Was passiert eigentlich beim Junfermann-Autorentag, Herr Schmidt?

Am 25. April 2020 findet der nächste Junfermann-Autorentag statt. Der Autorentag ist nicht nur ein Treffen der „Junfermann-Familie“ – bei dem Austausch, Kennenlernen und Spaß im Vordergrund stehen, sondern soll Ihnen auch konkrete Anregungen bieten. In den letzten Jahren haben wir verstärkt auf das Thema „Buchmarketing“ fokussiert, im kommenden Jahr wird es u.a. einen Impuls zum Thema „Schreiben für Zeitschriften“ geben. Sie als Autor*in können den Erfolg Ihres Buches aktiv unterstützen. Deshalb ist die Zusammenkunft besonders für alle neuen Autorinnen und Autoren interessant – Sie lernen den Verlag besser kennen, knüpfen Kontakte zu anderen Junfermann-Autor*innen und bekommen konkrete Ideen, was Sie für Ihr Buch tun können.

Wir haben Jörg Schmidt, Autor des Buches Einfach visualisieren, gefragt, wie er die letzten beiden Autorentage erlebt hat.

 

Herr Schmidt, Sie waren bei den Junfermann-Autorentagen 2016 und 2018 dabei. Was haben die Autorentage Ihnen persönlich gebracht?

Beide Autorentage wirken bis heute noch nach. Neben dem Verlagsteam habe ich viele Mitautoren kennengelernt. Neben vielen interessanten Gesprächen, neuen Kontakten und vor allem viel Spaß miteinander habe ich auch Ideen für das Buchmarketing mitgenommen.

Beide Tage haben mich motiviert, mich selbst um das Thema Buchverkauf zu kümmern. Ich hatte schon zwei Publikationen vor dem Visualisierungsbuch. Und beide haben sich auch irgendwie „von allein“ verkauft. Mit den Verkaufszahlen war ich zufrieden. Und daher hatte ich meinen Beitrag/meine Verantwortung für den Buchverkauf gar nicht „auf dem Schirm“. Erst auf dem 1. Autorentag 2016 fiel der Groschen.

Jennifer Kahnweiler sprach dort über die Mythen des Buchmarketings und über die Rolle des Autors/der Autorin: „Verantwortlich für den Buchverkauf und das Marketing ist (auch) der Autor“. Moment mal, das bin ja ich! Der Verlag unterstützt mich mit vielen Aktivitäten, aber ich bin verantwortlich! Eine „neue“ Sichtweise für mich. Schon während des Tages entwickelten sich erste Ideen in Gesprächen mit den Kollegen. In den Wochen und Monaten danach setzte ich diverse Maßnahmen um.

Konnten Sie Impulse aus den Autorentagen konkret umsetzen?

Die ein oder andere Maßnahme – auch mit Unterstützung des Verlages – hat tatsächlich dazu beigetragen, den Verkauf zu unterstützen. Daraufhin hatte ich mir 2017 vorgenommen, mein Buch aktiv zu bewerben und bis Ende 2020 10.000 Exemplare zu verkaufen. Das war schon eine kleine Hürde, mir selbst dieses Ziel zu setzen. Gleichzeitig hat es mich aber auch motiviert, dranzubleiben und weiterzumachen. Das Ziel ist sportlich, herausfordernd, aber auch sehr reizvoll.

Was würden Sie anderen Autor*innen empfehlen?

Der Autorentag 2018 hat mich motiviert, mutig zu sein und das eigene Anliegen offensiv zu verfolgen. Und das mit Leidenschaft und Ausdauer: „Sei wie eine Briefmarke. Bleib´ dran, bis Du am Ziel bist“ (Dirk Eilert).

Der Vortrag von Daniel Melle auf dem Autorentag 2018 wurde von Jörg Schmidt zeichnerisch festgehalten.

10.000 Exemplare ist ja auch ein ambitioniertes Ziel. Und wenn es erst einmal ausgesprochen ist, schafft das auch einen gewissen Druck. Doch schon die Gespräche mit Mitautoren ermutigten mich dazu, das Projekt weiterzuverfolgen und damit an die „Öffentlichkeit“ zu gehen. „Sei als Autor mutig!“ und „Unterstützt euch als Autoren gegenseitig“ (Daniel Melle).

Die Ankündigung für den Autorentag 2020 ist nun Anlass, anderen von meinem Vorhaben zu erzählen, also „mutig zu sein“ und gleichzeitig die Bitte zu formulieren, mich dabei zu unterstützen.

Wer mag, kann also gern z.B. (m)einen Post auf Facebook weiterleiten, das Buch auf Xing empfehlen oder eine Information im eigenen Blog bzw. Newsletter veröffentlichen. Oder mir einfach „nur“ die „Daumen drücken“.

Ich freue mich auf den nächsten Autorentag, auf dem ich auch gern berichte, was aus meinem Vorhaben geworden ist.

Haben Sie vielen Dank, Herr Schmidt!

 

Jakob Derbolowsky (1947-2019)

Jakob Derbolowsky

Wir erhielten die traurige Nachricht, dass unser Autor Dr. Jakob Derbolowsky im Alter von 72 Jahren verstorben ist. Mit ihm verbindet uns eine langjährige Zusammenarbeit. Insgesamt erschienen bei Junfermann fünf Titel von ihm, davon vier in Co-Autorenschaft mit seinem Vater, Udo Derbolowsky.

Jakob Derbolowsky studierte zunächst Humanmedizin und wurde Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe. Nach Tätigkeiten am Max-Planck-Institut für Psychiatrie (München) und später als wissenschaftlicher Assistent an der I. Universitäts-Frauenklinik München arbeitete er als niedergelassener Frauenarzt bis in die frühen 1990er-Jahre. Er absolvierte zahlreiche Zusatzausbildungen und wurde Psychotherapeut und Umweltmediziner. 1988 übernahm er zudem die Leitung der von seinem Vater Udo Derbolowsky gegründeten „Privaten Akademie für Psychopädie“.

1997 erschien bei Junfermann das erste Buch von Udo & Jakob Derbolowsky. Es hatte den provokanten Titel „Wer mich nicht liebt, ist selber schuld“. Im Untertitel wurde jedoch klar, worum es eigentlich ging: „Psychopädie: Hilfen für einen partnerschaftlichen Umgang“. Jakob Derbolowsky war ein regelmäßiger Besucher an unserem Stand auf der Frankfurter Buchmesse und nahm auch an anderen Veranstaltungen des Verlags teil. Er suchte das Gespräch und ein partnerschaftlicher Umgang war ihm wichtig. Mit unserem ehemaligen Verleger Reinhard Martini teilte er außerdem eine große Leidenschaft: das Golfspiel.

2001 erschien bei uns das erfolgreichste Derbolowsky-Buch: „Liebenswert bist du immer. So schützen Sie Ihre seelische Gesundheit. Psychopädie“. Es wurde mehrfach nachgedruckt und mehr als 12.000 Exemplare wurden verkauft. Der Aspekt der seelischen Gesundheit wurde in der 2018 erschienen überarbeiteten Neuauflage noch stärker betont: Der Untertitel wurde zum neuen Haupttitel. [Cover]

Dass es um Jakob Derbolowskys körperliche Gesundheit nicht zum allerbesten stand, wussten wir schon einige Zeit. Die Nachricht von seinem Tod kam dennoch überraschend.

Von richtigen Zeiten und richtigen Orten: Die Frankfurter Buchmesse 2019

Der Messemittwoch ist normalerweise ein ganz guter Tag, um sich auf den üblichen Frankfurter Trubel einzustimmen: Es sind noch nicht ganz so viele Menschen unterwegs, alle müssen sich erst finden. Das sieht am Donnerstag schon ganz anders aus. Und wenn man erst am Donnerstag anreist, kommt man ohne Vorglühphase mitten ins Gewühl. Am Junfermann-Stand herrscht Hochbetrieb. Es ist kaum möglich, die Tasche abzustellen, das Namensschild anzustecken – und die grüne Schleife.

Warum eine grüne Schleife? Sie ist das Symbol des Welttags der psychischen Gesundheit (10. Oktober) und soll auf die Problematik psychischer Erkrankungen aufmerksam machen und gleichzeitig zu deren Destigmatisierung beitragen. Wir Junfermann-Mitarbeiter*innen hatten verabredet, diese Schleife während der Buchmesse zu tragen, und werden auch häufig darauf angesprochen.

Doch weiter zum Messegeschehen: Dass unsere Autorin Fabienne Berg uns besucht, ist inzwischen zum schönen Ritual geworden. Und da wir 2020 ein neues Buch mit ihr machen, gibt es auch einige Dinge zu besprechen. Auf die Lange Bank, das neue Buch von Annette Bauer, ist pünktlich zur Messe erschienen. Als sie

Annette Bauer und Tanja Peters

sich dann mit Ruth Urban und Tanja Peters zu unserem Stand durchgearbeitet hat, ist die Freude groß, es im Regal stehen zu sehen.

Am Freitag mache ich mich gleich morgens auf den Weg zu meinen beiden langjährigsten Messe-Kontakten. Ich besuche Dorothy Smyk, Foreign Rights Director von New Harbinger, und anschließend Kathy Kuehl von Guilford Press. Seit Jahren versuche ich darauf hinzuwirken, dass die beiden mich mal am Junfermann-Stand besuchen kommen. Aber beide sind während der Messe immer derart durchgetaktet, dass kaum Zeit neben den Terminen bleibt. Kathy hat es mehrfach wirklich vorgehabt, aber unterm Strich ist dann doch nichts daraus geworden. Als sie mir in diesem Jahr wieder einen Besuch in Aussicht stellt, freue ich mich, aber ich glaube nicht so richtig daran.

Nicole Grün (links) besucht uns am Messestand

Bei Junfermann haben wir an diesem Tag noch Besuch von Nicole Grün. Sie ist Mimikresonanz-Trainerin und schreibt an einem Buch, das im nächsten Frühjahr bei uns erscheinen soll. Und dann erfahre ich: Kathy hat es in diesem Jahr tatsächlich geschafft. Sie war da – und ich nicht. „Maybe we are passing each other like two ships in the night“, hatte sie am Morgen noch gemeint. Und genauso ist es dann wohl auch gekommen. Ich war zur richtigen Zeit am falschen Ort.

Der Messe-Samstag bringt in diesem Jahr eine Neuerung mit sich: Wir dürfen Bücher an Messebesucher verkaufen. Es ist normal, dass an den Publikumstagen Samstag und Sonntag die Besucherzahlen steil nach oben gehen.Die Gänge sind voll und es gibt kein Durchkommen mehr – ein gewohntes Bild. Dass der Andrang jedoch noch steigerungsfähig ist, zeigt sich an diesem Messe-Samstag. Stehe ich auf der Standfläche, bin ich den Menschen im Weg, die sich unsere Bücher anschauen wollen. Stehe ich auf dem Gang, bin ich auch im Weg … Hier gibt es einfach keinen richtigen Ort für mich. Also weg von hier und Gläser nach nebenan bringen, in die Klett-Cotta-Teeküche. Auch dort ist es voll am Stand und auf dem Rückweg hält mir eine Frau einen Fantasyroman entgegen: „Können Sie mir sagen, für welches Lesealter dieses Buch ist?“ Auch hier bin ich wohl falsch, und deswegen versuche ich es mit dem Balkon von Halle 3.1: Luft schnappen und am Imbissstand ein Brötchen kaufen. Natürlich muss ich mich in eine lange Schlange einreihen, in der es nur langsam vorwärts geht. Hinter mir unterhalten sich ein Mann mit skandinavischem Akzent und eine Frau. Sie sprechen über Kinderbücher und an einer Stelle drehe ich mich spontan um und gebe einen Kommentar ab. „Arbeiten Sie auch in einem Verlag?“, fragt mich die Frau. „Ja, bei Junfermann“, sage ich. Darauf sie: „Ist nicht wahr! Mit Junfermann muss ich unbedingt sprechen.“ Und mit Kaffee und Brötchen finden wir dann tatsächlich eine etwas ruhigere Ecke, und ich erfahre, was sie von mir bzw. von Junfermann möchte. Was das ist, wird hier nicht verraten. Aber ich habe an diesem Tag erstmals das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Engagierte Anwältin für Schwiegerkinder: Ruth Gall (1954-2018)

2007 hatte ich erstmals Kontakt mit Ruth Gall. Sie berate seit über zehn Jahren Frauen, die Probleme mit ihrer Schwiegermutter hätten. Und das seien viele. Sie nannte die beeindruckende Zahl von 90.000 Beratungsfällen. Für die meisten sei es gut, überhaupt einmal mit jemandem zu diesem so belastenden Thema telefonieren zu können. Außerdem habe sie ein gut besuchtes Forum für Betroffene eingerichtet.

Und natürlich ging es ihr um ein Buchprojekt, das wir 2008 unter dem Titel Wege aus der Schwiegermutter-Falle realisierten.

Ruth Gall war zunächst selbst Betroffene, bevor sie sich auf den Weg machte, anderen zu helfen. Schon früh suchte sie Kontakt mit Frauen, denen es genauso ging wie ihr, und machte die Erfahrung, wie wichtig Austausch und Vernetzung sind. Als aus der anfänglichen Selbsthilfe ein Hilfeangebot für andere wuchs, war ihr wichtig, das Thema „Probleme“ mit der Schwiegermutter“ aus der Tabuzone zu holen. Viele Betroffen – so ihre Erfahrung – schämen sich und schweigen deshalb. Auf der einen Seite gibt es das „Feindbild Schwiegermutter“, auf der anderen das „hilflose Opfer Schwiegertochter“. Ruth Gall war immer daran gelegen, pauschale Schuldzuweisungen zu vermeiden und genau aufzuzeigen, wo die Verantwortlichkeiten liegen. Künftige Generationen, so ihr Wunsch, sollten möglichst ohne die von ihr so oft beobachteten Störungen im Verhältnis Eltern-Kind aufwachsen. Um dann „bessere“ Schwiegereltern, aber auch „bessere“ Schwiegerkinder zu werden.

Aus der ganz aktiven Arbeit hatte sich Ruth Gall aus gesundheitlichen Gründen schon vor einigen Jahren zurückgezogen. Was bedauerlich war, denn gebraucht wurde sie mit ihrer großen Expertise an allen Ecken und Enden. Das merkten wir als Verlag, wenn uns Kontaktwünsche erreichten. Oft waren es auch Medienvertreter, die sie gerne als Expertin in einer Talkrunde gehabt hätten.

Von ihrem Mann erfuhren wir jetzt, dass sie im Dezember 2018 gestorben ist, an dem Ort, an dem es ihr gesundheitlich wenigstens einigermaßen gut ging, wie sie es mir einmal selbst am Telefon erzählt hatte.

Gedenken an Fritz Wandel

Wie wir erst kürzlich erfahren haben, ist im Sommer 2018 unser Autor Fritz Wandel nach längerer Krankheit verstorben.

Ich hatte meinen ersten Kontakt mit Fritz Wandel im Jahr 1993. Ich arbeitete mich gerade in meine Aufgaben bei Junfermann ein, und eine davon war die Betreuung der „Zeitschrift für Transaktionsanalyse“, damals noch mit dem Zusatz: „in Theorie und Praxis“. Der Herausgeber war Fritz Wandel. Mit ihm telefonierte ich fortan regelmäßig über Abgabe- und Drucktermine und nicht immer schafften wir es, die damals optisch noch sehr schlichten Heftchen pünktlich zum Quartalsende herauszubringen. Nicht selten klagte er über Autoren, die Termine nicht einhielten oder Texte, die nicht publikationsreif waren. Und doch haben wir es immer wieder geschafft, lesenswerte Hefte zu produzieren. Bis 2001. Dann übergab Fritz Wandel die Herausgeberschaft an Ulrike Müller und unser regelmäßiger Kontakt schlief für einige Jahre ganz ein.

Es muss so 2009 gewesen sein, als er sich nach längerer Zeit bei mir meldete. Schon früher hatte er immer mal wieder über Schreibvorhaben und Buchideen gesprochen. Und nun war eine konkret geworden, die er gemeinsam mit seiner Frau Ingrid Wandel realisieren wollte. Bis ein Manuskript vorlag, dauerte noch ein wenig, aber im Dezember 2011 erschienen tatsächlich die Alltagsnarzissten. Dem ging eine sehr angenehme Zusammenarbeit voraus. Mir machte es große Freude, das Manuskript zu lektorieren und Fritz Wandel äußerte sich sehr wertschätzend über mein Lektorat. Ich hätte „das Kindlein schön gemacht“; das war sein Bild dafür. Und glücklicherweise fanden auch viele Leserinnen und Leser das „Kindlein“ schön, denn das Buch wurde ein Erfolg.

In unseren Telefonaten erzählte Fritz Wandel auch immer gerne über seinen friesischen Bauernhof, auf dem er seit einigen Jahren mit seiner Frau lebte. Unter anderem züchtete er dort Schweine, von denen auch das eine oder andere Foto seinen Weg in mein Postfach fand. Es gab außerdem Ideen für ein neues Buch, mit dem es aber nicht so recht vorwärts ging. Irgendwann blieben die Telefonate aus, was mir in der Hektik des Alltags erst gar nicht so richtig auffiel. Im Hinterkopf war zwar öfter der Gedanke da: „Du musst mal nachhaken.“ Aber wie so oft … ist es einfach unterblieben, weil es da immer Dringlicheres gab.

Mich hat die Nachricht, dass Fritz Wandel gestorben ist, sehr getroffen. Wenn jemand über einen so langen Zeitraum einfach immer da gewesen ist, dann nimmt es irgendwann für selbstverständlich, dass er auch in Zukunft da sein wird und man zu jedem beliebigen Zeitpunkt den Kontakt wieder aufnehmen kann. Dieser Kontakt ist leider nicht mehr nur unterbrochen, sondern abgebrochen.

 

 

Wie oben bereits erwähnt, übernahm Ulrike Müller 2001 die Herausgeberschaft der Zeitschrift für Transaktionsanalyse. In der Ausgabe 1-2019 wird ein Beitrag von ihr erscheinen, den wir mit freundlicher Genehmigung auch hier veröffentlichen dürfen.

 

Meine sehr persönliche Erinnerung an Fritz Wandel

Von Ulrike Müller

 

Fritz Wandel war von Anfang an dabei, als ich mich dazu entschieden hatte, in Konstanz eine Weiterbildung in Transaktionsanalyse bei Ingrid Wandel anzufangen. Immer war er in existentialistisches Schwarz gekleidet. (Der schwarze Rollkragenpullover war in den 1960er- und auch noch in den 1970er-Jahren für unsere [Nachkriegs-]Generation das Erkennungszeichen des Intellektuellen, der in Debattierklubs und verräucherten Kellern über die Weltläufe debattierte. Man verglich sich auch schon mal mit Sartre und konstatierte sich selbst die entsprechende Gedankentiefe.) So war Fritz‘ Erscheinung zuerst einmal vertraut und in meinen Bezugsrahmen einzuordnen. Fritz hielt sich meistens apart.

Wenn wir Weiterbildungskandidaten Pause machten, mussten wir zuerst durch das kleine Zimmer, das direkt neben dem Gruppenraum lag, bevor wir in die Küche kamen. Dort saß Fritz in der Regel und spielte auf einem seiner exotischen Saiteninstrumente, von denen einige an der Wand hingen. Immer schaute er ganz verschreckt auf, so als wäre er ganz versunken gewesen und käme von weit her.

Wenn er nicht dort saß, war er auf der Höri, einer Halbinsel am Bodensee, bei seinen Pferden. Manchmal war er überhaupt verreist. Dann sagte Ingrid: „Er ist bei seinen polnischen Verwandten und trinkt sie alle unter den Tisch.“

Das waren eigentlich schon zu viele Facetten für eine Person. Ein stummer, in sein Saitenspiel versunkener Intellektueller; ein Mann, der die Gepflogenheiten eines polnischen Landadeligen hatte. (Bilder, die mich beschäftigten, ohne dass ich je auf die Idee gekommen wäre, nachzufragen: Wo kommst du her, was ist deine Geschichte?)

Ab und an musste er Ingrid vertreten. Dann war er wach, zugewandt, witzig. Oft spielte auch ein feinsinniges Lächeln um seine Lippen (nie spöttisch); es war aber klar, dass er mit dem, was da grade gesprochen wurde, nicht übereinstimmte. Komplizierte Sachverhalte konnte er gut erklären. Er war ja auch promovierter Altphilologe und am Institut für Lehrerfortbildung tätig. Schon damals interessierten mich frühe Störungen, nicht zuletzt, weil mein erster Klient eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hatte. Während eines Weiterbildungswochenendes mit Fritz (das kam hin und wieder vor, wenn Ingrid verhindert war) empfahl er mir „Borderline-Störungen und pathologischer Narzissmus“ (1975) von Otto Kernberg. Das war das erste Buch von Kernberg, in dem er sich mit der Thematik auseinandersetzte und den Begriff Borderline-Störung prägte; noch ganz im Stil einer akademischen Wissenschaftssprache geschrieben und in mikroskopisch kleiner Schrift als Suhrkamp-Taschenbuch veröffentlicht.

Tapfer arbeitete ich mich durch die mir völlig unbekannte Sprache und das fremde Genre. Dass Fritz mir, der Nicht-Klinikerin, der Philologin und Pädagogin, eine solche Lektüre zutraute (als einziger der Gruppe), empfand ich wie einen Ritterschlag, eine ungeheure Anerkennung. In diesem Austausch begegneten wir uns immer wieder. Als ich meinen ersten Artikel für die ZTA schrieb (damals noch die kleinen bonbonfarbenen Hefte; aber eben doch unsere Zeitschrift), nahm Fritz sich einen ganzen Abend Zeit, um mir zu erklären, was ich ändern müsste und worauf es ankam. So erschien mein erster Artikel 1994 in der ZTA, mit Geburtshilfe von Fritz.

Und dann wurde seine Frau krank; und er war gefordert in der Pflege und seelischen Unterstützung von Ingrid. So suchte und fand er in mir eine Nachfolgerin, die in seinem Sinn die Herausgeberschaft der Zeitschrift fortführen würde. Dafür bin ich ihm sehr dankbar! Mit dieser Aufgabe kann ich meine philologischen und wissenschaftlichen Interessen pflegen, die ja auch immer noch zu mir gehören.

Solange Fritz und Ingrid in Konstanz lebten, habe ich sie ab und zu besucht. Aber Freiburg ist doch zu weit weg von Westfriesland für einen Nachmittagsbesuch. So bleibt die Erinnerung an Fritz als meinen Förderer über das übliche Maß hinaus, gerade, weil er mir so viel zugetraut hat und ich diesem gerecht werden wollte.

In diesem Sinne betrachte ich die Herausgeberschaft der ZTA als sein Vermächtnis, dem gerecht zu werden, ich mich jedes Mal aufs Neue bemühe.

Wiedersehen mit Susann Pásztor

Foto: Sven Jungtow

November 2018: Susann Pásztor kommt nach Bielefeld, um aus ihrem Roman Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster zu lesen. Die Hauptfiguren sind eine Sterbende und ihr Sterbebegleiter – auf den ersten Blick also nicht ganz so leichte Kost. Aber eine gelungene Umsetzung in Romanform; dafür spricht nicht zuletzt der Evangelische Buchpreis, den Susann Pásztor für dieses Buch erhalten hat.

Doch nicht allein der Preis und das Thema motivieren mich, die Lesung in der Johannesstift-Kapelle zu besuchen. Für mich als Junfermann-Mitarbeiterin ist Susann Pásztor eine alte Bekannte, die ich im Lauf der Jahre in vielen verschiedenen Rollen erlebt habe.

Ende der 1990er-Jahre trat sie erstmals in Erscheinung als Layouterin eines Buchs: Musik, Magie & Medizin, herausgegeben von Lutz Berger. Als einige Jahre später unsere Zeitschrift Multimind ein Facelifting erhalten sollte, war wieder Susann Pásztor mit ihrem Know-how zur Stelle. Es blieb aber nicht beim Layout, denn sie zeigte sich auch inhaltlich als sehr kompetent und übernahm bald die Chefredaktion. Aus Multimind wurde 2006 Kommunikation und Seminar. Die Chefredakteurin war aber weiterhin Susann Pásztor.

Und sie gehörte bald auch zur Riege unserer Autorinnen und Autoren, denn im Jahr 2004 erschien ihr erstes Junfermann-Buch: Ich höre was, das du nicht sagst, über Gewaltfreie Kommunikation in der Paarbeziehung. Das Buch ist nach wie vor bei uns im Programm und mit fast 40.000 verkauften Exemplaren ein echter Bestseller.

Es folgten ein weiteres Buch – Mach doch, was du willst – und eine weitere Rolle. Nachdem sie als Autorin erfolgreich in die Welt der Gewaltfreien Kommunikation eingestiegen war, übersetzte Susann Pásztor nun auch GFK-Bücher, z.B. Die Sprache des Friedens sprechen von Marshall Rosenberg oder Das Respektvolle Klassenzimmer von Sura Hart und Victoria Kindle Hodson. Als ich einen neuen Übersetzungsauftrag anbieten wollte – es muss so 2008 oder 2009 gewesen sein –, lehnte sie mit großem Bedauern ab. Übersetzen mache ihr so viel Spaß, aber nun sei es endlich Zeit, sich um ihren Roman zu kümmern …

Ich kenne einige Menschen, die einen Roman schreiben wollen. Dass Susann Pásztor nicht zu diesen Menschen gehört, merkte ich spätestens, als im Jahr 2010 eine Ausgabe des Börsenblatts des deutschen Buchhandels auf meinem Schreibtisch landete, auf dem Cover mit einer Werbung für einen bei Kiepenheuer & Witsch neu erschienenen Roman: Ein fabelhafter Lügner – von Susann Pásztor. Es folgte einige Jahre später Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts und schließlich 2017 der Roman, aus dem sie in Bielefeld lesen will.

Ich komme in eine schon gute gefüllte Kapelle und sehe sie sofort. Auch Susann Pásztor erkennt mich auf Anhieb. Wir tauschen vor der Lesung noch schnell ein paar Worte aus. Und dann ist es auch schon Zeit für die einleitenden Worte der Veranstalterin. Ich bin gespannt auf die Lesung, kenne das Buch noch nicht. Sie weiß, worüber sie schreibt, denn sie hat selbst eine Ausbildung als Sterbebegleiterin gemacht und Sterbende begleitet. U.a. deshalb gelingt es ihr wohl, das Thema ernst zu nehmen und trotzdem unverkrampft darüber zu schreiben. Ihr Publikum jedenfalls kann sie begeistern und es folgen im Anschluss an die Lesung viele Fragen.

Dieses Buch sei ein echter Überraschungserfolg, hat mir Susann Pásztor verraten. Sie werde ständig für Lesungen angefragt. Aber nun sei es endgültig Zeit, an den Schreibtisch zurückzukehren, denn Roman Nummer 4 müsse fertig werden …

Nachtrag: Ich habe inzwischen Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster gelesen – und ich empfehle es!

„Haben Sie es auch originalverpackt?“ – Brauchen Bücher Plastikfolien?

Um meine oben gestellt Frage gleich selbst zu beantworten: Nein, Bücher brauchen keine Folie. Auch ohne Plastikumhüllung sind sie vollständig, kein bisschen Inhalt geht verloren, wenn ein Buch nicht eingeschweißt ist. Es bekommt vielleicht ein paar Macken, weist einige Gebrauchsspuren auf …

Und genau hier liegt der Hase wohl im Pfeffer: Wir sind es gewöhnt, makellose Waren vorzufinden: Äpfel ohne Flecken, gerade gewachsene Möhren und Bücher mit unversehrtem Schutzumschlag. Moment – was für ein Umschlag? Ja, der Schutzumschlag war ursprünglich dafür gedacht, den empfindlichen Einband zu schützen. Er war meistens ganz schlicht, also mehr eine Art prähistorische Plastikfolie und gar nicht so sehr Bestandteil des Buches.

Doch wann hat man eigentlich angefangen, einen Schutz um den Schutzumschlag zu legen? Hier kenne ich kein genaues Datum, vermute aber mal, dass in den 1970er-Jahren passiert sein muss, mit der zunehmenden Verbreitung von Plastikverpackungen. Seit dieser Zeit kaufe ich selbst aktiv Bücher und kenne von Anfang an die Folien.

In den 1980er-Jahren wurden viele Menschen umweltbewusster. Für Bücher ohne Folie hat es aber nicht gereicht. Ich arbeitete damals als Buchhändlerin und alle Kunden wollten Plastik. „Haben Sie dieses Buch auch originalverpackt?“ lautete eine Frage, die mich durch meinen Arbeitstag begleitete. Ich erinnere mich aber auch, dass es damals bereits Verlage gab, die dem Plastikwahn den Kampf ansagten und auf die Folie verzichteten. Da hatten sie die Rechnung aber ohne die Kunden gemacht, die eisern nach eingeschweißten Büchern verlangten. Die „nackten“ Bücher entwickelten sich zu Ladenhütern, ebenso wie ihre im Laden selbst ausgepackten Brüder und Schwestern. Und was tut man als Buchhandlung, um es König Kunde rechtzumachen? Richtig, man legt sich ein Einschweißgerät zu …

In den 1990er-Jahren kam dann die Verpackungsverordnung, die für mehr Recycling und geringere Müllmengen sorgen sollte. Wie die Geschichte ausgegangen ist, wissen wir alle, oder? Die Menge der Verpackungen wurde keineswegs verringert, gelbe Säcke aus Deutschland waren bald in aller Welt zu finden und auf den Ozeanen wurden erste künstliche Inseln gesichtet.

Dass es nicht so weitergehen kann, haben inzwischen hoffentlich viele Menschen begriffen, wird doch immer deutlicher, wohin unser unkritischer Plastikkonsum führen wird. Schon jetzt belastet Mikroplastik unser Wasser und auch unsere Luft. Und da sich Kunststoffe kaum zersetzen, sind andere Langzeitfolgen vorprogrammiert.

Im Moment gibt es tatsächlich etwas wie eine Anti-Plastik-Stimmung. Erstmals sind Verlage, die ihre Bücher nicht in Folie einschweißen, keine belächelten Sonderlinge mehr. Liest man die Meldungen in der Branchenpresse, dann ist Nicht-Einschweißen auf dem besten Weg, zum Mainstream zu werden. Und weil man nicht grundsätzlich gegen jeden Strom schwimmen muss, verzichtet auch Junfermann ab sofort bei allen neu gedruckten Büchern auf die Folie. Mit Büchern, die kleine Macken haben, können wir wohl ganz gut leben. Mit von Plastik verseuchten Meeren wohl eher nicht.

Malwand und Toilettenspiegel: Die Frankfurter Buchmesse 2018

„Wo ist denn das Buch vom Firmenklo?“ So oder so ähnlich wurden wir in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse immer wieder angesprochen. Die Fragenden gaben auf diese Weise eines preis: Sie waren gerade auf einer der Toiletten in Halle 3.1 gewesen und hatten beim Händewaschen dieses Bild vorgefunden:

Uns zeigt das: Werbung kann sehr wirksam sein, vor allem dann, wenn die Platzierung so stimmig ist. Konstanze Wortmanns Buch „Letzte Zuflucht Firmenklo?“ fand auf diesem Weg jedenfalls große Aufmerksamkeit. BuchMarkt-Kolumnist Matthias Mayer berichtete im „Messe-Mayer“ darüber, in den sozialen Medien fanden sich Selfies vorm Toilettenspiegel und die Neue Westfälische titelte: „Paderborn auf dem Klo“.

Eine andere Besonderheit fand sich am Messestand selbst. Passend zu unserer Neuerscheinung „You Are Here“ von Jenny Lawson hatten wir eine große Malwand anbringen lassen, mit einem Motiv aus dem Buch und viel Freiraum zum Selbstmalen. Kreide lag bereit und nach und nach füllte sich die Fläche, mit Zeichnungen und Kommentaren, wie: „Immer wieder schön hier.“ – Wenn das so ist, dann müssen wir wohl im nächsten Jahr wiederkommen!

Austausch und was Süßes: Wir besuchen den Kamphausen-Verlag

Alles begann bei einem Regionaltreffen des Börsenvereins, das im Juni in unseren Räumen in Paderborn stattfand. Zu den Gästen gehörten auch Mitarbeiter/innen des Bielefelder Kamphausen-Verlages. Und im Laufe des Abends entstand der Eindruck: Junfermann und Kamphausen haben doch einiges gemeinsam. Vielleicht sollte man diesen Kontakt vertiefen und zu einem längeren Austausch zusammenkommen?

Gesagt, getan. Irgendwann fand sich tatsächlich ein Termin, und so begab es sich dann, dass das Junfermann-Team sich am 25. September auf den Weg von Paderborn nach Bielefeld machte: „Coching fürs Leben“ (Junfermann) trifft „Bücher zum Sein“ (Kamphausen). In einer schönen Stadtvilla hat Kamphausen Media seine Räume, durch die wir als erstes geführt wurden. Zum eigentlichen Austausch fanden wir uns dann im Besprechungsraum, einem Wintergarten zusammen.

Beide Verlage würden schon in demselben Themenspektrum arbeiten, wobei Kamphausen etwas spiritueller ausgerichtet sei als Junfermann, so Verleger Joachim Kamphausen. Aber auch in der Verlagsgeschichte zeigen sich Unterschiede. So ist Junfermann, 1659 gegründet, einer der ältesten Verlage Deutschlands. Seit 2011 befindet er sich unter dem Dach der Klett-Gruppe. Die Ursprünge von Kamphausen Media gehen auf die 1980er-Jahre zurück, als Joachim Kamphausen mit zwei Freunden einen Verlag gründete. Zu den ersten Produkten gehörten Reflexzonen-Karten in Scheckkartengröße; sie sind bis heute im Programm. Mit den Jahren wuchs der Verlag, u.a. auch durch Übernahmen anderer Verlage aus dem spirituellen Bereich, wie Aurum, Lüchow oder Theseus. Diese Imprints haben eigene Themen und Zugänge, aber im Lauf der Zeit ändert sich hier auch mal was. So finden sich beispielsweise im eigentlich klar buddhistisch ausgerichteten Theseus-Programm jetzt auch Yoga-Bücher.

Nach vielen Informationen (Kopfnahrung) gab es einen Imbiss (Bauchnahrung), der gekrönt wurde von schön anzusehenden und köstlichen Kuchenteilchen.

Unser Fazit: Das Treffen war geprägt von großer Offenheit. Wir sehen uns nicht so sehr als Konkurrenten, sondern schauen eher, was wir voneinander lernen können. Der Austausch soll weitergehen.

Herz und Verstand. Zum Tod von Steve Andreas

„My feelings for Steve have always been love, appreciation, respect and gratitude. He positively touched the lives of many people in this world, including mine.” – Robert Dilts

 

Steve Andreas ist am 7. September 2018 im Alter von 82 Jahren gestorben. Als wichtiger Wegbereiter des NLP hat er, meistens zusammen mit seiner Frau Connirae Andreas, zahlreiche Bücher verfasst, von denen die meisten in deutscher Übersetzung bei Junfermann erschienen sind. Doch er war nicht nur Autor, sondern auch Verleger. 1967 gründete er den Verlag „Real People Press“, weil er ein Buch seiner Mutter Barry Stevens herausbringen wollte, das diese gemeinsam mit Carl Rogers geschrieben hatte: „Von Mensch zu Mensch“.

Steve Andreas hatte ursprünglich Chemie studiert und auch als Chemiker gearbeitet. Danach absolvierte er ein Psychologiestudium und war als Dozent an einem College tätig. Er lernte Fritz Perls kennen, widmete sich der Gestalttherapie und brachte Bücher von Perls heraus.

In den 1970er-Jahren beschäftige er sich zunehmend mit NLP und gründete mit seiner Frau Connirae „NLP Comprehensive“, eines der ganz wichtigen Weiterbildungsinstitute auf diesem Gebiet. Auch verlegerisch förderte er seither das NLP. Bei Real People Press erschienen Bücher von Bandler und Grinder, aber auch eigene Werke. Mit Charles Faulkner gab er in den 1990er-Jahren den Band „NLP – The New Technology of Achievement“ heraus, deutsch: „Praxiskurs NLP“.

Neben Richard Bandler, John Grinder und Robert Dilts kann man Steve Andreas mit Recht zu den „Großen“ im NLP rechnen. Sein langjähriger Freund und Weggefährte Robert Dilts schrieb, sie seien sich auf fachlicher Ebene nicht immer einig gewesen, aber aufgrund ihrer tiefen Freundschaft hätten sie immer offen damit umgehen können.