Michaela Huber zum 60. Geburtstag

Unsere Autorin Michaela Huber feiert in diesem Monat einen runden Geburtstag: Sie wird 60. Anlass genug, ihr an dieser Stelle ganz herzlich zu gratulieren und auch dafür, einmal in der Erinnerung zu kramen und zu reflektieren, wie unsere Zusammenarbeit einst begonnen hat und wie sie über die Jahre gewachsen ist.

 

Wie alles begann …
Etwa zehn Jahre ist es her, wir bereiteten gerade die erste Auflage von Imke Deistlers und Angelika Voglers Buch „Einführung in die Dissoziative Identitätsstörung“ vor. Da bekam ich einen Anruf von Angelika Vogler: Kurz vor Drucklegung des Buches – der Umbruch war natürlich längst fertig – sollte noch ein Vorwort eingefügt werden. Als Verlagsmitarbeiterin, die endlich mit dem Buch in die Druckerei wollte, konnte mich das eigentlich überhaupt nicht freuen. Doch als sie mir erzählte, von wem das Vorwort sei, wandelte sich mein anfänglicher Unmut in echte Begeisterung: Die Rede war von Michaela Huber.

Michaela Huber, das war doch die Expertin auf dem Gebiet. Bis dahin hatte ich nie Kontakt mit ihr gehabt, ihr Bestseller „Mutiple Persönlichkeiten“ war mir aber sehr wohl ein Begriff. Also griff ich zum Telefonhörer und traf Verabredungen über das Vorwort. Ich war begeistert, mit einer Frau zu sprechen, die sehr genau wusste, worauf es bei einer solchen Last-Minute-Geschichte ankam: schnell zu liefern und den Text genau in die möglichen Freiseiten einzupassen. Das habe sie durch ihre Tätigkeit bei „Psychologie heute“ gelernt, sagte Michaela Huber. – Und dann stellte sie noch eine Frage: Sie suche einen Verlag für zwei Werke, die sie unbedingt schreiben müsse. In ihren zahlreichen Weiterbildungen spüre sie immer wieder den Bedarf an einem handfesten Buch darüber, wie Traumatherapie funktioniert. Und dann gäbe es noch dieses Projekt zum Thema Täterintrojekte. Fischer, der Verlag von „Multiple Persönlichkeiten“, habe kein Interesse. – Ich habe damals einmal tief durchgeatmet und gesagt: „Dann kommen Sie doch zu uns.“

 

… und seither so wunderbar läuft
Das war, wie gesagt, vor zehn Jahren. Glücklicherweise ist Michaela Huber damals zu uns gekommen und in den darauffolgenden Jahren ist eine ganz besondere Beziehung Autorin – Verlag/Verlag – Autorin gewachsen. Aus dem handfesten Buch über Traumatherapie sind zwei Bände geworden: „Trauma und die Folgen“ und „Wege der Traumabehandlung“. Dann folgte ihr mit Abstand erfolgreichstes Buch: „Der innere Garten“. Immer mal wieder fragte ich nach dem Täterintrojekte-Buch, doch erst mussten zwei Bücher mit Pauline F. Frei realisiert werden: „Leiden hängt von der Entscheidung ab“ und „Von der Dunkelheit zum Licht“. Und schließlich holten wir auch „Multiple Persönlichkeiten“ von Fischer zu Junfermann und lieferten im letzten Jahr mit „Viele sein“ quasi die Fortsetzung und Aktualisierung nach.

Es sind in den zurückliegenden Jahren also ziemlich viele Michaela-Huber-Manuskriptseiten über meinen Schreibtisch gegangen. Und wie so viele ihrer Leserinnen und Leser hat auch mich immer wieder tief beeindruckt, dass ihre Bücher zum einen wissenschaftlich fundiert, zum anderen trotzdem für jeden am Thema interessierten Menschen lesbar sind. Das ist ein Spagat, den man erstmal hinbekommen muss!

Gegenseitige Wertschätzung, das war und ist eine sehr gute Basis. Immer wieder bin ich gerne nach Göttingen gefahren (und werde es hoffentlich auch weiterhin tun). Auf der Terrasse, mit Blick auf den wunderschönen Garten, haben wir über Gott und die Welt geredet – aber auch gearbeitet, denn es wurde so manches Buchprojekt konkretisiert. Wann immer und wo immer wir uns getroffen haben: Nie ist die kulinarische Seite zu kurz gekommen, immer wurde ich auf das feinste verwöhnt, nach dem Motto: „Wer nicht genießt, ist ungenießbar.“

Als Michaela Huber 2007 das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, konnte ich mir ein Bild davon machen, welch aktive Netzwerkerin sie ist und wie sehr sie von ihren Kolleginnen und Kollegen geschätzt wird. Es waren so viele Menschen da – und so viele berichteten in ihren Ansprachen davon, welche Rolle sie – menschlich und beruflich – für sie spielte.

Auch das Buch „Viele sein“ passt zum Thema netzwerken: Es war ihr gelungen, ganz viele Kolleginnen ins Boot zu holen, damit sie Beiträge aus ihren speziellen Arbeitsgebieten lieferten. Zur Feier des Buches gab es 2011 ein Fest für alle Beteiligten in Göttingen: mit gutem Essen, einer tollen Stadtführung – und mit sehr anregenden Gesprächen natürlich.

Habe ich noch etwas vergessen? Ganz viel, denn zehn Jahre und eine so intensive Zusammenarbeit lassen sich einfach nicht in wenige Zeilen fassen. Aber hier soll erst einmal Schluss sein, sonst wird ein 500-seitiges Buch daraus (und keine Seite wäre zu viel!). Ach ja, das Täterintrojekte-Buch: Was ist damit eigentlich? Nun, manche Dinge brauchen halt, bis sie reif sind. Michaela Huber hat sich in diesem Jahr eine Auszeit gegönnt, um dieses Buch zu schreiben. Wie sie denn vorankomme, wollte ich kürzlich von ihr wissen. – Es entstünde gerade ein komplexes und umfangreiches Gewebe, antwortete sie mir. Ich bin – wie immer – sehr gespannt darauf, das fertig gewobene Manuskript auf meinem Tisch zu haben.

„Irgendwas ist anders“ – Ein Gespräch mit Anja Köhler und Christian Kersten zur Entstehungsgeschichte ihres Buches

Seit den späten 1970er-Jahren gibt es bei Junfermann NLP-Bücher. Das Thema begleitet uns also schon eine ganze Weile und hat sehr maßgeblich das Programm und die Außenwahrnehmung des Verlags bestimmt. Auch wenn die ganz große NLP-Welle ein wenig abgeebbt ist: Immer noch gibt es mehr als 60 NLP-Titel in unserem Programm und im Grunde sollte man meinen, dass so langsam alles zu diesem Thema gesagt und geschrieben sein sollte.

Nicht so ganz, denn im Sommer 2010 erhielten wir ein wirklich interessantes Manuskriptangebot: Was passiert eigentlich in einer Partnerschaft, wenn einer der Partner NLP lernt und der andere nichts mit den Methoden anfangen kann? Ja auch nicht so recht versteht, was seinen Partner eigentlich umtreibt? – Inzwischen ist daraus ein Buch geworden: „Irgendwas ist anders … Ein Lese- und Handbuch für alle, deren Partner NLP lernen“.

 

Warum ein Buch über die Auswirkungen des NLP-Lernens auf die Partnerschaft?
Im Folgenden möchte ich Sie ein wenig teilhaben lassen am „making of“ dieses Buches. Dazu unterhalte ich mich mit Anja Köhler und Christian Kersten, den Autoren. Ich möchte zunächst von ihnen wissen, wie man überhaupt auf die Idee kommt, ein Buch über die Auswirkungen des NLP-Lernens auf die Partnerschaft zu schreiben? Gab es hierfür einen auslösenden Moment?

„Nicht so sehr einen bestimmten Auslöser, vielmehr ist die Idee zu dem Buch während der Seminare langsam gewachsen“, sagt Anja Köhler. Sie hat alle NLP-Ausbildungen gemeinsam mit ihrem Mann Christian Kersten gemacht. Doch die anderen Teilnehmer, die ihre Ausbildung ohne Partner absolvierten, berichteten immer wieder, dass sie zu Hause Probleme hätten, mit dem Gelernten und auch durch bestimmte Veränderungsprozesse bei ihnen selbst. Christian Kersten ergänzt, dass viele NLP-Lernende daheim oft eine kritische Stimmung registrierten und häufig nicht so recht wüssten, woher diese rühre. Deshalb fordert er: „Die Veränderung des Systems Beziehung sollte in den Ausbildungen thematisiert werden – und zwar gleich zu Beginn.“ „Es gibt viel zu wenig Hinweise, wie man NLP nach Hause bringen kann“, ergänzt Anja Köhler. Viele NLP-Ausbildungsinstitute bieten Büchertische mit Literatur zu den Inhalten ihrer Ausbildungen an. Auch auf diese Büchertische gehöre Literatur zum Thema „Auswirkungen auf die Partnerschaft“. – Bisher hat es kein Buch dazu gegeben, aber diese Lücke ist ja jetzt geschlossen worden.

 

Wie war das mit den Interviews?
Im Buch finden sich zahlreiche Interviews mit Paaren, gemeinsam, aber auch mit einzelnen Partnern oder mit beiden Partnern, getrennt voneinander befragt. War es schwierig, Interviewpartner zu finden, will ich wissen.

Sie hätten von ihrer Idee erzählt und seien damit auf sehr positive Resonanz gestoßen, erzählt Anja Köhler. Mit ihrem Anliegen sind beide wohl auf sehr offene Tore gestoßen, denn vielen Befragten, so wird mir berichtet, scheint es gut getan zu haben, einmal darüber reden zu können, welche Bedeutung NLP für sie hat und welche Veränderungen sich dadurch in ihrem Leben ergeben haben. „NLPler vermissen häufig bei ihrem Partner ein Interesse an dem, was sie machen“, sagt Christian Kersten.

Von den interviewten Paaren im Buch wünschten einige sich ausdrücklich, getrennt voneinander befragt zu werden und hätten teilweise erst durch die Buchveröffentlichung erfahren, was ihr Partner gesagt habe. Oft sei es bei diesen separaten Interviews zu erstaunlich unterschiedlichen Einschätzungen der Situation gekommen. So sprachen NLPler häufig über positiven Entwicklungen in der Beziehung durch NLP, Ihre Partner hingegen stellten überhaupt keine Veränderungen fest. Dies sei besonders bei langjährigen Partnerschaften der Fall gewesen. Oder es wurde behauptet, es habe keine Veränderung oder nichts Bemerkenswertes gegeben – und gleichzeitig wurde geäußert, der Partner habe plötzlich so komische Fragen gestellt.

Die Interviews seien insgesamt sehr emotional gewesen. Es sei viel gelacht worden, es habe aber auch traurige Momente gegeben, wenn klar wurde, was in der Partnerschaft nicht funktionierte, sagt Christian Kersten. In einem Fall seien durch das Interview wesentliche Konfliktursachen in der Beziehung erst richtig deutlich geworden und das Paar habe sich anschließend getrennt. Manches Mal habe sie sich gesagt: „Wenn sie doch nur miteinander geredet hätten“, sagt Anja Köhler.

Doch nicht nur um das Thema Partnerschaft ging es in den Interviews. So berichteten beispielsweise Mütter über einen anderen Umgang und eine andere Kommunikation mit ihren Kindern. Dieser Aspekt hätte aber den thematischen Rahmen des Buches gesprengt und so sei er außen vor geblieben. Aber gerade Kinder scheinen ein sehr feines Gespür dafür zu haben, wenn ihre Eltern ihnen „nlp-istisch“ eine Frage stellen, selbst wenn auf das Fachvokabular verzichtet wird. Aber über die Frage nachdenken, das tun die Kinder dann schon, wenn vielleicht auch etwas widerwillig.

Anja Köhler & Christian Kersten

 

Der Schreibprozess
Kommen wir nun zu einem anderen Thema und betrachten wir den eigentlichen Schreibprozess etwas genauer: Wie schreibt man denn als Paar? – Das erste Kapitel hätten sie versucht, gemeinsam zu schreiben, dann aber schnell festgestellt: „So funktioniert es nicht“, erzählt Anja Köhler. Deshalb einigten sie sie sich darauf, Kapitel und auch einzelne Abschnitte innerhalb der Kapitel aufzuteilen. Einer habe dann begonnen und der andere später übernommen. Anschließend haben sie das Geschriebene von dem jeweils anderen gegenlesen lassen und Änderungsvorschläge diskutiert und umgesetzt. Das sei eine sehr produktive Arbeitsweise gewesen, die auch eine gemeinsame Sprache hervorgebracht habe. „Wer hat denn was geschrieben?“ – Das hätten Bekannte vergeblich versucht herauszufinden. Natürlich gab es immer wieder Situationen, wo bei bestimmten Formulierungswünschen auch Zugeständnisse gemacht werden mussten. Insgesamt habe die gemeinsame Arbeit an dem Buch aber Spaß gemacht. Das Folgebuch „Was passiert, wenn man mit seinem Partner ein Buch über NLP und Partnerschaft schreibt“ wird es also nicht geben. 🙂

Übrigens: Anja Köhler und Christian Kersten haben sich für ihr Buch auch selbst interviewt und dabei festgestellt, dass ihre unterschiedlichen Herangehensweisen sich (auch) im Schreibprozess gut ergänzen. Hätte Christian Kersten das Buch allein geschrieben, wäre ein relativ kurzes Überblickswerk dabei herausgekommen. Anja Köhlers Buch hingegen hätte drei sehr detailliert ausgearbeitete Kapitel umfasst und wäre zum Abgabetermin nicht fertig geworden.

Stichwort Unterschiede: Unterschiedlichen Leserbedürfnissen haben die Autoren mit nicht weniger als vier Vorworten (!) Rechnung getragen: ein Vorwort für NLPler und eines für die Partner. Ein Vorwort für Leser, die gerne ein Buch durchblättern und selektiv lesen (was bei diesem Buch sehr gut möglich ist) und ein Vorwort für Von-vorne-bis-hinten-Durchleser.

 

Leser-Feedback?
Gibt es schon erstes Feedback zum Buch? – Ja, es gibt viel Feedback, auch von Menschen, die eigentlich gar nichts mit NLP zu tun haben und dennoch für sich etwas aus dem Buch ziehen können. Viele Leser loben auch die Anschaulichkeit der Sprache. Und aus einigen Leserfeedbacks geht deutlich hervor, dass das Konzept des Buches aufgeht: NLPler können es nutzen, um bestimmte Inhalte zu rekapitulieren; ihre Partner können schauen, was von dem Dargebotenen für sie von Interesse ist und sich langsam ans NLP herantasten. Das Buch ist nicht „missionarisch“, schließlich würdigt es auch Kritik am NLP.

Hier geht es zum Buch „Irgendwas ist anders“ und hier geht es zur Website von Anja Köhler & Christian Kersten

Trouvaille im Buchstabenwald

Niemand von uns ist vor ihm sicher; in der Buchbranche ist er besonders ärgerlich, weil nachträglich kaum zu korrigieren; zu allem Überfluss gehört es zur déformation professionelle der Branchenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, ihn besonders leicht zu entdecken … die Rede ist vom Tippfehler, jenem Fluch des gedruckten Wortes, dem offenbar auch durch Automatisierungstechniken nicht ganz beizukommen ist. In vollem Bewusstsein also der eigenen Fehlbarkeit und Fehleranfälligkeit möchten wir den geschätzten Lesern doch ein besonders hübsches Fundstück nicht vorenthalten: Das Börsenblatt für den deutschen Buchhandel berichtet soeben in seiner online-Ausgabe über die Neustrukturierung der Marketingabteilung im Hause Droemer Knaur. Die Pressemitteilung des Verlags wird mit den Worten zitiert, man habe mit der neuen Struktur ein besonders „schlafkräftiges Konzept“ für die neuen Anforderungen des Marktes geschaffen. Wir wünschen kräftige & süße Träume!

Nachtrag 03.06.: Mittlerweile ist der Fehler auf der Website korrigiert worden.

Gedanken zu einem Buchmanuskript

Der Sommer rückt näher und es wird Zeit, dass endlich unsere letzten vorangekündigten Frühjahrstitel in die Produktion gehen. Für mich bedeutet das: Lektorat eines Buches zum Thema Führung.

Nicht ganz so mein Ding, muss ich direkt gestehen, denn in diesem thematischen Feld werden gerne neue Prinzipien kreiert, die mit sehr fantasievollen Namen belegt werden; gerne auch mit Abkürzungen, die alles oder nichts bedeuten können. – Mit dieser Einschätzung werde ich ganz bestimmt sehr vielen sehr guten Büchern zum Thema Führung nicht gerecht. Ich habe da halt ein Vorurteil und kann nicht so recht aus meiner Haut. Andererseits bin ich aber Profi genug, um auch ein Manuskript zu bearbeiten, das nicht unbedingt eines meiner Lieblingsthemen behandelt.

Also: Ran an den Text! Und zwar gleich zu Beginn des Arbeitstages, damit sich gar nicht erst Widerstände aufbauen oder Ablenkungsmanöver einstellen können.

Ich lese eine Seite, noch eine Seite … und nach mehreren Seiten denke ich: Wow! So etwas hätte ich von einem Führungsbuch nicht erwartet. Was ich da lese ist kraftvoll und authentisch. Es ist empathisch, nimmt aber gleichzeitig keine falschen Rücksichten. Die da schreibt ist wirklich souverän und sie muss sich nicht hinter irgendwelchem Schischi verstecken, denn sie weiß, was sie kann.

Und was lese ich, welches Manuskript bringt mich so zum Schwärmen? Es ist „Chefsache: Führen!“ von Ursu Mahler. Da berichtet eine gestandene Führungskraft mit langjähriger Erfahrung als Trainerin und Coach, was für sie die Grundlagen guter Führung sind: „Nicht handeln heißt zustimmen“ ist z.B. ein ganz zentraler Satz, der allen Zauderern und Zögernden ins Stammbuch geschrieben sei. Und Kernsätze dieser Art gibt es einige. – „Hart, aber fair“, so lassen sie sich häufig charakterisieren.

Für Menschen in einer Führungsposition kann die Lektüre dieses Buches ein rechter Vitaminstoß sein, den sie sich von Zeit zu Zeit gönnen sollten. Vermutlich haben viele Führungskräfte den Kopf voller Wissen, sind in zahlreichen Methoden geschult. Doch selbst solchen Experten kann es nicht schaden, gelegentlich die eigene Haltung und das Handeln zu reflektieren. Gute Führung verlangt Herz und Verstand – und von beidem findet sich sehr viel in diesem bravourös geschriebenen Buch.

Neues vom Vertrieb

Nachdem ich die letzten zwei Jahre sehr schlechte Erfahrungen mit meiner Vertriebsreise nach Österreich gemacht habe – 2010 hielt mich die Aschewolke  des unaussprechlichen Vulkans Eyjafjallajökull vom Fliegen ab, 2011 kam ich ohne Koffer in Wien an, weil es dem in Hannover wohl besser gefiel – war ich schon gespannt, was mich diesmal wohl erwarten würde. Wir ulkten im Vorfeld schon, was alles passieren könnte. Von einer Autopanne bis hin zu einem Kurzaufenthalt bei der Polizei, ich sollte meinem Mann die berühmten Käsekrainer mitbringen, war alles dabei. Aber nichts tat sich. 2012 sollte alles glatt über die Bühne gehen. Flug ging pünktlich von Hannover nach Wien, Koffer kam dieses Mal mit nach Österreich, und zu meiner Freude erwarteten mich nicht 12 Grad wie beim Abflug, sondern 27 Grad und Sonnenschein. Was will man da mehr.

Mein Mietwagen stand auch schon bereit, und so konnte es in die Wiener Innenstadt gehen. Selbst das Navi wählte sich sofort ein und wies mir den direkten Weg zum Hotel. Es war mir ehrlich gesagt schon ein wenig unheimlich, wie glatt alles lief.

Die Route sah für mich folgende Städte vor:  Montag: Wien, Dienstag: Graz und Klagenfurt, Mittwoch: Salzburg, Donnerstag: Wels und Linz und am Freitag nach ein paar weiteren Terminen in Wien sollte es wieder zurück nach Paderborn gehen.  Alle ganz tolle Städte, aber zum Sightseeing blieb mir auch diesmal keine Zeit.

Nach einer erholsamen Nacht und einem sehr guten Frühstück ging es los. Bewaffnet mit der Herbstvorschau 2012 und ganz tollen neuen Titeln absolvierte ich einen Termin nach dem anderen. Die Buchhändler standen unseren Novitäten äußerst aufgeschlossen gegenüber und bestellten auch größere Stückzahlen. Das bin ich, wenn ich ehrlich bin, vom Buchhandel in Deutschland gar nicht mehr gewohnt.

Empfangen wurde ich stets mit einen freundlichen „Grüß Gott“ und dem Angebot, eine Melange oder Wasser bekommen zu können. Bei einem netten Plausch, der so manches Mal von den eigentlichen Themen abdriftete, erfuhr ich sehr viel über die derzeitige Situation des Österreichischen Buchhandels. Welche neuen Verbindungen haben sich in der Zwischenzeit ergeben, welche Themen sind besonders stark, welche neuen Kollegen sollte ich kennenlernen und natürlich die berühmte Gerüchteküche, die auch in Österreich brodelt.

Tag für Tag stieg nicht nur meine Stimmung, sondern auch die Temperaturen. Die Sonne schien von einem strahlendblauen Himmel, und in der Ferne grüßten mich die noch schneebehangenen Berge. Ein herrliches Panorama. Zum Glück gibt es kaum noch Hotels ohne Klimatisierung. So waren die Nächte sehr erholsam.

Am Freitag, meinem letzten Tag in Wien, waren es schon um 9.00 Uhr 26 Grad. Ich fragte mich, wo die Temperaturen heute noch hin wollten. Um 12.00 Uhr wußte ich es: weit über die 30 Grad Marke. Ich schleppte mich bei 32 Grad und keinem einzigen Luftzug von Termin zu Termin und freute mich schon sehr auf die Aussicht eines klimatisierten Flughafens. Da hatte ich aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn die Klimaanlagen streikten im gesamten Flughafengebäude, und so empfing mich eine schwüle, stickige und von tausend Gerüchen geschwängerte Luft. Ich wollte nur noch weg!

Meinem Wunsch wurde dann, wenn auch mit einiger Verspätung, entsprochen, und so landete ich um 19.40 Uhr  bei gerade mal 15 Grad wieder in Hannover. Leider genau fünf Minuten zu spät, um die S-Bahn nach Paderborn zu erreichen. Also hieß es weitere 55 Minuten warten.

Um 23.25 Uhr viel ich dann endlich, glücklich aber geschafft, in mein Bett.

Wie heißt es so schön: Wer eine Reise tut, der hat was zu erzählen!

Schönes aus der Spam-Welt

Heute in der Mittagspause: Meine Kollegin liest konzentriert eine E-Mail und bricht dann in einen Lach-Flash aus.

Ein Banker, Dr. Christopher Harrison aus England, schreibt ihr in schönstem Fehlerdeutsch, dass sie die Erbin eines mit dem Flugzeug abgestürzten mexikanischen Juden namens Moises Saba ist, der mit nur 46 Jahren offenbar einem Anschlag zum Opfer fiel – jedenfalls sind seine Frau, sein Sohn, seine Schwiegertochter und er selbst bei dem Unglück umgekommen. Und praktischerweise kann auch der Pilot keine Ansprüche mehr stellen – denn: „Der Pilot war auch tot ist.“

Wie kommt nun der ehrenwerte Banker darauf, dass ausgerechnet Frau Köster aus Paderborn die „$ 16,5 Millionen Pounces (Sechzehn Millionen fünfhunderttausend Pounces und Sterling)“ zustehen? Na, ist doch ganz einfach: „Die Wahl der Kontaktaufnahme mit Ihnen aus der geographischen Natur, wo Sie leben.“ Aha, in Paderborn sollte man wohnen. Diese geographische Natur schränkt die Auswahl der Erben schon mal gewaltig ein  – und ich als Nicht-Paderbornerin werde wohl nie von den Millionen des Moises Saba profitieren …

Aber die Fußangel kommt erst noch: Der freundliche Dr. Harrison will 60%!!! Na, da hört sich doch alles auf. Da träumen wir schon von Ferienreisen und Wohneigentum, und dann bleiben noch lumpige 40% von den 16,5 Millionen Pounces übrig!

Doc Harrison indes appelliert ans Gewissen: „Alles was ich brauche jetzt Ihre ehrliche Zusammenarbeit, Verschwiegenheit und Vertrauen, damit wir sehen diese Verhandlung durch ist.“

„Durch“ sind eigentlich nur wir, und zwar vor Lachen. So oft bekommen wir keinen Spam mehr, die Filter funktionieren recht gut, und diese englisch-jüdisch-mexikanische Variante der Nigeria-Connection hat uns eine lustige halbe Stunde beschert.

Zuletzt noch der Hinweis …  Don’t try this at home … keine Anhänge in Spams öffnen und niemals antworten und überhaupt generell vorsichtig sein! 🙂

Begegnungen im Grenzland

Es ist der 25. Januar 2012. Das Telefon klingelt, ich gehe dran und am anderen Ende der Leitung vernehme ich eine freundliche Stimme mit einem ganz leichten niederländischen Akzent. Dass dieses Gespräch mich schließlich im April nach Roermond bringen wird, dass ich dort unseren Autor Ike Lasater kennenlernen und noch viele andere wunderbare Begegnungen haben werde, das ahne ich in dem Moment noch nicht …

 

Wie ich dazu kam, ein GFK-Event in den Niederlanden zu besuchen

Harald Borajns heißt mein Gesprächspartner. Im Jahr 2009 gründete er die Stiftung „Daimoon“, in der Absicht, einen Beitrag zur Verbreitung des Gedankengutes der Gewaltfreien Kommunikation in den Niederlanden zu leisten. Und weil sich Gedanken über Bücher gut transportieren lassen, ist er auch verlegerisch tätig geworden. Im September 2011 erschien die niederländische Ausgabe von „The Compassionate Classroom“ von Sura Hart & Victoria Kindle Hodson und am 26. April 2012 soll die Übersetzung von „Words That Work in Business“ von Ike Lasater auf den niederländischen Markt kommen, erzählt er mir. Der Autor habe zugesagt, zum Booklaunch nach Roermond zu kommen – und wenn Ike schon mal da sei: Warum nicht gleich ein etwas größeres Event kreieren? Aus diesem Anlass wurden auch Kay Rung, Mediator und Verleger von schwedischen GFK-Büchern und Jutta Höch-Corona, Mediatorin aus Berlin, als Referenten eingeladen.

Am 26. April solle es GFK- und Mediations-Workshops geben und er wünsche sich durchaus auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, erklärt mir Harald Borjans. Schließlich sei Roermond kurz hinter der deutsch-niederländischen Grenze gelegen und gut erreichbar. Ob wir ihn unterstützen könnten, sein Event in Deutschland bekannt zu machen, fragt er mich. Das sage ich gerne zu und merke im gleichen Atemzug an, dass er bereits eine Interessentin aus Deutschland gewonnen habe: mich. Sofort werde ich begeistert eingeladen.

Jutta Höch-Corona & Ike Lasater

 

Von Büchern und Menschen

Und dann ist der lang erwartete Tag gekommen: Zusammen mit den Referenten werde ich in Düsseldorf am Flughafenbahnhof abgeholt und wir werden in das Theater-Hotel in Roermond gebracht. Neben Restaurants, Seminarräumen und Zimmern beherbergt es auch einen Theatersaal – eine Kombination, die ich in der Form noch nicht kennengelernt habe.

Wir verbringen den Abend in netter Runde und sprechen viel über Bücher und über das Büchermachen. Kay Rung kann stolz vermelden, dass sein Verlag „Friare Liv“ jetzt seit zehn Jahren besteht. In dieser Zeit habe er enorm viel gelernt, ein Prozess, der noch immer andaure. Im Programm von Friare Liv finden sich Bücher von Kays Partnerin Liv Larsson, aber auch die schwedische Übersetzung von Marshall Rosenbergs Buch „Gewaltfreie Kommunikation“. Mir ist es eine ganz besondere Freude, ihm an diesem Abend ein druckfrisches Exemplar der deutschen Übersetzung eines Liv-Larsson-Buches zu überreichen: „Wut, Schuld und Scham“. Auch die Nachricht, dass dieser Titel in Deutschland sehr gut vorbestellt sei, nimmt Kay mit großer Freude auf.

Harald Borjans und sein Kollege Mark stehen mit zwei publizierten Titeln noch ganz am Anfang ihrer Verleger-Laufbahn und sind begierig, Erfahrungen auszutauschen. Und da aller guten Dinge bekanntlich drei sind: Auch Ike Lasater plant, verlegerisch aktiv zu werden. – Später wird mir noch ein ganz besonderes Print-Produkt geschenkt: Jutta Höch-Corona arbeitet mit einer Eigenentwicklung, mit Gefühlsmonster-Karten und hat von den netten kleinen Gesellen Sticker herstellen lassen. Wo die bei mir wohl ihren Platz finden werden?

 

Roermond ist mehr als ein Outlet-Center

Am nächsten Tag treffen ca. 40 Seminarteilnehmer ein. Bei Kaffee und Tee wird munter geplaudert und nach einer freundlichen Begrüßung durch die Veranstalter geht es in die Workshops. Ich erfreue mich am Vormittag an Ike Lasaters wunderbaren Geschichten: Seine Begegnungen mit Marshall werden geschildert, aber auch ein abenteuerliches GFK-Training im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet.

Kay Rung erläutert, wie eine Mediation abläuft.

Nach einem leckeren Mittagessen geht es in die zweite Workshop-Runde, was für mich Mediationsübungen mit Kay Rung bedeutet. In Dreiergruppen üben wir, mit ständig wechselnden Rollen, Schritt für Schritt einen grundlegenden Mediations-Ablauf.

Ike Lasater

 

Am späten Nachmittag – die Wolken sind verschwunden und die Sonne zeigt sich – gönne ich mir noch einen kleinen Spaziergang durch das Städtchen. Schöne Kirchen, nette Sträßchen und ein kleiner Stadtpark – all das gibt es zu sehen. Die Hinweisschilder auf das nahegelegene Outlet-Center ignoriere ich einfach, denn Roermond hat so sehr viel mehr zu bieten als nur das.

 

 

v.l.n.r.: Mark Brouwers, Ike Lasater, Harald Borjans

Und besonders auf der menschlichen Seite hatte dieser Tag im Grenzland mir wirklich außerordentlich viel zu bieten. Es war wunderbar, Harald, Ike, Kay, Mark und Jutta kennenglernt zu haben. Und auch mit einigen Seminarteilnehmern hatte ich inspirierende Pausengespräche. Es wurden Verbindungen geknüpft, die bestimmt über diesen Tag hinaus Bestand haben werden. Und wenn dann wieder das Telefon klingelt und ich rangehe … dann wird irgendwas passieren. Was? Keine Ahnung. Aber ich freu mich schon drauf.

 

Heike Carstensen

Leipziger Buchmesse – eine Nachlese

Die Frühjahrsmesse in Leipzig hat zweifellos ihre Vorteile – sympathischer Ort, überschaubares Gelände, kurze Wege, keine Verlagsstände, die eher Trutzburgen als Ausstellungsflächen ähneln, und vor allem natürlich die Vielzahl von Veranstaltungen und Lesungen in der Stadt und auf dem Messegelände. Eine Messe für die Leserinnen und Leser – und eine Messe für Publikumsverlage. Für Junfermann als Verlag für das psychologische Fachbuch also eher weniger relevant, dennoch kann es nicht schaden, von Zeit zu Zeit selbst vor Ort zu überprüfen, ob sich ein eigener Verlagsstand und die damit verbundene Präsenz des Fachbuchprogramms nicht doch lohnen könnten. Da eine Messe zudem stets eine willkommene Gelegenheit zum Austausch mit Kollegen, Dienstleistern und anderen Partnern bietet, erschien mir eine Reise nach Leipzig am Freitag und Samstag als gut investierte Zeit.

Wenn man einige Jahre nicht zugegen war, fällt zuallererst die unterdurchschnittliche Auslastung der Ausstellungsflächen auf. Die Kinder- und Jugendbuchhalle ist mit Ausstellern bis unters Dach vollgepfropft, ansonsten finden sich aber in allen Hallen gewaltige Flächen, die frei stehen, gastronomisch oder anderweitig buchfremd genutzt werden. Dem Besucherzustrom tut dies offenbar keinen Abbruch, doch es sind deutlich weniger Verlage und Bücher zu sehen als bei meinem letzten Besuch vor vier Jahren. Nach wie vor beeindruckend ist, dass an jeder Ecke und quasi durchgehend Autoren aus ihren Büchern lesen, über sie sprechen, Interviews geben, sich mit Lesern austauschen. Dementsprechend zufrieden ist der Eindruck, den die Kollegen aus den Belletristik- und Publikumsverlagen vermitteln. Die Fachverlage jedoch sind zum allergrößten Teil lieblos platziert und ihre Stände schlecht besucht. Die Entscheidung, das für einen solchen Messeauftritt einzusetzende Geld lieber an anderen Stellen zu investieren, scheint sich als sinnvoll zu erweisen.

Dies umso mehr, da sich eine einstmalige Kuriosität im Laufe der Jahre zum dominanten Faktor dieser Messe entwickelt hat – die Rede ist von den zahllosen Cosplayern, jenen fantasievoll verkleideten Jugendlichen, die ihre Leidenschaft für Manga-Comics ausstellen. Waren diese vor Jahren noch eher ein interessanter Farbtupfer im Business-Grau des Messebetriebs, so dominieren sie mittlerweile die Messe nicht nur am Samstag, sondern auch an den übrigen Tagen. Tausende ins Leben getretene Manga-Figuren laufen durch die Messehallen. Dagegen ist nichts einzuwenden, zumal die jungen Menschen ja wirklich nett sind:

Dennoch stellt sich angesichts der zahlenmäßigen Übermacht der Cosplayer die Frage, welche Art von Medien in einem solchen Umfeld angemessen präsentiert werden können. Junfermann zumindest würde ja auch nicht auf die Idee kommen, etwa auf der Spielwarenmesse in Nürnberg auszustellen. Und so werden wir wohl auch Leipzig in den nächsten Jahren allenfalls zu touristischen Zwecken aufsuchen.