Sommerzeit – Winterzeit: Wie wirkt sich die Zeitumstellung auf unseren Schlaf aus? Ein Interview mit Konstanze Wortmann

Über den Sinn der alljährlichen Zeitumstellung – im Frühjahr eine Stunde vor, im Herbst eine Stunde zurück – wird viel gestritten. Ursprünglich zum Zweck der Energieeinsparung eingeführt, mehren sich die Stimmen, die negative gesundheitliche Auswirkungen dieser Maßnahme befürchten.
Im Folgenden kurzen Interview nimmt die Schlafexpertin Konstanze Wortmann Stellung zum Thema Sommerzeit – Winterzeit.

 

In der Nacht von Samstag auf Sonntag konnten wir unsere Uhren eine Stunde zurückstellen. Eine Stunde mehr Schlaf also in dieser Nacht. Was sagen Sie als Schlafexpertin dazu?

Erst einmal habe ich Mitgefühl mit den Menschen, die in dieser Nacht arbeiten und dadurch in der Regel eine Stunde länger ihren Dienst tun. Menschen in den Krankenhäusern, Zugbegleiter, Polizistinnen und Polizisten, Menschen in der Fertigung.
Von Samstag auf Sonntag eine Stunde mehr Schlaf hört sich sehr komfortabel an. Dies verstärkt jedoch eigentlich nur den Sonntag-Montag-Jetlag. Generell wird die Nacht von Sonntag auf Montag hinsichtlich ihrer Schlafqualität als schlechter bewertet. Man ist noch relativ gut ausgeschlafen vom Wochenende, geht früh ins Bett um am Montag wieder fit zu sein. Doch während des Einschlafens türmt sich die Arbeitswoche vor dem geistigen Auge auf – und der Schlaf will nicht kommen. Von dieser schlechten Nacht gerädert, beginnt man montags seinen Arbeitsalltag.
Deshalb wird m.E. die Zeitumstellung zusätzlich als belastend wahrgenommen.

 

Die eine Stunde im Frühjahr, die uns bei der Umstellung auf die Sommerzeit „geklaut“ wird, empfinden viele Menschen als schlimm. Dabei ist es doch nur eine Stunde. Welche Auswirkungen hat das auf unseren Organismus?

Unsere „innere Uhr“ folgt immer den gleichen natürlichen Gesetzen. Organisch soll diese innere Uhr im suprachiasmatischen Nucleus verortet sein. Das ist ein kleines Bündel von Zellen im Gehirn, in der Nähe der Sehnervenkreuzung. Neue Erkenntnisse sprechen dafür, dass die innere Uhr in jeder Körperzelle „informiert“ ist. Zudem wird sie beeinflusst durch das Licht, soziale Gewohnheiten und unsere Mahlzeiten.
Unser Organismus ist recht flexibel und anpassungsfähig. Die Zeitumstellung irritiert ihn kurz in seiner natürlichen Rhythmik, dann aber setzen sich die natürlichen Vorgänge wieder durch – solange es bei dieser einen Stunde bleibt. Problematisch ist daran, dass der Alltag uns häufig nicht die Möglichkeit gibt diesen Anpassungsprozess zu unterstützen. Und das ist es, was dann eigentlich als schlimm empfunden wird.
Und grundsätzlich git: Ein Leben gegen unsere innere Uhr, bzw. die Ignoranz dieses inneren Taktgebers, macht auf die Dauer krank.

Merken Sie die Zeitumstellung auch in Ihrer Arbeit in der Schlafschule?

Nein, die Zeitumstellung ist für unsere Schlafschüler nicht das Problem. Sie leiden vorwiegend unter den Grübeleien während der Wachliegezeiten in der Nacht. Deshalb werden sie auch darin ermuntert, das Bett sofort zu verlassen, falls sie wachliegen und grübeln. Damit soll der Organismus das Grübeln in der Horizontalen wieder verlernen.

 

Gibt es überhaupt irgendeinen guten Grund für die Zeitumstellung?
Da fällt mir persönlich nur das gemütliche Zusammensein mit Freunden im Sommer zu später Stunde auf der Terrasse ein, wenn es noch lange hell ist.

Konstanze Wortmann

Konstanze Wortmann, fachliche Leitung der Schlafschule-Unna, Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin, Kinesiologin, Hypnotherapeutin, niedergelassen in eigener Praxis, Sounder Sleep System-Senior Teacher, Dozentin in der kollegialen Fortbildung und Erwachsenenbildung im Gesundheitsbereich sowie in der betrieblichen Gesundheitsförderung.
Im September 2015 erschien bei Junfermann ihr Buch Wege in den erholsamen Schlaf.

Raus aus dem Tief

Wie wir in schwierigen Zeiten unser Leben wieder auf Kurs bringen können

Von Sabine Claus

„Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“

(Max Frisch)

Ereignisse wie die Kündigung des Arbeitsplatzes, eine nicht bestandene Prüfung, eine Trennung, Krankheit oder der Tod eines geliebten Menschen können uns vollkommen aus der Bahn werfen. Nichts ist mehr so, wie es vor dem Ereignis war.

Vielleicht durchleben auch Sie gerade eine schwierige Zeit. Vielleicht gab es ein negatives Ereignis, das Ihre bisherigen Pläne, Ziele und Wünsche beeinflusst. Vielleicht fühlen Sie sich aber auch scheinbar ganz ohne Grund energie- und kraftlos.

Die Art und Weise, wie wir ein einschneidendes Ereignis verarbeiten, ist individuell höchst unterschiedlich. Viele Menschen erleben einen Zusammenbruch, von dem sie sich über Monate oder sogar Jahre nicht erholen können. Ihre Genesung scheint blockiert. Das Leben hat an Ausrichtung verloren. Die innere Verbindung zu dem, was man sich wünscht und einem guttun könnte, ist unterbrochen. Diese Verbindung gilt es wieder herzustellen, und die große Frage lautet natürlich: Wie kann dies gelingen?

Leichter gesagt als getan: liebevoll mit sich selbst umgehen

Menschen, die gerade eine Krise durchleben, haben nicht nur mit der Situation an sich zu kämpfen, sondern vor allem mit sich selbst. Zur Tragik der Situation addiert sich die Selbst-Verurteilung. Sätze wie „Ich bin nichts mehr wert“, „Ich kriege ja gar nichts auf die Reihe“ oder „Ich falle anderen zur Last“ bestimmen ihr Denken. Doch was bewirken solche Gedanken? Bei genauerer Betrachtung erkennen wir: Sie tun weder gut, noch ermöglichen sie eine Veränderung der Situation. Selbst-Verurteilung bewirkt nur Leid oder sogar die Verschlimmerung des Leidens.

Wie wohltuend wäre es hingegen, sich in Krisenzeiten selbst eine gute Freundin, ein guter Freund zu sein? Selbst wenn es nicht danach aussieht: Hier bestehen echte Wahlmöglichkeiten! Verurteile ich mich für mein Schwachsein? Oder stehe ich mir selbst verständnisvoll bei? Die achtsame Fürsorge für sich selbst ist eine Frage des Bewusstseins und lässt sich einüben. Ein solcher liebevoller Umgang mit seinem eigenen Selbst beinhaltet beispielsweise das behutsame Erspüren eigener Bedürfnisse und Wünsche, die durch seelisches Leid verschüttet sind.

Akzeptanz der Krisensituation: der erste Schritt hinaus aus dem Tief

Wie können wir den Zugang zu unseren Wünschen wieder herstellen, wenn durch Kummer, Sorge und Schmerz alles dumpf geworden ist? Auch wenn es in solchen Zeiten paradox anmutet, kann man es nicht oft genug wiederholen: Wir haben immer die Wahl. Bestrafe ich mich selbst mit Verurteilung und Selbstanklage? Verharre ich in Erstarrung und fühle mich als Opfer der Umstände? Oder bin ich sorgsam mit mir selbst und meinen Bedürfnissen?

Es kann (und darf) einige Zeit in Anspruch nehmen, um zu der Entscheidung zu gelangen, dass sich am jetzigen bodenlosen Zustand etwas ändern soll.

Der erste Schritt besteht im Akzeptieren der momentanen Situation. Im Allgemeinen fällt es uns schwer, das Beängstigende, das Traurige, das Mutlose oder was auch immer es ist, das uns am Boden hält, anzunehmen. Es ist uns fremd. Wir wollen es nicht haben. Es macht uns Angst. Es lähmt uns. Da wir in unserer auf Tempo und Erfolg getrimmten Gesellschaft vor allem gelernt haben, Schritt zu halten und „zu funktionieren“, steht uns in schwerer Zeit wenig Orientierung zur Verfügung. Viele Menschen haben verinnerlicht, dass Schwäche und ein Gefühl des Nicht-mehr-Weiterwissens nicht zu ihnen selbst gehören dürfen. Redewendungen und Floskeln wie „Das wird schon wieder!“ oder „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ werden zwar von Mitmenschen in guter Absicht ausgesprochen, bewirken jedoch meist das Gegenteil: Sie verhindern, dass wir das Schwere annehmen, und führen dazu, dass wir wegsehen, ignorieren, nur noch eine Rolle spielen und nicht mehr wir selbst sind.

Wenn wir mit der Schwere in Kontakt treten, wird es leichter

Stellen wir uns das Schwere wie eine leibhaftige Person vor, die uns sehr nahe steht. Wie würde sich diese Person fühlen, wenn wir sie nicht ernst nehmen, ignorieren oder wegdrängen würden? Es würde ihr wohl noch schlechter gehen. Sie würde vielleicht weinen und uns in der Hoffnung auf Trost hinterherlaufen. Oder sie würde resignieren, sich von uns abwenden und in uns als ungutes Gefühl und schlechtes Gewissen weiterleben. Wann würde es der Person besser gehen? Wenn wir sie in ihrem Kummer ernst nehmen würden, sie liebevoll umarmen, ihr zuhören, sie ohne gute Ratschläge trösten, einfach für sie da sein würden. Deshalb sollten wir versuchen, so viel wie möglich über das Dunkel in uns zu erfahren. Und das gelingt uns nur, wenn wir es als einen Teil von uns selbst annehmen. Als einen Teil, der uns vielleicht unbekannt ist oder uns Angst macht. Denn nur, was angenommen ist, kann wieder losgelassen werden.

Zurück ins Leben durch Klagen und Trauern

Wie aber kann uns der Umgang mit dem Schweren gelingen? Wie kann Akzeptieren aussehen? Offen ausgelebte Trauer hat in unserer Gesellschaft leider kein gutes Image. Dennoch ist es wichtig, seinen Raum für das Trauern und Klagen zu finden, um anschließend wieder frei für das Leben zu werden. Zugleich müssen wir hier bewusst eine Unterscheidung treffen: Denn Klagen oder Trauern hat nichts zu tun mit lautem oder innerlichem Jammern. „Jammern als Dauerzustand, um nichts verändern zu müssen. Jammern, um meine Verwandlungsmöglichkeiten gar nie ausschöpfen zu wollen. Jammern, um mir und anderen zu bestätigen, dass es da nichts zu machen gibt“, wie es der Theologe Pierre Stutz in seinem Buch Alltagsrituale beschreibt (Stutz, 1998, S. 54). Und er weiß: „Eine lebensfördernde Haltung steckt dagegen im Klagen.“

Zwischen Jammern und Klagen besteht ein Unterschied. Das Klagen drückt vor allem Schmerz aus, während das Jammern bzw. das Sich-Beklagen ein Ausdruck von Unzufriedenheit ist. Klagen schließt nur gelegentlich eine Schuldzuweisung mit ein, während Jammern implizit oder explizit eine Beschuldigung enthält. Beim Jammern werden andere oder eine Sache für den eigenen Missstand verantwortlich gemacht. Im Unterschied zum Jammern verfolgt das Klagen ein Ziel: Es ist ausdrucksstark und ein bewährtes System, der Trauer oder Enttäuschung Luft zu machen, um anschließend einen Schritt weiter zu gehen. Das Prinzip des Klagens: „Ich erzähle dir von meinen Sorgen, löse sie aber allein.“ Beim Jammern hingegen kann es heißen: „Ich bin so arm dran, andere oder die Umstände sind daran schuld.“ Jammern kann der Selbstdarstellung dienen, während Klagen vor allem Erleichterung schaffen soll.

Wenn wir uns das Klagen dauernd verbieten, wird es sich durch den Hintereingang wieder anschleichen. Das Grübeln wird nicht aufhören, der Kopf wird nicht frei werden. Wer hingegen bewusst klagt, nimmt das Schwere in sich und damit sich selbst in seiner Ganzheit an. Das ist die Voraussetzung dafür, auch wieder loslassen zu können.

Inseln des Klagens begünstigen das Loslassen

Bitte probieren Sie die erleichternde Wirkung des Klagens selbst aus. Stellen Sie sich hierfür z. B. eine Ihnen wohlgesonnene Person vor oder richten Sie Ihre Klagen an Gott, an eine höhere Macht oder Mutter Erde. Sprechen Sie laut und so lange, bis Sie sich „ausgeklagt“ haben. Das kann eine Minute dauern oder eine halbe Stunde oder länger. Sie werden sich anschließend erleichtert und freier fühlen. Außerdem werden Sie auch besser diejenigen Dinge erkennen können, über die Sie sich freuen oder für die Sie dankbar sind. Ihre Empfindungen werden wieder lebendiger und konturenreicher werden.

Nachfolgend finden Sie einige weitere Inspirationen, die das Annehmen des Schweren erleichtern und damit den Prozess des Loslassens begünstigen:

  •  Planen Sie sich bewusst Zeiten des Trauerns und des Klagens am Tag ein und gehen sie dann auch wieder zu anderen Dingen über. Diese geplanten Trauerräume helfen, zum einen der Trauer wirklich Raum zu geben und zum anderen nicht in ihr zu versinken.
  • Richten Sie sich nach dem Tod eines geliebten Menschen einen Ort ein, wo ein Foto oder ein Symbol, das Sie verbindet, steht. Zünden Sie regelmäßig eine Kerze an oder stellen Sie eine Blume auf, um Ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen.
  • Schauen Sie sich gemeinsam mit anderen Fotos der vergangenen Zeit an, die Sie betrauern. Weinen Sie und lachen Sie gemeinsam.
  • Geben Sie bei einer Trennung oder Kündigung Gegenstände, die Sie an den Menschen oder die alte Stelle erinnern und die Sie nicht mehr bei sich haben möchten, bewusst zurück oder weg.
  • Falls Sie bemerken, dass Sie nicht richtig trauern können, ihnen die Tränen versagen, obwohl sie weinen möchten, können Sie sich einem Musikstück hingeben. Es kann sehr befreiend sein, über einen bestimmten Zeitraum hinweg seinen Emotionen freien Lauf zu lassen.

Wie lange die Zeit des Klagens und Trauerns ist, die wir benötigen, um loslassen zu können, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Beim Tod eines geliebten Menschen spricht man vom Trauerjahr. Auch Krankheit, eine (berufliche oder private) Niederlage, Trennungen oder Kündigungen benötigen Zeit, um sie zu begreifen und anzunehmen. Was gerade an der Zeit ist, können nur wir selbst erspüren.

Klagen in Wünsche verwandeln, um dem Leben wieder Richtung zu geben

Nur Sie allein wissen, wann der richtige Moment gekommen ist, um einen neuen Schritt zu gehen. Wenn wir merken, dass sich in schwerer Zeit etwas in uns regt, können wir über unser Klagen eine neue Verbindung zu unseren inneren Wünschen herstellen. Denn hinter jeder Klage liegt auch ein Wunsch verborgen.

Wenn wir eine schwere Krankheit beklagen, verbirgt sich dahinter vielleicht der Wunsch, einen tieferen Sinn darin zu erkennen. Wenn wir den Tod eines geliebten Menschen beklagen, entsteht vielleicht nach einer Phase des Trauerns der Wunsch, die gemeinsam verbrachte Zeit in dankbarer Erinnerung zu bewahren. Wenn wir eine Trennung beklagen, könnte es sein, das sich nach einer gewissen Zeit der Wunsch nach persönlicher Weiterentwicklung in uns regt. Wer den Verlust seines Arbeitsplatzes beklagt, der aufgrund einer Umstrukturierung wegrationalisiert wurde, wünscht sich neben der Sicherung seiner materiellen Existenz vielleicht auch mehr Einflussmöglichkeiten und eigene Gestaltungsspielräume.

Manchmal benötigt es auch (professionelle) Hilfe, um diese Verbindung zu den eigenen Wünschen wieder herstellen, um wieder in einen liebevollen Dialog mit sich selbst treten zu können. Suchen Sie sich diese Unterstützung, denn Sie tragen die Verantwortung für sich!

Die Chance in schwerer Zeit: mit uns selbst vertrauter werden

Die Zeit des Trauerns und Klagens trägt demnach die große Chance in sich, uns mit unseren tiefsten Wünschen noch vertrauter zu machen, uns selbst noch besser kennenzulernen und unser Leben neu ausrichten zu können.

Um die Wünsche hinter unserem Klagen zu erfassen, können wir zunächst unsere Klagen aussprechen und aufschreiben.

„Ich beklage, dass … Außerdem beklage ich, dass …“

Anschließend können wir vorsichtig und aufrichtig versuchen, unsere tiefen und wahren Wünsche zu ergründen, die hinter jeder Klage verborgen sind.

„Ich beklage, dass … und zugleich wünsche ich mir …“

Diese Arbeit kann sehr intensiv sein. Möglicherweise führt sie uns sehr nah zu uns selbst und auf den Grund unserer Seele.

Man könnte sich eine Liste mit den Wünschen, die sich hinter unseren Klagen verstecken, anlegen. Nach und nach sollten wir prüfen, welche dieser Wünsche wir loslassen möchten oder vielleicht sogar müssen. Alles, was unerfüllbar oder unwiederbringlich verloren ist, und alles, was uns noch daran bindet, dürfen wir loslassen. Um den Prozess des Loslassens zu erleichtern, bietet sich ein Ritual an, z. B. das Verbrennen der aufgeschriebenen unerfüllbaren Wünsche auf Papier oder auf Holz.

Ein belgisches Sprichwort kann beim erneuten Prüfen unserer Wunschliste hilfreich sein: „Die hilfreichste Hand hängt an deinem eigenen Arm.“ Welchen Wunsch können wir uns aus eigener Kraft erfüllen? Die Erfüllung welchen Wunsches wäre realistisch? Die Erfüllung welchen Wunsches würde das Leben erhellen und vielleicht sogar glücklich machen?

Nun geht es darum, den ersten Schritt zu tun. Sich selbst einen kleinen Wunsch zu erfüllen ist der erste Schritt raus aus dem Tief, zurück in ein selbstbestimmt und bewusst geführtes Leben.

 

Mehr zum Thema Wunscherfüllung können Sie in „Mein allerbestes Jahr – Ziele erreichen, dem Leben Richtung geben“ lesen, das ab dem 23. Oktober 2015 im Handel erhältlich ist.

Haben Sie direkt Fragen? Oder Anmerkungen, was Ihnen dabei geholfen hat, schwere Zeiten zu meistern? Dann schreiben Sie uns. Wir freuen uns auf einen Austausch.


 

  Über die Autorin

Sabine Claus ist Master of Advanced Studies in Coaching & Organisationsberatung und Dipl. Betriebswirtin (BA). Seit 1998 im Berufsleben stehend und seit 2001 als Beraterin tätig, hat sie mehr als 5000 Menschen in rund 100 Organisationen begleitet. Sie hilft Teams in Veränderungsprozessen und unterstützt Menschen in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung. Weitere Informationen finden Sie unter www.sabineclaus.ch oder www.meinallerbestesjahr.ch.

Frankfurter Buchmesse 2015: The same procedure as every year?

Gibt es eigentlich noch irgendetwas Berichtenswertes von der Frankfurter Buchmesse, über das wir nicht hier im Blog schon viele Male geschrieben hätten? – Wir waren dort, hatten viele Gespräche, Autorinnen und Autoren haben uns am Stand besucht …

Etwas in diesem Jahr war schon anders, denn die diesjährige Messe wurde uns als eine Messe der kurzen Wege angekündigt. Die etwas weiter draußen liegende Halle 8 war nicht belegt und die dort traditionell ausstellenden fremdsprachigen Verlage waren erstmals in den Hallen 4 und 6 untergebracht worden. Und für mich, die früher viele Termine in Halle 8 hatte, waren die Wege tatsächlich etwas kürzer. Allerdings: Hatte ich früher alle Kontaktpersonen unter einem Dach, so musste ich nun zwischen den Hallen 4 und 6 pendeln.

Junfermann-Messestand 2015

Doch wie gefiel es den Austellern selbst? Neugierig fragte ich meine Gesprächspartnerinnen und -partner. Ziemlich gut gefiel es den Kolleginnen von Taylor & Francis. Als viel belebter empfand es Kathy Kuehl von Guilford. Und Dorothy Smyk von New Harbinger meinte, mehr im Herzen der Messe gelandet zu sein. Sie vermisse allerdings den – wenn auch geringen – Einfall von Tageslicht aus Halle 8.

Durch die Neu- und Umverteilung der Standplätze waren auch viele deutsche Verlage nicht mehr an der gewohnten Stelle zu finden. Blind drauf zulaufen, wie in den zurückliegenden Jahren, war nicht mehr, auch nicht für alte Messehäsinnen wie mich.

Gastland Indonesien

Neu ist in jedem Jahr auch der Gastlandauftritt. In diesem Jahr wurde uns Indonesien vorgestellt, mit seinen mehr als 12.000 großen und kleinen Inseln. Hätten Sie auf Anhieb indonesische Autorinnen oder Autoren nennen können, vor oder nach der Buchmesse? – Mehr Gewürze, mehr Tourismus, Natur und traditionelles Schattenspiel, weniger Literatur: Das ist mein Fazit nach dem Besuch der Indonesienpräsentation.

Doch natürlich gab es – wie in jedem Jahr – viele Gespräche, darunter auch sehr

Monika Köster und Antje Abram

interessante. Am Freitag besuchten uns viele Autorinnen und Autoren: Antje Abram war da, Horst Lempart, Michael Huppertz und Fabienne Berg. Den kürzesten Weg hatte Christine Rost; sie kam mit dem Fahrrad. Und erstmals lernten wir Doris Klappenbach persönlich kennen, nachdem wir seit 10 Jahren mit ihr zusammenarbeiten. Auch aus etwas Altem können also manchmal neue Impulse hervorgehen, kann vielleicht Neues entstehen.

Horst Lempart freut sich über sein Buch am Messestand

Mein Abend beim Meister der Mimik – Dirk W. Eilerts Vortrag in der Fachbuchhandlung Lehmanns

Von Fabienne Berg

Montag, 5.Oktober, 19:00 Uhr. Der Abend ist mild. Ich stehe auf dem Bürgersteig und orientiere mich. Unter meinen Füßen vibriert plötzlich der Boden. Spürbar saust die U-Bahn durch die Tunnel unter der City. Dazu das rhythmische Ratatatam der Straßenbahn. Autoreifen quietschen, ein Hupkonzert folgt. Drei Meter weiter diskutiert eine kleine Gruppe Punks über die Flüchtlingspolitik. Mit wehender Krawatte eilt ein Geschäftsmann an ihnen vorbei – in der einen Hand das iPhone, in der anderen ein asiatisches Schnellgericht. Ein ausgespuckter Kaugummi stoppt ihn. Er flucht recht unfein und steht für einen Moment auf einem Bein. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sitzen zwei junge Touristinnen auf ihren Rucksäcken und essen Pizza. Ich bin in Berlin. Mein Ziel: die Buchhandlung Lehmanns in der Friedrichstraße. Der Grund: Dirk W. Eilert, bekannter „Gesichterleser“ und Autor des Junfermann Verlags, hält dort seinen Vortrag: „Nie wieder Tomaten auf den Augen – Was Mimik über unsere Gefühle verrät“. Ich bin gespannt, lasse den Friedrichstadtpalast hinter mir und gehe über die Straße. Dort ist die Buchhandlung. Eine Eintrittskarte habe ich schon.

Gegen 19:30 Uhr sind alle Plätze belegt. Das Publikum ist gut durchmischt: Frauen und Männer zwischen 20 und 70 Jahren aus verschiedenen Berufsgruppen: im Verkauf Tätige, Sozialpädagogen, Therapeuten und Trainer. Aber auch viele Menschen, die einfach privat am Thema interessiert sind, um ihre Beziehungen zu verbessern; die Beziehung zur Partnerin oder zum Partner, zu Kollegen, zu ihren Kindern oder schlicht zu ihren Mitmenschen.

Dirk Eilert beginnt seinen Vortrag mit einer Anekdote aus dem Urlaub: Er sitzt im Restaurant und erwartet ein bestimmtes Gericht. Rinderfilet mit frischem Gemüse. Doch statt des Gemüses liegt ein undefinierbares grünes Etwas auf seinem Teller. Angewidert rümpft er die Nase, sagt aber nichts. Glücklicherweise ist das Personal aufmerksam, deutet das Naserümpfen richtig und spricht ihn höflich darauf an. Wenige Augenblicke später wird ihm eine wundervolle Gemüsekomposition serviert.

 

Unsere Mimik ist schneller als unser Verstand, zuverlässsiger als unsere Gesten und das, was wir sagen. Und sie ist international, im Gegensatz zu vielen anderen Elementen der Körpersprache. Anhand interessanter und unterhaltsamer Videoaufzeichnungen führt der Gesichterleser das Publikum durch den Dschungel der Mikroexpressionen. Dabei erklärt Dirk Eilert nicht nur, sondern bindet seine Zuhörer aktiv in den Vortrag mit ein. Das Publikum bekommt für Sekundenbruchteile Gesichtsausdrücke gezeigt und muss spontan entscheiden, welches Gefühl hinter welchem Ausdruck steckt. Ist es Angst, Ärger, Freude oder Ekel? Zeigt eine Person echtes Interesse oder lächelt sie nur aus sozialer Höflichkeit? Deutet der Gesichtsausdruck von Jürgen Klopp darauf hin, dass Dortmund gewonnen hat oder verloren? Ist die junge Frau im Video an einem Flirt mit ihrem Gegenüber interessiert oder geht da gar nichts? Da Publikum sieht, lacht und rätselt – nach ein paar Übungen sogar mit relativ hoher Erfolgsquote. Gesichterlesen scheint kein Hexenwerk zu sein, sondern im Gehirn des Menschen angelegt und zudem recht gut aktivierbar.

 

Gesichterlesen alleine reicht nicht

Nachdem uns vor lauter Bildern schon die Augen flimmern und wir die meisten Gesichtsausdrücke richtig erkannt haben, kommt die ganz wichtige Botschaft: Unsere Mimik zeigt nicht, warum wir ein bestimmtes Gefühl haben. Sie zeigt lediglich, dass wir es haben!

Gesichterlesen ist gut und schön, doch um den nächsten Schritt aufeinander zu zu machen, müssen wir miteinander reden.

So wie auch der Kellner Dirk Eilerts Naserümpfen hinterfragt hat. Erst durch das Gespräch konnte die Irritation über das grüne Ding auf dem Teller aus der Welt geschafft und der Wunsch nach frischem Gemüse erfüllt werden.

Im Kern geht es beim Gesichterlesen darum, dass wir uns mehr miteinander beschäftigen. Dass wir auf uns und aufeinander achten. Diese Form der Aufmerksamkeit zeugt von ehrlichem Interesse füreinander. Dahinter stehen immer die Fragen: Wie geht es dir? Was fühlst du wirklich? Und was brauchst du gerade? Wenn wir den Antworten dieser Fragen näherkommen, können wir besser aufeinander eingehen. Dirk Eilert hatte in einem Interview einmal gesagt, sein Ziel sei es, mehr Empathie in die Welt zu bringen. Auf die Gesichtsausdrücke des anderen zu achten kann für uns – so wie auch die Gewaltfreie Kommunikation – ein hilfreiches praktisches Handwerkszeug dabei sein.

 

„Achten Sie im Alltag etwas mehr auf das Gesicht des anderen“

Am Ende des Vortrages – alle sind Feuer und Flamme – wird noch an ein Gewinnspiel angekündigt. Hauptgewinn: das Online-Kurspaket „Mimikresonanz“ mit Dirk Eilert, außerdem gibt es Bücher zu gewinnen.

Tosender Applaus vom Publikum und ein Hinweis der Buchhändlerin, dass die Ladenkasse noch geöffnet ist. Dirk Eilert verabschiedet sich mit den Worten von Eckart von Hischhausen zum attraktivsten und gesundheitsfördernsten Gesichtsausdruck, den wir haben: dem Lächeln. Von Hirschhhausen sagte dazu: „Wussten Sie eigentlich schon, dass Kinder ca. 400 mal am Tag lächeln? Erwachsene übrigens 15 mal … Und Tote? Nun, die lächeln gar nicht. Darüber lohnt es einmal nachzudenken.“

Überhaupt scheinen Kinder ganz offenbar die allerbesten Gesichterleser zu sein. Die Fähigkeit dazu steckt in unseren Genen. Wir kommen als Mimikexperten zur Welt. Doch durch Erziehung, Spracherwerb und bestimmte äußere und innere Faktoren verlernen wir diese wichtige Kompetenz wieder. Und mit dem Verlust der Gefühlserkennungskompetenz verlieren wir gleichzeitig ein großes Stück an Empathiefähigkeit. Das gilt es zurückzuerobern. Dirk Eilerts Tipp: Achten Sie im Alltag etwas mehr auf das Gesicht des anderen. Es wird die Qualität Ihrer Beziehungen entscheidend verbessern.

Na, wenn das keine Motivation ist!

Ich stöbere noch ein Weilchen in den Regalen – und werde fündig: Lesefutter für meine Rückreise. Übermorgen fahre ich wieder. Und  nehme mir für die Bahnfahrt fest vor, nicht nur das neue Buch, sondern vielleicht sogar in dem einen oder anderen Gesicht zu lesen. So viele Menschen über mehrere Stunden in einem Zug: der perfekte Nährboden für verschiedenste Emotionen, oder? Noch ein letzter Blick durch den Raum, dann trete ich aus der Buchhandlung heraus und wieder hinein in das Getümmel der Großstadt.

„Alles steht Kopf“: ein Gespräch mit Dirk W. Eilert zum neuen Disney-Film

Seit dem 1. Oktober 2015 läuft ein neuer Film aus der Disney-Pixar-Welt in unseren Kinos. Erwartungsgemäß tummeln sich auf der Leinwand einige bunte Figuren, die man einfach gern haben muss. Es gibt aber eine Besonderheit: Die Hauptfiguren sind fünf menschliche Basisemotionen: Freude, Wut, Angst, Ekel und Kummer. Sie leben im Kopf eines elfjährigen Mädchens.

Unser Junfermann-Experte für Fragen rund um das Thema Emotionen ist Dirk W. Eilert. In seinem Buch Mimikresonanz. Gefühle sehen – Menschen verstehen beschreibt er ebenfalls menschliche Basisemotionen und wie wir sie in der Mimik erkennen können.

 

Dirk W. Eilert

Herr Eilert, was mussten Sie tun, damit Disney Ihr Thema aufgreift und in einen Film verpackt ;-)?

[Lacht] Für mich ist dieser Film ein Ausdruck dafür, dass die Zeit reif für das Thema ist. Emotionen kommen immer mehr ins Gespräch. In der psychologischen Forschung des 20. Jahrhunderts waren sie eher ein „Pfui-Thema“, weil Emotionen schwer greifbar waren. Diese Zeit ist allemal vorbei. Wie wir an „Alles steht Kopf“ sehen, beschäftigt sich heute nicht nur die Forschung sondern auch Hollywood mit Konzepten, wie Menschen ihre Emotionen verstehen können und wie sie lernen können, mit ihnen auf eine gesunde Weise umzugehen. Das 21. Jahrhundert ist das Zeitalter der emotionalen Intelligenz.

Sie haben den Film schon gesehen? Lohnt er sich?

Ich habe ihn sogar schon zweimal gesehen und gleich schaue ich ihn mir ein drittes Mal mit meinen Kindern an. Also, er lohnt sich auf alle Fälle. Jeder Film hat ja drei Ebenen: eine Handlungsebene, eine Informationsebene und eine Bedeutungsebene. Was die Handlungsebene betrifft: Der Film ist wirklich lustig, voller Gags. Wobei ich sagen muss: Ich habe mehr auf die Informations- und auf die Bedeutungsebene geachtet. Und hier ist der Film extrem lohnenswert. Die Informationsebene ist gespickt mit wissenschaftlichen Erkenntnissen über Emotionen. Hier vermittelt der Film Wissen, das nicht nur für Coaches und Trainer spannend ist, sondern für jeden, der lernen möchte mit Emotionen gesünder umzugehen.

Es kann ja anstrengend sein, wenn aus einer Idee großes Kino werden soll. Die Geschichte leidet oft, weil ein starres Konzept im Hintergrund steht. In diesem Fall nicht?

Nein, überhaupt nicht. Natürlich werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse vereinfacht; schließlich ist es ein Unterhaltungsfilm. Und trotzdem ist alles extrem gut recherchiert und wurde lange vorbereitet. Pete Docter, der Regisseur, hat fünf Jahre an diesem Film gearbeitet. Und als Vorbild für Riley – das elfjährige Mädchen, das neben den fünf Emotionen die Hauptperson des Films ist – hat er seine eigene Tochter genommen.

Doch ich möchte nochmal auf die Bedeutungsebene kommen, auf die zentrale und sehr wertvolle Botschaft dieses Films. Die lautet nämlich: Jede Emotion hat eine wichtige und positive Funktion für unser Leben. Nur wenn wir all unsere Emotionen wertschätzen und einen Zugang zu ihnen haben, kann ein glückliches Leben gelingen. Darauf gehe ich auch in meinem Videoblog genauer ein.

Nicht nur die Freude hat also eine positive Funktion für unser Leben. Es ist sogar so, dass Menschen, die beruflich zum Lächeln gezwungen werden, depressiv werden können. Das hat man in einer Studie z.B. bei Servicekräften herausgefunden. Wenn man den ganzen Tag freundlich sein muss und deshalb ständig ein gezwungenes Lächeln aufsetzt, kann das verheerende Folgen für die emotionale und körperliche Gesundheit haben. Ein freiwilliges Lächeln hingegen wirkt positiv auf unsere Gefühlslage und den Körper. In der Kindererziehung hört man manchmal Sätze wie: „Ein fröhliches Kind ist ein gutes Kind.“ Fröhlichkeit wird erwartet und gewünscht, die anderen Emotionen eher nicht. Die Eltern tun dann alles, nur damit ihr Kind fröhlich ist. Natürlich tun sie das aus einer guten Absicht heraus, aber genau hier liegt das Paradoxon: Nur wenn wir jede Emotion wertschätzen – auch eine vermeintlich „negative“ wie Trauer –, können wir wahrhaft glücklich sein. Dies wird sehr schön in „Alles steht Kopf“ aufgegriffen.

Der Kernkonflikt im Film findet nämlich zwischen Freude und Kummer statt. Freude beansprucht viel Platz für sich, will den Platz von Kummer deutlich begrenzen. Dann stellt Freude aber nach und nach fest, dass Kummer durchaus eine wichtige Funktion und einen Wert hat. Als Riley z.B. in einem Eishockey-Spiel das entscheidende Tor nicht macht, sorgt Kummer dafür, dass sie Zuwendung erfährt und wieder aufgebaut wird.

Auf der Handlungsebene ist der Film übrigens eine lupenreine Heldenreise, die Freude durchlebt. Am Ende – und das finde ich sehr schön – haben dann alle fünf Emotionen ihren Platz am Steuerpult. Sie sind jetzt gleichberechtigt.

Paul Ekman und Dacher Keltner waren als wissenschaftliche Berater beteiligt. Merkt man das?

Das merkt man, denn es finden sich fünf der sieben von Ekman definierten Basisemotionen im Film. Aus Trauer (im Original „Sadness“) hat man in der deutschen Version leider Kummer gemacht. Kummer enthält aber auch Aspekte der Angst – und deshalb bin ich mit dieser Bezeichnung nicht ganz so glücklich. Die Filmfigur „Ekel“ trägt auch Züge der Grundemotion Verachtung, hat also quasi eine Doppelrolle. Einzig Überraschung fehlt auf der Besetzungsliste, was aber verständlich ist. Überraschung ist erstens neutral und tritt zweitens immer nur ganz kurzzeitig auf, als Zwischenstation zu einer anderen Emotion, z.B. Freude oder Angst.

Dann zum Abschluss noch die Frage: Die Emotionen, auch die gemeinhin als unangenehm geltenden, werden zu mehr oder weniger knuddeligen bunten Figuren. Mir hat es die Wut angetan, meine Kollegin mag den Kummer. Meinen Sie, dass der Film dazu beitragen kann, dass Menschen allgemein besser mit ihren „schwierigen“ Gefühlen umgehen können?

Die Personifizierung von Emotionen in Form von Animationsfiguren hilft Menschen eindeutig, ihre Gefühle besser zu verstehen und wertzuschätzen. So werden sie greifbar und man kann anders über sie sprechen. In meinen Vorträgen arbeite ich deshalb jetzt auch viel mit diesen Figuren.

Der Film schreit übrigens geradezu nach einer Fortsetzung. Bislang spielten ja Freude und Kummer die Hauptrollen, doch auch die anderen Emotionen kommen garantiert noch zum Zug. Auf dem Steuerpult taucht am Ende des Films z.B. plötzlich ein neuer Knopf auf, der „Pubertät“ heißt. „Pubertät? Was ist das denn?“, fragt Ekel. Und die anderen Emotionen antworten im Chor: „Keine Ahnung. Der ist nicht wichtig.“

Dann haben wir ja etwas, auf das wir uns freuen können. Das ganze Junfermann-Team wird sich den Film übrigens am Montag anschauen. Und ich bin gespannt, wie Ihre Kinder ihn so fanden. Sie werden bestimmt nicht erster Linie auf die Informations- und Bedeutungsebene schauen, sondern eher auf die Handlungsebene.

Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl!

Was genau ist an der Psychotherapie eigentlich therapeutisch?

Von Guido Plata

Die Antwort auf die Frage in der Überschrift scheint naheliegend: „Natürlich die vom Therapeuten eingesetzten Techniken, die führen schließlich die gewünschte Veränderung herbei.“ Diese oder ähnliche Antworten kommen vielen Menschen spontan in den Sinn, aber denken Sie einmal über Folgendes nach: Könnte man ein und denselben Klienten theoretisch zu zehn verschiedenen Therapeuten schicken, und das Ergebnis der Behandlung wäre in allen Fällen dasselbe?

Nein, sicher nicht, meint man nun, da müsste es doch Unterschiede geben – aber warum sieht man dies so? Weshalb geht man davon aus, dass sich die Ergebnisse unterscheiden würden?

Jeder Mensch weiß aus Erfahrung, dass alle Vorgänge im Leben durch viele Faktoren beeinflusst werden können. Eine Psychotherapie ist keine Ausnahme von dieser Regel; der Verlauf und das Ergebnis einer Therapie sind unzähligen Einflüssen unterworfen.

Betrachten wir einmal genauer, welche Einflüsse möglich sind: Sicher gibt es oft berufliche oder private Veränderungen im Leben des Klienten, die nicht wegen der Therapie aufgetreten sind, sich aber dennoch auf die Therapie auswirken. Auch kommen einzelne Klienten und Therapeuten unterschiedlich gut miteinander aus, vielleicht beherrschen manche Therapeuten ihr Handwerk besser als andere, der besondere Stil eines bestimmten Therapeuten passt besser zu einem individuellen Klienten, oder man versteht sich besser oder schlechter. Aber ist die Beziehung zwischen Therapeut und Klient wirklich entscheidend?

Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, wie man eine Psychotherapie sieht. Versteht man sie als eine Art Reparatur, wie bei einem Auto in der Werkstatt? In diesem Fall wäre das Therapieergebnis nur vom Können des Therapeuten beim Einsatz der therapeutischen Techniken abhängig. Oder sieht man Psychotherapie eher als Prozess, an dem der Klient aktiv teilnimmt und ein gutes Verhältnis zwischen Therapeut und Klient entscheidend für den Ausgang ist? Dann hätte der zwischenmenschliche Faktor erhebliches Gewicht. Und hier kommt die therapeutische Beziehung ins Spiel.

Seit den 1940er Jahren befasst man sich in der Psychotherapieforschung mit der therapeutischen Beziehung, die als intensiver Wirkfaktor angesehen wird. Eine der am Häufigsten zitierten Schätzungen ihres Einflusses stammt von dem US-amerikanischen Psychologen Michael J. Lambert (1992), der vier grundsätzliche Faktoren mit Relevanz für den Therapieerfolg unterschied:

  • Außertherapeutische Faktoren. Dies sind Faktoren im Leben des Klienten, die nicht infolge der Behandlung eintreten, sich aber darauf auswirken. Hierzu zählen die bereits erwähnten Veränderungen im Leben des Klienten (positive, wie eine Beförderung, oder negative, wie ein Trauerfall), die Voraussetzungen in der Persönlichkeit des Klienten (wie seine Ich-Stärke) und auch das Maß an sozialer Unterstützung, das er von Freunden oder Familie erhält. All diese Faktoren kann der Therapeut nicht beeinflussen, aber sie tragen entscheidend zum Erfolg der Therapie bei.
  • Erwartungen. Die Erwartungen auf Seiten eines Klienten können zum Placeboeffekt führen – dem Eintreten einer positiven Veränderung, weil man glaubt, dass etwas passiert wäre, was eine positive Veränderung herbeiführen wird.
  • Techniken. Die therapeutischen Techniken in der Schule, der der Therapeut angehört – wie Exposition in der Verhaltenstherapie oder kognitive Umstrukturierung in der Kognitiven Verhaltenstherapie.
  • Gemeinsame Faktoren. Dies sind Faktoren, die die Beziehung zwischen Therapeut und Klient unabhängig von der theoretischen Ausrichtung des Therapeuten charakterisieren – beispielsweise Wärme, Einfühlungsvermögen, Akzeptanz, Ermutigung zum Eingehen von Risiken und andere Dinge.

Entscheidend ist nun, in welchem Ausmaß all diese Faktoren zum Therapieerfolg beitragen. Lambert (1992) schätzt die Anteile wie folgt:

  • Außertherapeutische Faktoren – 40%
  • Erwartungen – 15%
  • Techniken – 15%
  • Gemeinsame Faktoren – 30%

Bedenken Sie bei dieser Schätzung, dass genaue Angaben in Zahlen naturgemäß immer schwierig sind. Außerdem muss man beim Lesen dieser Auflistung berücksichtigen, dass alle Faktoren positiv oder auch negativ wirken können – positive Lebensereignisse fördern die Genesung, negative Lebensereignisse behindern sie. Eine gute therapeutische Beziehung ist dem Therapieerfolg zuträglich, eine schlechte therapeutische Beziehung ist ihm abträglich (und führt in vielen Fällen sogar dazu, dass die Therapie vorzeitig abgebrochen wird). Man darf die Liste also nicht so lesen, dass eine Psychotherapie insgesamt überflüssig wäre, weil ja schließlich 40 Prozent des Therapieergebnisses die Folge außertherapeutischer Faktoren seien. Vielmehr lautet die zentrale Aussage, dass das Zusammenspiel eines normalen Maßes an außertherapeutischen Faktoren mit gemeinsamen Faktoren (also einer guten therapeutischen Beziehung) und sachkundig eingesetzten Techniken zum Behandlungserfolg führt.

Die Techniken müssen dabei natürlich zu den Symptomen passen, wegen denen die Behandlung begonnen wurde – bei einer spezifischen Phobie, etwa vor Schlangen oder Spinnen, ist die Verhaltenstherapie die Methode der Wahl, bei einer chronischen Depression hingegen wären andere Therapieformen wie CBASP angebracht. Aber insgesamt gesehen macht die Art der eingesetzten Techniken an sich nur wenig vom Therapieerfolg aus. Außerdem verfolgen viele Therapeuten heutzutage einen eklektischen Ansatz, bei dem sie bei Bedarf auch Techniken aus anderen therapeutischen Schulen übernehmen, wenn sie sich als hilfreich erwiesen haben.

Insgesamt gesehen ist der heutige Stand der Therapieforschung, dass die Qualität der therapeutischen Beziehung ein entscheidender Faktor für den Therapieerfolg ist.

Was sind die Merkmale einer guten therapeutischen Beziehung? In der Literatur finden sich dazu viele Auflistungen entsprechender Eigenschaften, aber insgesamt gesehen kann man sie als freundschaftliche zwischenmenschliche Beziehung beschreiben. Sie hat Merkmale wie Wärme, Aufrichtigkeit, Einfühlungsvermögen des Therapeuten, seine Wertschätzung des Klienten und diverse andere Dinge. All dies führt dazu, dass die Beziehung auch als angenehm erlebt wird.

Die entscheidende Frage ist: Fühlt der Klient sich wohl dabei, Zeit mit dem Therapeuten in der Therapie zu verbringen? Ist es ihm angenehm, dem Therapeuten persönliche Dinge anzuvertrauen? Fühlt er sich ernstgenommen und geschätzt? Und auch wenn die Therapie unangenehme Dinge beinhaltet, wie die Konfrontation mit negativen Gedanken oder Verhaltensweisen, oder den Kontakt mit gefürchteten Objekten, fühlt er sich vom Therapeuten angemessen unterstützt?

Wie bereits erwähnt, natürlich ist eine gute therapeutische Beziehung zwar notwendig, aber für sich allein nicht hinreichend für positive Veränderungen – ebenso wenig wie der hohe Anteil außertherapeutischer Faktoren bedeutet, dass eine Psychotherapie insgesamt überflüssig wäre. Aber dennoch stellt die therapeutische Beziehung einen der Eckpfeiler des Behandlungserfolges dar, und insofern ist die Fähigkeit des Therapeuten, eine gute therapeutische Beziehung herzustellen und aufrechtzuerhalten, äußerst wichtig.

Diese letztgenannte Fähigkeit bezeichnet man in der neueren Literatur auch als therapeutische Metakompetenz, und sie hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Für Therapeuten bedeutet dies, mehr Gewicht auf „Softskills“ zu legen, und weniger auf die Anwendung bestimmter Techniken ihrer jeweiligen Schule. Auch die Haltung gegenüber dem Klienten ändert sich mit steigender Metakompetenz hin zu mehr Akzeptanz und Einfühlungsvermögen, und ebenso hin zu mehr Respekt für den kulturellen und persönlichen Hintergrund des Klienten. Gute therapeutische Metakompetenz führt dazu, dass die Behandlung beim Aufbau der therapeutischen Beziehung an den Klienten angepasst wird – der Klient ist ein gleichberechtigter Partner beim Aufbau der Beziehung, die als Vehikel für das Herbeiführen von Veränderungen dient und den entsprechenden Kontext liefert. Ebenso wird die Meinung des Klienten über seine Symptome und den therapeutischen Prozess honoriert. Der Klient selbst hat eine (wenn auch nicht wissenschaftlich formulierte) Theorie über seine Beschwerden, ihre Ursache und den eigentlichen Therapieprozess. Diese muss ernstgenommen werden, denn damit die angebotenen Techniken unabhängig von der Therapieschule funktionieren, muss der Klient bereit sein, sich darauf einzulassen. Dies wiederum setzt voraus, dass er sie nicht nur auf der abstrakten Ebene versteht und für brauchbar hält, was ja das Ziel der Psychoedukation ist. Sollte der Klient den Therapieprozess aber als herabwürdigend oder unangemessen erleben, ist ein Behandlungserfolg praktisch ausgeschlossen.

Zusammenfassend kann man also sagen: Es ist entscheidend, dem Klienten mit Achtung, Wärme und Einfühlungsvermögen zu begegnen, um bei ihm wiederum eine Haltung hervorzurufen, die eine gute therapeutische Beziehung ermöglicht. Für Therapeuten bedeutet dies, sich stärker mit der Weiterentwicklung ihrer therapeutischen Metakompetenz zu befassen, und für Klienten bedeutet es, bei der Auswahl eines Therapeuten auch einfach mal auf ihr „Bauchgefühl“ zu hören!


Über den Autor

Guido Plata ist Diplom-Psychologe und seit vielen Jahren als Fachübersetzer für psychologische Texte tätig.

Der Erfahrbare Atem: 50 Jahre Ilse-Middendorf-Institut Berlin

1965 – also vor 50 Jahren – wurde in Berlin das Ilse-Middendorf-Institut für den Erfahrbaren Atem gegründet. Prof. Ilse Middendorf (1910-2009) bildete dort fortan Atemtherapeutinnen und -therapeuten in der von ihr begründeten Schule des Erfahrbaren Atems aus. 1971 erhielt sie zudem eine Professur an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Berlin, in der sie Schauspielschüler im Atem unterrichtete. 1986 begann sie mit Seminaren und Ausbildungskursen in den USA, was 1991 in die Gründung eines US-Instituts in Berkeley mündete.

1985 – vor 30 Jahren also – erschien die Erstauflage von Ilse Middendorfs Klassiker „Der Erfahrbare Atem“ bei Junfermann. Dieses Grundlagenwerk ist nach wie vor aktuell und wird in der Ausbildung von Atemtherapeutinnen eingesetzt.

Ich bin Ilse Middendorf leider nie persönlich begegnet; unser Kontakt beschränkte sich auf Telefon und E-Mail. Was mich an ihrer aber immer sehr fasziniert hat, war ihre Wachheit und Vitalität bis ins hohe Alter. Für mich war sie damit der lebende Beweis für die Wirksamkeit ihrer Methode.

Und betrachtet man einmal die beiden Jubiläumsdaten – 1965 und 1985 –, und führt man sich dann vor Augen, dass Ilse Middendorf bei der Gründung ihres Instituts 55 Jahre alt war und das sie mit 75 Jahren ihr Buch veröffentlichte: Wo für andere vielleicht Ruhestand angesagt ist, startete diese Frau noch einmal richtig durch.

Das für ihre Arbeit Wesentliche hatte Ilse Middendorf in ihrem „Atemgedicht“ zusammengefasst, aus dem nun ein kleiner Ausschnitt folgt.

Du möchtest Dich
Deinem Atem zuwenden:
Atmen sollte Gesundheit bringen
heißt es –
mehr Frische – mehr Leistung
mehr … mehr …

So setze Dich zu mir
und lausche.

Das erste ist
warten können –
auf den Atem, der in mich einfließt.
Und ihn begleiten,
wenn er mich verlässt
und als Kraft
in der Welt in Erscheinung tritt –
im Klang, im Wort, im Werk.
In der Ruhe nach dem Ausatmen
bin ich geborgen
in dem, was mich geschaffen hat.

Atembewegung –
Urbewegung des Lebens,
Ausdruck dessen,
was ich werden kann.

Jede Zelle schwingt im Anruf
der Bewegung,
in Muskeln-Knochen-Organen
und setzt sich fort
in alle Sinne,
in meine Gestalt und das,
was Gestalt werden will –
kann – möchte – sollte.

Werde ich durchlässig?
Was ist das?
Bin ich wie ein Schwamm?
Nein.
Ich vermag meinen Atem zuzulassen,
dass er mich schwingend bewegt.
Aber ich und mein Selbst
sind der Inhalt dieser Bewegungen.
Ich lebe, ich atme –
ich werde gewahr,
welch großes Reich
ich das meine nenne.
Eine Welt bin ich,
wenn ich
zum bewussten Sein
erwache – langsam,
denn ich muss tragen können,
was mir geschenkt wird.

 

Die Leitung des Ilse-Middendorf-Instituts ist schon vor vielen Jahren an die nächste Generation übergeben worden. 1982 gründete Helge Langguth, Ilse Middendorfs Sohn, ein zweites Institut in Beerfelden und seit 1988 hat er die Gesamtleitung für beide Institute.

Wir gratulieren ganz herzlich zum 50-Jährigen, und wünschen viel Freude bei den Jubiläumsveranstaltungen. Auf die nächsten 50 Jahre!

Informationen zu den Instituten in Deutschland

Informationen zum Institut in den USA

Der wichtigste Faktor für Erfolg? Sie selbst!

Die Struktur des Erfolgs – Warum Sie Erfolg lernen können

Von Swantje Allmers

Was unterscheidet erfolgreiche Menschen von weniger erfolgreichen Menschen? Sind es die Startbedingungen? Der Intellekt? Das Aussehen? Oder ist es vielleicht doch nur Zufall? Für jedes Kriterium lassen sich gute Beispiele und Gegenbeispiele finden.

Jan Koum, einer der Whatsapp-Gründer, wuchs zum Beispiel unter den ärmsten Verhältnissen in der Ukraine auf. Ab seinem 16. Lebensjahr lebte er in den USA. Anstatt Einsen auf einer Elite-Uni zu kassieren, übernahm Koum diverse Nebenjobs und schmiss sein Studium an einer mittelmäßigen Uni.

Im Gegensatz dazu gibt es zahlreiche Beispiele für Kinder reicher Eltern, die es trotz idealer Startbedingungen nur zu übermäßigem Drogenkonsum und mangelndem Lebensglück geschafft haben.

Wenn das möglich ist, können die Kriterien für Erfolg nicht nur in äußeren Rahmenbedingungen liegen. Der wichtigste Faktor, der erfolgreiche Menschen von weniger erfolgreichen Menschen unterscheidet, sind die persönlichen Einstellungen, mentalen Fähigkeiten und Strategien.

Was ist Erfolg überhaupt?

Eines ist schon mal klar: Erfolg bedeutet unterschiedliche Dinge für unterschiedliche Personen zu unterschiedlichen Zeiten ihres Lebens. In unserer Gesellschaft assoziieren viele Menschen Erfolg mit Geld. Erfolg kann allerdings auch etwas völlig anderes bedeuten, z. B. Gesundheit, eine glückliche Beziehung, Familie, Reisen oder persönliche Freiheit – was auch immer das konkret heißt. Und für Sie ist Erfolg vielleicht etwas völlig anderes.

Eine gute und gängige Definition lautet: Erfolg ist das Erreichen persönlicher Ziele. Das bedeutet im Umkehrschluss, ohne Ziele gibt es keinen Erfolg. Damit wären wir schon fast beim ersten Erfolgs-Prinzip. Es bleibt noch zu ergänzen, dass es natürlich auch immer darum geht, wie diese Ziele erreicht werden. Denn ist es noch ein Erfolg, wenn jemand dauerhaft gegen seine innersten Werte verstößt, um ein Ziel zu erreichen?

Die fünf Prinzipien für Erfolg

Erfolgreiche Menschen …

… wissen, was Sie wollen

Erfolgreiche Menschen handeln zielorientiert. Sie kennen ihre Ziele und wissen, warum sie diese erreichen wollen. Dabei stellen sie sicher, dass ihre Ziele zueinander passen und ökologisch sinnvoll sind. Das heißt, dass die Ziele gut für sie selbst sind und für die Menschen, die ihnen wichtig sind.

Klingt logisch und machbar? In der Theorie schon, dennoch setzen sich die wenigsten Menschen wirklich konkrete Ziele im Leben. Stattdessen leben sie ihr Leben vor sich hin und hoffen darauf, dass ihnen „das Leben“ das bringt, von dem sie noch nicht wussten, dass sie es haben wollen.

Die Beschäftigung mit Ihren Zielen wird mit dem besten Aufwand-Nutzen-Verhältnis belohnt, das Sie vermutlich je erlebt haben. Sobald Sie Ihre Ziele kennen, können Sie mit Ihrem bewussten und unbewussten Verstand an der Umsetzung arbeiten.

Es gibt ein paar Dinge, die Sie dabei beachten sollten:

  • Achten Sie darauf, dass Sie sich für die verschiedenen Bereiche Ihres Lebens Ziele setzen (z. B. Beruf, Familie, Freizeit und Erholung, Gesundheit und Fitness, Finanzen, persönliche Weiterentwicklung usw.).
  • Formulieren Sie positiv (was wollen Sie haben?). Manchen Menschen fällt es leichter, erst das zu formulieren, was sie nicht mehr haben wollen. Wenn Ihnen das genauso geht, beginnen Sie damit und formulieren Sie im Anschluss das, was Sie haben wollen.
  • Planen Sie Ihre Ziele so konkret wie möglich. Wie sieht Ihr Traumhaus zum Beispiel genau aus? In welcher Umgebung liegt es, wie viele Etagen hat es, wie sieht der Fußboden aus, wie viele Bäder hat es usw.
  • Vergessen Sie während Ihrer Zielplanung die Frage nach dem „Wie“. Gehen Sie davon aus, dass alles möglich ist, sofern das „Warum“ bzw. „Wofür“ wirklich stark und motivierend ist. Formulieren Sie das, was Sie wirklich, wirklich möchten, auch wenn Sie vielleicht noch nicht wissen, wie Sie es erreichen werden.

… kommen ins Handeln

Wenn Sie Ihre Ziele kennen, heißt das nicht, dass danach alles von selbst passiert, frei nach dem Motto: „Das Universum macht den Rest“. Erfolg ist auch das Resultat von Selbstmotivation und der Fähigkeit, an den eigenen Zielen dran zu bleiben. Sie dürfen ins Handeln kommen. Auch hier gilt: Was logisch klingt, fällt den meisten Menschen schwer. Der Grund kann auch im Ziel liegen, denn ist ein Ziel, für das Sie nicht bereit sind, etwas zu tun, wirklich ein gutes Ziel?

Bei Rückschlägen und Hindernissen entscheidet sich oft, ob Sie Ihr Ziel wirklich erreichen. Es sind nicht die Herausforderungen selbst, die relevant sind, sondern Ihre Fähigkeit, diese als wertvolles Input für die nächsten Schritte zu nutzen, anstatt sich von ihnen entmutigen zu lassen. Das können Sie durch Disziplin erreichen oder (das ist der leichtere Weg), indem Sie ein wirklich überzeugendes Ziel vor Augen haben, für das sich Ihr Einsatz lohnt.

… sind aufmerksam

Erfolgreiche Menschen achten (bewusst oder unbewusst) sehr genau auf die Ergebnisse ihrer Handlungen und prüfen, ob diese sie ihrem Ziel wirklich näher bringen.

Es geht dabei um zwei Richtungen von Aufmerksamkeit. Nach außen: Was passiert in Ihrem Umfeld? Welche Reaktionen erleben Sie? Und nach innen: Was sagt Ihnen Ihr Gefühl? Was spüren Sie bzw. was können Sie erkennen? Dabei sollten Sie natürlich immer in Betracht ziehen, dass Sie manche Ergebnisse und Reaktionen sofort erhalten und manche mit Verzögerung oder auf einem anderen Weg, als Sie es erwartet hätten.

Ihre Aufmerksamkeit können Sie schnell trainieren, indem Sie zum Beispiel täglich für zehn Minuten ganz bewusst auf alle noch so kleinen Details um sich herum achten und in Gesprächen auf jede Reaktion Ihres Gegenübers, die Sie wahrnehmen können.

Seien Sie außerdem ehrlich zu sich selbst und machen Sie einen regelmäßigen Review, in dem Sie sich fragen, was Sie im vorherigen Zeitabschnitt für Ihre Ziele getan haben und was Sie im nächsten Zeitabschnitt für sie tun werden.

… sind flexibel

Wie flexibel sind Sie? Flexibilität ist in der Evolution eine entscheidende Voraussetzung für das Überleben (was sich definitiv auch als Erfolg werten lässt). Menschen sind für gewöhnlich immer dann sehr flexibel, wenn es um Entscheidungen oder Veränderungen innerhalb der eigenen Komfortzone geht. Sie können beobachten, dass die Verhaltensflexibilität bei den meisten Menschen allerdings sehr gering ausgeprägt ist. Sie tun immer dasselbe, unabhängig davon, ob es funktioniert oder nicht.

Das ist übrigens eine völlig normale Reaktion des Gehirns. Ihr Gehirn ist so konzipiert, dass es die Dinge, die es kennt und einsortieren kann, bevorzugt. Und zwar unabhängig vom Inhalt oder der Qualität. Neue Informationen lehnt es zunächst ab. Denn Neues zu lernen verbraucht viel mehr Energie als Bekanntes zu verarbeiten. Vielleicht erinnern Sie sich, wie Sie sich das letzte Mal gefühlt haben, nachdem Sie sehr viel Neues gelernt haben.

Im Neurolinguistischen Programmieren (NLP) geht es im Grunde immer darum, Optionen zu erweitern und damit die Flexibilität zu erhöhen. Je mehr Möglichkeiten Sie haben, anders (flexibler) auf andere Menschen, neue Situationen oder Herausforderungen zu reagieren, desto leichter wird es Ihnen natürlich fallen. Sie können Ihre Flexibilität erweitern, indem Sie zum Beispiel wirklich jeden Tag ganz bewusst etwas Neues machen. Fahren Sie zum Beispiel einen anderen Weg zur Arbeit, sprechen Sie mit Menschen, mit denen Sie noch nie ein Wort gewechselt haben, oder essen Sie etwas anderes zu Mittag als sonst. Es ist nicht wichtig, was Sie jeden Tag anders machen; wichtig ist, dass Sie jeden Tag etwas anders machen.

Darüber hinaus gilt: Wenn das, was Sie tun, nicht funktioniert (um das festzustellen, braucht es das nötige Maß an Aufmerksamkeit), dann tun Sie etwas anderes. Es kann sein, dass Sie nicht immer wissen, was Sie stattdessen machen sollen. Dann können Sie Ihr Verhalten so lange verändern, bis Sie etwas finden, das funktioniert.

… handeln aus einer Physiologie und Psychologie von Exzellenz

Dass Körper und Geist ein System sind, ist keine Neuigkeit. Erfolgreiche Menschen erkennt man oft an ihrer Haltung und daran, dass sie auf ihren generellen physischen Zustand achten. Haltung, Aufmerksamkeit und Zustand beeinflussen sich gegenseitig. Wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit auf etwas Positives richten, ändert sich auch Ihre Haltung und Ihre Emotion und vice versa.

Zustandsmanagement ist ein wichtiges Stichwort, wenn es um Exzellenz geht. Hierbei geht es darum, dass Sie Ihren Mentalzustand gezielt verändern können, damit Sie in jeder Situation im bestmöglichen Zustand sind.

Wie Sie schnell in einen ressourcenvollen Zustand gehen und ihn nutzen:

Nehmen Sie sich ein paar Momente und denken Sie an alle jene Gründe, warum Sie heute schon eine erfolgreiche Frau oder ein erfolgreicher Mann sind.

Nicht notwendigerweise im Bereich Finanzen, sondern in Bezug auf alle Dinge, für die Sie jetzt dankbar sein können. Vielleicht für die Liebe und Zuneigung, die Ihnen andere Menschen in Ihrem Leben geben. Oder für materielle Annehmlichkeiten, die Sie heute genießen und die vor fünf, zehn oder zwanzig Jahren nicht möglich gewesen wären. Möglichkeiten und Freiheiten, die Sie heute haben, die sich Ihre Großeltern nicht einmal hätten vorstellen können.

Assoziieren Sie sich in alle diese Dinge hinein, für die Sie dankbar sind. Vielleicht nehmen Sie wahr, wie sich Ihr emotionaler und mentaler Zustand schon verändert. Von diesem Zustand aus betrachtet: Welche Ideen, Handlungen oder Arten, mit anderen zu interagieren, werden Ihnen in Zukunft helfen, noch erfolgreicher zu sein?

Die Struktur entscheidet

Was glauben Sie, wie viele (vorher arme) Lottogewinner ihren Gewinn als Sprungbrett in ein anderes Leben nutzen? David Lee Edwards gewann 2001 rund 41 Millionen US Dollar. Fünf Jahre später hatte er alles ausgegeben. Damit ist er kein Einzelfall. Man geht davon aus, dass 80 Prozent aller Lottogewinner (und damit ist der Gewinn eines sechs- und siebenstelligen Betrags gemeint) nur zwei Jahre nach dem Gewinn wieder genauso arm oder reich sind, wie sie es vorher waren. Keiner von ihnen hätte gedacht, dass es noch mal so kommen würde.

Und es gibt Menschen, die immer wieder erfolgreiche Unternehmen aufbauen und Geschäfte abschließen. Am Anfang noch, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, später nur noch zum Spaß. Ein Beispiel ist der Unternehmer Oliver Beste, der zahlreiche Unternehmen gegründet und aufgebaut hat. Auch die Samwer-Brüder (deutsche Internet-Unternehmer) fallen in diese Kategorie.

Der Unterschied liegt in der Struktur. Wenn Sie wissen, was Sie wollen, ins Handeln kommen, aufmerksam und flexibel sind und die Dinge tun, die funktionieren, ist alles möglich. Wenn Sie schlechte Strategien unverändert lassen, erreichen Sie nicht mehr und nicht weniger als vorher. Nicht einmal, wenn Sie plötzlich mehrere Millionen auf dem Konto haben.


  Über die Autorin

Swantje Allmers ist studierte und mehrfach ausgezeichnete Betriebswirtin. Sie arbeitet als Unternehmensberaterin, Coach und NLP-Trainerin in Hamburg. Die Frage, was Menschen erfolgreich macht, ist ein entscheidender Bestandteil ihrer täglichen Arbeit, in der sie Menschen und Unternehmen dabei unterstützt, ihre Ziele zu erreichen. Mehr Informationen zu ihren NLP-Seminaren finden Sie hier.

„Jeder hat seine eigene Welt“

Borderline – wenn nichts mehr zu helfen schein

Von Anja Link

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) gilt gemeinhin als schwer behandelbar; die Situation aller Involvierten – der Betroffenen selbst, ihrer Angehörigen oder der Fachleute – ist alles andere als einfach: Menschen mit einer BPS eilt der Ruf voraus zu manipulieren, ihr Umfeld zu testen und ggf. Freundschaften und Partnerschaften ohne Vorwarnung aufzukündigen. Therapien scheinen ins Leere zu laufen, Ärzte und Therapeuten sind demotiviert, weigern sich oft, „Borderliner“ überhaupt als Patienten anzunehmen. Und Angehörige fühlen sich allein gelassen, müssen hilflos mit ansehen, wie ihnen ihr Kind, ihr Geschwister, ihr Partner mehr und mehr entgleitet.

Höchste Zeit also das öffentliche Bild von Menschen mit BPS zurechtzurücken und sich noch stärker dafür einzusetzen, dass ein tragbares Helfersystem etabliert wird. Die seit 2007 stattfindenden „Trialoge“ leisten hierzu einen wertvollen Beitrag. Im Buch „Borderline im Trialog. Miteinander reden – voneinander lernen“ werden der Grundgedanke und die gewonnenen Einsichten aus den Treffen zusammen mit dem Status Quo zum Störungsbild anschaulich dargestellt.

Was bedeutet Borderline?

Im Kern versteht man unter der BPS eine Störung in der Regulation von Emotionen. Die Betroffenen nehmen ihre Gefühle schneller, intensiver und länger anhaltend wahr als Menschen ohne BPS. Heftige Stimmungsschwankungen und belastende innere Anspannungszustände sind die Folge. Mit oftmals lebensgefährlichen Verhaltensweisen (Suche nach dem Kick) sowie Selbstverletzungen versuchen Menschen mit BPS Abhilfe zu schaffen.

Das Wissen um das Krankheitsbild ist erheblich gewachsen

In der störungsspezifischen Therapie erlernen Borderline-Patienten Alternativen zu ihren dysfunktionalen Strategien. Das therapeutische Angebot hat sich – auch bedingt durch den medizinischen Erkenntniszuwachs – verbessert, und auch im Bereich Selbsthilfe hat sich in den letzten Jahren einiges getan: Der Buchmarkt ist gut bestückt mit Erfahrungsberichten von Betroffenen und Ratgebern für die Angehörigen.

Dennoch bleibt die Lage unbefriedigend. Die Betroffenen drücken häufig ihre Frustration darüber aus, dass sich trotz der Anstrengungen nichts wesentlich verändert hat, die schwer auszuhaltenden Gefühle immer wiederkehren. Das angesammelte und -gelesene Wissen hilft nicht. Resignation, Mutlosigkeit, sozialer Rückzug folgen.

Für die Angehörigen ist das nicht minder frustrierend. Hilflos muss man mit ansehen, wie das eigene Kind an der puren Existenz leidet, wie die schwierigen Verhaltensmuster das Leben, Beziehungen, die Ausbildung ruinieren.

Und selbst die Fachleute stehen im Praxisalltag der komplizierten Dynamik der BPS oft verständnislos gegenüber, trotz Fortbildungen und einem großen Erfahrungsschatz. Es entsteht der Eindruck, der Patient „will“ gar keine Veränderung oder Verbesserung seiner Lage.

Voneinander lernen

Und genau in diesem Spannungsfeld kommt der Trialog zum Einsatz. Der direkte, ehrliche und authentische Austausch zwischen Betroffenen, Angehörigen und Fachleuten erfolgt mit dem Ziel, neue Erkenntnisse zu generieren und ein tieferes Verständnis auf allen Seiten zu erzeugen. Das gegenseitige Verstehen verhindert Bewertungen, Schuldzuschreibungen und negative Interpretationen. Das Miteinanderreden vermittelt Zuversicht und ist Grundlage für eine Wiederannäherung: Der Mut, den gemeinsamen Alltag auch gemeinsam zu bewältigen, wird gestärkt.

Im Buch werden die so herausgefilterten „Erfolgsstrategien“ zusammengefasst: Wie erlebt jede Gruppe ihre jeweilige Situation? Wie viel Hilfe und Unterstützung sollte erfolgen? Wie viel Eigenverantwortung darf und muss den Betroffenen zugetraut werden? Wie können Angehörige ihre eigenen Grenzen aufzeigen? Dürfen Eltern trotz Suizidgefahr des Kindes auch einmal nur an sich denken? So individuell die Beteiligten der Trialog-Veranstaltungen sind, so vielfältig sind auch die zu diskutierenden Fragen – und nicht zuletzt auch die potenziellen Lösungswege.

Für professionell Tätige besonders relevant ist natürlich die Frage nach den Gründen für Stagnation im Therapieprozess. Die konkreten Vorerfahrungen und Erlebnisse der Betroffenen können sehr unterschiedlich sein. Vielleicht hat es für den Patienten bereits Kontakte zum Helfersystem gegeben, die am Ende eher frustrierend als hilfreich waren. Die Erfahrung, nicht verstanden zu werden, vielleicht sogar eine abwertende Rückmeldung von einem Therapeuten zu bekommen, dem man sich anvertraut hat, kann ein triftiger Grund sein, weitere Hilfsangebote zu boykottieren.

Weniger Borderline, mehr Mensch

Nicht zuletzt stellt das Buch auch das öffentliche – eher negative – Bild von „den Borderlinern“ in Frage, indem es die ganz menschliche Komponente präsentiert. Sie ist es, die auch in den Trialogen wieder in den Vordergrund gerückt wird: Wie stark hält ein jeder Mensch an Gewohnheiten fest, die ihm Sicherheit vermitteln? Wie schwerfällig sind wir alle im Verändern von Verhaltensmustern? Wie lange kann es dauern, bis wir unsere Ernährung umgestellt, mit dem Rauchen aufgehört oder mit dem Sporttreiben angefangen haben? Doch von einem psychisch kranken Menschen wird erwartet, dass er alles dransetzt, um seine Situation zu verändern?! Stimmen hier die Relationen? Sind die Erwartungen realistisch?

Wertvolle Take-aways

Das Buch mit seinen trialogisch betrachteten Themen stellt sicherlich eine Momentaufnahme dar, doch die geschilderten Eindrücke aller Beteiligten zeigen eindrucksvoll auf, wie wertvoll eine fortwährende Diskussion ist. Der Trialog als lebendiger Austausch wird stetig weitergeführt und um neue (strukturelle, inhaltliche etc.) Ideen erweitert.

In einem der letzten Trialoge notierten sich die Teilnehmer etwa ihre ganz eigenen „Take-aways“, die Eindrücke, Gedanken und Erkenntnisse, die man für die gemeinsame Begegnung erinnern möchte. Hier folgt ein kleiner Auszug aus den Rückmeldungen:

–         „Jeder hat seine eigene reale Welt“

–         „Der Umgang mit seinen Gefühlen bzw. das generelle Befinden wird im Laufe der Zeit besser werden, wenn man die genannten Skills übt (Hoffnungsgedanke).“

–         „Grenzen setzen – Grenzen akzeptieren“

–         „Statt eines impulsiven ‚Jas‘ lieber ein ‚Vielleicht‘

–         „Was mache ich richtig richtig? Und was mache ich richtig falsch?“

–         „Struktur kann helfen, aber auch ein Hindernis sein“

–         „Katzen können ganz viel helfen! 😉

 

Nicht nur der Austausch im Trialog soll weitergehen, auch der Austausch über das Buch soll bereichern, befruchten, Erkenntnisse liefern. Daher teilen Sie uns Ihre Meinungen mit! Auch bei (fachlichen) Fragen können Sie sich gern melden:

Kontaktdaten der Borderline-Trialog Kontakt- und Informationsstelle

Hessestraße 10

90443 Nürnberg

Tel: 0911/42485540

Fax: 0911/4248558

E-Mail: anja.link@borderlinetrialog.de

 

 

Mit der „bösen“ Hand? – Zum Tag der Linkshänder

„Na, welches ist das schöne Händchen?“ Diese Frage hat mich durch meine Kindheit begleitet. Wenn ich meine Hände heute vor mich auf den Tisch lege und betrachte: Ist die eine wirklich schöner als die andere? Es gibt schon ein paar Unterschiede: mehr oder weniger Altersflecken, Venen treten bei einer Hand deutlicher hervor, links ist ein Fingernagel abgebrochen … Aber machen diese kleinen Unterschiede eine Hand schöner bzw. hässlicher?

Doch nicht nur Schönheitsunterschiede gab es, ich hatte anscheinend auch eine „böse“ und eine „liebe“ Hand. Und weil ganz oft mit der Wurst nach der Speckseite geworfen wird: Die schöne Hand war gleichzeitig die liebe. Dummerweise hatte ich als Kind eine törichte Präferenz für die böse (und damit wohl auch die hässliche) Hand: Ich bin Linkshänderin.

Heute, wo es sogar einen „Tag der Linkshänder“ gibt, scheint eine Vorliebe für die „böse Hand“ vollkommen in Ordnung. In meiner Kindheit in den 1960er-Jahren sah man das jedoch noch ganz anders. Ständige Ermahnungen, nicht immer ganz sanft ausgeführte Klapse auf die linke Hand (warum auch nicht, sie war ja schließlich böse!) – damit bin ich aufgewachsen.

Dann kam der Tag der Einschulung. Wir sollten unsere Lehrerin begrüßen und ihr die Hand geben. Alles war so fremd und aufregend – und ganz spontan gab ich ihr … die linke Hand. Alle hatten es gesehen – wie peinlich! „Gibt das Kind der Lehrerin die linke Hand!“ Für den Gesprächsstoff in der Familie zumindest war gesorgt.

Schreiben war dann auch so ein Thema. Eine strafende große Hand näherte sich regelmäßig meiner kleinen „bösen“ Hand und nahm ihr den Griffel weg.

Vielleicht war es mein Glück, dass meine Linkshändigkeit nicht ganz so stark ausgeprägt war, sodass ich mit der rechten Hand schließlich das Schreiben lernte. Alles andere – einen Ball werfen, im Topf rühren, nach etwas greifen – überlasse ich nach wie vor gerne meiner linken Hand. Und sie ist mir überhaupt nicht böse und erledigt wunschgemäß alles diese Aufgaben. Vielleicht ist das Ergebnis nicht immer ganz so schön. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrer „Händigkeit“ (egal ob links oder rechts) gemacht? Vielleicht sind Sie gar „Beidhänder“? Ich würde mich freuen, an dieser Stelle darüber zu lesen.