Engagierte Anwältin für Schwiegerkinder: Ruth Gall (1954-2018)

2007 hatte ich erstmals Kontakt mit Ruth Gall. Sie berate seit über zehn Jahren Frauen, die Probleme mit ihrer Schwiegermutter hätten. Und das seien viele. Sie nannte die beeindruckende Zahl von 90.000 Beratungsfällen. Für die meisten sei es gut, überhaupt einmal mit jemandem zu diesem so belastenden Thema telefonieren zu können. Außerdem habe sie ein gut besuchtes Forum für Betroffene eingerichtet.

Und natürlich ging es ihr um ein Buchprojekt, das wir 2008 unter dem Titel Wege aus der Schwiegermutter-Falle realisierten.

Ruth Gall war zunächst selbst Betroffene, bevor sie sich auf den Weg machte, anderen zu helfen. Schon früh suchte sie Kontakt mit Frauen, denen es genauso ging wie ihr, und machte die Erfahrung, wie wichtig Austausch und Vernetzung sind. Als aus der anfänglichen Selbsthilfe ein Hilfeangebot für andere wuchs, war ihr wichtig, das Thema „Probleme“ mit der Schwiegermutter“ aus der Tabuzone zu holen. Viele Betroffen – so ihre Erfahrung – schämen sich und schweigen deshalb. Auf der einen Seite gibt es das „Feindbild Schwiegermutter“, auf der anderen das „hilflose Opfer Schwiegertochter“. Ruth Gall war immer daran gelegen, pauschale Schuldzuweisungen zu vermeiden und genau aufzuzeigen, wo die Verantwortlichkeiten liegen. Künftige Generationen, so ihr Wunsch, sollten möglichst ohne die von ihr so oft beobachteten Störungen im Verhältnis Eltern-Kind aufwachsen. Um dann „bessere“ Schwiegereltern, aber auch „bessere“ Schwiegerkinder zu werden.

Aus der ganz aktiven Arbeit hatte sich Ruth Gall aus gesundheitlichen Gründen schon vor einigen Jahren zurückgezogen. Was bedauerlich war, denn gebraucht wurde sie mit ihrer großen Expertise an allen Ecken und Enden. Das merkten wir als Verlag, wenn uns Kontaktwünsche erreichten. Oft waren es auch Medienvertreter, die sie gerne als Expertin in einer Talkrunde gehabt hätten.

Von ihrem Mann erfuhren wir jetzt, dass sie im Dezember 2018 gestorben ist, an dem Ort, an dem es ihr gesundheitlich wenigstens einigermaßen gut ging, wie sie es mir einmal selbst am Telefon erzählt hatte.

Gedenken an Fritz Wandel

Wie wir erst kürzlich erfahren haben, ist im Sommer 2018 unser Autor Fritz Wandel nach längerer Krankheit verstorben.

Ich hatte meinen ersten Kontakt mit Fritz Wandel im Jahr 1993. Ich arbeitete mich gerade in meine Aufgaben bei Junfermann ein, und eine davon war die Betreuung der „Zeitschrift für Transaktionsanalyse“, damals noch mit dem Zusatz: „in Theorie und Praxis“. Der Herausgeber war Fritz Wandel. Mit ihm telefonierte ich fortan regelmäßig über Abgabe- und Drucktermine und nicht immer schafften wir es, die damals optisch noch sehr schlichten Heftchen pünktlich zum Quartalsende herauszubringen. Nicht selten klagte er über Autoren, die Termine nicht einhielten oder Texte, die nicht publikationsreif waren. Und doch haben wir es immer wieder geschafft, lesenswerte Hefte zu produzieren. Bis 2001. Dann übergab Fritz Wandel die Herausgeberschaft an Ulrike Müller und unser regelmäßiger Kontakt schlief für einige Jahre ganz ein.

Es muss so 2009 gewesen sein, als er sich nach längerer Zeit bei mir meldete. Schon früher hatte er immer mal wieder über Schreibvorhaben und Buchideen gesprochen. Und nun war eine konkret geworden, die er gemeinsam mit seiner Frau Ingrid Wandel realisieren wollte. Bis ein Manuskript vorlag, dauerte noch ein wenig, aber im Dezember 2011 erschienen tatsächlich die Alltagsnarzissten. Dem ging eine sehr angenehme Zusammenarbeit voraus. Mir machte es große Freude, das Manuskript zu lektorieren und Fritz Wandel äußerte sich sehr wertschätzend über mein Lektorat. Ich hätte „das Kindlein schön gemacht“; das war sein Bild dafür. Und glücklicherweise fanden auch viele Leserinnen und Leser das „Kindlein“ schön, denn das Buch wurde ein Erfolg.

In unseren Telefonaten erzählte Fritz Wandel auch immer gerne über seinen friesischen Bauernhof, auf dem er seit einigen Jahren mit seiner Frau lebte. Unter anderem züchtete er dort Schweine, von denen auch das eine oder andere Foto seinen Weg in mein Postfach fand. Es gab außerdem Ideen für ein neues Buch, mit dem es aber nicht so recht vorwärts ging. Irgendwann blieben die Telefonate aus, was mir in der Hektik des Alltags erst gar nicht so richtig auffiel. Im Hinterkopf war zwar öfter der Gedanke da: „Du musst mal nachhaken.“ Aber wie so oft … ist es einfach unterblieben, weil es da immer Dringlicheres gab.

Mich hat die Nachricht, dass Fritz Wandel gestorben ist, sehr getroffen. Wenn jemand über einen so langen Zeitraum einfach immer da gewesen ist, dann nimmt es irgendwann für selbstverständlich, dass er auch in Zukunft da sein wird und man zu jedem beliebigen Zeitpunkt den Kontakt wieder aufnehmen kann. Dieser Kontakt ist leider nicht mehr nur unterbrochen, sondern abgebrochen.

 

 

Wie oben bereits erwähnt, übernahm Ulrike Müller 2001 die Herausgeberschaft der Zeitschrift für Transaktionsanalyse. In der Ausgabe 1-2019 wird ein Beitrag von ihr erscheinen, den wir mit freundlicher Genehmigung auch hier veröffentlichen dürfen.

 

Meine sehr persönliche Erinnerung an Fritz Wandel

Von Ulrike Müller

 

Fritz Wandel war von Anfang an dabei, als ich mich dazu entschieden hatte, in Konstanz eine Weiterbildung in Transaktionsanalyse bei Ingrid Wandel anzufangen. Immer war er in existentialistisches Schwarz gekleidet. (Der schwarze Rollkragenpullover war in den 1960er- und auch noch in den 1970er-Jahren für unsere [Nachkriegs-]Generation das Erkennungszeichen des Intellektuellen, der in Debattierklubs und verräucherten Kellern über die Weltläufe debattierte. Man verglich sich auch schon mal mit Sartre und konstatierte sich selbst die entsprechende Gedankentiefe.) So war Fritz‘ Erscheinung zuerst einmal vertraut und in meinen Bezugsrahmen einzuordnen. Fritz hielt sich meistens apart.

Wenn wir Weiterbildungskandidaten Pause machten, mussten wir zuerst durch das kleine Zimmer, das direkt neben dem Gruppenraum lag, bevor wir in die Küche kamen. Dort saß Fritz in der Regel und spielte auf einem seiner exotischen Saiteninstrumente, von denen einige an der Wand hingen. Immer schaute er ganz verschreckt auf, so als wäre er ganz versunken gewesen und käme von weit her.

Wenn er nicht dort saß, war er auf der Höri, einer Halbinsel am Bodensee, bei seinen Pferden. Manchmal war er überhaupt verreist. Dann sagte Ingrid: „Er ist bei seinen polnischen Verwandten und trinkt sie alle unter den Tisch.“

Das waren eigentlich schon zu viele Facetten für eine Person. Ein stummer, in sein Saitenspiel versunkener Intellektueller; ein Mann, der die Gepflogenheiten eines polnischen Landadeligen hatte. (Bilder, die mich beschäftigten, ohne dass ich je auf die Idee gekommen wäre, nachzufragen: Wo kommst du her, was ist deine Geschichte?)

Ab und an musste er Ingrid vertreten. Dann war er wach, zugewandt, witzig. Oft spielte auch ein feinsinniges Lächeln um seine Lippen (nie spöttisch); es war aber klar, dass er mit dem, was da grade gesprochen wurde, nicht übereinstimmte. Komplizierte Sachverhalte konnte er gut erklären. Er war ja auch promovierter Altphilologe und am Institut für Lehrerfortbildung tätig. Schon damals interessierten mich frühe Störungen, nicht zuletzt, weil mein erster Klient eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hatte. Während eines Weiterbildungswochenendes mit Fritz (das kam hin und wieder vor, wenn Ingrid verhindert war) empfahl er mir „Borderline-Störungen und pathologischer Narzissmus“ (1975) von Otto Kernberg. Das war das erste Buch von Kernberg, in dem er sich mit der Thematik auseinandersetzte und den Begriff Borderline-Störung prägte; noch ganz im Stil einer akademischen Wissenschaftssprache geschrieben und in mikroskopisch kleiner Schrift als Suhrkamp-Taschenbuch veröffentlicht.

Tapfer arbeitete ich mich durch die mir völlig unbekannte Sprache und das fremde Genre. Dass Fritz mir, der Nicht-Klinikerin, der Philologin und Pädagogin, eine solche Lektüre zutraute (als einziger der Gruppe), empfand ich wie einen Ritterschlag, eine ungeheure Anerkennung. In diesem Austausch begegneten wir uns immer wieder. Als ich meinen ersten Artikel für die ZTA schrieb (damals noch die kleinen bonbonfarbenen Hefte; aber eben doch unsere Zeitschrift), nahm Fritz sich einen ganzen Abend Zeit, um mir zu erklären, was ich ändern müsste und worauf es ankam. So erschien mein erster Artikel 1994 in der ZTA, mit Geburtshilfe von Fritz.

Und dann wurde seine Frau krank; und er war gefordert in der Pflege und seelischen Unterstützung von Ingrid. So suchte und fand er in mir eine Nachfolgerin, die in seinem Sinn die Herausgeberschaft der Zeitschrift fortführen würde. Dafür bin ich ihm sehr dankbar! Mit dieser Aufgabe kann ich meine philologischen und wissenschaftlichen Interessen pflegen, die ja auch immer noch zu mir gehören.

Solange Fritz und Ingrid in Konstanz lebten, habe ich sie ab und zu besucht. Aber Freiburg ist doch zu weit weg von Westfriesland für einen Nachmittagsbesuch. So bleibt die Erinnerung an Fritz als meinen Förderer über das übliche Maß hinaus, gerade, weil er mir so viel zugetraut hat und ich diesem gerecht werden wollte.

In diesem Sinne betrachte ich die Herausgeberschaft der ZTA als sein Vermächtnis, dem gerecht zu werden, ich mich jedes Mal aufs Neue bemühe.

Wiedersehen mit Susann Pásztor

Foto: Sven Jungtow

November 2018: Susann Pásztor kommt nach Bielefeld, um aus ihrem Roman Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster zu lesen. Die Hauptfiguren sind eine Sterbende und ihr Sterbebegleiter – auf den ersten Blick also nicht ganz so leichte Kost. Aber eine gelungene Umsetzung in Romanform; dafür spricht nicht zuletzt der Evangelische Buchpreis, den Susann Pásztor für dieses Buch erhalten hat.

Doch nicht allein der Preis und das Thema motivieren mich, die Lesung in der Johannesstift-Kapelle zu besuchen. Für mich als Junfermann-Mitarbeiterin ist Susann Pásztor eine alte Bekannte, die ich im Lauf der Jahre in vielen verschiedenen Rollen erlebt habe.

Ende der 1990er-Jahre trat sie erstmals in Erscheinung als Layouterin eines Buchs: Musik, Magie & Medizin, herausgegeben von Lutz Berger. Als einige Jahre später unsere Zeitschrift Multimind ein Facelifting erhalten sollte, war wieder Susann Pásztor mit ihrem Know-how zur Stelle. Es blieb aber nicht beim Layout, denn sie zeigte sich auch inhaltlich als sehr kompetent und übernahm bald die Chefredaktion. Aus Multimind wurde 2006 Kommunikation und Seminar. Die Chefredakteurin war aber weiterhin Susann Pásztor.

Und sie gehörte bald auch zur Riege unserer Autorinnen und Autoren, denn im Jahr 2004 erschien ihr erstes Junfermann-Buch: Ich höre was, das du nicht sagst, über Gewaltfreie Kommunikation in der Paarbeziehung. Das Buch ist nach wie vor bei uns im Programm und mit fast 40.000 verkauften Exemplaren ein echter Bestseller.

Es folgten ein weiteres Buch – Mach doch, was du willst – und eine weitere Rolle. Nachdem sie als Autorin erfolgreich in die Welt der Gewaltfreien Kommunikation eingestiegen war, übersetzte Susann Pásztor nun auch GFK-Bücher, z.B. Die Sprache des Friedens sprechen von Marshall Rosenberg oder Das Respektvolle Klassenzimmer von Sura Hart und Victoria Kindle Hodson. Als ich einen neuen Übersetzungsauftrag anbieten wollte – es muss so 2008 oder 2009 gewesen sein –, lehnte sie mit großem Bedauern ab. Übersetzen mache ihr so viel Spaß, aber nun sei es endlich Zeit, sich um ihren Roman zu kümmern …

Ich kenne einige Menschen, die einen Roman schreiben wollen. Dass Susann Pásztor nicht zu diesen Menschen gehört, merkte ich spätestens, als im Jahr 2010 eine Ausgabe des Börsenblatts des deutschen Buchhandels auf meinem Schreibtisch landete, auf dem Cover mit einer Werbung für einen bei Kiepenheuer & Witsch neu erschienenen Roman: Ein fabelhafter Lügner – von Susann Pásztor. Es folgte einige Jahre später Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts und schließlich 2017 der Roman, aus dem sie in Bielefeld lesen will.

Ich komme in eine schon gute gefüllte Kapelle und sehe sie sofort. Auch Susann Pásztor erkennt mich auf Anhieb. Wir tauschen vor der Lesung noch schnell ein paar Worte aus. Und dann ist es auch schon Zeit für die einleitenden Worte der Veranstalterin. Ich bin gespannt auf die Lesung, kenne das Buch noch nicht. Sie weiß, worüber sie schreibt, denn sie hat selbst eine Ausbildung als Sterbebegleiterin gemacht und Sterbende begleitet. U.a. deshalb gelingt es ihr wohl, das Thema ernst zu nehmen und trotzdem unverkrampft darüber zu schreiben. Ihr Publikum jedenfalls kann sie begeistern und es folgen im Anschluss an die Lesung viele Fragen.

Dieses Buch sei ein echter Überraschungserfolg, hat mir Susann Pásztor verraten. Sie werde ständig für Lesungen angefragt. Aber nun sei es endgültig Zeit, an den Schreibtisch zurückzukehren, denn Roman Nummer 4 müsse fertig werden …

Nachtrag: Ich habe inzwischen Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster gelesen – und ich empfehle es!

Individuelle Hemmnisse überwinden – fit sein für den Arbeitsmarkt

„Umso mehr sich die Werte des Klienten in seinem beruflichen Umfeld wiederspiegeln, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er zufrieden ist“

Andrea Schlösser und Karin Kiesele wenden sich mit ihrem Buch Job-Coaching. Arbeitssuchende für den Arbeitsmarkt fit machen vor allem an Job-Coaches, die mit den Kunden der Arbeitsagentur und des Jobcenters arbeiten, denn in erster Linie dort wird Job-Coaching als Maßnahme angeboten. Das Angebot soll helfen, Arbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Aufgrund der Zielgruppe unterscheidet sich die Arbeitsweise eines Job-Coachs mitunter erheblich von der eines Karriere-Coachs, denn die Klienten kommen nicht immer freiwillig …

Wir haben mit den Autorinnen über das Buch, den Arbeitsmarkt und die Praxis des Job-Coachings gesprochen:

 

Liebe Frau Schlösser, liebe Frau Kiesele, Sie haben ein Buch über Job-Coaching geschrieben. Nun werden ja sehr unterschiedliche Beratungsformen und -angebote als „Job-Coaching“ bezeichnet. Was genau versteht man denn nun genau darunter?

Andrea Schlösser: Der Bezeichnung „Job-Coaching“ wird vor allem im geförderten Bereich verwendet. Job-Coaching können Arbeitssuchende vom Jobcenter oder der Arbeitsagentur vom zuständigen Sachbearbeiter bewilligt bekommen. Die Idee dahinter ist, dass Kunden im Einzelcoaching für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden sollen.

Durch die gestiegenen Anforderungen der modernen Arbeitswelt besteht Handlungsbedarf. Personen, die von Arbeitslosigkeit betroffenen sind, sollen möglichst dauerhaft wieder in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden. Beim Job-Coaching geht es den Auftraggebern Jobcenter und Arbeitsagentur in erster Linie um eine professionelle Aufbereitung der Bewerbungsunterlagen, damit die Bewerber auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen haben, sich zu positionieren. Doch um sich „fit“ für den Arbeitsmarkt zu fühlen, ist es für die Kunden der Arbeitsagentur oder des Jobcenters oft ein weiter und steiniger Weg.

Karin Kiesele: In Job-Coaching-Prozessen geht es darum, ganz individuell zu gucken, wie die Kunden des Jobcenters und der Arbeitsagentur im Hinblick auf das eigene berufliche Fortkommen unterstützt werden können. Das ist für Job-Coaches eine spannende und herausfordernde Aufgabe, die weit mehr beinhaltet, als Lebensläufe und Anschreiben zu erstellen oder zu optimieren. Menschen lassen sich nicht in Schubladen packen. Das bedeutet, dass die Prozesse des Job-Coachings von Klient zu Klient sehr unterschiedlich sind. Denn von Arbeitslosigkeit betroffen sind Menschen aller Berufe und Schichten mit den unterschiedlichsten Biografien, Qualifikationen und Karriereverläufen. Ob Hilfskraft, Busfahrer, Altenpfleger, Architekt, Philosoph oder Studienabbrecher – im Job-Coaching geht es um die „individuellen Hemmnisse“, die es den Betroffenen schwermachen, sich aus der Arbeitslosigkeit (neu) auf dem Arbeitsmarkt zu orientieren.

 

Wer arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht ist, kann bei seiner Arbeitsagentur einen Gutschein für ein berufliches Coaching bekommen, den sogenannten Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein, kurz AVGS. Steht der jedem zu?

Karin Kiesele: Nein, ob ein Job-Coaching angeraten, empfohlen oder verwehrt wird, liegt im Ermessen des zuständigen Sachbearbeiters. Das ist sehr abhängig von den Personen, die da aufeinandertreffen, und auch von den finanziellen Mitteln, die zu dem Zeitpunkt gerade für Job-Coachings zur Verfügung stehen. Wer, wann, wieso und warum gerade jetzt ein Job-Coaching bekommt oder nicht, ist von außen oft nicht nachvollziehbar. Die Entscheidung über eine Bewilligung wird nicht nach einem transparenten Kriterienkatalog getroffen, sondern liegt in der Entscheidungskompetenz des zuständigen Ansprechpartners in der Behörde.

 

Job-Coachs müssen mit Frustration und Resignation aufseiten ihrer Klienten rechnen. Viele Menschen, die nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig sind, wollen zunächst in Ruhe gelassen werden. Nach dem Motto: „Besser den ‚Hartz-IV-Spatz‘ in der Hand als die ‚Einkommens-Taube‘ auf dem Dach. Wie geht der Job-Coach damit um? Wie findet er Zugang zu seinen Klienten?

Karin Kiesele: In vielen Coaching-Prozessen ist der Hartz-IV-Spatz tatsächlich eine halbwegs bequeme und „sichere Bank“. Die Miete wird bezahlt, die Krankenversicherung ist gewährleistet und das Existenzminimum gesichert. Frustration, mangelnder Selbstwert und das Gefühl, schon lange „draußen“ zu sein, nagen am Selbstbewusstsein und an dem Gefühl der eigenen Selbstwirksamkeit. Die Abwertung des scheinbar Unerreichbaren ist eine Möglichkeit für die Klienten, sich ein wenig besser zu fühlen. Äußerungen wie „Ich lass mich nicht mehr ausbeuten von den Haifischen, die da draußen rumschwimmen! Da mach ich nicht mehr mit“ machen deutlich, wie enttäuscht, frustriert und verunsichert viele Langzeitarbeitslose sind. Reagieren Job-Coachs darauf ebenfalls mit Abwertung und machen ihr Gegenüber klein, gerät der Prozess ins Schlingern.

Andrea Schlösser: Akzeptanz und Verständnis für das Verhalten der Klienten sind ein guter Schlüssel für den Job-Coach, um die Klienten für einen Coaching-Prozess zu erwärmen. Herausforderungen machen Angst – deshalb ist es wichtig, dass Job-Coachs vor allem in den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zu ihren Klienten investieren. Um sich aus der Komfortzone wagen zu können, brauchen die Klienten ein Bewusstsein dafür, welches Maß an Herausforderungen für sie möglich und umsetzbar ist, ohne in eine Überforderung zu geraten. Der Job-Coach kann hier ein guter Partner sein, mit dem zusammen dieses Maß definiert werden kann. So können Dinge in Bewegung kommen und Veränderung ermöglichen.

 

In Therapie und Coaching spielt ja in der Regel der Beziehungsaufbau zwischen dem Therapeuten/Coach und dem Klienten eine ganz zentrale Rolle. Wie sieht das im Job-Coaching aus?

Andrea Schlösser: Das ist im Job-Coaching ebenso wichtig wie in therapeutischen Prozessen. Ohne eine vertrauensvolle Beziehung entsteht keine tragfähige Arbeitsbasis. Klienten müssen die Sicherheit vermittelt bekommen, sich während des Job-Coachings in einem geschützten Raum zu befinden. Dort ist Platz für Ideen und Vorstellungen, aber auch für mögliche Ängste, Befürchtungen und Unsicherheiten. Ohne Vertrauen in den Job-Coach werden sich die Klienten nicht öffnen können.

 

Beim Lesen Ihres Buches hatte ich oft den Eindruck, dass Job-Coaching wesentlich mehr ist als das Vermitteln von Bewerbungs-Know-how oder eine allgemeine Kompetenzanalyse. Es geht um Glaubenssätze, ja sogar um Biografie-Arbeit. Job-Coaching scheint also ziemlich tief zu gehen …

Karin Kiesele: Ja, manchmal sind es sehr bewegende und intensive Prozesse – in jedem Fall sind Job-Coachings sehr vielschichtig und komplex. Sie verlangen vom durchführenden Job-Coach mittunter eine große Flexibilität und viel Feingefühl im Prozess. Oft touchieren die Themen der Klienten therapeutische Grenzbereiche. „Wie weit kann ich eigentlich gehen?“ oder „Ist hier die Grenze von Coaching erreicht und braucht es eine andere Form der Unterstützung?“ sind Fragen, die sich in Job-Coaching-Prozessen durchaus stellen. Hier sollte der Job-Coach sehr sensibel sein und klare Grenzen ziehen.

 

Frau Kiesele, in Ihrer Arbeit unterstützen Sie seit vielen Jahren auch als Business- und Karriere-Coach Menschen, die sich beruflich verändern, umorientieren oder weiter entwickeln möchten. Woran scheitert die Bewerbung Ihrer Meinung nach am häufigsten? Welche Fehler sollten Arbeitssuchende tunlichst vermeiden?

Karin Kiesele: In jedem Fall ist es sinnvoll, jede Bewerbung individuell auf die jeweilige Organisation oder das Unternehmen zuzuschneiden. Eine schablonenhafte Bewerbung, „eine für alle“, bringt in der Regel nicht den gewünschten Erfolg. Der Vergleich mit der Suche nach „Mrs. oder Mr. Right“ auf den Partnerschaftsportalen im Internet macht das anschaulich. Eine Nachricht wie „Liebe/r …, ich habe dein Profil gesehen. Wollen wir uns treffen?“ bleibt wahrscheinlich unbeantwortet. Wer fühlt sich schon angesprochen, wenn er sofort erkennt, dass er gar nicht „persönlich“ gemeint ist?

Im Bewerbungsprozess erfolgreich zu sein ist keine Hexerei, sondern oft das Ergebnis eigener Reflexions- und Erkenntnisprozesse. Nach einer persönlichen Justierungsphase eine motivierte, engagierte und passgenaue Bewerbung zu schreiben, gelingt meinen Klienten dann fast immer mühelos.

Um diesen Weg zu ebnen, biete ich meine professionelle Unterstützung an. Wir arbeiten im Coaching-Prozess daran, das eigene berufliche Profil und die eigene persönliche Zielsetzung klar herauszuarbeiten. In der Zusammenarbeit mit meinen Klienten gucken wir gemeinsam darauf, was bisher im Arbeitsleben geschehen ist und wie „wertvoll“ die gemachten Erfahrungen im Hinblick auf den Wunsch nach beruflicher Veränderung sind.

Ganz nach dem Motto: „Wenn ich weiß, was ich nicht (mehr) will, dann ist das schon eine wichtige und richtungsweisende Erkenntnis“. Wir entwickeln stimmige Antworten auf die Fragen „Was genau soll anders werden?“ und „Wie soll meine berufliche Zukunft aussehen?“. Sind die beruflichen Möglichkeiten, der Qualifizierungsbedarf, eventuelle Stolpersteine und die persönlichen Ziele klar umrissen, fällt es deutlich leichter, geeignete Stellen und Branchen für sich zu finden. Wer seinen eigenen Kompass aktiviert, kann im Bewerbungsprozess stimmig und klar auftreten – sowohl im schriftlichen Erstkontakt als auch im anschließenden Bewerbungsgespräch.

 

Sie schlagen unter anderem vor, mit Werten im Job-Coaching zu arbeiten …?

Andrea Schlösser: Werte sind ein zentrales Thema im Job-Coaching. Unsere Werte sind unsere inneren Steuerungsgrößen. Sie motivieren uns, etwas zu tun oder zu lassen. Was dem Klienten wirklich wichtig ist, wird im Job-Coaching-Prozess herausgearbeitet. Umso mehr sich später die Werte des Klienten in seinem beruflichen Umfeld wiederspiegeln, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er zufrieden ist.

Karin Kiesele: Gerade im Anschreiben bewährt es sich, einen „wertebasierten Einstieg“ zu wählen. Mit der eigenen Wertewelt zu beginnen ist ein sehr individueller und ungewöhnlicher Einstieg und „sticht“ aus der Masse an Bewerbungen heraus.

 

Frau Schlösser, Sie bieten Einzelcoachings an für Menschen, die mit ihrer momentanen Situation unzufrieden sind und den Wunsch nach Veränderung haben, die Neues für sich entdecken wollen. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum immer mehr Menschen das Gefühl haben, beruflich in einer Sackgasse zu stecken? Liegt es eher an den (gesellschaftlichen/beruflichen) Rahmenbedingungen oder sind unsere Ansprüche vielleicht gewachsen?

Andrea Schlösser: Ich glaube, dass sich das „Sackgassengefühl“ aus mehreren Aspekten ergeben kann. Zwei sehe ich hier momentan im Vordergrund. Zum einen haben sich die Anforderungen des Arbeitsmarktes verändert. Einige Arbeitnehmer haben das Gefühl nicht mithalten zu können (VUKA-Welt/Digitalisierung), andere dahingegen das Gefühl, nicht mithalten zu wollen. Manche fühlen sich dann überfordert, anderen fehlt das Wissen über Möglichkeiten, sich auf dem Markt anders (besser) zu positionieren oder das Bewusstsein über die eigenen beruflichen Qualitäten, die einen beruflichen Wechsel unterstützen würden.

Zum anderen beobachte ich bei meinen Klienten immer mehr, dass der Wunsch nach mehr Freizeit bzw. Familienzeit in den Mittelpunkt rückt. Nicht alle sind jedoch in der Lage, die meist damit einhergehende finanzielle Einbuße hinzunehmen. Sich zu verändert scheint dann zunächst unvereinbar mit den finanziellen Anforderungen. Dann gilt es im Coaching dieses zu bearbeiten und einen praktikablen und zufriedenstellenden Weg zu finden.

 

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Job-Coachs oftmals Quereinsteiger sind. Welche Voraussetzungen sollten sie trotz ihrer unterschiedlichen beruflichen Hintergründe prinzipiell mitbringen?

Karin Kiesele: Job-Coachs sollten unserer Ansicht nach vor allem Lust auf Menschen und deren Lebensgeschichten haben. Sie sollten empathisch sein und das Vermögen besitzen, nicht gleich alles zu bewerten und zu verurteilen, was nicht ins eigene Raster passt. Darüber hinaus halten wir eine Reflexionsfähigkeit sowie die Bereitschaft, sich fort- und weiterzuentwickeln, für wichtig. Wer bereits in Führungspositionen oder im Personalmanagement tätig war, hat den Vorteil, dass der Perspektivwechsel im Hinblick auf „Was ist dem Unternehmen/der Organisation wichtig?“ besser gelingt. Aber auch Schauspieler, Geisteswissenschaftler, Handwerker oder Arbeitsvermittler können in Job-Coachings wichtige und wertvolle Impulse geben.

 

Sie bieten zu Ihrem Buch auch das dreitätige Seminar „Job-Coaching kompakt“ an. Für wen ist dieses Seminar interessant und geeignet?

Karin Kiesele: Das Seminar unterstützt sowohl bereits praktizierende Job-Coaches als auch Branchen-Quereinsteiger, die ihr fachspezifisches Wissen im Bereich Job-Coaching erweitern und vertiefen möchten. Im Seminar behandeln wir unter anderem Themen wie den Umgang mit Hemmnissen und Widerständen, wir vermitteln hilfreiche Methoden und geben praxisnahe und leicht umsetzbare Tipps zur Erstellung von Bewerbungsschreiben. Die Teilnehmer haben auch Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch und arbeiten an erlebten und fiktiven Fallbeispielen. Unser Handbuch „Job-Coaching“ ist im Preis des Seminars inbegriffen.

 

Haben Sie vielen Dank für das Gespräch!

 

Über die Autorinnen

Andrea Schlösser ist Handelsfachwirtin, Supervisorin DGSv, Coach QRC, zertifizierte Trainerin und Mediatorin BM®. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Karin Kiesele ist Kommunikationswissenschaftlerin (B.A.), Hotelkauffrau , Coach QRC, Intervisorin QRC und zertifizierte Trainerin. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

„Haben Sie es auch originalverpackt?“ – Brauchen Bücher Plastikfolien?

Um meine oben gestellt Frage gleich selbst zu beantworten: Nein, Bücher brauchen keine Folie. Auch ohne Plastikumhüllung sind sie vollständig, kein bisschen Inhalt geht verloren, wenn ein Buch nicht eingeschweißt ist. Es bekommt vielleicht ein paar Macken, weist einige Gebrauchsspuren auf …

Und genau hier liegt der Hase wohl im Pfeffer: Wir sind es gewöhnt, makellose Waren vorzufinden: Äpfel ohne Flecken, gerade gewachsene Möhren und Bücher mit unversehrtem Schutzumschlag. Moment – was für ein Umschlag? Ja, der Schutzumschlag war ursprünglich dafür gedacht, den empfindlichen Einband zu schützen. Er war meistens ganz schlicht, also mehr eine Art prähistorische Plastikfolie und gar nicht so sehr Bestandteil des Buches.

Doch wann hat man eigentlich angefangen, einen Schutz um den Schutzumschlag zu legen? Hier kenne ich kein genaues Datum, vermute aber mal, dass in den 1970er-Jahren passiert sein muss, mit der zunehmenden Verbreitung von Plastikverpackungen. Seit dieser Zeit kaufe ich selbst aktiv Bücher und kenne von Anfang an die Folien.

In den 1980er-Jahren wurden viele Menschen umweltbewusster. Für Bücher ohne Folie hat es aber nicht gereicht. Ich arbeitete damals als Buchhändlerin und alle Kunden wollten Plastik. „Haben Sie dieses Buch auch originalverpackt?“ lautete eine Frage, die mich durch meinen Arbeitstag begleitete. Ich erinnere mich aber auch, dass es damals bereits Verlage gab, die dem Plastikwahn den Kampf ansagten und auf die Folie verzichteten. Da hatten sie die Rechnung aber ohne die Kunden gemacht, die eisern nach eingeschweißten Büchern verlangten. Die „nackten“ Bücher entwickelten sich zu Ladenhütern, ebenso wie ihre im Laden selbst ausgepackten Brüder und Schwestern. Und was tut man als Buchhandlung, um es König Kunde rechtzumachen? Richtig, man legt sich ein Einschweißgerät zu …

In den 1990er-Jahren kam dann die Verpackungsverordnung, die für mehr Recycling und geringere Müllmengen sorgen sollte. Wie die Geschichte ausgegangen ist, wissen wir alle, oder? Die Menge der Verpackungen wurde keineswegs verringert, gelbe Säcke aus Deutschland waren bald in aller Welt zu finden und auf den Ozeanen wurden erste künstliche Inseln gesichtet.

Dass es nicht so weitergehen kann, haben inzwischen hoffentlich viele Menschen begriffen, wird doch immer deutlicher, wohin unser unkritischer Plastikkonsum führen wird. Schon jetzt belastet Mikroplastik unser Wasser und auch unsere Luft. Und da sich Kunststoffe kaum zersetzen, sind andere Langzeitfolgen vorprogrammiert.

Im Moment gibt es tatsächlich etwas wie eine Anti-Plastik-Stimmung. Erstmals sind Verlage, die ihre Bücher nicht in Folie einschweißen, keine belächelten Sonderlinge mehr. Liest man die Meldungen in der Branchenpresse, dann ist Nicht-Einschweißen auf dem besten Weg, zum Mainstream zu werden. Und weil man nicht grundsätzlich gegen jeden Strom schwimmen muss, verzichtet auch Junfermann ab sofort bei allen neu gedruckten Büchern auf die Folie. Mit Büchern, die kleine Macken haben, können wir wohl ganz gut leben. Mit von Plastik verseuchten Meeren wohl eher nicht.

Buchhandlung Linnemann

Der Paderborner Lokalpresse ist heute zu entnehmen, dass die traditionsreiche Buchhandlung Linnemann in der Paderborner Fußgängerzone im Januar schließen wird. Der Handel mit Büchern wird zwar am Nebenstandort am Paderborner Stadtrand fortgesetzt, doch dass nach über 40 Jahren das Hauptgeschäft in der Westernstraße geschlossen wird, ist ein dramatischer Einschnitt. Wir verlieren damit einen guten, hoch geschätzten und verlässlichen lokalen Partner in der Buchbranche. Und alle Verlage, aber auch die Paderderborner Leserinnen und Leser, verlieren wieder einen weiteren Ort, an dem Bücher sichtbar und mit Sachverstand verkauft werden. Das macht uns traurig.

Wir danken der Familie Linnemann und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die tolle Zusammenarbeit und wünschen allen, dieser betrüblichen Nachricht zum Trotz, ein friedliches Weihnachtsfest und alles Gute für 2019. Verbinden möchten wir dies mit einem solidarischen Gruß an alle Buchhändlerinnen und Buchhändler – in Form des hier abgebildeten Dokuments, das uns kürzlich aus dem Handel erreicht hat.

Damit Meetings nicht zum Zeitdieb werden

Mehr Zielorientierung und Motivation in Besprechungen

Von Stefanie Hecker

Endlosdiskussionen, die zu keinem Ergebnis führen, Entscheidungen, die wieder und wieder vertagt werden, Kollegen, die sich am liebsten selber reden hören … – Diese Aufzählung können Sie wahrscheinlich um eigene frustrierende Meeting-Erfahrungen ergänzen, oder?

Ich selbst habe am Anfang meines Berufslebens als Referentin Protokolle über diese Art von Sitzungen schreiben müssen. Als Berufsanfängerin der totale Horror. Und schon damals fragte ich mich, ob es nicht zielgerichteter zugehen könnte.

Eine Studie aus dem Jahr 2016 (nach Groll 2016) belegt, dass Mitarbeiter im Durchschnitt pro Woche (!) mindestens einen halben Tag in unproduktiven Meetings verbringen, Führungskräfte sogar einen ganzen Tag.

Nachdem mich Teilnehmende in meinen Zeitmanagement-Seminaren immer wieder auf genau dieses Problem ansprachen und um Lösungen baten, fasste ich den Entschluss, dem „Meeting-Problem“ systematisch auf die Schliche zu kommen, zu klären, warum Meetings eigentlich so unbeliebt geworden sind, und was man dagegen tun kann. Herausgekommen ist mein Buch Meetings und Besprechungen lebendig gestalten.

Eine meiner ernüchterndsten Erkenntnisse, die ich aufgrund meiner Recherchen für dieses Buch erwarb, war, dass sich in Meetings noch immer die Beteiligten durchsetzen, die die dominanteste Körpersprache haben, und nicht die mit den besten Argumenten. Kein Unternehmen, keine Institution kann so jemals besser werden!

 

 

 

 

 

Um es kurz zu machen: Es gibt Wege aus der Besprechungsfalle! Folgende vier Faktoren bilden den Kern einer lebendigen und effektiven Meetingkultur:

  1. Beteiligung,
  2. Ergebnisse,
  3. Dramaturgie und
  4. Abschluss.

Sie sind der Schlüssel zu fruchtbarem – das heißt: zielorientiertem – Austausch.

Die „Hauptrolle“ kommt dabei dem Faktor Beteiligung zu. Denn damit geht die Misere oft schon los: Wer sollte überhaupt anwesend sein? Braucht ein Meeting Zuhörer? Ich meine: Nein! Es sollten nur MitarbeiterInnen eingeladen werden, die auch einen Beitrag zum Thema und der Zielerreichung leisten können. Teilnehmende müssen sich aktiv am Geschehen beteiligen können. Wer nur stillschweigend dabeisitzt, weil sein oder ihr Fachgebiet nur gestreift wird, kann seine Zeit wirklich besser nutzen! Ein Protokoll im Anschluss der Sitzung reicht dann allemal.

Aber wie holt man die introvertierten KollegInnen geschickt ab, die aus dem Ring steigen, sobald die „Alphas“ ihren Auftritt haben? Für die Stillen unter uns gibt es nichts Schlimmeres, als unvorbereitet mit der Frage „Herr Müller, was sagen Sie denn dazu?“ überrumpelt zu werden.

Verschiedene Moderationstechniken wie etwa die Blitzlichtfrage können da Abhilfe schaffen: Es handelt sich beim Blitzlicht um eine allgemeine (offene) Frage, die die Besprechungsleitung zu Beginn, im Verlauf oder zum Ende eines Meetings allen Teilnehmenden stellt. Beispiele für solche Fragen sind etwa:

  • „Das heutige Meeting möchte ich mit einer Frage an Sie beginnen: Wie schätzen Sie die aktuelle Lage bezüglich XY ein?“
  • „Welche Themen beschäftigen Sie im Moment?“
  • „Wie ist Ihre Meinung zum Thema XY?“

Gewartet wird, bis alle geantwortet haben. So werden auch die introvertierten MitarbeiterInnen einbezogen, und zwar ganz ohne „Vorführeffekt“. Und nebenbei werden die Wortführer in ihrer Raum einnehmenden Präsenz in Zaum gehalten.

Gerade darüber habe ich mir viele Gedanken gemacht: Wie geht man eigentlich mit Alpha-Tieren im Meeting um? Es wäre unklug, sie vor versammelter Mannschaft in ihre Schranken zu weisen. Aber sie beständig wieder einzufangen, das ist – aus meiner Erfahrung – eine weitere notwendige Aufgabe der Besprechungsleitung. Manchmal hilft auch ein wertschätzendes, aber deutliches Vier-Augen-Gespräch, in dem ihre Energie kanalisiert wird. Glauben Sie mir: Ihre MeetingteilnehmerInnen werden es Ihnen danken!

Die primäre Aufgabe der Besprechungsleitung ist es also, dafür zu sorgen, dass alle Beteiligten ihre Expertise einbringen können, Ergebnisse erarbeiten und an einer gemeinsamen Zielerreichung mitwirken können und wollen. Denn im Kontext einer komplexer werdenden Arbeitswelt wird das Zulassen vielschichtiger Meinungen unverzichtbar und kann zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden. Auch steigt so die Motivation zur Beteiligung an einer Besprechung mühelos.

Doch nicht immer hat man das Geschehen in einer Besprechung selbst in der Hand, werden Sie einwenden. Als Eingeladener ist man manchmal ja der Besprechungsleitung ausgeliefert. Ist das wirklich so? Ich kann Ihnen versichern, es gibt immer eine Möglichkeit, aktiv mitzugestalten. In meinem Buch habe ich am Ende jedes Kapitels die wichtigsten Tipps und Vorgehensweisen aus beiden Perspektiven zusammengestellt:

  1. Was kann ich in der Rolle der Besprechungsleitung tun?
  2. Wie kann ich als betroffener Teilnehmer/betroffene Teilnehmerin eine ziellose Sitzung aktiv lenken?

Wenn Sie, hoffentlich inspiriert von den Tipps und Tricks aus dem Buch, Ihre Besprechungen auf den Prüfstand stellen, werden Sie feststellen, dass gut strukturierte Meetings, in denen alle TeilnehmerInnen eingebunden sind, schneller zu fundierten Resultaten führen. Der höhere Aufwand für die Vorbereitung zahlt sich doppelt aus: Langfristig werden Sie weniger Meetings haben, zu denen die Teilnehmenden motivierter erscheinen. Die vier von mir vorgestellten Erfolgsfaktoren dienen also einem höheren Zweck: Bessere Resultate – weniger Meetings! Mehr Zeit für die (noch) schöneren Dinge im Leben!

 

 

Über die Autorin:

Stefanie Hecker ist Diplom-Geographin und Personalentwicklerin. Zunächst war sie als Referentin in der internationalen Wirtschaftsförderung tätig, später erfolgte die akademische Weiterbildung zur Personalentwicklerin. Seit 2000 arbeitet sie als Trainerin für Kommunikation, Konfliktmanagement und Moderation von Besprechungen. Ihr Spezialgebiet sind Zeitmanagement und Selbstorganisation. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

 

Quelle:

Groll, T. (2016): „Meetings: Überflüssige Arbeitstreffen kosten einen halben Arbeitstag pro Woche“. Zeit online vom 21.12. Einzusehen unter https://www.zeit.de/karriere/2016-12/meetings-arbeitszeit-verlust-studie

„Mach mal Achtsamkeit!“

Achtsamkeit und Meditation sind in aller Munde. Was einst belächelt und eher in die Esoterik- oder Hippie-Ecke geschoben wurde, ist inzwischen fester Bestandteil zahlreicher psychologischer Ansätze. Und die Wissenschaft bestätigt die günstigen Auswirkungen auf das menschliche Gehirn. Mittels Hirn-Scans wurde nachgewiesen, dass Meditation sogar bestimmte Bereiche im Gehirn wachsen lässt.

Auf dem Meditationskongress, der am 19. Oktober an der Frankfurter Universität abgehalten wurde, konnten weitere vielversprechende Studien vorgestellt werden. Doch zu Recht, wie wir meinen, wurde dort auch die Frage laut, ob und wie die positiven Vorerwartungen der Forschenden berücksichtigt worden seien.

Wir wollten selbst Feldforschung betreiben und drückten einer „Testperson“ unseren Titel Mindfulness – Gelebte Achtsamkeit von Edel Maex in die Hand mit den Worten: „Mach mal!“

Was dabei herausgekommen ist? Lest selbst:

 

Für die Oasen-Momente

Von Lena Drexler

Als meine Bekannte aus dem Junfermann Verlag an mich herantrat und mich bat, das Buch von Edel Maex einmal „praktisch auszuprobieren“, ging mir spontan eine Menge durch den Kopf. Meine Reaktionen reichten von Skepsis („Wieso ausgerechnet ich? Ist das ein Wink mit dem Zaunpfahl nach dem Motto: Komm mal runter!“?) über Freude („Hey, ich bekomme ein Buch geschenkt!“), Neugier („Achtsamkeit? Hmm…“) und auch ein wenig Frust („Ich hab gar keine Zeit dafür!“). Der Verlag meinte, ich gehöre eben zur Zielgruppe und wäre daher wunderbar geeignet. Außerdem könne mir das ja nicht schaden, ich sei ohnehin öfter mal gestresst und „ein wenig verpeilt“ von Zeit zu Zeit. (Unter Freunden darf man sich so etwas sagen. Trotzdem: Über diesen Punkt sprechen wir noch mal!) Da wäre Achtsamkeit doch genau das Richtige.

Lange Rede, kurzer Sinn: Von meinen Anfangsreaktionen siegte die Neugier. Schließlich ist Achtsamkeit schon lange überall im Gespräch und Meditieren ist irgendwie „in“ zurzeit. Also, warum nicht mal selbst testen?!

„Betrachten Sie es als ein Experiment, das Sie mit sich selbst durchführen“ heißt es im Buch. Auf dem Plan stand also – grob zusammengefasst: Acht Wochen lang jeden Tag 25 Minuten meditieren. (Okay, laut Edel Maex sollen es 45 Minuten täglich sein, aber man muss ja nicht gleich übertreiben.)

 

Es ist nicht gelogen und ich möchte mich beim Verlag auch nicht anbiedern, wenn ich schreibe, dass der erste Tag super war. Zumindest die ersten zehn Minuten. Ich war stolz auf mich, dass ich nicht wie sonst den Bürostuhl gleich gegen das heimische Sofa tauschte und mich den Rest des Abends vom Fernseher berieseln ließ. Ich tat etwas für mich! Und wenn man den Studien Glauben schenkt, passieren ganz viele tolle Dinge im Gehirn, wenn man regelmäßig dabeibleibt. (Welche Dinge das genau sind, kann ich nicht im Einzelnen wiedergeben. Ich bin ja keine Neurologin. Jedenfalls klingen die Ergebnisse der Studien immer toll.)

Nach den ersten zehn Minuten machte sich dann so langsam eine immer fieser werdende Unruhe in mir breit. Ich rutschte auf meinem Meditationskissen hin und her, in meinem Rücken piekste es und meine Knie wollten vom harten Boden, auf dem ich sie gebettet hatte, weg. Kurz: Ich wurde unleidlich. Und ich war froh, als die 25 Minuten vorbei waren.

Die Erfahrungen, die ich an den Folgetagen machte, kann ich kurz zusammenfassen: Es war eine Katastrophe! Ich versuchte mich derart verkrampft auf das Atmen zu konzentrieren, dass das Ein- und Ausströmen der Luft bald unnatürlich gedehnt oder – wahrscheinlich als Folge davon – gekürzt geschah. Am dritten Tag fühlte ich mich nach der Übung wie ein aufgeblasener Luftballon.

Zudem war es mir unmöglich, meine Gedanken – oder besser: meine Geistesblitze – zu kontrollieren. Mir war gar nicht klar gewesen, wie durcheinander es in meinem Kopf zuging …

Ich rief im Verlag an und erkundigte mich nach Risiken und Nebenwirkungen des Meditierens. Im Buch steht darüber nichts, aber vielleicht gibt es ja Typen, für die ist das Meditieren kontraproduktiv oder gar gefährlich? Man sagte mir, das gehöre zum Prozess. Ich sei auf einem guten Weg und solle einfach weitermachen.

Seltsamerweise fühlte ich mich – trotz der anfänglichen Schwierigkeiten – nach den Meditationen nicht schlecht. Wenn mir mein Handy nach 25 Minuten durch ein Signal zu verstehen gab, dass die Übung vorbei war, und ich mich wieder anderen Dingen zuwandte, hatte ich den Eindruck, mich diesen mit größerer Ruhe und Konzentration widmen zu können. Und in meinem Kopf, der sich während des Meditierens wie eine außer Kontrolle geratene Kreativitätsmaschine (gibt es so was?) gebärdete, fühlte es sich irgendwie „stiller“ und „weiter“ an. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Ich weiß, es klingt ein wenig spooky. Tat aber gut.

Nach etwa einer Woche merkte ich kleine Veränderungen in meinem Alltag. Da ich mich gedanklich – und natürlich auch rein praktisch – so sehr mit dem „Projekt Mindfulness“ beschäftigte, übertrugen sich Prinzipien davon auf mein Tun im Allgemeinen. Bei einem unschönen Aufeinandertreffen mit meinem Nachbarn, der meinte, mich über das korrekte Mülltrennen belehren zu müssen, fiel mir dieser Effekt zum ersten Mal auf. (Nebenbei bemerkt: Mein Nachbar war von der Sache her im Recht. Aber da ich es nicht ausstehen kann, wenn man mich auf diese Weise maßregelt und blöd dastehen lässt, war ich in wenigen Millisekunden auf 180.) Die Sache, also das korrekte Mülltrennen, war mir egal. Ich wollte mich nicht so behandeln lassen und hatte große Lust, zum Angriff überzugehen. Zum verbalen Angriff, versteht sich. Dann, während mein Nachbar noch dabei war, mir anhand des Inhalts der Mülltonnen das Recyclen zu erklären, erinnerte ich mich plötzlich an den Kern der Achtsamkeitspraxis: wahrnehmen, nur wahrnehmen. Und das tat ich dann auch. Ich nahm meine innere Wut wahr, meine Empörung, aber auch ein wenig Scham wegen meines Mülltrennungsverhaltens (schließlich liegt mir selbst auch viel an der Umwelt). Ich verstand, dass ein verbaler Gegenangriff zu nichts führen würde – außer dazu, dass beim nächsten Nachbarschaftsfest einer von uns beiden nicht anwesend sein würde. Und ich fragte mich, welchen Ausgang ich mir selbst eigentlich wünschte. Dann atmete ich einmal tief durch und – gab dem Nachbarn recht. (Der war noch überraschter als ich über meine Reaktion und konnte erst einmal gar nichts mehr sagen.) Ich erklärte ihm, dass es nun mal einmal hatte schnell gehen müssen, dass ich aber grundsätzlich seine Einstellung zur Mülltrennung teile, ihn nur bitten würde, seinen Tonfall zu überdenken. Man könne ja vernünftig über alles reden. Mein Nachbar entschuldigte sich bei mir. Wir gingen friedlich auseinander. Ich war begeistert.

Ein anderes Beispiel: Joggen. Bei einer meiner letzten Joggingrunden, ich konzentrierte mich auf meinen Atem, um keine Seitenstiche zu bekommen, was offenbar ein Trigger für Achtsamkeit geworden war, spürte ich automatisch in mich hinein. Ich nahm wahr, was für ein perfektes Team da am Werk war: der Rumpf, der mir Stabilität gab, die Beine, die mich mit Muskelkraft vorwärtstrugen, die Lungen, die die Luft aufnahmen. Ich spürte den kalten Wind auf meinen Wangen und auf der Zunge und bemerkte, wie meine Hände durch die Anstrengung besser durchblutet und wärmer wurden. Ich war – zufrieden.

(…)

Um nun zu einem Fazit zu kommen: Die Hälfte der Zeit, die mir für mein Achtsamkeitsexperiment zur Verfügung gestellt wurde, ist vorbei. Ich habe bisher jeden Tag meditiert. An manchen Tagen, wenn die Zeit es zuließ, habe ich mich sogar zweimal 25 Minuten auf mein Kissen gesetzt. (Diesmal aber mit einer Decke als Unterlage, damit meine Knie nicht wieder protestierten.) Es gab Momente sehr angenehmer Ruhe und Momente, die einfach nicht enden wollten. (Wie lange habe ich schon nicht mehr gedacht: Die Zeit wird mir zu lang? Dass es das in unserer hektischen Gegenwart überhaupt noch gibt, ist ja auch schon bemerkenswert.)

Durch Achtsamkeit und Meditation werde ich vermutlich nicht zu einem anderen oder besseren Menschen. Ich glaube auch nicht, dass ich nach den acht Wochen erleuchtet bin oder mein Gehirn Salto schlagen kann (- aber das bleibt natürlich noch abzuwarten). Und Seitenstiche bekomme ich beim Joggen manchmal immer noch.

Aber ich bin aufrichtig dankbar für die kleinen Oasen-Momente, wie ich sie nenne, wo alles klar, ruhig und hell ist. Diese werden durch das Programm von Edel Maex zahlreicher, ich nehme sie bewusster wahr, initiiere sie vielleicht sogar selbst. Und ich bin dankbar für die winzigen Veränderungen in mir, meinem Verhalten, meinem Denken und Fühlen (siehe Beispiel Nachbar). Diese kleinen Veränderungen haben eine erstaunlich große Wirkung.

„Die achte Woche dauert den Rest Ihres Lebens“, behauptet Edel Maex in seinem Buch. Ich könnte mich damit anfreunden.

Auf dem nächsten Nachbarschaftsfest werde ich meinem recycelnden Nachbarn das Du anbieten. Und wenn er wieder einmal das Bedürfnis hat, mich oder andere Nachbarn lautstark über korrekte Mülltrennung zu belehren, dann schenke ich ihm einfach das Buch „Mindfulness – Gelebte Achtsamkeit“. So als Wink mit dem Zaunpfahl.

***

Welche Erfahrungen habt ihr mit Achtsamkeit und Meditation gemacht? Sendet uns eure Geschichten und gewinnt eins von fünf Exemplaren Mindfulness – Gelebte Achtsamkeit von Edel Maex.

 

Job-Coaching – aus der Praxis für die Praxis

Sich coachen zu lassen ist meist teuer. Schnell können dafür ein paar hundert Euro anfallen. Wer arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht ist, kann bei seiner Arbeitsagentur einen Gutschein für ein berufliches Coaching bekommen. Job-Coaching soll helfen, Arbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Das klingt erst einmal gut und vernünftig. Doch im Unterschied zum klassischen Karriere-Coaching treffen Coachs in den geförderten Maßnahmen oft auf ungeahnte Hindernisse. Sie begegnen Klienten, die unter Umständen mehr oder weniger unfreiwillig vor ihnen sitzen. Oft fühlen sie sich „geschickt“ und sind mitunter wenig motiviert, frustriert und hoffnungslos. Das Job-Coaching birgt viele besondere Herausforderungen. Und denen fühlen sich viele Job-Coachs nicht gewachsen, denn momentan arbeiten sie häufig nach der Devise „learning by doing“, zumal viele Job-Coachs Quereinsteiger sind und über keine einschlägige Qualifizierung in diesem Bereich verfügen.

Job-CoachingDas Buch Job-Coaching: Arbeitssuchende für den Arbeitsmarkt fit machen von Karin Kiesele und Andrea Schlösser will hier Abhilfe schaffen, indem es einen strukturierten Leitfaden bietet, angefangen von der Auftragsgestaltung über Besonderheiten und Hürden dieses Coaching-Settings bis hin zu einer Vielzahl praxiserprobter Methoden.

  

 

 

 

 

 

 

Leinen los für das Job-Coaching

Von Karin Kiesele und Andrea Schlösser

Die Arbeit als Job-Coach muss besonderen Anforderungen gerecht werden. Ob Business oder Life-Coaching – Die persönlichen Anlässe, ein Coaching in Anspruch zu nehmen, sind vielfältig. Bezahlt das Job-Center oder die Arbeitsagentur das Coaching, steht das Ziel bereits fest: Job-Coaching als geförderte Maßnahme soll Arbeitslose im Idealfall wieder auf den ersten Arbeitsmarkt eingliedern – die Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ist gewünscht.

Das bringt für den Job-Coach einige Herausforderungen mit sich: Nicht nur die „unfreiwillige Freiwilligkeit“ beeinflusst den Beziehungsaufbau zum Klienten. Suchtprobleme, belastende Lebensumstände, schwierige Lebensbiografien oder traumatische Ereignisse haben in der Regel großen Einfluss auf die aktuelle Situation der Klienten. In klassischen Coaching-Ausbildungen wird auf die Zielgruppe „Arbeitslose“ und die geförderten Maßnahmen nicht eingegangen.

Zum Berufsbild des Job-Coachs gehören zum einen Haltung und Methoden des klassischen Coachings, zum anderen werden auch Fachkenntnisse über den aktuellen Arbeitsmarkt sowie Erfahrungen im Bewerbermanagement gefordert. Das Wissen über Ausbildungs-, Weiterbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten ist in diesem Beruf ebenfalls von Vorteil. Im Bereich Job-Coaching arbeiten viele Quereinsteiger, wie zum Beispiel Sachbearbeiter, Verwaltungsfachangestellte, Betriebswirte, Arbeitspsychologen, Schauspieler, Lehrer und Journalisten. Jede dieser Berufsgruppen bringt spezielle Fachkenntnisse mit, die sich zusätzlich zu eine fundierten Qualifizierung im Bereich Coaching gut einbringen lassen. Wer jedoch ohne eine Coaching-Ausbildung als „Job-Coach“ arbeitet, hat vermutlich keinen einschlägigen Methodenkoffer im Gepäck. Er arbeitet als Coach und ist wahrscheinlich mit den wichtigsten Coaching-Grundsätzen nicht vertraut. Und oft genug stehen sie im Arbeitsalltag ohne große Unterstützung da.

Wir arbeiten beide im Bereich Job-Coaching als Ausbilderinnen und blicken auf rund 4000 Stunden Coaching-Erfahrung in diesem Bereich zurück. Von angehenden Job-Coachs wurden wir immer nach Literaturempfehlungen zum Thema gefragt. Trotz langer Recherchen sind wir nicht fündig geworden. Das war für uns der Impuls, all unsere Erfahrungen, Hilfreiches und Herausforderndes für andere Job-Coachs zusammenzutragen und aufzuschreiben. Es war und ist unser Ziel, Job-Coaches einen Leitfaden an die Hand zu geben, mit dem sie arbeiten können.

Dieses Buch bietet konkrete Hilfestellungen. Die einzelnen Etappen werden Schritt für Schritt beschrieben und wir gehen auf Besonderheiten und Herausforderungen ein. Wir geben Antworten auf die Fragen:

  •  Wie gehe ich damit um, wenn der Klient sich geschickt fühlt?
  • Wie kann ich dem Klienten gegenüber Vertraulichkeit zusichern, wenn ich Gegenüber dem Arbeitsamt oder Job-Center Bericht erstatten soll?
  • Wie spreche ich heikle Situationen an?
  • Wie wahre ich einen professionellen Abstand?
  • Wie schreibe ich eine gute Bewerbung mit meinem Klienten?

 

6 Gründe für dieses Buch:

  1. Theorie und Praxis vereint: Zum einen beinhaltet das Buch einen theoretischen Teil mit vielen Denk- und Arbeitsmodellen, zum anderen einen Methodenteil mit zahlreichen praxiserprobten Tools.
  2. Konzentriertes Know-how: Wir haben uns auf Wesentliches beschränkt, um das Buch als Nachschlagewerk attraktiv zu machen.
  3. Klare Umsetzungsanleitungen: Alle vorgestellten Methoden sind Schritt für Schritt erklärt.
  4. Sofort anwendbar: Die meisten Methoden brauchen keine besonderen Hilfsmittel. Mit der Umsetzung im Job-Coaching kann also gleich begonnen werden.
  5. Kostenlose Downloads: Ausgewählte Arbeitsmaterialien, wie beispielsweise die Werteliste oder der VAKOG-Test, befinden sich auf der Junfermann-Webseite zum kostenfreien Download – ganz ohne Anmeldung.
  6. Das Seminar zum Buch: Unser dreitägiges Seminar „Job-Coaching kompakt“ bietet neben der Vertiefung einzelner Inhalte ebenfalls die Möglichkeit für Fragen und den kollegialen Austausch.

 

Über die Autorinnen

Karin Kiesele ist als zertifizierter Personal- und Businesscoach (Coach QRC) und Kommunikationstrainerin im gesamten Bundesgebiet freiberuflich aktiv.

Nach ihrem Studium der Kommunikationswissenschaften und Hispanistik an der Freien Universität Berlin arbeitete sie über 25 Jahre als Fernsehjournalistin. Rund 15 Jahre war sie als Führungskraft bei nationalen und internationalen Liveshows für den Inhalt der Sendungen verantwortlich. Als Senior Producerin gestaltete sie den Aufbau und die inhaltlichen Abläufe der Produktionen und war eine zentrale Schnittstelle für nationale Künstler, internationale Stars, redaktionelle Gäste sowie interne Ansprechpartnerin für die Mitarbeiter der Sendungen.

Weitere Informationen über die Autorin und ihr Angebot erhalten Sie hier.

 

Andrea Schlösser ist als geborene Hauptstädterin in Berlin verwurzelt. Nach ihrer Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau, war sie zehn Jahre als Führungskraft mit Personalverantwortung bei der mobilcom debitel AG beschäftigt. Gleichzeitig absolvierte sie ein Fernstudium zur Handelfachswirtin sowie eine NLP- und Trainerausbildung. Im Anschluss folgte eine Mediations- und Coachingausbildung, dann die NLP Masterausbildung. Zuletzt ließ sie sich umfassend zur zertifizierten Supervisorin DGSv ausbilden. Seit 2011 ist Andrea Schlösser selbständig und arbeitet als freiberufliche Trainerin, Coach und Mediatorin für Firmen, Bildungseinrichtungen und Privatpersonen.

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Beide Autorinnen bieten gemeinsam Seminare, Workshops und Weiterbildungen in den Bereichen Coaching und Mediation an. Das Seminar „Job-Coaching kompakt“ ist passgenau auf die Bedürfnisse und Anforderungen für Job-Coachs zugeschnitten. Weitere Informationen zu den Angeboten finden Sie hier.

 

Malwand und Toilettenspiegel: Die Frankfurter Buchmesse 2018

„Wo ist denn das Buch vom Firmenklo?“ So oder so ähnlich wurden wir in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse immer wieder angesprochen. Die Fragenden gaben auf diese Weise eines preis: Sie waren gerade auf einer der Toiletten in Halle 3.1 gewesen und hatten beim Händewaschen dieses Bild vorgefunden:

Uns zeigt das: Werbung kann sehr wirksam sein, vor allem dann, wenn die Platzierung so stimmig ist. Konstanze Wortmanns Buch „Letzte Zuflucht Firmenklo?“ fand auf diesem Weg jedenfalls große Aufmerksamkeit. BuchMarkt-Kolumnist Matthias Mayer berichtete im „Messe-Mayer“ darüber, in den sozialen Medien fanden sich Selfies vorm Toilettenspiegel und die Neue Westfälische titelte: „Paderborn auf dem Klo“.

Eine andere Besonderheit fand sich am Messestand selbst. Passend zu unserer Neuerscheinung „You Are Here“ von Jenny Lawson hatten wir eine große Malwand anbringen lassen, mit einem Motiv aus dem Buch und viel Freiraum zum Selbstmalen. Kreide lag bereit und nach und nach füllte sich die Fläche, mit Zeichnungen und Kommentaren, wie: „Immer wieder schön hier.“ – Wenn das so ist, dann müssen wir wohl im nächsten Jahr wiederkommen!