99 Hefte und 27 Jahre: Die Zeitschrift für Transaktionsanalyse

Nächste Woche erscheint Heft 4/2020 der Zeitschrift für Transaktionsanalyse. Es die 99. Ausgabe, die ich betreut habe. Als ich am 1. September 1993 beim Junfermann Verlag anfing, bestand eine meiner ersten Aufgaben darin, mich um Heft 3/1993 zu kümmern, das die folgenden Beiträge enthielt:

  • Christiane Gérard: Wer sagt, dass es keine blauen Elefanten gibt?
  • Leonhard Schlegel: Die „psychischen Organe“ und ihr Verhältnis zu den Ich-Zuständen nach Berne
  • Emilio Serra & Petra Antweiler: Wortlos verließ der Vater die Küche … Variationen zu Aschenputtel

 

Und heute, 27 Jahre später, blicke ich auf gut 500 Beiträge von mehr als 250 Autorinnen und Autoren zurück. Mit einem Herausgeber und zwei Herausgeberinnen habe ich gearbeitet, mit Fritz Wandel, Ulrike Müller und Karola Brunner; immer gut und einvernehmlich, immer darum bemüht, das gerade anstehende Heft zu einer lesenswerten Ausgabe zu machen.

Organisatorisch wurden meine Kollegin Monika Köster und ich stets gut, freundlich und unterstützend von der Geschäftsstelle begleitet, und das seit vielen Jahren von Marianne Rauter und Kerstin Panagia.

In den zurückliegenden 27 Jahren hat ein beträchtlicher technologischer Wandel stattgefunden. Anfangs gab es z.T. noch maschinengeschriebene Artikel, die im Verlag erst abgetippt werden mussten. Dann wurden hauptsächlich Disketten hin- und hergeschickt, die manchmal beschädigt oder auch gar nicht ankamen. Mit Zeitdruck im Nacken habe ich oft bange auf die Post gewartet. Auch später, als der Versand von Texten über E-Mail erfolgte, lief längst nicht immer alles perfekt und glatt. Doch am Ende gab es immer ein Heft.

Aus etlichen Artikeln oder Kontakten über die Zeitschrift haben sich Bücher entwickelt. Nicht zuletzt deshalb ist die ZTA für uns als Verlag immer ein wichtiges Projekt gewesen. Viele Autorinnen und Autoren haben wir auf den Kongressen persönlich kennengelernt und haben uns etwas zugehörig zur deutschsprachigen „TA-Familie“ gefühlt.

Jetzt, nach insgesamt 36 Jahren (die erste ZTA-Ausgabe erschien 1984) endet für uns als Verlag eine Ära. Und für mich als Junfermann-Mitarbeiterin bricht eine Zeit an, die ich mir noch nicht so richtig vorstellen mag. Bei allen Veränderungen und allem Wandel war die Zeitschrift für Transaktionsanalyse eine echte Konstante. Es waren meine vier „Büchlein“, die ich Jahr für Jahr mit auf den Weg gebracht habe, und ich spüre bereits den ersten Trennungsschmerz.

Wir als Verlag wären gerne den Weg in die digitale Zukunft mitgegangen. Jetzt werden wir von außen beobachten, wie sich dieser Weg gestalten wird. Ich hoffe aber, dass wir weiterhin mit vielen Mitgliedern der TA-Familie in Verbindung bleiben.

Wenn denn ein Schlusspunkt sein muss, dann gefällt mir, dass er für mich nach 99 Ausgaben kommt. 100 wäre einfach zu rund, zu vollkommen.

Ich bedanke mich bei allen an der Zeitschrift Beteiligten für die produktive, interessante und immer lehrreiche Zeit.

Apropos Psychologie!

Podcast-Episode 2: Apropos … Mut!

Vom großen Angsthasen zum Jaguar-Elefanten

Tanja Peters

Tanja Peters; © Foto: Yehdou Fotografie

Davon haben wir meist viel zu wenig: Mut!

Den Mut, etwas Neues zu wagen, den Anfang zu machen, das alltägliche Hamsterrad zu verlassen. Aber: Wir trauen uns nicht! Wieso eigentlich? Angst vor Fehlern? Uralte Glaubenssätze, die uns im Weg stehen? Irrwitzige Schönheitsideale, denen wir nachjagen? Tausend Wenn und Aber im Kopf?

In der zweiten Podcast-Folge von »Apropos Psychologie!« spricht Marion Heier mit der Mutberaterin Tanja Peters aus Köln und stellt fest: Ja! Es geht: Für mehr Selbstbestimmung, mehr Mut, mehr ICH!

 

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Endlich klarkommen mit Deiner Angst – Der neue Online-Kurs von Pablo Hagemeyer

Mit dem Junfermann-Autor Dr. Pablo Hagemeyer, Psychiater und ärztlicher Psychotherapeut, entwickelte Junfermann in Kooperation mit dem Online-Portal Sinnsucher.de einen Online-Kurs zur Bewältigung von Ängsten: „Endlich klarkommen mit Deiner Angst. Wie Du lernst, Deine Ängste zu überwinden und mutig durchs Leben zu reisen“. Die Teilnehmer*in wird mitgenommen auf eine Reise, die ihn zu ihren Ängsten führt, durch sie hindurchgehen lässt, um sie schließlich gestärkt aus ihnen hervortreten zu lassen. Darüber sprachen wir mit dem Autor.

Dr. Pablo Hagemeyer

Dr. Pablo Hagemeyer

 

Warum ein Online-Kurs zur Angstbewältigung?

Pablo Hagemeyer (PH): Dieser Online-Kurs zur Angstbewältigung fehlte: Ein Kurs, der sich viel Zeit nimmt, die einzelnen Schritte zu erklären, die man als Angstpatient*in vor sich hat, wenn man sich den eigenen Ängsten stellt. Typischerweise vermeiden Menschen mit einer Angststörung die Auseinandersetzung mit ihrer Symptomatik: Entweder, weil sie nicht eindeutig wissen, dass es Angst ist, was sie haben, oder weil sie ganz bewusst diesem unangenehmen Gefühl aus dem Weg gehen.

 

Man traut sich also eher ran an sein Problem, wenn es erstmal „nur“ online ist?

PH: Persönliche Hemmschwellen, ein bestimmtes Thema anzupacken, sind häufig leichter überwunden, wer man sich ihnen erstmal via Streaming nähert. Zudem boomen Online-Kurse im Augenblick. Daher hoffe ich auf eine hohe Akzeptanz bei den betroffenen Personen, dass sie sich trauen und darauf einlassen möchten. Das Thema ist – gerade 2020 – von großer Dringlichkeit.

 

Wie kann mir eine Heldenreise dabei helfen?

PH: Die Heldenreise ist eine große Metapher, die niederschwellig ist und wie ein Leitfaden durch die Auseinandersetzung mit der Angst führt. Sie steht für die kognitive Auseinandersetzung, also eine Vorbereitung auf die reale und emotionale Auseinandersetzung. Die Schwellen, die einem die Angst aufzwingt, werden zunächst symbolhaft genommen. Nach dieser mentalen Reise ist die Umsetzung in der Realität für den Klienten oft zum ersten Mal konkret vorstellbar.

 

Welche Vorteile hat ein Online-Kurs gegenüber z. B. einem Selbsthilfebuch?

PH: Online-Kurse sind leicht zu konsumieren, sie sind schnell zugänglich und auch auf mobilen Endgeräten nutzbar. Gerade in der Angstbewältigung kann ich mir sehr gut vorstellen, dass der oder die Klient*in sich einige der Videos anschaut und dann tatsächlich in die Übung geht. Angstpatienten sind oft sehr motiviert, sich ihren Ängsten zu stellen, oft übermotiviert. Statt sich langsam, Schritt für Schritt, der gefürchteten Situation zu nähern, die Angst immer besser auszuhalten und dem Gehirn Zeit zu geben, den Umgang mit einer solchen Situation zu lernen, stürzen sie sich hinein. Das erzeugt schlagartig eine hohe Anspannung und führt zur Frustration.

Hier bietet der Online-Kurs die außergewöhnliche Möglichkeit, sehr kleinschrittig die eigene Exposition, also die Konfrontation mit der angstauslösenden Situation, zu üben. Zudem habe ich visuelle Elemente eingefügt, die man sich leicht einprägt, wie das Angst-Spannungs-Meter. Das visuelle Storytelling funktioniert im Video hervorragend! Und: Ich bin als Therapeut ja fast „live“ dabei und kann wie ein Begleiter auf der Heldenreise falls nötig auch mal „entschleunigen“.

 

Dann würde es reichen, sich den Online-Kurs anzusehen?

PH: Der Online-Kurs funktioniert sicher auch einzeln gut; eben weil er als Begleiter in der realen Situation fungieren kann. Schön ist an dem Sinnnsucher-Kurs auch, dass der Teilnehmer gleichzeitig auch die Tonspur dazu erhält. Wir sind heute so mobil unterwegs, dass es schon einen Unterschied macht, ob ich für mich allein ein Buch lese oder einem Dozenten oder einer Therapeutin lausche. Da ist man – je nach dem eigenen Lern- oder Wahrnehmungstyp – eher bereit, aus der Situation heraus dem Impuls zu folgen, vielleicht doch einmal auszuprobieren, was man bisher vermieden hat. Auch als Hörbuch kann ich mir einen solchen Kurs das gut vorstellen.

 

Also nichts für Menschen, die sich am liebsten mit einem „richtigen“ Buch verkrümeln …

PH: Doch, das Buch zum Kurs kommt ja noch! Dabei möchte ich es aber anders machen, als es leider in vielen, sogar erfolgreichen Büchern zur Angstbewältigung der Fall ist: Für mich ist die praktische Erfahrung wichtig. Oft schieben Autor*innen alles, was es zur Angstbehandlung zu sagen gibt, irgendwie zusammen. Dann fehlt die Gewichtung, und um einen wichtigen Stellhebel wird ein großer Bogen gemacht: der Exposition. Hier ergänzen sich mein Buch und der Online-Kurs und zeigen praxisnah, wie die Exposition sinnvoll und nachhaltig bei Ängsten hilft.

 

Welche war für Sie die größte Herausforderung beim Dreh?

PH: Der erste Tag. Allein im Studio mit einem Publikum zu stehen, das nur aus Regisseur, Kameramann und einem kleinen, schwarzen Loch, dem Objektiv der Kamera bestand.

Obschon ich Kameraerfahrung habe, wurde mir der besondere Moment hier bewusst. Zum Glück hatte ich im Kopf, ich dürfe auch redundant sein, also das Thema mal von der einen und mal von der anderen Seite erzählen. Es ist ja ein Kurs, der über Stunden geht. Bisher war ich gewohnt in „Einsdreißig“, das ist so die Zeit von einer Minute und dreißig Sekunden, alles rauszuhauen, was ich zu sagen habe. Einsdreißig ist so die Zeit für LIVE Kommentare oder so kleine Schnipsel in Interviews. Hier musste ich Sprechgeschwindigkeit und Haltung ändern, ich hatte Zeit. Was auch schön war. Das konnte ich auch genießen bei den Übungen oder den Demonstrationen. Freestyle, war schön. Aber die Anspannung, dann doch irgendwie am vorbereiteten Manuskript zu hängen, blieb ein wenig. Ich glaube, die löste sich dann im Laufe der Tage. Und mein Vegetativum, das freundete sich rasch an und war schon an Tag 2 entspannter. Ich glaube Tag 3 hat mich dann nochmal gefordert, als wir das YouTube-Video drehten. Hier musste alles sitzen, auch marketingtechnisch. Da gab der Regisseur nochmal vollen Einsatz. Der mit seinem Blick und seinen Nachfragen auf das Thema auch mir half, ganz nah am Kursteilnehmer zu bleiben. Da entwickelte sich viel auch aus der Situation. Das war ein schöner Prozess. Am Ende der dreitägigen Drehzeit war ich dann wirklich platt. Aus der Rückschau würde ich sagen, macht Megaspass aber Hochkonzentration und Präsenz sind harte Arbeit.

 

Der Online-Kurs

Exklusives Angebot: Vom 19.11. bis 17.12. wird „Endlich klarkommen mit Deiner Angst“ zusätzlich auch als begleiteter Kurs und Premium-Kurs angeboten, die neben den im Basis-Kurs enthaltenen Inhalten (4 Video-Module, Achtsamkeits- und Entspannungsübungen, 6 Arbeitsblätter, Kurszertifikat) folgende Zusatzangebote aufweisen:

  • Begleiteter Kurs: + 4-wöchige Begleitung durch Dr. Pablo Hagemeyer + exklusiver Zugang zum Kursforum zum Austausch mit Pablo Hagemeyer und anderen Kursteilnehmer*innen
  • Premium-Kurs: + Individuelles 1:1 Online-Coaching mit Pablo Hagemeyer (50 Minuten) + 4-wöchige Begleitung durch Dr. Pablo Hagemeyer + exklusiver Zugang zum Kursforum zum Austausch mit Pablo Hagemeyer und anderen Kursteilnehmer*innen

Weitere Informationen zu den Kurs-Versionen und zur Buchung finden Sie hier.

 

Ein kurzer Einblick …

 

Apropos Psychologie!

Podcast-Episode 1: Apropos … Mimik!

Dirk Eilert; © Foto: Hans Scherhaufer

Was unsere Mimik über unsere Gefühle verrät

Stimmt es, dass wenige Millisekunden darüber entscheiden, ob wie jemanden sympathisch finden oder nicht? Sagt ein Blick wirklich mehr als tausend Worte?

Was bedeutet es, wenn jemand die Arme verschränkt? Muss ich bei wichtigen Gesprächen eine besondere Sitzhaltung einnehmen um souverän zu wirken? Und was mache ich beim ersten Date?

Dirk Eilert, Mimikexperte und Mimikresonanztrainer aus Berlin, verrät worauf es ankommt.

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Apropos Psychologie!

Podcast-Episode 0: Apropos … das bin ich!

Marion Heier

Marion Heier

Die Moderatorin von „Apropos Psychologie!“ heißt Marion Heier und ist als selbständige Dipl.-Journalistin für Printmedien mit dem Fokus auf Kultur und Wirtschaft tätig. Sie ist Mutter einer mittlerweile erwachsenen Tochter, bewegt sich in der Kulturszene gern von Konzert bis Kino, singt im Chor, spielt Tennis und ist neugierig auf Veränderung sowie das, was Menschen umtreibt. Das hat sie unter anderem dazu bewegt, Gastgeberin unseres Podcasts zu sein … Aber das erzählt Marion Heier besser selbst in unserer „Folge 0“:

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Apropos Psychologie!

Apropos Psychologie! – Der Podcast von Junfermann

Apropos Psychologie!Immer alles 1000-prozentig machen? Warum habe ich immer was an mir herumzumäkeln? Müsste ich nicht einfach mal genießen? Glücklich sein? I am what I am! Oder doch besser flüchten? Und wohin dann?  … Wovor habe ich eigentlich Angst?⁠

Marion Heier

Marion Heier

Antworten auf Fragen wie diese findet die Journalistin Marion Heier im brandneuen Junfermann-Podcast »Apropos Psychologie«. In Gesprächen mit Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Coaches erfahren wir aus erster Hand Tricks für ein einfacheres Leben, erhalten überraschende Einblicke in persönliche Erfahrungen und Entwicklungen und lernen eine ganze Menge darüber, wie wir manchmal „ticken“ und warum. ⁠

Psychologisches Knowhow unterhaltsam verpackt. Alle zwei Wochen mittwochs neu. Überall dort, wo es Podcasts gibt!

Weitere Infos unter: https://www.junfermann.de/podcast-apropos-psychologie/c-111

„Wache Schule – achtsamkeitsbasierte Weiterbildung für Pädagog*innen“ – ein erstes Fazit

Es hat keinen Sinn, Kinder zu erziehen – sie machen einem doch alles nach!

Annett Ammer-Wies, Erziehungswissenschaftlerin und Dipl.-Psychologin, gestaltet seit 2013 die Psychologische Beratungsstelle am Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung der Universität Leipzig mit. Im Interview mit unserer Autorin Susanne Krämer geht es um erste Erfahrungen und Beobachtungen aus dem ersten Jahrgang von „Wache Schule“, einer achtsamkeitsbasierten Weiterbildung für Pädagog*innen. Im Herbst startet der zweite Jahrgang.

Ammer-Wies: Was sollen die Lehrerinnen und Lehrer aus deiner Weiterbildung mitnehmen?

Krämer: Wenn wir mehr Achtsamkeit im Schulalltag wollen, müssen wir bei den Pädagogen ansetzen. Wie wir aus der Neurowissenschaft bestätigt bekommen, findet sozio-emotionales Lernen am Vorbild statt. So gehe ich auch in dem 2019 erschienenen Buch Wache Schule vor. Möchte ich Achtsamkeit lehren, dann ist es so wichtig, diese selbst vorzuleben. Ralph Waldo Emerson bringt es auf den Punkt: „What you are speaks so loudly, that I can’t hear what you say you are.” Oder wie Jean Paul sagt: „Es hat keinen Sinn, die Kinder zu erziehen, sie machen einem doch alles nach.“

Deshalb bin ich auch sehr glücklich, dass ich in der Lehramtsausbildung der Universität Leipzig seit 2013 das Seminar „Kommunikation und Achtsamkeit“ anbieten kann, sodass nunmehr über 800 Studierende bereits in ihrer Lehramtsausbildung ein Grundwissen zu achtsamkeitsbasierten Übungen bekommen haben und dies in die Schulen bringen können.

Ammer-Wies: Zurück zur Weiterbildung „Wache Schule“. Was unterscheidet sie von anderen Weiterbildungsangeboten für Lehrkräfte im Kontext gesunde Schule?

Krämer: Viele der bisherigen Ansätze bieten eher eine „Entspannung“ nach stressigen Situationen an. Achtsamkeit zu entwickeln heißt, schwierige Situationen genauer wahrzunehmen mit all den Gedanken, Gefühlen und automatisierten Mustern, die ich und mein Gegenüber da mitreinbringen und diese in einer nicht wertenden, gelassenen Haltung zu bewältigen. Also mich nicht erst danach zu entspannen, sondern mit einer anderen Haltung durchs Leben zu gehen.

Eine achtsame Haltung ist entscheidend für die Beziehung zu Schülerinnen und Schülern.

Für Lehrkräfte heißt diese erhöhte Selbstreflexions- und Selbstregulationsfähigkeit, dass weniger Resignation bei Misserfolgen entsteht und durch die verstärkte Präsenz im Körper die Entspannungs- und Erholungsfähigkeit steigen. Indem man körperliche und psychische Anspannungen schneller wahrnimmt, kann ganz gezielt gegengesteuert werden. Dadurch entstehen mehr Wohlbefinden, Ruhe und Ausgeglichenheit und Angst, Stressgefühle und Depression nehmen ab.

Aber eine achtsame Haltung vorzuleben ist auch entscheidend für die Beziehung zu Schülerinnen und Schülern, denn wie die Lehrperson negative Emotionen ausdrücken bzw. steuern kann, trägt viel zur Qualität unserer Begegnungen bei, was sowohl das Klassenklima als auch die Lernmotivation bessert.

Werden neben diesen „Nebenwirkungen“ den Schülern und Schülerinnen noch explizite Übungen angeboten, können sie besser ihre Impulse wahrnehmen und kontrollieren, sodass es zu weniger Aggressivität kommt und gerade der Schwerpunkt der Weiterbildung zu mehr (Selbst-)Mitgefühl führt, zu einem anderen Miteinander. Darüber hinaus stellen Studien heraus, dass die Übungen auch die selektive Aufmerksamkeit verbessern, Kreativität nimmt zu sowie die kognitive Flexibilität und Merkfähigkeit für den Unterrichtsstoff.

Es ist also weit mehr als ein Gesundheitsprogramm. Eine Schülerin, die ich im Rahmen des Buches interviewte, beschrieb, dass Achtsamkeit ihre Lebensqualität ungemein steigere, weil sie gelernt habe, die „Dinge“, die ihr Leben prägen, bewusster wahrzunehmen, mit den „schlechten“ besser umzugehen und die „guten“ mehr zu gewichten.

Ammer-Wies: Welche Grenzen haben Achtsamkeitsbasierte Programme in der Schule? Für wen oder wann ist dieser Ansatz nicht geeignet?

Krämer: Dies ist ein wichtiger Punkt, den Du da ansprichst. Achtsamkeitsbasierte Programme ersetzen keine Therapie und erst recht nicht im „Großgruppensetting“ der Schule. So helfen diese Programme z.B. Kindern mit ADHS, zur Ruhe zu kommen, und der körperbezogene Ansatz kann auch für traumatisierte Kinder hilfreich sein, jedoch braucht es hier natürlich darüber hinausgehende Begleitung von Fachpersonen.

Häufig wird auch die Angst vor einer Retraumatisierung durch das Auf-sich-Besinnen der Meditationen befürchtet. In einem Artikel des Mindfulness Centre der University of Oxford wurde herausgehoben, dass dies bei den low intensiv practices, welche in der Schule durchgeführt werden, nicht beobachtet werden konnte. Sie heben die gute Ausbildung der anleitenden Person hervor, denn gerade der Umgang mit auftretenden Widerständen und dazugehörig das Angebot der passiven Teilnahme oder Freiwilligkeit, braucht die eigene Achtsamkeitspraxis.

Ammer-Wies: Was meinst Du mit passiver Teilnahme?

Krämer: Kinder haben bereits ein sehr gutes Gespür, wann eine Meditation sie überfordert. Auch wir selbst wissen, wann es gut ist, uns unserem Inneren zuzuwenden und uns damit auch allen Problemen, die da sind, zu stellen oder wann dazu nicht der Rahmen und die Energie gegeben sind. Dann gilt es, Möglichkeiten der passiven Teilnahme in Erwägung zu ziehen, wie das Beobachten der Zeit, ggf. Schlagen eines Gongs bis hin zu einer ruhigen Selbstbeschäftigung („Auszeitecke“). Erstaunlicherweise nehmen Schüler und Schülerinnen auch aus der scheinbar unbeteiligten Beobachtungsposition sehr viel mit!

Es geht nicht darum, das Rad neu zu erfinden, sondern sich das passende anzueignen.

Ammer-Wies: Gehst Du auf solche Thematiken auch in der Weiterbildung ein?

Krämer: Oh ja, die Weiterbildung ist sehr erfahrungs- und praxisorientiert gestaltet. Alle kommen ja mir den Grundvoraussetzungen, dass sie bereits für sich selbst eine eigene Praxis haben, das heißt, wir können gleich mit Umsetzungsformaten für die Schule starten. Diese werden erst aus Schüler*innenperspektive erlebt, reflektiert und dann selbst angeleitet. Insbesondere das Feedback der anderen Pädagog*innen gibt das Vertrauen und die Sicherheit in die eigene Anleitung. Dazu kommen Experimente mit Widerständen, Hinweise zur Einführung in der Schule, beispielsweise: Wie spreche ich Eltern, die Schulleitung und mein Kollegium an? Und natürlich ein beständiges Vertiefen der eigenen Praxis. Ich arbeite mit einem Bausteinkonzept. Die Teilnehmenden erhalten einen Überblick über einen stimmigen Aufbau und können sich dann aus den vorgestellten Übungen selbst ein für sie und ihre Klassen passendes „Programm“ zusammenbauen. Deshalb ist mir die Zusammensetzung der Dozierenden der Weiterbildung auch so wichtig: Katja Bach bringt den körperbasierten Zugang über das Qi Gong ein, Dr. Adrian Bröking stellt Auszüge aus dem Mind the Music Programm, das er in der Sekundarstufe ll einbringt, vor und Nanine Schulz berichtet von ihrem mit vielen spielerischen Elementen versehenen Ansatz mit „Ananda, der weisen Schildkröte“. Mir ist es wichtig, dass jede*r Teilnehmer*in in das Konzept der achtsamkeitsbasierten Pädagogik eingeführt wird, dann vielfältige Zugänge kennenlernt und ausprobiert und dadurch alles in der Hand hat, ihre eigenen Wege zu gehen. Nur wohinter wir stehen, können wir auch voll und ganz „verkörpern“. Es geht nicht darum, das Rad neu zu erfinden, sondern sich das passende anzueignen.

Ammer-Wies: Was erhoffst Du Dir, was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach dem Kurs anders machen?

Krämer: Genau das, was aus dem ersten Jahrgang rückgemeldet wurde, dass die eigene achtsame Haltung im Unterricht sich vertiefte und alle angefangen haben mit der Vermittlung! Das hat mich sehr gefreut!

Indem wir Kinder und Jugendliche zu mehr Selbstwirksamkeit und bewusstem Handeln befähigen, werden sie hoffentlich immer mehr zu einer bewussten Gestaltung der Gesellschaft beitragen.

(Auszug aus dem Newsletter AKiJu – Achtsamkeit für Kinder und Jugendliche, August 2020)

O-Ton einer Teilnehmerin: 
Grundlage für die Fortbildung ist Susannes Buch „Wache Schule“, welches eine Schatzgrube rund um das Thema Achtsamkeit und Schule ist. Die Fortbildung lässt das Geschriebene lebendig werden: praxisorientiert, erlebnis- und erfahrungsorientiert! Eine der besten und schönsten Fortbildungen, die ich zu diesem Thema gemacht habe.
Danke, Susanne!

 

Susanne Krämer ist Dipl.-Schauspielerin, Kommunikationstrainerin, Tai-Chi- und MBSR-Lehrerin. Sie hat seit 2013 den Bereich Kommunikation am Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung der Universität Leipzig aufgebaut und bietet dort u.a. das von ihr entwickelte Seminarkonzept „Kommunikation und Achtsamkeit“ an. Susanne Krämer ist in den Netzwerken „Achtsamkeit in der Pädagogik“ und „Achtsamkeit an Hochschulen“ aktiv und Autorin von Wache Schule – Mit Achtsamkeit zu Ruhe und Präsenz, Junfermann 2019.

 

 

 

 

Annett Ammer-Wies ist Erziehungswissenschaftlerin und Dipl.-Psychologin. Sie hat eine Weiterbildung zur Systemischen Therapeutin und Beraterin (SG) absolviert. Seit 2013 gestaltet sie die Psychologische Beratungsstelle am Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung der Universität Leipzig aus.

Trauern heißt lieben – ein Leben lang

Trauer ist die Kehrseite der Liebe

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Frage, ob Trauer um einen geliebten Menschen ein glückliches Leben ausschließt. Unsere Autorin Christine Kempkes ergänzt damit die beigefügte Lese-Hör-Probe aus Kapitel 5 ihres Buchs Mit der Trauer leben lernen, das am 23.10.2020 im Junfermann Verlag erscheint.

Mit dem Tod eines geliebten Menschen macht das Leben der trauernden Angehörigen eine Vollbremsung. Ganz egal, ob der Tod ganz plötzlich wie ein Blitz einschlägt oder lange ums Haus geschlichen ist, plötzlich wird es still. Die Tage dunkel, die Nächte lang und einsam. Sind alle organisatorischen Dinge rund um die Beerdigung erledigt und ist die letzte Dankkarte geschrieben, meldet sich der Schmerz mit seiner vollen Wucht. Es scheint, als ob es aus diesem Tal der Tränen nie wieder einen Ausweg geben könne.

Werde ich jemals wieder glücklich sein?

Das ist die zentrale Frage, die fast alle Trauernden sich irgendwann verzweifelt stellen.

In meinen Begleitungen erlebe ich diese Frage oft noch in einer anderen Variante: Darf ich überhaupt wieder glücklich sein? Viele Trauernde empfinden es als Verrat an ihrem geliebten Menschen, in ein Leben zurückzukehren, das sich glücklich oder zumindest zufrieden anfühlt, während der geliebte Mensch sterben musste.

Es ist noch nicht allzu lange her, da ging die Trauerpsychologie davon aus, dass Trauer ein Prozess mit einem definierten Anfang und einem Ende ist. Nach Abschluss dieses Prozesses sollten wir unser Leben ohne die Trauer fortsetzen und somit Platz für Lebensfreude schaffen können. Das passte jedoch nicht zu dem Gefühl der trauernden Menschen, die auch Jahre nach dem Verlust noch sehr traurige Tage erlebten und somit meinten, dass irgendetwas mit ihnen offensichtlich nicht stimmen könne.

Der Denkfehler war folgender: Trauer ist die Kehrseite der Liebe. Würden wir nicht so sehr lieben, würden wir auch nicht so sehr trauern. Die Liebe endet jedoch nicht mit dem Tod – glücklicherweise. Wir lieben unser Kind, egal ob es hier auf Erden lebt oder auf der anderen Seite des Weges. Wir lieben unseren Partner bzw. unsere Partnerin, auch wenn er bzw. sie uns bereits vorausgegangen ist. Und das bedeutet im Umkehrschluss: wir werden unser Leben lang bis zu unserem eigenen Tod Trauer spüren – und das ist auch gut so, weil es eben ein Zeichen gelebter Liebe ist. Wir gehen daher heute davon aus, dass zu einem heilsamen Trauerprozess die Integration des Schmerzes gehört. Es geht um Verbindung, nicht um Loslassen. Es geht darum, dem geliebten Menschen einen neuen Platz im Leben einzuräumen. Den Weg fortzusetzen mit der Liebe UND der Trauer im Herzen. Beides darf sein und beides braucht Raum.

Die Liebe endet nicht mit dem Tod.

In dem Moment, wo wir genau das akzeptieren, wo wir der Trauer zugestehen, da sein zu dürfen, ist der Weg – so paradox es klingen mag – für die Lebensfreude geebnet. Dabei poltert sie meist nicht mit einem großen Paukenschlag in das Leben der Trauernden! Sie schleicht sich eher auf leisen Sohlen und in klitzekleinen Schritten heran. So beginnen sie, kleine Glücksmomente zu sammeln, wie Frederik, die Maus aus dem gleichnamigen Kinderbuch, Sonnenstrahlen für den langen Winter sammelt. Diese sonnigen Momente packen Trauernde in ihren Lebensrucksack genauso, wie die traurigen.

Die gute Nachricht lautet: Der Schmerz verändert sich im Laufe der Zeit, er ist nicht mehr so stechend wie am Anfang, er wird milder, er wiegt in unserem Lebensrucksack nicht mehr so schwer wie ein Wackerstein. Wie das möglich ist und was Trauernde selbst aktiv dazu beitragen können, dazu enthält mein Buch zahlreiche Impulse und Anregungen. Immer mit der Haltung, dass es nicht den einen Musterweg gibt, sondern dass Sie Ihren ganz eigenen Trauerweg entdecken dürfen.

 

 

 

 

 

Über die Autorin:

Christine Kempkes ist Bestatterin, zertifizierte Coach und Trauerbegleiterin nach den Richtlinien des BVT, des Fachverbands für Trauerbegleitung. Sie engagiert sich als ehrenamtliche Sterbebegleiterin beim ambulanten Hospiz Oberhausen. Die Themen Sterben, Tod und Trauer dorthin zu holen, wohin sie gehören – in die Mitte des Lebens –, ist ihr ein Herzensanliegen.

Digitale Coachingausbildung

Tanja Klein

Tanja Klein, © Christine Roch

Online-Coachingsitzungen haben sich in Corona-Zeiten in wenigen Monaten etabliert. Das technische Equipment ist überschaubar, über Online-Konferenztools wie z. B. Zoom oder Skype können sich Coach und Coachee vernetzen und austauschen. Doch wie sieht es mit Ausbildungen aus? Die Elemente einer Coaching-Ausbildung komplett in digitale Welt zu übertragen, scheint für viele Trainerinnen und Trainer eine unlösbare Aufgabe. Ausbildungen werden deshalb nur eingeschränkt angeboten oder durchgeführt. Tanja Klein, Systemischer Coach und Coach-Ausbilderin aus Bonn, berichtet, wie sie ihr Neuro-Coach-Ausbildungskonzept für digitale Anforderungen umgearbeitet hat.

 

Wie kann man ein bestehendes Ausbildungskonzept so umarbeiten, dass es auch online umsetzbar ist?

Ich habe alle bestehenden Inhalte analysiert und überlegt, wie ich diese bestmöglich online umsetzen kann. Schon bei der letzten Neuro-Coach-Ausbildung habe ich von Anfang an nach dem Inverted Classroom-Konzept gearbeitet. Dabei findet die Wissensvermittlung via „Frontalunterricht“ ausschließlich via Online-Lektionen statt und nur das wirklich nötigste wird dann in die Präsenzzeiten gelegt. So habe ich zum Beispiel für alle 42 Themen wie zum Beispiel: „Was ist EMDR?“ oder „Was muss ich beim Vorgespräch beachten?“ unterhaltsame Fachinhalte in einer schriftlichen Lektion beschrieben. Zusätzlich habe ich für jeden Inhalt einen eigenen Lehrfilm von ca. einer Stunde aufgenommen.

 

Übrig blieben deshalb „nur“ noch die Bausteine der Präsenztage:

  • Persönliches Kennenlernen / Vernetzung
  • Demo-Coachings
  • Fragerunden nach den Übungscoachings
  • Übungscoachings der TeilnehmerInnen
  • Schriftliche und praktische Prüfung*

Diese Elemente habe ich dann „online übersetzt“ und für jeden Part ein digitales Pendant gefunden. Das persönliche Kennenlernen kann in einer Video-Konferenz stattfinden*. Mittlerweile gibt es auch hier gute Anbieter, die eine interaktive „Treffen“ ermöglichen. Eine weitere Vernetzung findet in unserer eigenen WhatsApp-Gruppe statt. Die fehlenden 18 Demo-Coachings aus den Präsenztagen drehe ich gerade mit einer Teilnehmerin – und stelle diese dann allen anderen Seminarteilnehmern passend zur jeweiligen Lektion zur Verfügung. Alle Fragen zur Online-Lektion und dem Demo-Coaching werden bei einem innerhalb der Video-Konferenzen gestellt. Diese werden immer mitgeschnitten und allen TeilnehmerInnen im Nachgang zur Verfügung gestellt. So verpassen auch zeitlich verhinderte Teilnehmer nichts.

Das allerwichtigste in einer Coachingausbildung ist m.E. die Möglichkeit, im geschützten Rahmen zu coachen und hilfreiches Feedback zu erhalten. Auch hier habe ich einen guten Weg gefunden: Die Teilnehmer organisieren sich eigenständig ihre Übungscoachings und können dann meine Co-Trainerin oder mich via Video-Konferenz „dazu holen“. So haben wir die Chance alle Übungscoachings zu sehen, was innerhalb der Präsenzphase aufgrund der Gruppengröße nicht immer der Fall sein kann. Alternativ können die angehenden Neuro-Coaches auch ihr Übungs-Coaching aufnehmen und uns im Nachgang für ein qualifiziertes Feedback zur Verfügung stellen. Es ist mir auch sehr wichtig, dass jeder Teilnehmer selbst jedes Coachingformat am eigenen Leib erlebt hat. Diese Coachingerfahrungen werden von den Teilnehmern auf den Übungsblättern dokumentiert und noch offene Fragen dort festgehalten. Die schriftliche Prüfung kann ebenfalls via Online-Prüfungsbogen ausgefüllt werden. Auch hier gibt es gute Online-Tools die eine Wissensabfrage ermöglichen. Und für die praktische Prüfung können wir ebenfalls auf die Online-Aufzeichnungen oder einen Livestream zurückgreifen.

 

Wie stellen Sie als Lehrcoach sicher, dass Ihre Ausbildungsteilnehmer das Gelernte verstehen (z. B. durch Demos) und danach selbst einüben können?

Im Online-Modul gibt es zu jedem Thema Hausaufgaben, die uns die TeilnehmerInnen via Mail zu senden. So sehe ich schnell, wo noch ein Verständnisproblem vorhanden ist oder an welcher Stelle ich vielleicht mit einer Zusatzinformation für mehr Verständnis sorgen kann. Zwischen den Online-Modulen gibt es immer die Fragerunden im Video-Modul. Anhand der Art der Fragenstellung meiner TeilnehmerInnen erhalte ich bereits ein gutes Gefühl, wie sicher diese bereits ein Format oder das vermittelte Wissen dazu anwenden können. Selbstverständlich stelle ich auch hier eigene Frage J. Da Janette und ich auch in den Übungscoachings zugeschalten werden können, sehen wir auch hier, wie sicher bereits der Wissenstransfer funktioniert. Es ist mir sehr wichtig, auch in der Online-Ausbildung die Qualität der Coach-Qualifikation aller TeilnehmerInnen hoch ist! Ich konnte bereits bei der letzten Ausbildung gut sehen, wie gut das Konzept mit der Online-Wissensvermittlung funktioniert hat. Meine jetzigen Teilnehmer sind jetzt schon besser auf einem überraschend hohen Niveau und erfreuen sich guter Coachingerfolge mit fremden Übungsklienten. Im Rahmen unserer Ausbildung vermitteln wir extra fremde Übungsklienten, damit unsere Coaches bestmöglich für die Selbstständigkeit vorbereitet sind, denn innerhalb der Übungsgruppe lässt sich oft zu leicht coachen…

 

Wie begleiten Sie die Übenden mit Feedback und Hilfestellungen?

Meine Co-Trainerin und ich halten regelmäßig Kontakt zu den einzelnen TeilnehmerInnen und beantworten auch zwischen den Video-Modulen Fragen. So manches Mal greifen wir auch in der Rolle des Coaches beherzt ein, wenn bei dem ein oder anderen im Ausbildungsverlauf auch mal Zweifel aufkommen, vielleicht nicht gut genug als Coach geeignet zu sein.

 

Einige Coaches schrecken sicher vor den technischen Anforderungen zurück. Wie schätzen Sie das ein?

Dieser Punkt dürfte für viele Ausbilder die größte Hürde sein. Meiner Meinung nach kommt es auf den eigenen Anspruch an. Ich habe zum Beispiel den Wunsch, dass meine Unterlagen besonders schön anzusehen sind und drucke deshalb alle Schulungshandouts sogar in Farbe aus. Ähnlich ist es auch bei den Filmen: Ich nehme mir extrem viel Zeit, jeden Inhalt grafisch noch zusätzlich einzublenden, gute Schnitte zu machen und ein paar kleine „Spezialeffekte“ einzubauen.

Ehrlich gesagt ist dieser Aufwand aber gar nicht nötig, um Wissen gut zu vermitteln. Ein rudimentäres Wissen für ein Textverarbeitungsprogramm wie Word und vielleicht 1 – 2 Tage Beschäftigung mit Youtube und einem Videoschnittprogramm auf dem Handy oder Computer reichen auch aus! Bei Coach-Ausbildern mit sehr hohen Anspruch – oder ggf. auch entsprechenden Auflagen seitens des Coachingverbandes braucht es andere, leider oft auch finanziell kostenintensivere Lösungen. Am Markt gibt es zum Beispiel eigene Lern-Managementprogramme, bei denen alle Inhalte in einem eigenen System (anstatt in Youtube) hochgeladen werden. Hier kann zum Beispiel auch besser nachvollzogen werden, welcher Teilnehmer welche Inhalte bereits angesehen hat. Für die Implementierung solcher Systeme braucht es in der Regel schon etwas mehr Knowhow oder einen guten Dienstleister.

 

Haben Sie Tipps, welches technische Equipment auf keinen Fall fehlen darf?

Ich persönlich drehe alle Filme mit meinem Handy, da hier die Auflösung um viel Vielfaches höher ist als bei der internen Computerkamera. Besonders wackelfrei werden diese Aufnahmen mit einem guten Stativ. Als unverzichtbar sehe ich hier die Verwendung eines externen Mikrofons an. Wahrscheinlich ist das ein zusätzliches Videoschnittprogramm für einige Coach-Ausbilder nicht ganz so unverzichtbar, wie für mich. Aus eigener, schmerzhafter Erfahrung empfehle ich dringend, einen Rechner mit mehr als 8 GB Arbeitsspeicher hierfür zu verwenden… Mein neuer Mac besetzt aus diesem Grunde 32 MB, um diese hohe Datenmenge besser verarbeiten zu können.

 

Wo finden Coaches Hilfe, wenn sie trotz dieses Artikels noch nicht so ganz weiterkommen?

Bei anderen Coaches, denn oft steckt eine emotionale Blockade dahinter! Auch wir Coach-Ausbilder sind leider nicht frei davon. So manche Kollegin hat sich vor ihrem ersten Onlinekurs sabotierende Glaubenssätze wie „Ich habe keine Ahnung von Technik“ oder „Das können nur andere“ erst mal weg coachen lassen müssen.

Bei technischen Fragen zu Videoschnittprogrammen wie Camtasia kann ich die kostenfreien Online-Tutorials sehr empfehlen. Dort habe ich alle Antworten gefunden, die ich für meine bisher 70 gedrehten Filme benötigte.

Natürlich kann man mir auch gerne mal eine Frage via WhatsApp senden oder mal auf http://akademiefuerneurocoaching.de schauen, wie ich das mache.

 

*Sollte es trotz Corona-Virus möglich sein sich zu treffen, werden wir diesen Part und die schriftliche Prüfung gerne offline durchführen.

 

Das Interview ist in verkürzter Form zuerst in Praxis Kommunikation, Ausgabe 4/2020, erschienen und wurde von Simone Scheinert geführt.

 

 

High Five – Krise als Chance, Tag 5

Andrea Schlösser & Karin Kiesele

R wie reisen: Krisenphase 5 – den Prozess reflektieren und Erfolge würdigen

Den Prozess reflektieren

Reflektieren Sie gemeinsam das Erreichte und würdigen Sie den Prozess, den der Klient durchlaufen hat.

  • Wie geht es Ihnen jetzt?
  • Wie haben Sie Ihren Plan in die Tat umgesetzt?
  • Was ist Ihnen hier besonders gut gelungen?
  • Was steht noch an?
  • Wie wollen Sie hier vorgehen?
  • Was brauchen Sie noch, damit Sie auch hier zum Ziel kommen?
  • Was würden Sie jemandem empfehlen, der Ähnliches wie Sie durchmacht?

 

Gemeinsam eruieren Sie mögliche zukünftige Stolpersteine und besprechen, wie Ihr Klient darauf reagieren kann.

 

Risiken ermitteln, einschätzen und absichern

Mögliche Fragen:

  • Welche Hindernisse und Hürden könnten sich Ihnen möglicherweise noch in den Weg stellen?
  • Wie könnten Sie darauf reagieren?
  • Wen oder was müssten Sie dann aktivieren?
  • Was könnte im schlimmsten Fall passieren?
  • Was könnte im besten Fall passieren?
  • Was wird wahrscheinlich passieren?
  • Wie geht es Ihnen dann?
  • Was müssen wir noch für Sie tun, damit es Ihnen auch dauerhaft gut geht?

 

Wer die Erfahrung macht, wie belebend es sich anfühlt, eine schwierige Situation gemeistert zu haben, geht aus diesem Prozess gestärkt hervor.

 

Das Erreichte gemeinsam würdigen

Im Sinne einer nachhaltigen Wirkung könnte es sinnvoll sein, sich mit dem Klienten darüber auszutauschen, wie er zukünftig ähnliche Krisen angehen könnte.

  • Welche Ressourcen / Strategien waren besonders hilfreich?
  • Wie können diese Ressourcen / Strategien Ihnen bei der Bewältigung künftiger Krisen helfen?
  • Was möchten Sie zukünftig weiterhin gut im Blick haben?

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Überblick: Die einzelnen Folgen dieser Serie

Einführung

A wie anfangen: Krisenphase 1 – Verleugnung und Nichtwahrhaben-Wollen

N wie nachfassen: Krisenphase 2 – Emotionen erkunden und reflektieren

K wie konkret werden: Krisenphase 3 = Phase der Neuorientierung

E wie ermitteln: Krisenphase 4 – strategisch vorgehen und Handlungsoptionen entwickeln

R wie reisen: Krisenphase 5 – den Prozess reflektieren und Erfolge würdigen

 

 

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Andrea Schlösser, Coach und Supervisorin DGSv, Mediatorin BM, zertifizierte Trainerin, NLP Master
www.andrea-schloesser.de 
www.neurolines.de

 

 

Karin Kiesele, Kommunikationswissenschaftlerin (B. A.), zertifizierter Personal & Business Coach, zertifizierte Trainerin, NLP Practitioner, Resilienztherapeutin, Mitglied im Deutschsprachigen Dachverband für Positive Psychologie e. V.
www.karin-kiesele.de 
www.worteundtaten.net