Interview mit Holger Backwinkel zum Thema Teamcoaching

Henri Apell ist Coach, Berater und Blogger. Auf seinem Blog www.coach-im-netz.de stellt er regelmäßig relevante Informationen für alle Coaches bereit, die das Potenzial des Internets verstärkt für ihre Arbeit nutzen möchten.

Für seinen Blog hat er Holger Backwinkel, Autor des Buches „Erfolgreiches Coaching für Teams“ (gemeinsam mit Martina Schmidt-Tanger, erscheint Ende August) interviewt:

Holger Backwinkel Autor Holger Backwinkel

 

Herr Backwinkel, wie kamen Sie und Martina Schmidt-Tanger auf das Thema “Teamcoaching mit NLP”?

Am Institut nlp-professional in Bochum bilden wir seit Jahren Team- und Konfliktcoaches aus. NLP ist dabei für die Teilnehmer eine große Bereicherung. Unsere Erfahrung aus dieser jahrelangen Tätigkeit ist in das Buch eingeflossen.

Gibt es so etwas wie Erfolgsgeheimnisse für erfolgreiche Teams?

Das ist so als würden Sie fragen: Gibt es den perfekten Weg zu leben? Das hängt natürlich von den Umständen, den Zielen und allen möglichen weiteren Faktoren ab. Wenn ich einen Erfolgsfaktor benennen müsste, würde ich sagen: Flexibilität des Teamleiters.

Oftmals höre ich von Mitarbeitern von einer gewissen „Teammüdigkeit“, gerade bei international arbeitenden Firmen. Teilen Sie diese Wahrnehmung?

Das höre ich genauso oft, wie das Gegenteil. Das kommt vor allem dann vor, wenn sich irgend jemand in den Kopf gesetzt hat, dass alles Mögliche im Team gelöst werden muss. Diese Ansicht teilen wir nicht. Manchmal ist ein Team der falsche Weg, zu Ergebnissen zu kommen. Manchmal ist es aber auch genau der Richtige, und dann sind die Mitglieder auch nicht teammüde. In unserem Buch geben wir zahlreiche Bespiele für solche Situationen.

Gerade bei international aufgestellten Unternehmen ist ein Team oft multikulturell besetzt. Welche Chancen und welche Risiken sehen Sie dabei?

Das birgt genauso viele Chancen wie Risiken und es steht und fällt mit der Fähigkeit des Teamleaders, die Wünsche, Bedürfnisse, Fähigkeiten und auch kulturellen Eigenarten der Mitglieder zu erkennen und zielorientiert damit umzugehen.

Auf welche Weise können Kenntnisse im NLP nützlich für Teamleader sein?

Das genau ist ja Inhalt unseres Buches. Deshalb hier nur ein Beispiel: In jedem Teammeeting hat man mit unterschiedlichen Menschen zu tun, entsprechend auch mit unterschiedlichen Wahrnehmungsfiltern und Denkmustern. Als Teamleader kann man sofort die Kommunikation verbessern und so für bessere Ergebnisse sorgen, wenn man fähig ist, sprachlich für jeden Wahrnehmungfilter (z.B. Metaprogramme)  etwas anzubieten. Ganz zu schweigen von der Fähigkeit, Metaprogramme zwischen Teammitgliedern zu balancieren. So wird man manchmal zum Dolmetscher zwischen Teammitgliedern auf Prozessebene und ermöglicht effektive Kommunikation.

 

Dann ist das Buch ja für alle, die mit und in Teams arbeiten, von großem Nutzen. Ich danke  Ihnen sehr herzlich für das Interview und wünsche Ihnen und dem Buch noch weiterhin viel Erfolg.

Offen und neugierig sein für eine Welt abseits der gewohnten Denkroutinen – Ein Interview mit Tanja Madsen zu ihrem Buch „Mentales Stressmanagement“

Tanja Madsen

In Tanja Madsens soeben erschienen Buch geht es um „The Work“, ein von Byron Katie Mitte der 1980er-Jahre entwickeltes Universalinstrument für mentales Stressmanagement. Das Buch zeigt anhand vieler praktischer Beispiele und Übungen, wie man stressvolle Gedanken mithilfe von The Work wahrnehmen und hinterfragen kann.

 

1. Der Untertitel Ihres Buches lautet: Yoga für den Verstand. Wie kann man mit dem Verstand Yoga machen?

Das hört sich vielleicht seltsam an, aber so, wie man mit dem Körper Yoga machen kann, damit er entspannter und ausgeglichener ist, ist das auch für den Verstand möglich, z.B. durch die Methode The Work. Wenn ich gestresst bin, wie z.B. vor kurzem, als eine Zugfahrt zwei Stunden länger dauerte wegen einer defekten Oberleitung, ist mein Verstand erst festgefahren und mit stressvollen Gedanken beschäftigt wie: „Es sollte schneller voran gehen!“

Mit The Work von Byron Katie kann ich mein starres Denken aufweichen, indem ich meine Gedanken hinterfrage. Ich nehme verschiedene Wahrnehmungspositionen ein – Umkehrungen genannt – und erlange so einen frischen und weiteren Blick auf stressvolle Situationen und bin handlungsfähiger im Hier und Jetzt. Wenn ich im Frieden bin mit dem was gerade ist, also frei von Widerstand gegen die Realität, dann habe ich einen flexiblen geschmeidigen Verstand.

 

2. Gleich in der Einleitung Ihres Buches schreiben Sie: „Glauben Sie mir erst einmal nichts.“ – Heißt das, dass Leserinnen und Leser das Buch eigentlich gleich an dieser Stelle beiseitelegen können?

Nein, natürlich nicht, denn dann könnten sie die Dinge, die ich beschreibe nicht für sich selbst ausprobieren und erfahren. Mit der Aussage will ich vielmehr den Leser anregen, seine eigenen Erfahrungen mit The Work zu machen. Außerdem wünsche ich mir, dass der Leser seinem eigenen Urteilsvermögen vertraut, denn manches, von dem ich in dem Buch berichte, ist für den einen oder anderen vielleicht erst einmal „harter Tobak“, z.B. die Annahme, dass Gedanken nicht persönlich sind. – Und nur weil ich The Work als sehr hilfreich empfinde, heißt das noch lange nicht, dass es anderen genauso gehen muss. Wenn ich also voller Euphorie von Erfahrungen und Veränderungen in meinem Leben berichte, dürfen sich andere der Materie gerne erst einmal skeptisch annähern. Ich denke, die stärkste Überzeugungskraft hat die an sich selbst erlebte Erfahrung.

 

3. Am Ende Ihres Buches äußern Sie selbst mit einer gewissen Verwunderung, dass aus vier Fragen jetzt doch ein ganzes Buch geworden ist. The Work besteht im Kern aus vier Fragen. Ist es wirklich möglich, damit komplexe Probleme zu bewältigen?

Meiner Erfahrung nach: ja. Es ist verblüffend, die Methode ist wirklich einfach und unkompliziert in der Anwendung und gleichzeitig so tiefgehend in ihrer Wirkung. Und sie wirkt unabhängig vom Thema oder Schweregrade des Problems. Das schmeckt dem Verstand nicht immer. Er fragt sich: „Kann das sein, dass man schwierige, komplexe Probleme mit einfachen Mitteln lösen kann?“ Für mich selbst und bei meinen Klienten habe ich jedoch immer wieder die Erfahrung gemacht, es kann so einfach sein: still werden, nach innen gehen, sich seiner stressauslösenden Gedanken bewusst werden und ihnen mit vier Fragen und den jeweiligen Umkehrungen begegnen. Ich will nicht behaupten, dass ein „Lebensthema“ mit einer Work sofort gelöst wäre. Es ist eher wie bei einer Zwiebel: Schicht für Schicht kommt man der Lösung auf die Spur. Probleme, seien sie noch so komplex, bestehen letztendlich nur aus Gedanken. Und wenn ich mir jeden einzelnen Gedanken vornehme und ihn hinterfrage, kann sich das Thema lösen.

 

4. The Work ist nichts für „mentale Couchpotatoes“ heißt es an einer Stelle in Ihrem Buch. Was ist damit gemeint?

Eine „mentale Couchpotatoe“ ist für mich jemand, der sich in seinem gewohnten Weltbild zu Hause fühlt. Der sagt z.B.: „Die Dinge sind wie sie sind, die kann man nicht ändern.“

The Work stellt unsere gewohnten Annahmen über diese Welt schnell mal auf den Kopf; manchmal bleibt bildlich gesprochen kein Stein mehr auf dem anderen. Vielleicht bin ich zu 100 % davon überzeugt, dass meine Mutter mich als Kind nicht genug unterstützt hat. Diese Geschichte ist für mich einfach wahr und ich lebe vielleicht viele Jahre in der schmerzlichen Annahme, nicht genug Unterstützung erfahren zu haben. Wenn ich The Work mache, stelle ich womöglich fest, dass ich bestimmte Facetten völlig ausgeblendet habe. Mein Bild von meiner Mutter wird ergänzt, erneuert und vollständiger. The Work ist dabei nicht immer bequem; im Gegenteil, sie kann anstrengend sein. Byron Katie sagt so schön, sie hat ihre Methode nicht umsonst The Work genannt; es ist mentale Arbeit. Und wie beim Sport wird mein Körper auch nur dann trainiert, flexibler und geschmeidiger, wenn ich die Komfortzone der Couch verlasse und mich bewege. Für die mentale Couchpotatoe heißt das, offen und neugierig zu sein für eine Welt abseits der gewohnten Denkroutinen.

 

5. Immer mehr Bedarf an Methoden gegen Stress, „Trend-Thema“ Burnout – und dann wieder Trends wie „Glück als Schulfach“: Verlieren wir immer mehr die innere Balance?

Ja ich glaube, dass viele von uns ihre innere Balance verlieren, weil wir zahlreiche Anforderungen, Termindruck, hohe Erwartungen an uns selbst und eine große Anzahl an Wahlmöglichkeiten unter einen Hut bringen müssen. Dabei hatten wir alle einmal eine innere Balance: als Kinder. Noch nicht so vollgestopft mit Konzepten über die Welt und präsent in dem, was wir gerade tun, sind Kinder unbeschwert und im Frieden mit dem was ist. In der Schule oder im Elternhaus wird eher selten gezeigt, wie wir diesen Zustand von Balance halten bzw. dahin zurückkehren können. Ich verstehe den Bedarf an Methoden im Umgang mit Stress deshalb sehr gut. Mich hat der Wunsch danach damals angetrieben, Psychologie zu studieren.

Ich würde es sehr begrüßen, wenn Glück in Schulen auf dem Stundenplan stünde. Was für eine Perspektive, wenn man als Kind bereits hilfreiche Methoden an die Hand bekommt, um aus sich selbst heraus ein geglücktes und selbstbewusstes Leben zu führen.

 

6. Viele Probleme rühren anscheinend daher, dass wir mit unseren Gedanken zu stark in der Vergangenheit verhaftet sind oder uns in die Zukunft begeben. Warum ist es so schwer, sich auf das Hier und Jetzt zu fokussieren?

Das frage ich mich auch immer wieder. Ich denke, dass unser Verstand Zeitreisen unternehmen kann ist Segen und Fluch zugleich. Wenn ich einfach in diesem Moment präsent bin und mit allen Sinnen wahrnehme, was gerade geschieht, gibt es kein Problem. Die Probleme entstehen tatsächlich erst in dem Moment, wo ich gedanklich in die Vergangenheit abtauche und stressvolle Erlebnisse erinnere oder mir eine nicht so rosige Zukunft ausmale. Für den Verstand ist es schwer, ruhig zu werden, weil er permanent Gedanken produziert, schätzungsweise 60.000 am Tag. Das kann jeder nachvollziehen, wenn er sich mal fünf Minuten still hinsetzt und seine Gedanken beobachtet. Auf der anderen Seite ist die Fähigkeit, sich Dinge auszumalen, auch eine Quelle der Kreativität.

Sich auf das Hier und Jetzt zu fokussieren braucht Training. Ich nutze dafür gerne meine Atmung, denn die passiert wirklich nur in diesem Moment. Ich spüre mit all meinen Sinnen meinen Körper und was mich umgibt, bis der nächste Gedanke kommt und mich wieder davon trägt und bis mich meine Aufmerksamkeit wieder zu meinem Atem bringt und so weiter. Wenn wir mitkriegen, dass wir das gar nicht sind, die da denken, sondern dass es vielmehr uns denkt, ist schon viel gewonnen. Dann kann ich zum Beobachter werden und mich von meinen Gedanken unterhalten lassen.

 

Mehr Informationen zu „The Work“ finden Sie hier.

Mehr Informationen zu Tanja Madsens Buch finden Sie hier.

Und zum guten Schluss: Glück wird gelehrt (Frage 5). In einer Schule in Heidelberg hat der Direktor Glück als Schulfach eingeführt. Und wenn ich mich nicht irre, gibt es auch schon Nachahmer.

Stille Stars?

In jedem neuen Programm gibt es Titel, auf denen besondere Hoffnungen ruhen. Da kommt vielleicht von einer Autorin mit großer „Fangemeinde“ ein neues Buch – und natürlich erwarten wir, dass es sich zumindest ähnlich gut verkauft wie seine Vorgänger. Oder da gibt es ein ganz aktuelles Thema, mit dem sich viele Menschen beschäftigen – und glücklicherweise können auch wir ein Buch dazu ankündigen. Und natürlich wünschen wir uns, dass das Thema wirklich so gefragt ist, wie wir denken.

Spitzentitel – so nennt man wohl die Bücher, von denen man sich so viel erwartet. Doch ein Frühjahrs- oder Herbstprogramm umfasst 12-15 neue Bücher. Und nicht alle können Spitzentitel sein, denn jede Spitze braucht auch eine mehr oder minder breite Basis. Und die Basis des Gesamtprogramms ist eine gut gepflegte Backlist: Thematische Schwerpunkte müssen durch ein breites und in die Tiefe gehendes Titelspektrum ausgebaut werden. Und ganz wichtig: Eine gute Backlist muss auf dem aktuellen Stand gehalten werden. Also müssen in der Programmplanung auch immer Titel berücksichtigt werden, die z.B. einen Themenschwerpunkt gut ergänzen, gut in eine Reihe passen, einen neuen interessanten Akzent setzen oder ein Thema aus einer etwas anderen Perspektive beleuchten.

Wir wünschen uns natürlich, dass alle unsere Bücher Erfolg haben. Und selbstverständlich tun wir auch etwas dafür: durch Marketingmaßnahmen, Pressearbeit und vertriebliche Aktivitäten. Und dennoch geht nicht immer alles so auf, wie wir uns das vorstellen. Das vermeintlich interessante Thema findet nicht ganz so viel Resonanz wie erwartet oder die Fangemeinde kauft dann doch nicht jedes Buch.

Aber immer wieder passiert auch das: Ein Blick auf die Verkaufszahlen offenbart angenehme Überraschungen. Natürlich, auch Titel XY hat Potenzial, sonst wäre er schließlich gar nicht ins Programm gekommen. Aber nach der Vorankündigung gab es keine große Nachfrage nach Rezensionsexemplaren und auch die Vorbestellungen waren eher mittelmäßig. Doch zwei bis drei Monate nach Erscheinen zeigt sich bei so manchem Buch plötzlich eine ganz unerwartete Dynamik. Es gibt richtig ordentliche Verkaufszahlen – und: Sie erweisen sich als stabil. Das sind für mich die stillen Stars im Programm, Bücher, die ohne großes Getöse ihren Weg machen.

Und welches sind meine aktuellen stillen Stars? – Ganz besonders hervorheben möchte ich diesmal zwei Titel, die Ende letzten Jahres ausgeliefert wurden und mir seither richtig viel Freude bereiten:

 

Luc Nicon, Befreit von alten Mustern
Natürlich kommt der Erfolg dieses Buches nicht von ungefähr, denn Monika Wilke, die Übersetzerin, ist selbst Tipi-Trainerin und tut ganz viel dafür, dass die Methode im deutschen Sprachraum bekannt wird. Ich selbst wurde z.B. seinerzeit durch eine Telefon-Session von der Wirksamkeit überzeugt. Und trotzdem: Dass ein bis dahin in Deutschland unbekannter Autor und eine neue Methode gleich so viel Zuspruch finden, ist sehr beachtenswert.

 

Fritz & Ingrid Wandel, Alltagsnarzissten
Als vor noch gar nicht so langer Zeit ein gewisser Herr zu Guttenberg wieder den Schritt in die Öffentlichkeit wagte, sagte mir Fritz Wandel, dass es in seinem Buch ja genau um diesen Persönlichkeitstypus gehe: Um sehr überzeugend wirkende Blender, die es nicht sonderlich kümmert, welche Nebenwirkungen auf andere ihre Performance hat. Also liegt der Erfolg von „Alltagsnarzissten“ daran, dass in dem Buch ein ungeheuer aktuelles Thema aufgegriffen wird? Oder liegt es vielmehr daran, dass beide Autoren stark in der TA-Gemeinde verwurzelt sind? – Es wird wohl eine Mischung aus beidem sein.

Nachruf auf Klaus Marwitz

Wir erhielten die traurige Nachricht, dass Klaus C. Marwitz am 15. Juni 2012 nach längerer Krankheit verstorben ist. In den 1990er-Jahren hat er wesentliche Impulse zur programmatischen Entwicklung des Junfermann Verlages gegeben und ist als Autor, Herausgeber einer Buchreihe und Ideengeber für neue Themen für alle sichtbar in Erscheinung getreten.

Ohne ihn würde es vermutlich „Kommunikation & Seminar“ (früher „MultiMind“) nicht geben. Er hat die Zeitschrift aufgebaut und war von 1992 bis 1999 ihr Herausgeber.

Methoden ganzheitlichen, gehirngerechten Lernens zu verbreiten war Klaus C. Marwitz als Pädagoge ein großes Anliegen. So fanden z.B. Titel zum MindMaping ihren Weg in das Programm, genauso wie Paul Scheeles Bestseller „PhotoReading“. Mit seinen eigenen Büchern, „Happy Selling“ und „Lean Company“, war er immer nah am Puls der Zeit, denn in den 1990er-Jahren wurden viele neue Konzepte für Business und Management diskutiert und umgesetzt. Besonders das Modell der „Lernenden Organisation“ hat Klaus C. Marwitz sehr am Herzen gelegen.

Auch wenn die Verbindung zwischen ihm und dem Verlag in den letzten Jahren nicht mehr ganz so intensiv war: Er hat deutliche Spuren hinterlassen und sein kreativer Geist wird uns fehlen.

Eins sein mit meinem Körper …

… lautet der Titel der neuen Ausgabe von „Kommunikation & Seminar“, die am 28. Juni erscheint.

Klingt toll, ist aber gar nicht so einfach, Eins zu sein mit dem eigenen Körper: Zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn, und woher kommen eigentlich die seit Tagen quälenden fiesen Kopfschmerzen?

Es lohnt sich, einen Blick auf das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele zu werfen. Seelische Ursachen für körperliche Beschwerden zu suchen, das ist uns bekannt: Vielleicht sind die Kopfschmerzen nicht Auswirkung einer Verspannung, sondern physischer Ausdruck eines Problems (z.B. des andauernden Streits mit der Kollegin)?

„Der Körper ist Bühne der Gefühle“, schreibt unser Autor Michael Bohne. Über den Körper können wir in Kontakt mit unserer Seele kommen, tiefliegende Probleme erkennen und lösen – und unsere Kraft und Einzigartigkeit wieder spüren. Nicht umsonst setzen viele Trainer und Coaches in der Arbeit mit ihren Klienten nicht nur auf das Gespräch und auf „geistige“ Übungen, immer mehr wird auch der Körper mit einbezogen. Einige der vielen Möglichkeiten  stellen wir in der neuen K&S vor.

Bestellen Sie hier Ihr kostenloses Probeheft von Kommunikation & Seminar!

Wie entsteht ein E-Book? – Die BücherFrauen besuchen Junfermann Druck & Service

Mit welchen Endgeräten kann man E-Books lesen? Welche Reader sind gut, welche weniger? Und wie entstehen überhaupt E-Books? Welche Dateiformate gibt es und wie sieht der Workflow bei der Erstellung eines E-Books aus?

Mit diesen Fragen im Gepäck waren die BücherFrauen der Regionalgruppe Bielefeld/OWL nach Paderborn gereist. Birgit Hummel von Junfermann Druck & Service hatte sich gut auf den Besuch vorbereitet und gleich zum Einstieg eine Reihe von Lesegeräten bereit gelegt. Sie erläuterte die unterschiedlichen Gruppen:

 

Womit kann man E-Books lesen?

E-Book-Reader wie beispielsweise der Kindle, der Oyo oder der Sony-Reader sind kleine handliche Geräte, die durch ihre spezielle E-Ink-Technologie sehr augenfreundlich sind und relativ wenig Strom verbrauchen (wenn man Glück hat, hält der Akku den ganzen Urlaub!). Das Display ist recht klein und momentan können diese Geräte noch keine Farben darstellen. Doch die Entwicklung geht weiter und in den USA kommen wohl bald die ersten farbtauglichen Reader auf den Markt.

Tablet-PCs wie das iPad haben ein größeres Display, können Farben darstellen und haben einen komfortablen Touchscreen. Allerdings ist so ein Ding auch etwas schwerer, es frisst mehr Strom, was u.a. an der Hintergrundbeleuchtung liegt. Deshalb ist ein Tablet auchnicht so schön blendungsfrei wie die kleineren Reader.

Dann könne man mit einer speziellen Reader-Software natürlich E-Book-Dateien auch an jedem PC lesen. Ja, und mit einem Smartphone grundsätzlich auch. „Du liebe Güte, auf so einem kleinen Display? Das kann doch keinen Spaß machen!“ – kommt ein Einwurf aus dem Publikum.

Und dann wird probiert … Auf den meistens Readern befinden sich EPUB-Dateien. Die Schriftgröße kann nach Wunsch angepasst werden und auch der Schriftfond. Und je nachdem, welche Einstellung man wählt, ändert sich der Seitenumbruch. PDF-Dateien haben diese Flexibilität nicht und bei einem kleineren Display muss man u.U. ganz schön scrollen.

 

Wie werden E-Books erstellt?

Junfermann Druck & Service erstellt E-Books für den Junfermann Verlag. Mittlerweile erscheinen fast alle Neuerscheinungen des Verlages – ca. 80 – 90 % – parallel als E-Book. Das ist eine sehr hohe Quote, denn laut einer aktuellen Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels erscheinen bislang nur ca. 40 % aller Novitäten in Deutschland auch als E-Book.

Bei Neuerscheinungen werden E-Books gleich mitgeplant. Der Satz wird in Adobe InDesign erstellt und das EPUB-Format für das E-Book lässt sich direkt aus diesen Daten generieren. – Die anwesenden BücherFrauen können sich am Rechner anschauen, wie das funktioniert. Für das Amazon-Format Mobipocket ist ein – überschaubarer – Mehraufwand erforderlich. Doch auch Titel aus der Junfermann-Backlist wurden und werden als E-Books aufbereitet. Hier war der Aufwand erheblich größer, denn z.T. sehr alte Datenbestände müssen bearbeitet und aufbereitet werden.

Inzwischen bietet der Junfermann Verlag 50 E-Book-Titel an. Vor ca. einem Jahr sind die ersten Dateien online gestellt worden und in diesem doch recht kurzen Zeitraum sei ganz schön viel geschafft worden, berichtet Birgit Hummel. Die ersten Vorüberlegungen wurden vor etwa zwei Jahren angestellt. Anfang 2011 ging es dann an die Bearbeitung von Marshall Rosenbergs Buch „Gewaltfreie Kommunikation“. Man habe sich dieses Buch nicht nur vorgenommen, weil es der absolute Bestseller des Verlages sei. An diesem Beispiel konnte ausprobiert werden, wie man Tabellen, Grafiken, Marginalspalten etc. für ein E-Book umsetzen kann. Also zu Beginn gleich ein ganz schön harter Brocken … Sie habe sich mehr oder weniger alles selbst – Learning by Doing – erarbeiten müssen, sagt Birgit Hummel. Für einige Arbeitsschritte braucht man spezielle Tools; auch diese zu finden sei nicht immer ganz einfach gewesen. Und wie sieht es mit Weiterbildungen aus? Gerade ist ein interessantes Seminar abgesagt worden, weil sich nicht genügend Teilnehmer angemeldet hatten. Dabei sei das Angebot für wirklich praxisorientierte Weiterbildungen alles andere als üppig. Überblicks- und Einstiegsveranstaltungen gibt es, aber wenn es in die Tiefe gehen soll, um ganz konkrete Probleme in der Umsetzung, dann muss man schon sehr suchen. Auch mangelt es an Erfahrungsaustausch. Es gibt kein Forum, das Kolleginnen und Kollegen aus ähnlichen Arbeitsfeldern ermöglicht, ihr Wissen zu teilen. – Könnten da nicht auch die BücherFrauen gefordert sein, als berufliches Netzwerk in der Buchbranche?

 

Bleibt zum Abschluss noch die Frage: Werden die BücherFrauen künftig eher gedruckte Bücher lesen? Oder haben E-Books nicht doch ihre Vorzüge? Abschließend lässt sich die Frage nach diesem Abend sicher nicht beantworten. Aber immerhin hat sich eine der anwesenden Frauen gerade einen Tablet-PC gekauft …

 

Die BücherFrauen sind ein berufliches Netzwerk, in dem Frauen aus allen Bereichen der Buchbranche organisiert sind. Mehr Informationen gibt es unter www.buecherfrauen.de.

 

EM-Fieber im Verlag

Ja, auch uns hat es gepackt! Fast alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfolgen nach Feierabend die Fußball-Europameisterschaft, die dieses Jahr in Polen und in der Ukraine stattfindet.
Vor zwei Jahren (zur WM) ist die Idee entstanden, eine Tippliste einzuführen. Gesagt, getan.

Das gesamte Verlags-Team tippte also fleißig die Vorrunden-Spiele. Jeden Tag blicken wir auf die Liste ob das Ergebnis richtig ist oder vielleicht doch nur die Tendenz. Kurze Enttäuschung, wenn man völlig daneben gelegen hat. Das Punkte-System ist einfach: 3 Punkte für das richtige Jubel-Ergebnis, 1 Punkt für die richtige Tendenz und 0 Punkte für „sowas von daneben getippt“.

Im Voraus musste jeder notieren, welche Mannschaft den Europameister-Pott holt. Zwei Kolleginnen tippten auf „Niederlande“. Nun ja, die 10 Extra-Punkte sind flöten gegangen. Deutschland, Spanien und England sind noch im Spiel.

Nun sind die Spiele der Vorrunde zu Ende und es steht fest wer im Viertelfinale ist.

Ein Blick auf unsere Liste: 19 Pkt., 17 Pkt., 15 Pkt., 14 Pkt., 12 Pkt., 11 Pkt. …
Au weia, alle liegen ziemlich dicht beieinander. Der Gewinner steht noch nicht fest, da ist noch alles drin.

Wir tippen natürlich weiter! Viertelfinale, Halbfinale, Finale!!!

Am 1. Juli jubeln wir mit dem Europameister 2012 – Wird es unsere Nationalelf sein? Oder schaffen es wieder die Spanier?

Dann erfahren wir auch wer bei uns die EM-Tipp-Königin oder der EM-Tipp-König wird 🙂

Feedback … erwünscht!

Wenn im Betreff einer Kunden-Mail „Feedback“ zu lesen ist, dann weiß man im ersten Augenblick nicht, ist es erfreulich oder eher nicht.

Kürzlich erreichte mich diese Nachricht eines Kunden:
„… und möchte mich recht herzlich bedanken. Besonders habe ich mich über die „Beigaben“ in Form der Fruchtgummimännchen und der Sonnenblumenkerne gefreut. Das ist wirklich nicht selbstverständlich, aber aus meiner Sicht sehr persönlich und individuell. Bei mir ist diese Idee sehr positiv angekommen und ich werde mit Sicherheit nicht zum letzten Mal bei Ihnen bestellt haben.“

Über diesen Zweizeiler habe ich mich wirklich sehr gefreut – denn heutzutage sind solche Rückmeldungen selten.

Zum Schluss kann ich nur sagen, „Bitteschön, gerne!“ 🙂

Michaela Huber zum 60. Geburtstag

Unsere Autorin Michaela Huber feiert in diesem Monat einen runden Geburtstag: Sie wird 60. Anlass genug, ihr an dieser Stelle ganz herzlich zu gratulieren und auch dafür, einmal in der Erinnerung zu kramen und zu reflektieren, wie unsere Zusammenarbeit einst begonnen hat und wie sie über die Jahre gewachsen ist.

 

Wie alles begann …
Etwa zehn Jahre ist es her, wir bereiteten gerade die erste Auflage von Imke Deistlers und Angelika Voglers Buch „Einführung in die Dissoziative Identitätsstörung“ vor. Da bekam ich einen Anruf von Angelika Vogler: Kurz vor Drucklegung des Buches – der Umbruch war natürlich längst fertig – sollte noch ein Vorwort eingefügt werden. Als Verlagsmitarbeiterin, die endlich mit dem Buch in die Druckerei wollte, konnte mich das eigentlich überhaupt nicht freuen. Doch als sie mir erzählte, von wem das Vorwort sei, wandelte sich mein anfänglicher Unmut in echte Begeisterung: Die Rede war von Michaela Huber.

Michaela Huber, das war doch die Expertin auf dem Gebiet. Bis dahin hatte ich nie Kontakt mit ihr gehabt, ihr Bestseller „Mutiple Persönlichkeiten“ war mir aber sehr wohl ein Begriff. Also griff ich zum Telefonhörer und traf Verabredungen über das Vorwort. Ich war begeistert, mit einer Frau zu sprechen, die sehr genau wusste, worauf es bei einer solchen Last-Minute-Geschichte ankam: schnell zu liefern und den Text genau in die möglichen Freiseiten einzupassen. Das habe sie durch ihre Tätigkeit bei „Psychologie heute“ gelernt, sagte Michaela Huber. – Und dann stellte sie noch eine Frage: Sie suche einen Verlag für zwei Werke, die sie unbedingt schreiben müsse. In ihren zahlreichen Weiterbildungen spüre sie immer wieder den Bedarf an einem handfesten Buch darüber, wie Traumatherapie funktioniert. Und dann gäbe es noch dieses Projekt zum Thema Täterintrojekte. Fischer, der Verlag von „Multiple Persönlichkeiten“, habe kein Interesse. – Ich habe damals einmal tief durchgeatmet und gesagt: „Dann kommen Sie doch zu uns.“

 

… und seither so wunderbar läuft
Das war, wie gesagt, vor zehn Jahren. Glücklicherweise ist Michaela Huber damals zu uns gekommen und in den darauffolgenden Jahren ist eine ganz besondere Beziehung Autorin – Verlag/Verlag – Autorin gewachsen. Aus dem handfesten Buch über Traumatherapie sind zwei Bände geworden: „Trauma und die Folgen“ und „Wege der Traumabehandlung“. Dann folgte ihr mit Abstand erfolgreichstes Buch: „Der innere Garten“. Immer mal wieder fragte ich nach dem Täterintrojekte-Buch, doch erst mussten zwei Bücher mit Pauline F. Frei realisiert werden: „Leiden hängt von der Entscheidung ab“ und „Von der Dunkelheit zum Licht“. Und schließlich holten wir auch „Multiple Persönlichkeiten“ von Fischer zu Junfermann und lieferten im letzten Jahr mit „Viele sein“ quasi die Fortsetzung und Aktualisierung nach.

Es sind in den zurückliegenden Jahren also ziemlich viele Michaela-Huber-Manuskriptseiten über meinen Schreibtisch gegangen. Und wie so viele ihrer Leserinnen und Leser hat auch mich immer wieder tief beeindruckt, dass ihre Bücher zum einen wissenschaftlich fundiert, zum anderen trotzdem für jeden am Thema interessierten Menschen lesbar sind. Das ist ein Spagat, den man erstmal hinbekommen muss!

Gegenseitige Wertschätzung, das war und ist eine sehr gute Basis. Immer wieder bin ich gerne nach Göttingen gefahren (und werde es hoffentlich auch weiterhin tun). Auf der Terrasse, mit Blick auf den wunderschönen Garten, haben wir über Gott und die Welt geredet – aber auch gearbeitet, denn es wurde so manches Buchprojekt konkretisiert. Wann immer und wo immer wir uns getroffen haben: Nie ist die kulinarische Seite zu kurz gekommen, immer wurde ich auf das feinste verwöhnt, nach dem Motto: „Wer nicht genießt, ist ungenießbar.“

Als Michaela Huber 2007 das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, konnte ich mir ein Bild davon machen, welch aktive Netzwerkerin sie ist und wie sehr sie von ihren Kolleginnen und Kollegen geschätzt wird. Es waren so viele Menschen da – und so viele berichteten in ihren Ansprachen davon, welche Rolle sie – menschlich und beruflich – für sie spielte.

Auch das Buch „Viele sein“ passt zum Thema netzwerken: Es war ihr gelungen, ganz viele Kolleginnen ins Boot zu holen, damit sie Beiträge aus ihren speziellen Arbeitsgebieten lieferten. Zur Feier des Buches gab es 2011 ein Fest für alle Beteiligten in Göttingen: mit gutem Essen, einer tollen Stadtführung – und mit sehr anregenden Gesprächen natürlich.

Habe ich noch etwas vergessen? Ganz viel, denn zehn Jahre und eine so intensive Zusammenarbeit lassen sich einfach nicht in wenige Zeilen fassen. Aber hier soll erst einmal Schluss sein, sonst wird ein 500-seitiges Buch daraus (und keine Seite wäre zu viel!). Ach ja, das Täterintrojekte-Buch: Was ist damit eigentlich? Nun, manche Dinge brauchen halt, bis sie reif sind. Michaela Huber hat sich in diesem Jahr eine Auszeit gegönnt, um dieses Buch zu schreiben. Wie sie denn vorankomme, wollte ich kürzlich von ihr wissen. – Es entstünde gerade ein komplexes und umfangreiches Gewebe, antwortete sie mir. Ich bin – wie immer – sehr gespannt darauf, das fertig gewobene Manuskript auf meinem Tisch zu haben.

E-Books zu teuer?

Kräftig geraschelt hat es diese Woche in der deutschen Zeitungslandschaft. Alle großen, überregionalen Zeitungen beschäftigen sich mit dem Thema E-Books. Anlass ist die Vorstellung der jüngsten Marktstudie durch den Börsenverein des deutschen Buchhandels. In der Folge haben sich diverse Wirtschafts- und Feuilletonredakteure, so etwa der Süddeutschen und der FAZ, des Themas angenommen. Herausgefunden wurde dabei zum Beispiel, dass Amazon ein wichtiger und mächtiger Marktteilnehmer ist. Und dass man anlässlich des Themas trefflich auf die Buchbranche einprügeln kann, denn schließlich sei sie weitgehend taten- und ideenlos und laufe folglich Gefahr, bei der Digitalisierung des Buchmarkts all die Fehler zu reproduzieren, welche die Musikbranche schon vor ihr gemacht habe.

Ohne nun detailliert auf die Marktstudie und deren Aussagekraft eingehen zu wollen, erscheinen zwei Aspekte als erwähnenswert, auf die sich die Kommentatoren konzentrieren:

Erstens: Kunden wollen eine für sie technisch einfache und komfortable Lösung. Hier ist unbedingte Zustimmung am Platze. Dazu gehört auch ein Verzicht auf proprietäre Lösungen und hartes DRM. Wer einmal versucht hat, allein den Registrierungsprozess für DRM bei einem der führenden Anbieter zu absolvieren, weiß, dass dies keinem Kunden ernsthaft zuzumuten ist. Das Risiko, dass E-Book-Dateien privat zirkulieren, ist nicht auszuschließen und die Branche tut gut daran, das gar nicht erst zu versuchen. Wir bei Junfermann jedenfalls haben uns nach etlichen Tests und langen Diskussionen im vergangenen Jahr dazu entschlossen, unsere E-Books DRM-frei anzubieten. Wesentlicher Vorteil ist dabei, dass die Kunden, wenn sie eine E-Book-Datei bei uns erworben haben, diese wirklich besitzen und das heißt in keiner Weise in dem eingeschränkt werden, was sie damit tun. Das ist gut so und wir sind überzeugt davon, dass unsere Leserinnen und Leser dieses Angebot zu schätzen wissen.

Zweitens: Wichtiger scheint indes die überall gebetsmühlenartig wiederholte Meinung, E-Books seien zu teuer. In diesem Punkt widerspreche ich entschieden. Die naheliegende Begründung dieser Meinung lautet ja, die Verlage hätten nun schließlich keine Druck-, Papier- und Lagerkosten mehr; als Kronzeugin wird neuerdings die Autorin Juli Zeh angeführt, die in einem Streitgespräch mit ihrem Verleger behauptet hat, bei Lesern würde durch kriminelle Preise von über 20 Euro die kriminelle Energie erst geweckt, sich bei illegalen Tauschbörsen zu bedienen. Beide Positionen sind gleichermaßen falsch. Die Produktion einer Neuerscheinung ist durch das E-Book bislang deutlich teurer, nicht billiger geworden: Druck-, Papier- und Lagerkosten fallen wie ehedem an (da die Verkaufszahlen von E-Books bislang keinerlei nennenswerte Reduzierung der Auflage bei der Printversion rechtfertigen), hinzu kommen Kosten für Konvertierung, Qualitätskontrolle (beide nicht unerheblich, wenn man auf Qualität tatsächlich achtet und keine dubiosen Schattenarbeitsmärkte in Schwellenländern subventionieren will) sowie der Aufwand der Belieferung der zahllosen Plattformen, die als Distributionspartner bereitstehen und von denen eine jede ihre eigenen Spezifikationen hinsichtlich Dateiformaten, Dateinamen, Metadaten etc. hat. Erschwerend kommt hinzu, dass erheblich geringere Erlöse erzielt werden als beim Printprodukt. Warum? Nun, der Verkaufspreis liegt 15-20 Prozent unter demjenigen des gedruckten Buches, die Mehrwertsteuer beträgt nahezu das Dreifache; die Autoren bekommen mehr Honorar (ungefähr das Doppelte).

Bei einem funktionierenden E-Book-Markt also (für den freilich das Angebot an lieferbaren Titeln und kundenfreundlichen Technologien zugegebenermaßen noch ausgebaut werden muss) gewinnt jeder ein wenig: der Staat an der Steuer, die Autoren am Honorar, die Kunden am geringeren Preis und die Verlage und Händler (wenn der Markt denn einmal eine relevante Größe erreicht hat) an gesunkenen Kosten. Wie sich in dieser Konstellation, liebe Frau Zeh, irgendjemand „abgezockt“ fühlen soll, erschließt sich mir nicht.

Aber nehmen wir den Einwand noch einmal für einen Moment lang ernst: Was soll ein E-Book denn nun kosten? Eine gedruckte Neuerscheinung aus unserem Fachbuchprogramm kostet, sagen wir – € 24,90. Wie viel also soll das E-Book kosten, das parallel dazu angeboten wird? Den Verlagen wird dieser Tage häufig vorgehalten, die Musikindustrie habe doch die vermeidbaren Fehler alle schon einmal gemacht und mittlerweile ihre Lehren daraus gezogen. Sollten wir uns also an ihr orientieren? Machen wir die Probe und schauen uns eine nicht gerade entlegene Veröffentlichung an, von Madonna etwa. Deren aktuelles Album wird als physische CD von einem großen Versender für € 12,99 angeboten. Der Download des Albums beim Marktführer kostet EUR 10,99. Das sind, Moment, 15,4% weniger. Übertragen auf unser Buch würde das etwas über 21 Euro bedeuten. Kein guter Preis? Die Frage ist nicht rhetorisch: Was soll das E-Book kosten?