Herzlichen Glückwunsch, Marshall Rosenberg!

Heute, am 6.10.2014, wird unser Autor Marshall Rosenberg 80 Jahre alt. Wir, das ganze Verlagsteam, gratulieren ihm ganz herzlich zu seinem Ehrentag. Feiern ist ja ein nicht ganz unwichtiges Element in der Gewaltfreien Kommunikation. Wir feiern Marshalls runden Geburtstag mit einem ganz besonderen Buch, in dem viele GFK-Trainerinnen und -Trainer zu Wort kommen und darüber berichten, auf welches Weise die Gewaltfreie Kommunikation ihr Leben bereichert hat.

 

Happy Birthday Marshall! – Alles Gute zum 80. Geburtstag wünscht das Junfermann-Team

Doch wir möchten auch den Jubilar selbst zu Wort kommen lassen, natürlich begleitet von Wolf und Giraffe 🙂

 

Übrigens: Einen Auszug aus dem Geburtstagbuch für Marshall Rosenberg können Sie hier lesen.

Und: Wenn Sie Marshall Rosenberg zum Geburtstag gratulieren möchten, dann tun Sie es doch hier und jetzt. Wir leiten die guten Wünsche gerne weiter.

„Morgen wird alles besser sein“ – Resilienz und positive Traumafolgen

Von Fabienne Berg
Jede Medaille hat zwei Seiten. Auch ein Trauma. Natürlich gibt es massive Folgestörungen, unter denen Betroffene lange, manchmal ihr ganzes Leben zu leiden haben. Doch selbst die schrecklichsten Erfahrungen können positive Wendungen im Leben bewirken. Wie das möglich ist, möchte ich zunächst mithilfe einer Geschichte zeigen. Es würde mich freuen, wenn meine anschließenden Gedanken zur Idee des posttraumatischen Wachstums Sie anregen würden, sich mit mir darüber auszutauschen.

 

Peters Geschichte

Peter war bereits schwer krank, als ich zum ersten Mal bei ihm und seiner Familie zum Kaffee eingeladen war. Die Diagnose: Knochenkrebs im Endstadium. Ein Todesurteil. Trotzdem saß Peter aufrecht in seinem Krankenbett und sang fröhliche Lieder. Wir saßen um das Bett herum, aßen selbstgebackenen Kuchen und sangen mit. Einige Monate später erlag Peter im Alter von 86 Jahren seinem Leiden. Auf seiner Beerdigung sangen wir Peters Lieblingslieder. Das war sein Wunsch gewesen. Wir sollten nicht weinen, sondern ihn in glücklicher Erinnerung behalten.

Auch vor seiner schlimmen Erkrankung im hohen Alter war Peters Leben mehr als nur einmal von Grenzsituationen und Todesnähe geprägt gewesen. Wie so viele musste er als junger Mann in den Krieg ziehen und für Nazi-Deutschland kämpfen. Einen Krieg, gegen den Peter bereits in seinen politischen Anfängen einen tiefen Widerwillen verspürte. Sein damaliger Arbeitgeber, eine große staatliche Bank, drängte Peter mehrfach, der NSDAP beizutreten. Peter lehnte ab. Kurze Zeit darauf wurde er zum Wehrdienst eingezogen und nach nur vierwöchiger Ausbildung dem Pionier-Panzer-Bataillon 40 zugeordnet, das an Feldzügen in Holland, Belgien, Frankreich, Polen und an der Schlacht von Stalingrad beteiligt war. Seine Frau und seine kleine Tochter blieben zurück.

 

Stalingrad

Der im August 1942 begonnene Angriff auf Stalingrad führte auf beiden Seiten zu hohen Verlusten. In einer Gegenoffensive der Roten Armee im November 1942 wurden die 6. Armee und Teile der 4. Panzerarmee eingekesselt und weitgehend von jedweder Versorgung abgeschnitten. Hitler befahl mehrfach, Ausbruchsversuche zu unterlassen und die Stellung zu halten. Die meisten von Peters Kameraden, die nicht durch „Feindeshand“ ums Leben kamen, starben an Kälte, Mangelernährung und Krankheiten, die sich unter den Soldaten rasch verbreiteten. Ende Januar 1943 wurden Kapitulationsverhandlungen mit der Roten Armee aufgenommen und die wenigen Überlebenden des Panzer-Bataillons 40 wurden dem Zug der sowjetischen Kriegsgefangenen zugeführt, der Peter endlos erschien. Nahezu 100 000 deutsche Soldaten gingen bei Stalingrad in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Ungefähr 6000 überlebten diese; einer von ihnen war Peter.

Was Peter während des Krieges und in der daran anschließenden Gefangenschaft an Grausamkeiten und Unmenschlichkeit erleben und mit ansehen musste, lässt sich kaum in Worte fassen. Erst nach seiner Pensionierung war er in der Lage, vorsichtig und sehr allgemein darüber zu sprechen. Über den Krieg selbst, über die ständige Angst vor Gewalt und Tod und die Sorge und die Sehnsucht nach der Familie und dem Frieden.

 

Kriegsgefangenschaft

Eine Begebenheit, die sich während seiner Zeit in sowjetischer Gefangenschaft ereignete, war Peter jedoch in ganz besonderer Erinnerung geblieben.

Wie viele Kriegsgefangenen musste Peter im Steinbruch arbeiten. Die Arbeit war hart, die Versorgung vollkommen unzureichend. Auch hier sah er viele Menschen sterben. An Hunger, Erschöpfung, Selbstmord und Krankheiten. Auf die Frage, wie lange die Gefangenschaft andauern würde, wurde Peter und seinen Mitgefangenen lediglich mitgeteilt, dass sie „so lange gefangen bleiben müssten, bis sie alles wieder aufgebaut hätten, was die Faschisten zerstört hatten“.

Ab und zu eilten sowjetische Frauen am Steinbruch vorbei. Meist bepackt, mit gesenktem Blick und von eigenen Sorgen geplagt. An einem besonders kalten Tag blieb jedoch eine von ihnen am Steinbruch stehen. Sie hatte Mitleid mit den Zwangsarbeitern und steckte Peter und einem Mitgefangenen ein Stück Brot zu. Dabei sagte sie: „Morgen wird alles besser sein“ und eilte weiter. An diesen Satz klammerte sich Peter fortan jeden Tag. Fünf Jahre lang sprach er ihn mehrfach zu sich selbst und versuchte auch den anderen Mitgefangenen Hoffnung zu vermitteln, indem er versicherte, dass bald alles besser würde.

Irgendwann war tatsächlich „morgen“ und Peters Name wurde auf die Liste der Heimkehrer gesetzt.

 

Heimkehr

Als Peter 1948 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, war er schwer krank, vollkommen entkräftet. Und er fühlte sich fremd – seiner Frau gegenüber, seiner Tochter und seiner Heimatstadt, die zu großen Teilen zerstört war.

An großartige ärztliche Versorgung oder gar Psychotherapie war damals nicht zu denken. Nach nur sechs Monaten wurde Peter von einem Amtsarzt gesundgeschrieben und sollte sich bei seinem früheren Arbeitgeber zurückmelden: bei jener Bank, die ihn damals so sehr gedrängt hatte, der Partei beizutreten. In der Geschäftsleitung saßen noch dieselben Männer wie vor dem Krieg: einflussreiche Nazi-Bonzen in feinen Anzügen, die den Krieg nur vom Hörensagen kannten. Höhnisch erklärten sie Peter, dass die letzte freie Stelle an ein ehemaliges Parteimitglied vergeben worden und für ihn „leider“ kein Platz mehr frei sei.

Als Peter uns diese Erinnerung erzählte, fügte er hinzu: „Ich war schockiert und fassungslos. Gleichzeitig fiel es mir wie Schuppen von den Augen und mir wurde klar: So läuft das System. Ich war froh über diese Klarheit, denn so wusste ich, dass ich einen ganz anderen Weg gehen muss.“

 

Engagierter Pädagoge

Den ging er. Konsequent. Von einem Nachbarn hatte Peter gehört, dass händeringend Lehrer gesucht würden, da sehr viele im Krieg gefallen oder nicht mehr arbeitsfähig waren. So kam es, dass Peter sich als Hilfslehrer meldete und an verschiedenen Schulen in ganz unterschiedlichen Fächern eingesetzt wurde.

Das Zusammensein mit den Kindern bereitete ihm große Freude und Peter empfand seine Arbeit als ausgesprochen sinnvoll. Einige Zeit später nahm Peter neben dem Schuldienst ein Studium auf. Er wurde „richtiger“ Lehrer und bildete sich später zum Sonderschulpädagogen weiter. Die Verfolgung geistig und körperlich beeinträchtigter Menschen unter Hitler hatte sich tief in sein Gedächtnis eingegraben und ihn lange Zeit nicht losgelassen. Also machte er sich auf, beeinträchtigte Kinder und Jugendliche aus ihrer Isolation heraus in die Schulen zu holen. 1963 wurde er Rektor einer Sonderschule und 1976 mit dem Verdienstorden der BRD für die besondere Förderung von Lernbehinderten ausgezeichnet. Für seine Schüler und deren Eltern war Peter während seiner gesamten Dienstzeit der „liebe Direktor“. Beim Schulamt aber war er „gefürchtet“, da er sich auch entgegen jedweder Sparpolitik hartnäckig stets für die Interessen der Schüler und seine Schulpolitik eingesetzt hatte.

 

Was bedeutet Peters Geschichte?

Ich kenne Peters Familie nun schon seit vielen Jahren. Ihn selbst habe ich nur kurz gekannt. Bei jeder Begegnung erlebte ich ihn als einen ausgesprochen offenen, herzlichen und toleranten Menschen, der immer ein nettes Wort und ein offenes Ohr für alle Menschen in seinem Umfeld hatte.

Seine Geschichte hatte mich beeindruckt und fasziniert, schon lange bevor ich mich mit dem Thema Resilienz auseinanderzusetzen begann. Dieser Mann hatte es nicht nur geschafft, den Krieg und die Gefangenschaft zu überstehen, sondern hatte, um mit Kästner zu sprechen, aus den Steinen, die ihm in den Weg gelegt worden, etwas Schönes gebaut.

Wie war ihm das gelungen? War Peter eine jener Ausnahmepersönlichkeiten, die über weitaus mehr Willensstärke und Durchhaltevermögen verfügen als die meisten von uns? Oder ist seine Geschichte im Kern vielleicht gar nicht so selten?

 

Posttraumatisches Wachstum

In der Psychologie gibt es einen Begriff für diese Art der positiven Traumafolge: posttraumatisches Wachstum. Häufig wird er als eine Art Gegenstück zu den posttraumatischen Belastungsstörungen „gehandelt“. Mit posttraumatischem Wachstum beschreibt man die Folgen eines möglichen positiven inneren Transformatiosprozesses, den traumatisierte Menschen im Zuge der Beschäftigung mit ihrem Trauma durchlaufen und aus dem sie am Ende als gestärkt und gereift hervorgehen. Eine schöne Vorstellung.

Trotzdem wird dem posttraumatischen Wachstum bei weitem nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie den posttraumatischen Störungen. Ich habe mal stichprobenartig nachgefragt: Von 17 Traumabetroffenen, die ich angeschrieben hatte, kannten 17 den Begriff der Belastungsstörungen, aber nur eine wusste etwas mit posttraumatischem Wachstum anzufangen. Schade, wie ich finde.

Und ich frage mich: Wissen vielleicht andere Menschen, die ich nicht direkt befragen konnte, etwas über Wachstum als Traumafolge? Sind Sie mit dem Konzept vertraut? Was meinen Sie dazu?

 

Was mir geholfen hätte

Ich kann nur für mich sprechen, aber mir hätte es damals große Hoffnung und Mut gemacht, wenn mir jemand gesagt hätte, dass es nicht nur Belastungsstörungen, sondern vielleicht auch positive Folgen geben kann. Auch wenn ich darunter zu leiden hätte, nicht so belastbar wie andere Menschen meines Alters zu sein: Später könnte ich mir dennoch meiner Stärken und Prioritäten bewusst werden und würde vielleicht so einen Weg finden, trotz verringerter Belastbarkeit glücklich und berufstätig zu sein.

Bestimmt hätte ich mich auch sehr darüber gefreut, nicht nur etwas über sehr wahrscheinliche Schwierigkeiten zu hören, künftig Vertrauen aufzubauen. Es hätte mir geholfen, um die Möglichkeit zu wissen, langsamer an Beziehungen und Freundschaften heranzugehen und so auf behutsame Weise sehr enge und langjährige Verbindungen einzugehen.

Und ganz sicher wäre es mir im Gedächtnis geblieben, wenn ich gehört hätte, dass ich möglicherweise den kleinen Dingen im Leben und dem Leben selbst in mit einem ganz intensiven Gefühl der Dankbarkeit und Wertschätzung begegnen würde. Durch meine Heilung war mir schließlich das Leben zurückgegeben worden.

Was hätte Ihnen geholfen? Was hätten Sie sich an meiner Stelle gewünscht?

 

Beide Seiten der Medaille sehen

All diese Aspekte können Ausdruck posttraumatischen Wachstums sein. Und selbst wenn nicht alle Punkte auf jeden gleichermaßen zutreffen mögen und auch wenn es daneben Belastungsstörungen gib: Ich finde, es sollten beide Seiten der Medaille, beide Formen möglicher Traumafolgen Beachtung finden. Hoffnung ist ein kostbares Gut. Gerade in Situationen, die schwierig sind und in denen mit raschen positiven Ergebnissen nicht zu rechnen ist. Hätte Peter damals keine Hoffnung mehr in sich gespürt, so hätte er die schlimmste Zeit in seinem Leben nicht überlebt. Weder hätte er eine Sonderschule geleitet und Freude und Sinn darin gefunden, noch hätte er seine Tochter und seine Enkeltöchter aufwachsen sehen und nach 1948 ein ein glückliches Leben führen können.

 

Unsere Seele zu nähren und ihr Hoffnung zu schenken, gerade dann, wenn sie es am nötigsten braucht – nichts anderes ist Resilienz zu üben. Wir verleugnen das Dunkel nicht, aber wir glauben trotzdem an das Licht. Und auch wenn es uns manchmal sehr lange so vorkommt, dass die Dunkelheit größer ist als das Licht, so kann es uns helfen darauf zu vertrauen, dass mit jeder noch so kleinen positiven Entscheidung für unser Leben das Licht immer heller und größer wird und selbst aus der schwärzesten Nacht ein neuer Tag entsteht.

Ein neuer Tag – das ist morgen. Und morgen kann alles schon besser sein.

 

Ich würde mich sehr freuen, weitere Geschichten und Erfahrungen zu hören. Mögen Sie mir etwas mitteilen, vielleicht auch Gedanken zum Thema positive Traumafolgen?

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Fabienne Berg hat Sprach- und Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt außeruniversitäre Erwachsenenbildung studiert. Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Traumabewältigung befasst sie sich vor allem mit den Auswirkungen seelischer Verletzungen sowie mit den Zusammenhängen von Heilung und Selbstfindung. Besonders liegt ihr am Herzen, andere Menschen für ihre individuellen Entwicklungsmöglichkeiten zu sensibilisieren und sie auf ihrem Heilungsweg zu unterstützen und zu stärken.

Bei Junfermann sind ihre Bücher Mut, Kraft und Liebe wünsche ich dir  (2012) und Übungsbuch Resilienz (2014) erschienen.

Resilienz – das Schlimme mit dem Guten heilen

Elisabeth war, als ich sie vor über zehn Jahren in einer Beratungseinrichtung kennenlernte, 61 Jahre alt und befand sich damals am gefühlten Tiefpunkt ihres Lebens. Als Kind misshandelt worden, setzte sich die Gewalt durch ihren Mann in ihrer ersten Ehe fort und Elisabeths Leben zog wie ein schlechter Traum all die Jahre an ihr vorbei. Nachdem ihr Mann nach Jahren der Alkoholabhängigkeit gestorben war, brachen die Wunden der älteren und jüngeren Vergangenheit in ihr auf und der Schmerz schien zunächst größer zu sein als ihre Kraft. Nach einem glücklicherweise erfolglosen Suizidversuch und einem daran anschließenden Klinikaufenthalt begann Elisabeth eine Therapie zu machen und sich nach mehr als sechs Jahrzehnten für sich selbst und das Leben zu öffnen.

Als Elisabeth und ich uns kennenlernten, war ich eine junge Frau von 26 Jahren. Ich weiß noch genau, wie traurig ich lange Zeit darüber gewesen war, keine wirkliche Kindheit und Jugend gehabt zu haben. Dennoch konnte ich mich mit der Vorstellung trösten, auch nach der Aufarbeitung meiner Vergangenheit sehr wahrscheinlich noch den größten Teil meines Lebens vor mir zu haben. Wie aber musste sich jemand fühlen, der wie Elisabeth den größeren Teil seiner Lebenszeit bereits hinter sich hatte und diese Zeit alles andere als glücklich gewesen war?

Ich war sehr überrascht über ihre Reaktion auf meine vorsichtige Frage, ob es nicht vielleicht besser für sie gewesen wäre, wenn all der Schmerz nicht hochgekommen wäre.

„Nein! Im Gegenteil! Ich bin so froh darüber. Nun kann ich endlich anfangen zu leben.“ Mit 61 Jahren anfangen zu leben.

Zwei Jahre später erfüllte sich Elisabeth ihren Lebenstraum. Sie verkaufte alles, was sie besaß und kaufte sich ein kleines Haus an der Nordsee. „Weißt du, in der Stadt hatte ich immer das Gefühl zu ersticken. Hier an der See bekomme ich endlich wieder Luft!“

Einige Zeit darauf bekam ich einen Brief von der Nordsee mit einem Foto von Elisabeth, wie sie vor ihrem neuen Haus stand. Sie war kaum wieder zu erkennen – so sehr strahlte sie.

Nach zwei weiteren Jahren bekam ich wieder Post von ihr. Es war eine Einladung – zu Elisabeths Hochzeit! Auf einer Wattwanderung hatte sie die Liebe ihres Lebens kennengelernt. Mit 64! Ich folgte ihrer Einladung – und kann mich nicht entsinnen, je zuvor eine so schöne und so glückliche Braut gesehen zu haben.

Elisabeths Geschichte hatte mich damals tief berührt und mir großen Mut gemacht, auch an meine eigene Heilung zu glauben.

Jahre später, im Zusammenhang mit den Recherchearbeiten für mein Resilienzbuch, hatte ich Elisabeth befragt. Was war es bei ihr gewesen, das sie wieder zurück ins Leben geholt hatte? Sie erzählte mir, dass sie während des Klinikaufenthalts nach ihrem Suizidversuch immer wieder ein bestimmtes Bild gemalt hatte: von einem Haus am Meer. Eine Ärztin in der Klinik und auch andere Patientinnen hatten sie daraufhin auf ihr Bild angesprochen und immer wenn Elisabeth anfing, von dem Haus am Meer zu erzählen, spürte sie in sich so etwas wie ein Aufglimmen von Hoffnung, ein Gefühl von neuem Lebensmut. In vielen Gesprächen und Übungen mit ihrer späteren Therapeutin begann Elisabeth zu verstehen, dass es an ihr lag, ob sich der Traum vom Haus am Meer erfüllen würde oder nicht. Sie lernte, was es heißt, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und wollte alles loslassen, was sie von „ihrem Haus am Meer“ trennte. Also sah sie ihrer Vergangenheit ins Auge: den Schlägen in ihrer Kindheit, den Übergriffen ihres Onkels und dem Horror ihrer ersten Ehe.

„Das war wirklich eine harte Zeit. Ich habe so viel geweint. Und wenn ich dachte, ich schaffe es nicht, dann habe ich das Bild hervorgeholt – von meinem Haus am Meer. Von meinem neuen Leben. Im Grunde vom Leben überhaupt.“

Ohne sich dessen bewusst zu sein, ist Elisabeth auf ihre Art dem Konzept der Resilienz gefolgt: Sie verband sich mit einer Zukunftsvision, die in ihr ein Gefühl des Friedens und des Glücks auslöste und setzte mithilfe ihrer Therapeutin alles daran, dieses Glück wahr werden und die Vergangenheit loszulassen. Sie war kein Opfer mehr; sie war eine Frau, die ihren Weg ging.

Resilienz zu üben bedeutet nicht nur, unsere Seele zu stärken; es bedeutet gleichzeitig auch, dem Leben entgegenzugehen; dem Leben zu vertrauen lernen. Ganz gleich, wie alt wir sind, woher wir kommen und was wir erlebt haben. Vor dem Leben mitsamt seinen Krisen sind wir alle gleich. Ich glaube ganz fest daran, dass wir lernen können dem Leben zu vertrauen. Dass in jedem von uns sozusagen „ein ganz persönliches Haus am Meer“ schlummert. Dass es immer Hoffnung gibt und dass wir das Schlimme mit dem Guten heilen können.

Elisabeth sagte in dem Zusammenhang zu mir: „Ich bin so froh darüber, dass ich jetzt hier bin. Jeder Tag in meinem neuen Leben kommt mir vor wie ein ganzer Monat des Glücks und jeder Monat zählt für ein ganzes Jahr. Wenn man mich am Ende meines Lebens danach fragen sollte, so kann ich sagen, dass ich in viel stärkerem Maße glücklich in meinem Leben war als ich traurig gewesen bin.“

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Fabienne Berg hat Sprach- und Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt außeruniversitäre Erwachsenenbildung studiert. Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Traumabewältigung befasst sie sich vor allem mit den Auswirkungen seelischer Verletzungen sowie mit den Zusammenhängen von Heilung und Selbstfindung. Besonders liegt ihr am Herzen, andere Menschen für ihre individuellen Entwicklungsmöglichkeiten zu sensibilisieren und sie auf ihrem Heilungsweg zu unterstützen und zu stärken.

Bei Junfermann sind ihre Bücher Mut, Kraft und Liebe wünsche ich dir  (2012) und Übungsbuch Resilienz (2014) erschienen.

 

Feuerkind – Wasserkind: ein Video-Interview mit Stephen Cowan

Stephen Cowan

Stephen Cowan, ein amerikanischer Kinderarzt, hat mithilfe der Chinesischen Medizin einen neuen Ansatz im Umgang mit ADHS entwickelt. Sein Buch „Feuerkind – Wasserkind“ erscheint Ende Mai 2014 bei Junfermann. Wir zeigen Ihnen im Folgenden eine Reihe von Videos, in denen der Autor Fragen zu seinem Buch beantwortet. Die deutsche Übersetzung finden Sie jeweils als Text vor dem Video-Clip.


Wieso haben Sie dieses Buch geschrieben?
Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich mit dem Gesundheitssystem unzufrieden war. Statt genauer hinzusehen, warum in unserer Kultur Kinder nicht aufmerksam sind, werden einfach Rezepte aufgrund von Symptomen ausgestellt. Mir sind bei genauerer Betrachtung sehr viele sehr praktikable Lösungen eingefallen, um Kindern ganz individuell zu helfen, ihre besten Charakterzüge hervorzubringen.

Wer sollte dieses Buch lesen?
Jeder, der mit einem Kind mit Aufmerksamkeitsproblemen arbeitet oder ein solches Kind hat. Wenn Sie ein Elternteil, Lehrer oder Arzt sind und mit Kindern arbeiten, die Probleme haben aufmerksam zu sein: Dieses Buch wurde speziell dafür geschrieben, Ihnen praktische Alltagslösungen für das Problem des Kindes zu liefern.

Was heißt „Aufmerksamkeitsdefizit“?
Wir sind dafür gemacht, aufmerksam zu sein. Das ist es, was unser Nervensystem tut. Tatsächlich ist alles was wir sind dafür da, aufmerksam zu sein. Buddha sagte: „Dem weisen Mann gilt Aufmerksamkeit als sein größtes Juwel.“ Aufmerksamkeit ist eine von den Qualitäten, die wir veredeln und trainieren können; das weiß man seit tausenden von Jahren. In unserer Gesellschaft geschieht jedoch Folgendes: Die Dinge denen wir Aufmerksamkeit schenken, werden zu den Dingen, von denen wir abgelenkt werden. Und das vergessen wir häufig. Lassen Sie mich das erklären: Die Dinge, die ein Kind anziehend findet, sagen wir Bewegung, ein Kind liebt Bewegung …
Nun, wenn es keine Bewegung auf der Welt gäbe, dann würde ein Kind genau dadurch abgelenkt. Die kleinste Sache, die sich bewegt, müsste das Kind anschauen. Das gleiche gilt für ein Kind, das über Bilder oder Karten lernt oder über reden oder darüber, dass es den Kontext versteht oder den Ablauf. Wenn sie sich unsicher fühlen, werden all diese verschiedenen Arten, die Menschen stimulieren, die mit ihrer Begabung zu tun haben, mit ihren Stärken und Talenten, zu den Dingen, von denen sie abgelenkt werden.

Wieso ist ADHS in den USA zu einer „Epidemie“ geworden?
In unserer Kultur ist ADHS aus vielen Gründen zu einer Epidemie geworden. Es ist nicht bloß das chemische Ungleichgewicht im Gehirn eines Kindes. Kinder werden entweder überstimuliert oder viel zu wenig stimuliert. In unseren Schulen finden sich eine Form von Vereinheitlichung und eine Fließband-Mentalität, durch die die unterschiedlichen Temperamente von Kindern nicht gut unterstützt werden. Die Lehrer stehen dabei unter großem Druck, den wiederum die Kinder aufnehmen. Kinder lernen auf sehr unterschiedliche Arten, die nicht berücksichtigt werden. Durch ihr Wachstum ergeben sich Ungleichgewichte in der Ernährung. Es gibt also viele, viele Gründe, die ich in dem Buch „Feuerkind – Wasserkind“ aufgreife. Eltern können sich auf diese Weise angesprochen fühlen, all die kleinen Puzzleteile zusammenzufügen, um schließlich im Großen und Ganzen zu verstehen, wieso ADHS in unserer Gesellschaft eine solche Epidemie ist.

Inwiefern ist Ihr Verständnis des ADHS einzigartig?
Es ist sehr wichtig, dass ich ADHS als Symptom und nicht als Krankheit ansehe. Nun fragen Sie möglicherweise: „Was bedeutet das?“ Nun, wenn wir Symptome behandeln, geht es jemandem für kurze Zeit besser; auf lange Sicht ist aber die Behandlung von Symptomen schlechte Medizin. Wir sollten die Wurzel des Problems kennen. Was ich mittlerweile in Bezug auf ADHS verstanden habe ist, dass es ein Schrei um Hilfe ist. Jedes Symptom, zum Beispiel Fieber, ist es ein Schrei nach Hilfe, wie ein Alarmsignal: „Etwas stimmt in meiner Umgebung nicht“, aber nicht: „Etwas stimmt mit mir nicht“. Und es ist enorm wichtig, das zu verstehen, dass nämlich Kinder keinen Defekt oder Mangel haben, es ist nichts falsch an ihnen. Sie bitten lediglich um Hilfe. Und das ist es, wofür Symptome stehen. Und so haben wir auf der einen Seite großartige Charakterzüge, die sich immer dann zeigen, wenn die Kinder sich in einer sicheren Situation befinden, wenn sie sich sicher fühlen, wenn sie sich in ihrer Umgebung wohlfühlen. Und auf der anderen Seite, wenn die Kinder unsicher sind, wenn ihre Charakterstärken nicht mit ihrer Umgebung harmonieren, sehen Sie die ADHS-Symptome.

Was bietet dieses Buch, was andere Bücher nicht bieten?
Einzigartig an dem Buch ist, wie ich meine langjährigen Studien der Chinesischen Medizin eingebaut habe. In der Chinesischen Medizin kommt ein viel natürlicheres, ganzheitliches System zu Tragen, um ein Kind in dem Kontext zu verstehen, in dem seine individuellen Charakterstärken und Vorzüge zur vollen Entfaltung gelangen. Nicht zu erwarten, dass sie alle gleich sind; nicht zu erwarten, dass jedes Kind den gleichen Dingen auf die gleiche Art und Weise Aufmerksamkeit schenkt. Indem wir ihre Unterschiede anerkennen, können wir alle Kinder dazu befähigen, großartig zu sein.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Chinesischer Medizin und ADHS?
Ich habe mich bemüht einen anderen Weg zu finden, um ADHS zu verstehen. Mit der Chinesischen Medizin habe ich ein neues und zugleich sehr altes System gefunden, das allen Kindern mit ADHS helfen kann. Chinesische Medizin ist ein ganzheitliches System, das jedes menschliche Wesen als ganzheitlichen Teil seines Umfeldes versteht. Und ich habe herausgefunden, dass dieses System sehr praktikable Lösungen für Kinder anbietet. Und Eltern gewinnen ein Verständnis ihrer Kinder, in dem physisches Erscheinung und Verhalten sowie Ernährungsweise, Umgebung und die Art aufmerksam zu sein integriert sind. Und wenn man ein Kind ganzheitlich versteht, ist es um einiges leichter, einfache Lösungen zu finden, die sich als beruhigend für Probleme erweisen.

Was bedeutet der Titel „Feuerkind – Wasserkind“?
Der Titel meines Buches hat mit den fünf verschiedenen adaptiven Stilen von Kindern zu tun. Wenn man versteht, wer das Kind ist, ist es viel einfacher einen Behandlungsplan individuell abzustimmen. Da haben wir zum Beispiel das Feuer-Kind. Es ist ein spaßliebendes, charismatisches Kind, das, wenn es sich in sicher fühlt,  jeder gern hat. Fühlt es sich aber unsicher ist, gerät es außer Kontrolle, zeigt sich überstimuliert, bricht auf dramatische Weise zusammen. Das Holz-Kind ist, wenn es sicher ist, der Anführer, der Wegbereiter, der Unternehmer, der weiß, dass er es auf seine ganz eigene Art und Weise tun muss. Aber wenn es unsicher ist, wird es hyperaktiv und aggressiv. Das Erde-Kind ist ein natürlicher Friedenstifter, der es liebt, wenn alle miteinander klarkommen, aber wenn es unsicher ist, ist es leicht verwirrt. Das Metall-Kind liebt, wenn es sicher ist, Präzision und Ordnung und sieht die Schönheit im Detail. Aber wenn es unsicher ist, verliert es sich in Details und sieht das große Ganze nicht mehr. Und dann gibt es das Wasser-Kind, welches, wenn es sicher ist, ein großes Vorstellungsvermögen hat, viel Kreativität und tiefe Gedankengänge. Wenn es unsicher wird, verliert es sich in seinen eigenen Gedanken und verliert den Kontakt zum Rest der Welt.
Für alle diese Kinder gilt: Wenn wir ihnen eine sichere Basis schaffen, können ihre Vorzüge zum tragen kommen, ihre Aufmerksamkeit ändert sich; und wenn sie dann unsicher werden, können wir verstehen, dass ADHS ein Symptom oder ein Hilferuf ist; dass diese Kinder nicht aufmerksam sein können, weil sie unsicher sind.

Was nimmt man von diesem Buch mit?
Die Botschaft, die man aus diesem Buch mitnehmen kann, ist: Wir sollten unsere Verschiedenheit annehmen, denn sie ermöglicht es uns, dass wir nützlich für die Gesellschaft sein können. Und wenn es lernt seine Emotionen zu regulieren, seine Stärken zu erkennen und zu nutzen, wenn es lernt, sein großes Herz in die Welt zu bringen, kann jedes Kind zu einem Menschen werden, den wir alle lieben und schätzen.

Mauerblümchen oder Rampensau? Teil 2: Was sind die anderen?

In der letzten Woche hatten wir Ihnen angeboten, sich mithilfe einer Geschichte selbst einzuschätzen. Es gab dazu einige Diskussionsbeiträge – und wir hoffen, dass auch in dieser Woche sich einige von Ihnen beteiligen werden. Welche Figur aus der Geschichte von Jenison Thomkins welchem Energiemuster entspricht können Sie jeweils ganz oben in den nachfolgenden Energiemuster-Kurzporträts nachlesen. Sie erhalten auch erste Anhaltspunkte, um andere Menschen einschätzen zu können.

Und das ist heute Ihre Aufgabe: Lesen Sie die Kurz-Charakterisierungen der Energiemuster und schreiben Sie uns bitte, welchen der folgenden Prominenten Sie in welchem Muster wiedererkennen und warum:

  • Thomas Gottschalk
  • Hella von Sinnen
  • Silvio Berlusconi
  • Joey Kelly
  • Helmut Schmidt
  • Angela Merkel
  • Sandra Maischberger
  • Stan Laurel

 

Ihre Antwort können Sie hier posten – oder Sie schicken eine E-Mail an meine Kollegin Katharina Arnold (arnold@junfermann.de). Unter allen Einsendungen verlosen wir am 17. März 2014 drei Exemplare von Jenison Thomkins Buch „Mauerblümchen oder Rampensau“.

 

Der Aggressive Einschüchterer
In der Entscheidungsgeschichte weist die Figur des Mannes zahlreiche Eigenschaften eines Aggressiven Einschüchterers auf: Er besteht auf Einhaltung von verbindlich vereinbarten Regeln. Zu seinem Wort stehen, Loyalität und Aufgabenorientierung sind für ihn höchste Werte und Verrat ist das Schlimmste. Genau den hat die Frau aber nach seinem Wertekodex begangen. Außerdem möchte er lieber der handelnde Retter als der abhängige Gerettete sein. Die Frau hätte auf ihn warten und ihm vertrauen sollen, anstatt vorschnell und unvernünftig zu handeln, ihn dabei noch zu betrügen und sich selbst zum Opfer der Willkür des Fährmanns zu machen. Er will selbst über sein Leben entscheiden und nicht von anderen Menschen „zwangsbeglückt“ werden. Durch die Tat der Frau fühlt er sich zudem als Mann gekränkt und seine Entscheidung erscheint ihm deshalb hart aber konsequent. Letztlich schützt sie ihn und sein starres Weltbild.

Aggressive Einschüchterer sagen meist frei heraus, was sie denken. Weil sie an sich glauben und sich grundsätzlich im Recht fühlen, sehen sie für sich keinen Änderungsbedarf, stehen Therapien skeptisch gegenüber und betrachten sich selbst als Maß aller Dinge, an dem andere sich ein Vorbild nehmen sollen. Sie sind schlagfertig – ihr scharfer Verstand ist ihre stärkste Waffe – und möchten andere Menschen und Prozesse im Griff haben. Kontrolle ist ihre zweite Natur. Überall möchten sie den Ton angeben und meinen auch, dass das erstens ihre Aufgabe ist, weil es zweitens niemand anders tut. Sie lieben das Große und Ganze, das Wichtige, Übergeordnete, Prinzipielle, Ewige. Sie bewerten stets und ständig.

Aggressive Einschüchterer haben meist eine drahtige, muskulöse, gut gebaute Figur. Stärke und Kraft sind ihnen wichtig. Sie möchten wahr- und ernst genommen, lieber gefürchtet als geliebt werden. Auf ein perfektes und untadeliges Äußeres legen sie großen Wert und ihr Kleidungsstil zeichnet sich durch reduzierte Farben und Schnitte aus. Sie machen keine Experimente, sondern bevorzugen akkurate, klassische oder trendige, aber immer gepflegte Kleidung.

 

Besserwisser
Vielleicht erinnern Sie sich, dass in der Geschichte die Figur der Frau in ihrem Denken und Handeln einer Besserwisserin entspricht: Sie versucht alles zu regeln, lässt sich widerspruchslos auf die Bedingungen der anderen ein und akzeptiert auch die Unterstützungsverweigerung des Weisen. Egal unter welchen Umständen: Sie bemüht sich, die beste Lösung herbeizuführen, auch wenn sie dabei den Kürzeren zieht. Sie hofft, dass sie richtig gehandelt hat, ist aber „blauäugig“ und schätzt den Mann falsch ein. Sie glaubt an „Win-Win“-Lösungen und dass der Zweck die Mittel heiligt“, weshalb sie von der harten Reaktion des Mannes maßlos enttäuscht ist.

Besserwisser sind innerlich ängstlich, überspielen dies jedoch mit fröhlichem, unbesorgtem Auftreten. Darunter verbergen sich immense Sorgen: nicht zu genügen, nicht sicher zu sein, keine Kontrolle zu haben, ohnmächtig zu sein. Sie kompensieren all das mit scheinbarer Souveränität und Ruhe. Auch Witz und Charme versprühen sie, wo immer sie können. Dadurch möchten sie eine stabile Situation schaffen, in der sie sich wohl fühlen und entspannen können.

Besserwisser sehen es als ihre Aufgabe an, die Welt mit Vernunft zu retten. Dafür sind sie stets auf der Suche nach der richtigen Methode oder Masche.

Besserwisser sind weder dünn, drahtig noch richtig dick. Sie halten sich in der Mitte. Typisch für sie sind stets neue Fitness- und Diätansätze, die sie eine Weile durchhalten und dann abebben lassen. Selten lassen sie sich ganz aus der Form gehen, Übergewicht oder eine mangelnde Kondition empfinden sie als peinlich. Wie die Aggressiven Einschüchterer achten sie auf ihr Äußeres und möchten immer einen optimalen Eindruck machen. Aber dafür fehlt ihnen die Disziplin. Ihr Kleiderstil schwankt zwischen akkurat-ernst und kindlich-fröhlich, mit frohen Farben, extravaganten Schnitten und Mustern.

 

Kleines Kind
In der Entscheidungsgeschichte zeigt die Figur des Fährmanns einige typische Verhaltensweisen des Energiemusters „Kleines Kind“. Er handelt lustorientiert und konsequent nach seinen persönlichen Bedürfnissen. Wenn er die gefährliche Fahrt schon unternimmt, will er wenigstens einen angemessenen „Lohn“! Welche Probleme das für die Frau mit sich bringt, interessiert ihn nicht.

Bei Kleinen Kindern hat man das Gefühl, sie sind richtig da. Ob sie wollen oder nicht, sie sind im Präsens, fühlen, schmecken, riechen und bringen sich ins Rampenlicht. Sie erzählen offen und ausführlich über ihre Gefühle, und denken nicht darüber nach, wie das bei anderen ankommt. Dinge, die außerhalb ihres Gesichtsfeldes sind, sehen sie nicht. Wenn man ihnen sagt, dass sie etwas nicht gesehen haben, zucken Sie mit den Schultern. Das macht Ihnen auch nichts aus. Sie sind auf Anhieb sympathisch, man fühlt sich menschlich zu Ihnen hingezogen und hat Spaß mit ihnen. Allerdings fehlt ihnen echtes Interesse am anderen.

Kleine Kinder wirken oft auch äußerlich kindlich. Runde Gesichter, runde Augen, Pausbäckchen, Kussmündchen, Stupsnäschen, Doppelkinn, fettiges Haar. Häufig sind sie pummelig oder übergewichtig. Auch ihr Kleidungsstil ist süßlich-kindlich, mitunter auch schlampig geprägt.

 

Rückzieher
Erinnern Sie sich an den Weisen aus der Geschichte? Er symbolisiert die Einstellungen und Verhaltensweisen eines „Rückziehers“: Er will keine Verantwortung übernehmen und nicht in die Sache hineingezogen werden. Moralische Urteile liegen ihm nicht, weil er sie kritisch hinterfragt. Selbst zu einer moralischen Instanz zu werden liegt ihm fern. Er beobachtet lieber was passiert und mischt sich nicht ein. Die Menschen sollen selbst herausfinden, was für sie passt, so wie er es für sich selbst auch immer tut. „Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner!“ ist seine Maxime.

Rückzieher sind wachsam und misstrauisch. Sie rechnen bei ihren Mitmenschen stets mit dem Ärgsten. Immer sind sie gut informiert und analysieren Situationen kühl und sachlich. Daten, Fakten, Objektivität, Neutralität und Freiheit gelten ihnen viel. Sie haben gelernt, dass sie sich letztlich nur auf ihren Verstand verlassen können und möchten Abhängigkeiten von anderen um jeden Preis vermeiden. Rückzieher sind Experten in all den Dingen, die niemand anders gerne tut, z.B. Buchhaltung und IT. Hier können sie entspannen, denn gegen die Technik und tote Dinge gewinnen sie in jedem Fall.

Äußerlich sind Rückzieher meistens schlank, dünn, drahtig oder auch dürr. Mit ihren schmalen Schultern signalisieren sie Schwäche, um geschont zu werden. Dabei sind sie zäh und ausdauernd wie Bergziegen. Da sie innerlich ständig auf der Flucht sind, schaffen sie sich keine überflüssigen Pfunde an, die sie beim (Weg-)Laufen hindern könnten. Die ehrgeizigen Rückzieher achten auf ihr Äußeres, sind hier aber keine Perfektionisten. Sie passen sich an gegebene Forderungen wie Dienstkleidung etc. an.

Mauerblümchen oder Rampensau? Teil 1: Was bin ich?

Heute möchten wir Sie zu einem kleinen Selbsterkundungsexperiment einladen! Jenison Thomkins beschreibt in ihrem soeben erschienenen Buch „Mauerblümchen oder Rampensau“ ein Modell von vier Energiemustern: „Aggressiver Einschüchterer“, „Besserwisser“, „Kleines Kind“ und „Rückzieher“. Dieses Modell kann uns helfen, uns selbst, aber auch andere Menschen besser zu verstehen. Wie aber findet man heraus, welches bei einem selbst das dominante Energiemuster ist? Jenison Thomkins hat hierfür eine Entscheidungsgeschichte geschrieben. Lesen Sie sie durch und klären Sie mithilfe der anschließenden Fragen, mit welcher Figur Sie sich am ehesten identifizieren können.

In der nächsten Woche (am 3.3.2014) finden Sie an dieser Stelle die Auflösung. Wir verraten, welche Figur welchem Energiemuster entspricht und statten Sie mit einigen grundlegenden Informationen zu den einzelnen Mustern aus. Und: Nächste Woche stellen wir Ihnen eine neue Aufgabe: Sie sollen nach dem Modell der Energiemuster Prominente einschätzen. Und dann verlosen wir auch 3 Exemplare von „Mauerblümchen oder Rampensau“.

Wir wünschen Ihnen jetzt viel Spaß bei der Selbsteinschätzung. Und wer nicht bis nächste Woche auf die Auflösung warten will: Das Buch ist im Handel erhältlich 😉

 

„Wer hat recht?“ – die Entscheidungsgeschichte

Es lebte einmal eine schöne arme Frau in einem fernen Land an einem breiten Fluss. Sie liebte einen Mann, der auf der anderen Flussseite wohnte. Der Mann liebte sie auch sehr und sie hatten vor zu heiraten. Aber der Mann stellte die Bedingung, dass sie noch ein Jahr warten sollten, um zu prüfen, ob ihre Liebe stark genug sei. In dem Jahr sollten sie sich nicht sehen und auch keinen anderen Partner haben. Sie willigte ein und so schlossen sie einen Vertrag, dass sie in einem Jahr zu ihm kommen und seine Frau werden solle, wenn sie sich dann noch liebten und sie noch Jungfrau sei.

Es fiel der Frau sehr schwer, auf ihren Geliebten zu verzichten, aber sie hielt durch. Als das Jahr vorüber war, freute sie sich sehr, ihn endlich wiederzusehen und seine Frau zu werden. Da brach ein großes Unwetter im ganzen Land aus, das alle Brücken über den Fluss zerstörte. Es gab nur noch einen mutigen Fährmann, der Fahrgäste für horrende Summen ans andere Ufer brachte. Die Frau hörte lange Zeit nichts von ihrem Geliebten und sorgte sich sehr, ob er durch das Unwetter zu Schaden gekommen sei. Nach einem halben Jahr vergeblichen Wartens auf eine Nachricht wollte sie unbedingt hinüber, um ihn zu sehen.

Sie ging zum Fährmann und bat ihn, sie über das reißende Wasser zu bringen. Der Fährmann war zu der gefährlichen Aktion bereit, aber nur, wenn er viel Geld von ihr bekäme. Sie sagte ihm, dass sie arm sei. Daraufhin grinste er sie dreist an und schlug ihr vor, mit ihrem schönen Körper zu bezahlen. Die Frau bat sich Bedenkzeit aus. Sie ging zu einem Weisen und fragte ihn um Rat. Der alte Mann strich über seinen langen weißen Bart und dachte lange nach. Schließlich schüttelte er bedauernd den Kopf und sagte, dass er ihr nicht raten könne. Sie müsse selbst die Entscheidung fällen. Sie rang sehr mit sich, fand aber keine andere Lösung und willigte schließlich in den Handel mit dem Fährmann ein.

Der brachte sie nach erfolgter Gegenleistung schließlich über den Fluss, wo sie gleich ihren Geliebten aufsuchte, der das Unwetter glücklicherweise gut überstanden hatte. Er freute sich sehr, sie zu sehen und schloss sie in die Arme. Sie war selig und fragte ihn, ob er sie nun heiraten würde. Daraufhin fragte er sie, ob sie sich an den Vertrag gehalten habe. Sie bejahte: „Ich liebe dich immer noch genau wie vor einem Jahr!“ „Und warst du mir auch treu?“ fragte er weiter. „Natürlich!“ antwortete sie heftig, denn die Sache mit dem Fährmann war ja nur ein notwendiges Opfer gewesen. Nun wollte er aber genau wissen, wie sie das viele Geld für die Überfahrt aufgebracht habe. Sie zögerte und gestand schließlich, wie sich die ganze Geschichte mit dem Weisen und dem Fährmann zugetragen hatte.

Da stieß er sie heftig von sich und warf ihr vor, dass sie den Vertrag nicht eingehalten habe und er sie nun nicht mehr heiraten könne, weil sie keine Jungfrau mehr sei. Die Frau erschrak. Sie versuchte verzweifelt, ihm zu erklären, wie sehr sie sich nach ihm gesehnt und dass es keine andere Lösung gegeben hätte. Aber der Mann ließ sich nicht mehr umstimmen und schickte sie fort. So ging die Frau verzweifelt fort und verfiel in eine tiefe Depression.

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So viel zu der Geschichte. Bleiben Sie nun bitte ganz bei sich und spüren Sie zur Einschätzung Ihres bevorzugten Energiemusters den Überzeugungen in Ihrem tiefsten Inneren nach. Überlegen Sie für sich – und schreiben sie sie dann auf!

Die Geschichte eignet sich im Übrigen auch als abendfüllendes Gesellschaftsspiel, als Einstellungstest oder als kreative Seminarmethode, wenn sie das Thema Werte, Einstellungen und Persönlichkeit behandeln möchten.

 

Fragen zu „Wer hat recht?

1. Wer hat aus Ihrer Sicht in der Geschichte richtig, und wer falsch gehandelt? Und warum?

Der Mann, weil …

Die Frau, weil …

Der Fährmann, weil …

Der Weise, weil …

 

2. Wen verstehen Sie am besten? Warum?

Den Mann, weil …

Die Frau, weil …

Den Fährmann, weil …

Den Weisen, weil …

 

3. Wen verstehen Sie am wenigsten? Warum?

Den Mann, weil …

Die Frau, weil …

Den Fährmann, weil …

Den Weisen, weil …

 

4. Was hätten Sie als Berater zum/zur … gesagt?

Mann:

Frau:

Fährmann:

Weisen:

 

5. Was glauben Sie, ist aus ihnen geworden?

Mann:

Frau:

Fährmann:

Weiser:

 

6. Wie hätte man das Problem aus Ihrer Sicht verhindern können?

 

7. Welche der vier angebotenen Wahlmöglichkeiten stellt für Sie den wichtigsten Wert dar?

Gewinn, Liebe, Ehre, Vernunft

Sabine Mühlisch im Interview

Am 21. Februar erscheint das neue Buch unserer Autorin Sabine Mühlisch. Mit ihren handlungs- und selbsterfahrungsorientierten Trainingsreihen und Seminaren gibt sie nun schon seit über 20 Jahren Einzelklienten und Gruppen (etwa in Firmen etc.) ungewöhnliche, aber effektive Ratschläge und Inspirationen für das persönliche Weiterkommen. In ihrem Buch „Das Prinzip KörperSprache im Unternehmen“ geht es um lebendige Arbeitsgestaltung und das Zusammenwirken von wirtschaftlichen und (zwischen-)menschlichen Interessen. Wir haben der Autorin einmal „auf den Zahn gefühlt“…

Liebe Frau Mühlisch,
haben Sie im neuen Jahr schon irgendetwas Verrücktes oder Ungewöhnliches – sprich: Inspirierendes getan?

„Ich habe das neue Jahr gleich sehr inspirierend begonnen! Menschen aus fünf Nationen mit vier Sprachen und entsprechenden Feier-Verhaltensweisen haben mich ins neue Jahr begleitet. Von Bauchtanz – Iranische Frauen! – bis Beatfox mit einem Senegalesen war viel Bemerkenswertes dabei. Wer Freude daran hatte, bewegte sich aus seinem Herzen heraus – ohne Vorgaben oder Normen. So waren Lachen und Herzlichkeit einfach bezaubernd. Das Essen war ebenso vielfältig und jenseits des mir bisher Bekannten. Haben Sie schon einmal frischen, rohen Spinat mit Granatäpfeln genossen? Köstlich – und so vital …“

Das klingt in der Tat sehr inspirierend und lebendig! Auch im Titel Ihres aktuellen Buches tauchen die Wörter „Inspiration“ und „lebendig“ auf – Begriffe, die vermutlich jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer gerne mit dem Job verbinden würde. Was macht für Sie „lebendige Arbeit“ aus?

„Ein langjähriger Kunden hat mir dazu gerade gestern am Telefon eine Frage gestellt: ‚Frau Mühlisch‘, sagte er, ‚Sie klingen immer fröhlich. – Wann erwische ich mal einen schlechten Tag bei Ihnen?‘ Meine Antwort: ‚Kenne ich nicht! Um ausgeglichen zu sein, gehören 20 Prozent ‚schlechte’ Tage ins Leben. Ich verteile dies auf ein paar Minuten am Tag – und die sind schnell um …‘ Für mich ist es ganz wichtig, dass ich das, was ich gerade tue, gerne mache und nichts machen ‚muss‘ oder mich dazu zwinge. Dann habe ich meist ein leichtes Grinsen im Gesicht – einfach so. Ich lebe/liebe dann meine Tätigkeit, und auch das Wort ‚Arbeit‘ ist fast aus meinem Wortschatz verschwunden. Ich lebe mich und meine Fähigkeiten, indem ich tue, was ich gerade tue. Als Selbstständige kann ich sicherlich meiner ‚(Lebens-)Freude‘ folgen und auch mal nachts aufstehen und ein Konzept für einen Kunden zu Papier bringen. Die üblichen, zeitlichen Vorgaben verhindern lebendiges Wirken und Tun. Wenn ich eine Inspiration, also einen geistigen Impuls, habe, dann folge ich ihm unabhängig von der Tageszeit – und erlebe lebendiges Tun.“

Das klingt nach der ganz großen Freiheit! Nun sind natürlich viele von uns nicht selbstständig, müssen sich also an konkrete (Zeit-)Vorgaben halten. Was raten Sie solchen Menschen, um sich trotz fester Strukturen freier zu fühlen?

„Zum ersten auf die eigene (Gedanken-)Sprache achten! Das Wort „müssen“ erzeugt physischen und psychischen Druck, der sich als Stress äußert. Jeder Mensch kann wählen, das, was er gerade tut, auch zu wollen, zu wünschen. ‚Ich möchte jetzt das Angebot erstellen, damit es in zwei Stunden fertig ist‘ hat eine andere Freiheit als ‚Ich muss das jetzt bis 14 Uhr schaffen‘. Außerdem hat jeder die Möglichkeit, in seinem Umfeld an Systemen zu arbeiten statt in ihnen. Die innere Haltung vom Opfer – der Umstände – zum Schöpfer seiner Gegebenheiten wechseln. Dazu habe ich im Buch auch einige praktikable Beispiele zusammengetragen.“

Sie haben inzwischen ja schon mit wirklich vielen Unternehmen zusammengearbeitet und als sogenannte Inspiratorin neue Wege aufgezeigt. Aus welchen Gründen werden Sie denn hauptsächlich kontaktiert? Mit welchen Problemen oder Widerständen wenden sich Ihre Kunden an Sie?

„Oh, das ist so vielfältig wie Menschen und deren Unternehmen! Vor einigen Jahren kamen Kunden, um besonders zum Jahresbeginn eine Kick-off-Veranstaltung anzubieten, die ‚mal was anderes‘ sein sollte. Neues halt, was noch keiner hatte. Dann kamen Unternehmer, die mit den bisherigen Management-Tools nicht so recht weiterkamen und aufgeschlossen für Neues waren.
Ich habe aber auch mit Unternehmen zu tun gehabt, die mir ‚eigentlich‘ beweisen wollten, dass es nicht geht, was ich Ihnen angeboten hatte, und dass sie so weitermachen sollten wie bisher … um dann zu erkennen, dass sich in ihnen nach der Inspiration etwas getan hatte und sich regte … eben erst einmal auf-geregt … öffnen und sich regen. Es gab aber auch Mitarbeiter, die eine innere Sehnsucht hatten, die ich mit meinen Themen ansprach, und die sich deshalb für Ihre ‚Jahresfortbildung‘ einen Tag mit mir als Inspiratorin gewünscht haben. Natürlich waren auch viele Kunden dabei, die meine Seminare und Coachings zum Thema KörperSprache kennen- und schätzen gelernt hatten und mir vertrauten: ‚Frau Mühlisch, erzählen Sie mal, was ist denn nun das Prinzip KörperSprache im Unternehmen?’“

Das greife ich gern auf: Frau Mühlisch, Was ist denn nun das Prinzip KörperSprache im Unternehmen? – Ganz kurz und prägnant auf den Punkt gebracht?

„So wie unser Geist durch unseren physischen Körper nach außen, mit anderen Menschen, und nach innen, zu uns selbst, spricht, so spricht auch ein UnternehmensKörper zu Kunden und Mitarbeitern. Wer diese Sprache, das biologische Prinzip darin, versteht, kann Störungen vorbeugen, Verhalten leichter ändern und lebt mit der innewohnenden Biologie statt gegen sie. Das Ergebnis: gesunde, langlebige, vitale und kreative UnternehmensKörper, die sinnstiftend erschaffen.“

Wenn Sie einmal „Mühlisch allmächtig“ spielen dürften – Welche drei Verbesserungen für deutsche Unternehmen bzw. das Arbeitsleben allgemein würden Sie gerne auf der Stelle umsetzen?

„Oh – Allmacht? Gutes Stichwort: Selbstermächtigung für jeden in einem Unternehmen beteiligten Menschen würde vieles hin zum biologischen UnternehmensKörper ordnen. Denn wo Macht – machen – abgegeben wird, leiden Kreativität, Handlungsfreude und Schaffenskraft. Dann würde ich gerne die Entscheidungsfindung mit Unterstützung des Herzens als sofortiges ‚Do‘ einführen – Entscheidungen würden allen Beteiligten nutzen – sowie eine Überprüfungspflicht, ob die innerbetrieblichen Abläufe mit ähnlichen biologischen Abläufen übereinstimmen. So würden wir immer auf der Lebensspur bleiben und viel Unheil sowie ‚try and error’’ vermeiden können.“

Können Sie einmal an einem konkreten Beispiel kurz erläutern, wie „Entscheidungsfindung mit Unterstützung des Herzens“ aussehen könnte? Und was steht dem in den Unternehmen entgegen?

„Ich nehme mal ein ganz einfaches Beispiel: Ein Angebot wurde mit einem definierten Zeitpunkt zur Umsetzung versendet. Der Kunde reagiert jedoch nicht. Es gibt nun drei Möglichkeiten aus dem Verstand: 1. Nichts mehr unternehmen 2. Mail schreiben 3. Anrufen und nachfragen. Welche Entscheidung ist die Herzentscheidung und damit die passende? Ich denke an den Kunden, verbinde mich mit ihm mental und stelle mir nacheinander die Fragen: Anrufen? Mail? Nichts unternehmen?, und fokussiere meine Wahrnehmung dabei auf mein physisches Herz. Dieses erzeugt ein körperlich spürbares Gefühl. Bei einem Ja wird die Region weit und das Gefühl geht nach oben in die Kopfregion. Bei einem Nein nach unten in die Bauchregion. Derzeit ist es für viele Menschen im Unternehmen noch unbekannt, dass sie Herzentscheidungen bewusst einsetzen können, und viele trauen ihrem Herzen noch nicht. Daher ja auch ein ganzes Kapitel mit Anleitung, Ermutigung und Erklärung im Buch.“

Welche tatsächliche Veränderung in einem der Unternehmen, in denen Sie tätig waren, hat Sie persönlich am meisten beeindruckt? Und warum?

„Krieg in Frieden umzuwandeln. Der Krieg bestand in dem Unternehmen seit Jahren zwischen Außen- und Innendienst. Die Facetten der ‚Kriegsführung‘ waren bereits in vielfältigste Formen ausgeartet: Von offenen Anschuldigungen (‚Wenn der Innendienst … gemacht hätte, hätten wir den Kunden auch bekommen …’/’Wenn der Außendienst uns nicht immer Unmögliches in kürzester Zeit abverlangen würden, dann …‘ etc.) bis hin zu Mobbing, Zurückhalten von Unterlagen und Informationen oder ähnliches war alles dabei. Die Idee, dass Außen- und Innendienst wie die beiden Hände des Unternehmens agieren und funktionieren, erzielte eine Pause im bisherigen Krieg und schaffte eine bewusste neue Perspektive. Ich habe dann Mitarbeiter beider Dienste sich zusammenfinden und ihre Hände miteinander verschränken lassen, neue, gemeinsame Formen gestalten lassen, und diese Bilder der (Körper-)Sprache sprachen für sich. Eine Hand konnte nur beschränkt vollbringen, was beide zusammen leicht und teilweise nur zusammen vollbringen konnten. So mussten sie sich z. B. gemeinsam einen Schuh zubinden – jeder hatte aber nur eine Hand. Lustig anzusehen, was da erst einmal für Kommunikations- und Motorik-Schwierigkeiten auftraten. Aber alle haben zum Schluss den Schuh gemeinsam zugebunden. Es gibt vielfältige Arten, dies zu tun – auch eine Erkenntnis!
Wir haben dann den bisherigen Krieg einfach beendet – ohne Klärung, wer Sieger ist oder Recht hatte – und eine neue Sprache vereinbart: ‚Die rechte Hand (Außendienst) braucht die linke Hand (Innendienst) um …‘ – und umgekehrt. Die Mitarbeiter haben sogar einen ‚Untertitel‘ in Form einer Hand an die Bürotüren angebracht. Die Kommunikation wurde sofort friedlich, kooperativ und effektiv. Ein analoges Körper-Bild, was erstaunliche Wirkungen hatte.“

Ein schönes Beispiel – und eine ganz ungewöhnliche Methode, um Konflikte zu lösen. Mal Hand aufs Herz: Wie viel Überredungskunst müssen Sie leisten, bevor die Betroffenen in den Unternehmen sich auf solche Übungen einlassen?

„In diesem Fall keine! Menschen, egal welchen Alters, spielen gerne, lassen sich auf lustige und bewegungsorientierte Situationen ein. Ich habe natürlich ein wenig provoziert, als ich die Aufgabe gestellt habe: ‚Ich bin sicher, Sie schaffen es nicht, sich einen Schuh zuzubinden …‘ Würden Sie dann nicht auch sofort das Gegenteil beweisen wollen?“

Woran hapert es Ihrer Meinung nach bei den Klienten, die bisher weniger Veränderungspotenzial gezeigt haben?

„Es hapert nicht nur, es ist eine unbewusste, meist diffuse, tiefgehende Angst. Angst vor der Veränderung ist immer Angst vor dem Unbekannten. Und so bleibt jeder Klient, ob Einzelmensch oder Unternehmen, gerne im Bekannten, solange es noch erträglich ist und die ‚Schmerzen‘ auszuhalten sind. Erst wenn das Verhältnis 49:51 umkippt und damit die Beschwerden, Schmerzen oder Einbußen steigen, wird Veränderung not-wendig. Nur: Wer schon in Not ist und dann noch über seinen Schatten springen und Neues wagen soll, der hat es doppelt schwer. Ein bewusster Zugang zu bereits ‚leichten‘ Auffälligkeiten mit dem Wissen um die Ängste vor Änderung kann einer Not und deren erzwungene Wendung vorbeugen. Veränderung als Lebensgrundlage zu erkennen – und das sogar täglich – ist auch eine Hinwendung zum biologischen Unternehmen und gesunden Körper. Wussten Sie, dass wir stündlich ca. 2.000 Zellen erneuern?! Das nenne ich lebendige, biologische Veränderung!“

Um noch einmal zu dem Mühlisch-allmächtig-Spiel zurückzukommen: Stellen Sie sich vor, Sie wären mit ausreichend Geld gesegnet und bekämen den Auftrag, ein eigenes Unternehmen aufzubauen? Wie könnten wir uns das vorstellen? Und welchen (Produkt-/Kunden-)Bereich würden Sie auswählen?

„Ich habe bereits zwei eigene Unternehmen, die ich seit Jahren führe. Das war übrigens nie eine Frage des Geldes, es zu starten. Ich verstehe Ihre Frage so, dass ich ein Unternehmen gründen könnte, das mit vielen Mitarbeitern und nicht – wie in meinem Fall – mit freien, selbstständigen Partner aufgebaut ist?“

Genau!

„Ich würde mich gerne im Lebensmittelbereich ‚einmischen‘, wenn ich den aktuellen Regeln und damit verbundenen (Geld-)Zwängen nicht unterworfen wäre. Ich würde gerade hier ein biologisches Unternehmen mit biologischen Produkten für vitale Menschen gestalten. Das würde mit den Bauten nach energetischen Gesichtspunkten beginnen, in denen Lebensmittel aus natürlicher Produktion angeboten werden, die regional gewonnen werden, nur aus saisonaler Ernte stammen und Verarbeitung auf natürlichem Wege gewährleisten … Es müssten also viele Standorte sein. Mit Mitunternehmern (Mitarbeitern), die leben, was sie anbieten, sich mit natürlicher Ernährung und Pflanzenwelt auskennen, vielleicht sogar Zubereitungen kennen, Rezepte empfehlen … Ich komme gerade ins Phantasieren, oder ist das schon wieder eine Inspiration ;-)? Danke für die Frage – solche führen meist zu solchen Vorgängen, sprich Antworten, die entstehen … Inspiration in Anwendung.“

Gerne! Dann hoffe ich, dass meine letzte Frage auch inspirierend wirkt: Einmal abgesehen vom Firmengründen – was wünschen Sie sich für das Jahr 2014?

„Ich persönlich wünsche mir nur noch selten etwas. Ich spüre ein Bedürfnis und suche nach einer Erfüllung/Realisierung. Begehren oder Verlangen habe ich höchstens mal nach … nein, das verrate ich jetzt nicht. 🙂 Ich weiß, dass ich der Schöpfer meiner Realität bin, und wenn da etwas nicht so ist, wie es sich für mich angenehm anfühlt, dann kann ich Veränderungen einleiten. Für die Welt wünsche ich mir BewusstSein, denn wer im Wissen ist, kann selbstbestimmt und frei wählen, seine Realität erschaffen und braucht keine Hoffnung und somit keine guten Wünsche auf eine bessere Zukunft – er erschafft sie.“

Vielen Dank für das Interview, Frau Mühlisch!

„Gern geschehen!“

Warum ein „Tag der Mimik“, Herr Eilert?

Dirk W. Eilert

Dirk W. Eilert ist auf vielen Bühnen zu Hause. U.a. für die „Welt“ und die „Wirtschaftswoche“ analysierte er die Mimik von Jürgen Klopp, Peer Steinbrück oder Pep Guardiola. Auf der RBB-Welle „radioeins“ bekommt er demnächst seine eigene Sendung „Der Gesichterleser“. Er leitet sein eigenes Traininigsinstitut, macht viele Seminare und ist Buchautor. Am 23. September erscheint bei Junfermann sein Buch „Mimikresonanz. Gefühle sehen. Menschen verstehen“ und für den 27. September hat er den „Tag der Mimik“ ins Leben gerufen.

Warum veranstalten Sie einen Tag der Mimik, Herr Eilert?
Die Mimik ist der Teil der Körpersprache, der am zuverlässigsten transportiert, wie sich ein Mensch fühlt. Dies liegt auch daran, dass unsere mimische Muskulatur direkt mit dem Emotionszentrum (dem limbischen System) verdrahtet ist. Leider wird die Mimik in den gängigen Körpersprache-Seminaren weitestgehend vernachlässigt. Studien haben aber gezeigt, dass Training nötig ist, um auch kleinste Signale im Gesicht zu erkennen und um präzise einschätzen zu können, wie jemand sich fühlt. Das ist für jeden wichtig, der von Angesicht zu Angesicht kommuniziert – zum Beispiel als Coach oder Therapeut, als Kundenberater oder Führungskraft sowie im Service. Mit dem „Tag der Mimik“ möchten wir hier einen Impuls setzen.

Was wird denn am 27. September 2013 passieren?
Es wird Mimikresonanz-Erlebnisvorträge in 11 verschiedenen Städten geben – in Deutschland und Österreich. Die Vorträge beginnen alle zur gleichen Uhrzeit, um 18:30 Uhr. Und das Besondere bei diesem ersten Tag der Mimik ist, dass jeder Teilnehmer mein neues Buch geschenkt bekommt. Es erscheint am 23. September.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen solchen Tag zu veranstalten?
Die Idee ist aus dem Kreis der Mimikresonanz-Trainer entstanden.

Wie kann man am „Tag der Mimik“ teilnehmen?
Wir haben dafür eine Homepage ins Netz gestellt: www.tag-der-mimik.de. Dort finden Sie auch ein Anmeldeformular.

Was erwartet Teilnehmerinnen und Teilnehmer?
Als Teilnehmer/in erleben Sie live, wie Mimikresonanz® Ihre Wahrnehmung erweitern und schärfen kann. In dem 90-minütigen Erlebnisvortrag bekommen Sie einen Überblick über den aktuellen Stand der Mimikforschung und werden eingeführt in die Welt der Mikroexpressionen. Nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch, durch die Analyse von Videoclips und Fotos. Ein Praxistest zeigt Ihnen, wie gut Sie bereits Mimik und Mikroexpressionen erkennen und deuten können.

Was könnte der Erkenntnisgewinn sein? Und: Wenn Menschen weiter am Thema interessiert sind: Wie können sie dranbleiben?
Bereits im Erlebnisvortrag lernen Sie, einige Mikroexpressionen im Gesicht Ihrer Mitmenschen zu sehen. Mikroexpressionen sind sehr schnelle, unwillkürliche emotional ausgelöste Gesichtsausdrücke. Als ganz konkreten mimischen Ausdruck werden wir uns den Unterschied zwischen einem sozialen Lächeln und echt erlebter Freude anschauen. Denn zu erkennen, ob sich ein Mensch wirklich freut, ist für sehr viele Bereiche entscheidend. Zum Beispiel ist in einem Coaching oder einer Therapie echt erlebte Freude ein Signal dafür, dass der Klient in Kontakt mit seinen Kraftquellen gekommen ist. Im Beschwerdemanagement zeigt echt erlebte Freude an, dass der Kunde mit der ihm angeboten Lösung zufrieden ist.

Für alle Teilnehmer, die dann tiefer in das Thema einsteigen möchten, bietet sich das Mimikresonanz-Buch an, das die Teilnehmer, wie bereits gesagt, geschenkt bekommen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, drei aufeinander aufbauende jeweils zweitägige Mimikresonanz-Trainings zu besuchen sowie an verschiedenen Online-Trainings teilzunehmen. Mehr Informationen dazu gibt es unter www.mimikresonanz.com. Dort finden Sie auch die aktuellen Seminartermine.

GFK in der Schule – Vortrag mit Gottfried Orth und Hilde Fritz in Paderborn

Am 29. Mai hatten wir Lehrerinnen und Lehrer nach Paderborn eingeladen – zu einem Vortrag mit unseren Autoren Prof. Dr. Gottfried Orth und Hilde Fritz. Trotz des bevorstehenden langen Wochenendes fanden viele den Weg in die Kulturwerkstatt, sodass unser Infoabend vor vollbesetzen Reihen stattfinden konnte.

Anlass war das Erscheinen des Buches „GFK in der Schule“, das Gottfried Orth und Hilde Fritz gemeinsam geschrieben haben. Auch im Vortrag ging es thematisch um die Techniken der Gewaltfreien Kommunikation und darum, wie man diese im Schulalltag gut umsetzen kann.

In Schulen kommen unterschiedliche Personen mit ebenso unterschiedlichen Lebenserfahrungen und Hintergründen zusammen. Es gibt Konflikte – zwischen Schülern untereinander, zwischen Schülern und Lehrern, zwischen Lehrern und Eltern und auch innerhalb des Lehrerzimmers.

Hilde Fritz, selbst Lehrerin und Gottfried Orth als Hochschullehrer erzählten aus ihrem Alltag, erläuterten an Hand von Beispielen, wie man die eigenen Bedürfnisse deutlich wahrnehmen und klar ausdrücken kann. Sie zeigten auf, wie sie selbst Dialoge mit Schülerinnen und Schülern führen und wie sie Konflikte, Ärger und Wut mit Hilfe der Gewaltfreien Kommunikation schlichten.

Nach 1,5 stündigem Vortrag kam das Publikum zum Zuge. An zahlreichen praxisnahen Fragen wurde deutlich, dass die Referenten ihre Zuhörer erreicht hatten. Es ging um unangenehme, stressige Situationen im Schulalltag. Und wie man es das nächste Mal besser machen kann – indem man respektvoll miteinander umgeht.

Natürlich durfte auch ein Büchertisch nicht fehlen. Es wurde gestöbert, geblättert und gekauft. Und jeder Gast freute sich über unser Geschenk – eine Plüschgiraffe 🙂

 

 

Einige Video-Impressionen des Abends

Ein Abend in Bad Oldesloe – mit Michaela Huber

„Aber doch nicht in Bad Oldesloe!“ Das sei, so erklärte Michaela Huber, für sie quasi die Zerstörung jeglicher Illusion gewesen, es könne so etwas wie gewaltfreie Oasen in unserem Land geben. Aber auch in Bad Oldesloe gibt es den Verein „Frauen helfen Frauen Stormarn“, der sich in seiner Beratungsstelle um Themen wie häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch kümmert.

Dagmar Greiß

Am 21. Mai 2013 hatte „Frauen helfen Frauen Stormarn e.V.“ zu einer Lesung mit Michaela Huber ins Bella-Donna-Haus eingeladen. Dagmar Greiß berichtete in ihrer Begrüßung, dass der Verein in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag feiern würde und dass das Bella-Donna-Haus vor zehn Jahren auf Initiative des Vorstands in Eigenleistung und ohne öffentliche Gelder gekauft und umgebaut worden sei. Die Lesung sei damit ein sehr schöner Auftakt für die später im Jahr noch folgenden Jubiläums-Veranstaltungen.

Michaela Huber las eine gute Stunde aus ihrem neuen Buch „Der Feind im Innern“, wobei

Michaela Huber

sie immer wieder nach einer gelesenen Passage bestimmte Fäden weiter aufnahm und ausführte. So verwoben sich Lesung und Vortrag und ergaben ein sehr rundes, informatives Ganzes. Dem Publikum im vollbesetzten Saal schien es gefallen zu haben, denn der Applaus war überwältigend.

 

 

 

 

 

 

Einige Video-Impressionen des Abends