Podcast-Folge 150: Apropos … Diagnose: ADHS! mit Jan Kiesewetter

In dieser Folge geht es um die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, auch besser bekannt als ADHS. Diese Diagnose lässt oft lange auf sich warten. Symptome sind vielfältig und nicht eindeutig. Doch ist sie einmal festgestellt, gibt es Wege, mit ihr umzugehen. Wie, darüber sprechen wir mit dem Psychotherapeuten Prof. Dr. Jan Kiesewetter.

Was kommt nach der Diagnose?

ADHS wird heute häufiger diagnostiziert als noch vor 30 Jahren. Forschung und Wahrnehmung für diese Form der Neurodivergenz gewinnen immer mehr an Bedeutung. Wir gehen auf Mythen und Missverständnisse ein. Wir sprechen über Symptome und ab wann eine ADHS-Diagnostik angeraten ist und darüber, was ADHS im Gehirn macht. Die Informationsverarbeitung im Gehirn streut breiter und läuft nicht linear. Diese Andersartigkeit, die Neurodivergenz, bleibt ein Leben lang vorhanden. Aber es gibt Selbsthilfestrategien.

Um Routine-Aufgaben auszuführen benötigt ein Menschen mit ADHS Stimulation. Bei alltäglichen Aufgaben schaltet das Gehirn ab. „Sein Gehirn weigert sich, langweilige Routinen auszuführen“, so Dr. Kiesewetter. Dann ist der Betroffene wie gelähmt. Stimulation kann Musik sein oder das Spielen an einer Kette, alles, was die Konzentration neu fokussiert. „Ist das ADHS-Gehirn einmal angeschmissen, funktioniert es wie jedes andere Gehirn“, so Dr. Kiesewetter. Dann kann das Gehirn unglaublich viel leisten. Darum arbeiten neurodivergente Menschen oft in vielen kreativen oder Blaulicht-Berufen.
Bei Erwachsenen haben sich über die Jahrzehnte Kompensationsmechanismen aufgebaut, die es zu erkennen und zu unterscheiden gilt. Das macht die Diagnostik so schwierig. Wenn Probleme wie Konzentrationsschwäche oder Vergesslichkeit öfter auftauchen, ist eine Diagnostik geraten.

Zeitmanagement ist extrem wichtig. Menschen mit ADHS leiden unter Zeitunschärfe. Darum: Drei Minuten Spülmaschine einräumen, drei Minuten Tisch abräumen. Zeitdruck macht die Aufgabe interessanter. Wird das Gehirn stimuliert, gehen sie leichter von der Hand. Es ist wie beim Tanzen. Wenn das Paar im Rhythmus ist, läuft‘s.
„Der Start mag eine Herausforderung sein. Aber ADHS ist weder eine Schwäche noch persönliches Versagen. Man nimmt die Welt nur anders wahr. Wer die passenden Stärken und Strategien entwickelt, kann ein wunderbares, selbsterfülltes Leben führen“, macht Prof. Dr. Jan Kiesewetter Mut.

 

🎧  Jetzt reinhören: Die Folge mit Jan Kiesewetter gibt’s auf Spotify, Apple Podcasts, Amazon Music, Deezer, Podimo, Podcast.de  und direkt hier per Stream im Player:

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Bildrecht: Privat

Prof. Dr. Jan Kiesewetter ist Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut und Inhaber der Praxis für Psychotherapie in München mit den Schwerpunkten Verhaltenstherapie und Gruppentherapie, ADHS, Supervision und Paartherapie

Buchtipp: Prof. Dr. Jan Kiesewetter: „ADHS – was nun? Strategien, Tipps und Übungen für ein selbstbestimmtes Leben“, Klett Cotta-Verlag 2026

 

 

 

 

 

 

 

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