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Hörbeitrag zu Michael Argyls Standardwerk zur nonverbalen Kommunikation (Radio AFK Max)

Sprache ist ein mächtiges Instrument

Michael Argyles Standardwerk Körpersprache und Kommunikation ist eine breit angelegte Darstellung der nonverbalen Kommunikation, ihrer Phänomene und ihrer Bedeutungen. Der Autor beschreibt, wie nonverbale Mitteilungen in den verschiedensten gesellschaftlichen und kulturellen Bereichen eine wesentliche Rolle spielen. Dabei werden nicht nur die körpersprachlichen Zeichen selbst behandelt, die meist nicht bewusst wahrgenommen werden, sondern auch Möglichkeiten der praktischen Anwendung in Pädagogik, Therapie und Berufsausbildung aufgezeigt.

Das Buch liegt bei Junfermann in einer neuen Übersetzung vor und wendet sich an psychologische Fachleute und all jene interessierten Leser, die bewusster mit nonverbaler Kommunikation umgehen wollen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sven Grillenberger berichtet in einem Beitrag auf Radio AFK Max, dem Nürnberger Aus- und Fortbildungskanal, was für ein mächtiges Instrument Sprache sein kann und wie sehr das Werk von Michael Argyle ihm bei seiner Arbeit hilft:

 

Atmung als Energiequelle

KörperSprache, wenn es mal hoch hergeht: Energiegewinnung über den Körper

Von Sabine Mühlisch

Spannung und Entspannung liefern für unsere Körper eine natürliche Balance für endlose Energie – wenn wir angemessen atmen! Der Atem ist unsere vitalste Energiequelle, denn über den Atemvorgang unseres Körpers wird dieser biologisch mit Energie versorgt, es werden Ablagerungen und Gifte verbrannt und ausgeschieden. Die Lunge ist nach der Haut das größte Organ des Körpers. Je wirksamer wir atmen, desto frischer und gesünder bleiben die Zellen unseres Körpers.

Auf der geistigen und psychischen Ebene ist der Atem Träger von Lebensenergie (Prana). Durch das Ein und Aus der Atembewegung sind wir mit dem Rhythmus, dem Pulsieren des Lebens, verbunden. In der Art und Weise, wie wir den Strom des Lebens in uns aufnehmen und wieder loslassen, spiegeln sich viele unserer Gedanken und Einstellungen zum Leben. Indem wir anders atmen, leben wir anders.

Über den Atem können wir unsere Emotionen beeinflussen. Oft entstehen Atemstörungen durch unterdrückte Gefühle, durch Unterdrückung von ursprünglichen Lebensprozessen in uns selbst. Je freier wir atmen, desto freier sind wir in unseren Gefühlen und unserem Handeln.

Veränderung unseres natürlichen Atems

Wenn wir ein Baby beobachten, sehen wir, wie entspannt und tief es atmet. Beim Einatmen wölbt sich sein Bauch, beim Ausatmen wird er wieder flach. Seine Lunge füllt sich vollständig mit Luft. Sein Atem fließt frei und überall hin. Wenn ein Baby schreit, schreit es von Kopf bis Fuß, und wenn es lacht, lacht jede Stelle seines Körpers mit. Es zeigt alle seine Gefühle und hält keinen Impuls zurück.

Viele Menschen verlernen das natürliche Atmen, auf Grund der Bedingungen und Einstellungen (Glaubenssätzen) mit denen sie aufwachsen. Wenn wir den Atem anhalten oder sehr flach atmen, nehmen wir unsere Gefühle nicht mehr so deutlich wahr. Im Laufe der Zeit wird es allmählich zu unserer festen Gewohnheit, nicht zu weinen und nicht wütend zu werden. Wir lernten schon als Kinder, die Kontrolle zu behalten.

Oft zählt Traurigkeit zu den unerwünschten Gefühlen, manchmal ist es die Wut, manchmal die Lust, die unterdrückt wird. Unterdrückung bzw. Abwertung bedeutet das Eingreifen in die ursprüngliche Einheit von Körper, Atem, Seele und Geist.

So wird im Körper eine erhöhte Spannung aufgebaut, Verhärtungen entstehen, die Atmung kommt ins Stocken. Parallel zur Entwicklung einer psychischen Struktur in jedem von uns, entwickelt sich entsprechend unserer Atem-Muster eine individuelle Körperstruktur. Zur Verdeutlichung: Mit einer Körperhaltung mit vorgezogenen Schultern und rundem Rücken ist wenig Platz im Brustkorb für die Einatmung. Eine schlechte Voraussetzung, um Gefühle von Stärke, Sicherheit oder Mut ausleben zu können.

Der Körper lügt nicht, und die verdrängten Teile/Gefühle unseres Selbst machen sich irgendwann einfach bemerkbar durch schmerzende oder erkrankende Körperstellen, durch Gefühlsausbrüche, die zum Zusammenbruch führen oder durch Lebenskrisen.

Verbundenes Atmen statt „selbst gemachter“ Stress

Abwertung, Unterdrückung und Widerstand bewirken beim Energie- und Atemstrom im Körper Störungen und Hindernisse, die sich in verschiedenen Formen von Atemhemmungen niederschlagen. Sie beeinträchtigen Ihre Wahrnehmung der aktuellen Situation und begrenzen die vorhandenen Möglichkeiten, damit angemessen umzugehen.

Durch die bewusste Verbindung der Einatmung mit der Ausatmung – in einem entspannten Rhythmus – werden solche Atemhemmungen wahrnehmbar. Dieses verbundene kreisförmige Atmen lenkt die eigene Aufmerksamkeit vollständig auf die Gegenwart in unserem Körper und hilft uns, mit dem Bewusstsein ganz in der Gegenwart und im Körper anwesend zu sein (Hier und Jetzt!).

Damit entsteht ein Kontakt mit unserem körperlichen Gefühl und den damit verbundenen Gedanken und Emotionen. Der verbundene Atem bringt das hervor, was gerade ist, und macht es uns bewusst. Jede Einzelheit im Körper wahrzunehmen und dabei vollkommen entspannt zu sein, bedeutet, JA zu sagen zu dem, was ist, und es urteilslos anzunehmen.

Dieses Annehmen ist ein aktiver innerer Vorgang, indem wir aufhören, etwas abzuwerten oder überhaupt zu bewerten! Dann entsteht Integration. Durch die bewusste Aufmerksamkeit auf die Atmung identifizieren wir uns nicht mehr mit den vorbeikommenden Gedanken und Gefühlen. Wir beobachten uns selbst aus der Perspektive „außerhalb“.

Die Kraft (Energie), die mit den Urteilen und Emotionen blockiert war, wird wieder freigesetzt. Dadurch entstehen für die jetzige Lebenssituation angemessene Wahlmöglichkeiten – ohne Stress!

Es sind keine anderen Ergebnisse zu erwarten, wenn man die Dinge immer wieder auf dieselbe Art und Weise tut. Raus aus dem alten Trott, aus den alten Schuhen! Und dazu reicht es schon, jeden Tag eine winzige Kleinigkeit zu verändern. Nicht beim Partner! Nicht beim Chef! Nicht bei den Kunden! BEI SICH SELBST.

Also: Atmen Sie JETZT ein paar Minuten bewusst ein und aus. Und erst recht, wenn es das nächste Mal wieder hoch hergeht!

Energiesteuerung der Umgebung mit KörperSprache

Sie können die KörperEnergie und damit Ihre Gelassenheit steuern. In einer hektischen, aufgeregten oder auch aggressiven Situation können Sie dies auch und gerade für Ihre Umgebung tun:

Nehmen wir einmal an, ein wichtiger Termin für Ihren Chef steht an und er sucht schon seit einiger Zeit nach den erforderlichen Unterlagen, die aber scheinbar spurlos verschwunden sind. Gereizt, ungeduldig und angriffslustig stürmt er nun in Ihr Büro und beschuldigt Sie, die Unterlagen verlegt zu haben.

Klar, dass Sie sofort in die sprachliche Verteidigung gehen, da Sie wissen, die Unterlagen bereits zurechtgelegt zu haben. Stopp! Bevor Sie irgendetwas sagen, stehen Sie bitte auf,

nehmen eine objektive gerade Haltung ein (besonders auf das angemessenen Maß Ihres Standpunktes achten!),

lassen die Arme hängen,

atmen und

schauen Ihren Chef ganz leicht lächelnd in die Augen.

Halten Sie dies ein paar Atemzüge aus.

Erst wenn Sie merken, dass die Spannung Ihres Chefs weicht – und das wird sie tun! – stellen Sie eine kluge Frage: „Sie haben sicher schon auf dem Sideboard nachgeschaut …?“, und

gehen ruhig, weiterhin bewusst atmend ins Zimmer und holen die Unterlagen.

Trauen Sie sich es auszuprobieren – es wirkt Wunder!

Nehmen wir an, der Gesprächspartner kommt scheinbar uninteressiert oder leicht muffelig auf sie zu. Agieren? Oder Reagieren?

In Sekundenschnelle ist Ihre bis eben noch vorhandene gute Laune getrübt und aus den wahrgenommen Signalen funkt ihr Gehirn: „Achtung, der will bestimmt nicht mit mir sprechen, und besonders sympathisch bin ich ihm auch nicht.“ Aus diesen Gedanken wird ebenso schnell Ihr negatives Gefühl. Schon hat sich Ihr eben noch vorhandenes, leichtes Lächeln verzogen und ihre Mundwinkel zeigen tendenziell nach unten: Sie machen das Sauergesicht! Natürlich haben Sie jetzt die gleiche Ebene zu ihrem Gegenüber, aber ein freudvolles, erfolgreiches Gespräch lässt sich jetzt nicht führen. Außerdem werden Sie durch Ihre äußere und innere Haltung die Prophezeiung erfüllen: „Der will ja doch nicht …“

Gefühle ehrlich zeigen

Wenn Sie sich aber entschließen, das Signal des Partners aufzunehmen und bewusst zu denken. „Dieser Mensch hat zurzeit negative Gedanken und fühlt sich nicht sehr wohl”, dann beschreiben Sie das, was sie sehen, ohne es auf sich zu beziehen und falsch zu werten. Dadurch können Sie entscheiden, dass Sie weiterhin mit einem Lächeln auf diesen Menschen zugehen können und damit die Situation bestimmen.

Kein Mensch – nicht einmal mein ärgster Feind – kann mir meine Stimmung vorgeben! Ich entscheide immer selbst, wie ich dem anderen begegne. Nicht die äußere Situation bestimmt über „Ärger“ oder „Freude“, sondern meine innere Einstellung und Entscheidung dazu. Das Außen ist vielleicht eine Herausforderung, aber niemals ein Zwang, diese auch anzunehmen!

Trifft mich etwas von außen an einem wunden Punkt, so zeigt mir dies nur, dass ich dort eine zu heilende Stelle habe. Wir können Ärgernissen, die uns andere verursachen, im Grunde sogar dankbar sein; zeigen Sie uns doch nur auf, wo wir selbst noch etwas in den Schatten gedrückt haben.

Ein offenes, freundliches Gesicht mit entsprechender Haltung ist selbst dem muffeligsten Gegenüber auf Dauer unwiderstehlich. Das höhere Energiepotential (Freundlichkeit) fließt immer zum niedrigen! Das damit das Gespräch anders startet, können Sie jederzeit leicht ausprobieren.

Die bewusste Entscheidung, die Dinge des Lebens offen anzuschauen, lässt Sie nach außen als auch im Inneren positiver den Tag an- und auf Menschen zugehen. Unangenehme Situationen oder Probleme erscheinen uns bei verkniffener Mundstellung und verengten Augenstellungen eben „verbissen“, „verkniffen“ oder „suspekt“. Sprache beschreibt Körpersprache – der Körper hat Einfluss auf Denken und Fühlen.

Wenn es so gar nicht läuft

Sie kennen das sicher auch: Es gibt Tage, da ist Ihnen nach gar nichts. Sie fühlen sich unbehaglich, jedes Gespräch ist eher lästig. Diese Gefühle sind durchaus zulässig. Unsere Gedanken in Verbindung unserer gesellschaftlichen (überholten!) Regeln aber verbieten den freien Ausdruck dieser Gefühle. Gefühle dieser Art sind Privatsache und gehören eben nicht in die Öffentlichkeit. Diese Rechnung haben wir dann jedoch wieder ohne unseren Körper gemacht. Denn der offenbart uns mit seiner Mimik (heruntergezogene Mundwinkel, trauriger Blick), unserer Gestik (Zurückhaltung der Arme und Hände, Festhalten der linken, emotionalen Hand oder Faust in der Tasche), die Schultern hängen herab.

Oder der Gang ist schleppend und die Füße wollen sich gar nicht vom Boden lösen. All diese Signale stehen dann im Gegensatz zu unserer Aussage: „Mir geht’s gut, ich bin ganz zufrieden (was nur heißt, Sie sind auf dem Weg zum Frieden mit sich Selbst und der Welt!), eigentlich kann ich nicht klagen …“ Warum stehen wir nicht zu unserer Situation, wenn wir sie letztlich doch nicht verstecken können?

Wenn Sie ehrlich antworten und damit Ihre Gefühle annehmen, wird es Ihnen besser gehen. Und auch der Gesprächspartner wird Sie für ehrlich halten, wenn sie anschließend auf der Sachebene zum Gespräch kommen. „Verzeihen Sie, wenn ich so ein Gesicht mache, das geht nicht gegen Sie. Ich habe gerade solche Kopfschmerzen“, oder: „Macht Ihnen dieser Fön auch so zu schaffen? Ich habe richtig Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren.“ So oder ähnlich können Sie sich und ihre Gefühle äußern und vermeiden damit, dass der andere die körpersprachlichen Signale auch noch auf sich persönlich, ablehnend bezieht.

Für Sie selber bedeutet dieses Verhalten, dass das unbehagliche Gefühl nachlässt (es wird wieder auf die seelisch-geistige Ebene gehoben und der Körper kann auf die Signalgebung verzichten!) und Sie sich und anderen aufrichtiger und authentisch erscheinen. Unsere Körper lügt nicht – nur wer eine Einheit aus Körper und Sprache darstellt, kann überzeugend und souverän wirken, Menschen im Gespräch begegnen und sich in seiner Haut wohl fühlen.

Hier ein kleiner Test zur Selbstbeobachtung:

Stellen Sie eine Begrüßungssituation nach und überprüfen Sie Ihre Signale und deren Be-Deutung:

  • Welchen Standpunkt vertreten Sie?
  • Welchen Abstand hat Ihr ausgestreckter Arm zum Gegenüber?
  • In welchem Winkel steht Ihr Oberkörper zu ihrem Gesprächs-Partner?
  • Welche Intensität hat Ihr Händedruck?
  • Welche Kopfhaltung nehmen Sie ein?
  • Wie wirkt Ihr Gesichtsausdruck, speziell der Mund und die Augen?
  • Fragen Sie nach dem spontanen Gesamteindruck bei Ihrem Gegenüber nach ….

Welche konkreten, persönlich erfahrenen Situationen haben Sie erfahren? Bitte schildern Sie mir diese – und wir schauen nach Lösungen, die Sie das nächste Mal anwenden können!


 

  Über die Autorin:

Sabine Mühlisch, ausgebildete Diplom-Sportwissenschaftlerin, ist seit 1986 selbständige Trainerin für KörperSprache & Persönlichkeitsentwicklung.

In den über 25 Jahren als Trainerin mit Managern, UnternehmensLeitern und Privatpersonen hat sie sich einen umfangreichen Erfahrungsschatz zu menschlichem (non-verbalen) Verhalten angeeignet. Sie bietet Seminarreihen zum Thema „KörperSprache als Ausdruck von Geist und Seele“ – auf der Grundlage und in der Auseinandersetzung mit der Arbeit von Prof. Samy Molcho – an. Bereiche dabei sind Kommunikation, Führung, Verkauf, Präsentation und freien Reden. Ihre lebendigen Vorträge und Impulsreden zum Thema „KörperSprache“ werden ergänzt durch Coachings, Seminare und Inspirationen für mittelständische Firmen zum Thema „Vitale UnternehmensKörper“ und IFM-Coachings.

Durch mehrere Bücher, Fachartikel sowie Medienauftritte hat sie den Namen „Grande Dame“ der KörperSprache erhalten.

Im Junfermann Verlag sind von ihr die Bücher Fragen der KörperSprache (2006) sowie Das Prinzip KörperSprache im Unternehmen (2014) erschienen.

Mehr über Sabine Mühlisch und Ihre Angebote erfahren Sie hier.

Sabine Mühlisch im Interview

Am 21. Februar erscheint das neue Buch unserer Autorin Sabine Mühlisch. Mit ihren handlungs- und selbsterfahrungsorientierten Trainingsreihen und Seminaren gibt sie nun schon seit über 20 Jahren Einzelklienten und Gruppen (etwa in Firmen etc.) ungewöhnliche, aber effektive Ratschläge und Inspirationen für das persönliche Weiterkommen. In ihrem Buch „Das Prinzip KörperSprache im Unternehmen“ geht es um lebendige Arbeitsgestaltung und das Zusammenwirken von wirtschaftlichen und (zwischen-)menschlichen Interessen. Wir haben der Autorin einmal „auf den Zahn gefühlt“…

Liebe Frau Mühlisch,
haben Sie im neuen Jahr schon irgendetwas Verrücktes oder Ungewöhnliches – sprich: Inspirierendes getan?

„Ich habe das neue Jahr gleich sehr inspirierend begonnen! Menschen aus fünf Nationen mit vier Sprachen und entsprechenden Feier-Verhaltensweisen haben mich ins neue Jahr begleitet. Von Bauchtanz – Iranische Frauen! – bis Beatfox mit einem Senegalesen war viel Bemerkenswertes dabei. Wer Freude daran hatte, bewegte sich aus seinem Herzen heraus – ohne Vorgaben oder Normen. So waren Lachen und Herzlichkeit einfach bezaubernd. Das Essen war ebenso vielfältig und jenseits des mir bisher Bekannten. Haben Sie schon einmal frischen, rohen Spinat mit Granatäpfeln genossen? Köstlich – und so vital …“

Das klingt in der Tat sehr inspirierend und lebendig! Auch im Titel Ihres aktuellen Buches tauchen die Wörter „Inspiration“ und „lebendig“ auf – Begriffe, die vermutlich jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer gerne mit dem Job verbinden würde. Was macht für Sie „lebendige Arbeit“ aus?

„Ein langjähriger Kunden hat mir dazu gerade gestern am Telefon eine Frage gestellt: ‚Frau Mühlisch‘, sagte er, ‚Sie klingen immer fröhlich. – Wann erwische ich mal einen schlechten Tag bei Ihnen?‘ Meine Antwort: ‚Kenne ich nicht! Um ausgeglichen zu sein, gehören 20 Prozent ‚schlechte’ Tage ins Leben. Ich verteile dies auf ein paar Minuten am Tag – und die sind schnell um …‘ Für mich ist es ganz wichtig, dass ich das, was ich gerade tue, gerne mache und nichts machen ‚muss‘ oder mich dazu zwinge. Dann habe ich meist ein leichtes Grinsen im Gesicht – einfach so. Ich lebe/liebe dann meine Tätigkeit, und auch das Wort ‚Arbeit‘ ist fast aus meinem Wortschatz verschwunden. Ich lebe mich und meine Fähigkeiten, indem ich tue, was ich gerade tue. Als Selbstständige kann ich sicherlich meiner ‚(Lebens-)Freude‘ folgen und auch mal nachts aufstehen und ein Konzept für einen Kunden zu Papier bringen. Die üblichen, zeitlichen Vorgaben verhindern lebendiges Wirken und Tun. Wenn ich eine Inspiration, also einen geistigen Impuls, habe, dann folge ich ihm unabhängig von der Tageszeit – und erlebe lebendiges Tun.“

Das klingt nach der ganz großen Freiheit! Nun sind natürlich viele von uns nicht selbstständig, müssen sich also an konkrete (Zeit-)Vorgaben halten. Was raten Sie solchen Menschen, um sich trotz fester Strukturen freier zu fühlen?

„Zum ersten auf die eigene (Gedanken-)Sprache achten! Das Wort „müssen“ erzeugt physischen und psychischen Druck, der sich als Stress äußert. Jeder Mensch kann wählen, das, was er gerade tut, auch zu wollen, zu wünschen. ‚Ich möchte jetzt das Angebot erstellen, damit es in zwei Stunden fertig ist‘ hat eine andere Freiheit als ‚Ich muss das jetzt bis 14 Uhr schaffen‘. Außerdem hat jeder die Möglichkeit, in seinem Umfeld an Systemen zu arbeiten statt in ihnen. Die innere Haltung vom Opfer – der Umstände – zum Schöpfer seiner Gegebenheiten wechseln. Dazu habe ich im Buch auch einige praktikable Beispiele zusammengetragen.“

Sie haben inzwischen ja schon mit wirklich vielen Unternehmen zusammengearbeitet und als sogenannte Inspiratorin neue Wege aufgezeigt. Aus welchen Gründen werden Sie denn hauptsächlich kontaktiert? Mit welchen Problemen oder Widerständen wenden sich Ihre Kunden an Sie?

„Oh, das ist so vielfältig wie Menschen und deren Unternehmen! Vor einigen Jahren kamen Kunden, um besonders zum Jahresbeginn eine Kick-off-Veranstaltung anzubieten, die ‚mal was anderes‘ sein sollte. Neues halt, was noch keiner hatte. Dann kamen Unternehmer, die mit den bisherigen Management-Tools nicht so recht weiterkamen und aufgeschlossen für Neues waren.
Ich habe aber auch mit Unternehmen zu tun gehabt, die mir ‚eigentlich‘ beweisen wollten, dass es nicht geht, was ich Ihnen angeboten hatte, und dass sie so weitermachen sollten wie bisher … um dann zu erkennen, dass sich in ihnen nach der Inspiration etwas getan hatte und sich regte … eben erst einmal auf-geregt … öffnen und sich regen. Es gab aber auch Mitarbeiter, die eine innere Sehnsucht hatten, die ich mit meinen Themen ansprach, und die sich deshalb für Ihre ‚Jahresfortbildung‘ einen Tag mit mir als Inspiratorin gewünscht haben. Natürlich waren auch viele Kunden dabei, die meine Seminare und Coachings zum Thema KörperSprache kennen- und schätzen gelernt hatten und mir vertrauten: ‚Frau Mühlisch, erzählen Sie mal, was ist denn nun das Prinzip KörperSprache im Unternehmen?’“

Das greife ich gern auf: Frau Mühlisch, Was ist denn nun das Prinzip KörperSprache im Unternehmen? – Ganz kurz und prägnant auf den Punkt gebracht?

„So wie unser Geist durch unseren physischen Körper nach außen, mit anderen Menschen, und nach innen, zu uns selbst, spricht, so spricht auch ein UnternehmensKörper zu Kunden und Mitarbeitern. Wer diese Sprache, das biologische Prinzip darin, versteht, kann Störungen vorbeugen, Verhalten leichter ändern und lebt mit der innewohnenden Biologie statt gegen sie. Das Ergebnis: gesunde, langlebige, vitale und kreative UnternehmensKörper, die sinnstiftend erschaffen.“

Wenn Sie einmal „Mühlisch allmächtig“ spielen dürften – Welche drei Verbesserungen für deutsche Unternehmen bzw. das Arbeitsleben allgemein würden Sie gerne auf der Stelle umsetzen?

„Oh – Allmacht? Gutes Stichwort: Selbstermächtigung für jeden in einem Unternehmen beteiligten Menschen würde vieles hin zum biologischen UnternehmensKörper ordnen. Denn wo Macht – machen – abgegeben wird, leiden Kreativität, Handlungsfreude und Schaffenskraft. Dann würde ich gerne die Entscheidungsfindung mit Unterstützung des Herzens als sofortiges ‚Do‘ einführen – Entscheidungen würden allen Beteiligten nutzen – sowie eine Überprüfungspflicht, ob die innerbetrieblichen Abläufe mit ähnlichen biologischen Abläufen übereinstimmen. So würden wir immer auf der Lebensspur bleiben und viel Unheil sowie ‚try and error’’ vermeiden können.“

Können Sie einmal an einem konkreten Beispiel kurz erläutern, wie „Entscheidungsfindung mit Unterstützung des Herzens“ aussehen könnte? Und was steht dem in den Unternehmen entgegen?

„Ich nehme mal ein ganz einfaches Beispiel: Ein Angebot wurde mit einem definierten Zeitpunkt zur Umsetzung versendet. Der Kunde reagiert jedoch nicht. Es gibt nun drei Möglichkeiten aus dem Verstand: 1. Nichts mehr unternehmen 2. Mail schreiben 3. Anrufen und nachfragen. Welche Entscheidung ist die Herzentscheidung und damit die passende? Ich denke an den Kunden, verbinde mich mit ihm mental und stelle mir nacheinander die Fragen: Anrufen? Mail? Nichts unternehmen?, und fokussiere meine Wahrnehmung dabei auf mein physisches Herz. Dieses erzeugt ein körperlich spürbares Gefühl. Bei einem Ja wird die Region weit und das Gefühl geht nach oben in die Kopfregion. Bei einem Nein nach unten in die Bauchregion. Derzeit ist es für viele Menschen im Unternehmen noch unbekannt, dass sie Herzentscheidungen bewusst einsetzen können, und viele trauen ihrem Herzen noch nicht. Daher ja auch ein ganzes Kapitel mit Anleitung, Ermutigung und Erklärung im Buch.“

Welche tatsächliche Veränderung in einem der Unternehmen, in denen Sie tätig waren, hat Sie persönlich am meisten beeindruckt? Und warum?

„Krieg in Frieden umzuwandeln. Der Krieg bestand in dem Unternehmen seit Jahren zwischen Außen- und Innendienst. Die Facetten der ‚Kriegsführung‘ waren bereits in vielfältigste Formen ausgeartet: Von offenen Anschuldigungen (‚Wenn der Innendienst … gemacht hätte, hätten wir den Kunden auch bekommen …’/’Wenn der Außendienst uns nicht immer Unmögliches in kürzester Zeit abverlangen würden, dann …‘ etc.) bis hin zu Mobbing, Zurückhalten von Unterlagen und Informationen oder ähnliches war alles dabei. Die Idee, dass Außen- und Innendienst wie die beiden Hände des Unternehmens agieren und funktionieren, erzielte eine Pause im bisherigen Krieg und schaffte eine bewusste neue Perspektive. Ich habe dann Mitarbeiter beider Dienste sich zusammenfinden und ihre Hände miteinander verschränken lassen, neue, gemeinsame Formen gestalten lassen, und diese Bilder der (Körper-)Sprache sprachen für sich. Eine Hand konnte nur beschränkt vollbringen, was beide zusammen leicht und teilweise nur zusammen vollbringen konnten. So mussten sie sich z. B. gemeinsam einen Schuh zubinden – jeder hatte aber nur eine Hand. Lustig anzusehen, was da erst einmal für Kommunikations- und Motorik-Schwierigkeiten auftraten. Aber alle haben zum Schluss den Schuh gemeinsam zugebunden. Es gibt vielfältige Arten, dies zu tun – auch eine Erkenntnis!
Wir haben dann den bisherigen Krieg einfach beendet – ohne Klärung, wer Sieger ist oder Recht hatte – und eine neue Sprache vereinbart: ‚Die rechte Hand (Außendienst) braucht die linke Hand (Innendienst) um …‘ – und umgekehrt. Die Mitarbeiter haben sogar einen ‚Untertitel‘ in Form einer Hand an die Bürotüren angebracht. Die Kommunikation wurde sofort friedlich, kooperativ und effektiv. Ein analoges Körper-Bild, was erstaunliche Wirkungen hatte.“

Ein schönes Beispiel – und eine ganz ungewöhnliche Methode, um Konflikte zu lösen. Mal Hand aufs Herz: Wie viel Überredungskunst müssen Sie leisten, bevor die Betroffenen in den Unternehmen sich auf solche Übungen einlassen?

„In diesem Fall keine! Menschen, egal welchen Alters, spielen gerne, lassen sich auf lustige und bewegungsorientierte Situationen ein. Ich habe natürlich ein wenig provoziert, als ich die Aufgabe gestellt habe: ‚Ich bin sicher, Sie schaffen es nicht, sich einen Schuh zuzubinden …‘ Würden Sie dann nicht auch sofort das Gegenteil beweisen wollen?“

Woran hapert es Ihrer Meinung nach bei den Klienten, die bisher weniger Veränderungspotenzial gezeigt haben?

„Es hapert nicht nur, es ist eine unbewusste, meist diffuse, tiefgehende Angst. Angst vor der Veränderung ist immer Angst vor dem Unbekannten. Und so bleibt jeder Klient, ob Einzelmensch oder Unternehmen, gerne im Bekannten, solange es noch erträglich ist und die ‚Schmerzen‘ auszuhalten sind. Erst wenn das Verhältnis 49:51 umkippt und damit die Beschwerden, Schmerzen oder Einbußen steigen, wird Veränderung not-wendig. Nur: Wer schon in Not ist und dann noch über seinen Schatten springen und Neues wagen soll, der hat es doppelt schwer. Ein bewusster Zugang zu bereits ‚leichten‘ Auffälligkeiten mit dem Wissen um die Ängste vor Änderung kann einer Not und deren erzwungene Wendung vorbeugen. Veränderung als Lebensgrundlage zu erkennen – und das sogar täglich – ist auch eine Hinwendung zum biologischen Unternehmen und gesunden Körper. Wussten Sie, dass wir stündlich ca. 2.000 Zellen erneuern?! Das nenne ich lebendige, biologische Veränderung!“

Um noch einmal zu dem Mühlisch-allmächtig-Spiel zurückzukommen: Stellen Sie sich vor, Sie wären mit ausreichend Geld gesegnet und bekämen den Auftrag, ein eigenes Unternehmen aufzubauen? Wie könnten wir uns das vorstellen? Und welchen (Produkt-/Kunden-)Bereich würden Sie auswählen?

„Ich habe bereits zwei eigene Unternehmen, die ich seit Jahren führe. Das war übrigens nie eine Frage des Geldes, es zu starten. Ich verstehe Ihre Frage so, dass ich ein Unternehmen gründen könnte, das mit vielen Mitarbeitern und nicht – wie in meinem Fall – mit freien, selbstständigen Partner aufgebaut ist?“

Genau!

„Ich würde mich gerne im Lebensmittelbereich ‚einmischen‘, wenn ich den aktuellen Regeln und damit verbundenen (Geld-)Zwängen nicht unterworfen wäre. Ich würde gerade hier ein biologisches Unternehmen mit biologischen Produkten für vitale Menschen gestalten. Das würde mit den Bauten nach energetischen Gesichtspunkten beginnen, in denen Lebensmittel aus natürlicher Produktion angeboten werden, die regional gewonnen werden, nur aus saisonaler Ernte stammen und Verarbeitung auf natürlichem Wege gewährleisten … Es müssten also viele Standorte sein. Mit Mitunternehmern (Mitarbeitern), die leben, was sie anbieten, sich mit natürlicher Ernährung und Pflanzenwelt auskennen, vielleicht sogar Zubereitungen kennen, Rezepte empfehlen … Ich komme gerade ins Phantasieren, oder ist das schon wieder eine Inspiration ;-)? Danke für die Frage – solche führen meist zu solchen Vorgängen, sprich Antworten, die entstehen … Inspiration in Anwendung.“

Gerne! Dann hoffe ich, dass meine letzte Frage auch inspirierend wirkt: Einmal abgesehen vom Firmengründen – was wünschen Sie sich für das Jahr 2014?

„Ich persönlich wünsche mir nur noch selten etwas. Ich spüre ein Bedürfnis und suche nach einer Erfüllung/Realisierung. Begehren oder Verlangen habe ich höchstens mal nach … nein, das verrate ich jetzt nicht. 🙂 Ich weiß, dass ich der Schöpfer meiner Realität bin, und wenn da etwas nicht so ist, wie es sich für mich angenehm anfühlt, dann kann ich Veränderungen einleiten. Für die Welt wünsche ich mir BewusstSein, denn wer im Wissen ist, kann selbstbestimmt und frei wählen, seine Realität erschaffen und braucht keine Hoffnung und somit keine guten Wünsche auf eine bessere Zukunft – er erschafft sie.“

Vielen Dank für das Interview, Frau Mühlisch!

„Gern geschehen!“