Podcast »Apropos Psychologie!«

Podcast-Folge 33: Apropos … Ärger!

Der Sohn hat sein Zimmer wieder nicht aufgeräumt, die Freundin verschiebt das Treffen zum zigsten Mal oder man selbst will es sich gerade auf der Couch gemütlich machen und stößt die volle Tasse Kaffee um … Irgendetwas gibt es ja immer, was uns nervt, unsere Gewohnheiten stört oder richtig wütend macht!  Wie können wir lernen mit Konflikten oder Anlässen, die uns zum Ärgern bringen, so umzugehen, dass wir gelassener durchs Leben gehen?

Ärger gehört zum Alltag

Barbara Gerhards

Barbara Gerhards

„Er ist eine Rückmeldung dafür, ob ich mit einer Situation zufrieden bin oder nicht“, so Barbara Gerhards: „Ärger zeigt mir, was mir eigentlich wichtig ist.“ Damit gehört diese Emotion für sie zum großen Feld der Selbstfürsorge. Denn wer sich ärgert, hört die eigene Stimme nicht!

Ihre Strategie: Den Ärger-Anlass erkennen und prüfen. – Ist er ein externer Anlass, an dem ich nichts ändern kann, oder ein Ärger-Anlass, den ich selbst beeinflussen kann? Die Unterscheidung ist dabei das Schwierigste, denn natürlich neigen wir dazu, den Anlass für unseren Unmut oder unsere Wut beim anderen zu suchen oder in äußeren Umständen. Aber ist das so?

Im zweiten Schritt gilt es zu ergründen, was hinter dem Ärger steckt: Warum ärgert mich denn etwas so maßlos? Was hätte ich stattdessen gern? Was würde mir guttun?

Wer also weiß, was ihn ärgert und warum, kann zum letzten Schritt übergehen: Loslassen und akzeptieren oder die Dinge, die stören, ändern. Hier, so die Erfahrung von Barbara Gerhards, hängen aber viele weiter am „Ärger-Haken“. Wie wir lernen können, ohne Zorn und Wut wieder mehr Lebensqualität zu genießen, das erklärt sie in der neuesten Folge von „Apropos Psychologie!“

 

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Barbara Gerhards ist Volkswirtin und seit mehr als 10 Jahren selbstständig als zertifizierte Coachin, Trainerin und Speakerin tätig. Unter der Marke „AntiÄrger Akademie“ bietet sie deutschlandweit AntiÄrger-Kurse, -Webinare, -Coaching und -Vorträge an. Siehe www.anti-ärger.com

Wer die drei Schritte, sich vom Ärger zu befreien, nochmal nachlesen möchte, findet Anleitung und Übungen dazu in ihrem Buch: „Das Anti-Ärger-Buch“ (Junfermann 2021)

3 Kommentare
  1. Marion Heier
    Marion Heier sagte:

    Lieber Herr Taube,

    erst einmal: ich bin total glücklich über Ihren Kommentar, weil er mir zeigt, dass der Podcast doch etwas anregen und vielleicht sogar bewirken kann. Danke für Ihr Feedback und mir ist es als Moderatorin so ergangen wie Ihnen. Trotz der Vorbereitung – ich erstelle mir in der Regel anhand des Buchmaterials immer einen Fragebogen – ergibt sich im Gespräch immer etwas Neues, das mich bereichert. Die drei Ärger-Schritte von Frau Gerhards sind ein absolut praktisches Tool, mit dem ich mich immer wieder hinterfragen kann, wenn der Ärger in mir kocht. Und ja, der Ärger ist hausgemacht, er kommt von innen. Er manifestiert sich an Werten, an Grundsätzen, an etwas Erlebtem, das wir hinterfragen sollten. So sehe ich es. Und wie oft verfallen wir der Einfachheit in das von Ihnen besagte Schwarz-Weiß-Muster. Das ist schade. Andererseits ist es – letztendlich sicher auch im Sinne der GfK – eine Herausforderung für uns alle, den gesellschaftlichen Umgang positiv zu gestalten.

    Herr Taube, Danke!

    Ein herzlicher Gruß,
    Marion Heier

    Antworten
  2. Saskia Thiele
    Saskia Thiele sagte:

    Hallo Herr Taube,

    ich gehöre zum Redaktionsteam von „Apropos …. Psychologie!“ und habe den Blogtext oben zum Podcast mit Barbara Gerhards geschrieben. Freut mich sehr, dass Ihnen der Podcast gefallen hat! 🙂

    Jetzt horche ich gerade in mich hinein, was mich eigentlich so richtig auf die Palme bringt. Denn viel ist das nicht: Leben und leben lassen!

    Solange niemand ungebeten, dauerhaft oder wiederholt die Grenzen des anderen überschreitet, gibt es m.E. ausreichend Raum für jeden einzelnen von uns. Jedes Verhalten hat einen bestimmten Grund, eine Ursache, die individuell ist – in der GFK spricht man da vielleicht von den Bedürfnissen? –; diesen Grund versuche ich nachzuvollziehen, wenn ich ihn kenne, und akzeptiere das. Und wenn ich die Ursache für ein bestimmtes Verhalten nicht kenne, respektiere ich, dass jemand eben anders denkt, fühlt, handelt als ich es tue – selbst, wenn er mir damit schadet.
    Da ist für mich übrigens ein wichtiger Aspekt: Ich werde nämlich durchaus wütend, wenn jemand Schaden erleidet, der sich nicht dagegen wehren kann: Kinder z.B. oder Menschen, denen aufgrund sprachlicher Barrieren die Möglichkeit genommen ist, sich zum Ärger-Anlass zu äußern. Aber das ist ein anderes Thema, und ungebetene Hilfe kann wiederum zum Ärgernis werden.

    „Es ist, wie es ist!“, sage ich mir sehr oft. Dinge, die mich stören, versuche ich behutsam zu ändern. Wenn das nicht möglich ist, oder die, nehme ich die Situation an, wie sie eben ist, und beende meinen Unmut darüber sehr schnell. Mich längere Zeit von einem „externen“ Anlass ärgern zu lassen, nimmt Zeit in Anspruch, die ich viel lieber mit schönen Dingen fülle oder füllen lasse.

    Barbara Gerhards Unterscheidung zwischen externen Ärger-Anlässen und denen, die wir selbst beeinflussen können, finde ich (zumindest für alle nicht GFK-Geübten) für den ersten Schritt des Umgangs mit Ärger sehr hilfreich: Wir sortieren und strukturieren damit erstmal die Situation; versachlichen, was uns emotional so angerührt hat. Mit etwas mehr Distanz lässt sich das Erlebte dann durchaus auch wieder emotional einordnen.

    Ich stimme absolut zu, Herr Taube, dass der Grund für Ärger letztlich immer unsere persönliche Sicht auf die Dinge ist. Ich habe die Wahl: Möchte ich wohlwollend und großzügig auf mich und andere blicken oder lasse ich mich von z.B. Misstrauen und vorgefassten Bildern leiten?

    Wenn das Sollte-Denken, wie Marshall B. Rosenberg sagt, uns im Weg steht: Wie kann ich es denn überwinden, Herr Taube?

    Viele Grüße
    Saskia Thiele

    Antworten
  3. Michael Taube
    Michael Taube sagte:

    Danke für diesen wundervollen Podcast!

    Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viel Ärger in uns ist, den wir oft nicht richtig ausdrücken. Einfach, weil wir es nicht gelernt haben.

    Wenn wir ärgerlich oder wütend sind, dann geben wir schnell anderen die Schuld für unsere Gefühle. Dabei sind wir doch für all unsere Gefühle selbst verantwortlich.

    Ich denke, die drei Schritte, die Frau Gerhards anspricht, sind für viele Menschen eine große Hilfe, um sich selbst erst einmal ihres Ärgers bewusst zu werden, ihn zu hinterfragen und zu verändern.

    Mir persönlich hat im Umgang mit Ärger die Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg geholfen. In der GFK sind wir der Auffassung, dass es immer unser eigenes Denken ist, dass uns wütend oder ärgerlich macht. Erst durch unser Denken, also wie wir eine Situation bewerten, werden wir ärgerlich. Insofern gibt es meiner Ansicht nach keinen externen Grund. Der Grund für unseren Ärger liegt in unserer Art zu Denken. Dem Sollte-Denken, wie Marshall Rosenberg es bezeichnete.

    Doch das ist für die meisten Menschen erst einmal schwer zu akzeptieren, da es in unserer Wolfskultur eben leichter ist in richtig-falsch, gut-böse und schuldig-unschuldig zu denken.

    Wo sehen sie die Gründe für Ärger Frau Stephan / Frau Heier?

    Mit freundlichen Grüßen
    Michael Taube

    Antworten

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