Berufliche (Neu-)Orientierung in Krisenzeiten – Teil 1: Der (Un-)Zufriedenheit auf die Spur kommen

Von Andrea Landschof

Den meisten Menschen fällt es in der Regel leichter zu sagen, was sie derzeit stört und was sie nicht mehr mögen, als konkrete Wünsche für die Zukunft zu formulieren. Sind die inneren und/oder äußeren Störfaktoren identifiziert, finden sich leichter Antworten darauf, wie sich die aktuelle Situation verbessern lässt. Was sich als Quelle der Unzufriedenheit herausgestellt, entscheidet mit darüber, in welche Richtung jemand zukünftig gehen wird und welche Lösungswege die passenden sind. Was lässt mich aktuell unzufrieden sein? Warum steht die Veränderung gerade jetzt an? Was hat die Pandemie zum Vorschein gebracht? Was ist derzeit nicht mehr gut genug? Kann ich es ändern und was habe ich schon unternommen, um die Unzufriedenheit in Zufriedenheit zu wandeln? Bevor wir Veränderungen initiieren und ins Handeln kommen, braucht es die Einsicht, dass tatsächlich ein Problem existiert und welche Bedeutung das Problem für mich und andere hat. Im nächsten Schritt folgt die Erkenntnis, dass es generell und individuell lösbar ist. In ungewissen Zeiten, so wie aktuell in der Pandemie, ist es vorteilhaft, sich selbst einen Rahmen zu setzen und sich auf eine berufliche Herausforderung zu konzentrieren und in Kontakt mit den eigenen Ressourcen zu kommen, um handlungsfähig zu bleiben!  

 

Welche Faktoren tragen zu Deiner Unzufriedenheit bei?

Die innere und äußere Standortbestimmung ist wichtig, um den Hebel der Veränderung an der richtigen Stelle und mit passenden Mitteln anzusetzen. Faktoren, die zu Unzufriedenheit führen können, sind vielfältig. Passen die äußeren Umstände noch zu Deiner persönlichen inneren Entwicklung? Passen die Menschen oder die Beziehungen aus Deinem beruflichen Umfeld noch gut zu Dir? Ist es das Arbeitsumfeld, das Dir nicht mehr behagt? Oder liegen die Gründe eher in Deiner Person und ist in Deinem eigenen Verhalten begründet? Vielleicht sind es auch die Arbeitsinhalte und bestimmte Arbeitsbedingungen, die Dir zu schaffen machen? Welche Gründe gibt es für Dich, zu bleiben und welche, zu gehen, trotz der Krise?

 

Anregung zur Selbstreflexion

Spüre die störenden Faktoren auf, die Du verändern möchtest. Schreibe zunächst alles auf, was Dir einfällt. Nutze dabei gerne folgende Satzanfänge:

  • „Ich mag nicht mehr …“
  • „Ich will nicht mehr …“
  • „Mich stört, dass …“
  • „Ich fühle …“

Nehmen wir an, als die Störfaktoren haben sich „die Arbeit selbst“, „fehlende Sinnhaftigkeit“ und „Inhalte der Arbeit“ herausgestellt. Wenn das Herzstück der Arbeit betroffen und auch die Sinnhaftigkeit verloren gegangen ist, können uns in der Regel auch die positiven Rahmenbedingungen nicht mehr an unserem Arbeitsplatz halten. Wenn sich jemand unterfordert fühlt, weil er sich im Laufe der Zeit fachlich und persönlich weiterentwickelt hat, ist für ihn vielleicht ein „Upgrade“ bzw. Wechsel der Funktion oder des Tätigkeitsfeldes innerhalb der Firma angebracht (sofern diese Möglichkeit im Unternehmen besteht).

 

Innere und äußere Standortbestimmung

In einem Coaching erzählte mir ein Klient, dass er von seinem Chef gestresst ist. Er wollte nun endlich seinen Traumjob in Angriff nehmen und einen Cateringservice gründen. Dann stellte sich jedoch heraus, dass es der Klient in seinem damaligen Job als Biologe und als Berufsanfänger mit einem cholerischen Chef zu tun hatte. Dieser trug ihm fast täglich Botengänge auf und ließ ihn Hilfsarbeiten im Hintergrund erledigen. Im falschen Job war der Mann nicht. Im Coaching lernte er, sich gegen die unangemessenen Aufträge des Chefs abzugrenzen und sich seiner eigenen Stärken bewusst zu werden: Der Klient erkannte die Quelle und Bedeutung des Problems und entwickelte für sich Lösungen, die ihm ermöglichten an seinem Arbeitsplatz zu bleiben.

Teil 2 der Blogbeitragsreihe „Berufliche (Neu-)Orientierung in Krisenzeiten“ erscheint am Freitag, den 28. Mai.

 

Mehr zum Thema „Der (Un-)Zufriedenheit auf die Spur kommen“ in: Landschof, Andrea. (2018). Das bin ich!? Verborgene Talente entdecken und Veränderungen gestalten. Paderborn: Junfermann; S. 27-50.


Andrea Landschof, Lehrende Transaktionsanalytikerin, Autorin, Dipl.- Pädagogin, Coach für berufliche (Neu-) Orientierung, Inhaberin vom Beraterwerk Hamburg begleitet seit mehr als 25 Jahren Menschen und Organisationen sicher durch Zeiten von Umbruch und Veränderung.

Wie berufliche (Neu-)Orientierung auch in Krisenzeiten gelingen kann

Eine Blogbeitragsreihe von Andrea Landschof

Wir leben in Zeiten von Ungewissheit. Die Pandemie bringt Organisationen dazu, Arbeitsabläufe umzustellen und neue Geschäftsfelder aufzutun. Sie zwingt Branchen in die Knie und Menschen dazu, sich beruflich neu zu orientieren und sich mit einem Plan B zu beschäftigen. Doch nicht wenige wollen in dieser Krise neue berufliche Wege gehen, ohne es zu müssen. Sie sind schon lange unzufrieden und nutzen die Zeit, sich aus Zwängen und ungeliebten Jobs zu verabschieden. Für manche Menschen ist es der erlaubte Ausstieg aus dem Hamsterrad. Die Krise ist wie ein Scheinwerfer, der nicht gelebte Werte, bisher versteckte Wünsche und verborgene Sehnsüchte ausleuchtet und weckt. Viele merken, dass zwischen der inneren und der äußeren Welt die Passung nicht mehr stimmt. Doch die durch die Krise ausgelöste Entschleunigung im Außen führt uns ebenfalls unsere innere Rastlosigkeit und Erschöpfung vor Augen. Selbst diejenigen unter uns, die Innovation und Pfadwechsel predigen, tun sich im Augenblick mit Änderungen schwer. Hartmut Rosa, Soziologe und Politikwissenschaftler, spricht von einem kollektiven „Energieverlust [der Menschen], eine[r] psychische[n] und soziale[n] Lähmung“ (Unfried 2021), die durch Corona entstanden ist.

 

Es ist eine Zeit für grundsätzliche Neuorientierung

Ob gewollt oder gezwungenermaßen: Die Pandemie bietet Chancen und regt Menschen zur kritischen beruflichen und privaten Innenschau an. Ist das, was ich mache, noch erfüllend? Was ist mir im Job tatsächlich wichtig? Wo möchte ich beruflich hin? Das mögen sich im Augenblick nicht wenige von uns fragen.

Laut einer Befragung vom Jobportal StepStone (StepStone.de 2021) stehen aktuell bei jedem vierten von uns berufliche Veränderungen und ein Jobwechsel an.

Zwar spielen nicht erst seit der Pandemie viele mit dem Gedanken, den Job zu wechseln und sich beruflich zu verändern. Doch die Motive für eine berufliche (Neu-) Orientierung haben sich deutlich verschoben. In den Coachingprozessen, die ich begleite, zeigen sich häufiger die Wünsche der Menschen nach Sicherheit und nach einer Verlässlichkeit im Job. Die Risikobereitschaft, sich auf unbekanntes und finanziell unsicheres Terrain zu begeben, ist gesunken. Spannend und irgendwie paradox erscheint es, dass sich gleichzeitig die Bereitschaft, die eigene Komfortzone zu verlassen, um eine sinnhafte und für sich stimmige Berufsauswahl zu treffen, erhöht hat. Die Toleranzschwelle, sich mit miesepetrigen Kolleg*innen oder cholerischen Vorgesetzten zu umgeben, ist geringer geworden.

Die Ausgangslagen für eine berufliche Neuorientierung sind vielfältig. Die Menschen, die etwas Neues wagen wollen und das Gefühl in sich tragen, es müsste sich etwas ändern, kommen aus den Generationen X, Y und aus der als freiheitsliebend geltenden Generation Z. Sie sind Baby Boomer oder Best Ager, Berufseinsteigerinnen, -Umsteiger, -Aussteigerinnen oder Berufsmüde. Egal, von wo aus jemand sich auf den Weg der beruflichen Neuorientierung begibt – er oder sie sollte sich in jedem Fall auf einen persönlichen Entwicklungsprozess einlassen.

 

Eine berufliche Neuorientierung fordert den ganzen Menschen

Unser Beruf macht einen wesentlichen Teil unserer Identität aus. Als eine von vier Lebenssäulen prägt er unser Selbstverständnis, unser soziales Umfeld, unseren Status bis hin zu unseren Freundschaften.

Wenn wir unseren Beruf wechseln, also nicht nur die Stunden reduzieren oder die Abteilung tauschen, bringt eine berufliche Um- und Neuorientierung oftmals eine Veränderung der beruflichen Identität und ein neues Selbstverständnis mit sich. Wir öffnen uns für neue Möglichkeiten und integrieren Neues in unsere Lebensgeschichte. In Ablösungsprozessen, wenn jemand sich von einem bestimmten Ziel im Leben verabschieden muss, können auch starke Gefühle auftreten: beispielsweise, wenn die Gesundheit eine berufliche Veränderung notwendig macht und die Arbeit unsere körperlichen Kräfte übersteigt.

 

Was ist bei persönlicher Veränderung zu beachten?

Wenn Veränderungsprozesse anstehen, bewegen wir uns in einer schwebenden Zeitzone zwischen „Nicht-mehr“ und „Noch-nicht.“

Vertrautes passt nicht mehr und das Neue ist noch nicht greifbar. Wir sind dabei, eine alte Ordnung aufzulösen und Dinge auszuprobieren, von denen wir nicht wissen, wie sie ausgehen. Bei einer beruflichen (Neu-)Orientierung gilt es mit Ambivalenzen umzugehen. Sich zu trauen, Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen, bedeutet Unsicherheiten auszuhalten. In der Pandemie, die selbst schon eine Krise darstellt, werden solche Prozesse verstärkt. Zusätzlich werden wir in unseren Fähigkeiten zur Selbstorganisation, Verantwortungsübernahme, zum Beziehungsmanagement und zur Eigenwahrnehmung gefordert. Durch Corona erfolgte Restriktionen bei der Arbeit oder in der Ausbildung und das eingeschränkte Sozialleben, verstärken unser Stresslevel. Menschen neigen in Stresszeiten dazu, auf bewährte Selbstbilder und einschränkende Muster des Denkens, Fühlens und Handelns zurückzugreifen. So lässt sich Unklares und Unvorhersehbares besser aushalten und bewältigen. Gerade jetzt, wo eine große Unsicherheit herrscht und sich Gegebenheiten täglich ändern, ist ein innerer Kompass die Basis für eine gelingende berufliche Neuorientierung!

 

In dieser fünfteiligen Blogbeitragsreihe gebe ich als Coach für berufliche Neuorientierung Tipps und Anregungen, wie berufliche Neuorientierung auch in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie gelingt. Du bist als Leser*in eingeladen, dem eigenen Kompass zu folgen. In fünf Schritten bearbeitest Du sowohl die äußere Handlungsebene „Was ist jetzt zu tun?“ als auch die innere Selbstkonzeptebene: „Mit welchen persönlichen Themen muss ich mich jetzt auseinandersetzen?“

Der erste Teil erscheint schon diesen Freitag und trägt den Titel: „Der (Un-)Zufriedenheit auf die Spur kommen“.

 

Quellen:
StepStone.de. (2021, April 26). Sinneswandel: Menschen stellen ihren Job auf den Prüfstand. stepstone.de. Abgerufen am 06.05.2021 über https://www.stepstone.de/ueber-stepstone/press/sinneswandel/.
Unfried, P. (2021, April 24). Hartmut Rosa im Gespräch: „Die Umwege fehlen jetzt“. taz.de. Abgerufen am 06.05.2021 über https://taz.de/Soziologe-Hartmut-Rosa-im-Gespraech/!5763329/.


Andrea Landschof, Lehrende Transaktionsanalytikerin, Autorin, Dipl.- Pädagogin, Coach für berufliche (Neu-) Orientierung, Inhaberin vom Beraterwerk Hamburg begleitet seit mehr als 25 Jahren Menschen und Organisationen sicher durch Zeiten von Umbruch und Veränderung.

Erinnerungen an Everett „Tad“ James

Johann Kluczny

Am 14. April 2021 verstarb Tad James in Sydney, Australien, nach einem ereignisreichen und bewegten Leben als Trainer, Forscher, Therapeut und Coach. Geboren wurde er an der Ostküste der USA, in Washington DC, er studierte an der Syracuse University (NY) und schloss mit einem Master of Science in Massenkommunikation ab. Seine berufliche Laufbahn begann Tad James bei einem Radiosender und wurde schließlich Unternehmensberater. 1991 erhielt er einen Doktortitel vom American Institute of Hypnotherapy.

Anfang der 1990er-Jahre zog er mit seiner Familie nach Honolulu, Hawaii. Sein Wirkungsfeld war schwerpunktmäßig Nordamerika und der pazifische Raum: die USA, Canada, Hawaii, Honkong, Australien und Neuseeland. In Europa wurde er bei NLP- und Hypnoseanwendern hauptsächlich durch zwei seiner Bücher bekannt: „Time Line. NLP Konzepte zur Grundstruktur der Persönlichkeit“ (mit Wyatt Woodsmall) und „Kompaktkurs Hypnose. Wie man Phänomene tiefer Trance hervorruft“ (mit Lorraine Florres & Jack Schober).

Tad James war ein erfolgreicher NLP-Trainer und Hypnotherapeut, er war Begründer der Methoden Time-Line-Therapie und NLP-Coaching. Bei den „Begründern“ John Grinder und Richard Bandler hatte er NLP studiert und ab Mitte der 1980er-Jahre mit eigenen Trainings begonnen. In dieser Anfangszeit interessierten ihn sowohl Methodik als auch Konzepte (Persönlichkeit, Werte, Wahrnehmungsbevorzugung) des NLP. Er folgte zunächst John Grinder, der im NLP die Bereiche Erkenntnistheorie, NLPTraining, NLPAnwendung und NLPModellieren unterscheidet.

 

NLP und die Kahuna-Tradition

Ich selbst lernte eine besondere Qualität des Angebots von Tad James kennen. Tad war nämlich initiiert in die „Linage“ von Dady Bray, der bis 1980 aktiv die Kahuna-Tradition (verbreitet im Kulturraum der hawaiianischen Inseln und Polinesien) praktizierte. Tad selbst praktizierte NLPModellieren von „Experten“ der Kahuna-Tradition.

Grundlegend für das Verständnis der hawaiianischen Kultur sind die folgenden Begriffe:

  • Aloha: Liebe, Wohlwollen und Respekt
  • Ohana: Familie und Gemeinschaft
  • Pono: Güte
  • Kokua: der Wunsch zu helfen

 

Verbunden mit diesen Begriffen dient die Regel: „Sei du selbst und verletze keinen mit Absicht“ (Dady Bray) sowohl der Regulation des Selbst wie auch der Regulation der sozialen Beziehungen.

Für Tad waren NLP und das Kahuna-System kompatible, einander ergänzende Modelle: NLP hilft bei der Analyse und Beschreibung der Konzepte und Prozesse des Kahunas; die Kahuna-Tradition erhöht die Wirkung von NLP durch eine spezifische Beziehungsgestaltung und Vorgehensweise. Hierzu ein Beispiel:

In der Gestaltung einer Coachingbeziehung gibt es die Perspektiven auf: Person, Ziele und Handlung, Lösung, Neuorientierung und Klärung (Meta-Kommunikation). Bei der Gestaltung der Personenperspektive wären in einem Erstinterview oder bei der Exploration die Einstellung des Coachs (Wohlwollen, Güte, Respekt und der Wunsch zu helfen) äußerst unterstützend im Hinblick auf das Verstehen der Person und des Themas. Als Nebeneffekt würde sich die Bildung von Gemeinschaft (Vertrauen) einstellen.

Für die Zielperspektive hingegen, und noch mehr für die Handlungsperspektive, sind aufseiten des Coachs die Qualitäten Fördern und Führen gefragt. Nur so verhelfen Motivation und Willenseinsatz zu einer methodischen Handlungsregulation bei der Bewältigung von Schwierigkeiten. Vom Klienten ist möglicherweise ergänzend gefordert, dass er in schwierigen Situationen beharrlich bleibt und Durchhaltevermögen zeigt. Hier dürften die gelernte Disziplin beim Hula-Tanz und die Präzision des Trommelns unterstützend sein – sowohl in der Führung wie auch für den Geführten.

Im NLP gibt es für die Lösungsperspektive metaphorische und hypnotische Kommunikationsangebote. Die Kahuna-Tradition kennt hier zusätzlich die Arbeit mit Symbolen, und das in zweierlei Hinsicht: Zum einen sind Symbole ein Ergebnis von kreativen Prozessen mit dem Klienten, zum anderen werden sie verstanden als geformte und gerichtete Energie. Darüber hinaus können sehr gut Träume und Traumarbeit als Lösungsangebote eingeführt werden. Lösung heißt immer, dem Klienten ein indirektes unterstützendes Angebot zu machen, damit er wieder die Ziel- und Handlungsperspektive einnehmen kann.

Laut Tad James lassen sich durch die vielfältigen Konzepte und Methoden der Kahuna-Tradition eine hohe „Flexibilität im Wechseln der Perspektiven auf persönliche, soziale und kulturelle Phänomene“ erreichen.

 

Die Inkorporation der Prozesse

An diesen „Modellierungsprozessen“ nahm ich in den Jahren 1993 bis 2006 auf Big Island regelmäßig teil. Zu ihrem Verständnis ist es jedoch nicht nur wichtig, die Rekonstruktion kognitiver Denk- und Handlungsstrategien der Modellpersonen zu beachten. Im Vordergrund des „Modellierens“ stand auch immer das „Öffnen“ der eigenen Neurologie durch Atmung, Töne, Gesänge und Bewegung. Darüber hinaus galt es, die „Identifikation“ mit der Modellperson zu erreichen, mit ihren Fähigkeiten und Handlungen. Erfahrungen und Begegnungen im unmittelbaren kulturellen Umfeld, mit der Geschichte, den Kulturstätten und der Natur der hawaiianischen Inseln rundeten den Lernkontext ab. Hierdurch könne man, so Tad James, „die Prozesse erkennen, die Essenz erfassen und die Wirkung der Prozesse inkorporieren“.

Neben verschiedenen bekannten NLP-Trainern wurden zur Bearbeitung und Aneignung der unten angeführten Themen viele hawaiianische Experten, Lehrer, Mentoren und Aktivisten eingeladen, u.a.:

Uncle George Na’ope (Chants, Hula), Etua Lopez (Hula), Auntie Mary (Lomi Massage), Kawena Johnson (Reinigen, Empfangen), John Ka’lmikaua (Hula, Chants), Papa Henry (Kräuterheilung), Donna Lehua-la Morabito (Vergebung), Ardie Wahinekapu James (Symbole), John Overdurf (Träumearbeit, Wahrnehmungsveränderung), Julie Silverthorn (klinische Hypnose), Rex Shudde (Chants).

Ziel war es, die Einstellungen und Vorgehensweisen der Kahuna-Tradition in die eigene Person zu inkorporieren und sie in die (NLP-)Arbeit zu integrieren. Folgende ausgewählte Themen standen im Vordergrund:

 

  • Ha:                         Atemtraining
  • LomiLomi:             Massage
  • Hula:                         Tanz, Bewegung
  • Oli:                         Chants und Gesänge
  • Moe Uhane: Träume und Traumreisen
  • Ho’o PonoPono: Vergebung in Demut, Selbstvergebung
  • Noho: Reinigen
  • Noa:                         Empfangen
  • Aka:                         Ausrichten von Energie
  • Hōʻailona:             Arbeit mit Symbolen
  • La‘au lapa’au: Kräuterheilung
  • La‘au kahea: Psychologische Heilung
  • Pule:                         Heilung durch Gebet
  • Hakalau, Hiolani: Wahrnehmungserweiterung
  • I’O-Prozess:             Verbindungen mit dem höheren Selbst
  • Na’auao:             Weisheit
  • Ke ea Hawai’i: Unabhängigkeitsbewegung Hawaiis.

 

Das Kahuna-System lässt sich gut verstehen, wenn man, wie im folgenden Überblick, die vierfache Beschreibung für Form, Modalität, Psychologie, Energie und Götter nutzt:

 

Form Modalität Psychologie Energie Götter
Körper Unihipili

Leidenschaft

Unbewusstes
emotional
Mana Ku
Seele Uhane

Traum

Bewusstsein
mental
ManaMana Lono
Geist Aumakua

Begleitung

höheres Bewusstsein
spirituell
Manaloa Kane

 

Für den Leser ist es vermutlich nachvollziehbar, dass wir, die Teilnehmer, durch die Aneignung und schrittweise Inkorporation der oben aufgelisteten Konzepte und Methoden, in Übungen, Aktivitäten und Experimenten Außergewöhnliches erlebt, erfahren und gelernt haben. Für mich selbst kann ich außerdem sagen, dass diese spezifischen „Modellierungsergebnisse“ meine Sicht auf die Welt, auf die Gestaltung von sozialen Beziehungen wie auch auf das NLP erheblich verändert haben. Die angeeigneten Konzepte und die Instrumente der hawaiianischen Experten können bei der Anwendung in Training, Beratung, Therapie und Coaching, aber auch im Alltag, das Geschehen jeweils „durchdringen“ und sozusagen „zwischen den Poren“ ihre Wirkung entfalten. Sozialbeziehungen, die Selbstbeziehung, die Einstellung zur eigenen Arbeit und zu den Klienten bekommen so einen „erweiterten Rahmen“ und eine „tiefere Bedeutung“. Selbst „widerspenstige“ Blockaden lassen sich verstören und die damit verbundenen Bedeutungskonstruktionen umgestalten.

Die Struktur eines Coachingprozesses kann als ein Ablauf von vier verschiedenen Phasen verstanden werden: Orientierung, Exploration, Operation, Abschluss. Dieses allgemeine Modell beinhaltet auch die Anwendung spezifischer Inhalte, Methoden und Kompetenzen aufseiten des Coachs. Eine Erweiterung könnte die Kahuna-Tradition dadurch erfahren, dass diese Struktur des Phasenmodells auf die traditionelle Vorgehensweise und den Methodeneinsatz angewendet werden kann, um es zu systematisieren und dadurch das Lernen und die Anwendung zu erleichtern.

 

„Über die Toten nur das Gute“ (Russisches Sprichwort)

Tad James und den Experten gebührt großer Dank, dass sie der internationalen NLP-Community und auch anderen Professionen dieses Wissen und Wirken über zwei Dekaden in Hawaii angeboten haben. Wer Tad nur von außen in seinem Denken und Handeln aufmerksam beobachtete und verfolgte, war beeindruckt, wie konsequent er umsetzte, was er sich vorgenommen hatte. Wer ihn zudem persönlich kennenlernen konnte, begegnete jemandem, der das Leben der Menschen durch Reflektieren, Experimentieren und Erleben bereichern konnte und sie befähigen wollte. Tad ist in seinem persönlichen Einsatz ganz und gar in seiner Tätigkeit aufgegangen und ist damit immer wieder über die Erwartungen der Teilnehmer hinausgegangen. Ich bin dankbar, welche Spuren er und die hawaiianischen Experten bei mir hinterlassen haben. Noch heute helfen mir die vermittelten Begriffe und Perspektiven, zu erkennen, zu erfahren, zu bewältigen oder besser zu verstehen. Die große Zustimmung, die Tad innerhalb seines Wirkungsfeldes erfahren hat, sei ihm mehr als vergönnt.

 

Dieser Text ist ein Ausschnitt. Je ausführlicher ein Mensch beschrieben wird, desto kleiner ist dieser Teil im Verhältnis zum Leben der Person. Umso verwegener der Anspruch, in diesem Text ein Leben und eine Persönlichkeit abzubilden.

Mahalo!

Über Johann Kluczny: Diplom-Psychologe, Diplom-Soziologe, Autor und Poet. Seit über 25 Jahren als Trainer, Psychotherapeut und Business Coach national und international tätig. Seine Ausbildung im NLP erhielt er bei John Grinder, Richard Bandler, Tad James, Robert Dilts, Judith DeLozier, Genie Laborde, David Gordon, Thies Stahl, u.a.

Ein Literaturverzeichnis zu den Publikationen von Tad James kann per Mail über die unten angegebene Adresse angefragt werden.

https://nlpinberlin.de  mail@nlpinberlin.de

http://johannkluczny.com/

 

Copyright © an diesem Beitrag: Johann Kluczny, 2021

Podcast »Apropos Psychologie!«

Podcast-Folge 14: Apropos … Resilienz!

Stark und gelassen – Wie geht Resilienz?

Sebastian Mauritz

Sebastian Mauritz

Stark und gelassen, mit einer gesunden Portion Optimismus und einer Prise Heiterkeit. Wer so durch Leben gehen kann, den beneiden wir. Tatsächlich scheinen manche Menschen nicht nur ihren Alltag, sondern auch schwierige Lebenssituationen mit einer bewundernswerten Leichtigkeit zu bewältigen. Woher nehmen sie diese Ausgeglichenheit und Gefasstheit? Wie schaffen sie es, sogar schmerzhafte Erlebnisse, die das Leben der meisten von uns zum Erstarren brächten oder ihm zumindest eine ungewollte, neue Richtung aufzwingen würden, hinzunehmen und zu neuer Kraft zu finden?

In Folge 14 von »Apropos Psychologie!« geht es um die Widerstandsfähigkeit des Menschen: Resilienz. Dass es sich dabei nicht einfach um die vielbesungene Stehaufmännchen-Mentalität oder eine Art Kämpfernatur handelt, wird im Gespräch mit Sebastian Mauritz schnell klar. Der Göttinger Trainer, Autor und Marketing-Unternehmer betont: Nicht die Frage „Was tut das mit mir?“ sondern die Antwort auf „Wie denke ich die Welt?“ ist wesentlich für Resilienz.

Wie sich die zwei Säulen der Resilienz – Adaption („Wie gut kann ich mich anpassen?) und Regulation (Wie gut komme ich in meine Mitte?) – am besten stärken kann, und wie ich krisenfester durchs Leben gehe, erklärt er heute im Podcast.

Mehr über Sebastian Mauritz unter: www.sebastianmauritz.de
Im Mai 2021 veranstalten wir mit Sebstian Mauritz als Moderator einen Online-Kongress zur „Gewaltfreien Kommunikation“. Mehr dazu unter www.gfk-kongress.de

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Podcast »Apropos Psychologie!«

Podcast-Folge 13: Apropos … Schlafen!

Das beste Schlafmittel ist der Körper

Konstanze Wortmann

Konstanze Wortmann

Ausgeschlafen aufwachen, voller Energie oder auch ganz entspannt in den neuen Tag starten: Für viele von uns nur ein Wunschtraum. Rund 20 % der Erwachsenen in Deutschland haben Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen. Die Ursachen sind vielfältig: Ist es nur kurzzeitig eine Phase, in der einem einfach zu viel durch den Kopf geht, um in eine erholsame Nachtruhe zu finden, muss man sich keine Sorgen machen. Wer aber über Monate hinweg tagsüber abgeschlagen, ja wie gerädert aufwacht, sollte der Sache auf den Grund gehen.

Wem das berühmte Glas warmer Milch mit Honig oder ein Baldriantee vor dem Zubettgehen nicht hilft, dem können z. B. Entspannungstechniken weiterhelfen. Laut der Psychotherapeutin Konstanze Wortmann, die zusammen mit Dorothe Schabsky die „Schlafschule Unna“ leitet, reichen oft schon kleine Veränderungen in den Schlafgewohnheiten, um seinen Schlaf-Wach-Rhythmus bald wieder in ein gesundes Gleichgewicht zu bringen.

Wie das geht, darüber spricht Marion Heier mit Konstanze Wortmann in Folge 13 von „Apropos Psychologie!“ und erhält wertvolle Tipps & Tricks für einen gesunden Schlaf.

Konstanze Wortmanns Ratgeber „Wege in den erholsamen Schlaf“ sowie das Selbsthilfeprogramm (ebensfalls in Buchform) „Atmen – Bewegen – Schlafen“, das sie mit Dorothe Schabsy zusammen geschrieben hat, sind im Webshop des Junfermann Verlags und in jeder gut sortierten Buchhandlung erhältlich.

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Podcast »Apropos Psychologie!«

Podcast-Folge 12: Apropos … Persönlichkeit!

Wie bin ich eigentlich?

Rainer Sachse

Wer glaubt, er sei nur aus einem Holz geschnitzt, der irrt. Die Psychologie kennt ein gutes Dutzend an Persönlichkeitsstilen, die mehr oder weniger ausgeprägt in uns schlummern. Sie können enorme Ressourcen bedeuten, aber auch Störungen verursachen. Beruflich erfolgreich ist ein Mensch z. B. dann, wenn er mit seinen Persönlichkeitsstilen an der richtigen Position ist. Wissen HR-Abteilungen genug darüber? Und gibt es auch im Privaten Persönlichkeitsstile, die schlicht nicht kompatibel sind?

Prof. Dr. Rainer Sachse, der das Institut für Psychologische Psychotherapie leitet in Bochum, unterscheidet Persönlichkeitsstile zunächst nach den Nähe- und Distanzstörungen, sozusagen nach jeweiligen Bedürfnis an „Sicherheitsabstand“ zum anderen. In Folge 12 von „Apropos Psychologie!“ spricht Marion Heier mit ihm darüber, wie man sich selbst und anderen auf die Schliche kommt. Sich selbst und ihn fragt sie: Wer also bin ich? Macht mich aus, was andere in mir sehen? Wie kann ich meine Persönlichkeitsstile und die der anderen für ein konstruktives Miteinander nutzen? Jetzt reinhören – überall dort, wo es Podcasts gibt oder direkt hier auf unserem Blog.

Rainer Sachses Buch „Persönlichkeitsstile“ ist im Webshop des Junfermann Verlags und in jeder gut sortierten Buchhandlung erhältlich.

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Podcast »Apropos Psychologie!«

Podcast-Folge 11: Apropos … Trauern!

Trauer ist nicht gleich Traurigkeit

Christine Kempkes

Er gehört so sehr zum Leben, und doch schieben wir den Gedanken daran am liebsten ganz weit weg: der Tod. Keiner mag und keiner kann sich vorstellen, wie dieser Moment sein wird: wenn wir einen geliebten Menschen verlieren, vielleicht ganz unerwartet, vielleicht nach langer, leidvoller Zeit. Versinken wir in ein tiefes Loch? Werden wir über uns hinauswachsen und anderen eine Stütze sein? – Wie können wir mit Trauer positiv umgehen? Lässt sie sich überhaupt in unser Leben integrieren?

Christine Kempkes, Bestatterin und Coach, will uns genau dazu ermutigen. Sie rät uns dazu, mit dem verstorbenen Menschen – oder auch Haustier – in Verbindung zu bleiben. Denn wer seine Trauer dauerhaft verdrängt, bekommt sie durch die Hintertür zurück: als Migräne, Bauchschmerz, Depressionen …

In der 11. Podcast-Episode von »Apropos Psychologie!« spricht die Trauerbegleiterin Christine Kempkes über unsere Trauerkultur, warum wir uns in der Trauer verbieten, fröhlich zu sein, und darüber, wie man aus tiefer Trauer zurück in ein kraftvolles Leben findet. Jetzt reinhören – überall dort, wo es Podcasts gibt oder direkt hier auf unserem Blog.

 

Ihr Buch zum Thema: »Mit der Trauer leben lernen« Mit der Trauer leben lernen | Junfermann Verlag

Mehr über Christine Kempkes findet Ihr auf ihrer Homepage: Christine Kempkes | Trauerbegleitung, Trauerreden und Familienbiographisches Coaching

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Was Shakespeare, Sherlock Holmes und ein Paketbote mit Gewaltfreier Kommunikation zu tun haben

Seit Januar 2021 gibt es das Online-Seminar „Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation“, kurz: GFK, mit dessen Hilfe wir lernen können, empathisch, klar und überzeugend zu kommunizieren. Entwickelt hat es der Trainer, Autor und Kommunikationsprofi Al Weckert, der mit seiner Firma Empatrain auf mehr als 1000 Seminare zum Thema zurückblickt. Wir wollten wissen, wie das geht:

„Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation“

Al Weckert im Online-Seminar „Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation“

Bin ich nach zwei Stunden Online-Kurs fit in Sachen GFK?

Weckert: Ob Sie anschließend fit in GFK sind, hängt von Ihrer Übungsbereitschaft ab. Sie erhalten 33 Videos mit über zwei Stunden Anleitung und fast jeder Film enthält eine Übung. Wenn Sie die Übungen im Begleitheft ausfüllen, lernen Sie dabei viel mehr als die Theorie. Sie trainieren eine neue Fähigkeit. Nach dem Kurs können Sie die vier Schritte der GFK anwenden und anderen erklären, wie es funktioniert.

Welche Vorkenntnisse sind nötig?

Weckert: Für das GFK-Online-Training brauchen Sie keine Vorkenntnisse. Sie brauchen einen Drucker, denn ich habe viele Übungsmaterialien in das Begleitheft gepackt, um das Lernen zu erleichtern. Es gibt zum Beispiel Listen mit Gefühlen und Bedürfnissen, einen Tagesplaner mit eingebauten GFK-Übungen und die GFK-Easysteps, die man auf den Boden auslegen kann, um ein Thema (zum Beispiel einen Konflikt oder eine schwierige Gesprächssituation) für sich zu klären. Vorkenntnisse sind also nicht nötig. Sie schaden aber auch nicht, denn ich habe neue und ziemlich unterhaltsame Übungen eingebaut.

Was muss ich persönlich mitbringen, damit das Seminar für mich auch Sinn macht?

Weckert: Sie benötigen eigene Fallbeispiele, um die Aufgaben zu lösen. Damit meine ich eigene Erlebnisse, z. B. wenn Sie sich mit jemanden gestritten haben oder mit einem Gespräch unzufrieden waren. Wie Sie solche Beispiele finden können, erkläre ich Ihnen in den ersten Videos des Online-Trainings. In den Übungen zeige ich, wie Sie diese Konflikte ansprechen oder den Grund für Ihre Unzufriedenheit klarer zu fassen kriegen. Mit eigenen Beispielen können Sie besser miterleben, wie das funktioniert. Außerdem haben Sie dann einen „Sofortgewinn“. Sie können das Thema anderen gegenüber direkt ansprechen.

In der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg kommen ein Wolf und eine Giraffe vor? Warum eigentlich?

Weckert: Eines Tages sagte eine Frau zu Marshall Rosenberg: „Mein Mann spricht mit mir wie ein Wolf“. Rosenberg antwortete mit seinem typischen trockenen Humor: „Dann üben wir heute Wölfe zu zähmen“. Die Frau schenkte Rosenberg am nächsten Tag zum Dank eine Wolfspuppe, die er fortan im Koffer mit sich herum trug. Irgendwann kam eine Giraffe dazu, denn die Giraffe hat von allen Landtieren das größte Herz. Der Wolf steht für eine Sprache der Dominanz, die Giraffe für eine Sprache der Einfühlsamkeit.

Al Weckert als Shakespeare im Online-Seminar „Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation“

Im Online-Seminar zeigen Sie keine Giraffen und Wölfe. Stattdessen treten Sherlock Holmes und Shakespeare auf, deren Hüte Sie sich aufgesetzt haben. Sollte man ab und an einen anderen Hut aufsetzen?

Weckert: Schon die Indianer wussten, dass man einen Monat in den Mokassins seines Gegenübers laufen muss, um ihn zu verstehen. Wobei: Die Wörter „sollte“ und „muss“ sind Wolfssprache, denn sie sind an Zwang und Druck geknüpft. Zwang und Druck führen in der Regel zu einer Verschlechterung der zwischenmenschlichen Beziehung. Weil es aber gerade um Verbindung geht, erklärte ich die Geschichte mit den Hüten lieber so: Perspektivwechsel erzeugt Verständnis, Verständnis erzeugt Vertrauen, durch Vertrauen entsteht Veränderungsbereitschaft. Das der Buchstabe V so oft vorkommt ist kein Zufall, sondern Absicht. V wie „voll gut den Hut zu wechseln“.

Wie hätte dieser Online-Kurs dem Mann aus der Geschichte mit dem Hammer von Paul Watzlawick helfen können?

Weckert: Der Mann, der so dringend einen Hammer brauchte, hätte von dem Online-Seminar definitiv profitiert. Er hätte beim Nachbarn geklingelt und eine der vielen Bitten geäußert, die wir im Kurs trainieren. Er hätte mit jeder Antwort gut leben können. Bei einem „ja“ hätte er sich gefreut. Bei einem „nein“ hätte er sich nicht geärgert. Er hätte gewusst, dass der Nachbar einen Grund für sein nein hat. Er hätte sein Ziel auf einem anderen Weg erreicht.
Im Online-Seminar erzähle ich ja die Geschichte von dem Paketboten, der mir Benachrichtigungen in den Briefkasten schmeißt, obwohl ich zuhause bin. Da muss ich – genau wie der Mann in Watzlawicks Geschichte – aufpassen, dass ich mich nicht in irgendeine schräge Wut hineinsteigere. Wenn unsere Gefühle von den Handlungen anderer abhängen, leben wir in einer emotionalen Sklaverei.

Inwiefern sind Mimik und Gestik Teil der GFK?

Weckert: Sind sie das? Ich kenne GFK-Trainer, die das nicht in ihren Ausbildungen behandeln. In meinen Trainings spielen Mimik und Gestik allerdings eine große Rolle. Sie ermöglichen mir eine ganz andere Ebene der Wahrnehmung. Jenseits von Verstand und Sprache sehe ich meinem Gegenüber an, wie er sich fühlt. Charlie Chaplin hat gesagt: „Wir denken zu viel und fühlen zu wenig.“ Mir erleichtert die Wahrnehmung der Körpersprache das Fühlen.

Gibt es Tipps & kleine GFK-Kniffe, die ich jetzt gleich sofort in meinem Alltag mal ausprobieren kann?

Weckert: Genau diese kleinen Tipps und Kniffe erklären die Trainerkolleginnen Ulrike Michalski und Silvia Richter-Kaupp in den beiden Videos zu Selbstempathie und Aktivem Zuhören. Da will ich jetzt nicht spoilern. Sonst verderbe ich ja die Überraschung!

Wie kann ich weiter üben?

Weckert: Im letzten Teil des Online-Kurses leite ich die Teilnehmer*innen in mehreren Videos dazu an, wie sie weiterüben können. Als Teilnehmer*in bekommen SIe zum Beispiel einen Tagesplaner, mit dem Sie täglich eine GFK-Übung durchführen können.
Am nachhaltigsten lernen die meisten Menschen natürlich immer noch beim gemeinsamen Üben mit anderen. Deshalb biete ich in der Akademie im Park (Wiesloch) drei Kurse an, die exakt an diesen Online-Kurs anknüpfen: „Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation“, „Der Tanz auf dem Vulkan“ (Umgang mit starken Gefühlen und Schuldzuweisungen) und „Mimikresonanz“ (Körpersprache-Training). In diesen Kursen wird geübt, vertieft und weiter aufgebaut. Du triffst andere, die auch das Online-Seminar abgeschlossen haben und kannst alle Deine Fragen stellen.
Ergänzend empfehle ich auch das Audiobook zum Online-Training. Damit kannst Du Dir die Schlüsselunterscheidungen der GFK wunderbar einprägen.

Hast Du ein Lebens(abschnitts-)motto?

Weckert: Das habe ich tatsächlich. Es lautet: „In good we trust!“ Das habe ich bei einer Techno-Party in Berlin mitten auf der Tanzfläche auf einem T-Shirt gelesen. Ich habe mir am nächsten Tag von diesem Spruch einen Türvorleger designen lassen. Seitdem betrete ich meine Wohnung ziemlich oft mit einem entspannten Lächeln im Gesicht.

Das Gespräch führte Saskia Thiele, Digitale Produkte, Junfermann Verlag.

 

Al Weckert ist Volkswirt, Mediator, Trainer für Gewaltfreie Kommunikation und Organisationsentwickler. Er ist Experte für das Training von Empathiefähigkeit. Gemeinsam mit Unternehmen und Organisationen entwickelt er Modelle nachhaltiger Konfliktbearbeitung und Trainingskonzepte für mehr Achtsamkeit und gegenseitige Wertschätzung in der alltäglichen Kommunikation am Arbeitsplatz.  https://www.empathie.com/

Sein Online-Seminar „Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation“ erschien Ende 2020 auf www.junfermann-live.de

Nur noch bis (einschließlich) Mai: Seminarbetreuung durch Al Weckert als Kommentator 

 

Podcast »Apropos Psychologie!«

Podcast-Folge 10: Apropos … Unerträgliches überwinden!

Wie unsichtbare Wunden heilen können

Michaela Huber

Es gibt Wunden, die man nicht sehen kann. Sie tun höllisch weh, ohne dass wir laut aufschreien. Glauben wir gerade, sie sind verheilt, können sie unvermittelt neu aufbrechen. Solche Wunden, die selbst kaum zu sehen sind, machen uns blind für alles Schöne und Leichte im Leben. Ein ständiger Schmerz packt alles in dicken Nebel. Und wir wissen manchmal nicht mal, dass es so ist.

So könnte man ein Trauma beschreiben, eine »Psycho-Wunde«. Um sie zu erkennen, muss man schon sehr genau hinsehen, sagt die Psychotherapeutin Michaela Huber. Sie ist eine von Deutschlands führenden Trauma-Expert*innen. Sie erklärt: Erlebt ein Mensch eine unerträgliche Situation, reagiert das Gehirn mit einem Notprogramm: das Bewusstsein fährt runter, das Gedächtnis wird abgekoppelt. Vier bis sechs Wochen lang versucht das Gehirn jetzt, diese extreme Belastung allein durchzuarbeiten. Tauchen die Symptome Übererregung, extreme Vermeidung und Wiedererregung aber danach weiter auf, spricht man von Trauma.

Wie wichtig gute Freunde, ein schönes Zuhause und liebevolle Mitmenschen dann werden, warum das so ist und was wir selbst in unser »Erste-Hilfe-Schatzkästchen« tun können, das erzählt Michaela Huber in Folge 10 von »Apropos Psychologie!«.⁠ Jetzt reinhören – überall dort, wo es Podcasts gibt oder direkt hier auf unserem Blog.

Mehr über Michael Huber: https://michaela-huber.com

Weitere Infomationen zu Michaela Hubers Büchern finden Sie hier, und mehr über die Bundesarbeitsgemeinschaft für bedarfsgerechte Nothilfe erhalten Sie hier.

 

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Meditieren üben

Meditieren lernen – Teil 3: Erste Meditation

Das folgende Video hilft Ihnen dabei, in die Praxis der Atemmeditation einzusteigen – mithilfe einer einfachen Übung unter Anleitung von Dr. Detlef Schönherr. Neben der Aufwärm-Phase und Überprüfung der Körperhaltung, die im zweiten Teil dieser Reihe thematisiert wurde (siehe Teil 2), führt Sie der Autor durch Ihre erste Meditation im Fersensitz und gibt Ihnen Tipps zur Durchführung & Organisation.

 

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Meditieren lernen

Teil 1 der Blogreihe: Nutzen

Teil 2 der Blogreihe: Körperhaltung

 

 

Detlef Schönherr

Dr. Detlef Schönherr arbeitet selbstständig als Coach für Führungskräfte und Heilpraktiker für Psychotherapie in eigener Praxis in Sessenbach/Westerwald. Er ist Ausbilder für NLP und Hypnose. Zuvor war er als Redenschreiber in der Politik sowie Journalist und Kriegsberichterstatter tätig. www.hypnose-schoenherr.de

 

 

 

 

 

Sein Buch Anleitung zur Atemmeditation ist im Februar 2021 erschienen.