Mein allerbestes Jahr – Ziele erreichen, dem Leben Richtung geben

„Unsere wahren, wesentlichen Wünsche“ – Impressionen von der Buchvernissage am 30. Oktober 2015 in Zürich

Wer Kinder hat, der weiß, mit welcher Freude und Inbrunst vor Weihnachten der Wunschzettel geschrieben und gestaltet wird. Die Kleinen fiebern geradezu darauf hin, möglichst viele der ersehnten Geschenke zu bekommen.

Erwachsene schreiben in der Regel keine Wunschzettel mehr. Doch hört man nach der Kindheit auf mit dem Wünschen? Sicher nicht! Nur die Art der Wünsche ändert sich, denn man lernt: Die wertvollsten Geschenke sind nicht in Papier verpackt, das wirklich Wesentliche liegt nicht unter dem Weihnachtsbaum.

In meinem Buch Mein allerbestes Jahr geht es genau um diese wahren, wesentlichen Wünsche. Denn ich behaupte: Wenn wir uns mehr Zeit für unsere tiefen, in uns angelegten Wünsche nehmen und versuchen würden, uns selbst diese Wünsche zu erfüllen, wären wir gesünder und glücklicher.

Meine Intention – in Theorie und Praxis

Ich habe dieses Buch in der Hoffnung geschrieben, Leserinnen und Leser zu inspirieren. Wenn wir klar vor Augen haben, was wir uns zutiefst wünschen, können wir uns im Leben besser ausrichten. Wir können versuchen, uns selbst unsere Wünsche zu erfüllen, aus eigener Kraft. Das Buch soll eine Ermutigung sein, sich seine ureigenen Wünsche zu erfüllen. Und es bietet Vorschläge und Ideen an, wie die Wunscherfüllung gelingen kann.

So weit die Intention. Der Praxistest für mein Buch erfolgte am 30. Oktober in Zürich. Für die Buchvernissage hätte es wohl keinen passenderen Ort geben können: Das Kulturhaus Helferei, mitten im Herzen von Zürich, das zum Grossmünster gehört. Rund 100 Gäste fanden sich ein, um das Buch kennenzulernen, miteinander zu sprechen und schließlich zu feiern. Den Auftakt können Sie in diesem Video mitverfolgen:

 

 

Nach meiner Vorstellung des Buches „rezensierte“ Dr. Gunther Schmidt meinen Erstling:

 

 

In der anschließenden Fragerunde wurde es dann sehr persönlich, denn einzelne Gäste enthüllten ihre Herzenswünsche mit großer Offenheit. Einen Eindruck davon erhalten Sie hier:

 

 

Keine Zeit mehr, unser Leben zu gestalten?

Mein allerbestes Jahr wurde als Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk für Freunde und Verwandte gekauft oder war einfach als Geschenk für sich selbst gedacht. In jedem Fall soll das Buch Spaß machen, aber ich möchte auch – in aller Bescheidenheit – den gesellschaftlichen Wert betonen, den ich versucht habe zu verfolgen.

Wir werden täglich mit schlechten Nachrichten überschwemmt; viele Probleme auf unserer Erde scheinen unlösbar.

Wir leben in einer Zeit noch nie dagewesener Beschleunigung – der Leistungsdruck steigt unentwegt.

Vielen von uns geht es dennoch so gut, dass die Gefahr von Übersättigung, Gewöhnung und Überdruss besteht. Die Folge: Müdigkeit und Resignation. Wir werden zu Getriebenen – und nehmen uns keine Zeit mehr, unser Leben zu gestalten. Viele Menschen spüren das durch eine latente Unzufriedenheit und Gereiztheit, aber es fehlt ihnen der Ausweg.

Hier möchte mein Buch ansetzen:

  • Es möchte anregen, sich zu fragen, was „für mich persönlich, in meiner kleinen Mikro-Welt“ Sinn macht.
  • Es möchte anregen, für sich ganz persönlich hilfreiche innere Haltungen einzuüben, z. B. Dankbarkeit, Achtsamkeit, Akzeptanz oder Humor.
  • Es möchte ermutigen, sich mit kleinen oder großen Wunscherfüllungsprojekten zu fokussieren: etwas auf die Beine stellen, Beziehungen leben und entwickeln oder Spiritualität erfahren.

So viele gute Bücher von vielen engagierten Autorinnen und Autoren liegen zu diesen Themenfeldern vor. Was mir persönlich aber oft bei der Lektüre gefehlt hat, war der praktische Bezug. Eine Antwort auf die Frage: Wie setze ich diesen Inhalt nun ganz konkret für mein Leben um? Deshalb habe ich dieses Buch geschrieben: Es soll eine echte und unmittelbar anwendbare Hilfestellung sein. Ich habe versucht, es so zu schreiben, dass bereits beim Lesen etwas Neues und etwas Gutes entsteht. Meine Erstleserinnen und Erstleser bestätigen das: „Es entsteht Wärme beim Lesen. Im Leben und in meiner Wahrnehmung der Dinge verändert sich etwas.“

Meine Wünsche für Sie

Ich hoffe, dass sich Ihnen das Wesentliche im neuen Jahr möglichst häufig zeigt und dass daraus vielleicht ein Wunsch entsteht, den Sie aus eigener Kraft realisieren können. Somit hätte 2016 das Potenzial, eines von hoffentlich vielen allerbesten Jahren für Sie zu werden. Ich wünsche Ihnen, Ihrer Familie und Ihren Freunden erfüllende und frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr.

  Herzlich grüßt Sie

Sabine Claus

www.meinallerbestesjahr.ch

 

 

Wünsche an eine Begabtenforschung und -förderung für alle Altersgruppen

Stell dir vor, du bist hochbegabt – und merkst es nicht …

Von Andrea Schwiebert

Hochbegabte Erwachsene? Das ist in Deutschland kaum ein Thema. Während es inzwischen reichlich Literatur, Fortbildungen und Beratungen rund um hochbegabte Kinder gibt, sickert es erst langsam ins allgemeine Bewusstsein, dass Hochbegabung kein Kindheitsphänomen ist. Heute längst erwachsene Hochbegabte, zu deren Schulzeit Begabtenförderung kaum existierte, wissen oft nichts von ihrer besonderen Begabung. Da stellt sich die Frage: Sollten sie denn davon wissen? Was würde das ändern – für die Betreffenden und für uns alle als Gesellschaft?

Was heißt eigentlich hochbegabt?

Kurz gefasst bedeutet Hochbegabung: „Mehr denken, mehr fühlen, mehr wahrnehmen“ (Brackmann, 2012, S. 19). Demzufolge sind Hochbegabte nicht einfach besonders intelligent, sondern sie machen sich Gedanken über Dinge, die andere Menschen übergehen, ecken oft an, richten kaum zu erfüllende perfektionistische Ansprüche an sich selbst und an andere – und stehen sich deshalb nicht selten selbst im Weg. Das soll nicht heißen, dass es sich um lauter gescheiterte Existenzen handelt! Die meisten mir bekannten Hochbegabten sind berufstätig, haben Familie und erfüllen nach außen hin problemlos die Kriterien für ein gesellschaftlich als „erfolgreich“ anerkanntes Leben. Und doch sind viele von ihnen (nicht alle!) innerlich unglücklich: Sie fühlen sich unverstanden, einsam inmitten anderer Menschen, haben das Gefühl, nicht wirklich ihren Platz zu finden in dieser Welt – das erfahre ich tagtäglich im Coaching. Statt auf die Idee zu kommen, dass ihr Abweichen von der Norm mit einem besonderen Potenzial zusammenhängen könnte, kreiden unwissentlich Hochbegabte sich dieses Anderssein oft als Defizit an. Die späte Erkenntnis der eigenen Hochbegabung kann hier eine ganze Kettenreaktion von Aha-Erlebnissen auslösen und lädt dazu ein, sich selbst neu kennenzulernen und anzunehmen und sich die Erlaubnis zu geben, neue Wege einzuschlagen. Eine Klientin berichtete mir von diesem Erkenntnisprozess: „In den letzten Tagen habe ich viel zu Hochbegabung gelesen. Dabei musste ich abwechselnd weinen und lachen – so sehr fügt sich für mich nun alles zu einem neuen Bild zusammen. Ich verstehe jetzt, warum mich andere oft zu kompliziert fanden oder weshalb irgendwie keiner nachvollziehen konnte, wonach ich mich sehne und wovon ich träume. Jetzt ist mir klar: Ich ticke anders als die Mehrheit. Und ich bin aber trotzdem nicht falsch, so wie ich bin. Ich darf anders sein und bin trotzdem o.k.!“

Angebote für Erwachsene?!

Wenn es also auch für Erwachsene wichtig sein kann, die eigene Hochbegabung zu entdecken und auf Angebote zurückgreifen zu können, die sie bei ihrer Potenzialentfaltung und in ihrem persönlichen Wachstumsprozess unterstützen, dann stellt sich die Frage: Was bieten denn Hochbegabungsforschung und -förderung hierzulande für erwachsene Hochbegabte?

Aus meiner Sicht muss ich sagen: Noch lange nicht genug!

Die Hochbegabungsforschung und spezielle Förderprogramme beziehen sich fast ausschließlich auf Kinder und Jugendliche, höchstens noch auf Studierende. Änderungen vollziehen sich nur langsam: In den letzten zehn Jahren gab es erfreulicherweise erste Veröffentlichungen zum Thema „Hochbegabte Erwachsene“, und in einigen Städten finden sich inzwischen Coachingangebote für diese Zielgruppe. Das Internationale Centrum für Begabungsforschung (ICBF) in Münster richtete 2012 einen Kongress „Giftedness accross the lifespan – Begabungsförderung von der frühen Kindheit bis ins Alter“ aus, was als ein positives Zeichen gewertet werden kann. Allerdings fanden sich bezeichnenderweise offenbar wenig Referenten, die tatsächlich über hochbegabte Erwachsene berichten konnten, sodass die meisten Beiträge sich doch wieder um Kinder und Jugendliche drehten. Desweiteren gibt es z. B. den Hochbegabtenverein „Mensa“, der aber offenbar nur eine kleinere Gruppe der Hochbegabten anzieht. Vereinzelt finden sich Internetforen für hochbegabte Erwachsene – aber meiner Erfahrung nach ersetzen diese nicht die persönliche Begegnung im echten Leben.

Warum hinken Angebote für Erwachsene denen für Kinder hinterher?

Meine These ist, dass dies mit dem in der Begabtenförderung dominanten Fokus auf das Hervorbringen exzellenter Leistungen zusammenhängt. Die Begabtenförderung ist bisher stark leistungsorientiert, rechtfertigt sie doch ihr Engagement als Investition in die Standortsicherung eines ansonsten rohstoffarmen Landes. Erst in jüngster Zeit setzt eine fachliche Diskussion darüber ein, inwieweit hohe Begabung eigentlich zu hohen Leistungen führen müsse (vgl. Hackl et al., 2012, S. 6). Hochbegabte Erwachsene wurden, so vermute ich, bislang auch deshalb kaum beachtet, weil bei erst spät erkannten und in ihrer Potenzialentfaltung wenig unterstützten Hochbegabten kaum zu erwarten ist, dass sie noch konkurrenzlose, nobelpreisverdächtige Leistungen erbringen.

Meiner Überzeugung nach sollte Begabtenförderung jedoch weder in Bezug auf Kinder noch in Bezug auf Erwachsene einseitig leistungsorientiert sein. Auch außergewöhnlich kluge Menschen sind zuallererst Menschen und haben das Recht, nicht auf ihre Leistung reduziert zu werden: Sie sind viel mehr als ihr Intellekt oder ihre Begabung!

Mein Wunsch wäre deshalb eine ganzheitliche Begabungsforschung und -förderung. Spannende Forschungsfragen könnten z. B. sein:

  • Wie muss ein Arbeitsplatz für einen hoch intelligenten und hochsensiblen Menschen aussehen, damit dieser motiviert bei der Sache bleibt und sein Potenzial zum Nutzen der Allgemeinheit entfaltet?
  • Was lässt sich über die Zusammenhänge von Hochbegabung und Hochsensibilität herausfinden?
  • Was wäre zu berücksichtigen, um hochbegabte Mädchen und Frauen besser als bisher zu fördern?
  • Welche Modelle kann es geben, um eine leichtere Vereinbarkeit von Wissenschaftskarriere und Familie zu ermöglichen?
  • Wie kann sichergestellt werden, dass besondere Begabungen auch bei Menschen aus anderen Kulturkreisen zur Kenntnis genommen werden?

Die offenen Fragen sind so spannend wie zahlreich. Forschungsergebnisse zu diesen Fragen könnten wegweisend für den Aus- und Aufbau entsprechender Angebote der Begabtenförderung sein.

Zu einer ganzheitlichen Förderung hochbegabter Erwachsener sollten gehören:

  1.  Mehr Beratungsangebote und Mentoring für Erwachsene, insbesondere zu den Fragen: „Bin ich hochbegabt? Und wenn ich es bin, was erklärt das im Rückblick und welche Konsequenzen hat dies für die Gestaltung meines weiteren Lebens- und Berufsweges?“ Mentoring-Projekte, in denen lebenserfahrene Hochbegabte sich „frisch erkannten“ Hochbegabten für einen gewissen Zeitraum als Gesprächspartner zur Verfügung stellen, können klassische Beratungsangebote sinnvoll ergänzen.
  2. Der Aufbau regionaler Gesprächs- und Begleitgruppen für hochbegabte (und oft zugleich hochsensible) Erwachsene: Hier können Hochbegabte die Erfahrung machen, „normal“ zu sein und verstanden zu werden. Die Gruppen ermöglichen Austausch, Unterstützung, Ermutigung und die Stärkung eines neuen Selbstkonzepts: „Ich darf so sein, wie ich bin!“
  3. Die Fortbildung von Therapeutinnen, Coaches und Ärzten rund um Hochbegabung und Hochsensibilität: Dass sich heute immer mehr Lehrpersonal zu Hochbegabung weiterbildet, kommt für Erwachsene zu spät. Für sie wäre es aber hilfreich, wenn jene Menschen, an die sie sich mit ihren Veränderungs- und Entwicklungswünschen, ihrem seelischen oder körperlichen Leiden und ihrem Wunsch nach „Erkannt-Werden“ wenden, dem erweiterten Erfahrungs- und Denkhorizont Hochbegabter wissend und akzeptierend begegnen und manche Begleiterscheinungen einer Hochbegabung nicht als psychische „Störung“ missverstehen würden (was leider immer wieder geschieht).
  4. Kreative Denkräume und Offenheit für intrinsische Motivation am Arbeitsplatz: Hierarchien sollten möglichst flach gehalten werden, und Arbeitgeber sollten es begrüßen, wenn ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eigene Herangehensweisen, Ideen und Visionen einbringen und umsetzen. Um vom Potenzial kluger und kreativer Köpfe zu profitieren, sollte außerdem der heute gängigen Arbeitsverdichtung entgegengewirkt werden: Für die Entwicklung von Visionen und kreativen Lösungsansätzen braucht es regelmäßige Zeitfenster bzw. „Denkräume“, in denen Menschen von ihren alltäglichen Arbeitspflichten befreit sind und sich in einen offenen Denk-Modus begeben können.
  5. Ganzheitliche Bildungsangebote: Weiterbildungsmöglichkeiten für Erwachsene, Bildungsurlaub, nebenberufliche Studien- und Ausbildungsoptionen, finanzielle Unterstützungspakete für Fortbildung, Umschulung und Existenzgründung etc. sollten weiter ausgebaut und auch in Zeiten knapper Kassen nicht reduziert werden. Gerade in einer alternden Gesellschaft sind Konzepte lebenslangen Lernens eine notwendige Voraussetzung für eine konstruktive Weiterentwicklung in allen Bereichen der Wirtschaft und des Zusammenlebens. Einzelne Bildungsangebote speziell für Hochbegabte können sinnvoll sein, prinzipiell sollten Bildungsmöglichkeiten aber allen interessierten Erwachsenen offen stehen. Inhaltlich sollten die Angebote nicht auf wirtschaftlichen Nutzen oder Leistungsoptimierung begrenzt sein, sondern in dem Sinne ganzheitlich sein, dass auch Fragen der Persönlichkeitsentwicklung und Gesundheit sowie des gesellschaftlichen Zusammenlebens Berücksichtigung finden.
  6. Abbau von Altersdiskriminierung: Neueinstellungen, Studiengänge und Ausbildungen, Weiterbildungen und Existenzgründungen sollten keiner festgelegten oder imaginären Altersgrenze unterliegen. Da Hochbegabte ihren Wissensdurst und ihre Lust an der persönlichen Weiterentwicklung im Laufe ihres Lebens in aller Regel nicht verlieren, sind sie durchaus in der Lage, sich auch jenseits der Lebensmitte noch neue Bereiche zu erschließen – und bringen dann gleichzeitig wertvolle Lebens- und Berufserfahrung mit.

Ich bin davon überzeugt, dass eine solche ganzheitliche Begabtenförderung für Erwachsene nicht nur den einzelnen Menschen helfen könnte, sondern auch unserer Gesellschaft dienlich ist. Hochbegabung bedeutet zwar nicht automatisch, „edel, hilfreich und gut“ zu sein. Aber es fällt mir doch immer wieder auf, dass viele meiner hochbegabten Klienten Visionen einer gerechteren, nachhaltiger wirtschaftenden Gesellschaft verfolgen. Manchmal erscheinen sie mir wie Seismographen, die besonders sensibel wahrnehmen, woran unsere heutige Welt insgesamt krankt. Sie sehnen sich nach weniger Leistungsdruck und mehr Raum für selbst motivierte Kreativität, nach weniger Konsum und mehr Sinn und Authentizität, nach weniger Defizitblick und mehr Mut zum jeweils eigenen, vielleicht von der Norm abweichenden Weg. Wenn sie sich ermutigt fühlen, ihre Träume zu verwirklichen und ihr Potenzial zu entfalten, bereichern sie unsere Gesellschaft auch unabhängig vom fragwürdigen Ziel möglichst „exzellenter“ Leistungen.

Ein in meinen Augen wünschenswerter gesellschaftlicher Umgang mit Hochbegabung wäre also, das Besondere an der Hochbegabung zu sehen und Hochbegabte zu eigenen, auch ungewöhnlichen Wegen zu ermutigen – und dabei zugleich zu realisieren, dass „Besonders-Sein“ normal ist und dass jeder Mensch, ganz unabhängig vom Ausmaß seiner Begabung, die Chance zur Entfaltung seines Potenzials verdient! Eine Utopie? Sicher! Aber auch eine erstrebenswerte und beflügelnde Vision.

Literatur

  • Brackmann, A. (2012): Ganz normal hochbegabt. Leben als hochbegabter Erwachsener (5. Auflage). Stuttgart: Klett-Cotta.
  • Hackl, A., Pauly, C., Steenbuck, O. & Weigand, G. (Hrsg.) (2012): Begabung und Leistung. Karg-Hefte: Beiträge zur Begabtenförderung und Begabungsforschung. Heft 4. Frankfurt am Main.

In ihrem Buch Kluge Köpfe, krumme Wege? Wie Hochbegabte den passenden Berufsweg finden, das ab dem 23.11.2015 im Handel erhältlich ist, erläutert Andrea Schwiebert auf Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse und ergänzt durch Interviews mit begabten Klienten, woran sich eine Hochbegabung bei Erwachsenen zeigen kann und welche Stolpersteine mit dem hohen Potenzial verbunden sein können. Anschaulich und praxisnah gibt sie Tipps, wie sich diese Stolpersteine in Grundsteine für ein erfülltes (Berufs-)Leben verwandeln lassen.

  Über die Autorin

Andrea Schwiebert, Systemische Beraterin und Sozialtherapeutin, berät und coacht Menschen auf der Suche nach ihrer „Berufung“, darunter viele hochbegabte Erwachsene. Mit Vorträgen und Workshops inspiriert sie zu einem neuen Blick auf das eigene Potenzial und zu neuen Wegen.

Weitere Informationen über die Autorin und ihre Arbeit erhalten Sie unter www.die-berufungsberatung.de.

Mini-Training für eine ausgeglichene Psyche

Was können Sie für Ihr seelisches Gleichgewicht tun?

Ein Ergänzungsbeitrag zum Buch „Stark im Job“ von Dr. Anne Katrin Matyssek

Sie wünschen sich innere Ausgeglichenheit? Ihre Psyche soll in Balance bleiben? Dann ist es unverzichtbar, dass Sie sich regelmäßig genug Ich-Zeit gönnen. Ich-Zeiten sind Zeiträume, die Sie ganz nach eigenen Wünschen gestalten. Sie erfüllen keine Anforderungen, brauchen auf niemanden Rücksicht zu nehmen, Sie tun einfach das, wozu Sie Lust haben. Ich-Zeit will in der Regel hart erkämpft sein. Dieser Beitrag möchte Sie ermutigen, diesbezüglich besser für sich zu sorgen. Wie ein Mini-Seelen-Fitness-Training gibt er Tipps, wie Sie diese wertvolle Auszeit am besten nutzen – und er erklärt, warum wir sie überhaupt brauchen.

Ich-Zeit für inneres Gleichgewicht

Vor allem Frauen wissen es: Wer immer nur für andere da ist, wird auf Dauer krank. Wir brauchen ab und zu Zeit für uns selbst. Sonst werden wir unruhig und sind irgendwann nicht mehr wir selbst. Wir ruhen nicht mehr in uns, werden hibbelig und dünnhäutig. Man sagt: Wer zu selten in sich geht, gerät leichter außer sich. Er fährt aus der Haut und fühlt sich ständig angegriffen.

Kennen Sie das von sich? Dass Sie ohne genügend Ich-Zeit reizbar werden?

Es sorgt für seelische Stabilität, wenn wir Zeit mit uns selber verbringen, ohne die Anforderungen anderer Menschen zu erfüllen. So finden wir innere Ruhe, und echte Erholung wird möglich. Es ist also wichtig für Ihre Gesundheit, dass Sie sich immer wieder mal zurückziehen. Aus der Distanz heraus ordnen Sie Ihre Prioritäten. Sie wissen wieder, was Ihnen wichtig ist. Dieser Abstand stärkt Ihre Psyche. Und er sorgt dafür, dass Sie sich wieder stärker Ihrer selbst bewusst sind – also selbstbewusst im besten Sinne des Wortes.

Ich-Zeit als Grundrecht

Wer kleine Kinder hat, empfindet Ich-Zeit häufig als Luxus. So erzählte kürzlich eine junge Mutter, dass sie seit zwei Jahren nicht mehr allein auf dem WC gewesen sei – außer nachts, wenn ihre Kinder schliefen. Der Nachwuchs „verfolgt“ sie auf Schritt und Tritt. Für junge Eltern ist Ich-Zeit rar. Auch wenn man die Zeit mit seinem Kind noch so sehr genießt, für die innere Ausgeglichenheit ist es unverzichtbar, wenigstens ein paar Minuten pro Tag für sich zu haben.

Wie viel Zeit für sich brauchen Sie? Haben Sie das Gefühl, dass es genug ist?

Jeder Mensch hat das Recht, auch Zeit mit sich allein zu verbringen. Um wie viele Stunden pro Woche es sich hierbei handelt, variiert von Mensch zu Mensch. Außerdem ist es davon abhängig, in welcher Lebensphase man sich gerade befindet. Während Eltern häufig das Gefühl haben, ständig zu wenig Zeit zu haben, fühlen Rentner sich eher zeit-reich. Statt allgemeingültiger Regeln sollte das individuelle Empfinden als Maßstab angelegt werden.

Manchem reicht eine halbe Stunde pro Woche, bei anderen muss es mehr sein. Entscheidend dabei ist, dass die Zeit, die man mit sich selbst verbringt, als genussvoll empfunden wird.

Ich Zeit als Genuss-Zeit

Es geht bei der Ich-Zeit nicht einfach nur darum, keinen Anforderungen nachzukommen oder allein zu sein. Sondern wichtig ist, die freie Zeit auch tatsächlich als Luxus zu empfinden und zu erleben. Gönnen Sie sich in Ihrer Ich-Zeit, Dinge zu tun, die Ihnen guttun. Ob das eine Tasse Tee bei Kerzenlicht ist, ein heißes Bad oder sogar ein Massagetermin, ist quasi egal. Hauptsache, Sie verstehen diese bewusst geplanten Erlebnisse als Geschenk an sich selbst. Und Sie sind mit voller Aufmerksamkeit dabei. Dann ist Ihre Ich-Zeit das, was die Super-Nanny wohl als „Qualitätszeit“ bezeichnen würde.

Genießen Sie Ihre Ich-Zeit?

Natürlich könnten Sie in dieser Zeit auch fernsehen. Für manche Menschen ist das ein Genuss. Und auch Videospiele empfinden viele Männer als entspannendes Vergnügen – auch wenn Frauen das wohl nie nachvollziehen können … Aber auch beim Genuss gilt: Jede Jeck ist anders. Ob eine Tätigkeit tatsächlich erholsam war, erkennt man häufig daran, wie man sich danach fühlt. Hören Sie auf Ihre innere Stimme. Tun Sie einfach, was Ihnen guttut. Wann, wenn nicht jetzt?

Alleinsein wieder lernen

Manchen Menschen fällt es schwer, mit sich allein zu sein. Für sie ist die Herausforderung, sich mehr Ich-Zeit zu gönnen, fast schon eine Überforderung. Sie lenken sich lieber ab, zappen im Fernsehen von Kanal zu Kanal, gönnen sich keine Ruhe, sind quasi hektisch-agitiert. Bisweilen werden damit Probleme verdrängt und man nimmt sich die Chance, wieder in Kontakt zu kommen mit den eigentlichen inneren Bedürfnissen.

Was tun Sie in Ihrer Ich-Zeit? Reizüberflutung? Oder „nichts“?

Um überhaupt zu wissen, was einem im Leben fehlt und ob man zufrieden ist, braucht man ab und zu Rückzugszeiten ohne Reizüberflutung. Sprich: ohne Fernsehen, ohne Internet, ohne Smartphone. Erst aus diesem Abstand heraus, wird es möglich, innere Wünsche und eigene Ziele zu reflektieren. Auch Partnerschaften erfahren häufig eine neue Qualität, wenn es beiden Partnern gelingt, ab und zu mit sich allein zu sein. Aus der Distanz heraus wird der andere noch attraktiver.

Ich-Zeit aktiv erkämpfen

Wenn Sie sich in Zukunft Zeit für sich selbst gönnen, rechnen Sie am besten nicht mit Applaus! Wenn Ihre Umgebung es noch nicht gewohnt ist, dass Sie sich zurückziehen und alleine Zeit verbringen, wird sie zumindest verwundert reagieren. Es kann sogar sein, dass Sie mit Widerständen rechnen müssen, wenn Sie plötzlich Zeit für sich beanspruchen. Viele Familienmitglieder haben sich regelrecht daran gewöhnt, dass zum Beispiel die Mutter rund um die Uhr verfügbar ist. Es handelt sich also um einen Lernprozess für alle.

Wie reagiert Ihre Umwelt, wenn Sie sich Ihre Ich-Zeit gönnen?

Trotzdem sollten Sie daran arbeiten, Ihre Ich-Zeit zu erkämpfen. Auch wenn Sie belächelt oder gar angegriffen werden, sollten Sie es sich wert sein. Am besten machen Sie von Anfang an deutlich, dass sie in Zukunft vorhaben, sich öfter mal so eine kleine Auszeit zu gönnen. Bauen Sie darauf, dass sich Ihre Familienmitglieder im Laufe der Zeit daran gewöhnen werden 🙂

Ganz einfache Ich-Zeit-Tipps

Wenn Sie einmal ausprobieren möchten, wie es ist, wenn Sie sich für bestimmte Zeitintervalle einmal nicht ablenken lassen: Testen Sie doch mal, wie es sich anfühlt, auf der Heimfahrt von der Arbeit das Radio ausgeschaltet zu lassen. Ihre Gedanken werden also nicht abgelenkt. Sie können sie schweifen lassen. Und wer weiß, vielleicht tauchen ja Gedanken in ihrem Bewusstsein auf, mit denen Sie so nicht gerechnet hätten. Und falls diese Herausforderung noch zu groß für Sie sein sollte, dann schalten Sie das Radio einfach wenigstens bis zur nächsten Ampel aus.

Wollen Sie das mal ausprobieren?

In dieser Zeit können Sie zum Beispiel den vergangenen Arbeitstag noch einmal Revue passieren lassen. Das hilft nicht nur beim Abschalten und Hinter-sich-Lassen der Arbeit, sondern es bereitet Sie auch auf einen erholsamen entspannten Feierabend vor. Falls Ihnen wichtige Dinge einfallen sollten, die Sie nicht vergessen möchten, notieren Sie sie einfach mithilfe der Diktierfunktion Ihres Handys.

Ich-Zeit für Eltern – vorm Heimkommen

Falls daheim kleine Kinder auf Sie warten (klein geht mindestens bis 14), müssen Sie das gedankliche Abschiednehmen vom Arbeitstag schon beendet haben, wenn Sie die Schwelle übertreten. Denn sobald Sie die Tür hinter sich geschlossen haben, sind Sie ganz als Mutter oder Vater gefragt. Dann sind die Gedanken an die Arbeit vermutlich verschwunden, aber nur vorübergehend. Mit ziemlicher Sicherheit werden sie wiederkommen, sobald Sie endlich zur Ruhe kommen. Meistens erst, wenn die Kinder schon im Bett sind.

Ist das bei Ihnen auch so? Dann sollten Sie daran arbeiten.

Das heißt für Sie, dass Sie idealerweise schon vor dem Heimkommen eine Mini-Auszeit in Form einer Ich-Zeit nehmen sollten. Also ein kurzes Intervall, indem Sie den bisherigen Tag noch einmal in Gedanken durchgehen. Vielleicht fahren Sie kurz mit dem Auto an den Straßenrand schalten den Motor aus, essen einen Apfel und machen sich vielleicht Notizen über Dinge, die nicht verloren gehen dürfen. Vielleicht – falls Sie das nicht schon bei der Arbeit getan haben – erstellen Sie einen Plan für morgen.

Zusammenfassung anhand eines Übersichtsbildes

 

Ihre Ich-Zeit ist quasi der Stamm des Baumes, den Sie hier sehen.

  • Erst in der Ich-Zeit haben Sie den nötigen Abstand, um sich an Ihren bisherigen Erfolgen zu erfreuen. Wer im Stress ist, kommt gar nicht dazu, an Erfolgserlebnisse zu denken.
  • Und auch erst aus der Distanz heraus wird uns klar, wo in unserem Leben die Felsen liegen, die uns Stabilität verleihen.
  • In der Ich-Zeit fallen uns vielleicht auch Menschen ein, die uns unterstützen könnten, beispielsweise beim Ermöglichen von noch mehr Ich-Zeit.
  • Ich-Zeit macht es erforderlich, dass wir unserer Umgebung klare Grenzen setzen. Die Kraft dazu finden wir häufig erst, wenn wir uns kurz zurückziehen.
  • Der Blick aufs Positive ist im Stress oft verstellt. Aber wenn wir mit uns allein sind, fällt uns wieder ein, wo unsere Kraftquellen liegen.
  • Nicht zuletzt kommen wir leichter wieder zur Ruhe, wenn wir uns kurz zurückziehen. Wir atmen dann unwillkürlich tiefer ein und länger aus. Das beruhigt Körper und Seele.

 

 

 

   Über die Autorin:

Dr. Anne Katrin Matyssek

Die Diplom-Psychologin und approbierte Psychotherapeutin (Studium und Promotion an der Universität zu Köln) beschäftigt sich seit 1998 mit Betrieblichem Gesundheitsmanagement. Ihr Ziel: Förderung der seelischen Gesundheit durch mehr Wohlbefinden im Job. Ihr Buch „Stark im Job“ gibt Anregungen, um die seelische Gesundheit in der Arbeitswelt zu schützen.

Weitere Informationen erhalten Sie unter http://www.do-care.de

 

Sommerzeit – Winterzeit: Wie wirkt sich die Zeitumstellung auf unseren Schlaf aus? Ein Interview mit Konstanze Wortmann

Über den Sinn der alljährlichen Zeitumstellung – im Frühjahr eine Stunde vor, im Herbst eine Stunde zurück – wird viel gestritten. Ursprünglich zum Zweck der Energieeinsparung eingeführt, mehren sich die Stimmen, die negative gesundheitliche Auswirkungen dieser Maßnahme befürchten.
Im Folgenden kurzen Interview nimmt die Schlafexpertin Konstanze Wortmann Stellung zum Thema Sommerzeit – Winterzeit.

 

In der Nacht von Samstag auf Sonntag konnten wir unsere Uhren eine Stunde zurückstellen. Eine Stunde mehr Schlaf also in dieser Nacht. Was sagen Sie als Schlafexpertin dazu?

Erst einmal habe ich Mitgefühl mit den Menschen, die in dieser Nacht arbeiten und dadurch in der Regel eine Stunde länger ihren Dienst tun. Menschen in den Krankenhäusern, Zugbegleiter, Polizistinnen und Polizisten, Menschen in der Fertigung.
Von Samstag auf Sonntag eine Stunde mehr Schlaf hört sich sehr komfortabel an. Dies verstärkt jedoch eigentlich nur den Sonntag-Montag-Jetlag. Generell wird die Nacht von Sonntag auf Montag hinsichtlich ihrer Schlafqualität als schlechter bewertet. Man ist noch relativ gut ausgeschlafen vom Wochenende, geht früh ins Bett um am Montag wieder fit zu sein. Doch während des Einschlafens türmt sich die Arbeitswoche vor dem geistigen Auge auf – und der Schlaf will nicht kommen. Von dieser schlechten Nacht gerädert, beginnt man montags seinen Arbeitsalltag.
Deshalb wird m.E. die Zeitumstellung zusätzlich als belastend wahrgenommen.

 

Die eine Stunde im Frühjahr, die uns bei der Umstellung auf die Sommerzeit „geklaut“ wird, empfinden viele Menschen als schlimm. Dabei ist es doch nur eine Stunde. Welche Auswirkungen hat das auf unseren Organismus?

Unsere „innere Uhr“ folgt immer den gleichen natürlichen Gesetzen. Organisch soll diese innere Uhr im suprachiasmatischen Nucleus verortet sein. Das ist ein kleines Bündel von Zellen im Gehirn, in der Nähe der Sehnervenkreuzung. Neue Erkenntnisse sprechen dafür, dass die innere Uhr in jeder Körperzelle „informiert“ ist. Zudem wird sie beeinflusst durch das Licht, soziale Gewohnheiten und unsere Mahlzeiten.
Unser Organismus ist recht flexibel und anpassungsfähig. Die Zeitumstellung irritiert ihn kurz in seiner natürlichen Rhythmik, dann aber setzen sich die natürlichen Vorgänge wieder durch – solange es bei dieser einen Stunde bleibt. Problematisch ist daran, dass der Alltag uns häufig nicht die Möglichkeit gibt diesen Anpassungsprozess zu unterstützen. Und das ist es, was dann eigentlich als schlimm empfunden wird.
Und grundsätzlich git: Ein Leben gegen unsere innere Uhr, bzw. die Ignoranz dieses inneren Taktgebers, macht auf die Dauer krank.

Merken Sie die Zeitumstellung auch in Ihrer Arbeit in der Schlafschule?

Nein, die Zeitumstellung ist für unsere Schlafschüler nicht das Problem. Sie leiden vorwiegend unter den Grübeleien während der Wachliegezeiten in der Nacht. Deshalb werden sie auch darin ermuntert, das Bett sofort zu verlassen, falls sie wachliegen und grübeln. Damit soll der Organismus das Grübeln in der Horizontalen wieder verlernen.

 

Gibt es überhaupt irgendeinen guten Grund für die Zeitumstellung?
Da fällt mir persönlich nur das gemütliche Zusammensein mit Freunden im Sommer zu später Stunde auf der Terrasse ein, wenn es noch lange hell ist.

Konstanze Wortmann

Konstanze Wortmann, fachliche Leitung der Schlafschule-Unna, Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin, Kinesiologin, Hypnotherapeutin, niedergelassen in eigener Praxis, Sounder Sleep System-Senior Teacher, Dozentin in der kollegialen Fortbildung und Erwachsenenbildung im Gesundheitsbereich sowie in der betrieblichen Gesundheitsförderung.
Im September 2015 erschien bei Junfermann ihr Buch Wege in den erholsamen Schlaf.

Raus aus dem Tief

Wie wir in schwierigen Zeiten unser Leben wieder auf Kurs bringen können

Von Sabine Claus

„Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“

(Max Frisch)

Ereignisse wie die Kündigung des Arbeitsplatzes, eine nicht bestandene Prüfung, eine Trennung, Krankheit oder der Tod eines geliebten Menschen können uns vollkommen aus der Bahn werfen. Nichts ist mehr so, wie es vor dem Ereignis war.

Vielleicht durchleben auch Sie gerade eine schwierige Zeit. Vielleicht gab es ein negatives Ereignis, das Ihre bisherigen Pläne, Ziele und Wünsche beeinflusst. Vielleicht fühlen Sie sich aber auch scheinbar ganz ohne Grund energie- und kraftlos.

Die Art und Weise, wie wir ein einschneidendes Ereignis verarbeiten, ist individuell höchst unterschiedlich. Viele Menschen erleben einen Zusammenbruch, von dem sie sich über Monate oder sogar Jahre nicht erholen können. Ihre Genesung scheint blockiert. Das Leben hat an Ausrichtung verloren. Die innere Verbindung zu dem, was man sich wünscht und einem guttun könnte, ist unterbrochen. Diese Verbindung gilt es wieder herzustellen, und die große Frage lautet natürlich: Wie kann dies gelingen?

Leichter gesagt als getan: liebevoll mit sich selbst umgehen

Menschen, die gerade eine Krise durchleben, haben nicht nur mit der Situation an sich zu kämpfen, sondern vor allem mit sich selbst. Zur Tragik der Situation addiert sich die Selbst-Verurteilung. Sätze wie „Ich bin nichts mehr wert“, „Ich kriege ja gar nichts auf die Reihe“ oder „Ich falle anderen zur Last“ bestimmen ihr Denken. Doch was bewirken solche Gedanken? Bei genauerer Betrachtung erkennen wir: Sie tun weder gut, noch ermöglichen sie eine Veränderung der Situation. Selbst-Verurteilung bewirkt nur Leid oder sogar die Verschlimmerung des Leidens.

Wie wohltuend wäre es hingegen, sich in Krisenzeiten selbst eine gute Freundin, ein guter Freund zu sein? Selbst wenn es nicht danach aussieht: Hier bestehen echte Wahlmöglichkeiten! Verurteile ich mich für mein Schwachsein? Oder stehe ich mir selbst verständnisvoll bei? Die achtsame Fürsorge für sich selbst ist eine Frage des Bewusstseins und lässt sich einüben. Ein solcher liebevoller Umgang mit seinem eigenen Selbst beinhaltet beispielsweise das behutsame Erspüren eigener Bedürfnisse und Wünsche, die durch seelisches Leid verschüttet sind.

Akzeptanz der Krisensituation: der erste Schritt hinaus aus dem Tief

Wie können wir den Zugang zu unseren Wünschen wieder herstellen, wenn durch Kummer, Sorge und Schmerz alles dumpf geworden ist? Auch wenn es in solchen Zeiten paradox anmutet, kann man es nicht oft genug wiederholen: Wir haben immer die Wahl. Bestrafe ich mich selbst mit Verurteilung und Selbstanklage? Verharre ich in Erstarrung und fühle mich als Opfer der Umstände? Oder bin ich sorgsam mit mir selbst und meinen Bedürfnissen?

Es kann (und darf) einige Zeit in Anspruch nehmen, um zu der Entscheidung zu gelangen, dass sich am jetzigen bodenlosen Zustand etwas ändern soll.

Der erste Schritt besteht im Akzeptieren der momentanen Situation. Im Allgemeinen fällt es uns schwer, das Beängstigende, das Traurige, das Mutlose oder was auch immer es ist, das uns am Boden hält, anzunehmen. Es ist uns fremd. Wir wollen es nicht haben. Es macht uns Angst. Es lähmt uns. Da wir in unserer auf Tempo und Erfolg getrimmten Gesellschaft vor allem gelernt haben, Schritt zu halten und „zu funktionieren“, steht uns in schwerer Zeit wenig Orientierung zur Verfügung. Viele Menschen haben verinnerlicht, dass Schwäche und ein Gefühl des Nicht-mehr-Weiterwissens nicht zu ihnen selbst gehören dürfen. Redewendungen und Floskeln wie „Das wird schon wieder!“ oder „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ werden zwar von Mitmenschen in guter Absicht ausgesprochen, bewirken jedoch meist das Gegenteil: Sie verhindern, dass wir das Schwere annehmen, und führen dazu, dass wir wegsehen, ignorieren, nur noch eine Rolle spielen und nicht mehr wir selbst sind.

Wenn wir mit der Schwere in Kontakt treten, wird es leichter

Stellen wir uns das Schwere wie eine leibhaftige Person vor, die uns sehr nahe steht. Wie würde sich diese Person fühlen, wenn wir sie nicht ernst nehmen, ignorieren oder wegdrängen würden? Es würde ihr wohl noch schlechter gehen. Sie würde vielleicht weinen und uns in der Hoffnung auf Trost hinterherlaufen. Oder sie würde resignieren, sich von uns abwenden und in uns als ungutes Gefühl und schlechtes Gewissen weiterleben. Wann würde es der Person besser gehen? Wenn wir sie in ihrem Kummer ernst nehmen würden, sie liebevoll umarmen, ihr zuhören, sie ohne gute Ratschläge trösten, einfach für sie da sein würden. Deshalb sollten wir versuchen, so viel wie möglich über das Dunkel in uns zu erfahren. Und das gelingt uns nur, wenn wir es als einen Teil von uns selbst annehmen. Als einen Teil, der uns vielleicht unbekannt ist oder uns Angst macht. Denn nur, was angenommen ist, kann wieder losgelassen werden.

Zurück ins Leben durch Klagen und Trauern

Wie aber kann uns der Umgang mit dem Schweren gelingen? Wie kann Akzeptieren aussehen? Offen ausgelebte Trauer hat in unserer Gesellschaft leider kein gutes Image. Dennoch ist es wichtig, seinen Raum für das Trauern und Klagen zu finden, um anschließend wieder frei für das Leben zu werden. Zugleich müssen wir hier bewusst eine Unterscheidung treffen: Denn Klagen oder Trauern hat nichts zu tun mit lautem oder innerlichem Jammern. „Jammern als Dauerzustand, um nichts verändern zu müssen. Jammern, um meine Verwandlungsmöglichkeiten gar nie ausschöpfen zu wollen. Jammern, um mir und anderen zu bestätigen, dass es da nichts zu machen gibt“, wie es der Theologe Pierre Stutz in seinem Buch Alltagsrituale beschreibt (Stutz, 1998, S. 54). Und er weiß: „Eine lebensfördernde Haltung steckt dagegen im Klagen.“

Zwischen Jammern und Klagen besteht ein Unterschied. Das Klagen drückt vor allem Schmerz aus, während das Jammern bzw. das Sich-Beklagen ein Ausdruck von Unzufriedenheit ist. Klagen schließt nur gelegentlich eine Schuldzuweisung mit ein, während Jammern implizit oder explizit eine Beschuldigung enthält. Beim Jammern werden andere oder eine Sache für den eigenen Missstand verantwortlich gemacht. Im Unterschied zum Jammern verfolgt das Klagen ein Ziel: Es ist ausdrucksstark und ein bewährtes System, der Trauer oder Enttäuschung Luft zu machen, um anschließend einen Schritt weiter zu gehen. Das Prinzip des Klagens: „Ich erzähle dir von meinen Sorgen, löse sie aber allein.“ Beim Jammern hingegen kann es heißen: „Ich bin so arm dran, andere oder die Umstände sind daran schuld.“ Jammern kann der Selbstdarstellung dienen, während Klagen vor allem Erleichterung schaffen soll.

Wenn wir uns das Klagen dauernd verbieten, wird es sich durch den Hintereingang wieder anschleichen. Das Grübeln wird nicht aufhören, der Kopf wird nicht frei werden. Wer hingegen bewusst klagt, nimmt das Schwere in sich und damit sich selbst in seiner Ganzheit an. Das ist die Voraussetzung dafür, auch wieder loslassen zu können.

Inseln des Klagens begünstigen das Loslassen

Bitte probieren Sie die erleichternde Wirkung des Klagens selbst aus. Stellen Sie sich hierfür z. B. eine Ihnen wohlgesonnene Person vor oder richten Sie Ihre Klagen an Gott, an eine höhere Macht oder Mutter Erde. Sprechen Sie laut und so lange, bis Sie sich „ausgeklagt“ haben. Das kann eine Minute dauern oder eine halbe Stunde oder länger. Sie werden sich anschließend erleichtert und freier fühlen. Außerdem werden Sie auch besser diejenigen Dinge erkennen können, über die Sie sich freuen oder für die Sie dankbar sind. Ihre Empfindungen werden wieder lebendiger und konturenreicher werden.

Nachfolgend finden Sie einige weitere Inspirationen, die das Annehmen des Schweren erleichtern und damit den Prozess des Loslassens begünstigen:

  •  Planen Sie sich bewusst Zeiten des Trauerns und des Klagens am Tag ein und gehen sie dann auch wieder zu anderen Dingen über. Diese geplanten Trauerräume helfen, zum einen der Trauer wirklich Raum zu geben und zum anderen nicht in ihr zu versinken.
  • Richten Sie sich nach dem Tod eines geliebten Menschen einen Ort ein, wo ein Foto oder ein Symbol, das Sie verbindet, steht. Zünden Sie regelmäßig eine Kerze an oder stellen Sie eine Blume auf, um Ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen.
  • Schauen Sie sich gemeinsam mit anderen Fotos der vergangenen Zeit an, die Sie betrauern. Weinen Sie und lachen Sie gemeinsam.
  • Geben Sie bei einer Trennung oder Kündigung Gegenstände, die Sie an den Menschen oder die alte Stelle erinnern und die Sie nicht mehr bei sich haben möchten, bewusst zurück oder weg.
  • Falls Sie bemerken, dass Sie nicht richtig trauern können, ihnen die Tränen versagen, obwohl sie weinen möchten, können Sie sich einem Musikstück hingeben. Es kann sehr befreiend sein, über einen bestimmten Zeitraum hinweg seinen Emotionen freien Lauf zu lassen.

Wie lange die Zeit des Klagens und Trauerns ist, die wir benötigen, um loslassen zu können, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Beim Tod eines geliebten Menschen spricht man vom Trauerjahr. Auch Krankheit, eine (berufliche oder private) Niederlage, Trennungen oder Kündigungen benötigen Zeit, um sie zu begreifen und anzunehmen. Was gerade an der Zeit ist, können nur wir selbst erspüren.

Klagen in Wünsche verwandeln, um dem Leben wieder Richtung zu geben

Nur Sie allein wissen, wann der richtige Moment gekommen ist, um einen neuen Schritt zu gehen. Wenn wir merken, dass sich in schwerer Zeit etwas in uns regt, können wir über unser Klagen eine neue Verbindung zu unseren inneren Wünschen herstellen. Denn hinter jeder Klage liegt auch ein Wunsch verborgen.

Wenn wir eine schwere Krankheit beklagen, verbirgt sich dahinter vielleicht der Wunsch, einen tieferen Sinn darin zu erkennen. Wenn wir den Tod eines geliebten Menschen beklagen, entsteht vielleicht nach einer Phase des Trauerns der Wunsch, die gemeinsam verbrachte Zeit in dankbarer Erinnerung zu bewahren. Wenn wir eine Trennung beklagen, könnte es sein, das sich nach einer gewissen Zeit der Wunsch nach persönlicher Weiterentwicklung in uns regt. Wer den Verlust seines Arbeitsplatzes beklagt, der aufgrund einer Umstrukturierung wegrationalisiert wurde, wünscht sich neben der Sicherung seiner materiellen Existenz vielleicht auch mehr Einflussmöglichkeiten und eigene Gestaltungsspielräume.

Manchmal benötigt es auch (professionelle) Hilfe, um diese Verbindung zu den eigenen Wünschen wieder herstellen, um wieder in einen liebevollen Dialog mit sich selbst treten zu können. Suchen Sie sich diese Unterstützung, denn Sie tragen die Verantwortung für sich!

Die Chance in schwerer Zeit: mit uns selbst vertrauter werden

Die Zeit des Trauerns und Klagens trägt demnach die große Chance in sich, uns mit unseren tiefsten Wünschen noch vertrauter zu machen, uns selbst noch besser kennenzulernen und unser Leben neu ausrichten zu können.

Um die Wünsche hinter unserem Klagen zu erfassen, können wir zunächst unsere Klagen aussprechen und aufschreiben.

„Ich beklage, dass … Außerdem beklage ich, dass …“

Anschließend können wir vorsichtig und aufrichtig versuchen, unsere tiefen und wahren Wünsche zu ergründen, die hinter jeder Klage verborgen sind.

„Ich beklage, dass … und zugleich wünsche ich mir …“

Diese Arbeit kann sehr intensiv sein. Möglicherweise führt sie uns sehr nah zu uns selbst und auf den Grund unserer Seele.

Man könnte sich eine Liste mit den Wünschen, die sich hinter unseren Klagen verstecken, anlegen. Nach und nach sollten wir prüfen, welche dieser Wünsche wir loslassen möchten oder vielleicht sogar müssen. Alles, was unerfüllbar oder unwiederbringlich verloren ist, und alles, was uns noch daran bindet, dürfen wir loslassen. Um den Prozess des Loslassens zu erleichtern, bietet sich ein Ritual an, z. B. das Verbrennen der aufgeschriebenen unerfüllbaren Wünsche auf Papier oder auf Holz.

Ein belgisches Sprichwort kann beim erneuten Prüfen unserer Wunschliste hilfreich sein: „Die hilfreichste Hand hängt an deinem eigenen Arm.“ Welchen Wunsch können wir uns aus eigener Kraft erfüllen? Die Erfüllung welchen Wunsches wäre realistisch? Die Erfüllung welchen Wunsches würde das Leben erhellen und vielleicht sogar glücklich machen?

Nun geht es darum, den ersten Schritt zu tun. Sich selbst einen kleinen Wunsch zu erfüllen ist der erste Schritt raus aus dem Tief, zurück in ein selbstbestimmt und bewusst geführtes Leben.

 

Mehr zum Thema Wunscherfüllung können Sie in „Mein allerbestes Jahr – Ziele erreichen, dem Leben Richtung geben“ lesen, das ab dem 23. Oktober 2015 im Handel erhältlich ist.

Haben Sie direkt Fragen? Oder Anmerkungen, was Ihnen dabei geholfen hat, schwere Zeiten zu meistern? Dann schreiben Sie uns. Wir freuen uns auf einen Austausch.


 

  Über die Autorin

Sabine Claus ist Master of Advanced Studies in Coaching & Organisationsberatung und Dipl. Betriebswirtin (BA). Seit 1998 im Berufsleben stehend und seit 2001 als Beraterin tätig, hat sie mehr als 5000 Menschen in rund 100 Organisationen begleitet. Sie hilft Teams in Veränderungsprozessen und unterstützt Menschen in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung. Weitere Informationen finden Sie unter www.sabineclaus.ch oder www.meinallerbestesjahr.ch.

Mein Abend beim Meister der Mimik – Dirk W. Eilerts Vortrag in der Fachbuchhandlung Lehmanns

Von Fabienne Berg

Montag, 5.Oktober, 19:00 Uhr. Der Abend ist mild. Ich stehe auf dem Bürgersteig und orientiere mich. Unter meinen Füßen vibriert plötzlich der Boden. Spürbar saust die U-Bahn durch die Tunnel unter der City. Dazu das rhythmische Ratatatam der Straßenbahn. Autoreifen quietschen, ein Hupkonzert folgt. Drei Meter weiter diskutiert eine kleine Gruppe Punks über die Flüchtlingspolitik. Mit wehender Krawatte eilt ein Geschäftsmann an ihnen vorbei – in der einen Hand das iPhone, in der anderen ein asiatisches Schnellgericht. Ein ausgespuckter Kaugummi stoppt ihn. Er flucht recht unfein und steht für einen Moment auf einem Bein. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sitzen zwei junge Touristinnen auf ihren Rucksäcken und essen Pizza. Ich bin in Berlin. Mein Ziel: die Buchhandlung Lehmanns in der Friedrichstraße. Der Grund: Dirk W. Eilert, bekannter „Gesichterleser“ und Autor des Junfermann Verlags, hält dort seinen Vortrag: „Nie wieder Tomaten auf den Augen – Was Mimik über unsere Gefühle verrät“. Ich bin gespannt, lasse den Friedrichstadtpalast hinter mir und gehe über die Straße. Dort ist die Buchhandlung. Eine Eintrittskarte habe ich schon.

Gegen 19:30 Uhr sind alle Plätze belegt. Das Publikum ist gut durchmischt: Frauen und Männer zwischen 20 und 70 Jahren aus verschiedenen Berufsgruppen: im Verkauf Tätige, Sozialpädagogen, Therapeuten und Trainer. Aber auch viele Menschen, die einfach privat am Thema interessiert sind, um ihre Beziehungen zu verbessern; die Beziehung zur Partnerin oder zum Partner, zu Kollegen, zu ihren Kindern oder schlicht zu ihren Mitmenschen.

Dirk Eilert beginnt seinen Vortrag mit einer Anekdote aus dem Urlaub: Er sitzt im Restaurant und erwartet ein bestimmtes Gericht. Rinderfilet mit frischem Gemüse. Doch statt des Gemüses liegt ein undefinierbares grünes Etwas auf seinem Teller. Angewidert rümpft er die Nase, sagt aber nichts. Glücklicherweise ist das Personal aufmerksam, deutet das Naserümpfen richtig und spricht ihn höflich darauf an. Wenige Augenblicke später wird ihm eine wundervolle Gemüsekomposition serviert.

 

Unsere Mimik ist schneller als unser Verstand, zuverlässsiger als unsere Gesten und das, was wir sagen. Und sie ist international, im Gegensatz zu vielen anderen Elementen der Körpersprache. Anhand interessanter und unterhaltsamer Videoaufzeichnungen führt der Gesichterleser das Publikum durch den Dschungel der Mikroexpressionen. Dabei erklärt Dirk Eilert nicht nur, sondern bindet seine Zuhörer aktiv in den Vortrag mit ein. Das Publikum bekommt für Sekundenbruchteile Gesichtsausdrücke gezeigt und muss spontan entscheiden, welches Gefühl hinter welchem Ausdruck steckt. Ist es Angst, Ärger, Freude oder Ekel? Zeigt eine Person echtes Interesse oder lächelt sie nur aus sozialer Höflichkeit? Deutet der Gesichtsausdruck von Jürgen Klopp darauf hin, dass Dortmund gewonnen hat oder verloren? Ist die junge Frau im Video an einem Flirt mit ihrem Gegenüber interessiert oder geht da gar nichts? Da Publikum sieht, lacht und rätselt – nach ein paar Übungen sogar mit relativ hoher Erfolgsquote. Gesichterlesen scheint kein Hexenwerk zu sein, sondern im Gehirn des Menschen angelegt und zudem recht gut aktivierbar.

 

Gesichterlesen alleine reicht nicht

Nachdem uns vor lauter Bildern schon die Augen flimmern und wir die meisten Gesichtsausdrücke richtig erkannt haben, kommt die ganz wichtige Botschaft: Unsere Mimik zeigt nicht, warum wir ein bestimmtes Gefühl haben. Sie zeigt lediglich, dass wir es haben!

Gesichterlesen ist gut und schön, doch um den nächsten Schritt aufeinander zu zu machen, müssen wir miteinander reden.

So wie auch der Kellner Dirk Eilerts Naserümpfen hinterfragt hat. Erst durch das Gespräch konnte die Irritation über das grüne Ding auf dem Teller aus der Welt geschafft und der Wunsch nach frischem Gemüse erfüllt werden.

Im Kern geht es beim Gesichterlesen darum, dass wir uns mehr miteinander beschäftigen. Dass wir auf uns und aufeinander achten. Diese Form der Aufmerksamkeit zeugt von ehrlichem Interesse füreinander. Dahinter stehen immer die Fragen: Wie geht es dir? Was fühlst du wirklich? Und was brauchst du gerade? Wenn wir den Antworten dieser Fragen näherkommen, können wir besser aufeinander eingehen. Dirk Eilert hatte in einem Interview einmal gesagt, sein Ziel sei es, mehr Empathie in die Welt zu bringen. Auf die Gesichtsausdrücke des anderen zu achten kann für uns – so wie auch die Gewaltfreie Kommunikation – ein hilfreiches praktisches Handwerkszeug dabei sein.

 

„Achten Sie im Alltag etwas mehr auf das Gesicht des anderen“

Am Ende des Vortrages – alle sind Feuer und Flamme – wird noch an ein Gewinnspiel angekündigt. Hauptgewinn: das Online-Kurspaket „Mimikresonanz“ mit Dirk Eilert, außerdem gibt es Bücher zu gewinnen.

Tosender Applaus vom Publikum und ein Hinweis der Buchhändlerin, dass die Ladenkasse noch geöffnet ist. Dirk Eilert verabschiedet sich mit den Worten von Eckart von Hischhausen zum attraktivsten und gesundheitsfördernsten Gesichtsausdruck, den wir haben: dem Lächeln. Von Hirschhhausen sagte dazu: „Wussten Sie eigentlich schon, dass Kinder ca. 400 mal am Tag lächeln? Erwachsene übrigens 15 mal … Und Tote? Nun, die lächeln gar nicht. Darüber lohnt es einmal nachzudenken.“

Überhaupt scheinen Kinder ganz offenbar die allerbesten Gesichterleser zu sein. Die Fähigkeit dazu steckt in unseren Genen. Wir kommen als Mimikexperten zur Welt. Doch durch Erziehung, Spracherwerb und bestimmte äußere und innere Faktoren verlernen wir diese wichtige Kompetenz wieder. Und mit dem Verlust der Gefühlserkennungskompetenz verlieren wir gleichzeitig ein großes Stück an Empathiefähigkeit. Das gilt es zurückzuerobern. Dirk Eilerts Tipp: Achten Sie im Alltag etwas mehr auf das Gesicht des anderen. Es wird die Qualität Ihrer Beziehungen entscheidend verbessern.

Na, wenn das keine Motivation ist!

Ich stöbere noch ein Weilchen in den Regalen – und werde fündig: Lesefutter für meine Rückreise. Übermorgen fahre ich wieder. Und  nehme mir für die Bahnfahrt fest vor, nicht nur das neue Buch, sondern vielleicht sogar in dem einen oder anderen Gesicht zu lesen. So viele Menschen über mehrere Stunden in einem Zug: der perfekte Nährboden für verschiedenste Emotionen, oder? Noch ein letzter Blick durch den Raum, dann trete ich aus der Buchhandlung heraus und wieder hinein in das Getümmel der Großstadt.

„Alles steht Kopf“: ein Gespräch mit Dirk W. Eilert zum neuen Disney-Film

Seit dem 1. Oktober 2015 läuft ein neuer Film aus der Disney-Pixar-Welt in unseren Kinos. Erwartungsgemäß tummeln sich auf der Leinwand einige bunte Figuren, die man einfach gern haben muss. Es gibt aber eine Besonderheit: Die Hauptfiguren sind fünf menschliche Basisemotionen: Freude, Wut, Angst, Ekel und Kummer. Sie leben im Kopf eines elfjährigen Mädchens.

Unser Junfermann-Experte für Fragen rund um das Thema Emotionen ist Dirk W. Eilert. In seinem Buch Mimikresonanz. Gefühle sehen – Menschen verstehen beschreibt er ebenfalls menschliche Basisemotionen und wie wir sie in der Mimik erkennen können.

 

Dirk W. Eilert

Herr Eilert, was mussten Sie tun, damit Disney Ihr Thema aufgreift und in einen Film verpackt ;-)?

[Lacht] Für mich ist dieser Film ein Ausdruck dafür, dass die Zeit reif für das Thema ist. Emotionen kommen immer mehr ins Gespräch. In der psychologischen Forschung des 20. Jahrhunderts waren sie eher ein „Pfui-Thema“, weil Emotionen schwer greifbar waren. Diese Zeit ist allemal vorbei. Wie wir an „Alles steht Kopf“ sehen, beschäftigt sich heute nicht nur die Forschung sondern auch Hollywood mit Konzepten, wie Menschen ihre Emotionen verstehen können und wie sie lernen können, mit ihnen auf eine gesunde Weise umzugehen. Das 21. Jahrhundert ist das Zeitalter der emotionalen Intelligenz.

Sie haben den Film schon gesehen? Lohnt er sich?

Ich habe ihn sogar schon zweimal gesehen und gleich schaue ich ihn mir ein drittes Mal mit meinen Kindern an. Also, er lohnt sich auf alle Fälle. Jeder Film hat ja drei Ebenen: eine Handlungsebene, eine Informationsebene und eine Bedeutungsebene. Was die Handlungsebene betrifft: Der Film ist wirklich lustig, voller Gags. Wobei ich sagen muss: Ich habe mehr auf die Informations- und auf die Bedeutungsebene geachtet. Und hier ist der Film extrem lohnenswert. Die Informationsebene ist gespickt mit wissenschaftlichen Erkenntnissen über Emotionen. Hier vermittelt der Film Wissen, das nicht nur für Coaches und Trainer spannend ist, sondern für jeden, der lernen möchte mit Emotionen gesünder umzugehen.

Es kann ja anstrengend sein, wenn aus einer Idee großes Kino werden soll. Die Geschichte leidet oft, weil ein starres Konzept im Hintergrund steht. In diesem Fall nicht?

Nein, überhaupt nicht. Natürlich werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse vereinfacht; schließlich ist es ein Unterhaltungsfilm. Und trotzdem ist alles extrem gut recherchiert und wurde lange vorbereitet. Pete Docter, der Regisseur, hat fünf Jahre an diesem Film gearbeitet. Und als Vorbild für Riley – das elfjährige Mädchen, das neben den fünf Emotionen die Hauptperson des Films ist – hat er seine eigene Tochter genommen.

Doch ich möchte nochmal auf die Bedeutungsebene kommen, auf die zentrale und sehr wertvolle Botschaft dieses Films. Die lautet nämlich: Jede Emotion hat eine wichtige und positive Funktion für unser Leben. Nur wenn wir all unsere Emotionen wertschätzen und einen Zugang zu ihnen haben, kann ein glückliches Leben gelingen. Darauf gehe ich auch in meinem Videoblog genauer ein.

Nicht nur die Freude hat also eine positive Funktion für unser Leben. Es ist sogar so, dass Menschen, die beruflich zum Lächeln gezwungen werden, depressiv werden können. Das hat man in einer Studie z.B. bei Servicekräften herausgefunden. Wenn man den ganzen Tag freundlich sein muss und deshalb ständig ein gezwungenes Lächeln aufsetzt, kann das verheerende Folgen für die emotionale und körperliche Gesundheit haben. Ein freiwilliges Lächeln hingegen wirkt positiv auf unsere Gefühlslage und den Körper. In der Kindererziehung hört man manchmal Sätze wie: „Ein fröhliches Kind ist ein gutes Kind.“ Fröhlichkeit wird erwartet und gewünscht, die anderen Emotionen eher nicht. Die Eltern tun dann alles, nur damit ihr Kind fröhlich ist. Natürlich tun sie das aus einer guten Absicht heraus, aber genau hier liegt das Paradoxon: Nur wenn wir jede Emotion wertschätzen – auch eine vermeintlich „negative“ wie Trauer –, können wir wahrhaft glücklich sein. Dies wird sehr schön in „Alles steht Kopf“ aufgegriffen.

Der Kernkonflikt im Film findet nämlich zwischen Freude und Kummer statt. Freude beansprucht viel Platz für sich, will den Platz von Kummer deutlich begrenzen. Dann stellt Freude aber nach und nach fest, dass Kummer durchaus eine wichtige Funktion und einen Wert hat. Als Riley z.B. in einem Eishockey-Spiel das entscheidende Tor nicht macht, sorgt Kummer dafür, dass sie Zuwendung erfährt und wieder aufgebaut wird.

Auf der Handlungsebene ist der Film übrigens eine lupenreine Heldenreise, die Freude durchlebt. Am Ende – und das finde ich sehr schön – haben dann alle fünf Emotionen ihren Platz am Steuerpult. Sie sind jetzt gleichberechtigt.

Paul Ekman und Dacher Keltner waren als wissenschaftliche Berater beteiligt. Merkt man das?

Das merkt man, denn es finden sich fünf der sieben von Ekman definierten Basisemotionen im Film. Aus Trauer (im Original „Sadness“) hat man in der deutschen Version leider Kummer gemacht. Kummer enthält aber auch Aspekte der Angst – und deshalb bin ich mit dieser Bezeichnung nicht ganz so glücklich. Die Filmfigur „Ekel“ trägt auch Züge der Grundemotion Verachtung, hat also quasi eine Doppelrolle. Einzig Überraschung fehlt auf der Besetzungsliste, was aber verständlich ist. Überraschung ist erstens neutral und tritt zweitens immer nur ganz kurzzeitig auf, als Zwischenstation zu einer anderen Emotion, z.B. Freude oder Angst.

Dann zum Abschluss noch die Frage: Die Emotionen, auch die gemeinhin als unangenehm geltenden, werden zu mehr oder weniger knuddeligen bunten Figuren. Mir hat es die Wut angetan, meine Kollegin mag den Kummer. Meinen Sie, dass der Film dazu beitragen kann, dass Menschen allgemein besser mit ihren „schwierigen“ Gefühlen umgehen können?

Die Personifizierung von Emotionen in Form von Animationsfiguren hilft Menschen eindeutig, ihre Gefühle besser zu verstehen und wertzuschätzen. So werden sie greifbar und man kann anders über sie sprechen. In meinen Vorträgen arbeite ich deshalb jetzt auch viel mit diesen Figuren.

Der Film schreit übrigens geradezu nach einer Fortsetzung. Bislang spielten ja Freude und Kummer die Hauptrollen, doch auch die anderen Emotionen kommen garantiert noch zum Zug. Auf dem Steuerpult taucht am Ende des Films z.B. plötzlich ein neuer Knopf auf, der „Pubertät“ heißt. „Pubertät? Was ist das denn?“, fragt Ekel. Und die anderen Emotionen antworten im Chor: „Keine Ahnung. Der ist nicht wichtig.“

Dann haben wir ja etwas, auf das wir uns freuen können. Das ganze Junfermann-Team wird sich den Film übrigens am Montag anschauen. Und ich bin gespannt, wie Ihre Kinder ihn so fanden. Sie werden bestimmt nicht erster Linie auf die Informations- und Bedeutungsebene schauen, sondern eher auf die Handlungsebene.

Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl!

Was genau ist an der Psychotherapie eigentlich therapeutisch?

Von Guido Plata

Die Antwort auf die Frage in der Überschrift scheint naheliegend: „Natürlich die vom Therapeuten eingesetzten Techniken, die führen schließlich die gewünschte Veränderung herbei.“ Diese oder ähnliche Antworten kommen vielen Menschen spontan in den Sinn, aber denken Sie einmal über Folgendes nach: Könnte man ein und denselben Klienten theoretisch zu zehn verschiedenen Therapeuten schicken, und das Ergebnis der Behandlung wäre in allen Fällen dasselbe?

Nein, sicher nicht, meint man nun, da müsste es doch Unterschiede geben – aber warum sieht man dies so? Weshalb geht man davon aus, dass sich die Ergebnisse unterscheiden würden?

Jeder Mensch weiß aus Erfahrung, dass alle Vorgänge im Leben durch viele Faktoren beeinflusst werden können. Eine Psychotherapie ist keine Ausnahme von dieser Regel; der Verlauf und das Ergebnis einer Therapie sind unzähligen Einflüssen unterworfen.

Betrachten wir einmal genauer, welche Einflüsse möglich sind: Sicher gibt es oft berufliche oder private Veränderungen im Leben des Klienten, die nicht wegen der Therapie aufgetreten sind, sich aber dennoch auf die Therapie auswirken. Auch kommen einzelne Klienten und Therapeuten unterschiedlich gut miteinander aus, vielleicht beherrschen manche Therapeuten ihr Handwerk besser als andere, der besondere Stil eines bestimmten Therapeuten passt besser zu einem individuellen Klienten, oder man versteht sich besser oder schlechter. Aber ist die Beziehung zwischen Therapeut und Klient wirklich entscheidend?

Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, wie man eine Psychotherapie sieht. Versteht man sie als eine Art Reparatur, wie bei einem Auto in der Werkstatt? In diesem Fall wäre das Therapieergebnis nur vom Können des Therapeuten beim Einsatz der therapeutischen Techniken abhängig. Oder sieht man Psychotherapie eher als Prozess, an dem der Klient aktiv teilnimmt und ein gutes Verhältnis zwischen Therapeut und Klient entscheidend für den Ausgang ist? Dann hätte der zwischenmenschliche Faktor erhebliches Gewicht. Und hier kommt die therapeutische Beziehung ins Spiel.

Seit den 1940er Jahren befasst man sich in der Psychotherapieforschung mit der therapeutischen Beziehung, die als intensiver Wirkfaktor angesehen wird. Eine der am Häufigsten zitierten Schätzungen ihres Einflusses stammt von dem US-amerikanischen Psychologen Michael J. Lambert (1992), der vier grundsätzliche Faktoren mit Relevanz für den Therapieerfolg unterschied:

  • Außertherapeutische Faktoren. Dies sind Faktoren im Leben des Klienten, die nicht infolge der Behandlung eintreten, sich aber darauf auswirken. Hierzu zählen die bereits erwähnten Veränderungen im Leben des Klienten (positive, wie eine Beförderung, oder negative, wie ein Trauerfall), die Voraussetzungen in der Persönlichkeit des Klienten (wie seine Ich-Stärke) und auch das Maß an sozialer Unterstützung, das er von Freunden oder Familie erhält. All diese Faktoren kann der Therapeut nicht beeinflussen, aber sie tragen entscheidend zum Erfolg der Therapie bei.
  • Erwartungen. Die Erwartungen auf Seiten eines Klienten können zum Placeboeffekt führen – dem Eintreten einer positiven Veränderung, weil man glaubt, dass etwas passiert wäre, was eine positive Veränderung herbeiführen wird.
  • Techniken. Die therapeutischen Techniken in der Schule, der der Therapeut angehört – wie Exposition in der Verhaltenstherapie oder kognitive Umstrukturierung in der Kognitiven Verhaltenstherapie.
  • Gemeinsame Faktoren. Dies sind Faktoren, die die Beziehung zwischen Therapeut und Klient unabhängig von der theoretischen Ausrichtung des Therapeuten charakterisieren – beispielsweise Wärme, Einfühlungsvermögen, Akzeptanz, Ermutigung zum Eingehen von Risiken und andere Dinge.

Entscheidend ist nun, in welchem Ausmaß all diese Faktoren zum Therapieerfolg beitragen. Lambert (1992) schätzt die Anteile wie folgt:

  • Außertherapeutische Faktoren – 40%
  • Erwartungen – 15%
  • Techniken – 15%
  • Gemeinsame Faktoren – 30%

Bedenken Sie bei dieser Schätzung, dass genaue Angaben in Zahlen naturgemäß immer schwierig sind. Außerdem muss man beim Lesen dieser Auflistung berücksichtigen, dass alle Faktoren positiv oder auch negativ wirken können – positive Lebensereignisse fördern die Genesung, negative Lebensereignisse behindern sie. Eine gute therapeutische Beziehung ist dem Therapieerfolg zuträglich, eine schlechte therapeutische Beziehung ist ihm abträglich (und führt in vielen Fällen sogar dazu, dass die Therapie vorzeitig abgebrochen wird). Man darf die Liste also nicht so lesen, dass eine Psychotherapie insgesamt überflüssig wäre, weil ja schließlich 40 Prozent des Therapieergebnisses die Folge außertherapeutischer Faktoren seien. Vielmehr lautet die zentrale Aussage, dass das Zusammenspiel eines normalen Maßes an außertherapeutischen Faktoren mit gemeinsamen Faktoren (also einer guten therapeutischen Beziehung) und sachkundig eingesetzten Techniken zum Behandlungserfolg führt.

Die Techniken müssen dabei natürlich zu den Symptomen passen, wegen denen die Behandlung begonnen wurde – bei einer spezifischen Phobie, etwa vor Schlangen oder Spinnen, ist die Verhaltenstherapie die Methode der Wahl, bei einer chronischen Depression hingegen wären andere Therapieformen wie CBASP angebracht. Aber insgesamt gesehen macht die Art der eingesetzten Techniken an sich nur wenig vom Therapieerfolg aus. Außerdem verfolgen viele Therapeuten heutzutage einen eklektischen Ansatz, bei dem sie bei Bedarf auch Techniken aus anderen therapeutischen Schulen übernehmen, wenn sie sich als hilfreich erwiesen haben.

Insgesamt gesehen ist der heutige Stand der Therapieforschung, dass die Qualität der therapeutischen Beziehung ein entscheidender Faktor für den Therapieerfolg ist.

Was sind die Merkmale einer guten therapeutischen Beziehung? In der Literatur finden sich dazu viele Auflistungen entsprechender Eigenschaften, aber insgesamt gesehen kann man sie als freundschaftliche zwischenmenschliche Beziehung beschreiben. Sie hat Merkmale wie Wärme, Aufrichtigkeit, Einfühlungsvermögen des Therapeuten, seine Wertschätzung des Klienten und diverse andere Dinge. All dies führt dazu, dass die Beziehung auch als angenehm erlebt wird.

Die entscheidende Frage ist: Fühlt der Klient sich wohl dabei, Zeit mit dem Therapeuten in der Therapie zu verbringen? Ist es ihm angenehm, dem Therapeuten persönliche Dinge anzuvertrauen? Fühlt er sich ernstgenommen und geschätzt? Und auch wenn die Therapie unangenehme Dinge beinhaltet, wie die Konfrontation mit negativen Gedanken oder Verhaltensweisen, oder den Kontakt mit gefürchteten Objekten, fühlt er sich vom Therapeuten angemessen unterstützt?

Wie bereits erwähnt, natürlich ist eine gute therapeutische Beziehung zwar notwendig, aber für sich allein nicht hinreichend für positive Veränderungen – ebenso wenig wie der hohe Anteil außertherapeutischer Faktoren bedeutet, dass eine Psychotherapie insgesamt überflüssig wäre. Aber dennoch stellt die therapeutische Beziehung einen der Eckpfeiler des Behandlungserfolges dar, und insofern ist die Fähigkeit des Therapeuten, eine gute therapeutische Beziehung herzustellen und aufrechtzuerhalten, äußerst wichtig.

Diese letztgenannte Fähigkeit bezeichnet man in der neueren Literatur auch als therapeutische Metakompetenz, und sie hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Für Therapeuten bedeutet dies, mehr Gewicht auf „Softskills“ zu legen, und weniger auf die Anwendung bestimmter Techniken ihrer jeweiligen Schule. Auch die Haltung gegenüber dem Klienten ändert sich mit steigender Metakompetenz hin zu mehr Akzeptanz und Einfühlungsvermögen, und ebenso hin zu mehr Respekt für den kulturellen und persönlichen Hintergrund des Klienten. Gute therapeutische Metakompetenz führt dazu, dass die Behandlung beim Aufbau der therapeutischen Beziehung an den Klienten angepasst wird – der Klient ist ein gleichberechtigter Partner beim Aufbau der Beziehung, die als Vehikel für das Herbeiführen von Veränderungen dient und den entsprechenden Kontext liefert. Ebenso wird die Meinung des Klienten über seine Symptome und den therapeutischen Prozess honoriert. Der Klient selbst hat eine (wenn auch nicht wissenschaftlich formulierte) Theorie über seine Beschwerden, ihre Ursache und den eigentlichen Therapieprozess. Diese muss ernstgenommen werden, denn damit die angebotenen Techniken unabhängig von der Therapieschule funktionieren, muss der Klient bereit sein, sich darauf einzulassen. Dies wiederum setzt voraus, dass er sie nicht nur auf der abstrakten Ebene versteht und für brauchbar hält, was ja das Ziel der Psychoedukation ist. Sollte der Klient den Therapieprozess aber als herabwürdigend oder unangemessen erleben, ist ein Behandlungserfolg praktisch ausgeschlossen.

Zusammenfassend kann man also sagen: Es ist entscheidend, dem Klienten mit Achtung, Wärme und Einfühlungsvermögen zu begegnen, um bei ihm wiederum eine Haltung hervorzurufen, die eine gute therapeutische Beziehung ermöglicht. Für Therapeuten bedeutet dies, sich stärker mit der Weiterentwicklung ihrer therapeutischen Metakompetenz zu befassen, und für Klienten bedeutet es, bei der Auswahl eines Therapeuten auch einfach mal auf ihr „Bauchgefühl“ zu hören!


Über den Autor

Guido Plata ist Diplom-Psychologe und seit vielen Jahren als Fachübersetzer für psychologische Texte tätig.

Der Erfahrbare Atem: 50 Jahre Ilse-Middendorf-Institut Berlin

1965 – also vor 50 Jahren – wurde in Berlin das Ilse-Middendorf-Institut für den Erfahrbaren Atem gegründet. Prof. Ilse Middendorf (1910-2009) bildete dort fortan Atemtherapeutinnen und -therapeuten in der von ihr begründeten Schule des Erfahrbaren Atems aus. 1971 erhielt sie zudem eine Professur an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Berlin, in der sie Schauspielschüler im Atem unterrichtete. 1986 begann sie mit Seminaren und Ausbildungskursen in den USA, was 1991 in die Gründung eines US-Instituts in Berkeley mündete.

1985 – vor 30 Jahren also – erschien die Erstauflage von Ilse Middendorfs Klassiker „Der Erfahrbare Atem“ bei Junfermann. Dieses Grundlagenwerk ist nach wie vor aktuell und wird in der Ausbildung von Atemtherapeutinnen eingesetzt.

Ich bin Ilse Middendorf leider nie persönlich begegnet; unser Kontakt beschränkte sich auf Telefon und E-Mail. Was mich an ihrer aber immer sehr fasziniert hat, war ihre Wachheit und Vitalität bis ins hohe Alter. Für mich war sie damit der lebende Beweis für die Wirksamkeit ihrer Methode.

Und betrachtet man einmal die beiden Jubiläumsdaten – 1965 und 1985 –, und führt man sich dann vor Augen, dass Ilse Middendorf bei der Gründung ihres Instituts 55 Jahre alt war und das sie mit 75 Jahren ihr Buch veröffentlichte: Wo für andere vielleicht Ruhestand angesagt ist, startete diese Frau noch einmal richtig durch.

Das für ihre Arbeit Wesentliche hatte Ilse Middendorf in ihrem „Atemgedicht“ zusammengefasst, aus dem nun ein kleiner Ausschnitt folgt.

Du möchtest Dich
Deinem Atem zuwenden:
Atmen sollte Gesundheit bringen
heißt es –
mehr Frische – mehr Leistung
mehr … mehr …

So setze Dich zu mir
und lausche.

Das erste ist
warten können –
auf den Atem, der in mich einfließt.
Und ihn begleiten,
wenn er mich verlässt
und als Kraft
in der Welt in Erscheinung tritt –
im Klang, im Wort, im Werk.
In der Ruhe nach dem Ausatmen
bin ich geborgen
in dem, was mich geschaffen hat.

Atembewegung –
Urbewegung des Lebens,
Ausdruck dessen,
was ich werden kann.

Jede Zelle schwingt im Anruf
der Bewegung,
in Muskeln-Knochen-Organen
und setzt sich fort
in alle Sinne,
in meine Gestalt und das,
was Gestalt werden will –
kann – möchte – sollte.

Werde ich durchlässig?
Was ist das?
Bin ich wie ein Schwamm?
Nein.
Ich vermag meinen Atem zuzulassen,
dass er mich schwingend bewegt.
Aber ich und mein Selbst
sind der Inhalt dieser Bewegungen.
Ich lebe, ich atme –
ich werde gewahr,
welch großes Reich
ich das meine nenne.
Eine Welt bin ich,
wenn ich
zum bewussten Sein
erwache – langsam,
denn ich muss tragen können,
was mir geschenkt wird.

 

Die Leitung des Ilse-Middendorf-Instituts ist schon vor vielen Jahren an die nächste Generation übergeben worden. 1982 gründete Helge Langguth, Ilse Middendorfs Sohn, ein zweites Institut in Beerfelden und seit 1988 hat er die Gesamtleitung für beide Institute.

Wir gratulieren ganz herzlich zum 50-Jährigen, und wünschen viel Freude bei den Jubiläumsveranstaltungen. Auf die nächsten 50 Jahre!

Informationen zu den Instituten in Deutschland

Informationen zum Institut in den USA

Der wichtigste Faktor für Erfolg? Sie selbst!

Die Struktur des Erfolgs – Warum Sie Erfolg lernen können

Von Swantje Allmers

Was unterscheidet erfolgreiche Menschen von weniger erfolgreichen Menschen? Sind es die Startbedingungen? Der Intellekt? Das Aussehen? Oder ist es vielleicht doch nur Zufall? Für jedes Kriterium lassen sich gute Beispiele und Gegenbeispiele finden.

Jan Koum, einer der Whatsapp-Gründer, wuchs zum Beispiel unter den ärmsten Verhältnissen in der Ukraine auf. Ab seinem 16. Lebensjahr lebte er in den USA. Anstatt Einsen auf einer Elite-Uni zu kassieren, übernahm Koum diverse Nebenjobs und schmiss sein Studium an einer mittelmäßigen Uni.

Im Gegensatz dazu gibt es zahlreiche Beispiele für Kinder reicher Eltern, die es trotz idealer Startbedingungen nur zu übermäßigem Drogenkonsum und mangelndem Lebensglück geschafft haben.

Wenn das möglich ist, können die Kriterien für Erfolg nicht nur in äußeren Rahmenbedingungen liegen. Der wichtigste Faktor, der erfolgreiche Menschen von weniger erfolgreichen Menschen unterscheidet, sind die persönlichen Einstellungen, mentalen Fähigkeiten und Strategien.

Was ist Erfolg überhaupt?

Eines ist schon mal klar: Erfolg bedeutet unterschiedliche Dinge für unterschiedliche Personen zu unterschiedlichen Zeiten ihres Lebens. In unserer Gesellschaft assoziieren viele Menschen Erfolg mit Geld. Erfolg kann allerdings auch etwas völlig anderes bedeuten, z. B. Gesundheit, eine glückliche Beziehung, Familie, Reisen oder persönliche Freiheit – was auch immer das konkret heißt. Und für Sie ist Erfolg vielleicht etwas völlig anderes.

Eine gute und gängige Definition lautet: Erfolg ist das Erreichen persönlicher Ziele. Das bedeutet im Umkehrschluss, ohne Ziele gibt es keinen Erfolg. Damit wären wir schon fast beim ersten Erfolgs-Prinzip. Es bleibt noch zu ergänzen, dass es natürlich auch immer darum geht, wie diese Ziele erreicht werden. Denn ist es noch ein Erfolg, wenn jemand dauerhaft gegen seine innersten Werte verstößt, um ein Ziel zu erreichen?

Die fünf Prinzipien für Erfolg

Erfolgreiche Menschen …

… wissen, was Sie wollen

Erfolgreiche Menschen handeln zielorientiert. Sie kennen ihre Ziele und wissen, warum sie diese erreichen wollen. Dabei stellen sie sicher, dass ihre Ziele zueinander passen und ökologisch sinnvoll sind. Das heißt, dass die Ziele gut für sie selbst sind und für die Menschen, die ihnen wichtig sind.

Klingt logisch und machbar? In der Theorie schon, dennoch setzen sich die wenigsten Menschen wirklich konkrete Ziele im Leben. Stattdessen leben sie ihr Leben vor sich hin und hoffen darauf, dass ihnen „das Leben“ das bringt, von dem sie noch nicht wussten, dass sie es haben wollen.

Die Beschäftigung mit Ihren Zielen wird mit dem besten Aufwand-Nutzen-Verhältnis belohnt, das Sie vermutlich je erlebt haben. Sobald Sie Ihre Ziele kennen, können Sie mit Ihrem bewussten und unbewussten Verstand an der Umsetzung arbeiten.

Es gibt ein paar Dinge, die Sie dabei beachten sollten:

  • Achten Sie darauf, dass Sie sich für die verschiedenen Bereiche Ihres Lebens Ziele setzen (z. B. Beruf, Familie, Freizeit und Erholung, Gesundheit und Fitness, Finanzen, persönliche Weiterentwicklung usw.).
  • Formulieren Sie positiv (was wollen Sie haben?). Manchen Menschen fällt es leichter, erst das zu formulieren, was sie nicht mehr haben wollen. Wenn Ihnen das genauso geht, beginnen Sie damit und formulieren Sie im Anschluss das, was Sie haben wollen.
  • Planen Sie Ihre Ziele so konkret wie möglich. Wie sieht Ihr Traumhaus zum Beispiel genau aus? In welcher Umgebung liegt es, wie viele Etagen hat es, wie sieht der Fußboden aus, wie viele Bäder hat es usw.
  • Vergessen Sie während Ihrer Zielplanung die Frage nach dem „Wie“. Gehen Sie davon aus, dass alles möglich ist, sofern das „Warum“ bzw. „Wofür“ wirklich stark und motivierend ist. Formulieren Sie das, was Sie wirklich, wirklich möchten, auch wenn Sie vielleicht noch nicht wissen, wie Sie es erreichen werden.

… kommen ins Handeln

Wenn Sie Ihre Ziele kennen, heißt das nicht, dass danach alles von selbst passiert, frei nach dem Motto: „Das Universum macht den Rest“. Erfolg ist auch das Resultat von Selbstmotivation und der Fähigkeit, an den eigenen Zielen dran zu bleiben. Sie dürfen ins Handeln kommen. Auch hier gilt: Was logisch klingt, fällt den meisten Menschen schwer. Der Grund kann auch im Ziel liegen, denn ist ein Ziel, für das Sie nicht bereit sind, etwas zu tun, wirklich ein gutes Ziel?

Bei Rückschlägen und Hindernissen entscheidet sich oft, ob Sie Ihr Ziel wirklich erreichen. Es sind nicht die Herausforderungen selbst, die relevant sind, sondern Ihre Fähigkeit, diese als wertvolles Input für die nächsten Schritte zu nutzen, anstatt sich von ihnen entmutigen zu lassen. Das können Sie durch Disziplin erreichen oder (das ist der leichtere Weg), indem Sie ein wirklich überzeugendes Ziel vor Augen haben, für das sich Ihr Einsatz lohnt.

… sind aufmerksam

Erfolgreiche Menschen achten (bewusst oder unbewusst) sehr genau auf die Ergebnisse ihrer Handlungen und prüfen, ob diese sie ihrem Ziel wirklich näher bringen.

Es geht dabei um zwei Richtungen von Aufmerksamkeit. Nach außen: Was passiert in Ihrem Umfeld? Welche Reaktionen erleben Sie? Und nach innen: Was sagt Ihnen Ihr Gefühl? Was spüren Sie bzw. was können Sie erkennen? Dabei sollten Sie natürlich immer in Betracht ziehen, dass Sie manche Ergebnisse und Reaktionen sofort erhalten und manche mit Verzögerung oder auf einem anderen Weg, als Sie es erwartet hätten.

Ihre Aufmerksamkeit können Sie schnell trainieren, indem Sie zum Beispiel täglich für zehn Minuten ganz bewusst auf alle noch so kleinen Details um sich herum achten und in Gesprächen auf jede Reaktion Ihres Gegenübers, die Sie wahrnehmen können.

Seien Sie außerdem ehrlich zu sich selbst und machen Sie einen regelmäßigen Review, in dem Sie sich fragen, was Sie im vorherigen Zeitabschnitt für Ihre Ziele getan haben und was Sie im nächsten Zeitabschnitt für sie tun werden.

… sind flexibel

Wie flexibel sind Sie? Flexibilität ist in der Evolution eine entscheidende Voraussetzung für das Überleben (was sich definitiv auch als Erfolg werten lässt). Menschen sind für gewöhnlich immer dann sehr flexibel, wenn es um Entscheidungen oder Veränderungen innerhalb der eigenen Komfortzone geht. Sie können beobachten, dass die Verhaltensflexibilität bei den meisten Menschen allerdings sehr gering ausgeprägt ist. Sie tun immer dasselbe, unabhängig davon, ob es funktioniert oder nicht.

Das ist übrigens eine völlig normale Reaktion des Gehirns. Ihr Gehirn ist so konzipiert, dass es die Dinge, die es kennt und einsortieren kann, bevorzugt. Und zwar unabhängig vom Inhalt oder der Qualität. Neue Informationen lehnt es zunächst ab. Denn Neues zu lernen verbraucht viel mehr Energie als Bekanntes zu verarbeiten. Vielleicht erinnern Sie sich, wie Sie sich das letzte Mal gefühlt haben, nachdem Sie sehr viel Neues gelernt haben.

Im Neurolinguistischen Programmieren (NLP) geht es im Grunde immer darum, Optionen zu erweitern und damit die Flexibilität zu erhöhen. Je mehr Möglichkeiten Sie haben, anders (flexibler) auf andere Menschen, neue Situationen oder Herausforderungen zu reagieren, desto leichter wird es Ihnen natürlich fallen. Sie können Ihre Flexibilität erweitern, indem Sie zum Beispiel wirklich jeden Tag ganz bewusst etwas Neues machen. Fahren Sie zum Beispiel einen anderen Weg zur Arbeit, sprechen Sie mit Menschen, mit denen Sie noch nie ein Wort gewechselt haben, oder essen Sie etwas anderes zu Mittag als sonst. Es ist nicht wichtig, was Sie jeden Tag anders machen; wichtig ist, dass Sie jeden Tag etwas anders machen.

Darüber hinaus gilt: Wenn das, was Sie tun, nicht funktioniert (um das festzustellen, braucht es das nötige Maß an Aufmerksamkeit), dann tun Sie etwas anderes. Es kann sein, dass Sie nicht immer wissen, was Sie stattdessen machen sollen. Dann können Sie Ihr Verhalten so lange verändern, bis Sie etwas finden, das funktioniert.

… handeln aus einer Physiologie und Psychologie von Exzellenz

Dass Körper und Geist ein System sind, ist keine Neuigkeit. Erfolgreiche Menschen erkennt man oft an ihrer Haltung und daran, dass sie auf ihren generellen physischen Zustand achten. Haltung, Aufmerksamkeit und Zustand beeinflussen sich gegenseitig. Wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit auf etwas Positives richten, ändert sich auch Ihre Haltung und Ihre Emotion und vice versa.

Zustandsmanagement ist ein wichtiges Stichwort, wenn es um Exzellenz geht. Hierbei geht es darum, dass Sie Ihren Mentalzustand gezielt verändern können, damit Sie in jeder Situation im bestmöglichen Zustand sind.

Wie Sie schnell in einen ressourcenvollen Zustand gehen und ihn nutzen:

Nehmen Sie sich ein paar Momente und denken Sie an alle jene Gründe, warum Sie heute schon eine erfolgreiche Frau oder ein erfolgreicher Mann sind.

Nicht notwendigerweise im Bereich Finanzen, sondern in Bezug auf alle Dinge, für die Sie jetzt dankbar sein können. Vielleicht für die Liebe und Zuneigung, die Ihnen andere Menschen in Ihrem Leben geben. Oder für materielle Annehmlichkeiten, die Sie heute genießen und die vor fünf, zehn oder zwanzig Jahren nicht möglich gewesen wären. Möglichkeiten und Freiheiten, die Sie heute haben, die sich Ihre Großeltern nicht einmal hätten vorstellen können.

Assoziieren Sie sich in alle diese Dinge hinein, für die Sie dankbar sind. Vielleicht nehmen Sie wahr, wie sich Ihr emotionaler und mentaler Zustand schon verändert. Von diesem Zustand aus betrachtet: Welche Ideen, Handlungen oder Arten, mit anderen zu interagieren, werden Ihnen in Zukunft helfen, noch erfolgreicher zu sein?

Die Struktur entscheidet

Was glauben Sie, wie viele (vorher arme) Lottogewinner ihren Gewinn als Sprungbrett in ein anderes Leben nutzen? David Lee Edwards gewann 2001 rund 41 Millionen US Dollar. Fünf Jahre später hatte er alles ausgegeben. Damit ist er kein Einzelfall. Man geht davon aus, dass 80 Prozent aller Lottogewinner (und damit ist der Gewinn eines sechs- und siebenstelligen Betrags gemeint) nur zwei Jahre nach dem Gewinn wieder genauso arm oder reich sind, wie sie es vorher waren. Keiner von ihnen hätte gedacht, dass es noch mal so kommen würde.

Und es gibt Menschen, die immer wieder erfolgreiche Unternehmen aufbauen und Geschäfte abschließen. Am Anfang noch, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, später nur noch zum Spaß. Ein Beispiel ist der Unternehmer Oliver Beste, der zahlreiche Unternehmen gegründet und aufgebaut hat. Auch die Samwer-Brüder (deutsche Internet-Unternehmer) fallen in diese Kategorie.

Der Unterschied liegt in der Struktur. Wenn Sie wissen, was Sie wollen, ins Handeln kommen, aufmerksam und flexibel sind und die Dinge tun, die funktionieren, ist alles möglich. Wenn Sie schlechte Strategien unverändert lassen, erreichen Sie nicht mehr und nicht weniger als vorher. Nicht einmal, wenn Sie plötzlich mehrere Millionen auf dem Konto haben.


  Über die Autorin

Swantje Allmers ist studierte und mehrfach ausgezeichnete Betriebswirtin. Sie arbeitet als Unternehmensberaterin, Coach und NLP-Trainerin in Hamburg. Die Frage, was Menschen erfolgreich macht, ist ein entscheidender Bestandteil ihrer täglichen Arbeit, in der sie Menschen und Unternehmen dabei unterstützt, ihre Ziele zu erreichen. Mehr Informationen zu ihren NLP-Seminaren finden Sie hier.