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Erleben Sie den Drive …

Drive – mit der Welt im Fluss sein

Von Stefan Hölscher

Wir alle kennen Situationen, in denen wir uns als kraftvoll gestaltend erleben, in denen wir das Gefühl haben, gut im Fluss zu sein, die Dinge zu bewegen, Schwierigkeiten zu meistern und Energie, Lust und Lebendigkeit bei alledem zu spüren. Erfahrungen dieser Art können mit unterschiedlichsten Tätigkeiten im Beruf oder im Privatleben verbunden sein; mit Tätigkeiten, die wir allein tun, oder mit Tätigkeiten, die wir mit anderen zusammen unternehmen. Oft handelt es sich um kreative, sportliche oder spielerische Aktivitäten, doch können es genauso auch Überlegungen, Problemlösungsprozesse, intensive Gespräche oder alltägliche Tätigkeiten und Interaktionen mit anderen sein. Geprägt wird solches Erleben durch eine eigentümliche Gleichzeitigkeit von Gestalten und Laufenlassen, von ernsthaftem Einsatz und spielerischer Leichtigkeit, von Leistungswillen und Lust. Situationen dieser Art sind Momente des Gelingens und des Glücks. Was wir dabei erleben, ist Drive – eine ganz besondere Art mit uns selbst und der Welt im Fluss zu sein.

Ein solches Im-Fluss-Sein lässt sich nicht erzwingen. Wir können allerdings Bedingungen fördern, unter denen es uns eher gelingt, dass es dazu kommt. Die entscheidenden Weichenstellungen dafür liegen in uns selbst. Wir selbst bestimmen mit unserem Denken und Handeln, mit der Art des Umgangs mit dem, was in uns und um uns herum passiert, maßgeblich, wie es uns geht und welche weitere Entwicklung die Dinge für uns nehmen. Die wirksamsten Weichenstellungen, um mehr und mehr in einen guten Fluss zu kommen und Drive im eigenen Leben zu entfalten, lassen sich dabei in vier Leitsätze fassen.

 

Schätze, was da ist

Der erste und wichtigste Leitsatz für Drive ist: Nimm an, was gerade da ist, was auch immer es ist, und geh davon aus, dass du etwas Sinnvolles daraus machen kannst. Dieses Prinzip gilt im Kleinen wie im Großen, im Inneren wie im Äußeren. Es gilt für das, was einen ereilt – sowohl das, worüber man sich spontan freut: positive Überraschungen, unerwartete Gelegenheiten, glückliche Momente; wie auch für das, was man so nicht haben wollte: Störungen, Probleme, Krankheiten, Krisen, Verluste. Es gilt für das, was andere tun und was ihnen eigen ist: ihre Worte, Handlungen, Handlungsmuster und deren Folgen; und es gilt für das, was man selbst tut und was einem selbst eigen ist: eigene Gedanken, Gefühle, Handlungen, Handlungsmuster, Eigenschaften, die eigene Biografie…

Anzunehmen, was ist, und davon auszugehen, dass sich etwas Sinnvolles daraus machen lässt, bedeutet zweierlei: Akzeptanz des Gegebenen und aktive Gestaltungskraft. In genau dieser Kombination liegt der Schlüssel für Drive. Zu nehmen, was ist, meint weder Passivität noch Fatalismus. Die Haltung, dass es ist, wie es ist, und man es sowieso nicht ändern kann, als zentrales Lebensprinzip wäre das Ende von Drive. Andererseits meint eine aktive Gestaltung aber auch nicht Aktionismus und Allmachtsgefühle: Die Überzeugung, dass man die Welt seinen Wünschen gemäß formen kann, wäre ebenso wenig vereinbar mit Drive.

Gemeint ist vielmehr: Ich nehme, was da ist (etwas anderes habe ich ohnehin nicht zur Verfügung), und mache etwas daraus. Und zu beidem sage ich „Ja“: zu dem, was vorhanden ist, und zu der Chance, dass ich das Vorhandene weiter gestalten kann. Diese innere Haltung bringt Drive. Sie bildet den ersten Leitsatz für ein Leben mit Drive; und in gewisser Hinsicht durchzieht sie auch die anderen drei: Wisse, was du brauchst; nutze, was du kannst; sieh, was du tust.

 

Wisse, was du brauchst – nutze, was du kannst – sieh, was du tust

Indem ich herausfinde, was ich brauche, kümmere ich mich um mein Wohlergehen. Ich nehme meine verschiedenen Bedürfnisse wahr und nehme sie ernst. Ich entwickle Klarheit im Hinblick darauf, was mir in den vier zentralen Bereichen meines Lebens Körper – Arbeit – Beziehungen – Selbstverwirklichung wirklich wichtig ist, und ich kümmere mich konsequent darum. Ich strebe nach kraftvollen Balancen zwischen den verschiedenen Bereichen, und ich nutze Konflikte, Schwierigkeiten oder negative Gefühle als wichtige Hinweisgeber dafür, was in mir vorgeht, was ich brauche und was ich in meinem Leben ändern sollte, damit es mir gut geht.

Indem ich nutze, was ich kann, mache ich vom Reichtum meiner Fähigkeiten Gebrauch. Ich erkenne in allem, was ich tue, immer auch Fähigkeiten von mir und verwende diese Fähigkeiten und insbesondere meine Kernkompetenzen, das heißt den spezifischen Mix meiner zentralen Fähigkeiten, um mein persönliches Potenzial zu entfalten, mir Ziele zu setzen und mich immer weiter zu entwickeln.

Indem ich sehe, was ich tue, betrachte ich mein Verhalten von außen. Ich nutze Reflexionsfragen, prüfe und hinterfrage besonders in schwierigen Situationen, welche Erklärungen und Bewertungen ich dem Geschehen gebe und ob andere Erklärungen und Bewertungen gegebenenfalls hilfreicher für mich wären; ich achte auf unterschiedliche Strebungen in mir – die Mitglieder meines inneren Teams – und nehme kritische Muster, in denen ich verhaftet bin, wahr, um mein Handeln und seine Folgen besser verstehen zu können. Ich nutze meine Reflexion, um in Situationen, die ich als schwierig und festgefahren erlebe, neue Blickwinkel und Handlungsalternativen zu entdecken.

Zwei Beispiele

Vollsperrung auf der Autobahn. Gerade jetzt. Und ich mittendrin. Wer weiß, wie lange. Natürlich könnte ich mich jetzt furchtbar aufregen und dem Stau auf der Straße noch einen Stau in meinen Blutgefäßen hinzufügen. Ich kann mich aber auch entscheiden, mich ganz der Musik hinzugeben, die ich mir gerade ausgesucht habe, vielleicht ein paar Entspannungsübungen zu machen oder einem interessanten Hörbuch zu lauschen…

Karrierebremse. Mein Chef teilt mir mit, dass ich in diesem Jahr noch nicht für die nächste Karrierestufe vorgesehen bin. Gemeinsamer Beschluss des Managements. Ich solle erst noch an einigen Verhaltensweisen von mir arbeiten. Nach meiner Auffassung war die Beförderung mehr als fällig. Natürlich könnte ich mich nun in den Schmollwinkel zurückziehen oder versuchen, möglichst schnell irgendwo anders eine neue Stelle zu bekommen. Ich kann mich aber auch entscheiden, die relevanten Hinweise ernst zu nehmen und die nächsten Monate nutzen, um mit Unterstützung meines Chefs an diesen Punkten systematisch zu arbeiten. Ich tue dies für meine persönliche Entwicklung, natürlich auch, um mich für die nächste Beförderungsrunde erfolgversprechender aufzustellen und, falls es dann immer noch nicht klappen sollte, um meine Chancen für eine gute Stelle andernorts zu erhöhen…

 

Drive stärkt Drive

Indem ich schätze, was da ist, indem ich weiß, was ich brauche, indem ich nutze, was ich kann, und sehe, was ich tue, entsteht Drive in meinem Leben. Ich sage „Ja“ zu dem, was da ist – in mir und in meinem Umfeld – und mache etwas Eigenes und Gutes daraus. Ich verbinde das, was geschieht, mit dem, worum es mir geht. Ich verfolge einen klaren Kurs und bin zugleich offen für das, was sich ergibt. Ich sorge für mich und mein Wohlergehen und achte auf wechselseitig befriedigende Beziehungen. Ich erlebe mich reich an Fähigkeiten. Ich weiß, dass ich mich auf meine bewusst-willkürlichen ebenso wie auf meine unbewusst-unwillkürlichen Fähigkeiten, auf mein ICH und mein ES verlassen kann, und dass das Zusammenwirken all dieser Fähigkeiten mir für mein Wohlergehen und das Erreichen meiner Ziele unschätzbare Dienste erweist. Ich reflektiere mein Handeln und vermag mich zwischen einem Ganz-im-Geschehen-Sein und einem Es-von-außen-Beobachten hin und her zu bewegen. Ich nutze schwierige Momente, Konflikte und Krisen, um besser zu verstehen, zu lernen und neue Ideen und Balancen zu finden. Ich setze die Möglichkeiten der Reflexion ein, um meine Perspektiven zu erweitern und neue Handlungsimpulse zu finden.

So ist mein Leben mehr und mehr durchdrungen von Drive. Ich erlebe Rhythmus, Bewegung und Fluss. Ich bin ein Teil davon. Das Geschehen prägt mich und ich präge es. Ich bin mit meinem Denken, Fühlen und Handeln ganz in dem, was geschieht, und zugleich schaue ich auf das Geschehen. Ich erlebe das Ganze und ich erlebe mich. Ich fühle Einheit und Unterschied. Ich spüre das Leben und ich spüre den Drive. Das Wunderbare dabei ist: Die Erfahrung von Drive hilft, Drive erneut zu erleben, denn das Erfahren von Drive stärkt die Zuversicht, dass Drive entstehen kann; und diese Zuversicht ist die beste Weichenstellung dafür, dass Drive immer wieder neu zustande kommt.

 

Geprägt von Kontrasten

Natürlich wird mein Leben niemals ausschließlich von Drive durchzogen sein. Als Mensch bin ich ein fehlbares und sterbliches Wesen, und zu meinem Leben gehören immer auch Schwäche, Verlust, Krankheit, Schmerz, Unglück, Abbau und Tod. All das wird immer wieder – zumindest vorübergehend – dazu führen, dass etwas anderes die Oberhand gewinnt.

Drive wird geprägt von Kontrasten – auch von dem Kontrast zwischen den Zuständen in meinem Leben, in denen Drive vorkommt, und denjenigen, in denen anderes dominiert. Ein realistisches Vorhaben kann daher nicht heißen: „Ich werde Drive immer und überall erleben“, denn das wird nie in Erfüllung gehen. Möglich ist aber, dass mein Leben immer häufiger, intensiver und nachhaltiger von Drive geprägt wird; dass Drive für mich immer leichter und natürlicher wird. Dies ist ein realistisches und ein sehr lohnendes Vorhaben zugleich.

Helfen werden mir dabei die vielen guten Momente und günstigen Bedingungen, die es zu entdecken gibt. Helfen werden mir dabei aber auch die schwierigen Momente und Bedingungen, die kleinen und die großen Krisen in meinem Leben. Je besser es mir nämlich gelingt, auch in solchen Situationen anzunehmen, was ist, und etwas Sinnvolles daraus zu machen, umso mehr werde ich mein Vertrauen darauf, dass Drive entsteht, und meine Fähigkeit, Drive aufrechtzuerhalten, stärken, und umso eher wird Drive wieder entstehen.

Die Erfahrung von Drive stärkt das Entstehen von Drive. Je häufiger und intensiver ich in guten wie in schwierigen Situationen nutze, was da ist, umso natürlicher wird ein Leben mit Drive für mich werden. Ich bin mit mir und der Welt im Fluss und schöpfe daraus Kreativität, Kraft, Leistung und Lust.


 

  Über den Autor

Stefan Hölscher, studierter Philosoph, Literaturwissenschaftler und Psychologe (Dr. phil., Dipl.-Psych., M. A.), hat eine berufliche Doppelexistenz: Er arbeitet als Managementberater, Trainer, Coach und ist Geschäftsführender Gesellschafter der Metrion Management Consulting, Frankfurt a. M. Gleichzeitig ist er als Autor, Lyriker und Sprecher tätig. Er ist Verfasser zahlreicher Bücher und Beiträge. Zusammen mit Michael Schneider, dem Solobassisten des Philharmonischen Orchesters der Stadt Heidelberg, macht Stefan Hölscher sprach-musikalische Lyrik-Kontra Bass Performances.

 

Publikationen (Auswahl):

  • Hölscher, S. (2015): Die neue Mitarbeiterführung. Führen als Coach. Beck Kompakt. C.H. Beck, München
  • Büngen, A. & Hölscher, S. [Hg.] (2015): Queerlyrik. Siegertexte und Platzierte des 1. Queerlyrik-Wettbewerbs. Geest Verlag, Vechta-Langförden
  • Hölscher, S. (2014): Schrille Gefilde. Gedichte. Geest Verlag, Vechta-Langförden
  • Hölscher, S. & Armbrüster, C. [Hg.] (2013): Gesundheit braucht Führung. Südwestbuch Verlag, Stuttgart.
  • Hölscher, S. (2011): Leben mit Drive. Die Entfaltung von Kreativität, Kraft, Leistung und Lust. Junfermann Verlag, Paderborn.

Zahlreiche weitere Bücher und active books bei Junfermann und Veröffentlichungen in Zeitschriften.

Atmung als Energiequelle

KörperSprache, wenn es mal hoch hergeht: Energiegewinnung über den Körper

Von Sabine Mühlisch

Spannung und Entspannung liefern für unsere Körper eine natürliche Balance für endlose Energie – wenn wir angemessen atmen! Der Atem ist unsere vitalste Energiequelle, denn über den Atemvorgang unseres Körpers wird dieser biologisch mit Energie versorgt, es werden Ablagerungen und Gifte verbrannt und ausgeschieden. Die Lunge ist nach der Haut das größte Organ des Körpers. Je wirksamer wir atmen, desto frischer und gesünder bleiben die Zellen unseres Körpers.

Auf der geistigen und psychischen Ebene ist der Atem Träger von Lebensenergie (Prana). Durch das Ein und Aus der Atembewegung sind wir mit dem Rhythmus, dem Pulsieren des Lebens, verbunden. In der Art und Weise, wie wir den Strom des Lebens in uns aufnehmen und wieder loslassen, spiegeln sich viele unserer Gedanken und Einstellungen zum Leben. Indem wir anders atmen, leben wir anders.

Über den Atem können wir unsere Emotionen beeinflussen. Oft entstehen Atemstörungen durch unterdrückte Gefühle, durch Unterdrückung von ursprünglichen Lebensprozessen in uns selbst. Je freier wir atmen, desto freier sind wir in unseren Gefühlen und unserem Handeln.

Veränderung unseres natürlichen Atems

Wenn wir ein Baby beobachten, sehen wir, wie entspannt und tief es atmet. Beim Einatmen wölbt sich sein Bauch, beim Ausatmen wird er wieder flach. Seine Lunge füllt sich vollständig mit Luft. Sein Atem fließt frei und überall hin. Wenn ein Baby schreit, schreit es von Kopf bis Fuß, und wenn es lacht, lacht jede Stelle seines Körpers mit. Es zeigt alle seine Gefühle und hält keinen Impuls zurück.

Viele Menschen verlernen das natürliche Atmen, auf Grund der Bedingungen und Einstellungen (Glaubenssätzen) mit denen sie aufwachsen. Wenn wir den Atem anhalten oder sehr flach atmen, nehmen wir unsere Gefühle nicht mehr so deutlich wahr. Im Laufe der Zeit wird es allmählich zu unserer festen Gewohnheit, nicht zu weinen und nicht wütend zu werden. Wir lernten schon als Kinder, die Kontrolle zu behalten.

Oft zählt Traurigkeit zu den unerwünschten Gefühlen, manchmal ist es die Wut, manchmal die Lust, die unterdrückt wird. Unterdrückung bzw. Abwertung bedeutet das Eingreifen in die ursprüngliche Einheit von Körper, Atem, Seele und Geist.

So wird im Körper eine erhöhte Spannung aufgebaut, Verhärtungen entstehen, die Atmung kommt ins Stocken. Parallel zur Entwicklung einer psychischen Struktur in jedem von uns, entwickelt sich entsprechend unserer Atem-Muster eine individuelle Körperstruktur. Zur Verdeutlichung: Mit einer Körperhaltung mit vorgezogenen Schultern und rundem Rücken ist wenig Platz im Brustkorb für die Einatmung. Eine schlechte Voraussetzung, um Gefühle von Stärke, Sicherheit oder Mut ausleben zu können.

Der Körper lügt nicht, und die verdrängten Teile/Gefühle unseres Selbst machen sich irgendwann einfach bemerkbar durch schmerzende oder erkrankende Körperstellen, durch Gefühlsausbrüche, die zum Zusammenbruch führen oder durch Lebenskrisen.

Verbundenes Atmen statt „selbst gemachter“ Stress

Abwertung, Unterdrückung und Widerstand bewirken beim Energie- und Atemstrom im Körper Störungen und Hindernisse, die sich in verschiedenen Formen von Atemhemmungen niederschlagen. Sie beeinträchtigen Ihre Wahrnehmung der aktuellen Situation und begrenzen die vorhandenen Möglichkeiten, damit angemessen umzugehen.

Durch die bewusste Verbindung der Einatmung mit der Ausatmung – in einem entspannten Rhythmus – werden solche Atemhemmungen wahrnehmbar. Dieses verbundene kreisförmige Atmen lenkt die eigene Aufmerksamkeit vollständig auf die Gegenwart in unserem Körper und hilft uns, mit dem Bewusstsein ganz in der Gegenwart und im Körper anwesend zu sein (Hier und Jetzt!).

Damit entsteht ein Kontakt mit unserem körperlichen Gefühl und den damit verbundenen Gedanken und Emotionen. Der verbundene Atem bringt das hervor, was gerade ist, und macht es uns bewusst. Jede Einzelheit im Körper wahrzunehmen und dabei vollkommen entspannt zu sein, bedeutet, JA zu sagen zu dem, was ist, und es urteilslos anzunehmen.

Dieses Annehmen ist ein aktiver innerer Vorgang, indem wir aufhören, etwas abzuwerten oder überhaupt zu bewerten! Dann entsteht Integration. Durch die bewusste Aufmerksamkeit auf die Atmung identifizieren wir uns nicht mehr mit den vorbeikommenden Gedanken und Gefühlen. Wir beobachten uns selbst aus der Perspektive „außerhalb“.

Die Kraft (Energie), die mit den Urteilen und Emotionen blockiert war, wird wieder freigesetzt. Dadurch entstehen für die jetzige Lebenssituation angemessene Wahlmöglichkeiten – ohne Stress!

Es sind keine anderen Ergebnisse zu erwarten, wenn man die Dinge immer wieder auf dieselbe Art und Weise tut. Raus aus dem alten Trott, aus den alten Schuhen! Und dazu reicht es schon, jeden Tag eine winzige Kleinigkeit zu verändern. Nicht beim Partner! Nicht beim Chef! Nicht bei den Kunden! BEI SICH SELBST.

Also: Atmen Sie JETZT ein paar Minuten bewusst ein und aus. Und erst recht, wenn es das nächste Mal wieder hoch hergeht!

Energiesteuerung der Umgebung mit KörperSprache

Sie können die KörperEnergie und damit Ihre Gelassenheit steuern. In einer hektischen, aufgeregten oder auch aggressiven Situation können Sie dies auch und gerade für Ihre Umgebung tun:

Nehmen wir einmal an, ein wichtiger Termin für Ihren Chef steht an und er sucht schon seit einiger Zeit nach den erforderlichen Unterlagen, die aber scheinbar spurlos verschwunden sind. Gereizt, ungeduldig und angriffslustig stürmt er nun in Ihr Büro und beschuldigt Sie, die Unterlagen verlegt zu haben.

Klar, dass Sie sofort in die sprachliche Verteidigung gehen, da Sie wissen, die Unterlagen bereits zurechtgelegt zu haben. Stopp! Bevor Sie irgendetwas sagen, stehen Sie bitte auf,

nehmen eine objektive gerade Haltung ein (besonders auf das angemessenen Maß Ihres Standpunktes achten!),

lassen die Arme hängen,

atmen und

schauen Ihren Chef ganz leicht lächelnd in die Augen.

Halten Sie dies ein paar Atemzüge aus.

Erst wenn Sie merken, dass die Spannung Ihres Chefs weicht – und das wird sie tun! – stellen Sie eine kluge Frage: „Sie haben sicher schon auf dem Sideboard nachgeschaut …?“, und

gehen ruhig, weiterhin bewusst atmend ins Zimmer und holen die Unterlagen.

Trauen Sie sich es auszuprobieren – es wirkt Wunder!

Nehmen wir an, der Gesprächspartner kommt scheinbar uninteressiert oder leicht muffelig auf sie zu. Agieren? Oder Reagieren?

In Sekundenschnelle ist Ihre bis eben noch vorhandene gute Laune getrübt und aus den wahrgenommen Signalen funkt ihr Gehirn: „Achtung, der will bestimmt nicht mit mir sprechen, und besonders sympathisch bin ich ihm auch nicht.“ Aus diesen Gedanken wird ebenso schnell Ihr negatives Gefühl. Schon hat sich Ihr eben noch vorhandenes, leichtes Lächeln verzogen und ihre Mundwinkel zeigen tendenziell nach unten: Sie machen das Sauergesicht! Natürlich haben Sie jetzt die gleiche Ebene zu ihrem Gegenüber, aber ein freudvolles, erfolgreiches Gespräch lässt sich jetzt nicht führen. Außerdem werden Sie durch Ihre äußere und innere Haltung die Prophezeiung erfüllen: „Der will ja doch nicht …“

Gefühle ehrlich zeigen

Wenn Sie sich aber entschließen, das Signal des Partners aufzunehmen und bewusst zu denken. „Dieser Mensch hat zurzeit negative Gedanken und fühlt sich nicht sehr wohl”, dann beschreiben Sie das, was sie sehen, ohne es auf sich zu beziehen und falsch zu werten. Dadurch können Sie entscheiden, dass Sie weiterhin mit einem Lächeln auf diesen Menschen zugehen können und damit die Situation bestimmen.

Kein Mensch – nicht einmal mein ärgster Feind – kann mir meine Stimmung vorgeben! Ich entscheide immer selbst, wie ich dem anderen begegne. Nicht die äußere Situation bestimmt über „Ärger“ oder „Freude“, sondern meine innere Einstellung und Entscheidung dazu. Das Außen ist vielleicht eine Herausforderung, aber niemals ein Zwang, diese auch anzunehmen!

Trifft mich etwas von außen an einem wunden Punkt, so zeigt mir dies nur, dass ich dort eine zu heilende Stelle habe. Wir können Ärgernissen, die uns andere verursachen, im Grunde sogar dankbar sein; zeigen Sie uns doch nur auf, wo wir selbst noch etwas in den Schatten gedrückt haben.

Ein offenes, freundliches Gesicht mit entsprechender Haltung ist selbst dem muffeligsten Gegenüber auf Dauer unwiderstehlich. Das höhere Energiepotential (Freundlichkeit) fließt immer zum niedrigen! Das damit das Gespräch anders startet, können Sie jederzeit leicht ausprobieren.

Die bewusste Entscheidung, die Dinge des Lebens offen anzuschauen, lässt Sie nach außen als auch im Inneren positiver den Tag an- und auf Menschen zugehen. Unangenehme Situationen oder Probleme erscheinen uns bei verkniffener Mundstellung und verengten Augenstellungen eben „verbissen“, „verkniffen“ oder „suspekt“. Sprache beschreibt Körpersprache – der Körper hat Einfluss auf Denken und Fühlen.

Wenn es so gar nicht läuft

Sie kennen das sicher auch: Es gibt Tage, da ist Ihnen nach gar nichts. Sie fühlen sich unbehaglich, jedes Gespräch ist eher lästig. Diese Gefühle sind durchaus zulässig. Unsere Gedanken in Verbindung unserer gesellschaftlichen (überholten!) Regeln aber verbieten den freien Ausdruck dieser Gefühle. Gefühle dieser Art sind Privatsache und gehören eben nicht in die Öffentlichkeit. Diese Rechnung haben wir dann jedoch wieder ohne unseren Körper gemacht. Denn der offenbart uns mit seiner Mimik (heruntergezogene Mundwinkel, trauriger Blick), unserer Gestik (Zurückhaltung der Arme und Hände, Festhalten der linken, emotionalen Hand oder Faust in der Tasche), die Schultern hängen herab.

Oder der Gang ist schleppend und die Füße wollen sich gar nicht vom Boden lösen. All diese Signale stehen dann im Gegensatz zu unserer Aussage: „Mir geht’s gut, ich bin ganz zufrieden (was nur heißt, Sie sind auf dem Weg zum Frieden mit sich Selbst und der Welt!), eigentlich kann ich nicht klagen …“ Warum stehen wir nicht zu unserer Situation, wenn wir sie letztlich doch nicht verstecken können?

Wenn Sie ehrlich antworten und damit Ihre Gefühle annehmen, wird es Ihnen besser gehen. Und auch der Gesprächspartner wird Sie für ehrlich halten, wenn sie anschließend auf der Sachebene zum Gespräch kommen. „Verzeihen Sie, wenn ich so ein Gesicht mache, das geht nicht gegen Sie. Ich habe gerade solche Kopfschmerzen“, oder: „Macht Ihnen dieser Fön auch so zu schaffen? Ich habe richtig Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren.“ So oder ähnlich können Sie sich und ihre Gefühle äußern und vermeiden damit, dass der andere die körpersprachlichen Signale auch noch auf sich persönlich, ablehnend bezieht.

Für Sie selber bedeutet dieses Verhalten, dass das unbehagliche Gefühl nachlässt (es wird wieder auf die seelisch-geistige Ebene gehoben und der Körper kann auf die Signalgebung verzichten!) und Sie sich und anderen aufrichtiger und authentisch erscheinen. Unsere Körper lügt nicht – nur wer eine Einheit aus Körper und Sprache darstellt, kann überzeugend und souverän wirken, Menschen im Gespräch begegnen und sich in seiner Haut wohl fühlen.

Hier ein kleiner Test zur Selbstbeobachtung:

Stellen Sie eine Begrüßungssituation nach und überprüfen Sie Ihre Signale und deren Be-Deutung:

  • Welchen Standpunkt vertreten Sie?
  • Welchen Abstand hat Ihr ausgestreckter Arm zum Gegenüber?
  • In welchem Winkel steht Ihr Oberkörper zu ihrem Gesprächs-Partner?
  • Welche Intensität hat Ihr Händedruck?
  • Welche Kopfhaltung nehmen Sie ein?
  • Wie wirkt Ihr Gesichtsausdruck, speziell der Mund und die Augen?
  • Fragen Sie nach dem spontanen Gesamteindruck bei Ihrem Gegenüber nach ….

Welche konkreten, persönlich erfahrenen Situationen haben Sie erfahren? Bitte schildern Sie mir diese – und wir schauen nach Lösungen, die Sie das nächste Mal anwenden können!


 

  Über die Autorin:

Sabine Mühlisch, ausgebildete Diplom-Sportwissenschaftlerin, ist seit 1986 selbständige Trainerin für KörperSprache & Persönlichkeitsentwicklung.

In den über 25 Jahren als Trainerin mit Managern, UnternehmensLeitern und Privatpersonen hat sie sich einen umfangreichen Erfahrungsschatz zu menschlichem (non-verbalen) Verhalten angeeignet. Sie bietet Seminarreihen zum Thema „KörperSprache als Ausdruck von Geist und Seele“ – auf der Grundlage und in der Auseinandersetzung mit der Arbeit von Prof. Samy Molcho – an. Bereiche dabei sind Kommunikation, Führung, Verkauf, Präsentation und freien Reden. Ihre lebendigen Vorträge und Impulsreden zum Thema „KörperSprache“ werden ergänzt durch Coachings, Seminare und Inspirationen für mittelständische Firmen zum Thema „Vitale UnternehmensKörper“ und IFM-Coachings.

Durch mehrere Bücher, Fachartikel sowie Medienauftritte hat sie den Namen „Grande Dame“ der KörperSprache erhalten.

Im Junfermann Verlag sind von ihr die Bücher Fragen der KörperSprache (2006) sowie Das Prinzip KörperSprache im Unternehmen (2014) erschienen.

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