NLP kennenlernen im Webinar

Einmal im Jahr treffe ich ihn persönlich, und zwar auf der Frankfurter Buchmesse: Stephan Landsiedel, der mit seinem Motto „NLP für alle“ Einsteigerseminare in die Welt des NLP anbietet, aber auch komplette Ausbildungen bis hin zum Advanced Master für alle, die dann „Blut geleckt“ haben und sich weiter mit NLP beschäftigen möchten.

Er erzählte mir diesmal von einem interessanten Angebot: Mit der Vision, Weiterbildung für jeden – von überall – zugänglich zu machen, ist im Juli  bei Landsiedel NLP die „Webinar Akademie“ gestartet.

Jeden Dienstagabend von 20:00 bis ca. 21:15 Uhr gibt es ein kostenfreies Webinar zu ständig wechselnden Themen. Bei den sogenannten Webinaren handelt es sich um Online-Seminare, die in einem virtuellen Seminarraum stattfinden. Zugegen sind ein NLP-Lehrtrainer und viele andere Teilnehmer. Während der Referent seine Präsentation hält, können auftretende Fragen im Chat oder per Mikrofon gestellt werden.

Die Themen sind sehr breit gefächert und so ist für jeden mit Sicherheit das Richtige dabei. Das gute dabei: die Webinare sind kostenlos und so können Sie erst mal ins Thema reinschnuppern – und das bequem von zuhause.

Interessenten können sich auf der Webinar-Übersichtsseite über Termin und Thema der einzelnen Webinare informieren und im Anschluss direkt anmelden. Zu den Webinaren werden Aufzeichnungen erstellt, die man einen Tag später online abrufen kann.

30 Jahre Institut Kutschera – wir gratulieren!

Gerade lese ich, dass Dr. Gundl Kutschera in diesem Jahr den 30. Geburtstag ihres Instituts feiert. Und ich rechne nach: Fast 20 Jahre ist sie inzwischen auch schon unsere Autorin. 1994, also vor 18 Jahren, erschien die erste Auflage ihres Buches „Tanz zwischen Bewusst-sein und Unbewusst-sein : NLP-Arbeits- und Übungsbuch“.

Die 1990er-Jahre waren die große Zeit des NLP und entsprechend NLP-lastig gestaltete sich auch das Junfermann-Programm. Doch Gundl Kutscheras Buch war nicht ein weiterer x-beliebiger NLP-Titel auf unserer Liste, denn schließlich galt die Verfasserin schon damals als die Grande Dame des deutschsprachigen NLP. Sie hatte an der ersten Ausbildungsgruppe mit John Grinder und Richard Bandler – den Begründern des NLP –, teilgenommen und war die erste NLP-Lehrtrainerin in Europa. Und 1982, vor 30 Jahren also, gründete sie das erste deutschsprachige NLP-Trainingsinstitut.

Gundl Kutschera

Ich erinnere mich noch gut an Gundl Kutscheras Besuch an unserem Stand auf der Frankfurter Buchmesse, wo wir das Erscheinen ihres Buches gefeiert haben. Und im darauffolgenden Jahr, also 1995, gehörte sie zu den Referenten des ersten Junfermann-Kongresses.

Gundl Kutschera hat NLP weiterentwickelt, zur „Resonanz-Methode“, indem sie wirksame Bestandteile aus anderen methodischen Ansätzen integrierte. In den 1990er-Jahren erschienen im Rahmen einer neu kreierten Resonanz-Buchreihe weitere Titel von ihr bei Junfermann.

An dieser Stelle gratulieren wir ganz herzlich zum Instituts-Jubiläum und wünschen Gundl Kutschera noch viele erfolgreiche Jahre.

Wozu ist Zeitmanagement gut?

Ich bin überhaupt keine Freundin von Tabellen, Checklisten oder Planungsübersichten. Solche Vokabeln sind es, die ich mit dem Begriff Zeitmanagement verbinde und ich frage mich: Brauche ich das? Irgendwie gelingt es mir doch immer, auch ohne planerische Instrumente meinen Alltag zu bewältigen. Außerdem lässt sich einfach nicht alles planen. Vielleicht besteht für mich das beste Zeitmanagement ja darin, die Zeit, die mich beispielsweise das Aufstellen eines Tagesplanes kosten würde, für meine laufenden Projekte zu nutzen …

Vor mir liegt nun das Buch „Zeitmanagement für gestiegene Anforderungen“ von Zach Davis. Es ist frisch aus der Druckerei gekommen – und präsentiert mir auf dem Cover ein in eine Uhr implementiertes Tortendiagramm. Meine Vorurteile fühlen sich zwar bestätigt, aber trotzdem beschließe ich, ein wenig drin rumzublättern in diesem Buch. Es ist nach dem Frage-Antwort-Schema aufgebaut und wird mir so auf alle Fälle langatmige Abhandlungen ersparen. Ich kann also ganz gezielt nach den für mich interessanten Themenbereichen suchen – und vielleicht werde ich sture Zeitmanagements-Verweigerin doch noch eines Besseren belehrt

Gute Planung ist die halbe Miete – so ist das zweite Kapitel betitelt, das ich schon überblättern will, als ich auf folgende Frage stoße: Warum sind Tagespläne so schwer einzuhalten? – Das finde ich doch sehr interessant – und so lese ich in der Antwort: „Nicht jeder Tag ist gleich. Manchmal hat man sehr viele Unterbrechungen, etwa durch unerwartete Aufgaben bzw. Probleme. An anderen Tagen ist es ruhiger. Da es nicht jeden Tag dasselbe Ausmaß an Unerwartetem gibt, ist es schwer bis unmöglich, die richtige Menge an Pufferzeit einzuplanen. Natürlich gibt es hierzu Empfehlungen … Aber egal welche Zahl genannt wird: Sie greift zu kurz. Erstens sind Aufgabenbereiche sehr unterschiedlich, sodass keine pauschale Empfehlung für alle Bereiche zutreffen kann. Zweitens gestalten sich, wie bereits beschrieben, die einzelnen Tage ganz unterschiedlich. Was also tun?

Zunächst empfehle ich, den überwiegenden Anteil der Planung auf die Zeiteinheit ,Woche‘ zu beziehen. Im Klartext: Ich empfehle primär die Wochenplanung und weniger die Tagesplanung. Die Wochenplanung hat gleich mehrere Vorteile: Innerhalb einer Woche gleichen sich die Unterschiede der einzelnen Tage oft aus … Es ist also leichter, das realistische Pensum für eine Woche zu planen, als für einen Tag. Ein weiterer Vorteil der Wochenplanung ist: Die meisten Menschen sehen leichter das Wesentliche als bei der Tagesplanung. Letztere birgt eher die Gefahr, dass man in Aktionismus verfällt oder sich in zahlreichen unwichtigen Aufgaben verliert.“

Hm – gar nicht so dumm, denke ich. Aber wie mache ich eine gute Wochenplanung? – Fünf simple Schritte sollen mich dorthin

Zach Davis

führen. Ich zitiere wieder aus dem Buch:

„1. Aufgaben schriftlich fixieren. Dies ist nichts revolutionär Neues, aber immer wieder erlebe ich, dass Menschen sehr viel im Kopf planen.“ – Hier fühle ich mich direkt ertappt. Ja, ich bin eine große Im-Kopf-Planerin … Und der zweite Schritt baut direkt auf dem ersten auf: Es gilt, den zeitlichen Aufwand der einzelnen Aufgaben realistische einzuschätzen. Und ich werde auch gleich gewarnt: „Vorsicht: Die meisten Menschen unterschätzen die benötigte Zeit im Schnitt deutlich.“

 

Bei Schritt 3 werde ich zum „Clustern“ der Aufgaben aufgefordert: „Warum ist dies sinnvoll? Das Clustern hat gleich mehrere Vorteile: Sie gewinnen zunächst einen besseren Überblick. Hierdurch erkennen Sie Zusammenhänge und mögliche Synergieeffekte deutlich leichter.
Indem Sie zusammenhängende Aufgaben gemeinsam betrachten, haben Sie die wichtigsten Ziele besser im Auge und unterliegen weniger der Gefahr, sich in Einzelaufgaben oder gar in Stückwerk zu verlieren.“ Clustern bedeutet also ganz praktisch, dass ich Kategorien für meine einzelnen Aufgabenbereiche bilde und diesen einzelne Aufgaben und Tätigkeiten zuordne. Und ganz wichtig erscheint mir auch: „Diese Kategorien müssen Sie in der Regel nur einmal definieren, denn sie verändern sich meist nur dann, wenn sich Ihr Zuständigkeitsbereich wesentlich verändert. Haben Sie die Kategorien also einmal definiert, können Sie im Rahmen der Wochenplanung schnell und leicht damit arbeiten.“

Aus der Planung für eine Woche – so erfahre ich – ergibt sich häufig schon ein Stück Planung für die darauffolgende Woche, denn nicht alle Aufgaben lassen sich im Zeitraum einer Woche abschließen. Ich muss also gar nicht jede Woche komplett neue durchplanen, sondern ergänze und aktualisiere mein Planungsraster von Woche zu Woche.

Fehlen noch zwei Schritte. Diese empfiehlt Zach Davis nicht für alle in der Wochenplanung enthaltenen Aufgaben, sondern nur für die 3-5 wichtigsten.

Schritt 4 besteht in der EGAL-Methode. Ich zitiere wieder aus dem Buch:

–   „Ergebnis: Orientieren Sie sich für einen Augenblick weg von der Aufgabe und stellen sich die Frage: Was ist das gewünschte Ergebnis? Hierdurch erzielen Sie mehr Klarheit in Bezug auf das Ziel und richten Ihren Blick auf das Wesentliche.

–   Grund: Hinterfragen Sie zumindest kurz den Sinn der Aufgabe. Viele Aufgaben werden ohne einen guten Grund durchgeführt, oft aus Gewohnheit.

–   Aufgabe: Wenn Sie das anzustrebende Ergebnis klar definiert und den Grund hinterfragt haben, ist es durchaus möglich dass sich die Aufgabe selbst oder der Weg der Durchführung ändert. Manchmal stellt man fest, dass eine völlig andere Maßnahme wesentlich geeigneter ist, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen.

–   Leverage (Hebelwirkung): In einem letzten Schritt vor dem Losmarschieren empfehle ich Ihnen, sich Fragen zu stellen wie: Wie komme ich mit möglichst wenig Aufwand ans Ziel? Welche Teilaspekte der Aufgabe haben eine besonders große Hebelwirkung? Wenn ich mir die Mühe schon mache, kann ich hierdurch noch weitere positive Effekte erzielen? Seien Sie auch so weitsichtig, sich zu fragen, was Ihnen einen Strich durch die Rechnung machen könnte und was Sie tun können, um das zu verhindern.“

 

Schritt 5 besteht schließlich darin, den Zeitpunkt für das Erledigen der wichtigsten Aufgaben verbindlich zu fixieren. Und hier sollte man wirklich Zeit blocken und um die geblockte Zeit auch kämpfen, falls von außen neue Anforderungen kommen

 

Denke ich nun anders über das Thema Zeitmanagement? – Bisher ist es mir immer ganz gut gelungen, meine diversen Verpflichtungen und Termine zu jonglieren, ohne dass es zu Katastrophen gekommen ist oder wesentliche Projekte an mangelndem Zeit- oder Prioritätenmanagement gescheitert wären. Dennoch tut es von Zeit zu Zeit gut, sich „geordneter“ diesem Thema zuzuwenden. Allein die Tatsache, dass ich bestimmte Dinge immer auf eine bestimmte Weise erledigt habe, bedeutet nicht, dass dieser Weg der effektivste und beste ist. Weil wir mit ständigen Veränderungen zu tun haben, müssen wir auch unsere Strategien und Vorgehenswesen permanent anpassen. Und hier können Instrumente aus dem Zeitmanagement eine echte Hilfe sein. Und viele solcher hilfreichen Techniken werden in Zach Davis Buch gut nachvollziehbar beschrieben.

Die eigene Berufung finden – mit Quest 2.0

Vor acht Jahren erschien bei Junfermann die erste Auflage von Martin Weiss Buch „Quest – die Sehnsucht nach dem

Martin Weiss

Wesentlichen“. Angelehnt an das Konzept der Heldenreise von Joseph Campbell wird dort beschrieben, wie sich die Leserin oder der Leser auf einen Weg begeben kann, um Lebensziele zu identifizieren und umzusetzen.

Vor dem Buch gab es bereits ein begleitetes Online-Seminar, das man aus heutiger Perspektive wohl „Quest 1.0“ nennen muss. Mich hatten seinerzeit Konzept und Umsetzung sehr begeistert. Und weil ich wusste, dass das Lektorat des Buches auf mich zukommen würde, bot es sich förmlich an, in diesem speziellen Fall ganz tief in die Materie einzusteigen und mich selbst auf meinen Weg zu machen. Wer jetzt erwartet, das ich ausführlich darüber berichte, was mir auf diesem Weg alles begegnet ist und wie sich das im Einzelnen auf mein weiteres Leben ausgewirkt hat, den muss ich leider enttäuschen; dafür ist vieles einfach zu persönlich. Aber ich kann wirklich sagen, dass Quest etwas für mich bewegt und dass es mein Leben bereichert hat. Es hat mir dabei geholfen, bestimmte Zusammenhänge in meinem eigenen Leben besser einordnen zu können. Und ich verstehe heute auch besser, warum Menschen in meinem Umfeld manches einfach tun müssen, selbst wenn andere die Hände über den Kopf zusammenschlagen und sagen: „Wie kann sie nur!“ – Wer seinen Ruf hört, muss sich früher oder später auf den Weg machen.

 

Alles beim Alten: Was sich auch bei Quest 2.0 nicht ändert

Und nun steht also eine neue Quest-Staffel an; am 25.9.2012 beginnt die Anmeldung. Seit den ersten Quest-Seminaren vor neun Jahren ist viel Bewährtes erhalten geblieben. Immer noch orientiert sich das Seminar an der Heldenreise à la Campbell: Man zieht Bilanz seiner aktuellen Lebenssituation, hört dann im zweiten Schritt seinen Ruf. Wenn man sich entschieden hat, dem Ruf zu folgen, macht man sich auf den Weg, um das im Ruf erkannte Lebensziel umzusetzen und sucht sich die dafür nötige Unterstützung. Die braucht man auch, denn unterwegs begegnet einem der Drache, ein sehr herausfordernder Zeitgenosse. Ist die Begegnung mit dem Drachen bestanden, findet der Reisende heraus, was in ihm selbst das Wesentliche ist, das Elixier. Mit diesem kehrt er von seiner Reise zurück und realisiert sein Ziel.

Es muss nun niemand einen hektischen Parforceritt befürchten, auch wenn meine superknappe Zusammenfassung das nahelegt. Selbstverständlich gibt es im Seminar genügend Zeit und Unterstützung, um alle Punkte gründlich zu bearbeiten.

 

Viele Neuigkeiten: Was sich bei Quest 2.0 ändert

Natürlich haben sich im Lauf der Jahre auch einige Dinge geändert; Quest ist quasi mit zunehmender Erfahrung weiter gewachsen. Einige der wesentlichen Neuerungen bei „Quest 2.0“ sind:

1. Die Arbeit mit der inneren Stimme: Es werden sehr wirkungsvolle Techniken vermittelt, mit der inneren Stimme, der eigenen intuitiven Intelligenz in Kontakt zu treten und herauszufinden, worin die eigene Berufung besteht.

2. Quest 2.0 liefert außerdem konkrete Strategien und Vorgehensweisen, Geschäftsideen aus dem Ruf heraus zu entwickeln, für wenig Geld am Markt zu testen und zu realisieren. Es geht also darum, wie der Beruf im wahrsten Sinne des Wortes zur Berufung werden kann. –  Wer eine Kostprobe genau zu diesem Thema haben möchte, wird hier fündig.

Wie immer werden die einzelnen Lernschritte durch Webkonferenzen (Liveunterricht im Internet) und zahlreiche Materialien unterstützt: Audio- und Videomitschnitte sowie PDF-Dateien.

 

Zum guten Schluss: Ich kann Quest – auch in der 2.0-Version – nur jedem wärmstens ans Herz legen. Wer die Tätigkeit, die ihm wirklich wichtig ist, zu seinem Brotberuf machen möchte, findet genügend konkrete Ansatzpunkte dafür, seinen Traum wahr werden zu lassen. Und natürlich empfehle ich ganz dringend, das wunderbare Buch zu lesen. Weitere Informationen gibt es hier.

Das 50. E-Book

Dem Newsletter der lesenswerten Seite E-Book-News.de vom vergangenen Freitag entnehmen wir den Hinweis auf die Ergebnisse der neuesten im so langsam unüberschaubar werdenden Gewirr von E-Book-Studien. Verantwortlich zeichnet wiederum die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die im Auftrag des Börsenvereins des deutschen Buchhandels und der Musikindustrie die „Digitale Contentnutzung 2012“ untersucht hat. Zwei Aspekte fallen auf: zum einen, dass die Nutzung illegaler und im Allgemeinen kostenfreier Angebote beim E-Book weitaus weniger dramatisch ausfällt, als dies für Musik und vor allem für Filme gilt (wenngleich solche Angebote nach wie vor existieren: wir selbst sahen uns erst in der vergangenen Woche wieder mit der ärgerlichen Aufgabe konfrontiert, illegale Digitalisierungen unserer Bücher von legalen Plattformen, welche illegale Angebote machen, entfernen zu lassen – kein leichtes Unterfangen). Zum anderen sticht das Ergebnis ins Auge, dass immerhin etwa die Hälfte der Leser elektronischer Bücher mit dem Angebot noch nicht zufrieden ist. Hierbei spielt vor allem die berechtigte Klage über die noch immer zu wenig breite Auswahl eine Rolle. Die Leser finden einfach zu wenige der von ihnen gesuchten Publikationen als legale, kostenpflichtige Downloads, und hier sind die Verlage allerdings in der Pflicht.

Auch Junfermann bietet natürlich längst nicht alle lieferbaren Titel in elektronischer Form an – die oftmals schwierige Klärung elektronischer Rechte und das Verhältnis von Investition und Nachfrage sorgen immer noch dafür, dass der Ausbau des E-Book-Programms alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Umso mehr sind wir stolz darauf, dass wir ein gutes Jahr nach dem Start unseres elektronischen Angebots das halbe Hundert voll haben und vor kurzem unser 50. E-Book über die einschlägigen Partner verfügbar machen konnten. Es handelt sich um Gerlinde Ruth Fritschs Gefühls- und Bedürfnisnavigator, ein psychotherapeutisches Buch, das Patienten bei der Wahrnehmung ihrer eigenen Gefühle und Bedürfnisse unterstützt.

Wir freuen uns über das Erreichen dieser Marke und werden als Nächstes die 100er-Schwelle in den Blick nehmen. Von unseren aktuellen Neuerscheinungen erscheinen 90 Prozent parallel zur Druckversion als E-Book und auch die Backlist wird Zug um Zug digitalisiert. Wenn Sie ein bestimmtes Junfermann-Buch in elektronischer Form vermissen – teilen Sie es uns mit!

Making of: Wie die Fotos in Anne Lindenbergs Buch „Körperselbsterfahrung im Alter“ entstanden sind

Übungsprogramme zur Förderung von Bewegung, Ausdruck, und Wahrnehmung, zugeschnitten auf ältere Menschen: Darum geht es in Anne Lindenbergs Buch. Die Autorin wollte es jedoch nicht bei nüchternen Beschreibungen belassen. Das Buch sollte auch Fotos enthalten, um die Übungen auf die Leserinnen und Leser anschaulich, authentisch und nachvollziehbar zu gestalten. Der Fotograf Mike Kudla ließ sich auf das Abenteuer eines etwas anderen Castings ein, was für ihn schließlich in eine rundum positive Erfahrung mündete. Lesen Sie im Folgenden, wie er die fotografische Seite der Buchproduktion erlebt hat.

 

Annes Topmodels – „next Generation“

Von Mike Kudla

Wer heutzutage geeignete Fotomodelle für einen größeren Auftrag rekrutieren will, bedient sich üblicherweise eines Castings. In diesem Selektionsprozess machen sich die Producer eine zutiefst menschliche Eigenschaft zunutze: die Eitelkeit – um bisher unbekannte „Schläferinnen“ oder „Schläfer“ aus ihrem „Dornröschenschlaf“ zu wecken. Mittels großer Versprechungen versuchen sie – möglichst umsonst – ambitionierte Models zu professionellen Höchstleistungen zu motivieren. Dass man damit sehr viel Geld verdienen kann, zeigt nicht zuletzt eine populäre Casting-Show wie „Germany’s Next Topmodel“.
Betrachtet man die Fotoproduktion von Anne Lindenbergs Buch „Körperselbsterfahrung im Alter“, kann man auch hier einige Elemente dieser modernen Anwerbetechnik entdecken: Die Idee, ein Casting zu veranstalten, entstand schlichtweg aus der Not heraus, trotz geringem Budget ein fotografisch ansprechendes und abwechslungsreich bebildertes Handbuch zu gestalten.

Besondere Models gesucht – und gefunden
Wie der Titel vermuten lässt, kam es dem Team nicht darauf an, junge Laufstegschönheiten zu rekrutieren, die möglichst unfallfrei auf 17cm Absätzen stöckeln können. Nein, wir suchten Menschen, die einerseits glaubhaft schon einige Jahrzehnte an Lebenserfahrung aufweisen konnten, andererseits durch Aktivität, Vitalität und Lebensfreude erfolgreich den angeblich altersbedingten Einschränkungen trotzten. Sie sollten nämlich in der Lage sein, die in Anne Lindenbergs Buch beschriebenen Übungen im Bild darzustellen.

Als optimale „Fundstelle“ bot sich für diese Casting-Veranstaltung ein Schwabinger Fitnessstudio an. Dort nämlich übt sich genau die gesuchte Altersgruppe in regelmäßiger Bewegung, betreibt Rückengymnastik oder Seniorenturnen.

Egal ob Jungmodel oder Charakterdarsteller – bei jedem Casting stellen sie zunächst die Frage: „Warum ich?“ – „Warum nicht du?“, fragten wir zurück. Und so konnten wir schließlich vier sympathische Menschen, die im Vorspann des Buches näher vorgestellt werden, an Ort und Stelle zum Abschluss eines Modelvertrags bewegen.

Wer glauben möchte, nun sei alles gut, macht sich keinen Begriff von der nächsten Herausforderung. Die bestand nämlich darin, die Termine unserer unglaublich aktiven Rentner mit denen des nicht minder beschäftigten Produktionsteams überein zu bringen! Sieben prall gefüllte Terminkalender mussten sich schließlich einem zweitägigen gemeinsamen Studiotermin beugen.

Foto: Mike Kudla

Das Shooting
Nach anfänglicher Befangenheit hatten sich die drei weiblichen Models und ihr permanent humorvoller „Hahn im Korb“ an die ihnen zugedachten Rollen im Blitzlichtgewitter gewöhnt. Das bewirkte nicht zuletzt der kumpelhafte, jedoch respektvolle Umgangston im Fotostudio. Die aufmerksame Visagistin und ein gelegentlich skeptisch zensierender Blick aufs Display gab den Models die Sicherheit, nicht in unvorteilhafter Weise abgelichtet zu werden. So scheuten sie keine Anstrengung, auch bei herausfordernden Übungen ein entspannt lächelndes Gesicht zu bewahren. Die extreme Beweglichkeit und Fitness der Darsteller über die Dauer eines sechsstündigen Shooting-Tages beeindruckte selbst die Make-up-Expertin im jugendlichen Twen-Alter zutiefst. Doch unsere Arbeit bewies auch, dass körperliche Beweglichkeit die geistige mitbeeinflusst: Keiner der oft komplexen Übungsabläufe musste lange erklärt werden, sondern wurde sofort begeistert und richtig umgesetzt.

Selten habe ich ein Fotoshooting erlebt, das so unterhaltsam, konzentriert und doch locker war und eine solch wunderbare Bildausbeute hervorbrachte. Und als Fotograf freut man sich nicht zuletzt darüber, dass die Bildkontrolle keine langwierige Beautyretusche erfordert. Falten haben den Vorteil, nicht beschönigt werden zu müssen, weil sie ein ehrliches Bild eines erfahrenen Gesichts abgeben. Ganz anders als die Titelbilder aus dem Zeitschriftenregal, die eine künstliche Schönheit wiedergeben und nie das Model mit all seinen menschlichen Makeln und Hautunreinheiten abbilden.

Abschließend kann ich jedem Fotografen nur empfehlen, die Altersgruppe der „Best Ager“ für ein entspanntes und authentisches Arbeiten für sich zu entdecken!

 

Mike Kudla ist Fotograf und Grafik-Designer. Er lebt und arbeitet in München

www.mkudla-fotodesign.de

Offen und neugierig sein für eine Welt abseits der gewohnten Denkroutinen – Ein Interview mit Tanja Madsen zu ihrem Buch „Mentales Stressmanagement“

Tanja Madsen

In Tanja Madsens soeben erschienen Buch geht es um „The Work“, ein von Byron Katie Mitte der 1980er-Jahre entwickeltes Universalinstrument für mentales Stressmanagement. Das Buch zeigt anhand vieler praktischer Beispiele und Übungen, wie man stressvolle Gedanken mithilfe von The Work wahrnehmen und hinterfragen kann.

 

1. Der Untertitel Ihres Buches lautet: Yoga für den Verstand. Wie kann man mit dem Verstand Yoga machen?

Das hört sich vielleicht seltsam an, aber so, wie man mit dem Körper Yoga machen kann, damit er entspannter und ausgeglichener ist, ist das auch für den Verstand möglich, z.B. durch die Methode The Work. Wenn ich gestresst bin, wie z.B. vor kurzem, als eine Zugfahrt zwei Stunden länger dauerte wegen einer defekten Oberleitung, ist mein Verstand erst festgefahren und mit stressvollen Gedanken beschäftigt wie: „Es sollte schneller voran gehen!“

Mit The Work von Byron Katie kann ich mein starres Denken aufweichen, indem ich meine Gedanken hinterfrage. Ich nehme verschiedene Wahrnehmungspositionen ein – Umkehrungen genannt – und erlange so einen frischen und weiteren Blick auf stressvolle Situationen und bin handlungsfähiger im Hier und Jetzt. Wenn ich im Frieden bin mit dem was gerade ist, also frei von Widerstand gegen die Realität, dann habe ich einen flexiblen geschmeidigen Verstand.

 

2. Gleich in der Einleitung Ihres Buches schreiben Sie: „Glauben Sie mir erst einmal nichts.“ – Heißt das, dass Leserinnen und Leser das Buch eigentlich gleich an dieser Stelle beiseitelegen können?

Nein, natürlich nicht, denn dann könnten sie die Dinge, die ich beschreibe nicht für sich selbst ausprobieren und erfahren. Mit der Aussage will ich vielmehr den Leser anregen, seine eigenen Erfahrungen mit The Work zu machen. Außerdem wünsche ich mir, dass der Leser seinem eigenen Urteilsvermögen vertraut, denn manches, von dem ich in dem Buch berichte, ist für den einen oder anderen vielleicht erst einmal „harter Tobak“, z.B. die Annahme, dass Gedanken nicht persönlich sind. – Und nur weil ich The Work als sehr hilfreich empfinde, heißt das noch lange nicht, dass es anderen genauso gehen muss. Wenn ich also voller Euphorie von Erfahrungen und Veränderungen in meinem Leben berichte, dürfen sich andere der Materie gerne erst einmal skeptisch annähern. Ich denke, die stärkste Überzeugungskraft hat die an sich selbst erlebte Erfahrung.

 

3. Am Ende Ihres Buches äußern Sie selbst mit einer gewissen Verwunderung, dass aus vier Fragen jetzt doch ein ganzes Buch geworden ist. The Work besteht im Kern aus vier Fragen. Ist es wirklich möglich, damit komplexe Probleme zu bewältigen?

Meiner Erfahrung nach: ja. Es ist verblüffend, die Methode ist wirklich einfach und unkompliziert in der Anwendung und gleichzeitig so tiefgehend in ihrer Wirkung. Und sie wirkt unabhängig vom Thema oder Schweregrade des Problems. Das schmeckt dem Verstand nicht immer. Er fragt sich: „Kann das sein, dass man schwierige, komplexe Probleme mit einfachen Mitteln lösen kann?“ Für mich selbst und bei meinen Klienten habe ich jedoch immer wieder die Erfahrung gemacht, es kann so einfach sein: still werden, nach innen gehen, sich seiner stressauslösenden Gedanken bewusst werden und ihnen mit vier Fragen und den jeweiligen Umkehrungen begegnen. Ich will nicht behaupten, dass ein „Lebensthema“ mit einer Work sofort gelöst wäre. Es ist eher wie bei einer Zwiebel: Schicht für Schicht kommt man der Lösung auf die Spur. Probleme, seien sie noch so komplex, bestehen letztendlich nur aus Gedanken. Und wenn ich mir jeden einzelnen Gedanken vornehme und ihn hinterfrage, kann sich das Thema lösen.

 

4. The Work ist nichts für „mentale Couchpotatoes“ heißt es an einer Stelle in Ihrem Buch. Was ist damit gemeint?

Eine „mentale Couchpotatoe“ ist für mich jemand, der sich in seinem gewohnten Weltbild zu Hause fühlt. Der sagt z.B.: „Die Dinge sind wie sie sind, die kann man nicht ändern.“

The Work stellt unsere gewohnten Annahmen über diese Welt schnell mal auf den Kopf; manchmal bleibt bildlich gesprochen kein Stein mehr auf dem anderen. Vielleicht bin ich zu 100 % davon überzeugt, dass meine Mutter mich als Kind nicht genug unterstützt hat. Diese Geschichte ist für mich einfach wahr und ich lebe vielleicht viele Jahre in der schmerzlichen Annahme, nicht genug Unterstützung erfahren zu haben. Wenn ich The Work mache, stelle ich womöglich fest, dass ich bestimmte Facetten völlig ausgeblendet habe. Mein Bild von meiner Mutter wird ergänzt, erneuert und vollständiger. The Work ist dabei nicht immer bequem; im Gegenteil, sie kann anstrengend sein. Byron Katie sagt so schön, sie hat ihre Methode nicht umsonst The Work genannt; es ist mentale Arbeit. Und wie beim Sport wird mein Körper auch nur dann trainiert, flexibler und geschmeidiger, wenn ich die Komfortzone der Couch verlasse und mich bewege. Für die mentale Couchpotatoe heißt das, offen und neugierig zu sein für eine Welt abseits der gewohnten Denkroutinen.

 

5. Immer mehr Bedarf an Methoden gegen Stress, „Trend-Thema“ Burnout – und dann wieder Trends wie „Glück als Schulfach“: Verlieren wir immer mehr die innere Balance?

Ja ich glaube, dass viele von uns ihre innere Balance verlieren, weil wir zahlreiche Anforderungen, Termindruck, hohe Erwartungen an uns selbst und eine große Anzahl an Wahlmöglichkeiten unter einen Hut bringen müssen. Dabei hatten wir alle einmal eine innere Balance: als Kinder. Noch nicht so vollgestopft mit Konzepten über die Welt und präsent in dem, was wir gerade tun, sind Kinder unbeschwert und im Frieden mit dem was ist. In der Schule oder im Elternhaus wird eher selten gezeigt, wie wir diesen Zustand von Balance halten bzw. dahin zurückkehren können. Ich verstehe den Bedarf an Methoden im Umgang mit Stress deshalb sehr gut. Mich hat der Wunsch danach damals angetrieben, Psychologie zu studieren.

Ich würde es sehr begrüßen, wenn Glück in Schulen auf dem Stundenplan stünde. Was für eine Perspektive, wenn man als Kind bereits hilfreiche Methoden an die Hand bekommt, um aus sich selbst heraus ein geglücktes und selbstbewusstes Leben zu führen.

 

6. Viele Probleme rühren anscheinend daher, dass wir mit unseren Gedanken zu stark in der Vergangenheit verhaftet sind oder uns in die Zukunft begeben. Warum ist es so schwer, sich auf das Hier und Jetzt zu fokussieren?

Das frage ich mich auch immer wieder. Ich denke, dass unser Verstand Zeitreisen unternehmen kann ist Segen und Fluch zugleich. Wenn ich einfach in diesem Moment präsent bin und mit allen Sinnen wahrnehme, was gerade geschieht, gibt es kein Problem. Die Probleme entstehen tatsächlich erst in dem Moment, wo ich gedanklich in die Vergangenheit abtauche und stressvolle Erlebnisse erinnere oder mir eine nicht so rosige Zukunft ausmale. Für den Verstand ist es schwer, ruhig zu werden, weil er permanent Gedanken produziert, schätzungsweise 60.000 am Tag. Das kann jeder nachvollziehen, wenn er sich mal fünf Minuten still hinsetzt und seine Gedanken beobachtet. Auf der anderen Seite ist die Fähigkeit, sich Dinge auszumalen, auch eine Quelle der Kreativität.

Sich auf das Hier und Jetzt zu fokussieren braucht Training. Ich nutze dafür gerne meine Atmung, denn die passiert wirklich nur in diesem Moment. Ich spüre mit all meinen Sinnen meinen Körper und was mich umgibt, bis der nächste Gedanke kommt und mich wieder davon trägt und bis mich meine Aufmerksamkeit wieder zu meinem Atem bringt und so weiter. Wenn wir mitkriegen, dass wir das gar nicht sind, die da denken, sondern dass es vielmehr uns denkt, ist schon viel gewonnen. Dann kann ich zum Beobachter werden und mich von meinen Gedanken unterhalten lassen.

 

Mehr Informationen zu „The Work“ finden Sie hier.

Mehr Informationen zu Tanja Madsens Buch finden Sie hier.

Und zum guten Schluss: Glück wird gelehrt (Frage 5). In einer Schule in Heidelberg hat der Direktor Glück als Schulfach eingeführt. Und wenn ich mich nicht irre, gibt es auch schon Nachahmer.

Stille Stars?

In jedem neuen Programm gibt es Titel, auf denen besondere Hoffnungen ruhen. Da kommt vielleicht von einer Autorin mit großer „Fangemeinde“ ein neues Buch – und natürlich erwarten wir, dass es sich zumindest ähnlich gut verkauft wie seine Vorgänger. Oder da gibt es ein ganz aktuelles Thema, mit dem sich viele Menschen beschäftigen – und glücklicherweise können auch wir ein Buch dazu ankündigen. Und natürlich wünschen wir uns, dass das Thema wirklich so gefragt ist, wie wir denken.

Spitzentitel – so nennt man wohl die Bücher, von denen man sich so viel erwartet. Doch ein Frühjahrs- oder Herbstprogramm umfasst 12-15 neue Bücher. Und nicht alle können Spitzentitel sein, denn jede Spitze braucht auch eine mehr oder minder breite Basis. Und die Basis des Gesamtprogramms ist eine gut gepflegte Backlist: Thematische Schwerpunkte müssen durch ein breites und in die Tiefe gehendes Titelspektrum ausgebaut werden. Und ganz wichtig: Eine gute Backlist muss auf dem aktuellen Stand gehalten werden. Also müssen in der Programmplanung auch immer Titel berücksichtigt werden, die z.B. einen Themenschwerpunkt gut ergänzen, gut in eine Reihe passen, einen neuen interessanten Akzent setzen oder ein Thema aus einer etwas anderen Perspektive beleuchten.

Wir wünschen uns natürlich, dass alle unsere Bücher Erfolg haben. Und selbstverständlich tun wir auch etwas dafür: durch Marketingmaßnahmen, Pressearbeit und vertriebliche Aktivitäten. Und dennoch geht nicht immer alles so auf, wie wir uns das vorstellen. Das vermeintlich interessante Thema findet nicht ganz so viel Resonanz wie erwartet oder die Fangemeinde kauft dann doch nicht jedes Buch.

Aber immer wieder passiert auch das: Ein Blick auf die Verkaufszahlen offenbart angenehme Überraschungen. Natürlich, auch Titel XY hat Potenzial, sonst wäre er schließlich gar nicht ins Programm gekommen. Aber nach der Vorankündigung gab es keine große Nachfrage nach Rezensionsexemplaren und auch die Vorbestellungen waren eher mittelmäßig. Doch zwei bis drei Monate nach Erscheinen zeigt sich bei so manchem Buch plötzlich eine ganz unerwartete Dynamik. Es gibt richtig ordentliche Verkaufszahlen – und: Sie erweisen sich als stabil. Das sind für mich die stillen Stars im Programm, Bücher, die ohne großes Getöse ihren Weg machen.

Und welches sind meine aktuellen stillen Stars? – Ganz besonders hervorheben möchte ich diesmal zwei Titel, die Ende letzten Jahres ausgeliefert wurden und mir seither richtig viel Freude bereiten:

 

Luc Nicon, Befreit von alten Mustern
Natürlich kommt der Erfolg dieses Buches nicht von ungefähr, denn Monika Wilke, die Übersetzerin, ist selbst Tipi-Trainerin und tut ganz viel dafür, dass die Methode im deutschen Sprachraum bekannt wird. Ich selbst wurde z.B. seinerzeit durch eine Telefon-Session von der Wirksamkeit überzeugt. Und trotzdem: Dass ein bis dahin in Deutschland unbekannter Autor und eine neue Methode gleich so viel Zuspruch finden, ist sehr beachtenswert.

 

Fritz & Ingrid Wandel, Alltagsnarzissten
Als vor noch gar nicht so langer Zeit ein gewisser Herr zu Guttenberg wieder den Schritt in die Öffentlichkeit wagte, sagte mir Fritz Wandel, dass es in seinem Buch ja genau um diesen Persönlichkeitstypus gehe: Um sehr überzeugend wirkende Blender, die es nicht sonderlich kümmert, welche Nebenwirkungen auf andere ihre Performance hat. Also liegt der Erfolg von „Alltagsnarzissten“ daran, dass in dem Buch ein ungeheuer aktuelles Thema aufgegriffen wird? Oder liegt es vielmehr daran, dass beide Autoren stark in der TA-Gemeinde verwurzelt sind? – Es wird wohl eine Mischung aus beidem sein.

„Irgendwas ist anders“ – Ein Gespräch mit Anja Köhler und Christian Kersten zur Entstehungsgeschichte ihres Buches

Seit den späten 1970er-Jahren gibt es bei Junfermann NLP-Bücher. Das Thema begleitet uns also schon eine ganze Weile und hat sehr maßgeblich das Programm und die Außenwahrnehmung des Verlags bestimmt. Auch wenn die ganz große NLP-Welle ein wenig abgeebbt ist: Immer noch gibt es mehr als 60 NLP-Titel in unserem Programm und im Grunde sollte man meinen, dass so langsam alles zu diesem Thema gesagt und geschrieben sein sollte.

Nicht so ganz, denn im Sommer 2010 erhielten wir ein wirklich interessantes Manuskriptangebot: Was passiert eigentlich in einer Partnerschaft, wenn einer der Partner NLP lernt und der andere nichts mit den Methoden anfangen kann? Ja auch nicht so recht versteht, was seinen Partner eigentlich umtreibt? – Inzwischen ist daraus ein Buch geworden: „Irgendwas ist anders … Ein Lese- und Handbuch für alle, deren Partner NLP lernen“.

 

Warum ein Buch über die Auswirkungen des NLP-Lernens auf die Partnerschaft?
Im Folgenden möchte ich Sie ein wenig teilhaben lassen am „making of“ dieses Buches. Dazu unterhalte ich mich mit Anja Köhler und Christian Kersten, den Autoren. Ich möchte zunächst von ihnen wissen, wie man überhaupt auf die Idee kommt, ein Buch über die Auswirkungen des NLP-Lernens auf die Partnerschaft zu schreiben? Gab es hierfür einen auslösenden Moment?

„Nicht so sehr einen bestimmten Auslöser, vielmehr ist die Idee zu dem Buch während der Seminare langsam gewachsen“, sagt Anja Köhler. Sie hat alle NLP-Ausbildungen gemeinsam mit ihrem Mann Christian Kersten gemacht. Doch die anderen Teilnehmer, die ihre Ausbildung ohne Partner absolvierten, berichteten immer wieder, dass sie zu Hause Probleme hätten, mit dem Gelernten und auch durch bestimmte Veränderungsprozesse bei ihnen selbst. Christian Kersten ergänzt, dass viele NLP-Lernende daheim oft eine kritische Stimmung registrierten und häufig nicht so recht wüssten, woher diese rühre. Deshalb fordert er: „Die Veränderung des Systems Beziehung sollte in den Ausbildungen thematisiert werden – und zwar gleich zu Beginn.“ „Es gibt viel zu wenig Hinweise, wie man NLP nach Hause bringen kann“, ergänzt Anja Köhler. Viele NLP-Ausbildungsinstitute bieten Büchertische mit Literatur zu den Inhalten ihrer Ausbildungen an. Auch auf diese Büchertische gehöre Literatur zum Thema „Auswirkungen auf die Partnerschaft“. – Bisher hat es kein Buch dazu gegeben, aber diese Lücke ist ja jetzt geschlossen worden.

 

Wie war das mit den Interviews?
Im Buch finden sich zahlreiche Interviews mit Paaren, gemeinsam, aber auch mit einzelnen Partnern oder mit beiden Partnern, getrennt voneinander befragt. War es schwierig, Interviewpartner zu finden, will ich wissen.

Sie hätten von ihrer Idee erzählt und seien damit auf sehr positive Resonanz gestoßen, erzählt Anja Köhler. Mit ihrem Anliegen sind beide wohl auf sehr offene Tore gestoßen, denn vielen Befragten, so wird mir berichtet, scheint es gut getan zu haben, einmal darüber reden zu können, welche Bedeutung NLP für sie hat und welche Veränderungen sich dadurch in ihrem Leben ergeben haben. „NLPler vermissen häufig bei ihrem Partner ein Interesse an dem, was sie machen“, sagt Christian Kersten.

Von den interviewten Paaren im Buch wünschten einige sich ausdrücklich, getrennt voneinander befragt zu werden und hätten teilweise erst durch die Buchveröffentlichung erfahren, was ihr Partner gesagt habe. Oft sei es bei diesen separaten Interviews zu erstaunlich unterschiedlichen Einschätzungen der Situation gekommen. So sprachen NLPler häufig über positiven Entwicklungen in der Beziehung durch NLP, Ihre Partner hingegen stellten überhaupt keine Veränderungen fest. Dies sei besonders bei langjährigen Partnerschaften der Fall gewesen. Oder es wurde behauptet, es habe keine Veränderung oder nichts Bemerkenswertes gegeben – und gleichzeitig wurde geäußert, der Partner habe plötzlich so komische Fragen gestellt.

Die Interviews seien insgesamt sehr emotional gewesen. Es sei viel gelacht worden, es habe aber auch traurige Momente gegeben, wenn klar wurde, was in der Partnerschaft nicht funktionierte, sagt Christian Kersten. In einem Fall seien durch das Interview wesentliche Konfliktursachen in der Beziehung erst richtig deutlich geworden und das Paar habe sich anschließend getrennt. Manches Mal habe sie sich gesagt: „Wenn sie doch nur miteinander geredet hätten“, sagt Anja Köhler.

Doch nicht nur um das Thema Partnerschaft ging es in den Interviews. So berichteten beispielsweise Mütter über einen anderen Umgang und eine andere Kommunikation mit ihren Kindern. Dieser Aspekt hätte aber den thematischen Rahmen des Buches gesprengt und so sei er außen vor geblieben. Aber gerade Kinder scheinen ein sehr feines Gespür dafür zu haben, wenn ihre Eltern ihnen „nlp-istisch“ eine Frage stellen, selbst wenn auf das Fachvokabular verzichtet wird. Aber über die Frage nachdenken, das tun die Kinder dann schon, wenn vielleicht auch etwas widerwillig.

Anja Köhler & Christian Kersten

 

Der Schreibprozess
Kommen wir nun zu einem anderen Thema und betrachten wir den eigentlichen Schreibprozess etwas genauer: Wie schreibt man denn als Paar? – Das erste Kapitel hätten sie versucht, gemeinsam zu schreiben, dann aber schnell festgestellt: „So funktioniert es nicht“, erzählt Anja Köhler. Deshalb einigten sie sie sich darauf, Kapitel und auch einzelne Abschnitte innerhalb der Kapitel aufzuteilen. Einer habe dann begonnen und der andere später übernommen. Anschließend haben sie das Geschriebene von dem jeweils anderen gegenlesen lassen und Änderungsvorschläge diskutiert und umgesetzt. Das sei eine sehr produktive Arbeitsweise gewesen, die auch eine gemeinsame Sprache hervorgebracht habe. „Wer hat denn was geschrieben?“ – Das hätten Bekannte vergeblich versucht herauszufinden. Natürlich gab es immer wieder Situationen, wo bei bestimmten Formulierungswünschen auch Zugeständnisse gemacht werden mussten. Insgesamt habe die gemeinsame Arbeit an dem Buch aber Spaß gemacht. Das Folgebuch „Was passiert, wenn man mit seinem Partner ein Buch über NLP und Partnerschaft schreibt“ wird es also nicht geben. 🙂

Übrigens: Anja Köhler und Christian Kersten haben sich für ihr Buch auch selbst interviewt und dabei festgestellt, dass ihre unterschiedlichen Herangehensweisen sich (auch) im Schreibprozess gut ergänzen. Hätte Christian Kersten das Buch allein geschrieben, wäre ein relativ kurzes Überblickswerk dabei herausgekommen. Anja Köhlers Buch hingegen hätte drei sehr detailliert ausgearbeitete Kapitel umfasst und wäre zum Abgabetermin nicht fertig geworden.

Stichwort Unterschiede: Unterschiedlichen Leserbedürfnissen haben die Autoren mit nicht weniger als vier Vorworten (!) Rechnung getragen: ein Vorwort für NLPler und eines für die Partner. Ein Vorwort für Leser, die gerne ein Buch durchblättern und selektiv lesen (was bei diesem Buch sehr gut möglich ist) und ein Vorwort für Von-vorne-bis-hinten-Durchleser.

 

Leser-Feedback?
Gibt es schon erstes Feedback zum Buch? – Ja, es gibt viel Feedback, auch von Menschen, die eigentlich gar nichts mit NLP zu tun haben und dennoch für sich etwas aus dem Buch ziehen können. Viele Leser loben auch die Anschaulichkeit der Sprache. Und aus einigen Leserfeedbacks geht deutlich hervor, dass das Konzept des Buches aufgeht: NLPler können es nutzen, um bestimmte Inhalte zu rekapitulieren; ihre Partner können schauen, was von dem Dargebotenen für sie von Interesse ist und sich langsam ans NLP herantasten. Das Buch ist nicht „missionarisch“, schließlich würdigt es auch Kritik am NLP.

Hier geht es zum Buch „Irgendwas ist anders“ und hier geht es zur Website von Anja Köhler & Christian Kersten

Gedanken zu einem Buchmanuskript

Der Sommer rückt näher und es wird Zeit, dass endlich unsere letzten vorangekündigten Frühjahrstitel in die Produktion gehen. Für mich bedeutet das: Lektorat eines Buches zum Thema Führung.

Nicht ganz so mein Ding, muss ich direkt gestehen, denn in diesem thematischen Feld werden gerne neue Prinzipien kreiert, die mit sehr fantasievollen Namen belegt werden; gerne auch mit Abkürzungen, die alles oder nichts bedeuten können. – Mit dieser Einschätzung werde ich ganz bestimmt sehr vielen sehr guten Büchern zum Thema Führung nicht gerecht. Ich habe da halt ein Vorurteil und kann nicht so recht aus meiner Haut. Andererseits bin ich aber Profi genug, um auch ein Manuskript zu bearbeiten, das nicht unbedingt eines meiner Lieblingsthemen behandelt.

Also: Ran an den Text! Und zwar gleich zu Beginn des Arbeitstages, damit sich gar nicht erst Widerstände aufbauen oder Ablenkungsmanöver einstellen können.

Ich lese eine Seite, noch eine Seite … und nach mehreren Seiten denke ich: Wow! So etwas hätte ich von einem Führungsbuch nicht erwartet. Was ich da lese ist kraftvoll und authentisch. Es ist empathisch, nimmt aber gleichzeitig keine falschen Rücksichten. Die da schreibt ist wirklich souverän und sie muss sich nicht hinter irgendwelchem Schischi verstecken, denn sie weiß, was sie kann.

Und was lese ich, welches Manuskript bringt mich so zum Schwärmen? Es ist „Chefsache: Führen!“ von Ursu Mahler. Da berichtet eine gestandene Führungskraft mit langjähriger Erfahrung als Trainerin und Coach, was für sie die Grundlagen guter Führung sind: „Nicht handeln heißt zustimmen“ ist z.B. ein ganz zentraler Satz, der allen Zauderern und Zögernden ins Stammbuch geschrieben sei. Und Kernsätze dieser Art gibt es einige. – „Hart, aber fair“, so lassen sie sich häufig charakterisieren.

Für Menschen in einer Führungsposition kann die Lektüre dieses Buches ein rechter Vitaminstoß sein, den sie sich von Zeit zu Zeit gönnen sollten. Vermutlich haben viele Führungskräfte den Kopf voller Wissen, sind in zahlreichen Methoden geschult. Doch selbst solchen Experten kann es nicht schaden, gelegentlich die eigene Haltung und das Handeln zu reflektieren. Gute Führung verlangt Herz und Verstand – und von beidem findet sich sehr viel in diesem bravourös geschriebenen Buch.