in der Beziehung, mit dem Vermieter … Je mehr Stressoren wir gleichzeitig erleben und je weniger wir uns dazwischen wieder entspannen und uns etwas Gutes tun, desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit für Burnout, Depressionen, Ängste, Schlafstörungen und Co.

Als Wissenschaftlerin interessiert mich die Frage, wie sich individuelle Stressoren auf der einen und positive Erlebnisse auf der anderen Seite auf die psychische und körperliche Gesundheit sowie das Wohlbefinden auswirken. Eine Kernaussage, die sich auf Basis der wissenschaftlichen Forschung treffen lässt, ist diese:

Durch gezielte Förderung des Wohlbefindens und effektive Stressbewältigung kann sowohl psychischen als auch körperlichen Erkrankungen entgegengewirkt werden.

 

Die Logik unserer Psyche

In meiner psychologischen Praxis begegnen mir die verschiedensten Menschen mit ihren Geschichten. Sie geben mir einen unglaublich spannenden Eindruck in die komplexe Welt der Psychologie. Und jedes Mal aufs Neue fasziniert es mich zu erkennen, welche Logik hinter der individuellen Symptomatik steckt. Denn eins ist gewiss: Es ist immer psycho-logisch. All unsere Gedanken, unsere Gefühle und Verhaltensweisen haben eine Entstehungsgeschichte, die sinnvolle Erklärungen dafür bietet, warum sie sich entwickelt haben. Und nicht nur das. Auch in der aktuellen Lebenssituation gibt es immer Faktoren, die der Symptomatik Sinn verleihen bzw. sie aus gewissen Gründen aufrechterhalten. Ich möchte Ihnen hierfür ein Beispiel geben:

Die 22-jährige Sarah B. berichtet über Angstattacken, die sie ohne erkennbare Auslöser regelmäßig ereilen. Wenn sie die Ängste erlebt, wird ihr schwindelig, ihr Herz klopft rasend schnell, ihr Mund wird trocken und in ihrem Kopf kreisen Gedanken um die Angst, verrückt zu werden. Sie erkennt zunächst keinen erkennbaren Auslöser und erst recht keinen Sinn in ihrer Symptomatik. Nach einigen Sitzungen haben wir folgende Erkenntnisse gewonnen:

  1. Die auslösende Lebenssituation stellt sich wie folgt dar. Sarah B. hat einen Umzug in eine neue Stadt hinter sich, wo sie ein BWL-Studium begonnen hat. Sie erlebt das Studium als sehr anspruchsvoll und hat gleich zu Beginn eine Prüfung nicht geschafft. Sie wohnt in einer Ein-Zimmer-Wohnung und fühlt sich dort recht einsam. Die Panikattacken treten gehäuft vor dem Einschlafen auf, wenn sie über ihre Situation nachgrübelt.
  2. Auf welche Person treffen nun diese Lebensumstände? Sarah B. beschreibt sich als sehr leistungsorientiert. Ihre Eltern haben ihr immer klar vermittelt, dass sie gute Leistungen von ihr erwarten. Wenn sie gute Noten nach Hause brachte, wurde das gemeinsam gefeiert und sie erfuhr Anerkennung und Zuneigung. Im Falle von schlechten Noten entfiel der positive Austausch und stattdessen saß sie alleine in ihrem Zimmer, um zu lernen. Als sie nun in eine neue Stadt zog, reduzierte sich der Kontakt zu den Eltern und ihren Freunden. Sie fuhr zwar regelmäßig nach Hause, aber dennoch war ihr Bedürfnis nach Austausch und Nähe nicht ausreichend erfüllt. Als sie dann auch noch eine schlechte Note erzielte, ging ihr System in Alarmbereitschaft und versetzte ihren Körper in Anspannung. Nun würde sie in nächster Zeit alleine in ihrer Wohnung verbringen müssen, um zu lernen, und die Wochenendbesuche wären nicht mehr so häufig möglich. Darüber hinaus hatte ihre Mutter Sorgen geäußert, ob sie mit dem Studium überfordert sei.
  3. Die Reaktion ihres Systems war eine Steigerung der inneren Anspannung. Als dann eine weitere Prüfung ins Haus stand, überschritt die Anspannung ihre Angstschwelle und sie erlebte ihre erste Panikattacke. Fortan beobachtete sie sich sehr genau und verfiel bei dem geringsten Anzeichen von Unwohlsein (z. B. Übelkeit, Schwindel oder Herzklopfen) in Sorge darüber, ob etwas mit ihr nicht stimme und es zu einer neuen Panikattacke kommen könne – was dann auch zunehmend häufiger der Fall war.
  4. Die Konsequenzen waren nicht nur rein negativ, wie man auf den ersten Blick vielleicht vermuten würde. Zwar fühlte sie sich langfristig dadurch massiv in Alltag und Studium eingeschränkt, doch gab es kurzfristig auch positive Konsequenzen. So rief ihre Mutter fast täglich an, um sich nach dem Befinden der Tochter zu erkundigen. Auch war sie nach dem gehäuften Auftreten einiger Panikattacken zur Erholung für ein paar Tage nach Hause gefahren. Dort hatte sie sehr viel Zuneigung und Zuspruch erlebt. Ihre Eltern hatten ihr klargemacht, dass sie wichtiger sei als positive Leistungen und dass sie vor allem auf sich schauen solle. Damit nahmen sie ihr eine große Last von den Schultern, machten aber ihre Anerkennung vom Gesundheitszustand der Tochter abhängig. Wenn nun die Symptomatik verschwinden würde – was dann? Vermutlich wären die Ansprüche – sowohl der Eltern, als auch die eigenen – wieder deutlich höher.

Dieses Beispiel ist nur eines von vielen, das veranschaulicht, warum sich Symptome entwickeln und auch, warum sie aufrechterhalten werden. Bei Depressionen, Burnout, Schlafstörungen und Co. ist es nicht anders. Jede Person hat eine andere Art und Weise, eine für sie bestmögliche Lösung zu finden, um mit der aktuellen Lebenssituation zurechtzukommen. Dabei ist es sehr wichtig, niemandem die Schuld in die Schuhe zu schieben. Weder hat Frau B. ihre Symptomatik „absichtlich“ entstehen lassen, noch sind die Eltern schuld an der Misere. Die Psyche ist viel komplexer.

Viel relevanter ist die Frage, wie sich mit solch komplexen Situationen gut umgehen lässt. Hierfür sind zwei Ansatzpunkte zentral:

  1. Negative Faktoren, Symptome und Unzufriedenheit verringern. Hatten Sie schon mal Angst zu sterben – vielleicht auch nur ganz kurz, etwa weil sie bei einer Wanderung in den Bergen mit dem Fuß abgerutscht sind oder nur durch eine Vollbremsung mit dem Auto knapp einem Unfall entgehen konnten? Um dieses Angstgefühl geht es bei Sarah B. aus dem obigen Beispiel. Grundsätzlich kann man sagen, dass man angstauslösende Situationen nicht gänzlich vermeiden und ihnen dauerhaft einfach aus dem Weg gehen kann. Es gilt vielmehr, Strategien zu entwickeln, um mit der Angst umgehen und ihr mutig begegnen zu können. Es geht also darum, angstfähig zu werden. Es hilft aber langfristig nichts, wenn nur die negativen Faktoren reduziert werden.
  2. Positives stärken. Hinter der Symptomatik steckt auch etwas Positives: Bei Sarah B. ist es der Wunsch nach Zuneigung, nach positiven Beziehungen und nach Liebe. Ein menschliches Grundbedürfnis! Es geht also darum, Wege zu finden, dieses Bedürfnis zu erfüllen und eine gute Balance zwischen Beziehungen auf der einen Seite und Freiheit bzw. Selbstbestimmung auf der anderen Seite herzustellen. Die Lösung wird bei Frau B. nicht sein, das Studium abzubrechen und einfach wieder nach Hause zurückzukehren. Es wird darum gehen, neue Wege zu finden, um dieses Bedürfnis im Hier und Jetzt zu erfüllen.

 

Die Positive Psychologie

Genau hier kommt die positive Psychologie ins Spiel. Die Wissenschaft des gelingenden Lebens dreht sich konkret darum, das positive Erleben – also positive Gefühle und Zufriedenheit – zu erhöhen. Außerdem ist folgende Frage zentral: Welche Stärken und Werte zeichnen uns aus und fördern den Selbstwert unabhängig von Leistungen, Erfolgen oder Misserfolgen? Die Stärken stellen damit eine wichtige Basis für das Wohlbefinden dar.

Es geht aber nicht nur um die positiven Gefühle, sondern auch darum, mit all unseren Gefühlen achtsam umzugehen. Negative Gefühle haben grundsätzlich einen Sinn. Angst ist beispielsweise wie ein Wachhund, der uns vor Bedrohungen warnt. Die Gefahr kann unmittelbar sein oder in der Zukunft befürchtet werden (ein weiteres Nichtbestehen der Prüfung). Manchmal kann der Wachhund aber auch überreagieren und bellen, wenn nur ein kleiner Spatz aus dem Gebüsch fliegt.

 

Das Navigationssystem unserer Gefühle

Ein Bild, das die Funktion der Gefühle anschaulich beschreibt, ist das eines Navigationssystems. Es hilft uns bei der Orientierung, lenkt unsere Aufmerksamkeit und lässt uns wichtige Informationen zukommen. Es zeigt an, welche Straßen gesperrt sind, welche Wege wir besser umfahren sollten, wie lange wir noch bis zu unserem Ziel brauchen und welche Schwierigkeiten auf unserer Reise auftreten können. Und genauso funktionieren auch unsere Gefühle.

 

Positive Gefühle zeigen uns an, dass wir auf dem richtigen Weg sind, während negative Gefühle wie Angst, Wut, Trauer etc. uns darauf aufmerksam machen, dass gerade etwas nicht so gut läuft.

 

Alle Gefühle geben uns (lebens-)wichtige Hinweise auf unsere Bedürfnisse und haben somit einen wesentlichen Anteil an unserem Wohlbefinden.

Ob die Gefühle nun aber angemessen sind oder nicht, hängt stark von der individuellen Situation ab. Während ein heiteres Lachen während der Beerdigungszeremonie eher ungewöhnlich ist, passt es beim gemeinsamen Spieleabend sehr gut. Ebenso ist es mit den negativen Gefühlen.

Angenommen das Gefühl ist passend, dann spielt darüber hinaus die Intensität des erlebten Gefühls eine Rolle. Haben wir beispielsweise gesunden Respekt vor Höhe, ist das durchaus sinnvoll, da wir dadurch während der Bergtour achtsam bleiben und aufpassen, dass wir stets sicheren Tritt haben. Besteht jedoch panische Angst vor Höhen und vermeiden wir sogar in der Folge alle Situationen, die uns mit Höhe konfrontieren könnten, dann ist dies unserem Wohlbefinden nicht mehr dienlich. Im Gegenteil – es ist sogar einschränkend. Bleiben wir beim (Gefühls-)Navigationsbild, dann gibt es folgende Möglichkeiten:

  1. Die Information ist hilfreich und wir reagieren dementsprechend (z. B. schnellere Route wählen und Stau umfahren).
  2. Die Information weist zwar in die richtige Richtung, ist aber zu intensiv (z. B. wird immer wieder auf den Stau hingewiesen, in dem wir uns befinden, es gibt jedoch keine alternative Route).
  3. Die Information ist nicht hilfreich (z. B. wird auf eine gesperrte Straße hingewiesen, die inzwischen schon wieder frei befahrbar ist).

Während es wichtig ist, im Fall 1 dem Gefühl gemäß zu handeln, ist es bei den Fällen 2 und 3 notwendig, das Gefühl zu regulieren bzw. abzuschwächen – zum Beispiel mit den Methoden der Positiven Psychologie. Je nach Ausmaß und Häufigkeit kann darüber hinaus auch eine professionelle Unterstützung Sinn machen.

 

Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen?

Uns allen widerfahren hin und wieder Missgeschicke, Dinge laufen anders als erwartet oder wir machen schmerzhafte Erfahrungen. Das gehört zum Leben dazu. Interessant ist, wie wir mit derartigen Situationen umgehen. Studien haben gezeigt, dass glückliche Menschen bessere Strategien entwickeln, um mit kritischen Lebensereignissen umzugehen, als weniger glückliche (z. B. Tugade & Fredrickson, 2004). Sie verfügen über eine größere Widerstandskraft, die sie dazu befähigt, konstruktiv mit Krisen umzugehen, ohne an ihnen zu zerbrechen. Die Rede ist von Resilienz.

Ich möchte diesen Umstand am Beispiel des Kängurus verdeutlichen: Kängurus können ganz wunderbar springen. Bei jedem Sprung federn ihre Hinterläufe vom Boden ab wie ein Gummiball. Je mehr sich der Kängurukörper komprimiert, je stärker also die Gelenke belastet und die Muskeln gedehnt werden, desto höher ist die Sprungkraft. Resilienz ist wie diese Sprungkraft. Sie befördert uns wieder nach oben, wenn das Schicksal uns einmal zu Boden geworfen hat. Auch wenn wir Schlimmes erleben, bedeutet das nicht automatisch, dass wir dadurch traumatisiert oder von nun an unglücklich sind. Vermutlich führen wir zwar ein anderes Leben, als wir es ohne dieses Erlebnis getan hätten. Ob dieses Leben jedoch glücklich ist oder nicht, hängt sehr viel mehr von unserer Bewertung, unseren Gefühlen und unserem Verhalten – kurz: unserer Resilienz – ab: Wie wir Dinge einschätzen und welche Konsequenzen wir daraus für unser Leben ziehen, liegt an uns.

Wir alle haben die Möglichkeit, Resilienz zu trainieren und uns auf dem Kontinuum ein Stück weiter in Richtung „widerstandsfähig“ zu bewegen. In diesem Zusammenhang konnte die Bedeutsamkeit positiver Gefühle für die Förderung von Resilienz nachgewiesen werden. Resiliente Menschen nutzen positive Gefühle zum einen dafür, sich schneller von Stress zu erholen, und zum anderen, um Sinn aus negativen Erlebnissen zu schöpfen (Tugade & Fredrickson, 2004). Außerdem nehmen sie bei Stressereignissen oder Problemen nicht ausschließlich die negativen Aspekte wahr, sondern auch positive Facetten, Entwicklungsmöglichkeiten oder Lernchancen. Dies ermöglicht es ihnen, gestärkt aus solchen Erfahrungen hervorzugehen und sogar an ihnen zu wachsen.

Wenn wir einmal hinfallen, ist es wichtig, erst einmal innezuhalten und herauszufinden, worüber wir gestolpert sind. Vor allem dann, wenn uns das regelmäßig passiert, macht es sehr viel mehr Sinn, sich mit dem Hindernis auseinanderzusetzen, als jeden Tag aufs Neue über die Türschwelle zu stolpern. Der nächste Schritt ist dann zweifelsohne, wieder aufzustehen und sich mit Mitgefühl zu begegnen, anstatt sich Vorwürfe zu machen. Ist dies geschehen, können Sie mutigen Schrittes weitergehen – und wie ein Känguru mit einem kraftvollen Sprung über künftige Hindernisse hinwegspringen. Denken Sie daran: Glückliche Kängurus springen höher!

  

Über die Autorin

Dr. Melanie Hausler, Klinische und Gesundheitspsychologin, Trainerin für Positive Psychologie, Promotion in Psychologie zum Thema „Wohlbefinden verstehen und fördern“. Sie ist Glücksforscherin an der Medizinischen Universität Innsbruck und in freier Praxis tätig. Ihr Buch Glückliche Kängurus springen höher: Impulse aus Glücksforschung und positiver Psychologie erscheint am 22. März 2019 im Junfermann Verlag. Weitere Informationen über Melanie Hausler erhalten Sie hier.

 

Quelle

Tugade, M. M. & Fredrickson, B. L. (2004): Resilient Individuals Use Positive Emotions to Bounce Back From Negative Emotional Experiences. Journal of Personality and Social Psychology, 86(2), 320–333. http://doi.org/10.1037/0022-3514.86.2.320.

Engagierte Anwältin für Schwiegerkinder: Ruth Gall (1954-2018)

2007 hatte ich erstmals Kontakt mit Ruth Gall. Sie berate seit über zehn Jahren Frauen, die Probleme mit ihrer Schwiegermutter hätten. Und das seien viele. Sie nannte die beeindruckende Zahl von 90.000 Beratungsfällen. Für die meisten sei es gut, überhaupt einmal mit jemandem zu diesem so belastenden Thema telefonieren zu können. Außerdem habe sie ein gut besuchtes Forum für Betroffene eingerichtet.

Und natürlich ging es ihr um ein Buchprojekt, das wir 2008 unter dem Titel Wege aus der Schwiegermutter-Falle realisierten.

Ruth Gall war zunächst selbst Betroffene, bevor sie sich auf den Weg machte, anderen zu helfen. Schon früh suchte sie Kontakt mit Frauen, denen es genauso ging wie ihr, und machte die Erfahrung, wie wichtig Austausch und Vernetzung sind. Als aus der anfänglichen Selbsthilfe ein Hilfeangebot für andere wuchs, war ihr wichtig, das Thema „Probleme“ mit der Schwiegermutter“ aus der Tabuzone zu holen. Viele Betroffen – so ihre Erfahrung – schämen sich und schweigen deshalb. Auf der einen Seite gibt es das „Feindbild Schwiegermutter“, auf der anderen das „hilflose Opfer Schwiegertochter“. Ruth Gall war immer daran gelegen, pauschale Schuldzuweisungen zu vermeiden und genau aufzuzeigen, wo die Verantwortlichkeiten liegen. Künftige Generationen, so ihr Wunsch, sollten möglichst ohne die von ihr so oft beobachteten Störungen im Verhältnis Eltern-Kind aufwachsen. Um dann „bessere“ Schwiegereltern, aber auch „bessere“ Schwiegerkinder zu werden.

Aus der ganz aktiven Arbeit hatte sich Ruth Gall aus gesundheitlichen Gründen schon vor einigen Jahren zurückgezogen. Was bedauerlich war, denn gebraucht wurde sie mit ihrer großen Expertise an allen Ecken und Enden. Das merkten wir als Verlag, wenn uns Kontaktwünsche erreichten. Oft waren es auch Medienvertreter, die sie gerne als Expertin in einer Talkrunde gehabt hätten.

Von ihrem Mann erfuhren wir jetzt, dass sie im Dezember 2018 gestorben ist, an dem Ort, an dem es ihr gesundheitlich wenigstens einigermaßen gut ging, wie sie es mir einmal selbst am Telefon erzählt hatte.

Gedenken an Fritz Wandel

Wie wir erst kürzlich erfahren haben, ist im Sommer 2018 unser Autor Fritz Wandel nach längerer Krankheit verstorben.

Ich hatte meinen ersten Kontakt mit Fritz Wandel im Jahr 1993. Ich arbeitete mich gerade in meine Aufgaben bei Junfermann ein, und eine davon war die Betreuung der „Zeitschrift für Transaktionsanalyse“, damals noch mit dem Zusatz: „in Theorie und Praxis“. Der Herausgeber war Fritz Wandel. Mit ihm telefonierte ich fortan regelmäßig über Abgabe- und Drucktermine und nicht immer schafften wir es, die damals optisch noch sehr schlichten Heftchen pünktlich zum Quartalsende herauszubringen. Nicht selten klagte er über Autoren, die Termine nicht einhielten oder Texte, die nicht publikationsreif waren. Und doch haben wir es immer wieder geschafft, lesenswerte Hefte zu produzieren. Bis 2001. Dann übergab Fritz Wandel die Herausgeberschaft an Ulrike Müller und unser regelmäßiger Kontakt schlief für einige Jahre ganz ein.

Es muss so 2009 gewesen sein, als er sich nach längerer Zeit bei mir meldete. Schon früher hatte er immer mal wieder über Schreibvorhaben und Buchideen gesprochen. Und nun war eine konkret geworden, die er gemeinsam mit seiner Frau Ingrid Wandel realisieren wollte. Bis ein Manuskript vorlag, dauerte noch ein wenig, aber im Dezember 2011 erschienen tatsächlich die Alltagsnarzissten. Dem ging eine sehr angenehme Zusammenarbeit voraus. Mir machte es große Freude, das Manuskript zu lektorieren und Fritz Wandel äußerte sich sehr wertschätzend über mein Lektorat. Ich hätte „das Kindlein schön gemacht“; das war sein Bild dafür. Und glücklicherweise fanden auch viele Leserinnen und Leser das „Kindlein“ schön, denn das Buch wurde ein Erfolg.

In unseren Telefonaten erzählte Fritz Wandel auch immer gerne über seinen friesischen Bauernhof, auf dem er seit einigen Jahren mit seiner Frau lebte. Unter anderem züchtete er dort Schweine, von denen auch das eine oder andere Foto seinen Weg in mein Postfach fand. Es gab außerdem Ideen für ein neues Buch, mit dem es aber nicht so recht vorwärts ging. Irgendwann blieben die Telefonate aus, was mir in der Hektik des Alltags erst gar nicht so richtig auffiel. Im Hinterkopf war zwar öfter der Gedanke da: „Du musst mal nachhaken.“ Aber wie so oft … ist es einfach unterblieben, weil es da immer Dringlicheres gab.

Mich hat die Nachricht, dass Fritz Wandel gestorben ist, sehr getroffen. Wenn jemand über einen so langen Zeitraum einfach immer da gewesen ist, dann nimmt es irgendwann für selbstverständlich, dass er auch in Zukunft da sein wird und man zu jedem beliebigen Zeitpunkt den Kontakt wieder aufnehmen kann. Dieser Kontakt ist leider nicht mehr nur unterbrochen, sondern abgebrochen.

 

 

Wie oben bereits erwähnt, übernahm Ulrike Müller 2001 die Herausgeberschaft der Zeitschrift für Transaktionsanalyse. In der Ausgabe 1-2019 wird ein Beitrag von ihr erscheinen, den wir mit freundlicher Genehmigung auch hier veröffentlichen dürfen.

 

Meine sehr persönliche Erinnerung an Fritz Wandel

Von Ulrike Müller

 

Fritz Wandel war von Anfang an dabei, als ich mich dazu entschieden hatte, in Konstanz eine Weiterbildung in Transaktionsanalyse bei Ingrid Wandel anzufangen. Immer war er in existentialistisches Schwarz gekleidet. (Der schwarze Rollkragenpullover war in den 1960er- und auch noch in den 1970er-Jahren für unsere [Nachkriegs-]Generation das Erkennungszeichen des Intellektuellen, der in Debattierklubs und verräucherten Kellern über die Weltläufe debattierte. Man verglich sich auch schon mal mit Sartre und konstatierte sich selbst die entsprechende Gedankentiefe.) So war Fritz‘ Erscheinung zuerst einmal vertraut und in meinen Bezugsrahmen einzuordnen. Fritz hielt sich meistens apart.

Wenn wir Weiterbildungskandidaten Pause machten, mussten wir zuerst durch das kleine Zimmer, das direkt neben dem Gruppenraum lag, bevor wir in die Küche kamen. Dort saß Fritz in der Regel und spielte auf einem seiner exotischen Saiteninstrumente, von denen einige an der Wand hingen. Immer schaute er ganz verschreckt auf, so als wäre er ganz versunken gewesen und käme von weit her.

Wenn er nicht dort saß, war er auf der Höri, einer Halbinsel am Bodensee, bei seinen Pferden. Manchmal war er überhaupt verreist. Dann sagte Ingrid: „Er ist bei seinen polnischen Verwandten und trinkt sie alle unter den Tisch.“

Das waren eigentlich schon zu viele Facetten für eine Person. Ein stummer, in sein Saitenspiel versunkener Intellektueller; ein Mann, der die Gepflogenheiten eines polnischen Landadeligen hatte. (Bilder, die mich beschäftigten, ohne dass ich je auf die Idee gekommen wäre, nachzufragen: Wo kommst du her, was ist deine Geschichte?)

Ab und an musste er Ingrid vertreten. Dann war er wach, zugewandt, witzig. Oft spielte auch ein feinsinniges Lächeln um seine Lippen (nie spöttisch); es war aber klar, dass er mit dem, was da grade gesprochen wurde, nicht übereinstimmte. Komplizierte Sachverhalte konnte er gut erklären. Er war ja auch promovierter Altphilologe und am Institut für Lehrerfortbildung tätig. Schon damals interessierten mich frühe Störungen, nicht zuletzt, weil mein erster Klient eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hatte. Während eines Weiterbildungswochenendes mit Fritz (das kam hin und wieder vor, wenn Ingrid verhindert war) empfahl er mir „Borderline-Störungen und pathologischer Narzissmus“ (1975) von Otto Kernberg. Das war das erste Buch von Kernberg, in dem er sich mit der Thematik auseinandersetzte und den Begriff Borderline-Störung prägte; noch ganz im Stil einer akademischen Wissenschaftssprache geschrieben und in mikroskopisch kleiner Schrift als Suhrkamp-Taschenbuch veröffentlicht.

Tapfer arbeitete ich mich durch die mir völlig unbekannte Sprache und das fremde Genre. Dass Fritz mir, der Nicht-Klinikerin, der Philologin und Pädagogin, eine solche Lektüre zutraute (als einziger der Gruppe), empfand ich wie einen Ritterschlag, eine ungeheure Anerkennung. In diesem Austausch begegneten wir uns immer wieder. Als ich meinen ersten Artikel für die ZTA schrieb (damals noch die kleinen bonbonfarbenen Hefte; aber eben doch unsere Zeitschrift), nahm Fritz sich einen ganzen Abend Zeit, um mir zu erklären, was ich ändern müsste und worauf es ankam. So erschien mein erster Artikel 1994 in der ZTA, mit Geburtshilfe von Fritz.

Und dann wurde seine Frau krank; und er war gefordert in der Pflege und seelischen Unterstützung von Ingrid. So suchte und fand er in mir eine Nachfolgerin, die in seinem Sinn die Herausgeberschaft der Zeitschrift fortführen würde. Dafür bin ich ihm sehr dankbar! Mit dieser Aufgabe kann ich meine philologischen und wissenschaftlichen Interessen pflegen, die ja auch immer noch zu mir gehören.

Solange Fritz und Ingrid in Konstanz lebten, habe ich sie ab und zu besucht. Aber Freiburg ist doch zu weit weg von Westfriesland für einen Nachmittagsbesuch. So bleibt die Erinnerung an Fritz als meinen Förderer über das übliche Maß hinaus, gerade, weil er mir so viel zugetraut hat und ich diesem gerecht werden wollte.

In diesem Sinne betrachte ich die Herausgeberschaft der ZTA als sein Vermächtnis, dem gerecht zu werden, ich mich jedes Mal aufs Neue bemühe.

Wiedersehen mit Susann Pásztor

Foto: Sven Jungtow

November 2018: Susann Pásztor kommt nach Bielefeld, um aus ihrem Roman Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster zu lesen. Die Hauptfiguren sind eine Sterbende und ihr Sterbebegleiter – auf den ersten Blick also nicht ganz so leichte Kost. Aber eine gelungene Umsetzung in Romanform; dafür spricht nicht zuletzt der Evangelische Buchpreis, den Susann Pásztor für dieses Buch erhalten hat.

Doch nicht allein der Preis und das Thema motivieren mich, die Lesung in der Johannesstift-Kapelle zu besuchen. Für mich als Junfermann-Mitarbeiterin ist Susann Pásztor eine alte Bekannte, die ich im Lauf der Jahre in vielen verschiedenen Rollen erlebt habe.

Ende der 1990er-Jahre trat sie erstmals in Erscheinung als Layouterin eines Buchs: Musik, Magie & Medizin, herausgegeben von Lutz Berger. Als einige Jahre später unsere Zeitschrift Multimind ein Facelifting erhalten sollte, war wieder Susann Pásztor mit ihrem Know-how zur Stelle. Es blieb aber nicht beim Layout, denn sie zeigte sich auch inhaltlich als sehr kompetent und übernahm bald die Chefredaktion. Aus Multimind wurde 2006 Kommunikation und Seminar. Die Chefredakteurin war aber weiterhin Susann Pásztor.

Und sie gehörte bald auch zur Riege unserer Autorinnen und Autoren, denn im Jahr 2004 erschien ihr erstes Junfermann-Buch: Ich höre was, das du nicht sagst, über Gewaltfreie Kommunikation in der Paarbeziehung. Das Buch ist nach wie vor bei uns im Programm und mit fast 40.000 verkauften Exemplaren ein echter Bestseller.

Es folgten ein weiteres Buch – Mach doch, was du willst – und eine weitere Rolle. Nachdem sie als Autorin erfolgreich in die Welt der Gewaltfreien Kommunikation eingestiegen war, übersetzte Susann Pásztor nun auch GFK-Bücher, z.B. Die Sprache des Friedens sprechen von Marshall Rosenberg oder Das Respektvolle Klassenzimmer von Sura Hart und Victoria Kindle Hodson. Als ich einen neuen Übersetzungsauftrag anbieten wollte – es muss so 2008 oder 2009 gewesen sein –, lehnte sie mit großem Bedauern ab. Übersetzen mache ihr so viel Spaß, aber nun sei es endlich Zeit, sich um ihren Roman zu kümmern …

Ich kenne einige Menschen, die einen Roman schreiben wollen. Dass Susann Pásztor nicht zu diesen Menschen gehört, merkte ich spätestens, als im Jahr 2010 eine Ausgabe des Börsenblatts des deutschen Buchhandels auf meinem Schreibtisch landete, auf dem Cover mit einer Werbung für einen bei Kiepenheuer & Witsch neu erschienenen Roman: Ein fabelhafter Lügner – von Susann Pásztor. Es folgte einige Jahre später Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts und schließlich 2017 der Roman, aus dem sie in Bielefeld lesen will.

Ich komme in eine schon gute gefüllte Kapelle und sehe sie sofort. Auch Susann Pásztor erkennt mich auf Anhieb. Wir tauschen vor der Lesung noch schnell ein paar Worte aus. Und dann ist es auch schon Zeit für die einleitenden Worte der Veranstalterin. Ich bin gespannt auf die Lesung, kenne das Buch noch nicht. Sie weiß, worüber sie schreibt, denn sie hat selbst eine Ausbildung als Sterbebegleiterin gemacht und Sterbende begleitet. U.a. deshalb gelingt es ihr wohl, das Thema ernst zu nehmen und trotzdem unverkrampft darüber zu schreiben. Ihr Publikum jedenfalls kann sie begeistern und es folgen im Anschluss an die Lesung viele Fragen.

Dieses Buch sei ein echter Überraschungserfolg, hat mir Susann Pásztor verraten. Sie werde ständig für Lesungen angefragt. Aber nun sei es endgültig Zeit, an den Schreibtisch zurückzukehren, denn Roman Nummer 4 müsse fertig werden …

Nachtrag: Ich habe inzwischen Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster gelesen – und ich empfehle es!

Individuelle Hemmnisse überwinden – fit sein für den Arbeitsmarkt

„Umso mehr sich die Werte des Klienten in seinem beruflichen Umfeld wiederspiegeln, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er zufrieden ist“

Andrea Schlösser und Karin Kiesele wenden sich mit ihrem Buch Job-Coaching. Arbeitssuchende für den Arbeitsmarkt fit machen vor allem an Job-Coaches, die mit den Kunden der Arbeitsagentur und des Jobcenters arbeiten, denn in erster Linie dort wird Job-Coaching als Maßnahme angeboten. Das Angebot soll helfen, Arbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Aufgrund der Zielgruppe unterscheidet sich die Arbeitsweise eines Job-Coachs mitunter erheblich von der eines Karriere-Coachs, denn die Klienten kommen nicht immer freiwillig …

Wir haben mit den Autorinnen über das Buch, den Arbeitsmarkt und die Praxis des Job-Coachings gesprochen:

 

Liebe Frau Schlösser, liebe Frau Kiesele, Sie haben ein Buch über Job-Coaching geschrieben. Nun werden ja sehr unterschiedliche Beratungsformen und -angebote als „Job-Coaching“ bezeichnet. Was genau versteht man denn nun genau darunter?

Andrea Schlösser: Der Bezeichnung „Job-Coaching“ wird vor allem im geförderten Bereich verwendet. Job-Coaching können Arbeitssuchende vom Jobcenter oder der Arbeitsagentur vom zuständigen Sachbearbeiter bewilligt bekommen. Die Idee dahinter ist, dass Kunden im Einzelcoaching für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden sollen.

Durch die gestiegenen Anforderungen der modernen Arbeitswelt besteht Handlungsbedarf. Personen, die von Arbeitslosigkeit betroffenen sind, sollen möglichst dauerhaft wieder in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden. Beim Job-Coaching geht es den Auftraggebern Jobcenter und Arbeitsagentur in erster Linie um eine professionelle Aufbereitung der Bewerbungsunterlagen, damit die Bewerber auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen haben, sich zu positionieren. Doch um sich „fit“ für den Arbeitsmarkt zu fühlen, ist es für die Kunden der Arbeitsagentur oder des Jobcenters oft ein weiter und steiniger Weg.

Karin Kiesele: In Job-Coaching-Prozessen geht es darum, ganz individuell zu gucken, wie die Kunden des Jobcenters und der Arbeitsagentur im Hinblick auf das eigene berufliche Fortkommen unterstützt werden können. Das ist für Job-Coaches eine spannende und herausfordernde Aufgabe, die weit mehr beinhaltet, als Lebensläufe und Anschreiben zu erstellen oder zu optimieren. Menschen lassen sich nicht in Schubladen packen. Das bedeutet, dass die Prozesse des Job-Coachings von Klient zu Klient sehr unterschiedlich sind. Denn von Arbeitslosigkeit betroffen sind Menschen aller Berufe und Schichten mit den unterschiedlichsten Biografien, Qualifikationen und Karriereverläufen. Ob Hilfskraft, Busfahrer, Altenpfleger, Architekt, Philosoph oder Studienabbrecher – im Job-Coaching geht es um die „individuellen Hemmnisse“, die es den Betroffenen schwermachen, sich aus der Arbeitslosigkeit (neu) auf dem Arbeitsmarkt zu orientieren.

 

Wer arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht ist, kann bei seiner Arbeitsagentur einen Gutschein für ein berufliches Coaching bekommen, den sogenannten Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein, kurz AVGS. Steht der jedem zu?

Karin Kiesele: Nein, ob ein Job-Coaching angeraten, empfohlen oder verwehrt wird, liegt im Ermessen des zuständigen Sachbearbeiters. Das ist sehr abhängig von den Personen, die da aufeinandertreffen, und auch von den finanziellen Mitteln, die zu dem Zeitpunkt gerade für Job-Coachings zur Verfügung stehen. Wer, wann, wieso und warum gerade jetzt ein Job-Coaching bekommt oder nicht, ist von außen oft nicht nachvollziehbar. Die Entscheidung über eine Bewilligung wird nicht nach einem transparenten Kriterienkatalog getroffen, sondern liegt in der Entscheidungskompetenz des zuständigen Ansprechpartners in der Behörde.

 

Job-Coachs müssen mit Frustration und Resignation aufseiten ihrer Klienten rechnen. Viele Menschen, die nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig sind, wollen zunächst in Ruhe gelassen werden. Nach dem Motto: „Besser den ‚Hartz-IV-Spatz‘ in der Hand als die ‚Einkommens-Taube‘ auf dem Dach. Wie geht der Job-Coach damit um? Wie findet er Zugang zu seinen Klienten?

Karin Kiesele: In vielen Coaching-Prozessen ist der Hartz-IV-Spatz tatsächlich eine halbwegs bequeme und „sichere Bank“. Die Miete wird bezahlt, die Krankenversicherung ist gewährleistet und das Existenzminimum gesichert. Frustration, mangelnder Selbstwert und das Gefühl, schon lange „draußen“ zu sein, nagen am Selbstbewusstsein und an dem Gefühl der eigenen Selbstwirksamkeit. Die Abwertung des scheinbar Unerreichbaren ist eine Möglichkeit für die Klienten, sich ein wenig besser zu fühlen. Äußerungen wie „Ich lass mich nicht mehr ausbeuten von den Haifischen, die da draußen rumschwimmen! Da mach ich nicht mehr mit“ machen deutlich, wie enttäuscht, frustriert und verunsichert viele Langzeitarbeitslose sind. Reagieren Job-Coachs darauf ebenfalls mit Abwertung und machen ihr Gegenüber klein, gerät der Prozess ins Schlingern.

Andrea Schlösser: Akzeptanz und Verständnis für das Verhalten der Klienten sind ein guter Schlüssel für den Job-Coach, um die Klienten für einen Coaching-Prozess zu erwärmen. Herausforderungen machen Angst – deshalb ist es wichtig, dass Job-Coachs vor allem in den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zu ihren Klienten investieren. Um sich aus der Komfortzone wagen zu können, brauchen die Klienten ein Bewusstsein dafür, welches Maß an Herausforderungen für sie möglich und umsetzbar ist, ohne in eine Überforderung zu geraten. Der Job-Coach kann hier ein guter Partner sein, mit dem zusammen dieses Maß definiert werden kann. So können Dinge in Bewegung kommen und Veränderung ermöglichen.

 

In Therapie und Coaching spielt ja in der Regel der Beziehungsaufbau zwischen dem Therapeuten/Coach und dem Klienten eine ganz zentrale Rolle. Wie sieht das im Job-Coaching aus?

Andrea Schlösser: Das ist im Job-Coaching ebenso wichtig wie in therapeutischen Prozessen. Ohne eine vertrauensvolle Beziehung entsteht keine tragfähige Arbeitsbasis. Klienten müssen die Sicherheit vermittelt bekommen, sich während des Job-Coachings in einem geschützten Raum zu befinden. Dort ist Platz für Ideen und Vorstellungen, aber auch für mögliche Ängste, Befürchtungen und Unsicherheiten. Ohne Vertrauen in den Job-Coach werden sich die Klienten nicht öffnen können.

 

Beim Lesen Ihres Buches hatte ich oft den Eindruck, dass Job-Coaching wesentlich mehr ist als das Vermitteln von Bewerbungs-Know-how oder eine allgemeine Kompetenzanalyse. Es geht um Glaubenssätze, ja sogar um Biografie-Arbeit. Job-Coaching scheint also ziemlich tief zu gehen …

Karin Kiesele: Ja, manchmal sind es sehr bewegende und intensive Prozesse – in jedem Fall sind Job-Coachings sehr vielschichtig und komplex. Sie verlangen vom durchführenden Job-Coach mittunter eine große Flexibilität und viel Feingefühl im Prozess. Oft touchieren die Themen der Klienten therapeutische Grenzbereiche. „Wie weit kann ich eigentlich gehen?“ oder „Ist hier die Grenze von Coaching erreicht und braucht es eine andere Form der Unterstützung?“ sind Fragen, die sich in Job-Coaching-Prozessen durchaus stellen. Hier sollte der Job-Coach sehr sensibel sein und klare Grenzen ziehen.

 

Frau Kiesele, in Ihrer Arbeit unterstützen Sie seit vielen Jahren auch als Business- und Karriere-Coach Menschen, die sich beruflich verändern, umorientieren oder weiter entwickeln möchten. Woran scheitert die Bewerbung Ihrer Meinung nach am häufigsten? Welche Fehler sollten Arbeitssuchende tunlichst vermeiden?

Karin Kiesele: In jedem Fall ist es sinnvoll, jede Bewerbung individuell auf die jeweilige Organisation oder das Unternehmen zuzuschneiden. Eine schablonenhafte Bewerbung, „eine für alle“, bringt in der Regel nicht den gewünschten Erfolg. Der Vergleich mit der Suche nach „Mrs. oder Mr. Right“ auf den Partnerschaftsportalen im Internet macht das anschaulich. Eine Nachricht wie „Liebe/r …, ich habe dein Profil gesehen. Wollen wir uns treffen?“ bleibt wahrscheinlich unbeantwortet. Wer fühlt sich schon angesprochen, wenn er sofort erkennt, dass er gar nicht „persönlich“ gemeint ist?

Im Bewerbungsprozess erfolgreich zu sein ist keine Hexerei, sondern oft das Ergebnis eigener Reflexions- und Erkenntnisprozesse. Nach einer persönlichen Justierungsphase eine motivierte, engagierte und passgenaue Bewerbung zu schreiben, gelingt meinen Klienten dann fast immer mühelos.

Um diesen Weg zu ebnen, biete ich meine professionelle Unterstützung an. Wir arbeiten im Coaching-Prozess daran, das eigene berufliche Profil und die eigene persönliche Zielsetzung klar herauszuarbeiten. In der Zusammenarbeit mit meinen Klienten gucken wir gemeinsam darauf, was bisher im Arbeitsleben geschehen ist und wie „wertvoll“ die gemachten Erfahrungen im Hinblick auf den Wunsch nach beruflicher Veränderung sind.

Ganz nach dem Motto: „Wenn ich weiß, was ich nicht (mehr) will, dann ist das schon eine wichtige und richtungsweisende Erkenntnis“. Wir entwickeln stimmige Antworten auf die Fragen „Was genau soll anders werden?“ und „Wie soll meine berufliche Zukunft aussehen?“. Sind die beruflichen Möglichkeiten, der Qualifizierungsbedarf, eventuelle Stolpersteine und die persönlichen Ziele klar umrissen, fällt es deutlich leichter, geeignete Stellen und Branchen für sich zu finden. Wer seinen eigenen Kompass aktiviert, kann im Bewerbungsprozess stimmig und klar auftreten – sowohl im schriftlichen Erstkontakt als auch im anschließenden Bewerbungsgespräch.

 

Sie schlagen unter anderem vor, mit Werten im Job-Coaching zu arbeiten …?

Andrea Schlösser: Werte sind ein zentrales Thema im Job-Coaching. Unsere Werte sind unsere inneren Steuerungsgrößen. Sie motivieren uns, etwas zu tun oder zu lassen. Was dem Klienten wirklich wichtig ist, wird im Job-Coaching-Prozess herausgearbeitet. Umso mehr sich später die Werte des Klienten in seinem beruflichen Umfeld wiederspiegeln, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er zufrieden ist.

Karin Kiesele: Gerade im Anschreiben bewährt es sich, einen „wertebasierten Einstieg“ zu wählen. Mit der eigenen Wertewelt zu beginnen ist ein sehr individueller und ungewöhnlicher Einstieg und „sticht“ aus der Masse an Bewerbungen heraus.

 

Frau Schlösser, Sie bieten Einzelcoachings an für Menschen, die mit ihrer momentanen Situation unzufrieden sind und den Wunsch nach Veränderung haben, die Neues für sich entdecken wollen. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum immer mehr Menschen das Gefühl haben, beruflich in einer Sackgasse zu stecken? Liegt es eher an den (gesellschaftlichen/beruflichen) Rahmenbedingungen oder sind unsere Ansprüche vielleicht gewachsen?

Andrea Schlösser: Ich glaube, dass sich das „Sackgassengefühl“ aus mehreren Aspekten ergeben kann. Zwei sehe ich hier momentan im Vordergrund. Zum einen haben sich die Anforderungen des Arbeitsmarktes verändert. Einige Arbeitnehmer haben das Gefühl nicht mithalten zu können (VUKA-Welt/Digitalisierung), andere dahingegen das Gefühl, nicht mithalten zu wollen. Manche fühlen sich dann überfordert, anderen fehlt das Wissen über Möglichkeiten, sich auf dem Markt anders (besser) zu positionieren oder das Bewusstsein über die eigenen beruflichen Qualitäten, die einen beruflichen Wechsel unterstützen würden.

Zum anderen beobachte ich bei meinen Klienten immer mehr, dass der Wunsch nach mehr Freizeit bzw. Familienzeit in den Mittelpunkt rückt. Nicht alle sind jedoch in der Lage, die meist damit einhergehende finanzielle Einbuße hinzunehmen. Sich zu verändert scheint dann zunächst unvereinbar mit den finanziellen Anforderungen. Dann gilt es im Coaching dieses zu bearbeiten und einen praktikablen und zufriedenstellenden Weg zu finden.

 

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Job-Coachs oftmals Quereinsteiger sind. Welche Voraussetzungen sollten sie trotz ihrer unterschiedlichen beruflichen Hintergründe prinzipiell mitbringen?

Karin Kiesele: Job-Coachs sollten unserer Ansicht nach vor allem Lust auf Menschen und deren Lebensgeschichten haben. Sie sollten empathisch sein und das Vermögen besitzen, nicht gleich alles zu bewerten und zu verurteilen, was nicht ins eigene Raster passt. Darüber hinaus halten wir eine Reflexionsfähigkeit sowie die Bereitschaft, sich fort- und weiterzuentwickeln, für wichtig. Wer bereits in Führungspositionen oder im Personalmanagement tätig war, hat den Vorteil, dass der Perspektivwechsel im Hinblick auf „Was ist dem Unternehmen/der Organisation wichtig?“ besser gelingt. Aber auch Schauspieler, Geisteswissenschaftler, Handwerker oder Arbeitsvermittler können in Job-Coachings wichtige und wertvolle Impulse geben.

 

Sie bieten zu Ihrem Buch auch das dreitätige Seminar „Job-Coaching kompakt“ an. Für wen ist dieses Seminar interessant und geeignet?

Karin Kiesele: Das Seminar unterstützt sowohl bereits praktizierende Job-Coaches als auch Branchen-Quereinsteiger, die ihr fachspezifisches Wissen im Bereich Job-Coaching erweitern und vertiefen möchten. Im Seminar behandeln wir unter anderem Themen wie den Umgang mit Hemmnissen und Widerständen, wir vermitteln hilfreiche Methoden und geben praxisnahe und leicht umsetzbare Tipps zur Erstellung von Bewerbungsschreiben. Die Teilnehmer haben auch Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch und arbeiten an erlebten und fiktiven Fallbeispielen. Unser Handbuch „Job-Coaching“ ist im Preis des Seminars inbegriffen.

 

Haben Sie vielen Dank für das Gespräch!

 

Über die Autorinnen

Andrea Schlösser ist Handelsfachwirtin, Supervisorin DGSv, Coach QRC, zertifizierte Trainerin und Mediatorin BM®. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Karin Kiesele ist Kommunikationswissenschaftlerin (B.A.), Hotelkauffrau , Coach QRC, Intervisorin QRC und zertifizierte Trainerin. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

„Haben Sie es auch originalverpackt?“ – Brauchen Bücher Plastikfolien?

Um meine oben gestellt Frage gleich selbst zu beantworten: Nein, Bücher brauchen keine Folie. Auch ohne Plastikumhüllung sind sie vollständig, kein bisschen Inhalt geht verloren, wenn ein Buch nicht eingeschweißt ist. Es bekommt vielleicht ein paar Macken, weist einige Gebrauchsspuren auf …

Und genau hier liegt der Hase wohl im Pfeffer: Wir sind es gewöhnt, makellose Waren vorzufinden: Äpfel ohne Flecken, gerade gewachsene Möhren und Bücher mit unversehrtem Schutzumschlag. Moment – was für ein Umschlag? Ja, der Schutzumschlag war ursprünglich dafür gedacht, den empfindlichen Einband zu schützen. Er war meistens ganz schlicht, also mehr eine Art prähistorische Plastikfolie und gar nicht so sehr Bestandteil des Buches.

Doch wann hat man eigentlich angefangen, einen Schutz um den Schutzumschlag zu legen? Hier kenne ich kein genaues Datum, vermute aber mal, dass in den 1970er-Jahren passiert sein muss, mit der zunehmenden Verbreitung von Plastikverpackungen. Seit dieser Zeit kaufe ich selbst aktiv Bücher und kenne von Anfang an die Folien.

In den 1980er-Jahren wurden viele Menschen umweltbewusster. Für Bücher ohne Folie hat es aber nicht gereicht. Ich arbeitete damals als Buchhändlerin und alle Kunden wollten Plastik. „Haben Sie dieses Buch auch originalverpackt?“ lautete eine Frage, die mich durch meinen Arbeitstag begleitete. Ich erinnere mich aber auch, dass es damals bereits Verlage gab, die dem Plastikwahn den Kampf ansagten und auf die Folie verzichteten. Da hatten sie die Rechnung aber ohne die Kunden gemacht, die eisern nach eingeschweißten Büchern verlangten. Die „nackten“ Bücher entwickelten sich zu Ladenhütern, ebenso wie ihre im Laden selbst ausgepackten Brüder und Schwestern. Und was tut man als Buchhandlung, um es König Kunde rechtzumachen? Richtig, man legt sich ein Einschweißgerät zu …

In den 1990er-Jahren kam dann die Verpackungsverordnung, die für mehr Recycling und geringere Müllmengen sorgen sollte. Wie die Geschichte ausgegangen ist, wissen wir alle, oder? Die Menge der Verpackungen wurde keineswegs verringert, gelbe Säcke aus Deutschland waren bald in aller Welt zu finden und auf den Ozeanen wurden erste künstliche Inseln gesichtet.

Dass es nicht so weitergehen kann, haben inzwischen hoffentlich viele Menschen begriffen, wird doch immer deutlicher, wohin unser unkritischer Plastikkonsum führen wird. Schon jetzt belastet Mikroplastik unser Wasser und auch unsere Luft. Und da sich Kunststoffe kaum zersetzen, sind andere Langzeitfolgen vorprogrammiert.

Im Moment gibt es tatsächlich etwas wie eine Anti-Plastik-Stimmung. Erstmals sind Verlage, die ihre Bücher nicht in Folie einschweißen, keine belächelten Sonderlinge mehr. Liest man die Meldungen in der Branchenpresse, dann ist Nicht-Einschweißen auf dem besten Weg, zum Mainstream zu werden. Und weil man nicht grundsätzlich gegen jeden Strom schwimmen muss, verzichtet auch Junfermann ab sofort bei allen neu gedruckten Büchern auf die Folie. Mit Büchern, die kleine Macken haben, können wir wohl ganz gut leben. Mit von Plastik verseuchten Meeren wohl eher nicht.

Buchhandlung Linnemann

Der Paderborner Lokalpresse ist heute zu entnehmen, dass die traditionsreiche Buchhandlung Linnemann in der Paderborner Fußgängerzone im Januar schließen wird. Der Handel mit Büchern wird zwar am Nebenstandort am Paderborner Stadtrand fortgesetzt, doch dass nach über 40 Jahren das Hauptgeschäft in der Westernstraße geschlossen wird, ist ein dramatischer Einschnitt. Wir verlieren damit einen guten, hoch geschätzten und verlässlichen lokalen Partner in der Buchbranche. Und alle Verlage, aber auch die Paderderborner Leserinnen und Leser, verlieren wieder einen weiteren Ort, an dem Bücher sichtbar und mit Sachverstand verkauft werden. Das macht uns traurig.

Wir danken der Familie Linnemann und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die tolle Zusammenarbeit und wünschen allen, dieser betrüblichen Nachricht zum Trotz, ein friedliches Weihnachtsfest und alles Gute für 2019. Verbinden möchten wir dies mit einem solidarischen Gruß an alle Buchhändlerinnen und Buchhändler – in Form des hier abgebildeten Dokuments, das uns kürzlich aus dem Handel erreicht hat.

Damit Meetings nicht zum Zeitdieb werden

Mehr Zielorientierung und Motivation in Besprechungen

Von Stefanie Hecker

Endlosdiskussionen, die zu keinem Ergebnis führen, Entscheidungen, die wieder und wieder vertagt werden, Kollegen, die sich am liebsten selber reden hören … – Diese Aufzählung können Sie wahrscheinlich um eigene frustrierende Meeting-Erfahrungen ergänzen, oder?

Ich selbst habe am Anfang meines Berufslebens als Referentin Protokolle über diese Art von Sitzungen schreiben müssen. Als Berufsanfängerin der totale Horror. Und schon damals fragte ich mich, ob es nicht zielgerichteter zugehen könnte.

Eine Studie aus dem Jahr 2016 (nach Groll 2016) belegt, dass Mitarbeiter im Durchschnitt pro Woche (!) mindestens einen halben Tag in unproduktiven Meetings verbringen, Führungskräfte sogar einen ganzen Tag.

Nachdem mich Teilnehmende in meinen Zeitmanagement-Seminaren immer wieder auf genau dieses Problem ansprachen und um Lösungen baten, fasste ich den Entschluss, dem „Meeting-Problem“ systematisch auf die Schliche zu kommen, zu klären, warum Meetings eigentlich so unbeliebt geworden sind, und was man dagegen tun kann. Herausgekommen ist mein Buch Meetings und Besprechungen lebendig gestalten.

Eine meiner ernüchterndsten Erkenntnisse, die ich aufgrund meiner Recherchen für dieses Buch erwarb, war, dass sich in Meetings noch immer die Beteiligten durchsetzen, die die dominanteste Körpersprache haben, und nicht die mit den besten Argumenten. Kein Unternehmen, keine Institution kann so jemals besser werden!

 

 

 

 

 

Um es kurz zu machen: Es gibt Wege aus der Besprechungsfalle! Folgende vier Faktoren bilden den Kern einer lebendigen und effektiven Meetingkultur:

  1. Beteiligung,
  2. Ergebnisse,
  3. Dramaturgie und
  4. Abschluss.

Sie sind der Schlüssel zu fruchtbarem – das heißt: zielorientiertem – Austausch.

Die „Hauptrolle“ kommt dabei dem Faktor Beteiligung zu. Denn damit geht die Misere oft schon los: Wer sollte überhaupt anwesend sein? Braucht ein Meeting Zuhörer? Ich meine: Nein! Es sollten nur MitarbeiterInnen eingeladen werden, die auch einen Beitrag zum Thema und der Zielerreichung leisten können. Teilnehmende müssen sich aktiv am Geschehen beteiligen können. Wer nur stillschweigend dabeisitzt, weil sein oder ihr Fachgebiet nur gestreift wird, kann seine Zeit wirklich besser nutzen! Ein Protokoll im Anschluss der Sitzung reicht dann allemal.

Aber wie holt man die introvertierten KollegInnen geschickt ab, die aus dem Ring steigen, sobald die „Alphas“ ihren Auftritt haben? Für die Stillen unter uns gibt es nichts Schlimmeres, als unvorbereitet mit der Frage „Herr Müller, was sagen Sie denn dazu?“ überrumpelt zu werden.

Verschiedene Moderationstechniken wie etwa die Blitzlichtfrage können da Abhilfe schaffen: Es handelt sich beim Blitzlicht um eine allgemeine (offene) Frage, die die Besprechungsleitung zu Beginn, im Verlauf oder zum Ende eines Meetings allen Teilnehmenden stellt. Beispiele für solche Fragen sind etwa:

  • „Das heutige Meeting möchte ich mit einer Frage an Sie beginnen: Wie schätzen Sie die aktuelle Lage bezüglich XY ein?“
  • „Welche Themen beschäftigen Sie im Moment?“
  • „Wie ist Ihre Meinung zum Thema XY?“

Gewartet wird, bis alle geantwortet haben. So werden auch die introvertierten MitarbeiterInnen einbezogen, und zwar ganz ohne „Vorführeffekt“. Und nebenbei werden die Wortführer in ihrer Raum einnehmenden Präsenz in Zaum gehalten.

Gerade darüber habe ich mir viele Gedanken gemacht: Wie geht man eigentlich mit Alpha-Tieren im Meeting um? Es wäre unklug, sie vor versammelter Mannschaft in ihre Schranken zu weisen. Aber sie beständig wieder einzufangen, das ist – aus meiner Erfahrung – eine weitere notwendige Aufgabe der Besprechungsleitung. Manchmal hilft auch ein wertschätzendes, aber deutliches Vier-Augen-Gespräch, in dem ihre Energie kanalisiert wird. Glauben Sie mir: Ihre MeetingteilnehmerInnen werden es Ihnen danken!

Die primäre Aufgabe der Besprechungsleitung ist es also, dafür zu sorgen, dass alle Beteiligten ihre Expertise einbringen können, Ergebnisse erarbeiten und an einer gemeinsamen Zielerreichung mitwirken können und wollen. Denn im Kontext einer komplexer werdenden Arbeitswelt wird das Zulassen vielschichtiger Meinungen unverzichtbar und kann zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden. Auch steigt so die Motivation zur Beteiligung an einer Besprechung mühelos.

Doch nicht immer hat man das Geschehen in einer Besprechung selbst in der Hand, werden Sie einwenden. Als Eingeladener ist man manchmal ja der Besprechungsleitung ausgeliefert. Ist das wirklich so? Ich kann Ihnen versichern, es gibt immer eine Möglichkeit, aktiv mitzugestalten. In meinem Buch habe ich am Ende jedes Kapitels die wichtigsten Tipps und Vorgehensweisen aus beiden Perspektiven zusammengestellt:

  1. Was kann ich in der Rolle der Besprechungsleitung tun?
  2. Wie kann ich als betroffener Teilnehmer/betroffene Teilnehmerin eine ziellose Sitzung aktiv lenken?

Wenn Sie, hoffentlich inspiriert von den Tipps und Tricks aus dem Buch, Ihre Besprechungen auf den Prüfstand stellen, werden Sie feststellen, dass gut strukturierte Meetings, in denen alle TeilnehmerInnen eingebunden sind, schneller zu fundierten Resultaten führen. Der höhere Aufwand für die Vorbereitung zahlt sich doppelt aus: Langfristig werden Sie weniger Meetings haben, zu denen die Teilnehmenden motivierter erscheinen. Die vier von mir vorgestellten Erfolgsfaktoren dienen also einem höheren Zweck: Bessere Resultate – weniger Meetings! Mehr Zeit für die (noch) schöneren Dinge im Leben!

 

 

Über die Autorin:

Stefanie Hecker ist Diplom-Geographin und Personalentwicklerin. Zunächst war sie als Referentin in der internationalen Wirtschaftsförderung tätig, später erfolgte die akademische Weiterbildung zur Personalentwicklerin. Seit 2000 arbeitet sie als Trainerin für Kommunikation, Konfliktmanagement und Moderation von Besprechungen. Ihr Spezialgebiet sind Zeitmanagement und Selbstorganisation. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

 

Quelle:

Groll, T. (2016): „Meetings: Überflüssige Arbeitstreffen kosten einen halben Arbeitstag pro Woche“. Zeit online vom 21.12. Einzusehen unter https://www.zeit.de/karriere/2016-12/meetings-arbeitszeit-verlust-studie